Einträge der Rubrik ‘Familienleben’


Politik der Peinlichkeiten – wie uns Kristina Schröder die Wahl lässt

7. November 2011 von Helga

Nach langem Hickhack ist es endlich soweit: Die schwarz-gelbe Koalition hat sich in einigen Punkten einigen können und macht endlich wieder Politik. Eine bei den Bürger_innen unbeliebte Mini-Steuerentlastung, ein „peinliches Pflege-Reförmchen“ und Druck auf die bisher ausgebliebenen Fachkräfte, in Deutschland bloß nie ins soziale Netz zu geraten. Nicht zu vergessen: Endlich wieder Familienpolitik! Dass hier für Feminist_innen kein Blumentopf zu gewinnen war, zeigte sich bereits im Oktober. Da beschwerte sich auf Twitter @mlle_krawall, dass sich Heiraten, Ehegattensplitting sei dank, steuerlich mehr lohne als Kinder zu kriegen. Darauf erklärte die Bundesfamilienministerin mal wieder vollmundig:

Tweet von @schroeder_k (Dr Kristina Schröder): "Und zwar, weil den Staat die private Rollenverteilung in einer Partnerschaft nichts angeht. Was soll daran falsch sein, @mlle_krawall?" 25 Oct via Twitter for BlackBerry®

Wie wenig sich der Staat da einmischt, machen die Ergebnisse wieder einmal deutlich. Die Herdprämie kommt, das Ehegattensplitting bleibt, gleichzeitig wird der angestrebte Ausbau der Kinderbetreuung im Westen grandios verpasst. Trotz drohendem Rechtsanspruch von Eltern auf einen Krippenplatz werden auch 2013 die Krippenplätze nicht ausreichen. Nicht nur dass die selbst-gesteckte Betreuungsquote von 35 Prozent verfehlt wird – laut Expert_innen könnte der Bedarf noch höher liegen.

Nun fragt sich Ministerin Schröder öffentlich, woran es denn liegen könnte, dass die Länder die Bundesgelder für den Krippenausbau nicht abrufen. Ja Frau Schröder, das wissen wir auch nicht. Vielleicht haben die Länder auf den Ausstieg aus der Kinderbetreuung gehofft? Wenn frau sich ihre Familienpolitik so anguckt, scheint der Gedanke nicht weit hergeholt.


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Gesucht: Surftipps für engagierte Omas und feministische Mütter

27. Oktober 2011 von Anna

In der letzte Woche erreichten uns gleich zwei Anfragen, die wir gerne an euch weiter geben würden.

@Anjjab fragte über twitter nach Blogs, Foren und anderen Möglichkeiten des gemeinsamen Austauschs mit anderen feministischen Müttern. Ein paar sind uns schon eingefallen, aber da muss es noch mehr geben!

und Raupe fragte im Selbermach-Sonntag nach Surftipps für ihre Oma:

Habt ihr Linktipps, die ich meiner Oma empfehlen könnte?
Sie ist fast 90, kann Emails abrufen und Nachrichten lesen, richtig gut googeln jedoch nicht. Dementsprechend sind Netzpolitische Themen nichts für sie. Sie ist Witwe, vielseitig interessiert, bildet sich gern weiter & möchte auch Dinge erfahren, die über Hausarbeit hinausgehen (nix gegen Hausarbeit, aber die hat sie ihr Leben lang gemacht).
Ich suche nun schon eine ganze Weile herum, und finde nichts. Vielleicht fallen mir auch nur nicht die passenden Schlagwörter ein. Über eure Tipps bin ich superfroh!
[...] Sie selbst denkt, es gibt eh nichts für sie. Ich denke, ein Blog wäre ein guter Einstieg. Fürs austauschen ist sie noch zu skeptisch mit diesem Internet. Ein Blog, der von mehreren (Frauen) geführt wird, persönlicher Touch, aber vielseitige Themen / Alltagszeug / … ?

Ich möchte sie für die vielen Möglichkeiten des Internet begeistern, damit sie nicht in ihrem Dorf sitzt und Klatschmagazine liest, obwohl sie die doof findet und sich einsam fühlt.

Wer von euch kann den beiden weiter helfen? Über sachdienliche Linktipps und Hinweise freuen sich sicher nicht nur @Anjjab und Raupe!


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Mutterschutz in der EU-Diskussion

26. Oktober 2011 von Franziska
Dieser Text ist Teil 15 von 17 der Serie Post aus Brüssel

Salut,

ich möchte euch heute vom aktuellen Stand der Revision der sog. Mutterschutz-Richtlinie berichten. Die derzeit gültige Richtlinie stammt aus dem Jahr 1992 und gewährt Arbeitnehmerinnen mindestens 14 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub und legt Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz für Schwangere und Wöchnerinnen, wie es so schön heißt, fest. Außerdem schließt sie Kündigungen von Arbeitnehmerinnen während des Mutterschutzes aus.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Im Jahr 2008 legte die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung der Richtlinie vor. Darin erhöhte sie den Anspruch auf Mutterschutzurlaub auf 18 Wochen und legte außerdem fest, dass die ersten sechs Wochen nach der Geburt verpflichtend seien, die restlichen zwölf Wochen flexibel vor oder nach der Geburt genommen werden können und dass eine Kündigung innerhalb 6 Monaten nach dem Mutterschaftsurlaub nur mit ausreichender Begründung durch den Arbeitgeber möglich sei. Die Kommission räumte in ihrem Vorschlag den Mitgliedsstaaten einen gewissen Spielraum ein. So könnten diese die Höhe der Vergütung während des Mutterschaftsurlaubs selbst festlegen, solange er die Höhe des Krankengeldes nicht unterschreitet.

Im Oktober 2010 verabschiedete das Europäische Parlament nach langen und kontrovers geführten Diskussionen seine Resolution, in der es 20 Wochen voll bezahlten Mutterschaftsurlaub forderte und diesen Anspruch auch auf Selbstständige ausdehnte. Eine weitere Neuerung war der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub, den das Europaparlament in seiner Resolution einfordert und der zu einem Hauptstreitpunkt zwischen Parlament, Rat und Kommission wurde.

Wie sieht es heute aus, ein Jahr nach Verabschiedung der Resolution?

Der Rat hat bisher nicht offiziell auf die Resolution des Parlaments geantwortet. Aus internen Berichten wurde jedoch mehrfach deutlich, dass sich eine Gruppe von acht bis elf Mitgliedsstaaten (darunter Großbritannien, die Tschechische Republik und Deutschland) im Rat vehement gegen die EP-Position ausspricht. Hauptargument der GegnerInnen sind die Kosten, die ein längerer und voll bezahlter Mutterschaftsurlaub sowie der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub mit sich brächten.
Machbarkeitsstudien, die sowohl von der Kommission und vom Europaparlament in Auftrag gegeben wurden, zeigen ein unterschiedliches Bild: Zwar käme es in einigen Mitgliedssaaten tatsächlich zu signifikanten Mehrkosten (zum Beispiel in Deutschland, wo bisher nur die Mindestdauer von 14 Wochen gewährt wird), in Ländern mit höheren Standards fielen diese jedoch erheblich geringer aus. Außerdem wurde in der Studie des Parlaments klar, dass schon ein minimaler Anstieg der Beschäftigungsquote der Frauen alle Mehrkosten ausgleichen würde.

Da es im Rat zum Stillstand der Verhandlungen gekommen ist, hat die Berichterstatterin der Mutterschutz-Richtlinie im Parlament, die portugiesische Sozialdemokratin Edite Estrela, in einer mündlichen Anfrage den Rat zur Stellungnahme aufgefordert. Die Antwort des Rates könnt ihr naträglich in der Plenardebatte vom 25. Oktober verfolgen.

Grüße aus Brüssel,

Eure Franziska


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Hätte ich das mal vorher gewußt – Mütter über Geburten

6. Oktober 2011 von Helga

Am Dienstag stellten wir Euch ein Crowdfundingprojekt aus Ägypten vor, heute gibt es noch mal einen Dokumentarfilm aus Deutschland, das Unterstützung sucht: „Ozean der Emotionen – Geburtsmomente

Es geht um das Erlebte in all seinen Facetten. Wir wollen wissen, was die Frauen und auch Männer aus diesem Erlebnis gewonnen haben, welche Erfahrungen, welches Wissen. Was hat mit ihren Erwartungen übereingestimmt und was nicht? Waren sie zufrieden? Waren sie enttäuscht? Was haben sie gelernt? Was würden sie das nächste Mal wieder genauso, was würden sie anders machen? […] Wir wollen keine pro/kontra Aufstellung für eine natürliche oder eine Krankenhausgeburt machen. Aber wir wollen versuchen, Frauen zu einem möglichst guten, selbstbestimmten und für sie stimmigen Geburtserlebnis zu verhelfen, egal wo sie entbinden.

So beschreiben die Macher_innen ihr Vorhaben. Je nach Höhe der Unterstützung gibt es auch hier wieder verschiedene Dankeschöns, von der DVD des fertigen Films bis hin zur Einladung zum Dreh und zur Premiere. Die Frist zur Unterstützung läuft noch bis zum 6. November.


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Für besseren grenzüberschreitenden Opferschutz

5. Oktober 2011 von Franziska
Dieser Text ist Teil 14 von 17 der Serie Post aus Brüssel

Salut,

Vor mehr als einem Jahr wurde die Europäische Schutzanordnung auf Initiative von zwölf Mitgliedstaaten der EU (Belgien, Bulgarien, Spanien, Estland, Frankreich, Italien, Ungarn, Polen, Portugal, Rumänien, Finnland und Schweden) auf die europäische Agenda gesetzt. Ziel war es, Opfern von Gewalt die Mobilität innerhalb der Europäischen Union zu erleichtern, indem zum Beispiel Schutzanordnungen auch in anderen EU-Ländern anerkannt werden.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Bereits im Dezember 2010 hatte sich das Europaparlament klar für mehr grenzüberschreitenden Opferschutz ausgesprochen: So forderten die Abgeordneten, dass Opfer von Gewalt (hauptsächlich Frauen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt werden, aber auch Kinder und Männer) eine Europäische Schutzanordnung in einem Mitgliedstaat der EU beantragen und diese dann in einen anderen Mitgliedstaat mitnehmen können (z.B. bei einem Umzug von Deutschland nach Spanien). Dort werden dann die entsprechenden Schutzmaßnahmen – egal, ob zivil-, straf- oder verwaltungsrechtlicher Art – getroffen. Außerdem sollte die Schutzanordnung viel Flexibilität bei der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bieten, das heißt, dass sowohl Zivil-, Straf- und Verwaltungsbehörden die Schutzanordnung ausstellen können. Das würde die Zusammenarbeit der Behörden erheblich vereinfachen. Außerdem soll auch der/die Täter_in, von dem/der die Gewalt ausgeht, angehört werden.

Jedoch kam es im Rat der EU, also auf Ebene der Mitgliedsstaaten, zu Widerstand gegen die klaren Forderungen des Parlaments. Besonders Österreich, die Tschechische Republik, Deutschland und die Niederlande blockierten lange Zeit eine Einigung im Rat. Doch nun gibt es ein Happy End: Der Rat hat einen Kompromisstext angenommen, der in Verhandlungen mit dem Europaparlament entstanden ist und auch von der Europäischen Kommission akzeptiert wird. Er hat die Forderungen des Parlaments zum großen Teil aufgenommen. Einer erneuten Annahme des Parlaments bei seiner nächsten Straßburg-Sitzung steht nun nichts mehr im Weg. Die Richtlinie zur Europäischen Schutzanordnung muss dann innerhalb von drei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden.

Viele Grüße aus Brüssel,
eure Franzsika


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Unverheiratet, keine Kinder, und dann?

21. September 2011 von Helga

Eine Reihe an Erkenntnissen über Singles hat Tara Parker-Rope für ihr Blog Well bei der New York Times zusammengetragen. So seien auch männliche Singles ihren Familien verbunden und riefen gern mal an (verheiratete Männer überliessen das ihren Frauen). Und weibliche Singles engagierten sich stärker politisch als verheiratete Frauen.

Da die Zahl der Singles immer wächst, ergäbe sich in den USA aber derzeit ein immer größeres Problem, so Parker-Rope. Der Fokus der Politik läge zu oft auf Familien und Kindern und übersähe Singles – dabei tragen diese oft stärker zu ihren Gemeinschaften bei als Familien. Verheiratete und Eltern kümmerten sich mehr um ihre enge Familie und vernachlässigten Freunde und ihr soziales Umfeld. Ihr gesellschaftliches Engagement beziehe sich oft auf nur schulische Aktivitäten, bzw. die ihrer Kinder.

In Deutschland verschiebt sich der Blick der Familienpolitik langsam weg von der Ehe, hin zu „Familie ist, wo Kinder sind“. Unverheiratete Alleinstehende bleiben also auch hier weiter aussen vor und damit auch das (latente) Vorurteil, mit ihnen sei etwas „falsch“. Auch die alten Stereotype, Singles seien neurotisch oder selbstsüchtig bestehen weiter. Ein Phänomen, das die Forscher_innen “Singlism” (Singlismus?) getauft haben. Besonders davon betroffen: Singlefrauen.

Neben steuerlichen oder versicherungstechnischen Nachteilen gäbe es noch eine Reihe weiterer Probleme: Freund_innen oder Nachbar_innen haben es deutlich schwerer, von der Arbeit freigestellt zu werden, um sich um Kranke zu kümmern oder gar im Krankheitsfall Entscheidungen zu treffen. Wer keine nahen Angehörigen hat, muss sich im Zweifelsfall alleine helfen – allem eigenen Engagement zum Trotz.


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Jackie – ein Mädchen, das ein Mensch ist

14. September 2011 von Helga

Nach Jahren des Versteckens und langer Diskussionen ändert sich derzeit das Leben von jungen Transgendern. Auch wenn oft noch kontrovers diskutiert wird, unter Eltern wie Ärzt_innen, erhalten die ersten Kinder Präparate, die das Einsetzen der Pubertät verhindern. Stattdessen bekommen sie die „anderen“ Geschlechtshormone.

ABC News hat eine amerikanische Familie begleitet, deren Tochter Jackie zu den Pionier_innen gehören wird. Interessant: Während sie als Jack für weibliches Verhalten gehänselt wurde, wird Jackie in der Schule und von ihren Freundinnen akzeptiert. So betonen auch der Artikel und das Video ein sehr weibliches Bild (mag pink, Röcke, Schminke), das Transgender in die Übererfüllung von Klischees drängt. Am Ende steht aber immer noch Jackie und es wird klar, dass sie einfach ein sehr glückliches Kind ist.

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Nicht wegen Feminismus oder so – die Blogschau

27. August 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 122 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau


Heute im Programm: Kinder, Liebe, Umfragen. Und ein Leben als Petit Four. Vielleicht.

Luise Pusch berichtet bei fembio über ihre neue Twitter-Seite und schreibt, warum sie keine „follower“ haben wird.

„Wie sieht es hinter der poststrukturalistischen Rhetorik der Piraten mit den ‚Geschlechterrollen‘ innerhalb der Partei aus?“ fragt Regina Frey beim genderbüro anlässlich der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September.

Antje Schrupp denkt bei Über Liebe und Freiheit gemeinsam mit Franziska zu Reventlow über … na klar … die Liebe und deren Geschlecht (oder auch nicht) nach.

Missy-LeserInnen sind zur Teilnahme an einer Umfrage zum Missy Magazine – ein Diplomarbeitsprojekt an der Uni Erlangen – aufgerufen. Dauert etwa 15 Minuten.

Auf eine weitere Studie in Entstehung weist Katrin Rönnicke hin. Es geht um die Darstellung der Geschlechter im Kinderfernsehen, Eltern zum Mitmachen gesucht.

„Mädchen auch zu den Autos und Jungs auch zu den Puppen“ – das ist doch nicht so schwer. Manu bloggt den Beschwerdebrief ihres Sohnes (7) und der macht Hoffnung für die Zukunft.

Eine aktuelle Linksammlung rund um Mütter, Schwangerschaft und Eltern findet sich bei dem ohnehin empfehlenswerten Blog fuckermothers. feministische Perspektiven auf Mutterschaft.

rasha h. khaya, die West-Östliche Diva, ruft uns die „Women 2 Drive“-Kampagne in Saudi-Arabien wieder ins Gedächtnis.

Beate Hausbichler war für diestandard.at beim Girls Rock Camp in Niederösterreich und hat unter anderem dieses Argument aufgeschnappt, warum rein weibliche Räume manchmal gut sind: „Nicht wegen Feminismus oder so, aber jede kann sich so besser verwirklichen.“

Paula von Puzzlestücke spielt ein Adventure Game und ärgert sich über die Sprüche der Figuren – Lookism galore.

Michaela schreibt bei Erlebnisse und Gedanken über ihre Freundin Farah und deren Diplomarbeitsprojekt über die Diskriminierung transidenter Menschen.

Und zum Schluss: Beim blogabsatz gibt es einen schönen kleinen Text über das Leben, die Arbeit und mögliche Alternativen.

Termine
Das 2. bundesweite Netzwerktreffen junger Feministinnen innerhalb und außerhalb der Mädchenarbeit vom 2. bis 4. September in Darmstadt. Mehr Infos gibt’s hier.


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Mutterschaft als feministisches Thema

26. August 2011 von Anna-Sarah

Im Themenspecial „Bambini statt Bambule – wenn Linke zu Eltern werden” der Jungle World erschien gestern ein äußerst lesenswerter Artikel von Sonja Eismann, in welchem sie feststellt:

“Während in den siebziger Jahren Feministinnen Kinderläden gründeten, ist Mutterschaft in feministischen und queeren Debatten heute kein großes Thema mehr. Das sollte sich ändern.”

Eismann, u.a. und übrigens gemeinsam mit Mädchenmannschaftskollegin Verena im Team des Missy Magazine, beschreibt treffend und anschaulich die wider­sprüchlichen, aber wirkmächtigen Erwartungshaltungen, die an (werdende) Mütter von verschiedenen Seiten herangetragen werden – und kommt dabei schönerweise  ganz ohne das in diesem Themendunstkreis gerne mal herum­lungernde Femi­nis­mus­bashing aus, was von einer Sonja Eismann aber natürlich auch nicht anders zu erwarten war:

“Während ich im Verlauf der Schwangerschaft mit unzähligen Vorschriften und Regulierungen meines Verhaltens zum Wohl des ungeborenen Kindes als verantwortungsbewusste werdende Mutter vergesellschaftet werden sollte, wurden aus dem »alternativen Milieu« ganz umgekehrte Anliegen an mich herangetragen, die von der Angst zeugten, ich könne mich diesem Prozess widerstandslos unterwerfen. Vorsorgeuntersuchungen, Verhaltensvorschriften, Medikamente, Kurse und massenweise Produkte auf der einen Seite, Ängste vor Verspießerung und Akzeptanz des Status quo durch gezügelten Ausgeh- und Genussmittelkonsum auf der anderen.”

(Full disclosure: Ich selbst beobachte an mir bisweilen duchaus auch das notorisch schlechte Muttergewissen – allerdings weniger meinem Kind gegenüber, weil es seit Jahren auch “fremdbetreut” wird, wie es so bezeichnend heißt, sondern eher meinem feministischen Bewusstsein gegenüber, weil ich überhaupt ein Kind bekommen habe. Schon allein deshalb, wie jede_r, die/der Verantwortung für ein kleines Kind trägt, weiß: Jeglicher Selbstbestimmung im auch nur halbwegs engeren Sinn wird damit erstmal ruckartig der Boden unter den Füßen weggezogen. )

(weiterlesen …)


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Norwegen, Hollaback und Funfeminismus – kurz notiert

10. August 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 116 von 138 der Serie Kurz notiert

Hege Dalen und Toril Hansen haben beim Attentat auf Utøya 40 Jugendliche gerettet. Komischerweise wird kaum über sie berichtet, denn als lesbisches Paar passen sie nicht ins übliche Heldenschema. Mehr Gedanken dazu beim Guardian und ein Portät der beiden gibt’s auf queer.de (Anmerkung: Für Hansens Vornamen finden sich zwei Schreibweisen, Toril und Torill. Wer weiß, welche die richtige ist?)

Die Taz stellt ihollaback.org vor, eine Webseite, auf der Frauen von Belästigungen berichten und ihre Wut los werden können.

Der Freitag porträtiert die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders.

Die iranische Nachrichtenagentur Fars versucht Frauen mit einer Karikatur zum Kopftuchtragen zu überreden, denn sonst schrumpfe das Gehirn. Golnaz Esfandiari ist nicht begeistert.

In Australien hat ein erster Schönheitswettbewerb für Mädchen eine Kontroverse ausgelöst. Protestant_innen forderten, derartige Wettbewerbe zu verbieten, so die Ärztezeitung.

Teresa Bücker schreibt auf faz.de über eine neue Strategie der VZ-Netzwerke, ihren Mitgliederschwund aufzuhalten: Die Nutzerinnen werden aufgefordert, sich auszuziehen.

Einen „Jihad gegen Gewalt“ haben muslimische Norwegerinnen ausgerufen. Mit Workshops wollen sie vor allem Mütter erreichen, berichtet die New York Times. Viele könnten Fragen ihrer Kinder zum Islam nur schlecht beantworten, da sie nie Religionsunterricht hatten. Mehr Wissen helfe darüberhinaus auch gegen die Angriffe von Islamkritiker_innen.

„Ehren“-Verbrechen sind im Libanon künftig kein Grund mehr zum Herabsetzen des Strafmaßes. Nadine Moawad freut sich und hofft nun, dass auch ein Gesetz zum Schutz von Frauen vor familiärer Gewalt vom Parlament abgesegnet wird.

Feministin, aber bloß keinen Mann vor den Kopf stoßen – Julie Bindel stößt sich im New Statesman am neuen “Funfeminismus” und fordert eine Rückbesinnung auf radikalere Ansätze. Leider schmeißt sie dabei viele verschiedene Dinge in einen Topf und beginnt wieder einmal mit „zweite Welle vs. dritte Welle“.


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