Einträge der Rubrik ‘Familien_politik’


Reproduktion und (partei-)politisches Engagement

22. Mai 2013 von Melanie
Dieser Text ist Teil 39 von 39 der Serie Muttiblog

neulich war ich beim “kennenlernabend” einer partei. beginn: 19.30 uhr. ich kam so grade eben pünktlich, ca. 7 leute saßen schon da. ich dachte: nett, überschaubar. was ich nicht ahnte: dass alle paar minuten noch jemand eintraf. vielleicht bin ich ein bisschen spießig, aber mit der vorstellungsrunde selber begannen wir dann erst um acht.

gut, im normalfall ist das einfach nur ärgerlich. aber: ich war nachmittags bereits beim elterninfonachmittag der kita, in die minime ab sommer geht. minime selbst (der ist jetzt etwas über zwei jahre alt) ließ ich bei der babysitterin. abgelöst wurde die babysitterin nach zwei stunden von meiner schwester, damit ich anschließend auf besagten kennenlernabend gehen konnte.

zurück zum kennenlernabend: um acht begann die vorstellungsrunde, dann stellte eine die strukturen der partei auf kommunalpolitischer ebene vor. “und mittwochs trifft sich arbeitskreis xy, an jedem ersten dienstag dann die initiative zur weltrettung (setze hier beliebige initiative ein), der wahlkampf beginnt dann und dann und wir brauchen noch leute die dies und jenes machen. …” wow, dachte ich, um also irgendwie aktiv mitzumachen müsste ich sehr sehr viele abende hier verbringen. dabei bin ich ja schon in ‘privilegierter’ lage: der vater von minime ist generell genau so ein guter minime-aufpasser und ins-bett-bringer wie ich, hat aber auch schon mal jobs außerhalb der 9-17uhr. meine schwester ist regelmäßig da, um das kind abends oder am wochenende ein paar stündchen zu bespaßen (nicht nur mir zuliebe, sondern auch, weil sie ihn gerne sieht). eine babysitterin ginge zur not auch. aber alles eben nur ab und zu. zum beispiel, wenn ich mich mit anderen feministinnen der regionalliga treffe. oder mal mit einer freundin zum kaffee-kölsch-klönen, denn ja: zeit für mich selbst versuche ich auch irgendwo her zu nehmen.

um 22.20 uhr verließ ich die veranstaltung, bei der sich inzwischen scheinbar sehr grundlegende, wichtige politische debatten auftaten. was mir noch auffiel nach der vorstellungsrunde: die teilnehmenden waren in der regel sehr jung (abiturient_innen, studierende) oder schon weit über 50. fragen, anyone?

ich wollte mich parteipolitisch engagieren, weil mir bestimmte themen wichtig sind. aber wenn ich so sehe, wie parteipolitik – zumindest auf kommunaler ebene – aussieht, dann weiß ich auch, warum frauen- und familienpolitik grade so aussieht, wie sie ist: weil die, die es betrifft, mit anderen dingen beschäftigt sind. liebe angela mcrobbie, deine aufforderung, dass feministinnen sich in der POLITIK einmischen sollen, in allen ehren: wer passt dann auf mein kind auf?

(dass problem, keine zeit/kraft/energie für politisches engagement in parteien zu haben, tritt ja nicht nur im falle von kinderbetreuung auf. so wundert es zum beispiel auch nicht, dass die interessen von beschäftigten im prekären bereich wenig eingang in die arbeitsmarktpolitik finden. erst kommt das fressen, dann die moral (redewendung, nach b. brecht))


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I would prefer not to. Von Slackern und Slacker-Müttern

25. April 2013 von Lisa

Der Text erschien bereits auf ‘Fuckermothers.’

‘Slacker’ waren in meinen frühen Teenager-Jahren eine Verheissung. Das waren coole Typen wie der Sänger von Nirvana, mit langen Haaren, kaputten Jeans und hängenden Schultern. In ihrer Verweigerungshaltung wollte ich mich selbst sehen. Denn sie wirkten eher irgendwie rebellisch als nur depressiv, eher unnahbar als schüchtern, eher als stolze Outlaws denn als Aussenseiter.

Ein Teil von jener längst überwunden geglaubten Verheissung kam wieder, als ich kürzlich den Begriff der ‘Slacker Mom’ hörte. Denn die Suche nach coolen Mutter-Typen gestaltet sich bekanntlich schwierig. Konservative Mutter-Mythen, Debatten um vermeintliche Latte-Macchiato-Mütter und das ewig beschworene Kind&Karriere-Dilemma lassen wenig Raum für Alternativen.

Der Begriff ‘Slacker‘ kommt aus dem englischen Sprachraum und war lange Zeit ein Schimpfwort. Er bezeichnete  faule, arbeitsunwillige und passive Menschen. In den 1990er Jahren erfuhr die Bezeichnung eine popkulturelle Aufwertung, Generation x, Grunge, unfrisiertes Haar, Trainspotting und so. ’Slacker’ waren nun bewusst gegen gesellschaftliche Anforderungen, die galten als unangepasst und kritisch gegen Status, Konsum und Karriere. “Choose life. Choose a job. Choose a career. Choose a family. Choose a fucking big television, Choose washing machines, cars, compact disc players, and electrical tin openers. (…) But why would I want to do a thing like that?” heisst es in Trainspotting. (weiterlesen …)


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Bahnbrechende Erkenntnisse: Kinderbetreuung hat Einfluss auf Erwerbstätigkeit

18. April 2013 von Charlott

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ich kann den Namen ja kaum mehr sagen ohne entweder in vollkommen unangebrachtes Gelächter zu verfallen, mit den Augen zu rollen oder verzweifelt die Hände in die Luft zu werfen.

Dieses Ministerium also hat uns diese Woche mal wieder bahnbrechende Erkenntnisse mitgeteilt. In einer Studie, die das ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. durchgeführt hat, kam unter anderem heraus:

Zentrale Erkenntis: Mütter mit Kindern unter sechs Jahren, die ihre Kinder betreuen lassen, nehmen eher eine Erwerbstätigkeit auf oder dehnen diese aus als Mütter, deren Kinder keine öffentlich geförderte externe Kinderbetreuung in Anspruch nehmen.

Vielleicht erinnert ihr euch an den 8. Familienbericht, der sich hauptsächlich mit dem Thema Zeit – Zeit für Familie, Sorgearbeit und Zeitsouveränität von Arbeitnehmer_innen – auseinandersetzte, welcher in erster Linie durch seine Unentschiedenheit auffiel. Maria schrieb damals sehr passend:

Der Bericht liest sich stellenweise so, als hätte eine Gruppe älterer Herren zähne­knirschend Gleichstellungsziele als halbwegs legitim akzeptiert, sich aber nicht einigen können, was das nun im Einzelnen bedeuten soll.

Aber selbst in diesem Bericht, sahen sich die Sachverständigen ™ gezwungen als Empfehlung ausszusprechen, dass es mehr öffentliche Kinderbetreuung zur Entlastung von Eltern geben sollte. Das war im Jahr 2011. Und schon “damals” eine reichlich später Erkenntnis.

Nun sind wir im Jahr 2013 und dem BMFSFJ wurde wieder bestätigt, was wir irgendwie ja auch alle wissen: Die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung erhöhen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber, ich bin mir sicher, dass sich das Ministerium und allen voran Kristina Schröder weiterhin nicht von Fakten verunsichern lassen wird. Lieber weiter das Betreuungsgeld fördern. Schließlich geht ja auch den Staat die “private Rollenverteilung in einer Partnerschaft” nichts an.

Heute stimmt übrigens auch der Bundestag zum Thema “Frauenquote” in Aufsichtsräten ab. Der Vorschlag der Opposition sieht vor bis zum Jahr 2018 20% (das ist nicht mal die so genannte “kritische Masse” von 30%) Frauen in diesem Gremium zu haben. Aber auch da wird sich die Regierung sicher nicht weiter irritieren lassen. Weiterlesen zum Thema könnt ihr zum Beispiel hier und hier.


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Geh besser wieder heim

5. April 2013 von Lisa

Dieser Text von ‘Rufende Nebelkrähe’ erschien bereits als Gastbeitrag auf dem Blog ‘Fuckermothers‘.

Rufende Nebelkrähe ist 33 Jahre alt und lebt seit gut 10 Jahren ohne ihre beiden leiblichen Kinder in Berlin. Seitdem kämpft sie für ein neues Verständnis der Mutterrolle. Sie findet die Analyse von Müttern, die gehen, wäre ohne Feminismus nicht möglich- möchte aber darauf hinweisen, dass die eigenen Kinder zu verlassen, rein gar nichts mit Feminismus zu tun hat- sondern individuelle Biographien darstellen.

Als ich mit 23 Jahren nach Berlin kam – da kam ich alleine.

Mutterseelenallein.

Ich habe nämlich meine beiden Kinder, damals 5 und 2 Jahre, bei ihrem Vater gelassen und bin in eine kleine 2- Raum-Wohnung in Kreuzberg gezogen.

Die Trennung war gerade erst vollzogen, als ich im Café Bateau Ivre mit einem, in meinen Augen, älteren Mann ins Gespräch komme. Auch er lebt ohne seine Kinder in Berlin.

Er leidet. Er vermisst. Er ist alleine.

Er sieht mich an und gibt mir einen Ratschlag: „geh besser wieder Heim“. Als wüsste er irgendwie, was Heim für mich bedeutet.

„du als Mutter“ erklärt er weiter, „du schaffst das nicht ohne die Kinder“

Nach 10 Jahren sehe ich immer noch die Oranienstraße vor mir, sehe diesen fremden Mann, welcher es doch ach nur so gut mit mir „Mädchen“ zu meinen scheint. Ich sehe seine traurige Art und Weise, er ist leicht geduckt. Ich sehe ihn noch genau vor mir.

Ja, und beinahe hätte er Recht gehabt. Ein Leben ohne die eigenen Kinder kann schwer sein. Eine Familie gehabt zu haben, sich selbst zu wandeln ist nicht leicht. Und das Leben alleine genießen zu können, das mensch meist ja nicht einmal nach einem Beziehungs-Aus ohne Kinder.

Aber irgendetwas in mir stört sich an meinem Geschlecht. Frau sein. Mutter sein. Ist es zwingend so, dass ich mehr vermissen werde? Ist es so, dass es ein Band gibt? Das Band, welches nur der Gebärenden zugesprochen wird?

Ich glaube nicht daran. Ich kann ja nicht einmal glauben, dass sich noch im 21. Jhd viele Leute nicht vom Ideal einer biologischen Mutter trennen möchten. Für diese besteht ein unwiederrufliches Band, das durch die Schwangerschaft gebildet ist und das sie heilig sprechen. Aber zwingt es die leibliche Mütter nicht in eine aufopfende Rolle und schreibt gleichzeitig Vätern – oder nicht biologischen Eltern – eine gleichsam liebevolle Beziehung ab?

Deshalb gibt es wohl auch keine Rabenväter. Oder Rabeneltern.

Das Kindswohl liegt einzig und allein in Mutters Liebe und Zuwendung.

Jetzt kommt schon? Wirklich?

Was mein Leben als Rabenmutter aber so schwer gemacht hat, waren diese Zuschreibungen.

Entweder gut oder böse.

Die einen halten mich für ein Opfer, dass große Qualen auf sich genommen hat, um die Kinder in dem Umfeld aufwachsen zu lassen, wo es ihnen am Besten geht. Sie wollen, dass ich kämpfe, ein Löwenherz habe und leide. Denn so gehört sich das.

Die anderen halten mich schlichtweg für einen schlechten Menschen. Eine Frau, welche ihre Kinder verletzt. Sie fragen nicht nach meiner Geschichte – aber sie malen sich Bilder aus. Gewalttätige, Gefühlskalt Bilder. Und wenn sie einen traurig sehen, dann halten sie das für die gerechte Strafe.

Es muss aufhören, dass sich jedes Mal, wenn ich anfange von meinen Kindern zu reden, ein mitleidigerBlick kommt. Dass mein Gegenüber sich mir mit seitlich geneigtem Kopf zuwendet und fragt, ob alles ok sei? Oder ein Aufblitzen in den Augen, gepaart mit einer leicht steiferen Körperhaltung. Da möchte ich gar nicht wissen, was sich für Bilder im Kopf meines Gegenübers bilden.

Jeder Mensch, welcher durch welches Schicksal auch immer seine Kinder verlässt, hat seine eigene, individuelle Geschichte.

Wollen wir emanzipierte Väter und sich selbst definierende Familien, müssen wir auch die Mütter, welche ihre Kinder verlassen, in unserer Mitte akzeptieren.

Deshalb werde ich ab jetzt Geschichten erzählen, meine Geschichte.


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“Wenn es ihr nicht gefällt, musst Du aufhören” – Zur Jungenerziehung

3. April 2013 von Lisa

[Trigger Warnung: Es geht um sexualisierte Gewalt]

In unserer Gesellschaft wird vielen Mädchen beigebracht, nicht offen aggressiv zu sein, sondern sich rücksichtsvoll, nachgebend und vorsichtig zu verhalten. Trotzdem erscheint Gewalt – insbesondere sexualisierte Gewalt – als Frauenproblem: Um nicht Opfer zu werden, sollen Frauen von klein auf möglichen Gefahren aus dem Weg gehen. Sie sollen nicht ‘provozieren’, sich ‘vernünftig’ verhalten, sich nicht ‘aufreizend’ kleiden, sich nicht zu sehr betrinken, nicht Nachts alleine auf der Straße sein, etc. Diese Vorstellungen haben zur Folge, dass im Falle eines sexuellen Übergriffs der Frau oder dem Mädchen die Schuld gegeben wird. ‘Sie war eben nicht vorsichtig genug’ heißt es dann. Dieser Mechanismus wird oft ‘Blaming the victim‘ genannt.

Täter sind in den meisten Fällen Männer und Jungen. Selbstverständlich werden auch Frauen gewalttätig, doch statistisch gesehen sind sie in der Minderheit. Laut einer Studie den Bundesfamilienministeriums von 2004 waren 99 Prozent der Täter von sexueller Gewalt gegen Frauen erwachsene Männer. Ähnlich sieht es bei häuslicher Gewalt aus: 2/3 der Tatverdächtigen sind Männer (und, by the way, der Großteil davon sind wiederum männliche Deutsche). Dennoch erscheint Vergewaltigung kaum als Männerproblem. Folglich wird vielen Jungen nicht beigebracht, weniger aggressiv zu sein, nicht zu schlagen und nicht zu vergewaltigen. Vielmehr gilt oft weiter die traditionelle männliche Geschlechterrolle für sie. Der ‘normale’ Junge scheint mutig, wild, laut, Raum-greifend und latent aggressiv.

“Don’t teach women how to avoid being raped, teach men not to rape” oder ”Don’t teach us what to wear, teach your son not to rape” lauten deswegen viele Leitsprüche – nicht erst seit der brutalen Vergewaltigung in Steubenville: Statt Mädchen dazu zu erziehen, nicht vergewaltigt zu werden, sollen Jungen lernen, nicht zu vergewaltigen. Zerlina Maxwell zählt hierzu fünf Punkte auf, wie sexualisierte Gewalt durch Männer verhindert werden kann. Sie wurden von Maike auf kleinerdrei übersetzt:

“1. Bringt jungen Männern bei, was einvernehmlicher Sex ist.
2. Bringt jungen Männern bei, Frauen als Menschen anzusehen, und nicht als sexuelle Objekte, die zum Vergnügen der Männer da sind.
3. Bringt jungen Männer bei, wie sie ihre Männlichkeit auf eine positive Weise ausdrücken.
4. Bringt jungen Männern bei, missbrauchten oder vergewaltigten Frauen und Mädchen zu glauben, die mit ihren Fällen an die Öffentlichkeit treten.
5. Bringt jungen Männern bei, einzugreifen, wenn Sie Zeugen von Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch werden.”

Sinnvoll ist allerdings, nicht erst bei den ‘jungen Männern’ anzusetzen, sondern bei den Erziehung von Jungen generell. Hier gilt es, überzogene Stereotype von traditioneller Männlichkeit in Frage zu stellen. Der Berliner Verein Pat-Ex bietet ‘patriarchats-’ bzw. ‘identitätskritische Jungenarbeit’ in der Schule an. Zu seinen Publikationen gehört unter anderem das Buch ‘Müssen Jungen aggressiv sein?‘ von Jens Krabel. Dabei ist ein Ziel von Jungenarbeit: “Einen Raum schaffen, indem das Selbstbewußtsein gefördert, das Vertrauen in die eigenen Stärken und Schwächen entwickelt und gelernt wird, Grenzen zu setzen und zu respektieren.”

Die Grenzen anderer Menschen wahrzunehmen und zu respektieren stellt auch einen der Schwerpunkte in der Sexualaufklärung des Wiener Vereins Selbstlaut dar. Seine Broschüre richtet sich nicht nur an Jungen, sondern an alle Kinder. Beim Thema “Zustimmung & Grenzen setzen” (S. 16) geht es darum, “die Schüler_innen zu ermutigen, das Mitteilen von Wünschen und Grenzen auszuprobieren und somit über die Wichtigkeit von achtsamem, konsensuellem Miteinander zu lernen und dieses erfahrbar zu machen.” Die anschliessenden Übungen beinhalten eine ‘Ampel’ zum Einschätzen von Zustimmung und einige Beispielgeschichten mit Situationen beim Sport, beim Spielen oder in ersten Liebesbeziehungen.

Über die Erziehung ihrer Söhne schreiben einige Blogger-Väter. So ist bei Mochadad zu lesen: “As fathers, we must teach our sons to respect women. This culture of disrespect can only be reversed by strong men taking a stand. We must model appropriate behavior and teach them that their manhood is not tied to their sexual conquests.  Most of all, we have to reinforce the notion that ‘No’ means ‘No.’”

Ein sehr alltägliches Beispiel, wie eine solche Erziehung aussehen kann, gibt Yesmeansyes. Dort wird eine Szene beschrieben, in der ein zweijähriger Junge ein kleines Mädchen beim Spielen kitzelt. Der anwesende Vater sagt zu seinem Sohn einfach: “If she’s not having fun, you have to stop.” Wenn es Ihr nicht mehr gefällt, musst Du aufhören.

(Dieser Beitrag erschien bereits auf ‘Fuckermothers’.)


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Homo-Ehe: Ja. Heteronormativität hinterfragen? Nee.

2. April 2013 von Magda
Support Gay Marriage

Bild: Human Rights Campaign

Mache ich zur Zeit den Computer an, springt mir ein Meer an roten Flaggen entgegen. Auf Facebook und Twitter haben viele meiner Kontakte ihre Profil­bilder gegen ein rotes Bild mit zwei rosa Strichen getauscht – ein Zeichen der Unterstützung für die aktuellen Kämpfe in den USA für die Öffnung der Hetero-Ehe (und die damit ver­bundenen Privilegien) für lesbisch- und schwul-lebende Paare mit Heirats­wunsch.

Konkret geht es um zwei Verfahren, die aktuell vor dem US-amerikanischen Obersten Gerichts­hof (Supreme Court) verhandelt werden. Das eine Verfahren befasst sich mit proposition 8, einer Volks­abstimmung, mit der in Kalifornien gleich­­geschlecht­liche Ehen ver­boten wurden. Das andere befasst sich mit der Verfassungs­mäßigkeit von DOMA (Defense of Marriage Act, zu deutsch: “Gesetz zur Ver­teidigung der Ehe”), welches die Ehe als die Ver­bindung zwischen einem Mann und einer Frau definiert. Das heisst: Auch wenn ein Homo-Paar in einem der neun Bundes­staaten plus Washington DC legalisiert geheiratet hat, wird das Paar auf der Bundes­ebene weiterhin benach­teiligt was Steuer, Ver­sicherung und Erb­schaft angeht.

In der aktuellen Debatte geht es um die Fragen: Was ist eine Ehe? Welche Rechte stehen gleich­geschlecht­lichen Ehen zu? Und: Werden diese Rechte zukünftig durch den Obersten Gerichts­hof durch ein Grund­satz­urteil abgesichert? Dies erscheint relativ un­wahr­scheinlich, aber der Druck der US-amerikanischen Öffent­lichkeit zur Öffnung der Hetero-Ehe ist enorm. Auch der US-Präsident Barack Obama bezieht klar Stellung. Das Bild zur Bewegung (siehe oben) liefert Human Rights Campaign - eine Organisation, die nicht gerade für eine inklusive Bewegung steht.

Der Hype um die Homo-Ehe

Die aktuelle Aufruhr um die Homo-Ehe verwundert mich ziemlich und zwar nicht, weil mich die Forderung über­rascht. Da neben einigen lesbischen und schwulen Aktivist_innen eine Vielzahl meiner Hetero-FreundInnen, die eher selten mit emanzipatorischen Bot­schaften auffallen, öffent­lich für die Öffnung der Ehe plädieren, hat mich das nach­denklich gestimmt. Ich versuche mal, meine Gedanken zu ordnen:

(weiterlesen …)


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50/50 bedeutet nicht die Auflösung aller Ungerechtigkeiten

28. März 2013 von Gastautor_in

Dieser Text erschien vor einigen Tagen als Gastbeitrag auf Lisas Blog fuckermothers. Jochen König ist Autor und lebt mit seiner dreijährigen Tochter in Berlin. Wir danken ihm und den Fuckermothers für die Erlaubnis zum Crossposten!

Gerade habe ich mich an einen Text übers Elternsein und Geschlechterverhältnisse gesetzt, den ich seit ein paar Wochen schreiben möchte, da erscheint ein Artikel von Stefanie Lohaus auf Zeit Online vielfach auf meiner facebook-timeline: Es geht um das Prinzip 50/50. Sie beschreibt wie sie sich mit ihrem Partner gleichberechtigt um das gemeinsame neugeborene Kind kümmert und greift dabei zwei Aspekte auf, über die ich aus meiner Perspektive als Vater seit einiger Zeit nachdenke.

Sicherlich ist es ein Fortschritt, dass solche Modelle in einer solch breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Das Abfeiern von 50/50-Arrangements finde ich jedoch ermüdend. Der Zusammenhang zwischen Elternsein und Geschlechterungerechtigkeit lässt sich nicht auflösen, indem die Väter die Hälfte der möglichen Elternzeit nehmen. (weiterlesen …)


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Auf einen Blick: Abtreibungsgesetzgebung in Europa

22. März 2013 von Magda

Das Missy Magazine hat eine interaktive Karte zum Thema “Abtreibungs­gesetz­gebung in Europa” zusammen­gestellt. Darauf findet ihr viele Infos zur Gesetz­gebung in europäischen Ländern, Statistiken und teil­weise auch Hin­weise zu Aktionen und Initiativen, die sich in den einzelnen Ländern für reproduktive Rechte ein­setzen.

Abtreibung Europa

Bei der Beschreibung zu Deutschland könnte mensch noch einen kurzen Hinweis zu aktuellen Kämpfen rund um Abtreibung hinzufügen. In Deutschland gibt es eine organisierte Struktur von rechten christ­lich-(funda­mentalistischen) Abtreibungs­­gegnerInnen, die vor Arztpraxen demonstrieren, mit Kranken­kassen kooperieren, mit der Deutschen Bahn Rabatte aushandeln und fleißig Demos anmelden, bei denen sie glücklicher­weise auf Wider­stand treffen. Zu den anderen Ländern kann ich leider nicht so viel sagen, weil mir da das Wissen fehlt. Wenn ihr Anmerkungen habt, ab damit in die Kommentare!


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Wie eine bessere Familienpolitik aussehen könnte

18. März 2013 von Lisa

Dieser Beitrag erschien letzten Freitag bereits bei Fuckermothers.

Fotografie von vier Personen (zwei Erwachsene, zwei Kinder) auf weißem Karopapier-Hintergrund, deren Gesichter entfernt und durch weißes kariertes Papier ersetzt sind.

Bild: Fuckermothers

Angeblich soll es im kom­men­den Wahl­kampf mehr um Familien­poli­tik gehen. Des­we­gen habe ich an­ge­fan­gen zu über­legen, wie eine bessere Familien­politik aus­sehen kön­nte. Heraus kam diese Liste. Menschen, die wenig am poli­tischen System ändern wol­len, wird sie wohl zu uto­pisch (bzw. “zu teuer!”) er­scheinen. Und Menschen, die es nicht unter der Ab­schaf­fung des Kapi­ta­lis­mus und Natio­nal­staats machen, wird sie nicht weit ge­nug gehen (bzw. “zu re­form­ist­isch!” sein). Hier kom­men die Punkte trotz­dem. Er­gänzungen und Ver­bes­ser­ungs­vor­schlä­ge sind er­wünscht. Und Utopien so­wie­so.

 

 

  • Das Ziel von Familienpolitik sollte Gerechtigkeit, höhere Lebensqualität sowie das Verringern von Ungleichheit und Armut sein. Ziel sollte nicht sein, lediglich die Zahl der Kinder (von bestimmten Bevölkerungsgruppen) zu erhöhen.
  • Das Ehegattensplitting verschwindet endlich ersatzlos.
  • Abtreibung wird legalisiert. Der § 218 wird gestrichen.
  • Mehr als zwei Personen können (auch rechtlich) Eltern eines Kindes sein.
  • Der Ausbau von Kitas und Krippen geht schneller voran und zwar so, dass es nicht nur mehr Plätze gibt, sondern auch eine bessere Qualität der Betreuung. Dazu gehören kleinere Betreuungsschlüssel, längere und flexible Öffnungszeiten, ein Nachmittagsprogramm sowie durchdachte pädagogische Konzepte.
  • Hebammen, Erzieher_innen und Tageseltern bekommen endlich eine bessere Entlohnung.
  • Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften erhalten die gleichen Rechte wie gegengeschlechtliche. (weiterlesen …)

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Wie mein Kind ein Junge wurde

6. März 2013 von Melanie
Dieser Text ist Teil 38 von 39 der Serie Muttiblog

Ich hab mir lange und viele Gedanken darüber gemacht, wie ich das mit der ‘geschlechtsneutralen’ Erziehung meines Kindes halten will. Was das für mich überhaupt – bei einem Säugling, bzw. Kleinkind (er ist jetzt knapp 2 Jahre) – bedeutet.

Ich bin an einen Punkt gekommen, wo ich nicht mehr an die Möglichkeit ‚geschlechtsneutraler’ Erziehung glaube. Einfach, weil es in meinem Umfeld scheinbar nicht möglich ist. Auch wenn einige schwedische Kindergärten Konzepte für geschlechtsneutrale Erziehung haben – ich finde den Begriff schon problematisch. ‚Neutral’ ist nämlich in einer Welt, in der alle ziemlich kategorisch in zwei Geschlechter eingeteilt werden keine Option. Kinder werden immer als Mädchen oder Junge „angerufen“. Abgesehen davon sehe ich meinen Einfluss auf die Erziehung meines Kindes zwar keineswegs als unwichtig, aber doch bescheiden an, wenn man überlegt, mit wem Kinder täglich zu tun haben: Erzieher_innen, andere Kinder und deren Eltern/Bezugspersonen, weitere Verwandte und Bekannte…

Unabhängig von Klamotten, die immer wieder ein brennendes Thema sind (siehe fuckermothers, stilhaeschen, oder zum cross-dressing laufmoos) und Spielzeug (siehe dasnuf) drängen sich mir ein paar Beobachtungen auf, die ich an konkreten Beispielen schildern möchte: (weiterlesen …)


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