Einträge der Rubrik ‘Alltag’


Gender-Fragen und balkanische Musik

5. April 2012 von Silviu
Dieser Text ist Teil 19 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Dieses virale Video zeigt, wie die Kinder einer Grundschule in der bulgarischen Stadt Vidin zum internationalen Frauentag zu Tschalga-Musik tanzen. „Skandal“, haben die Konservativen im Land gleich gerufen. Denn Tschalga, auch Popfolk genannt, sei keine authentische bulgarische Folklore, sondern eher der Ausdruck von Randgruppen. Tatsächlich vermischen sich in dieser kaum 40 Jahre alten Musikrichtung türkische, arabische und griechische Einflüsse. Und Azis, der Sänger des Lieds, ist ein Roma, dazu noch Transgender und eine emblematische Figur der bulgarischen LGBTQ-Bewegung. „Skandal, Skandal, Skandal!“: Selbst der Bildungsminister musste wenige Tage später erklären, wieso er keine musikalischen Genres verbieten kann.

Der Popfolk wurde in den letzten 20 Jahren zu einem kulturellen Massenphänomen, er prägt vor allem die armen Viertel der bulgarischen Städte. Er ist dem post-jugoslawischen Turbofolk sehr ähnlich, dem türkischen Arabesk oder dem rumänischen Manele: Ein wahres panbalkanisches Genre, über dessen genaue Ursprünge wenig bekannt ist, nicht zuletzt weil es an Informationen und Studien fehlt. Fakt ist, dass diese Musikrichtungen sich parallel in mehreren süd­ost­europäischen Städten entwickelt haben, irgendwann zwischen den 1960er und den 1980er Jahren, also noch zur Zeit des Staatssozialismus. In Bulgarien und Rumänien haben damals die Parteifunktionäre versucht, diese Musik zu zensieren oder komplett zu verbieten, weil sie als Stil von weiten Teilen des realexistierenden Proletariats wenig mit den offiziellen Vorstellungen von einer vermeintlich reinen, musealen Klischee-Folklore gemeinsam hatte. In Serbien erlaubte der vergleichs­weise größere zensurfreie Spielraum immerhin das Aufkommen von Kultfiguren wie Ceca.

Heute noch gilt aber diese Musik für die meisten VertreterInnen der lokalen Bildungseliten als überhaupt nicht salonfähig. Vielen Manele-Sängern werden in Rumänien frauenfeindliche, homophobe Motive in ihren Texten vorgeworfen, oder zumindest eine allgemeine Macho-Haltung. Die Debatte läuft an vielen Stellen ähnlich wie die Hip-Hop-Debatte in Deutschland oder in den USA. Ver­all­ge­meinerungen täuschen: Es gibt sicher Machismo, es gibt aber auch Leute wie Azis oder wie seine gute Freundin Sofia Marinova, die dieses Jahr Bulgarien beim Eurovision Song Contest vertreten wird.


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Neues über die Europäische Schutzanordnung

28. März 2012 von Franziska
Dieser Text ist Teil 19 von 19 der Serie Post aus Brüssel

Salut,

im vergangenen Oktober hatte ich euch bereits über die Europäische Schutzanordnung berichtet, die für besseren grenzüberschreitenden Opferschutz sorgen soll. Die Schutzanordnung ist jedoch nur ein Teil aus dem sogenannten Opferschutzpaket, das die Europäische Kommission am 18. Mai 2011 vorgestellt hat. Dieses besteht aus insgesamt drei Teilen:

  • einem Vorschlag für eine Richtlinie über Mindeststandards für die Rechte und den Schutz von Opfern von Straftaten sowie für die Opferhilfe,
  • einem Vorschlag für eine Verordnung über die gegenseitige Anerkennung von Schutzmaßnahmen in Zivilsachen und
  • einer Mitteilung zur Stärkung der Opferrechte.

Auf meiner Homepage sind alle Teile noch mal näher erklärt.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Die Richtlinie über Mindeststandards, also Teil 1 des Pakets, ist derzeit der einzige konkrete Gesetzesvorschlag auf EU-Ebene, der sich mit Gewalt gegen Frauen befasst. Hier gibt es jetzt Fortschritte zu vermelden. Der Vorschlag formuliert einheitliche Mindeststandards für den Opferschutz auf europäischer Ebene und zeichnet sich vor allem durch seinen horizontalen Ansatz aus. Damit soll sicher gestellt werden, dass jedes Verbrechensopfer entsprechend seiner besonderen Bedürfnisse unterstützt wird. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Informationsrechte gelegt: Das Opfer soll bereits bei der ersten Kontaktaufnahme mit einer zuständigen Behörde über seine rechtlichen Möglichkeiten und sonstige Unterstützungsangebote sowie ggfs. über das weitere Verfahren seines Falles informiert werden. Der Bericht dazu wird im Europäischen Parlament gemeinsam vom Innen- und Gleichstellungsausschuss erarbeitet. Die mehr als 100 eingebrachten Änderungsanträge zeigen, dass es noch Diskussionsbedarf zum Thema gibt.

Es ist grundsätzlich positiv zu werten, dass die Rechte der Opfer stärker ins Visier rücken – und nicht wie bisher nur die Rechte der TäterInnen, zum Beispiel auf ein faires Verfahren. Außerdem finde ich es gut, dass geschlechtsspezifische Gewalt explizit erwähnt wird, allerdings wäre es wünschenswert, dass diese konkret als “Gewalt gegen Frauen” definiert würde. Gewalt gegen Frauen ist immer noch viel zu oft unsichtbar und wird unterschätzt. Dabei erfordert gerade die Tatsache, dass die meisten Delikte von dem Opfer nahestehenden Personen verübt werden, was häufig zu schweren Traumata führt, besonderen Schutz und fachliche Unterstützung der Opfer. Weiterhin muss allen Frauen, die Opfer von Gewalt werden, der gleiche Schutz zugestanden werden, unabhängig von ihrem (Migrations-)Hintergrund und Aufenthaltsstatus in einem Land. Sehr umstritten ist die Frage, ob nach unschuldigen und schuldigen Opfern unterschieden werden soll. Ist eine Frau, die sich als Prostituierte bewusst in Menschenhandel begibt, ein weniger schützenswertes Opfer als eine Frau, die dazu gezwungen wird? Ich finde nicht, aber einige meiner KollegInnen im Gleichstellungsausschuss sehen das anders. Ihr könnt die spannende Abstimmung über den Bericht hier verfolgen.

Viele Grüße,
eure Franziska


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Offline-Feminismus, Dickenfeindlichkeit und männliche Dominanz bei Twitter – die Blogschau

18. März 2012 von Nadia
Dieser Text ist Teil 149 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Sind weite Teile des zeitgenössischen Feminismus heute eigentlich primär Online-Phänomene? Und wie können Leute, die offline sind, Zugang zum Thema erhalten? Fragen über Fragen, in einem schönen Text von Kai mit dabei.

Eindrucksvoll zum Thema “Pro Frauenquote”, in Bezug auf den Journalismus: “Wie der Brief das Schweigen bricht” von Carolin Wiedemann.

Paternalistische Argumentation bei der geschäftlichen Rechtlosigkeit von Prostituierten, eine Kurzzusammenfassung der Berner Situation bei Sina.

Nele TablersLesbisch zwischen Misthaufen, Leichen und Netzfeminismus ist nun als eBook erhältlich.

Für Inklusion und Barrierefreiheit, gegen Stigma:  Auf Mein Augenschmaus gibt`s dazu Tacheles.

Die Diskussion um die Quote – oder eine Diskussion um Elite-Quote? Über soziale Ungerechtigkeit und prekäre Bechäftigungssituationen schreibt der Soziologie-Blog.

Auf Arge dicke Weiber wird ordentlich auf die Dickenfeindlickeit bei Ulla Popken geschimpft, und zwar mit Recht.

Popender, oder: Das passiert, wenn mensch Postgender nicht versteht – über die Genderkompetenz der Piraten.

Datenwerk liefert Vorschläge zur Überwindung der männlichen Dominanz bei Twitter.

Das Mädchenblog liefert die Kurzvorschau auf das neue “Wir Frauen”, praktischerweise inklusive Link zur Online-Version.

Wie ein Beitrag über “Apps für die Frau” schnell zum Klogriff werden kann, darüber spricht Sideglance.

Nicht schön: Der Pottblog berichtet über das homophobe Plakat auf der Südtribüne beim Spiel Borussia Dortmund vs. Werder Bremen.

Lisa schreibt über Lesben in den 1920er Jahren.

Stimmen der Roma geben Hinweise zu den Veranstaltungen des Debattenprogramms, und zwar hier.

No Retreat, no surrender – Bühnenwatch kämpft weiter gegen Blackface: Hier wird der aktuelle Stand der Diskussion mit dem Deutschen Theater zusammengefasst.

Und ein Veranstaltungshinweis: Die FrauenSommerUniversität 2012 findet vom 19. bis 22. September 2012 in Wien statt.
Ideen können bis spätestens 03. Juni 2012 am besten per E-Mail an fsu.wien@gmail.com gesendet werden.


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„Nur weil ich schwarz bin“

15. März 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 32 von 34 der Serie Das Wort zum Freitag

„Ich musste den Kurs an der Universität abbrechen“, sagt Mariam, als wir gemeinsam mit anderen Teilnehmern einer Konferenz in einem Restaurant sitzen. Wir alle kennen uns nur flüchtig. Dann hält Mariam inne und zögert. Sie zupft an ihrem Kopftuch.

Wir anderen wissen, welcher Satz folgen wird. „Es lag an meinem Kopftuch“, sagt sie, wie erwartet. Ein bisschen betroffen schauen wir, es schwebt Verdacht in der Luft. Misstrauen gegen Mariam, das Opfer. Ist das jetzt eine bequeme Ausrede? Schiebt sie ihren Misserfolg auf andere? Stimmen flüstern in unserem Kopf.

In den nächsten Minuten wird klar, dass der Verdacht in ihrem Fall absolut unbegründet war. „Du hättest klagen müssen“, sagen wir sogar – übereifrig im schamhaften Versuch, unsere Zweifel von vor wenigen Minuten zu vertuschen und die Stimmen zu bestrafen.

Aber der Zweifel war da. Der Zweifel ist da. Denn Rassismus kann man selten beweisen. Er ist subtil. Manchmal ist es der Ton eines Wortes, der Blick, die Art, die Mimik, Gestik, die einem zu verstehen gibt, dass man unerwünscht ist. Ein Unwohlsein macht sich breit. Ein Gefühl, dessen Ursache sich nicht beweisen lässt. Der Hilflosigkeit folgt die Resignation und dieser schließlich der Zweifel: „Vielleicht bin ich ja schuld daran, und vielleicht bilde ich mir das alles ja sowieso nur ein“, sagt sich der Betroffene, und irgendwann wird der Rassismus zur Normalität.

[Trigger Warnung: Victim Blaming]

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Münster: Für Abtreibungsrechte auf die Straße gehen

5. März 2012 von Magda

Nicht nur in Berlin oder München demonstrieren jedes Jahr feministische Aktivist_innen gegen fundamentalistische und menschen­ver­achtende Abtreibungs­gegner_innen, die mit ihren “1000 Kreuze für das Leben”-Schweige­märschen gegen Abtreibung und für die Ein­schränkung der körper­lichen Selbst­bestimmung auf die Straße gehen, auch in Münster findet in diesem Jahr wieder eine Demonstration der so genannten “Lebens­schützer” statt – und diese gilt es ordentlich zu stören!

Zum wie­der­hol­ten Mal wol­len am 10. März 2012 christ­lich-​fun­da­men­ta­lis­ti­sche Ab­trei­bungs­­geg­ner_in­nen unter dem Motto „1000 Kreu­ze für das Leben“ durch Müns­ters In­nen­stadt zie­hen. Sie selbst geben als ihr Haupt­­an­lie­gen an, mit ihrem Ge­bets­zug ein „Zei­chen zum Ge­den­ken der 1000 Kin­der [Em­bryo­nen], die an einem ge­wöhn­­li­chen Werk­tag in Deutsch­land ge­tö­tet wer­den,“ set­zen zu wol­len. Als weiße Holz­kreu­ze tra­gen­de Pro­zes­si­on geben diese Chris­t_in­nen nicht nur ein gro­tes­kes Bild ab, mit ihren re­ak­tio­nä­ren Po­si­tio­nen pro­pa­gie­ren sie ein frau­en­­feind­li­ches, se­xis­ti­sches und ho­mo­pho­bes Welt­­bild. Be­reits in den letz­ten Jah­ren or­ga­ni­sier­te sich da­ge­gen viel­­fäl­ti­ger Pro­test und auch in die­sem Jahr sol­len die re­ak­tio­nä­ren Po­si­tio­nen nicht un­wi­der­­spro­chen blei­ben.

Die feministischen Proteste sollen überall in der Stadt stattfinden

Die Po­li­zei­­stra­te­gie der letz­ten Jahre be­stand darin, die Ge­gen­­ak­ti­vis­t_in­nen ein­zu­kes­seln und den Kreu­ze­marsch an­schlie­ßend durch­­zu­set­zen. Auch des­we­gen ist es wich­tig, den Pro­test gegen diese christ­­li­chen Fun­da­men­ta­lis­t_in­nen an viele Orte der Stadt zu tra­gen und auf gan­zer Stre­cke zu ver­­hin­dern (…)

Abends gibt es ab 19 Uhr ein Konzert mit Scream Club und Godmother inklusive Party in der Baracke.


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Sexismus, Rassismus – von allem zu viel: Die Blogschau

3. März 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 147 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ohne Axe hätten FeministInnen nur halb so viel zu tun. Bezugsgruppe Beckham kommentiert die jüngste Kampagne der Deo-Stinker. Und die jüngste H&M-Unterwäschenkampagne kriegt auch einen geklebt.

Sexistische Kackscheisse passiert natürlich nicht nur in der Werbung, auch die Comics sind prädestiniert, weibliche Körper in einer Art und Weise darzustellen, die nicht nur Anatomie-Experten kotzen lässt. Die Eschergirls kotzen mit.

Den Unternehmerinnen und KünstlerInnen des Berliner Sigmaringer 1-Zentrums droht die Räumung. Am 8. März wird über den Kauf des Gebäudes entschieden. Im Blog gibt es alle Infos, warum der Erhalt des Zentrums dringend notwendig ist.

Wolkenkuckucksblog macht sich anhand dieses Beitrags auf Social Images Gedanken über die mangelnde Diversität sogenannter Mamablogs

Das Ende des Sex äußert sich zur Stellungsnahme des deutschen Ethikrates zur Intersexualität und bemängelt nicht nur die bedenkenswerte medizinische Terminologie, mit der Intersexualität noch immer als Krankheit stigmatisiert wird sondern auch die Laxheit im Umgang mit dem medizinischen Forschungsstand an sich.

Über ihre geschlechtsangleichende Operation berichtet Michaela Werner in ihrem Blog – inklusive Blick vom Krankenhausbett aus und Podcast.

Richtig miesen Rassismus hat High On Clichés gefunden: Der Jahreskalender der Deutschen Polizeigewerkschaft greift mit grotesk überzeichneten Stereotypen von Schwarzen und Migrant_innen völlig daneben. Aber Rassismus? Nah!

Auch Afrika Wissenschaft ärgert sich über rassistische Stereotype, gefunden in der Modefotostrecke des aktuellen Missy Magazines. Die haben mittlerweile auch schon drauf reagiert.

Das Missy Magazine dagegen freut sich über ihren März-Blogger: Hans-Georg Nelles vom Väter-Blog, passend zur aktuellen Ausgabe, in der der Feminismus mit Eiern näher begutachtet wird.

“Hate Crime vs. Hate speech?”, fragt Karnele und berichtet über die Anklage dreier Lesben in den USA, die einen Schwulen zusammen geschlagen haben sollen – nicht aus Schwulenfeindlichkeit sondern als Reaktion auf dessen rassistische Beschimpfungen.

Queernews berichtet über die Entscheidung des philippinischen Supreme Court, die Homosexualität eines Richters nicht als unmoralisch zu werten.

Die Aktion, mit der mehr 350 Journalistinnen vergangene Woche eine Quote von 30 Prozent Frauenanteil in redaktionellen Führungspositionen gefordert haben, habt ihr wahrscheinlich mitbekommen. Antje Schrupp hat den Aufruf nicht unterzeichnet. Warum und was sie stattdessen tut, erklärt sie in ihrem Blog.

Eine neue Folge von previously ist da: der Radiosendung, die TV-Serien auf ihren Umgang mit Sexismus, Rassismus etc untersucht. Die früheren Folgen + Transkripte findet ihr ebenfalls jeweils auf der Startseite.


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Journalistinnen fordern Quote

28. Februar 2012 von Verena
Mit einem Brief an die Chefredaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Radiostationen und Fernsehsendern haben sich mehr als 350 Journalistinnen für eine Quote in journalistischen Führungspositionen ausgesprochen.
Tatsächlich sind nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen Frauen, von den 12 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind lediglich drei weiblich. Und auch in den Redaktionen der Nachrichtenmagazine stehen fast ausschließlich Männer an der Spitze. Es ist Zeit, etwas zu ändern.
Wir fordern, dass mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Auch die Mädchenmannschaft beteiligt sich an der Initiative. Wir finden: “Ganz ehrlich: 30 Prozent Frauenanteil ist immer noch zuwenig. Aber ein Anfang.” Seit die Pro-Quote-Internetseite seit Sonntag Nachmittag online gegangen ist, gibt es schon fast 450 neue Unterschriften. Über weitere freuen sich die Initiative pro-quote und wir. Und Fan bei facebook könnt ihr außerdem werden.

Mädchenmannschaft: "Ganz ehrlich: 30 Prozent Frauenanteil ist immer noch zuwenig. Aber ein Anfang."


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„Das Leben finden, bevor es dich einholt“

27. Februar 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 95 von 102 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

A Wonderful Dream

Wie heißt du?
Raika

Seit wann bloggst du?
Eigentlich noch gar nicht so lange – seit März 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Um meinen Kopf frei zu kriegen. Oft sind mir Dinge sehr lange durch den Kopf geschwirrt und ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Manche gehen in solchen Situationen joggen, für mich hat es nur geholfen es aufzuschreiben. So kam es dazu, dass ich es einfach ins Internet schrieb. Anfangs war’s kaum öffentlich, zumindest hatte ich nicht herum erzählt, dass ich blogge.

Worüber schreibst du?
Über vieles was mich beschäftigt. Es sind immer noch die Dinge, die nicht aus meinem Kopf wollen. Trotzdem ist sehr viel Musik dazu gekommen, besonders isländische. Wenn ich die Zeit habe, mache ich Fotos und stelle diese dann auf mein Blog. Gerade erst zum Jahresanfang habe ich mit dem Project 365 begonnen, bei dem ich jeden Tag ein Foto mit einer Geschichte oder Zeilen poste, die am besten dazu passen. Ein genaues Thema habe ich nicht – der gemeinsame Nenner bin ich und ist meine Sicht auf die Welt.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Bei unserem Hochschulradio hatte ich eine Zeit lang viele Sendungen gemacht – ohne das Internet würde ich wohl heute immer noch in die Region um Mittweida senden ohne zu wissen, wie es überhaupt bei anderen ankommt. Nicht nur von Freunden habe ich Rückmeldungen bekommen, sogar neue Leute habe ich kennen gelernt, die mir schon oft geholfen haben. Die müssen eigentlich keine Rücksicht nehmen, wenn sie mich kritisieren, sie können es einfach alles frei raus sagen. Das ist schön – hoch lebe das Internet für diesen hervorragenden Backchannel!

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Die Faust und die Tränen

16. Februar 2012 von Kübra
Dieser Text ist Teil 30 von 34 der Serie Das Wort zum Freitag

Tayfun ist still. Sein Leben ist routiniert. Er ist fleißig in der Schule, gut im Sport und loyal zu seinen Freunden. Schule, Sport, Freunde. Schule, Sport, Freunde. Ein ruhiger Mensch. Eine geballte Faust.

Es ist Donnerstagabend vor ein paar Jahren in Hamburg. Tayfun ist fertig mit dem Kickbox-Training und schaut auf die Uhr. In 15 Minuten schließt die Servicestelle des Hamburger Verkehrsverbunds in Billstedt. Er rennt los. Morgen macht seine Klasse einen Ausflug, seine Monatskarte ist abgelaufen. Er muss sie heute unbedingt erneuern.

Als er erschöpft ankommt, hat der Schalter bereits geschlossen. Dann entdeckt er das Schild: Die Servicestelle am Hauptbahnhof habe heute noch bis 20 Uhr auf. Sieben Stationen und 12 Minuten. 62 Euro hat er dabei. Genau für die Monatskarte. Nicht mehr. Er steigt trotzdem in die Bahn, ohne Ticket. Wird schon.

Als er am Hauptbahnhof aussteigt, geht es nur langsam voran. Oben, am Ende der Treppe, lassen Fahrkartenkontrolleure niemanden unkontrolliert durch. Tayfun versucht es trotzdem. “Fahrkarte?”, fragt ihn der Kontrolleur. “Ich war gerade auf dem Weg mir eine Monatskarte zu holen”, erklärt Tayfun. Jetzt ist er doch ein bisschen aufgeregt. “Ja, ja, erzähl das der Polizei!”, sagt der Kontrolleur, nimmt ihn am Arm und führt ihn aus der Menge. Tayfun ist überrascht. “Warum denn gleich die Polizei? Ich sagte Ihnen doch, ich war gerade dabei meine Monatskarte zu holen. In Billstedt hatten sie zu”, ruft er. Der Kontrolleur zerrt ihn in einen Hinterraum.

[Weiter nach dem Klick. Triggerwarnung: Beschreibung von körperlicher Gewalt] (weiterlesen …)


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„Die Zen-Momente des Lebens“

16. Februar 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 94 von 102 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Anarchistelfliege

Wie heißt du?
Im Internet Distel(fliege).

Seit wann bloggst du?
Seit Anfang 2005.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich hatte vorher eine Homepage ins Netz gestellt, die ich auch selbst von Hand gecoded habe. Blogs stand ich ablehnend gegenüber, weil ich fand, dass die Inhalte auf Blogs weniger gut erreichbar sind als auf herkömmlichen Homepages. Es hat mich deshalb geärgert, daß immer mehr Leute ihre Webseiten im Blogformat angeboten haben – bis ich über die unterhaltsamen und spannenden Blogs von anderen (meistens Frauen) auch Lust darauf bekam, zu bloggen. Inzwischen liegt meine Homepage brach und das Blog floriert. Allerdings haben sich auch meine Interessen und die Inhalte, über die ich schreibe, sehr verändert.

Worüber schreibst du?
Zuerst habe ich über Spiritualität, besonders Frauenspiritualität und Göttinnen, modernes Hexentum, meine Hobbies und meinen Alltag gebloggt, das war dann immer auch mit (linken, feministischen) politischen Themen verbunden. Über die Jahre hat es sich dann so entwickelt, dass ich die Hexenthemen irgendwann ausgelutscht fand oder mich einfach mehr mit Anderem beschäftigt habe. Ich fühle mich nicht weniger spirituell, aber ich muss darüber nicht mehr ständig reden. Es geht bei mir zumeist um Textilien und “Crafting”, Stricken, Spinnen, Patchwork, um sowas wie “urbane Selbstversorgung” wie Gärtnern in der Stadt oder urige Fertigkeiten wie Kochen aus Rohstoffen, Kräuter sammeln.. und öfter mal auch “urban exploring”. Einfach mein Alltag. Linke + feministische Themen kommen leider oft ein bischen zu kurz. In letzter Zeit nutze ich mein Blog, um meinen Podcast “die urbane Spinnstube” zu veröffentlichen. (weiterlesen …)


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