„Rhythm and beatdown“

von Susanne

„Die Rückkehr der Galanterie“ ist heute ein Text im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung überschrieben, in dem es um die Suche nach einem neuen Männerbild in der afroamerikanischen Popkultur geht. Sprich: Blingbling-Rapper, Pimp, R’n’B-Schnulzenbarde und Co. sollen sich Gedanken machen, ob es vielleicht Zeit für ein neues Frauenbild ist:

Nun aber räsonieren insbesondere afroamerikanische Medien über die Zusammenhänge zwischen schwarzer Kultur und Frauenfeindlichkeit. Letztlich steht ein populäres männliches Selbstbild zur Diskussion: Die Figur des Pimp, des Zuhälters, und seine Rolle in der schwarzen Musik. Es gebe, so der afroamerikanische Kolumnist Frank Roberts im Webblog Newblackman, eine lange Geschichte des kulturell tradierten Sexismus, der die kollektive Ohnmacht der Schwarzen an die Schwächsten innerhalb ihrer Gemeinschaft weiterreiche. „Wir sind systematisch dahingehend konditioniert worden, an physische Gewalt als natürlichen und gesunden Weg zu glauben, um eine Frau auf ihren Platz zu verweisen“.

Anlass für die neue Nachdenklichkeit ist Chris Browns Attacke auf seine Freundin Rihanna. Das Pop-Pärchen galt vorher als sauberes Traumpaar und zeigten durch den Vorfall, dass zwischen ihnen doch nicht alles so sauber war. Nun sprechen Kulturkritiker offen über Gewalt in den Texten der Rapper, der afroamerikanische Dozent Mark Anthony Neal schreibt in seinem Essay „Rhythm an beatdown?“, Gewalt sei tief im Selbstbild männlicher Afroamerikaner verankert. Doch

(…) scheinen immer mehr Hörer im R’n’B nach einer Alternative zum bloßen Anmach-Soundtrack zu suchen. Erst recht, seit Präsident Obama ein neues schwarzes Männerbild verkörpert, das den Macho-Typus merkwürdig verbraucht aussehen lässt. Da springen in der Soul-Tradition geerdete Gentlemen wie Raphael Saadiq oder Anthony Hamilton in die Bresche. Letzterer bricht auf seinem aktuellen, dritten Album „The Point Of It All“ mit dem in seinem Genre geläufigen Image des potenten, hinter einer hyper-maskulinen Maske agierenden Selbstdarstellers: Im Video sitzt der Sänger vor einem kaputten Fernseher unter einem lecken Hausdach, und als ihm auf dem Weg zum Date auch noch das Auto stehen bleibt, zelebriert er trotzdem die Liebe zu seinem Mädchen wie ein Soul-Galan alter Schule: „Our love is so cool!“




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Eintrag geschrieben: Montag, 30. März 2009 um 9:25 Uhr unter Gewalt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. gikka sagt:

    Das lässt ja hoffen… persönlich hatte ich in letzter Zeit auch das Gefühl, dass zur Zeit ein Umdenken anfängt. In dem Sinne, ist es echt gut dass der Rihanna-Fall öffentlich geworden ist.

    Eine recht gute Doku zur Einführung in die Thematik kann man sich übrigens unter http://topdocumentaryfilms.com/tough-guise/ ansehen, über „Violence, Media & the Crisis in Masculinity“ (Auch wenn ich nichts über den wissenschaftlichen Wert diesr Doku sagen kann, vielleicht ist sie etwas reißerisch und veraltet, aber dennoch recht interessant)

  2. mithras sagt:

    …endlich – lichtstreif am horizont – wird ja zeit.

    @ gikka > danke für den interessanten link!