Einträge der Rubrik ‘Familienleben’


Das Katzentatzen-Lied – Nur ein Kinderlied?

16. April 2012 von Adele
Dieser Text ist Teil 36 von 36 der Serie Muttiblog

Im Kindergarten lernt das Kind so allerlei. Unter anderem auch das Katzen­tatzenlied.

Dieses Lied spiegelt sehr plakativ das Kindheits- und Jugendtrauma vieler post-gender Piraten wieder: Man fragt nett und freundlich, aber leider genügt schon ein einziger Makel (dick, hyperaktiv, laut, aber auch schlicht anders, nicht der eigenen Art entsprechend), der es scheinbar rechtfertigt, dass man zurückgewiesen wird. Und dann kommt dieser oberflächlich perfekte Typ vorbei, geht hin, nimmt sich einfach, was er will, ganz ohne zu fragen und schon macht die Frau bereitwillig mit – egal, ob er die totale Dumpfbacke ist oder nicht.

Wenn ich auf diese problematische Implikation des Liedtextes hinweise, bekomme ich, wie so häufig bei ähnlichen Themen (Werbung für Kinder, Rollenklischees in Kinderbüchern, Religionsunterricht in der Grundschule, etc.) zu hören: „Ist doch nur ein Kinderlied!“ Genau, es ist ein Kinderlied! Und Kinder lernen ihre Welt nun mal auch über solche Spiele kennen. Da schaue ich mit dem Kind ein Bilderbuch und es zeigt auf einen normalgewichtigen Hamster und sagt: „Hamster, pummelig.“ Das 2-jährige Kind hat also schon kapiert, dass ein Hamster pummelig ist, also wird es früher oder später auch kapieren, dass pummelig zu sein dazu führt, dass man nicht mitspielen darf und schlussendlich – am Beispiel des übergriffigen Katers – , dass es nicht auf das Einverständnis des Mädchens/der Frau ankommt, wenn man sie küssen möchte. (weiterlesen …)


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Nicht nur der europäische Gerichtshof zementiert patriarchalisches Familienrecht

3. April 2012 von Jennifer

Ende März hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Beschwerden zweier Männer aus Deutschland (application no 45071/09 und application no. 23338/09) abgewiesen, die ihre Anerkennung als biologische Väter anstelle der Ehemänner der beiden Mütter juristisch durchsetzen wollten. Zuvor waren die beiden - der eine weiß sicher, dass er der Erzeuger einer Tochter ist, der andere ahnt und es und will deshalb einen Vaterschaftstest durchführen – mit ihrem Anliegen bereits vor deutschen Familiengerichten gescheitert. Denn noch immer gilt im deutschen Recht: Bringt eine verheiratete Frau ein Kind zur Welt, so ist juristisch gesehen ihr Ehemann der Vater - selbst wenn das Ehepaar schon lange getrennt lebt und alle Beteiligten wissen, dass das Kind von einem anderen Mann, dem biologischen Vater, gezeugt wurde.

Das Urteil der Straßburger RichterInnen bestätigt nun die bisherige deutsche Rechtsprechung: Es postuliert einen Schutz für die - zumindest vor dem Gesetz – weiterhin bestehende Familie aus miteinander verheirateten Eltern und Kindern. Als Grund führen die RichteR stets das Kindeswohl an, da in der Regel zu dem rechtlichen Vater, mit dem das Kind zusammengelebt hat oder sogar noch zusammenlebt, eine enge Bindung bestehe. Gleichwohl könnte dem tatsächlichen Vater ein gewisses Umgangsrecht zustehen. Dies müsse jedoch einzelfallbezogen geregelt werden.

Damit wir uns gleich richtig verstehen: Dass eine Rechtssprechung noch immer gilt, die schon seit Jahrhunderten den Ehemann zum absoluten Oberhaupt der Familie erklärt, der qua Ehering in letzter Konsequenz noch immer über die Kinder seiner Ehefrau bestimmen kann, ist schon absurd! Und um zu wissen, wie viel Leid ein solch einseitiger Begriff von Vaterschaft über die Beteiligten - und zwar ALLE Beteiligten! - bringen kann, reicht es, einmal Tolstois „Anna Karenina“ zu lesen (oder von mir aus eine der diversen Verfilmungen zu sehen).

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Offline-Feminismus, Dickenfeindlichkeit und männliche Dominanz bei Twitter – die Blogschau

18. März 2012 von Nadia
Dieser Text ist Teil 149 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Sind weite Teile des zeitgenössischen Feminismus heute eigentlich primär Online-Phänomene? Und wie können Leute, die offline sind, Zugang zum Thema erhalten? Fragen über Fragen, in einem schönen Text von Kai mit dabei.

Eindrucksvoll zum Thema “Pro Frauenquote”, in Bezug auf den Journalismus: “Wie der Brief das Schweigen bricht” von Carolin Wiedemann.

Paternalistische Argumentation bei der geschäftlichen Rechtlosigkeit von Prostituierten, eine Kurzzusammenfassung der Berner Situation bei Sina.

Nele TablersLesbisch zwischen Misthaufen, Leichen und Netzfeminismus ist nun als eBook erhältlich.

Für Inklusion und Barrierefreiheit, gegen Stigma:  Auf Mein Augenschmaus gibt`s dazu Tacheles.

Die Diskussion um die Quote – oder eine Diskussion um Elite-Quote? Über soziale Ungerechtigkeit und prekäre Bechäftigungssituationen schreibt der Soziologie-Blog.

Auf Arge dicke Weiber wird ordentlich auf die Dickenfeindlickeit bei Ulla Popken geschimpft, und zwar mit Recht.

Popender, oder: Das passiert, wenn mensch Postgender nicht versteht – über die Genderkompetenz der Piraten.

Datenwerk liefert Vorschläge zur Überwindung der männlichen Dominanz bei Twitter.

Das Mädchenblog liefert die Kurzvorschau auf das neue “Wir Frauen”, praktischerweise inklusive Link zur Online-Version.

Wie ein Beitrag über “Apps für die Frau” schnell zum Klogriff werden kann, darüber spricht Sideglance.

Nicht schön: Der Pottblog berichtet über das homophobe Plakat auf der Südtribüne beim Spiel Borussia Dortmund vs. Werder Bremen.

Lisa schreibt über Lesben in den 1920er Jahren.

Stimmen der Roma geben Hinweise zu den Veranstaltungen des Debattenprogramms, und zwar hier.

No Retreat, no surrender – Bühnenwatch kämpft weiter gegen Blackface: Hier wird der aktuelle Stand der Diskussion mit dem Deutschen Theater zusammengefasst.

Und ein Veranstaltungshinweis: Die FrauenSommerUniversität 2012 findet vom 19. bis 22. September 2012 in Wien statt.
Ideen können bis spätestens 03. Juni 2012 am besten per E-Mail an fsu.wien@gmail.com gesendet werden.


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8. Familienbericht: Unternehmen haben nach wie vor das letzte Wort

15. März 2012 von Maria
Dieser Text ist Teil 6 von 8 der Serie Feminismus im Recht

Der Sachverständigenbericht für den 8. Familienbericht wurde am 28. Oktober 2011 dem Bundesfamilienministerium übergeben und ist gestern von Bundes­familien­ministerin Kristina Schröder mit einer Stellungnahme der Bundesregierung der Öffent­lich­keit präsentiert worden. Hauptthema des Berichts ist Zeit – Zeit für Familie, Sorgearbeit und Zeitsouveränität von Arbeitnehmer_innen. Ein wichtiges Thema also, gerade jetzt, wo prekäre Arbeitsverhältnisse, Befristungen, Praktika und “Mini-Jobs” gerade jüngeren Arbeitnehmer_innen zu schaffen machen.

Zeit zu haben für unbezahlte Arbeit ist natürlich immer (auch) eine Frage des Einkommens – kann man von der Teilzeitstelle leben, bis wann ist der Job befristet, findet man überhaupt eine Stelle … Sorgearbeit ist auch eine Frage des Geschlechts, die Umverteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit, das hatte noch der 7. Familienbericht in den Mittelpunkt der Analyse gerückt, ist also eine Gleich­stellungsfrage. Das erkennt auch der 8. Familienbericht an, möchte sich so ganz klar nun aber doch nicht positionieren und vor allem eines nicht – Frauen gegen ihren Willen zu einer Erwerbstätigkeit drängen.

Die aktuellen Erkenntnisse zur Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern, sowie der tatsächlichen Arbeitszeitwünsche von Müttern und Vätern, werden in dem Bericht über mehrere hundert Seiten referiert. Ein Beispiel: Mütter, die in Teilzeit arbeiten, würden häufig gern mehr Stunden erwerbstätig sein, als sie es tatsächlich sind. Väter würden gern weniger Stunden arbeiten, als sie es tatsächlich tun. Alleinerziehende fühlen sich weitaus häufiger unter Zeitdruck, als Mütter und Väter in Paarelternfamilien. So weit, so wenig überraschend.

Trotzdem möchte die Sachverständigenkommission offenbar differenzieren – zwi­schen rechtlichen Anreizwirkungen auf der einen Seite und individuellen Wünschen unabhängig von rechtlichen und ökonomischen Strukturen auf der anderen Seite:

“Die jetzige Form des Ehegattensplittings begünstigt den Rückzug der Frauen in die Familie. Das ist per se dann kein Problem, wenn die Frauen dies unabhängig von der rechtlichen Situation wünschen. Es wird jedoch zum Problem, wenn sich Frauen dadurch veranlasst sehen, sich gegen eine Erwerbstätigkeit zu entscheiden, die sie unter anderen Umständen anstreben würden.” (S. 34)

In den Empfehlungen des Berichts findet sich dann auch folgendes Fazit:

“Anzustreben ist eine grundsätzliche Umverteilung von Zeit im Lebens­lauf, zwischen Generationen sowie zwischen den Geschlechtern. Ziel von Zeitpolitik ist es nicht, primär Frauen stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sondern Männer stärker in die Familienarbeit. Familie ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Gesetzliche Regelungen, die ge­sell­schaft­liche Rollen­bilder einseitiger Familienaufteilung verfestigen oder verstärken, sind zu vermeiden.” (S. 188)

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Abtreibung, Inklusion und Hebammen – kurz verlinkt

14. März 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 143 von 153 der Serie Kurz notiert

Im Juli werden die Haftpflichtprämien für deutsche Hebammen ein weiteres Mal um 500 Euro steigen – trotz Versprechen der Politik ist bisher nichts geschehen. Daher gibt es die Aufforderung, die Hebammen zu unterstützen, nun auch im Zukunftsdialog mit der Bundeskanzlerin.

Die Zahl der Abtreibungen ist in Deutschland zurückgegangen und damit auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Leider bebildert der Spiegel diese Nachricht mit dem Bild einer 1000 Kreuze-Demo. Auf Nachfrage wurde uns leider noch nicht geantwortet. Eine ausführliche Aufarbeitung hat DRadio Wissen – leider wird dort gesagt, dass die „Bedenkzeit“ erst 2009 eingeführt wurde, dies bezieht sich aber nur auf Spätabtreibungen.

Wie funktioniert eigentlich Inklusion? Die Aktion Mensch hat ein Erklärbärvideo gedreht:

Um Abreibungen zu verhindern soll es in Arizona Ärzt_innen erlaubt werden, schwangere Frauen bezüglich einer Behinderung ihres Kindes anzulügen. Jezebel und Addicting Infos berichten.

Passend dazu bei Fuck Yeah PLanned Parenthood: In Georgia verließen acht Senatorinnen aus Protest gegen zwei Gesetze, die Abtreibung und den Zugang zu Verhütungsmitteln erschweren sollen demonstrativ den Raum. Und: “Women on waves” bietet Vordrucke für Sticker zum Runterladen, ausdrucken und überall hin kleben. Erklärt wird in verschiedenen Sprachen wie Frauen sicher selbst eine Abtreibung durchführen können.

Puh, schon wieder ein Artikel über die Piraten und die Frauenfrage? Ja, aber ein guter mit, Tatsache!, sogar einigen neuen Erkenntnissen zum Thema.

Anlässlich des diesjährigen Frauentages hat TERRE DES FEMMES eine Erklärung heraus gegeben, in der sie die ärztliche Empfehlung zum Thema weibliche Genitalbeschneidung/weibliche Genitalverstümmelung ausdrücklich begrüßen.

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) kommentiert die Pläne der Koalition für eine Neuregelung des Sorgerechts bei nicht mit einander verheirateten Eltern (PDF).

Und mal noch was nettes aus den USA: Dort wurden letzte Woche mehrere Aktivistinnen mit dem US Courage Award ausgezeichnet.

Bei Xtra.da könnt ihr mehr über die Situation von Sexarbeiter_innen Kambodscha lesen.

Zwei Artikel aus dem Bitchmagazin: Einer über Cynthia Nixon (Miranda aus “Sex and the City”) und die labels gay und bi. Und eine tolle Linksammlung mit Blogartikeln zum Internationalen Frauentag!

Im Independent hat Laurie Penny eine klare Forderung erhoben: Genug mit den Sektempfängen und nett sein! Damit sich was ändert, müssen Frauen wieder sauer und unbequem werden, wie die Pussy Riots auf die Straße gehen und drastische Forderungen stellen!


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Sexismus, Rassismus – von allem zu viel: Die Blogschau

3. März 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 147 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ohne Axe hätten FeministInnen nur halb so viel zu tun. Bezugsgruppe Beckham kommentiert die jüngste Kampagne der Deo-Stinker. Und die jüngste H&M-Unterwäschenkampagne kriegt auch einen geklebt.

Sexistische Kackscheisse passiert natürlich nicht nur in der Werbung, auch die Comics sind prädestiniert, weibliche Körper in einer Art und Weise darzustellen, die nicht nur Anatomie-Experten kotzen lässt. Die Eschergirls kotzen mit.

Den Unternehmerinnen und KünstlerInnen des Berliner Sigmaringer 1-Zentrums droht die Räumung. Am 8. März wird über den Kauf des Gebäudes entschieden. Im Blog gibt es alle Infos, warum der Erhalt des Zentrums dringend notwendig ist.

Wolkenkuckucksblog macht sich anhand dieses Beitrags auf Social Images Gedanken über die mangelnde Diversität sogenannter Mamablogs

Das Ende des Sex äußert sich zur Stellungsnahme des deutschen Ethikrates zur Intersexualität und bemängelt nicht nur die bedenkenswerte medizinische Terminologie, mit der Intersexualität noch immer als Krankheit stigmatisiert wird sondern auch die Laxheit im Umgang mit dem medizinischen Forschungsstand an sich.

Über ihre geschlechtsangleichende Operation berichtet Michaela Werner in ihrem Blog – inklusive Blick vom Krankenhausbett aus und Podcast.

Richtig miesen Rassismus hat High On Clichés gefunden: Der Jahreskalender der Deutschen Polizeigewerkschaft greift mit grotesk überzeichneten Stereotypen von Schwarzen und Migrant_innen völlig daneben. Aber Rassismus? Nah!

Auch Afrika Wissenschaft ärgert sich über rassistische Stereotype, gefunden in der Modefotostrecke des aktuellen Missy Magazines. Die haben mittlerweile auch schon drauf reagiert.

Das Missy Magazine dagegen freut sich über ihren März-Blogger: Hans-Georg Nelles vom Väter-Blog, passend zur aktuellen Ausgabe, in der der Feminismus mit Eiern näher begutachtet wird.

“Hate Crime vs. Hate speech?”, fragt Karnele und berichtet über die Anklage dreier Lesben in den USA, die einen Schwulen zusammen geschlagen haben sollen – nicht aus Schwulenfeindlichkeit sondern als Reaktion auf dessen rassistische Beschimpfungen.

Queernews berichtet über die Entscheidung des philippinischen Supreme Court, die Homosexualität eines Richters nicht als unmoralisch zu werten.

Die Aktion, mit der mehr 350 Journalistinnen vergangene Woche eine Quote von 30 Prozent Frauenanteil in redaktionellen Führungspositionen gefordert haben, habt ihr wahrscheinlich mitbekommen. Antje Schrupp hat den Aufruf nicht unterzeichnet. Warum und was sie stattdessen tut, erklärt sie in ihrem Blog.

Eine neue Folge von previously ist da: der Radiosendung, die TV-Serien auf ihren Umgang mit Sexismus, Rassismus etc untersucht. Die früheren Folgen + Transkripte findet ihr ebenfalls jeweils auf der Startseite.


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Keine Ahnung von Wissenschaft – die Wissenschaftsredaktion von ORF.at

21. Februar 2012 von Helga

Kausalität und Korrelation sind zwei ähnlich klingende Wörter. Das muss man den Redakteur_innen von science.ORF.at lassen. Die Bedeutung ist aber fundamental verschieden. Kausalität bedeutet, dass A die Ursache von B ist. Korrelation bedeutet, dass A ein Indikator für B ist. Gerade in einer Wissenschaftsredaktion sollte mensch sich dessen bewußt sein.

Bei science.ORF.at fehlt es anscheinend an diesem Basiswissen. Gepaart mit Sexismus kommt dann solch Mist wie heute heraus, der Opfern noch die Schuld in die Schuhe schiebt. Es geht um eine Studie, die sich mit Misshandlung von Kindern beschäftigt, die „geschlechteruntypisches“ Verhalten zeigen. Tatsächlich sind diese Kinder mehr psychologischem, physischem und sexuellem Missbrauch ausgesetzt, auch das Risiko einer post-traumatischen Belastungsstörung ist erhöht. Ge­schlechts­untypisches Verhalten sei ein Indikator für spätere Probleme, schreiben die Wissen­schaftler_innen in Pediatrics.

Wie lautet nun die Überschrift? „Mädchenspiele können Gesundheit gefährden“. Warum Mädchenspiele mit geschlechtsuntypischem Verhalten gleichgesetzt werden? Keine Ahnung, vielleicht die „männlich ist Standard“-Falle. Dabei sind Mäd­chen­spiele für Mädchen sogar völlig ungefährlich. Im Gegenteil, es geht um kein einziges Spiel, das die Gesundheit gefährdet – die Misshandlungen werden von Täter­_innen begangen, an den Kindern. Trotzdem schreibt der erste Absatz den Kindern und damit den Opfern noch einmal die Verantwortung zu:

Wenn Buben mit Puppen und Mädchen Indianer spielen, dann drehen sie nicht nur geläufige Stereotype um, sondern setzen damit auch ihre Gesundheit aufs Spiel. Denn sie bekommen von ihrer Umgebung so viel negatives Feedback, dass sich das massiv auf ihr Selbstbewusstsein auswirken kann.

Dass es sich dabei um Missbrauch und Misshandlung dreht, unterschlägt der Ausdruck „negatives Feedback“ leider auch. Sondern erweckt noch den Eindruck, wenn sie sich nur „normal“ verhalten würden, könnten sich die Kinder schützen. Ob geschlechtsuntypisches Verhalten eine Reaktion auf Missbrauch ist oder in ihn auslöst, ist allerdings ungeklärt. Und selbst wenn es letzteres ist, liegt die Schuld immer noch bei den Täter_innen.

Mit ihrer Forschung wollen die Wissenschaftler_innen übrigens das Risiko für Kinder minimieren, die Geschlechterstereotypen nicht entsprechen – die Redaktion von ORF.at macht Ihnen das Leben leider nur noch schwerer.


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Sind Kinderlose unsolidarisch?

20. Februar 2012 von Jennifer

Mit schöner Regelmäßigkeit vermelden die deutschen Medien: In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren. Und weil das so sei, sei die auch Rente künftig noch weniger sicher. Anschließend lassen sich beinahe schon Wetten darauf ab­schließen, ob nach dieser Meldung auch wieder folgende Idee diskutiert wird: Wenn es immer weniger Kinder gibt, die später mit ihrer Arbeit die RentnerInnen durchbringen, – warum sollen dann nicht diejenigen, die sich jetzt so egoistisch weigern, künftige Einzahler in die Rentenkassen zu zeugen, dafür zahlen?

Zuletzt waren es einige CDU-Abgeordnete, die diesen kalten Kaffee wieder aufgewärmt hat. Sie schlagen vor, dass Kinderlose über 25 Jahre eine „solidarische Demo­graphie-Rücklage“ zahlen sollen. Klar, der Begriff „Solidarität“ darf natürlich nicht fehlen – ebenso wenig wie der Hinweis, dass auch das Bundes­ver­fassungs­gericht bereits im Jahre 2001 gefordert habe, die Belastung von Familien zu ver­ringern. Ja, wenn das Bundesverfassungsgericht das richtig findet, wie könnte man als Kinder­loseR dann dagegen sein?

Die Abgabe soll den jüngsten Plänen zufolge übrigens ein Prozent des Einkommens betragen. Ach so: Mit einem Kind wären Väter und Mütter nicht aus dem Schneider, aber sie bekommen immerhin die Hälfte der Demographie-Rücklage erlassen. Laut einem Bericht in der Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung hat die Gruppe aus­gerechnet, dass durch diese Abgabe zweistellige Milliardenbeträge in die Sozial­ver­sicherungen fließen könnten.

Davon abgesehen, dass Kinderlose, zumindest wenn sie berufstätig sind, ziemlich hohe Steuern zahlen (und zwar oftmals mehr als etwa Verheiratete, die vom Ehegattensplitting profitieren beziehungsweise wo ein Elternteil – meist die Mutter – maximal Teilzeit arbeitet) und dass Menschen ohne Kinder bei der Pflege­ver­sicherung schon jetzt einen um 0,25 Prozentpunkte höheren Beitrag leisten – ist es denn nicht mal langsam gut mit dem andauernden gegeneinander Ausspielen von Lebensentwürfen?

Denn darauf läuft es doch immer wieder hinaus: Hier die opferbereiten Eltern, die zugunsten ihrer Kinder finanzielle Einbußen in Kauf nehmen und auch in Sachen Selbstverwirklichung zurückstecken müssen (Wie? Die Erfüllung eines Kinder­wunsches hat nichts mit Selbst­ver­wirk­lichung zu tun, sondern dient ausschließlich der Art­erhaltung – und eben der sicheren Rente?). Dort die ach so hedonistischen Kinderlosen, denen ein Balg nur die Karriere und den dritten Kurzurlaub vermiesen würde. (weiterlesen …)


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Affirmative Action, Alltagssexismus und Asylbewerber_innen – kurz verlinkt

15. Februar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 139 von 153 der Serie Kurz notiert

In der Kirgisischen Republik ist ein Gesetz gegen das Kidnappen und die an­schlie­ßende Verheiratung von Frauen gescheitert. Die Abgeordnete Asiya Sasykbayeva kritisiert, dass viele progressive Politiker dagegen gestimmt hätten, weil es auch gegen Polygamie eingesetzt werden könnte. Die ist bereits verboten, dennoch käme sie weiter vor, wie auch das „Bräutekidnapping“, so Eurasianet.

Frauen in Behinderteneinrichtungen sind in Deutschland massiver Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt, so die tagesschau. Fehlende Meldepflichten und schlechte Heimaufsicht verschlimmern die Situation der Betroffenen, die derzeit auch keine offiziellen Möglichkeiten haben, sich zu wehren.

Seitenweise Bermerkungen über ihr Aussehen und einfach herbeifantasierte, sexualisierende Aussagen – sound of the city erklärt Autor(_innen), wie sie nicht über Musikerinnen schreiben sollten.

Warum ist Affirmative Action (öffentliche Maßnahmen zum Abbau von Dis­kri­mi­nierung) eigentlich so wichtig? Dieses Video zeigt es anschaulich:

Nach einem Jahr im Gefängnis ist die bahreinische Aktivistin Fadheela Al-Mubarak wieder frei, berichtet Al Akhbar. Als erste Frau war sie vor ein Militärgericht gestellt worden, nachdem auch im Bahrein Proteste im Rahmen des Arabischen Frühlings ausgebrochen waren. Verurteilt wurde sie übrigens wegen „Anhören von revolutionärer Musik“.

Wie könnte ein modernes Familienrecht überhaupt aussehen? Ob Abschaffung der Benachteiligung von homosexuellen Menschen oder die Öffnung des Sorgerechts, um soziale Elternschaft zu ermöglichen – die Queer-Theoretikerin Sushila Mesquita hat einige Ideen. DieStandard.at sprach mit ihr darüber.

Zu zehn Jahren Gewaltschutzgesetz hat die taz Kriminalhauptkommissarin Heike Lütgert interviewt. Neben Zahlen zu „vorgetäuschten“ Vergewaltigungen und Gewalt gegen Männern gibt es taz-typisch leider auch ein Dekolleté-Foto.

Nicht jede ihrer Kolumnen finden wir gut, diese aber schon: Sybille Berg über Alltagssexismus und das Altern.

In Irland ist eine Frau in Beugehaft gesteckt worden – nachdem sie drei Männer identifiziert hat, denen sie Vergewaltigung vorwirft, wollte sie diese nicht noch einmal sehen. Auch dass sie stattdessen versuchte, Selbstmord zu begehen, brachte den zuständigen Richter nicht davon ab. „Strafe“ muss schließlich sein, berichtet die Frankfurter Rundschau.

Ayslbewerber_innen können sich in Baden-Württemberg künftig freier bewegen. Ganz abgeschafft wird die Residenzpflicht aber nicht, auch wenn es bei SWR4 zunächst so klingt.

Termine und ein Call for Lectures nach dem Klick (weiterlesen …)


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Wie LEGO vom Kinder- zum Jungenspielzeug wurde

10. Februar 2012 von Helga

Ein Mädchen mit roten Haaren und Jeanslatzhose hält ein buntes Legohaus in den Händen. Davor die Aufschrift: What it is is beautiful.Vor einiger Zeit erst wurde eine alte Legowerbung durch die Twitter- und Blogosphäre gereicht. Eine Werbung aus der „guten alten Zeit“, als Lego noch für Kinder war. Bis heute scheint es aber für Mädchen uninteressant geworden zu sein, denn kurz darauf verkündete Lego, endlich eine Produktserie für Mädchen aufgelegt zu haben.
Wer jetzt schlimmes ahnt – ja, es ist alles pink, die Figuren sehen mehr aus wie Barbies und der Bastel- und Baueffekt ist völlig in den Hintergrund getreten. Vor allem ist es nichts Neues, wie Anita Sarkeesian in Feminist Frequency anschau­lich darstellt, sondern reiht sich ein in mehrere gescheiterte Versuche, Lego zu „pinkifzieren“. (Beim Klick auf CC gibt es Untertitel, auch in Deutsch.)

Aber warum stehen Mädchen heute so wenig auf Lego? Zufall war es nicht. Dahinter stehen jahrelange Marketingkampagnen, die Lego ein eindeutiges Image als „Jungenspielzeug“ gaben: (weiterlesen …)


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