Einträge der Rubrik ‘Familienleben’


Familienpolitik à la Schröder

23. Juli 2010 von Barbara

Das Wertvollste, das Kristina Schröder von ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen geerbt hat, sind das Elterngeld und der Plan, die Kinderbetreuung auszubauen. Dazu hat die Familienministerin diese Woche eine Pressekonferenz abgehalten und dabei betont, dass das Ausbau-Ziel, 35 Prozent der Unter-Dreijährigen bis 2013 mit Kita-Plätzen zu versorgen, realistisch sei. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte sie außerdem, mit diesen 35 Prozent sei der Bedarf gedeckt. Leider verwechselt Schröder dabei, dass diese 35 Prozent nicht dem Bedarf entsprechen, sondern lediglich der Pflicht genügen, die die EU-Kommission Deutschland auferlegt hat. Außerdem übersieht sie, dass mit dem Angebot der Bedarf steigt, wie die Erfahrungen im europäischen Nachbarland Schweden zeigen. Und auch innerhalb Deutschlands gibt es Belege dafür: Das Statistische Bundesamt hat ermittelt: In den neuen Bundesländern, wo es mehr Kinderbetreuungsangebote gibt als in Westdeutschland, bringen im Verhältnis deutlich mehr Eltern ihre Unter-Dreijährigen in Kitas.

Eltern, die keine klassischen 9 to 5-Jobs haben, sondern etwa in der Gastronomie arbeiten, als Lagerarbeiter oder als Reinigungskräfte, nützen diese 35 Prozent übrigens eher wenig: Die üblichen Kita-Öffnungszeiten sind kaum mit ihren Arbeitszeiten in Einklang zu bringen. Hier wäre eine Familienministerin mit Visionen gefragt, die etwas von der Lebenswirklichkeit ihres Landes versteht.

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Sparen und kein Ende

20. Juli 2010 von Barbara

Dass die Sparpläne der Bundesregierung nicht nur aus gesellschaftlicher Sicht, sondern auch aus feministischer Sicht ein böser Schlag sind, haben wir bereits berichtet. Nun rückt der Bund mit Erweiterungen der Sparpläne heraus, die einem echt die Luft abdrücken. Die Süddeutsche Zeitung weiß:

Mit einem geringeren staatlichen Zuschuss müssen auch Mini-Jobber und Paare rechnen, die den sogenannten Kinderzuschlag erhalten. Dies geht aus dem Referentenentwurf des Bundesfamilienministeriums hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Wer wegen seines geringen Verdienstes zusätzlich vom Staat Hartz-IV-Leistungen erhält und so sein Einkommen aufstockt, wird genauso wie alle Hartz-IV-Bezieher bis zu 300 Euro weniger Elterngeld bekommen.

Aus dem Entwurf von Ministerin Kristina Schröder geht deutlich hervor, dass die “den Beziehern höherer Einkommen deutlich weniger zumutet als den ärmsten Eltern.” Schon vor einigen Wochen meinte SPD-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider, angesichts dieser Sparpläne würden die Leute auf die Straße gehen. Bislang habe ich noch keine “Sparen so – nicht mit mir”-Transparente in München gesehen. Langsam wird es aber Zeit. Anbei eine Vorlage für ein To-Go-Transparent zum Ausdrucken und Mit-einer-Sicherheitsnadel-an-den-Kragen-heften.

Transparent gegen die Sparpläne der Bundesregierung


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Krippenplätze? – Gibt es nicht!

13. Juli 2010 von Adele
Dieser Text ist Teil 22 von 22 der Serie Muttiblog

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben und auch mit dem Arbeitgeber meines Mannes konnte eine Regelung getroffen werden, die es uns erlaubt, dass mein Mann seinen Job nicht aufgeben muss und die Familie trotzdem an meinen neuen Arbeitsort ziehen kann. Aber da haben wir die Rechnung leider ohne die Krippe gemacht…

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Der Ort, in den wir ziehen wollen, ist eine westdeutsche Großstadt und wie der Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Gerd Landsberg bereits im Januar feststellte, wird der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung für unter 3-jährige ab 2013 nicht erfüllbar sein. Man kann sich also vorstellen, wie die Situation im Jahre 2010 aussieht: katastrophal. Um das ganze noch ein wenig aussichtsloser zu machen, darf man sich nur für einen Krippenplatz in einer kommunalen Krippe anmelden, wenn man einen Wohnsitz in der Stadt hat. Da soll man also auf der einen Seite bitte so flexibel sein und bereit sein, jederzeit für den Job umzuziehen, und dann bekommt man solche Steine in den Weg gelegt. (weiterlesen…)


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Mehr Geld für Hebammen – genug?

7. Juli 2010 von Helga

Heller Hintergrund mit blauer Überschrift: Geburtshilfe ohne Hebammen? - darunter die lila Silhouette einer Schwangere und die blaue Silhouette einer zweiten Frau - darunter ein blauer Kasten mit gelber Schrift: Unterstützt die Online-Petition des Deutschen Hebammenverbandes! Forderung erfüllt. So könnte man die Einigung der Krankenkassen und Hebammen bezeichnen, von der die Zeit gestern berichtete. schließlich gibt es für eine außerklinische Geburt künftig 100 Euro mehr und der Satz für eine Krankenhausgeburt steigt um 8 Euro. Im Vergleich zum ersten Angebot (14,19 Euro bzw. 4,39 Euro) immerhin eine deutliche Steigerung.

Doch schaut man sich die Zahlen genauer an, bleibt nicht viel übrig. Die sogenannten Belegstationen in Krankenhäusern ohne feste Geburtenstation werden sich kaum retten lassen, wenn Hebammen statt 224 Euro nun 232 Euro verdienen, der jährliche Beitrag zur Haftpflichtversicherung aber trotzdem auf fast 3700 Euro steigt. Zudem sind weitere Steigerungen der Prämien absehbar.

In seinem Rundbrief zeigt sich der Deutsche Hebammenverband daher deutlich unzufrieden:

Die Schiedsstellenverhandlung ist, unter dem Vorsitz von Frau Prof. Dagmar Felix, nach zähen sechsstündigen Verhandlungsrunden mit einem enttäuschenden Resultat zu Ende gegangen. Das erzielte Ergebnis bleibt weit hinter den Erwartungen der Berufsverbände zurück. […]
Das Schiedsstellenergebnis ist nicht nur unbefriedigend, es ist im Grunde katastrophal.

Obwohl bereits seit Monaten bekannt war, dass die Prämien zum 1. Juli steigen, gab es monatelang keine Einigung. Die Erhöhung kommt daher für einige Hebammen bereits zu spät. Sie hatten aufgrund der ungewissen Zukunftsaussichten ihre Haftpflicht zum Monatsanfang gekündigt. Um überhaupt eine Lösung zu finden, musste schließlich die Schiedsstelle beauftragt werden. Deren unabhängige Vertreter warfen den Hebammen vor, unwirtschaftlich zu arbeiten und verlangten stattdessen, mehr Geburten zu betreuen. Für viele Eltern sei ein wichtiger Grund, sich von einer Hebamme begleiten zu lassen, die intensive Betreuung mit Rufbereitschaft rund um die Uhr. Mit „Auftragssteigerungen” werde die Betreuungsqualität deutlich leiden und sei daher nicht umsetzbar, so die Hebammen.

Die im Mai gestartete Petition des Hebammenverbandes hatten über 180.000 Menschen unterstützt und so eine Anhörung im Petitionsausschuss erreicht. Von dort gibt es allerdings noch keine Ergebnisse. Auch die Gesundheitsminister_innenkonferenz Anfang des Monats hatte das Thema auf der Tagesordnung, wollte aber vor konkreten Maßnahmen die Einigung der Schiedsstelle abwarten.


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Absurdes aus dem täglichen K(r)ampf

3. Juli 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 66 von 69 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Es ist Sommer, es ist heiß, jede_r müsste draußen sein und sich auf Wiesen suhlen, doch einige schreiben lieber tolle Blogs. Eine kurze und subjektive Zusammenfassung der vergangenen Woche:

Anne Roth berichtet von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit der Bundespräsidentenwahl und ihre Tochter bewertet die Situation mit kindlichem Pragmatismus. Love it!

Zum CSD und Judith Butler haben wir auf Mädchenmannschaft bereits alles gesagt. Der CSD Berlin e.V. nimmt zu ihren Vorwürfen Stellung. Genderini reagiert zu Recht empört (ein bisschen nach unten scrollen bis “Update”). Neben reichlich Dampf hat selbige noch jede Menge interessante Links zum Thema Queer, Rassismus und Feminismus in petto.

Der Transgeniale CSD war meine ganz persönliche Queer-Premiere in diesem Jahr. Auf Genderbefreit gibt es Fotos zu sehen und das Mädchenblog berichtet von sexistischen Übergriffen auf der Veranstaltung.

Das antirassistische Watchblog Der Braune Mob sollte eigentlich in alles RSS-Readern seinen Platz haben. Nicht nur, dass die Autor_innen nicht müde werden, der rassistischen Taz auf die Finger zu schauen… diese Woche macht sich die Autovermietung SIXT einen Namen als White Supremacist. Traurige Erkenntnis: Rassismus hat während der WM Hochkonjunktur. Das weiß auch Adrian Lang und schreibt seine ganz persönlichen Eindrücke von der grassierenden Fankultur auf.

Das Väterblog gibt Hoffnung: Männer profitieren von der Elternzeit, indem sie mit einer höheren Lebenserwartung rechnen dürfen. Na wenn das Mal nicht Vorzeigeobjekt jeder Gleichstellungsarbeit sein sollte! Werft die Gesundheitsberichte für Männer über Bord und den Schnuller in die Hand!

Sexistische Werbung geizt selten mit visuellen Reizen. Noch perfider finde ich allerdings, wenn es nackte Haut gar nicht braucht, um Chauvinismus zu reproduzieren. A Blog of One’s Own ärgert sich über glanzlose Frauen und glänzendes Gold. Wer Zeit und Muse hat, kann gleich eine Mail an den Werberat verfassen. Mal sehen, ob der sich wieder so blamiert wie nach der AXE-Kampagne.

Herzlich gelacht habe ich bei dieser Anekdote aus dem betrieblichen Alltag von dyfustifications: Frauen und Technik (Schublade auf). Frauen im Umgang mit Frauen und Technik (Schublade zu).

Ein Aufreger ist dagegen wert, dass das Erzbistum Köln weiterhin darauf Einfluss hat, welche medizinischen Leistungen das Krankenhaus St. Birgida auch nach der Übergabe an die städtische Trägerschaft Aachen für Frauen anbieten darf. Ginge es nach dem Willen der Geistlichen, darf dort keine Abtreibung durchgeführt und keine Spirale eingesetzt werden, auch die Pille danach soll untersagt sein, schreibt 100 Kreuze in die Spree.

Auf Buchentdeckungen gibt es ein tolles Portrait über die afrodeutsche Schriftstellerin May Ayim zu lesen – mit Auszügen aus ihren Gedichten. Weiteren Lesestoff hat dieStandard.at: “Die unsichtbaren Kämpferinnen” erzählt die Geschichten von kolumbianischen Frauen, die im bewaffneten Konflikt zur Waffe griffen.

Last but not least: Am kommenden Montag gibt es im Café Tristeza in Berlin-Neukölln eine Book-Release-Party zu “Rassismus auf gut Deutsch” von Adibeli Nduka-Agwu und Antje L. Hornscheidt.

Die Beiträge dieses Bandes tragen dazu bei, unbewussten oder »gut gemeinten« Rassismus in alltäglichen Sprachpraktiken mit konkreten Beispielen aufzudecken, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie und wodurch Sprache rassistisch aufgeladen wird und welche Alternativen es gibt.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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Weiblich, Kind und Karriere? Haha.

1. Juli 2010 von Helga

Anfang der Woche fand ich bei der FAZ einen Artikel über den Wandel von Krankenhäusern und Universitäten, wenn es um Teilzeitarbeit geht. Die Zukunft der Medizin sei weiblich hieß es, schließlich steigt seit Jahren der Anteil der Medizinstudentinnen. Doch diese bekommen Babies und daher sei es dringend nötig, sich auf die sich verändernden Anforderungen der Mitarbeiter_innen einzustellen. Nicht zu unterschätzen seien natürlich auch die Vorteile:

Dass sich das auch lohnt, zeigt die Prognos-Studie „Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen“ im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau hat anhand der Untersuchungsergebnisse erklären können, warum die Fluktuation von 34 Prozent Ende der siebziger Jahre auf 8 Prozent bis 2004 sinken konnte: Wegen vieler Teilzeitangebote schon während der Elternzeit und auch danach kehrten fast alle jungen Eltern zum Krankenhaus zurück. Überbrückungs- und Wiedereingliederungskosten fielen weg, das Krankenhaus machte sogar mit seiner Kindertagesstätte einen Gewinn von 82.000 Euro.

Dies ist übrigens fast der einzige Absatz, der von jungen Eltern spricht, ansonsten dreht es sich um Frauen, Mütter, Ärztinnen. Kinderbetreuung wird weiterhin als Frauenproblem gesehen, dabei wollen junge Väter sich heutzutage ebenfalls um ihre Kinder kümmern. Ein weiterer Artikel auf SpiegelOnline demonstriert aber leider, dass Kinderbetreuung weiter an den Müttern hängt, für die das gleichzeitig das Karriere-Ende bedeutet. Die Vorteile von Teilzeitstellen, Kinderbetreuung und Mitarbeiter_innenloyalität scheinen sich in allen anderen Branchen noch nicht herumgesprochen zu haben. Aus den Horrorstories:

Im Herbst 2006 kam dann unser zweites Kind zur Welt. Jetzt wurde es deutlich kritischer. Mehrfach habe ich Aussagen gehört wie: ‘Na, mit zwei Kindern wirst Du ja wohl nicht mehr arbeiten, oder?’ Und: ‘Das wird ja jetzt viel komplizierter für dich zu koordinieren. Geht das überhaupt?’

Manchmal scheint es sogar zuviel verlangt, wenn frau noch Geld für ihre Arbeit möchte.

Nach meinen ersten Erfahrungen bei der Job-Suche verstehe ich, warum sich Frauen so viel bieten lassen, wenn sie erstmal eine Teilzeitstelle ergattert haben: Die Vertragsbedingungen waren teilweise grotesk. So bot mir eine Agentur ein Gehalt an, das hochgerechnet auf eine Vollzeitstelle geringer war als der Tariflohn eines Auszubildenden.

Es ist das Jahr 2010 aber der Stand unserer Familienfreundlichkeit und Gleichstellung scheint noch in 1950 festzuhängen.


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Warum Monogamie eine schlechte Idee ist

29. Juni 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 25 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Die These ist nicht neu: Partnerschaften zerbrechen ihre Langlebigkeit an dem Vorsatz der Monogamie. Menschen seien einfach nicht dazu gemacht, mit nur einem Sexualpartner auf Dauer glücklich zu werden, behaupten Christopher Ryan und Cacilda Jeth. Das Autorenpaar hat in den USA gerade das Buch “Sex at Dawn: The Prehistoric Origins of Modern Sexuality” veröffentlicht, in dem allerlei Studien aus Natur- und Geisteswissenschaften für ihre These herhalten müssen. Aber sind prähistorische Gesellschaftsentwürfe und ein Blick auf Artverwandte, wie die Bonobo-Affen stichhaltig genug, um die Monogamie als Konstrukt abzumahnen?

Im Interview mit Salon erklärt Psychologe und Autor Ryan die Hintergründe, in denen Penisformen, Hodengrößen und Spermaspuren eine große Rolle spielen, mich persönlich aber nicht sonderlich überzeugen. Gegenfrage: Sagt die Größe meiner Klitoris ebenfalls etwas über meine mangelnde Monogamie-Fähigkeit aus?! Super, dann kann ich es beim nächsten Mal darauf schieben: “Sorry, Schatz, aber hättest du dir meine Klit mal genauer angesehen, hättest du wissen können, dass Fremdgehen in meiner Natur liegt…”

Ich kenne Ryan und Jeths Buch nicht, weiß aber, dass die Ehe und vor allem die Liebesehe ein soziales Konstrukt ist, nach dem unsere Gesellschaft besser funktionieren soll. Denn wo bitte kämen wir hin, wenn jede und jeder wild in der gegend rumvögeln würde? (Ironie!) Zu einem Haufen vaterloser und damit staatlich zu versorgender Kinder. Monogamie ist vor allem Sexual- und Bevölkerungspolitik. Was jedes Paar für sich entscheidet, ist deren Angelegenheit, auch wenn die meisten es lieber für sich behalten, wenn sie eine offene Beziehung führen. Und die Gegenentwürfe zur Monogamie sind facettenreich: One-Night-Stand, Seitensprung, Affäre, Polygamie als Beziehungskonzept – da muss man sich erst mal drüber klar sein, wo Sex aufhört und Betrug anfängt und ob sexuelle Freiheit wirklich immer ein Nachteil für die Beziehung sein muss – partnerschaftliches Einverständnis vorausgesetzt.

Was mich wundert: Wenn es in einer Beziehung sexuell nicht gut läuft, wird gerne darauf verwiesen, dass Partnerschaft so viel mehr sei als Bettakrobatik. Wenn dann aber woanders geturnt wird, dann hängt plötzlich doch die Beziehung dran? Verkehrte Welt!

Die Frage ist, wann geschieht Sex aus echter Lust auf das Fremde, Unbekannte und wann doch eher, um der eigenen Eitelkeit zu genügen, sich zu beweisen, ich kann jede_n haben? Oder weil es einfacher ist, das Abenteuer außerhalb des eigenen Bettes zu suchen, statt sich die Mühe zu machen, die heimische Spielweise aufzurüsten. Ich war nie lange genug in einer Beziehung, um sexuelle Monotonie zu empfinden aber wenn ich die Gelegenheit spürte, fremd gehen zu können, dann fühlte ich mich auch in der Beziehung sexuell nicht ausgelastet und das fiel dann meistens noch unter die 3-Monats-Testphase einer neuen Beziehung. Wie sich die Lust auf Sex mit anderen in einer über Jahren gewachsenen Partnerschaft sowohl körperlich als auch emotional anfühlt, kann ich nicht beurteilen – aber ich bin dagegen, Menschen in ein monogames Korsett zu zwängen, weil es gesellschaftlich verlangt wird. Und noch mehr bin ich dagegen, Männer wegen ihrer Hodengröße oder prähistorischen Jägerlateins von der Monogamie-Pflicht zu entbinden, Frauen aber im Gegenzug immer noch das Märchen von der Liebe und dem Sex zu erzählen – denn sie leben nicht immer glücklich und zufrieden bis in alle Ewigkeit.


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Arschlecken!

24. Juni 2010 von Susanne
Dieser Text ist Teil 2 von 3 der Serie Die Farbe lila

Zurzeit öffne ich meinen Briefkasten sehr vorsichtig. Ich linse erst mal hinein. Sehe ich nur Werbeprospekte und Rechnungen, greife ich erleichtert zu. Klemmt aber zwischen den weiß-nüchternen Umschlägen von Banken und Behörden wieder einmal ein großes Kuvert aus Büttenpapier, atme ich tief ein und noch tiefer aus. Aber es hilft ja nichts, ich nehme den feinen Umschlag heraus. Also, wer zur Hölle stellt sich als nächstes in den sommerlichen nie enden wollenden Reigen der Heiratswilligen?

Brauner Hintergrund mit 2 Bäumen und 3 Pilzen. Ein Wolf liegt blutend auf dem Boden. Im Vordergrund steht ein Mädchen mit lila Käppchen und einem blutigen Messer in der Hand. Es sagt: I don't need to be saved. I can do that myself.

(c) Frl. Zucker

Nie hätte ich gedacht, schon mit Anfang 30 erste Alterserscheinungen zu bekommen, aber dass ich sommers meine Wochenenden auf Hochzeiten verbringe, ist genau eine solche altersbedingte Erscheinung. Und fast so lästig wie Akne in der Pubertät.

Anfangs dachte ich noch, mein einziges Problem mit Hochzeiten sei das Ding Ehe an sich – so ganz von dieser Einrichtung überzeugt bin ich immer noch nicht. Die Ehe als staatlich legitimierte und finanziell geförderte Form des Zusammenlebens: Was bitte ist daran romantisch? Und die Eheschließung als Moment, bei dem die Frau sich vom Vater an den Zukünftigen übergeben lässt und seinen Namen annimmt – weibliche Selbstbestimmung sieht anders aus. Aber je öfter ich den Wandel der Braut zwischen Einladung und Ja-Wort mitbekomme, desto mehr sehe ich noch ein anderes Problem: dass Hochzeiten für Frauen zur konsumfixierten Leistungsschau geworden sind.

Und zwar jetzt gar nicht einfach so: Wer hat die geilere Location, das bessere Geschirr, das schönere Kleid vom bekannteren Designer. Nein, viel subtiler, denn natürlich orientiert sich niemand an anderen Menschen, Stichwort Individualität und so. Der Wettbewerb läuft eher unter dem Motto: Wer schafft es, seinem Traum einer perfekten Hochzeit so nahe wie möglich zu kommen? Egal ob dieser Traum im Landhaus-, Mittelalter-, Romantik- oder irgendeinem anderen Stil gehalten ist. Die Hochzeitsindustrie ist auf jeden Geschmack vorbereitet und setzt mit der Realisierung dieser Träume jedes Jahr fast zwei Milliarden Euro um.

Früher zahlte der Vater der Braut die Hochzeit, wobei „früher“ relativ ist, auch auf so einer Hochzeit war ich im letzten Jahr. Heute jedenfalls zahlen viele Brautleute selbst, und da auch Frauen ganz selbstverständlich Geld verdienen, darf es gern etwas teurer werden. Dann leistet man sich bestickte Platzkärtchen, weiße Tauben und eine mehrstöckige Torte mit Marzipanrosen als absolute Basics für „den schönsten Tag im Leben“, „den man schließlich nur einmal feiert.“ Also gleich noch den spitzenumrangten Torbogen für die Freiluft-Hochzeit gemietet und das – heute wieder zwingend weiße – Kleid doch maßanfertigen lassen.

Freundin P. jedenfalls, die in diesem Sommer ebenfalls heiratet, beschwerte sich bereits, dass es allein schon ziemliche Überwindung koste, eine einfache, handgeschriebene Einladungskarte zu verschicken. „Sogar meine Mutter redete mir ein, ich solle ins Grafikstudio gehen. Meine Mutter, die barfuß auf einem Acker geheiratet hat! Im Studio bekomme man auch das allertollste Papier, sogar parfümiertes“, erzählte sie augenverdrehend. „Arschlecken!“ schloss sie auf ihre von mir sehr geschätzte direkte Art, „ich klopp doch nicht mein sauer verdientes Geld für so einen reaktionären Scheiß raus.“

Ihre Parole Arschlecken! will ich seit unserem Gespräch jeder Braut zurufen, deren Einladung mich erreicht. Leider bin ich nicht abgebrüht genug, diejenige zu sein, die ihnen „den schönsten Tag im Leben“ versaut. Also gehe ich am Wochenende auf die nächste Hochzeit. Der schöne Sommer.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der SonnTaz)


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Sparen auf Deutsch

9. Juni 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 5 von 6 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Zwei Dinge haben Deutschland in den letzten Tagen sehr beschäftigt: Wir müssen sparen. Und wir brauchen einen neuen Bundespräsidenten. Zu beiden Themen hat die Bundesregierung nun Entscheidungen gefällt – und beide Male ist der Feminismus auf der Strecke geblieben.

Fangen wir beim deutschen Sparplan an. Bis 2014 müssen rund 80 Milliarden Euro eingespart werden, verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel. Schulden müssen gebremst werden – “für die Zukunft unserer Kinder”, so die Erklärung der Bundesregierung. Und doch trifft das Sparpaket besonders die sozial Schwachen. Es gibt starke Kürzungen beim doch “bisher so erfolgreichen” Elterngeld. Doch nicht nur hier wird gespart, auch bei den Rentenbeiträgen für Langzeitarbeitslose, bei den Fördermitteln für Erwerbslose und dann wird auch noch der Arbeitsplatzabbau im Öffentlichen Dienst angekündigt. “Gerecht geht anders”, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. Die Opposition kündigt Widerstand gegen das Sparpaket an, die Grünen fordern, dass auch die Vermögenden zur Kasse gebeten werden. SPD-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider vermisst “soziales Gespür” und vermutet, dass sich die Bevölkerung gegen die Sparpläne wehren wird.

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Lesestoff zum Wochenende

5. Juni 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 62 von 69 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Heute vom sonnigen Vernetzungstreffen „Frauen im Net”, die spannendsten Beiträge aus der feministischen Blogosphäre der letzten Woche:

In den Geschichten von der honigsüßen Welt berichtet Lori vom linken Jugendkongress in Hamburg. Im Workshop „Yes means Yes” ging es um Grenzen und selbstbestimmte Sexualität.

Die denkwerkstatt hat sich den österreichischen Frauenbericht 2010 durchgelesen:

Frauen verdienen weniger und leisten mehr unbezahlte Arbeit, Migrantinnen schneiden noch schlechter ab.

Den zweiten Familienreport des deutschen Bundesfamilienministeriums kommentiert der VÄTER Blog.

Zwischengeschlecht.info weist auf einen Text von Joke Janssen hin, der sich mit dem Umgang der Gender- und Queer Studies mit intersexuelle Menschen beschäftigt hat.

Auch im Juni gibt es bei der Missy wieder eine Gastbloggerin: Nadine von Medienelite und der Mädchenmannschaft. Los ging’s mit Alkohol und alten Rollenbildern.

Auf seoulmate fragt sich Gitte, welches Verhalten uns zu „uns” macht und was „sich verbiegen” bedeutet.

Neue Bundespräsident_in wird nicht Ursula von der Leyen, sondern Christian Wulff. Dass dahinter erstaunlich viele Emotionen auf Seiten der männlichen Politiker stehen, beobachtete Antje Schrupp.

Warum wir heutzutage noch nicht post-gender sind erläutert zeitspuk.de .

Feministische Fans amerikanischer TV-Serien aufgepasst, mit previously… gibt es eine neue Sendung im Dresdner coloRadio. Natürlich auch online zum Nachhören und Abonnieren als Podcast.

Zum Schluss noch eine Nachricht aus Island: Wie queernews.at berichtet, werden dort künftig mehr Eizellenspenden erlaubt. Bisher musste der Samen dann vom Partner der zukünftigen Mutter stammen – homosexuelle Paare, Singles und heterosexuelle Paare, bei denen beide Partner Probleme mit der Fruchtbarkeit haben, wurde so quasi verboten, Kinder zu bekommen.


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