Einträge der Rubrik ‘Boys we like’


Kotztüten und andere Ekelfälle – die Blogschau

21. April 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 154 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Baum der Glückseligkeit will nicht auf den Revolutionen einer linken Szene tanzen, in der Männer Machos bleiben und es Frauen noch immer an Selbstbewusstsein mangelt.

Über den respektvollen Umgang mit trans* und nicht-geschlechtskonformen Identitäten klärt ein neuer Infoflyer auf – femKo hat ihn gepostet.

Kotztüte Kristina Schröder hat ein Buch geschrieben, wie wir leider zur Kenntnis nehmen mussten. Recht und Geschlecht hat es gelesen, rezensiert und Pressestimmen eingefangen.

Antje Schrupp dagegen will Schröders Buch nicht lesen. Nicht, weil sie alles schlecht findet, was die Ministerin tut oder nicht tut, sondern weil Schröder in “Danke, emanzipiert sind wir selber!” sämtliche platten Argumente des Antifeminismus’ bedient.

Was Schröder so alles nicht tut, listet dann noch einmal Karnele in einem sehr wütenden Beitrag auf.

StopTalk kritisiert den Brief gegen Schröder, weil die nationalistischen und rassistischen Ideologien der Ministerin bei der Kritik unter den Tisch gefallen sind.

Und ein letztes Mal Schröder: Wer das Buch (mit guten Nerven) lesen möchte, kann es so wie dieTilde machen: Eine kauft das Buch und gibt es dann mit an den Rand gekritzelten Anmerkungen immer an andere weiter – so können es viele lesen, aber gekauft werden muss es nur einmal.

Gender Pay Gap?! Den gibt es doch gar nicht… jaja, die Reaktion kennen wir. Rheinsalon erklärt deshalb noch mal in Ruhe und mit der Unterstützung zweier Wissenschaftlerinnen von der Hans-Böckler-Stiftung, warum Frauen in Deutschland im Jahr 2012 immer noch weniger verdienen als Männer.

Hex Hex: Anarchie und Lihbe stellt das zine “Hot Pantz” vor, das über die weiblichen Geschlechtsorgane und ihre Funktion aufklärt und viele Kräuterkundetipps zum Umgang mit Menstruationsbeschwerden gibt. Außerdem arbeitet sie gerade an einer Übersetzung ins Deutsche.

Denkwerkstatt wirft einen feministischen Blick auf die neuen US-Serien “Girls” und “Scandal”

feministmum beobachtet sich und den neuen Alltag mit dem Mann in Elternzeit. Sorgen darum, dass er sich langweilen könnte und Dankbarkeit, dafür, dass er das macht, hinterfragt sie kritisch.

Und noch eine Info für eure Terminkalender: Noch bis zum 25. April gibt es zahlreiche Aktionen, um gegen die Genitalverstümmelungen der Uniklinik Marburg zu protestieren. Zum Beispiel am Sonntag, den 22.4. einen friedlichen Protest vor der Uniklink Gießen. Zwischengeschlecht hat alle weiteren Infos.


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Gender-Fragen und balkanische Musik

5. April 2012 von Silviu
Dieser Text ist Teil 19 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Dieses virale Video zeigt, wie die Kinder einer Grundschule in der bulgarischen Stadt Vidin zum internationalen Frauentag zu Tschalga-Musik tanzen. „Skandal“, haben die Konservativen im Land gleich gerufen. Denn Tschalga, auch Popfolk genannt, sei keine authentische bulgarische Folklore, sondern eher der Ausdruck von Randgruppen. Tatsächlich vermischen sich in dieser kaum 40 Jahre alten Musikrichtung türkische, arabische und griechische Einflüsse. Und Azis, der Sänger des Lieds, ist ein Roma, dazu noch Transgender und eine emblematische Figur der bulgarischen LGBTQ-Bewegung. „Skandal, Skandal, Skandal!“: Selbst der Bildungsminister musste wenige Tage später erklären, wieso er keine musikalischen Genres verbieten kann.

Der Popfolk wurde in den letzten 20 Jahren zu einem kulturellen Massenphänomen, er prägt vor allem die armen Viertel der bulgarischen Städte. Er ist dem post-jugoslawischen Turbofolk sehr ähnlich, dem türkischen Arabesk oder dem rumänischen Manele: Ein wahres panbalkanisches Genre, über dessen genaue Ursprünge wenig bekannt ist, nicht zuletzt weil es an Informationen und Studien fehlt. Fakt ist, dass diese Musikrichtungen sich parallel in mehreren süd­ost­europäischen Städten entwickelt haben, irgendwann zwischen den 1960er und den 1980er Jahren, also noch zur Zeit des Staatssozialismus. In Bulgarien und Rumänien haben damals die Parteifunktionäre versucht, diese Musik zu zensieren oder komplett zu verbieten, weil sie als Stil von weiten Teilen des realexistierenden Proletariats wenig mit den offiziellen Vorstellungen von einer vermeintlich reinen, musealen Klischee-Folklore gemeinsam hatte. In Serbien erlaubte der vergleichs­weise größere zensurfreie Spielraum immerhin das Aufkommen von Kultfiguren wie Ceca.

Heute noch gilt aber diese Musik für die meisten VertreterInnen der lokalen Bildungseliten als überhaupt nicht salonfähig. Vielen Manele-Sängern werden in Rumänien frauenfeindliche, homophobe Motive in ihren Texten vorgeworfen, oder zumindest eine allgemeine Macho-Haltung. Die Debatte läuft an vielen Stellen ähnlich wie die Hip-Hop-Debatte in Deutschland oder in den USA. Ver­all­ge­meinerungen täuschen: Es gibt sicher Machismo, es gibt aber auch Leute wie Azis oder wie seine gute Freundin Sofia Marinova, die dieses Jahr Bulgarien beim Eurovision Song Contest vertreten wird.


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Happy Birthday, Kurt Cobain

20. Februar 2012 von Nadia

Einer unserer Lieblingsfeministen wäre heute 45 Jahre alt geworden.

“My generation’s apathy. I’m disgusted with it. I’m disgusted with my own apathy too, for being spineless and not always standing up against racism, sexism and all those other -isms the counterculture has been whinning about for years.”


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Sexismus, David Beckham und Klischees über Veganer_innen – die Blogschau

11. Februar 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 144 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

I do give a damn setzt sich mit Klischees über Veganer_innen auseinander.

High On Clichés gibt Tipps, wie mensch sich widerständig gegenüber rape culture positionieren kann. Teil 1, Teil 2.

Manu bloggt geht der Reproduktion von Zweigeschlechtlichkeit in Spielzeugläden nach.

Das Missy Magazine hat die Macherinnen vom Girl Gang Zine interviewt.

Die Spielfeldschnitte bedankt sich bei Thees Uhlmann für eine kritische Nachfrage in Sachen Sexismus.

Die Fuckermothers kritisieren die Bilder-Politik von Facebook, Fotos von stillenden Müttern aufgrund von Verletzungen gegen die Nutzungsbedingungen zu löschen.

Diana analysiert die aktuelle H&M-Werbekampagne mit David Beckham und ist erstaunt über die veränderten Blicke und Brüche in der sonst so eintönig heteronormativen wie sexistischen Werbelandschaft.

Rheinsalon stellt fest: Wenn Väter sich mehr an der Haus- und Erziehungsarbeit beteiligen, haben ihre Kinder in der Schule bessere Noten.

Anders Deutsch fasst noch einmal die Debatte um die Diskriminierung eines Trans*Kindes zusammen, dem keine Hormonbehandlung zugestanden wird.


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Ob mit Pille oder gebärend, die Schmerzensmänner sind überall – unsere Lieblingstweets

9. Februar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 5 von 5 der Serie Feminist_innen zwitschern

Schon wieder waren wir nachlässig und haben die feministischen Tweets allein mit unseren Sternen gelassen. Hier also noch einmal unsere Lieblinge der letzten Wochen.

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Transphobie, Schwarze Feministen und die Schmerzensmanndebatte – kurz notiert

1. Februar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 137 von 153 der Serie Kurz notiert

Auf The Root erzählt Byron Hurt, wie er erst den Sexismus seines Vaters weiterlebte – und dann zum Schwarzen Feministen wurde.

Nachdem im kanadischen Vancouver die Anzahl sexualisierter Übergriffe kontinuierlich gestiegen war, ist sie im letzten Jahr erstmals gesunken – und zwar um sage und schreibe zehn Prozent. Von offizieller Seite wird dies zurückgeführt auf eine Ende 2010 gestartete Aufklärungskampagne, die sich – und hier wird es interessant, weil untypisch – unter dem Titel Don’t Be That Guy (Sei nicht dieser Typ) mittels Plakaten an junge Männer wendet und damit den Fokus vom poten­tiellen Opfer von Gewalt zum potentiellen Täter verschiebt.

Das Feuilleton diskutiert, ob wir wieder härtere Typen brauchen. Mit Standpunkten von vorgestern und unnötiger Verbissenheit. Der junge Mann hat seine Rolle ver­loren? Gut so! Auch die FAZ widmet sich der aktuellen Weiche-Männer-Diskussion:
Zum Schießen / Totlachen / auf dem Boden kringeln.

Geodreiecke sind unhandlich und niemand hat sie dabei – aber zum Zeichnen sind sie eigentlich ganz praktisch. Mathematikerin Vi Hart erklärt, wie man sich aus einem Stück Papier schnell bei den verschiedensten Winkeln behilft. Mit einem Angle-a-Tron:

Noch einmal Kanada: Seit einem halben Jahr quasi unbemerkt blieb eine Regelung des kanadischen Verkehrsministeriums. Danach dürfen nur Menschen in Flugzeuge gelassen werden, deren soziales Geschlecht mit dem Eintrag in ihren Ausweispapieren übereinstimmt. Trans­personen, die ihren Pass noch nicht geändert haben oder das noch gar nicht dürfen, dürfen damit in Kanada nicht mehr in Flugzeuge steigen. Ebenso genderqueere Menschen, die auf den ersten Blick nicht klar einem Geschlecht zugeordnet werden können, wie Christin Milloy berichtet.

Inzwischen gibt es schon eine Petition an die kanadische Regierung, Transmänner und -frauen nicht weiter zu diskriminieren. Eine weitere Petition gibt es für das Transmädchen in Berlin, das in die Psychatrie eingewiesen und zwangsweise als Junge erzogen werden soll.

Das Medizinstudium ist inzwischen weiblich dominiert, im Beruf sind Ärztinnen aber deutlich unzufrieden. Das ärzteblatt berichtet, dass fast 80 Prozent Unter­schiede in der Beurteilung ihrer Arbeit sehen; Fast 90 Prozent sind der Meinung, dass Männer schneller befördert werden.

Nach langen Querelen werden im Berliner „Homo-Mahnmal“ nun auch lesbische Paare gezeigt, so Queer.de. Erinnert wird an die von Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen – da Lesben im Gesetz nicht erwähnt wurden, beschränkte man sich bisher auf schwule Paare. Dennoch wurden auch lesbische Frauen als „Asoziale“ eingestuft und verfolgt.

Die Termine wieder nach dem Klick: (weiterlesen …)


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Ehe, Kinder und die üblichen Klischees – die Blogschau

14. Januar 2012 von Verena

reischan macht sich Gedanken um das über-einen-Kamm-Scheren von Feminist_innen und appelliert daran, den Männern die Definitionsmacht darüber, was Feminist_innen sind oder nicht sind aus der Hand zu nehmen.

Die Zahlenzauberin darf zu Recht angeben: Mit einem gestickten “Riots Not Diets”.

denkwerkstatt veröffentlicht den ersten Teil ihres Interviews mit Raewyn Connell, einer der Mitbegründerinnen der akademischen Männlichkeitsforschung.

fuckermothers berichtet über das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wonach Deutschland das einzige OECD-Land – von 23 – ist, das die Erwerbstätigkeit beider Eltern steuerlich behindert; Stichwort Ehegattensplitting.

Noah Sow schildert die kurze, gruselige Unterhaltung in einer Umkleide: Darf ich Ihnen den Rücken eincremen?

West-Östliche Diva erzählt vom Neujahrsempfang der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin, in der sie mit ihrer Freundin nicht nur den Altersdurchschnitt senkt sondern sich auch über diversen “Orientalistenquatsch” und drei weiße Männer – u.a. Peter Scholl-Latour – auf dem Podium ärgert.

Die australische Get Up! Kampagne wirbt mit einem Video gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Ehen

Um die Ehe geht es auch bei Teresa Bücker, die für die FAZ-Community unser Verständnis von der Ehe hinterfragt. Wo ist dort zwischen öffentlichen Reaktionen wie ‘hoffnungslos romantisch’ und ‘hoffnungslos gestrig’ noch Platz für die freie Entscheidung einzelner?

Die kleine Ethnologin nimmt Stellung zu einem SZ-Artikel, der über ein jüngst in der USA erschienenes Buch über Michelle Obama berichtet und eifrig die Klischees der Politikergattin bedient.

Puzzlestücke kotzt über den offensichtlichen Sexismus sogenannter Friend-Zones, in denen Männer die Harmlosen und Frauen die Bösen sind. Passt exellent zu Nadines Text über Nice-Guys. (weiterlesen …)


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„In diesem System bleibt mir nur die männliche Option“

25. Oktober 2011 von Helga

Mann sein, aber nicht so ein männlicher Typ – im arte Film „Meine Seele hat kein Geschlecht“ berichten vier Transmänner über die (Nicht-)Grenzen zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit.

60 gut investierte Minuten, wobei leider nur ein Teil des Films untertitelt ist (er ist aber durchgängig auf Deutsch). Die rechtliche Situation ist in Deutschland übrigens ähnlich furchtbar wie in Frankreich.


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Eine Welt ohne Vergewaltigungen…

19. Oktober 2011 von Nadine

…stellt sich Peter Praschl im SZ Magazin vor (Triggerwarnung!):

Sex ist endlich friedlich. Ein Vergnügen zwischen freien Menschen, kein Mittel, einen anderen zu beherrschen. Er findet nur statt, wenn zwei (oder wie viele auch immer) es wollen. Um einander zu genießen, Lust zu machen, zu trösten, Babys zu zeugen, egal. Aber nicht mehr gegen eines anderen Menschen Willen. Ein Nein ist ein Nein. Man muss nicht einmal groß darüber reden, man merkt es auch so.

In einem eindringlichen Artikel beschreibt er treffsicher den derzeitigen Zustand einer Gesellschaft, die durch rape culture und sexualisierte Gewalt bestimmt ist und in der (meistens) Frauen beständig um ihre Integrität und körperliche Unversehrtheit fürchten müssen. Charmant an Praschls Ausführungen ist neben der offenkundigen Solidarität mit Betroffenen auch das Einnehmen einer zurückhaltenden Perspektive, die Erfahrungen nicht bewertet, sondern diese aus dem Blickwinkel eines (offenbar) heterosexuellen Partners/Freundes/Bekannten spiegelt:

Beim Zuhören wurde einem immer ganz klamm. Auch, weil man sich halbwegs ausrechnen konnte, um wie viel klammer ihr in dieser Situation gewesen sein musste. Im Blick, mit dem sie es erzählte, stand die Erinnerung an eine Einsamkeit, die Angst machte. Oh Gott, sagte man, tut mir leid, sehr viel mehr fiel einem nicht ein. Ist lange her, sagte sie, doch man sah ihr an, dass das nicht stimmte, dass es nie lange genug her sein würde.

Praschl nennt die (heterosexuell)männliche Erfahrungswelt in einer von vergewaltigungsverharmlosenden Gesellschaft “Sicherheitsprivileg”:

eine Welt, in der sexuelle Gewalt ein Abgrund ist, von dessen Existenz sie zwar wissen, in dessen Nähe das eigene Leben aber nie kommt.

Was der Besitz eines solchen Privilegs, das vielen anderen verwehrt bleibt, in der Konsequenz bedeutet, darüber wünscht sich der Autor mehr Reflexion. Denn das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt.


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Angst vor Frauen als Ursache für Sexismus?

8. September 2011 von Anna-Sarah

Aktuell bei Twitter rumgereicht wird ein Interview mit dem Sozialpsychologen Rolf Pohl, das Heide Oestreich 2009 für die taz geführt hat.  Pohl lehrt  an der Uni Hannover Sozialpsychologie, seine Arbeitsschwerpunkte sind laut Wikipedia männliche Sexualität und Geschlechtsidentität, Antisemitismusforschung sowie psychoanalytische und sozialpsychologische Fragen zu NS-Tätern und ihren Verbrechen.  Amüsantes* “biografisches” Detail am Rande: Auf einer  maskulistischen und hier sicherlich nicht verlinkten (aber bei Bedarf leicht googlebaren) Website wird Pohl als “Nestbeschmutzer”, der “Angehörige des Geschlechts, dem er selber angehört, degradiert”, an den “Pudel-Pranger” gestellt und ihm wird – Achtung, Realsatire – die  “mutwillige Gefährdung des Geschlechterfriedens durch Schaffung eines männlichen Feindbildes” vorgeworfen…

Das Interview ist also nicht brandaktuell,  aber interessant genug, um hier jenen, die den Artikel noch nicht kennen (ich gehörte bis vor sehr kurzem selbst auch dazu) nochmal vorgestellt zu werden – zumal er inhaltlich innerhalb der letzten zwei Jahre wenig an Aktualität verloren hat.  Der  für meinen Geschmack streckenweise recht pampige Ton in den Fragen von Heide Oestreich, der wohl spritzig-kess bis konfrontativ-investigativ rüberkommen soll, mag zwar bisweilen etwas nerven, doch es lohnt, sich Pohls Ausführungen zu Gemüte zu führen.

Hier eine Kostprobe:

Aber “Sexismus” war eine Kampfparole in einer Zeit, in der Männer ihren Herrschaftsanspruch noch ganz offen formulierten. Heute ist sexistisches Verhalten offiziell verpönt, wir haben eine rhetorische Modernisierung erlebt. Weil die Diskriminierungen subtiler geworden sind, wirkt der Begriff nun ungenau. Ich würde auch nicht mehr sagen, wir leben in einem Patriarchat, sondern: Wir leben in einer männlich dominierten Gesellschaft mit klaren Geschlechterhierarchien. Niemand sagt mehr: Eine Frau darf nicht Bundeskanzlerin oder Führungskraft werden. Aber die Eigenschaften, die etwa dem Amt von Frau Merkel zugeschrieben werden, sind einer positiven Vorstellung von dominanter Männlichkeit entliehen. Und dann ist das Geschlecht der Amtsinhaberin natürlich mediales Dauerthema. Dieser Umstand ist mit “hegemonialer Männlichkeit” besser beschrieben als mit dem Begriff Patriarchat, in dem eine Frau auf dem Posten des Kanzlers nicht akzeptabel ist.

A propos hegemoniale Männlichkeit: Das Interview selbst ist ein Paradebeispiel dafür, wessen Positionen zu Genderfragen  als Expertise aufgegriffen, verbreitet und zur Kenntnis genommen werden und welche medial ein eher randständiges Dasein führen…

Spannend wird es vor allem da, wo Pohl  männliche Angst als wesentlichen Faktor für die von ihm beschriebenen gesellschaftlichen Schieflagen ausmacht – diese These eignet sich sicherlich hervorragend zum Diskutiertwerden. Ich persönlich hoffe vor allem, dass Pohl (z.B. durch Verfolgen der Mädchenmannschaft :-) ) mittlerweile sein anscheinend etwas verzerrtes Bild des “neuen Feminismus”, der angeblich Männlichkeitsideale nicht infrage stelle, die vorherrschenden Machtstrukturen nicht analysiere und dem allgemeinen Trend der Individualisierung folgen würde, revidiert hat. Zugegeben,  im Interview wird nicht zu 100% klar, ob er damit seine eigene Auffassung beschreibt oder die mediale Darstellung des Phänomens “Alphamädchen” kritisiert.  Stimmt letzteres, ist es umso mehr schade, dass er die Gelegenheit nicht genutzt hat, da was richtig zu stellen.

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*Ich hoffe inständig, dass die maskulistischen Verunglimpfungen keinerlei negativen Folgen für Herrn Pohl und die anderen dort diffamierten Personen haben/hatten und sie sich daher selbst auch über die Lächerlichkeit dieser Anwürfe amüsieren können/ konnten  -  ansonsten wäre es natürlich absolut verfehlt, meinen Fund als auch nur ansatzweise “amüsant” zu bezeichnen.


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