Einträge der Rubrik ‘Boys we like’


Transphobie, Schwarze Feministen und die Schmerzensmanndebatte – kurz notiert

1. Februar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 137 von 138 der Serie Kurz notiert

Auf The Root erzählt Byron Hurt, wie er erst den Sexismus seines Vaters weiterlebte – und dann zum Schwarzen Feministen wurde.

Nachdem im kanadischen Vancouver die Anzahl sexualisierter Übergriffe kontinuierlich gestiegen war, ist sie im letzten Jahr erstmals gesunken – und zwar um sage und schreibe zehn Prozent. Von offizieller Seite wird dies zurückgeführt auf eine Ende 2010 gestartete Aufklärungskampagne, die sich – und hier wird es interessant, weil untypisch – unter dem Titel Don’t Be That Guy (Sei nicht dieser Typ) mittels Plakaten an junge Männer wendet und damit den Fokus vom poten­tiellen Opfer von Gewalt zum potentiellen Täter verschiebt.

Das Feuilleton diskutiert, ob wir wieder härtere Typen brauchen. Mit Standpunkten von vorgestern und unnötiger Verbissenheit. Der junge Mann hat seine Rolle ver­loren? Gut so! Auch die FAZ widmet sich der aktuellen Weiche-Männer-Diskussion:
Zum Schießen / Totlachen / auf dem Boden kringeln.

Geodreiecke sind unhandlich und niemand hat sie dabei – aber zum Zeichnen sind sie eigentlich ganz praktisch. Mathematikerin Vi Hart erklärt, wie man sich aus einem Stück Papier schnell bei den verschiedensten Winkeln behilft. Mit einem Angle-a-Tron:

Noch einmal Kanada: Seit einem halben Jahr quasi unbemerkt blieb eine Regelung des kanadischen Verkehrsministeriums. Danach dürfen nur Menschen in Flugzeuge gelassen werden, deren soziales Geschlecht mit dem Eintrag in ihren Ausweispapieren übereinstimmt. Trans­personen, die ihren Pass noch nicht geändert haben oder das noch gar nicht dürfen, dürfen damit in Kanada nicht mehr in Flugzeuge steigen. Ebenso genderqueere Menschen, die auf den ersten Blick nicht klar einem Geschlecht zugeordnet werden können, wie Christin Milloy berichtet.

Inzwischen gibt es schon eine Petition an die kanadische Regierung, Transmänner und -frauen nicht weiter zu diskriminieren. Eine weitere Petition gibt es für das Transmädchen in Berlin, das in die Psychatrie eingewiesen und zwangsweise als Junge erzogen werden soll.

Das Medizinstudium ist inzwischen weiblich dominiert, im Beruf sind Ärztinnen aber deutlich unzufrieden. Das ärzteblatt berichtet, dass fast 80 Prozent Unter­schiede in der Beurteilung ihrer Arbeit sehen; Fast 90 Prozent sind der Meinung, dass Männer schneller befördert werden.

Nach langen Querelen werden im Berliner „Homo-Mahnmal“ nun auch lesbische Paare gezeigt, so Queer.de. Erinnert wird an die von Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen – da Lesben im Gesetz nicht erwähnt wurden, beschränkte man sich bisher auf schwule Paare. Dennoch wurden auch lesbische Frauen als „Asoziale“ eingestuft und verfolgt.

Die Termine wieder nach dem Klick: (weiterlesen …)


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Ehe, Kinder und die üblichen Klischees – die Blogschau

14. Januar 2012 von Verena

reischan macht sich Gedanken um das über-einen-Kamm-Scheren von Feminist_innen und appelliert daran, den Männern die Definitionsmacht darüber, was Feminist_innen sind oder nicht sind aus der Hand zu nehmen.

Die Zahlenzauberin darf zu Recht angeben: Mit einem gestickten “Riots Not Diets”.

denkwerkstatt veröffentlicht den ersten Teil ihres Interviews mit Raewyn Connell, einer der Mitbegründerinnen der akademischen Männlichkeitsforschung.

fuckermothers berichtet über das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wonach Deutschland das einzige OECD-Land – von 23 – ist, das die Erwerbstätigkeit beider Eltern steuerlich behindert; Stichwort Ehegattensplitting.

Noah Sow schildert die kurze, gruselige Unterhaltung in einer Umkleide: Darf ich Ihnen den Rücken eincremen?

West-Östliche Diva erzählt vom Neujahrsempfang der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin, in der sie mit ihrer Freundin nicht nur den Altersdurchschnitt senkt sondern sich auch über diversen “Orientalistenquatsch” und drei weiße Männer – u.a. Peter Scholl-Latour – auf dem Podium ärgert.

Die australische Get Up! Kampagne wirbt mit einem Video gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Ehen

Um die Ehe geht es auch bei Teresa Bücker, die für die FAZ-Community unser Verständnis von der Ehe hinterfragt. Wo ist dort zwischen öffentlichen Reaktionen wie ‘hoffnungslos romantisch’ und ‘hoffnungslos gestrig’ noch Platz für die freie Entscheidung einzelner?

Die kleine Ethnologin nimmt Stellung zu einem SZ-Artikel, der über ein jüngst in der USA erschienenes Buch über Michelle Obama berichtet und eifrig die Klischees der Politikergattin bedient.

Puzzlestücke kotzt über den offensichtlichen Sexismus sogenannter Friend-Zones, in denen Männer die Harmlosen und Frauen die Bösen sind. Passt exellent zu Nadines Text über Nice-Guys. (weiterlesen …)


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„In diesem System bleibt mir nur die männliche Option“

25. Oktober 2011 von Helga

Mann sein, aber nicht so ein männlicher Typ – im arte Film „Meine Seele hat kein Geschlecht“ berichten vier Transmänner über die (Nicht-)Grenzen zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit.

60 gut investierte Minuten, wobei leider nur ein Teil des Films untertitelt ist (er ist aber durchgängig auf Deutsch). Die rechtliche Situation ist in Deutschland übrigens ähnlich furchtbar wie in Frankreich.


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Eine Welt ohne Vergewaltigungen…

19. Oktober 2011 von Nadine

…stellt sich Peter Praschl im SZ Magazin vor (Triggerwarnung!):

Sex ist endlich friedlich. Ein Vergnügen zwischen freien Menschen, kein Mittel, einen anderen zu beherrschen. Er findet nur statt, wenn zwei (oder wie viele auch immer) es wollen. Um einander zu genießen, Lust zu machen, zu trösten, Babys zu zeugen, egal. Aber nicht mehr gegen eines anderen Menschen Willen. Ein Nein ist ein Nein. Man muss nicht einmal groß darüber reden, man merkt es auch so.

In einem eindringlichen Artikel beschreibt er treffsicher den derzeitigen Zustand einer Gesellschaft, die durch rape culture und sexualisierte Gewalt bestimmt ist und in der (meistens) Frauen beständig um ihre Integrität und körperliche Unversehrtheit fürchten müssen. Charmant an Praschls Ausführungen ist neben der offenkundigen Solidarität mit Betroffenen auch das Einnehmen einer zurückhaltenden Perspektive, die Erfahrungen nicht bewertet, sondern diese aus dem Blickwinkel eines (offenbar) heterosexuellen Partners/Freundes/Bekannten spiegelt:

Beim Zuhören wurde einem immer ganz klamm. Auch, weil man sich halbwegs ausrechnen konnte, um wie viel klammer ihr in dieser Situation gewesen sein musste. Im Blick, mit dem sie es erzählte, stand die Erinnerung an eine Einsamkeit, die Angst machte. Oh Gott, sagte man, tut mir leid, sehr viel mehr fiel einem nicht ein. Ist lange her, sagte sie, doch man sah ihr an, dass das nicht stimmte, dass es nie lange genug her sein würde.

Praschl nennt die (heterosexuell)männliche Erfahrungswelt in einer von vergewaltigungsverharmlosenden Gesellschaft “Sicherheitsprivileg”:

eine Welt, in der sexuelle Gewalt ein Abgrund ist, von dessen Existenz sie zwar wissen, in dessen Nähe das eigene Leben aber nie kommt.

Was der Besitz eines solchen Privilegs, das vielen anderen verwehrt bleibt, in der Konsequenz bedeutet, darüber wünscht sich der Autor mehr Reflexion. Denn das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt.


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Angst vor Frauen als Ursache für Sexismus?

8. September 2011 von Anna-Sarah

Aktuell bei Twitter rumgereicht wird ein Interview mit dem Sozialpsychologen Rolf Pohl, das Heide Oestreich 2009 für die taz geführt hat.  Pohl lehrt  an der Uni Hannover Sozialpsychologie, seine Arbeitsschwerpunkte sind laut Wikipedia männliche Sexualität und Geschlechtsidentität, Antisemitismusforschung sowie psychoanalytische und sozialpsychologische Fragen zu NS-Tätern und ihren Verbrechen.  Amüsantes* “biografisches” Detail am Rande: Auf einer  maskulistischen und hier sicherlich nicht verlinkten (aber bei Bedarf leicht googlebaren) Website wird Pohl als “Nestbeschmutzer”, der “Angehörige des Geschlechts, dem er selber angehört, degradiert”, an den “Pudel-Pranger” gestellt und ihm wird – Achtung, Realsatire – die  “mutwillige Gefährdung des Geschlechterfriedens durch Schaffung eines männlichen Feindbildes” vorgeworfen…

Das Interview ist also nicht brandaktuell,  aber interessant genug, um hier jenen, die den Artikel noch nicht kennen (ich gehörte bis vor sehr kurzem selbst auch dazu) nochmal vorgestellt zu werden – zumal er inhaltlich innerhalb der letzten zwei Jahre wenig an Aktualität verloren hat.  Der  für meinen Geschmack streckenweise recht pampige Ton in den Fragen von Heide Oestreich, der wohl spritzig-kess bis konfrontativ-investigativ rüberkommen soll, mag zwar bisweilen etwas nerven, doch es lohnt, sich Pohls Ausführungen zu Gemüte zu führen.

Hier eine Kostprobe:

Aber “Sexismus” war eine Kampfparole in einer Zeit, in der Männer ihren Herrschaftsanspruch noch ganz offen formulierten. Heute ist sexistisches Verhalten offiziell verpönt, wir haben eine rhetorische Modernisierung erlebt. Weil die Diskriminierungen subtiler geworden sind, wirkt der Begriff nun ungenau. Ich würde auch nicht mehr sagen, wir leben in einem Patriarchat, sondern: Wir leben in einer männlich dominierten Gesellschaft mit klaren Geschlechterhierarchien. Niemand sagt mehr: Eine Frau darf nicht Bundeskanzlerin oder Führungskraft werden. Aber die Eigenschaften, die etwa dem Amt von Frau Merkel zugeschrieben werden, sind einer positiven Vorstellung von dominanter Männlichkeit entliehen. Und dann ist das Geschlecht der Amtsinhaberin natürlich mediales Dauerthema. Dieser Umstand ist mit “hegemonialer Männlichkeit” besser beschrieben als mit dem Begriff Patriarchat, in dem eine Frau auf dem Posten des Kanzlers nicht akzeptabel ist.

A propos hegemoniale Männlichkeit: Das Interview selbst ist ein Paradebeispiel dafür, wessen Positionen zu Genderfragen  als Expertise aufgegriffen, verbreitet und zur Kenntnis genommen werden und welche medial ein eher randständiges Dasein führen…

Spannend wird es vor allem da, wo Pohl  männliche Angst als wesentlichen Faktor für die von ihm beschriebenen gesellschaftlichen Schieflagen ausmacht – diese These eignet sich sicherlich hervorragend zum Diskutiertwerden. Ich persönlich hoffe vor allem, dass Pohl (z.B. durch Verfolgen der Mädchenmannschaft :-) ) mittlerweile sein anscheinend etwas verzerrtes Bild des “neuen Feminismus”, der angeblich Männlichkeitsideale nicht infrage stelle, die vorherrschenden Machtstrukturen nicht analysiere und dem allgemeinen Trend der Individualisierung folgen würde, revidiert hat. Zugegeben,  im Interview wird nicht zu 100% klar, ob er damit seine eigene Auffassung beschreibt oder die mediale Darstellung des Phänomens “Alphamädchen” kritisiert.  Stimmt letzteres, ist es umso mehr schade, dass er die Gelegenheit nicht genutzt hat, da was richtig zu stellen.

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*Ich hoffe inständig, dass die maskulistischen Verunglimpfungen keinerlei negativen Folgen für Herrn Pohl und die anderen dort diffamierten Personen haben/hatten und sie sich daher selbst auch über die Lächerlichkeit dieser Anwürfe amüsieren können/ konnten  -  ansonsten wäre es natürlich absolut verfehlt, meinen Fund als auch nur ansatzweise “amüsant” zu bezeichnen.


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Männer designen T-Shirts gegen Gewalt

2. September 2011 von Anna-Sarah

Zahllose Mädchen und Frauen sind von Gewalt betroffen – täglich, weltweit. Sie werden Opfer von häuslicher Gewalt, Vergewaltigung oder Verstümmelung, von sexualisierter Gewalt, Menschenhandel oder sogenannten “Ehrenmorden“. Für Frauen und Mädchen in der Altersgruppe 16 bis 44 Jahre stellt derartige sexistisch motivierte Gewalt eine der hauptsächlichen Todes- und Verletzungsursachen dar, so das Netzwerk UNiTE to End Violence against Women, das vor diesem Hintergrund von einer “globalen Pandemie” spricht. Seit 2008 ist das Netzwerk aus verschiedenen Organen der Vereinten Nationen  unter der Federführung von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon aktiv, geleitet von der Motivation, jegliche Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen in allen Teilen der Welt zu beseitigen. Um diesem ambitionierten Ziel näher zu kommen, hat UNiTE nun einen Wettbewerb ins Leben gerufen, der nicht zuletzt wegen seiner Zielgruppe interessant ist: Er richtet sich an Männer zwischen 18 und 25 Jahren, welche weltweit aufgerufen sind, ein T-Shirt-Motiv für die Kampagne zu designen. Die erstmal relativ weitgefassten Vorgaben:

  • Stell dir vor, wie die Welt ohne Gewalt gegen Frauen und Mädchen aussähe
  • Beziehe dich im großen Maßstab und positiv auf die Konzepte Gleichberechtigung, Diversität und Respekt
  • Setz deine Fantasie und künstlerische Fähigkeiten dafür ein, Stellung zu beziehen und dich gegen alle Formen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen auszusprechen.

Eine hochkarätig besetzte internationale Jury wird die eingereichten Beiträge beurteilen, als Gewinn winkt eine Reise nach New York City, wo im Rahmen einer UN-Veranstaltung der Preis für den besten Entwurf verliehen wird.


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Unter der Gürtellinie, aber abseits des Mainstreams

25. August 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 55 von 58 der Serie Die Feministische Bibliothek

Titelbild des Buches „Sex und Subversion - Pornofilme jenseits des Mainstreams“ mit 2 Szenen aus PornofilmenWie toll ist es eigentlich, sich durch ein Buch über Pornofilme zu lesen, während es nebenan die Nachbarn lautstark bei geöffnetem Fenster treiben? Aber das nur so nebenbei. Oliver Demny, der dieses Buch zusammen mit Martin Richling herausgegeben hat, stellt seinem Vorwort zwei Literaturbeispiele zur Seite: Norman Mailers „Der Mann, der Joga studierte“ und Boris Vians „Liebe ist Blind“. Hier geht es um mehr, hier geht es um „Pornofilme jenseits des Mainstreams“, wie der Untertitel dieser Anthologie verrät. Beim ersten Durchblättern fühlt man sich an die Testcard-Ausgaben des Ventil-Verlags erinnert.

Dieser Eindruck verliert sich aber schnell wieder. „Sex und Subversion“ ist zum großen Teil aus der Perspektive von FilmwissenschaftlerInnen geschrieben, die zwar auch den historischen und soziologischen Seitenblick riskieren, aber trotzdem oft zu nah am Zelluloid bleiben. So kommt der ein oder andere Beitrag nicht über die bloße Zusammenfassung einzelner Pornos und detaillierter Szenebeschreibungen hinaus. Es ist durchaus interessant, über die Verquickung von Mensch und Maschine zu lesen, wenn aber nur die Titel mit kurzen Inhhaltsangaben aneinander gereiht werden, wünscht man sich expliziteres Porno-Nerd-Wissen im Hinterkopf oder eine andere Art von Annäherung an den Gegenstand. Ein Vorteil ist diese Szenenbeschreibung nur dann, wenn es darum geht, die Subversivität der „Indie-Pornos“ zu verdeutlichen – alles andere liest sich einfach nur langweilig. Vor allem dann, wenn das Konkrete von einfältiger Wortwahl begleitet wird.

Sie hat langes gewelltes, schwarzes Haar, schwarz nachgezogene Augenbrauen, große, durch dunkle Wimpern umrahmte Augen und dunkelrot geschminkte sinnliche Lippen. Ihre weiße Bluse ist vorne offen, wird aber unter ihren drallen Brüsten von einem schwarzen Kostüm ähnlich einem Korsett zusammen gehalten, das durch einen Push-Up Effekt deren Fülle weiter betont. […] Ihre langen durchtrainierten, schlanken Beine sind nackt und enden in schwarzen High Heels.

Aber dieses Buch hat auch jede Menge Gutes. Unter drei Schwerpunkten widmen sich die AutorInnnen den Porno-Pionieren genauso wie Kapiteln zu “Porno & Gesellschaft” und der zeitgenössischen Porno-Kunst. Sowohl Josefine Mutzenbacher als auch Bruce la Bruce finden Erwähnung und auch Feminismus und Queerness tummeln sich auf der Spielwiese des Subversiven. So untersucht Julia Frankenberger das feministische Potential von der Verfilmung des ‘Skandalromans’ „Baise-Moi“ und den Schluss des Buchs bildet die Podiumsdiskussion von sechs Porno­regisseurinnen während des Berliner Pornfilmfestivals 2009. Aber auch hier schläfert die Langatmigkeit zwangläufig ein. Wer sich dennoch wach halten kann, wird mit solchen Aussagen wie der von Shine Louise Houston belohnt:

Es gibt traditionell viele Diskussionen darüber, ob man das Wort Porno benutzen sollte, oder nicht. Solange nicht ein neues Wort für diese Sachen gefunden wird, ziehe ich es vor, das Wort Porno zu benutzen. Vor allem, weil es bei Pornos im Grunde genommen um sexuelle Stimulanz geht. Und meine Filme zeichnen sich definitiv durch sexuelle Stimulation aus. Darum benutze ich das Wort Porno – aber auch um die Filmgeschichte nicht zu missachten, denn ich baue auf einem Genre auf, das seit Anbeginn des Kinos existiert. Auch wenn es mit seinem eigenen Stigma besetzt ist: Wir transformieren es von Grund auf, besetzen es erfolgreich neu. Deshalb passt das Wort Porno auch für uns. (weiterlesen …)


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Loriot

23. August 2011 von Anna

Inzwischen haben es wohl alle mitbekommen: Loriot ist gestern im Alter von 87 Jahren verstorben.
Bei Twitter war sein Tod Anlass für einen “Zitateflashmob”. Nicht nur dort wird heute und wohl auch noch in den nächsten Tagen mit dem Zitieren der liebsten Stelle oder dem Schildern des liebsten Sketches an ihn gedacht werden.

Warum ich jedes mal, wenn ich mal wieder einen Kommentar der Sorte “seht doch endlich ein, dass Männer so und Frauen so sind” lese an ihn denken muss, zeigt das folgende Video. Die Frage danach, wie Männer und Frauen sind, dürfte damit dann hoffentlich auch ein für alle mal beantwortet sein.


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Alles Schlampen!

23. August 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 25 von 27 der Serie Neues vom Quotenmann

Paula hat recht: Die Mainstream-Berichterstattung über die Slutwalks ist ein gutes Beispiel jener Art von Sensationsjournalismus, der von seinen LeserInnen wenig hält. Zuspitzung, Vereinfachung und letztendlich die Verstellung der Realität, über die berichtet wird. Schlimmer noch ist, dass, wenn selbst in einem Bericht über dieses Thema ein kleiner Teil des Gesamtbilds gleich als Gesamtbild dargestellt wird, stehen die Chancen äußerst schlecht, dass Stereotype und Vorurteile je überwunden werden können.

Ich möchte aber argumentieren, dass das nur halb so schlimm ist. Tatsächlich passiert jedes Mal, wenn die Mainstream-Medien über den CSD berichten, ein ähnliches Phänomen: Obwohl die überwiegende Mehrheit der TeilnehmerInnen ganz alltäglich gekleidet sind, laufen im Fernsehen immer wieder die gleichen Bilder von „abgefahrenen Kostümen“ und „halbnackten Körpern“. Und insofern, dass dadurch Stereotype und Allgemeinplätze bestätigt, ja verstärkt werden, läuft das nicht nur gegen die minimalen Regeln eines kritischen Journalismus, sondern vor allem gegen die Hauptziele der Veranstaltung selbst. Das ist natürlich ärgerlich, aber auch witzig, denn das heißt, dass die JournalistInnen eigentlich gar nicht verstanden haben, worum es hier geht.

Doch der Grundgedanke von performativen politischen Statements wie den Slut Walks oder den (ursprünglichen) CSDs lautet: Stereotype aneignen und sie durch Zuspitzung und Übertreibung entkräften. Vereinfachung durch den (medial vermittelten) Blick der Anderen gilt hier als wichtiger strategischer Moment in der Kommunikation, und gleichzeitig als Ausgangspunkt für die performative Dekonstruktion dieses Blicks: „Wir sind doch alle Schlampen, aber wie!“

„Schlampe“, genau wie „queer“ oder „Tunte“, funktioniert hier weniger als sachlicher Begriff, der als mögliche Beschreibung auf die Realität zutrifft oder eben nicht. Vielmehr haben diese Wörter von vornherein eine performative Funktion: Wer sie verwendet, gestaltet die soziale Realität.


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Neue Väter ohne Zeit und männlichere Duschgele – kurz notiert

18. August 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 117 von 138 der Serie Kurz notiert

Vor inzwischen schon drei Jahren startete das Missy Magazine als Alternative zu den immer gleichen Diät/Sextipps/teure Urlaubsreisen-Frauenmagazinen. Und besteht im hart umkämpften Printsegment bis heute. Zeit für Chris Köver, im Interview mit der taz zurück zu blicken.

Ebenfalls in der taz: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz wird fünf. Die befürchtete Klagewelle blieb aus, versuchter Missbrauch beschränkt sich auf „eine rare, ausschließlich männliche Spezies, gern mit Jurastudium, die sich mit Vorliebe auf Dutzende Posten als ‚Sekretärin‘ bewirbt“. Altersdiskriminierung ist vermehrt in den Fokus gerückt, während Rassismus kaum verhandelt wurde.

Mehr Zeit mit ihrer Familie wünschen sich viele Väter – aber selbst wenn eine Teilzeitstelle möglich wäre, bleiben die meisten beim Vollzeitjob. Warum das so ist, weiß die Süddeutsche leider nicht. Nur bei der Elternzeit, die ebenfalls nur eine Minderheit nimmt, ist klar: Männer fürchten Karriereprobleme.

Kurt Cobain ist den meisten wohl nur als zu früh verstorbener Musiker im Gedächtnis geblieben. Sein Einsatz gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie sollte aber nicht vergessen werden – Socyberty’s Kat Broderick hat Beispiele und Anekdoten zusammengetragen.

Des „Imageproblems“ von Duschgel als weiblich hat sich nun Dove angenommen. Lederstiefel und -jacken sollen Männer nun überzeugen, dass auch sie ihre Haut beim Duschen nicht nur säubern, sondern auch hydratisieren müssen. Via Sociological Images.

Mal wieder neues vom Gender Pay Gap: Dass Frauen an den Unis aufholen macht laut Feministing mehr als Sinn. Denn für das gleiche Einkommen wie ein männlicher Bachelor brauchen Frauen einen Doktortitel.

Über Geld und Einkommen spricht auch Katja Kullmann – im Interview mit diestandard.at (oder in der neuen Missy-Ausgabe).

Zwei Veranstaltungstipps nach dem Klick (weiterlesen …)


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