Reproduktive Rechte auf die Agenda setzen

von Charlott

[CW: Thematisierung von sexualisierter Gewalt, ausgeschrieben V*rg*w*lt*g*ng – auch in vielen der verlinkten Texte]

Es ist mal wieder Zeit: Ein „Pille danach“-Artikel bei der Mädchenmannschaft. Zuletzt hatte Helga im April des letzten Jahres zu dem Thema gebloggt, als die Aufhebung der Rezeptpflicht gescheitert war. Wie immer ging es um die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit und um einige andere Faktoren, die nicht das Wohl der betroffenen Personen betreffen. So schloss sie:

Tatsächlich sei Geld der Faktor für Ärzt_innen, die Rezeptpflicht beizubehalten, heißt es von der Beratungsorganisation pro familia. Sie fürchteten den Verlust von Patientinnen und finanzielle Einbußen. Ansonsten ist das Gerangel um die Freigabe der Pille danach vor allem ein Machtspiel – ausgetragen auf dem Rücken der Betroffenen.

Wie das dann aussieht, hat sich wieder einmal in der letzten Wochen gezeigt. In Köln wurde ein Fall bekannt, in dem eine Frau von einem Krankenhaus abgewiesen wurde als ihre Behandlung auch die Beratung (und Verschreibung) zur „Pille danach“ beinhaltet hätte. Der Kölner Stadtanzeiger stellte in einem der ersten Artikel fest:

Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden, werden nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in einigen katholischen Krankenhäusern des Erzbistums Köln nicht mehr behandelt.

Das dies kein Einzefall ist, zeigt sich allein daran, dass nun mehr ähnlich lautende Berichte zu Tage kommen. Und es deckt sich mit dem Wissen vieler Frauen, denen klar ist, dass sie an einigen Orten gar keine Chance haben Notfallverhütung zu erhalten. Aber auch in anderen Praxen geht die Verschreibung oftmals einher mit Untersuchungen und Vorwürfen. Die „Pille danach“ zu erhalten – in Deutschland häufig ein Spießroutenlauf.

Parallel dazu eröffnete die Online-Praxis DrEd die Pforte (selbst der Spiegel berichtete), wo Menschen aus Deutschland Rezepte für die „Pille danach“ online erhalten können. Ohne den Besuch eine_s_r Arztes_Ärztin. Möglich machen das Gesetze, nach denen der_die Arzt_Ärztin in Europa frei gewählt werden darf. Einerseits kann dies für viele Betroffene hilfreich sein, erspart es doch in einer konkreten Situation die mögliche Moralpredigt im Untersuchungsraum, oder überhaupt das Aufsuchen einer Praxis.

Aber: Die Kosten steigen gleich auf das doppelte an. Am Wochenende hat auch diese Online-Praxis geschlossen – und da es gerade bei der „Pille danach“ um die Schnelligkeit der Einnahme geht, ist ein möglicher Vorteil gleich wieder weg. Und natürlich bringt das auch nichts für Betroffene sexualiserter Gewalt, falls sie in ein Krankenhaus zur Behandlung wollen und dann abgewiesen werden.

Denn auch wenn nun wieder einmal über die „Pille danach“ diskutiert wird, werden doch die Grundprämissen viel zu wenig in Frage gestellt. Viele Leute empören sich (ja auch vollkommen zu recht), wenn es um sexualisierte Gewalt geht. Falls dann aber vorgeschlagen wird überhaupt die „Pille danach“ rezeptfrei zugänglich zu machen, ändert sich direkt das Diskussionsklima.

Die Argumentationen gegen die Rezeptfreiheit können da auch schon einmal konträr verlaufen. So hatte das ärtzeblatt die Rezeptpflicht damit begründet, dass abgeklärt werden müsse, ob der „ungeschützte Geschlechtsverkehr mit Einwilligung der Frau stattgefunden habe oder ob es Anzeichen für eine Gewaltproblematik gebe“. Der katholischen Kirche ist das eher egal – das potentiell „werdene Leben“ ist das einzige was zählt.

Gemein aber ist den Argumentationen, dass Menschen, die schwanger werden könnten, nicht Entscheidungsmacht über ihren Körper gegeben wird. Es wird über Körper bestimmt. Sie sollen reglementiert werden. Da wird zum Beispiel immer wieder die scheinbar unbändige Angst geäußert, Frauen würden bei einem einfacheren Zugang das Präparat „leichtfertig“ nutzen. Eine Studie kam allerdings nur zu einer Aussage, was den Unterschied zwischen dem Verhalten von Frauen, die Tabletten ausgehändigt bekamen, und Frauen, die sie auf Rezept holen mussten, angeht: Jene, die die Tabletten bereits hatten, nahmen sie im Fall der Fälle zeitnaher ein. Aber selbst wenn es anders wäre: Warum über das Verhalten anderer Menschen richten, wenn es doch keiner anderen Person schaden kann?

Und selbst, wenn wir über die Rezeptfreiheit diskutieren, fallen häufig Fakten unter den Tisch. So gucken wir beispielsweise neidvoll in viele andere europäische Staaten, in denen die „Pille danach“ rezeptfrei erhältlich ist, aber übersehen, dass es sich dabei auch ausschließlich um Präparate handelt, die helfen, wenn der Eisprung noch nicht stattgefunden hat. Präparate mit anderer Wirkung, die wahrscheinlich auch wirken, wenn der Eisprung bereits stattfand und die dann eine Einnistung verhindern könnten, sind auch in diesen Ländern nur auf Rezept zu erhalten.

Es braucht also (mal wieder) eine großangelegte Kampagne zu reproduktiven Rechten, denn letzten Endes hängen all die in diesem Rahmen debatierten Probleme zusammen. Wir müssen uns fragen, wer_welche entscheidet über Zugänge zu Verhütung (und in dem Rahmen auch Notfallverhütung)? Wer_welche hat überhaupt Zugang? Welche Personen werden bei diesen Diskussionen häufg übersehen (zum Beispiel Trans*-Personen, denn nicht nur Cis-Frauen können schwanger werden)? Über wessen Sexualität wird in diesen Debatten ständig gerichtet?

 Weitere Lesetipps:

Edit: Die Ablehnung der Frau in Köln hat offensichtlich eine Vorgeschichte: So schickten Abtreibungsgegner_innen Frauen in Kliniken und ließen Ärtze_Ärtzinnen denunzieren, die die „Pille danach“ verschrieben. Das berichten unter anderem die Potsdamer Neusten Nachrichten. Auch daran zeigt sich deutlich die Verbindung der unterschiedlichen Teilgebiete, die zum Bereich reproduktive Rechte gehören.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 22. Januar 2013 um 10:57 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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18 Kommentare

  1. Mia sagt:

    „So gucken wir beispielsweise neidvoll in viele andere europäische Staaten, in denen die “Pille danach” rezeptfrei erhältlich ist, aber übersehen, dass es sich dabei auch ausschließlich um Präparate handelt, die helfen, wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat. Präparate mit anderer Wirkung, die wahrscheinlich auch wirken, wenn der Eisprung noch nicht stattfand, sind auch in diesen Ländern nur auf Rezept zu erhalten.“

    Ich glaube, hier hast du etwas vertauscht. Die „klassische“ PD funktioniert nur, wenn der Eisprung noch NICHT stattgefunden hat (er wird dann verschoben oder es kommt zu einer Abbruchblutung). Bei den neueren PDs wird vermutet (soweit ich weiß, ist das nicht umfassend durch Studien abgesichert), dass sie auch eine Einnistung (findet in einem Zeitraum von bis zu ca. sechs Tagen nach dem Eisprung statt) verhindern können. [und was offensichtlich ist, aber ich der Vollständigkeit halber ergänze: Findet der ungeschützte Sex „deutlich“ nach dem Eisprung statt (zur Kontrolle siehe z. B. symptothermale Methode), dann ist natürlich auch keine PD notwendig]

  2. Charlott sagt:

    Danke für deinen Kommentar! Ich hatte erst ausversehen in beiden Fällen geschrieben, dass der Eisprung noch nicht stattgefunden haben muss und als ich das korrigieren wollte, habe ich an der falschen Stelle ausgetauscht… Habe das jetzt berichtigt und auch noch einmal präzisiert.

  3. Luna sagt:

    Ich hatte das mit der einen Frau in Köln schon letzte Woche (?) gelesen, kam aber nicht dazu, das irgendwie/wem weiterzuleiten…
    aber am liebsten hätt ich mich da schon übergeben! War auch der Grund, warum ich die Zeitung nicht zu Ende las.

    — Ist grad kein weiterbringender Post von mir, aber ich musste es einfach loswerden.

  4. grüneGeranie sagt:

    Um Mias Hinweis auf die symptothermale Methode kurz aufzugreifen: in Anbetracht dessen, dass die wenigsten Personen mit zyklischer Fruchtbarkeit, die diese durch hormonelle Kontrazeptiva unterdrücken, ihren Zyklus beobachten, kann davon ausgegangen werden, dass die Pille danach meistens ohne jede Notwendigkeit verschrieben wird. Spermien können zu Zeiten hoher Fruchtbarkeit bis zu 5 Tagen überleben – in extrem seltenen Fällen kürzer. Eine Eizelle ist nach dem Eisprung ca. 12 bis 18 Stunden Befruchtungsfähig. Dabei kann entgegen dem Wissen der Allgemeinheit nicht davon ausgegangen werden, dass der Eisprung ~14 Tage nach dem ersten Zyklustag erfolgt. Der Eisprung erfolgt ~12-16 Tage vor Einsetzen der nächsten Menstruation. Wann die nächste Menstruation einsetzt, kann man aber auch nur mit hellseherischen Fähigkeiten genau voraussagen, noch dazu wenn beachtet wird, dass Zykluslängen zwischen 23 und 35 Tagen absolut normal sind.
    Eigentlich sehr schade, dass nicht alle Menschen mit zyklischer Fruchtbarkeit von Haus aus, ihren Zyklus symptothermal beobachten um im Falle einer Kondom-/Femidom-Panne selbst wissen zu können, ob sie eine Pille danach brauchen oder nicht. Schließlich ist die Pille danach auch ein Medikament, dass ggf unnötigerweise in den Körper eingreift.
    Achja, für symptothermale Methode sehr zu empfehlen ist das Buch „Natürlich & sicher, Das Praxisbuch“ :-) Fand ich bzgl. meiner eigenen Fruchtbarkeit sehr erhellend.

  5. Félin sagt:

    Eine Kommilitonin, die als Nachtwache an der Pforte an einer Klinik hier (im Ruhrgebiet arbeitet) sagt, dass zumindest ihr Krankenhaus und die anderen, die ihr bekannt seien, auch alle keine Pille danach ausgeben würden mit der Begründung, ein neues Präparat würde bis zu 120 Stunden wirken, damit könne man auch zur normalen Praxis.
    Ich bin mir aber nicht sicher, ob die auch 120 Stunden gleich wirkt, oder ob nicht auch da gilt: je früher, je besser – eine kurze Google-Recherche sagte, es sei zu unerforscht, aber auch geraten, je früher je besser.

  6. Charlott sagt:

    @grüneGeranie: Ich möchte ungern Menschen vorschreiben, wie sie sich zu ihrem Körper verhalten sollen – auch in diesem Fall. Nicht jede Person, die es betrifft, möchte oder sich auf diese Weise mit dem Zyklus auseinandersetzen. Aus unterschiedlichsten Gründen. Und das ist auch ok. Und im Zweifelsfall, wenn eine Schwangerschaft unerwünscht ist, würde ich lieber einmal zu viel die Pille danach nehmen als zu wenig. Medikament hin oder her.

    Solche Diskussionen lenken ein wenig vom Kern ab: Wahlfreiheit und Zugang schaffen.

  7. grüneGeranie sagt:

    @Charlott (evtl auch off-topic:) Die Wahlfreiheit im Verhütungsmitteldiskurs in Deutschland anzusehen wäre sicher auch mal interessant. Gerade unter dem Gesichtspunkt wie groß die „Wahl““freiheit“ durch verschiedene Faktoren ‚manipuliert‘ wird. Tut mir leid, wenn meine Formulierungen auf dich so wirkten, als würd ich das vorschreiben wollen. Ich wollte lediglich mein Bedauern darüber ausdrücken, dass viele Leute das nicht machen, weil sie diskursiv als eine unsichere Katholikenmethode, für Kinderwunsch-only o.ä. dargestellt wird…

    Und das die Pille danach bitte ohne Rezept und in allen Apotheken erhältlich sein soll ist sowieso klar. Hab anlehnend an die jüngsten Berichte an Familien- und Frauenministerium via Kontaktformulare geschrieben, dass sich doch bitte das mal ändern sollten. Bin auf die jeweilige Antwort gespannt. Und dass Religion und Weltanschauung auch kein Grund sein darf Untersuchungen oder Verschreibungen zu verwehren.

  8. Jolene sagt:

    „Und selbst, wenn wir über die Rezeptfreiheit diskutieren, fallen häufig Fakten unter den Tisch. So gucken wir beispielsweise neidvoll in viele andere europäische Staaten, in denen die “Pille danach” rezeptfrei erhältlich ist, aber übersehen, dass es sich dabei auch ausschließlich um Präparate handelt, die helfen, wenn der Eisprung noch nicht stattgefunden hat. Präparate mit anderer Wirkung, die wahrscheinlich auch wirken, wenn der Eisprung bereits stattfand und die dann eine Einnistung verhindern könnten, sind auch in diesen Ländern nur auf Rezept zu erhalten.“

    Danke für den Hinweis!

    In einem anderen Blog bin ich darüber gestolpert, dass die Pille danach auch in einigen Nachbarländern (Österreich, Belgien, NL, Frankreich) ohne Rezept erhältlich ist. Ich wohne knapp 1 Autostunde von der belgischen Grenze entfernt… bei meiner nächsten Reise dorthin werde ich daran denken.^^

    @grüneGeranie: Ergänzend zu Charlotts Kommentar würde ich gerne noch anmerken, dass nicht bei jeder Frau* der Zyklus wirklich „zyklisch erkennbar“ verläuft. Um mich selbst als Beispiel zu zitieren, ich nehme seit meinem 18. Lebensjahr die Pille- die Jahre zuvor war mein Zyklus nichtmal annähernd regelmäßig oder berechenbar (meine Tage kamen und gingen wie sie lustig waren, mal alle 2 Monate, mal 4 Monate lang nix, dann wieder normal, usw… und das wie gesagt vier Jahre lang… eine organische Ursache konnte nicht festgestellt werden).
    Daher finde ich deinen Ansatz zwar interessant, aber es ist IMHO nicht bei jeder Frau* machbar, bzw. wie Charlott gesagt hat, nicht jede kann und will das.

  9. grüneGeranie sagt:

    @Jolene Symptothermale Zyklusbeobachtung hat mit der Zykluslänge nichts zu tun. Da funktionieren hald Kalendermethoden, wie Knaus-Ogino nicht. Und egal wie lange Zyklen dauerten – für den Fall dass ein Eisprung stattfindet, monophasische Zyklen ohne Eisprünge sind nicht so super selten – ist etwa ~ 12 bis 16 Tage vor Einsetzen der Menstruation ein Eisprung. Gäb ansonsten noch die Möglichkeit mehr als 18 Tage vorher, was idR auf ein eingenistetes Ei, also Schwangerschaft hindeutet, oder kürzer als 10 Tage vorher, was auf eine sogenannte „Gelbkörperschwäche“ hindeuten könnte. Also klar das sind alles studienbasierte medizinische normierte Richtwerte… Rein handwerklich ist Zyklusbeobachtung bei jeder zyklischen (un)Fruchtbarkeit möglich. Ob eine Person das machen will oder nicht ist wieder eine ganz andere Frage. Aber wir kommen vom Thema ab. Vllt schreib ich doch mal einen Artikel zu Zyklusbeobachtung.

  10. Yvonne sagt:

    Eine weitere Möglichkeit der notfallverhütumg wäre die Spirale danach. Diese kann bis zu 5 Tagen danach angewendet werden. Nachteil ist natürlich, dass man dafür auf jeden fall zum Arzt muss. Allerdings hat man damit ein größeres Zeitfenster und die Spirale danach wirkt auch, wenn der Eisprung schon statt fand.
    Dazu noch gefunden:
    http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/814108/spirale-danach-verhuetet-notfall-sichersten.html

    Ich weiß nicht, ob diese Seite wirklich seriös ist, aber hier noch was zur notfallverhptung mi „normalen“Pillen.
    http://www.notfall-verhuetung.info/info/nv_normalenpillen.htm

  11. Auralibby sagt:

    @ grüneGeranie: Als meine Mutter noch nicht Mutter war, hat sie auch sorgfältig ihren Zyklus studiert, um zu verhüten. 9 Monate später war dann ich da, empfangen zu einem Zeitpunkt, der medizinisch-statistisch-zyklisch „unmöglich“ war. Nee, ganz ehrlich: Wäre mir zu heikel.
    Und sorry, dass das jetzt so off-topic ist! :)

  12. anna sagt:

    @Auralibby: Symptothermale Verhütung ist von der Methodensicherheit her etwa so gut wie die Pille. Es gibt viele gute Gründe gegen STM (und „mag ich nicht“ zählt definitiv dazu), aber „heikel“ ist nach diesem Massstab alles ausser Sterilisation oder der Verzicht auf peno-vaginale Kontakte.

    @Jolene: Hier in der Schweiz, wo es die „Pille danach“ ebenfalls rezeptfrei nach Beratung in der Apotheke gibt, bestehen viele Apotheker darauf, dass man die erste Tablette direkt vor Ort einnimmt, damit sie nicht auf Vorrat gekauft wird. Auch dies eine paternalistische Einschränkung…

    Und noch was: Eine Infrastruktur zur medizinischen Behandlung der Bevölkerung bereitzustellen ist eine der wichtigsten staatlichen Aufgaben. Wie kann es sein, dass diese Aufgabe ausgelagert und von den Dienstleistungserbringern willkürlich eingeschränkt wird? Die Situation in Krankenhäusern katholischer Trägerschaft ist völlig absurd; als würde ein privater Wasserversorger einen ganzen Ortsteil abklemmen, weil frisches Wasser für diese Leute „unserem Menschenbild widerspricht“.

  13. grüneGeranie sagt:

    Hier ein Spiegel-online Artikel, bei dem mir das kotzen kommt. Geht um die unlauteren Methoden der LebensschützerInnen die Kliniken auszuspionieren… http://www.spiegel.de/panorama/katholische-lebensschuetzer-kontrollierten-kliniken-in-koeln-a-879086.html
    Dabei kann die Bibel mMn auch echt anders ausgelegt werden.

  14. Charlene sagt:

    Die Situation in Deutschland ist nicht gut. Keine Frage.
    Rezeptfreiheit bringt aber eben auch Probleme mit sich, da es dann auch keine direkte Wahlfreiheit wird. Soweit mir bekannt, was hier auch geschrieben wurde (und leider vertauscht, wurde berichtigt) handelt es sich bei den rezeptfreien Pillen danach um reine Levonorgestrel-Präparate. Das neue Präparat, die sogenannte Pille für 5 Tage danach, steht überall unter Rezeptpflicht.
    Eine verantwortungsvolle Ärztin entscheidet mit der Patientin, welches Präparat angebracht ist. Nicht nur die längere Wirkung, die aber mit der Zeit auch abfällt, sondern eben auch die Wirkung auf eine befruchtete Eizelle, die Verhinderung der Nidation ist wichtig. Sicher ist es unwissenschaftlich Pi mal Daumen zu schätzen, ob ein Eisprung stattfand, es sei denn frau betreibt NFP. Aber Tendenzen ergeben sich schon. Gerade wenn eine Schwangerschaft vermieden werden soll, auf jeden Fall, sehr junge Frauen, Gewalt, überhaupt kein Kinderwunsch, ist es in meinen Augen verantwortungsvoller in der Regel das neue Präparat zu verschreiben. Und das gibt es nirgendwo ohne Rezept.

    Ein anderes Problem ist die Spirale danach. 99% bis zu 5 Tage danach, diesen Wert erhält keine der PD selbst wenn sie unmittelbar nach dem Verkehr genommen wird. In vielen Fällen ist sie rein theoretisch Methode der ersten Wahl. Und schätzungsweise 80% der Frauen kann eine handelsübliche Spirale gesetzt werden, bei wohl über 15% geht eine Sonderausführung oder Kupferkette ohne Probleme. Irgendwo zwischen 1% und 5% ist keine Spirale möglich.Aus medizinischen Gründen oder weil die Patientin sie aus ethischen Gründen ablehnt.

    Leider ist es schwer, diese Spirale zu bekommen, gerade bei jungen Frauen. Die Richtlinien sind eindeutig, für Ärzte ist es aber wirtschaftlich attraktiver, Frauen zur Pille zu überreden. Eine Notfallspirale kann 3-10 Jahre liegen bleiben, da geht der bekannten Firma einiges an Umatz verloren. Es ist ein Spießrutenlauf einen Arzt zu finden, der ohne weiteres bereit ist, kurzfristig die Spirale danach zu legen.

    Frau hat dann, falls sie nicht schon langfristig Vorabklärungen getroffen hat, die Wahl zwischen Pille danach im Krankenhaus/Bereitschaftsdienst/normale Praxis oder zu hoffen, dass sie doch später jemanden findet, der die Spirale danach setzt. Immerhin besteht derzeit die Hoffnung, dass sie in ihrer Not an einen Arzt gelangt, der mit ihr auch die Möglichkeit einer Spirale danach diskutiert. In einigen Kliniken, eher wenigen, ist dies sogar möglich, wenn sie am Wochenende kommt. Mit der Logik, dass wenn die Spirale danach doch nicht möglich sein sollte, sofort die PD verschrieben werden kann.

    Ist dann die Befreiung der PD von der Rezeptpflicht, nur des einen Präparates, der richtige Weg? Nein, ich glaube wichtiger wäre es, ein Netz, dank Internet heute einfach möglich, zu erstellen, wo frau garantiert ihre Notfallverhütung bekommt, und zwar alle Methoden. Ideal wäre, wenn die Politik ihre Verantwortung wahrnehmen würde und in unterversorgten Gebieten Einrichtungen dafür fördern würde. Kombination mit AIDS-Hilfe, Zentren für ambulanten Schwangerschaftsabbruch etc. wäre möglich.

    Fakt, die aktuelle Situation ist unbefriedigend. Wird mit der rezeptreiene Abgabe der PD sie weniger unbefriedigend? Spatz in der Hand statt Taube auf dem Dach? Oder sollte nicht die Energie lieber dahingehend investiert werden, dass Frauen die richtigen Anlaufstelle finden. Und nicht aus versehen in katholischen Krankenhäusern landen?

  15. Charlott sagt:

    @Charlene: Aber ich schrieb doch, dass eben nicht reicht ausschließlich über die Rezeptfreiheit eines einzigen Präparates zu sprechen, sondern mehr zu fordern und sich für mehr einzusetzen. Ich sehe da nicht den Widerspruch von meinem Artikel zu deinem Kommentar.

    Ich hätte gern mehr rezeptfrei. Gute Beratungen in der Apotheke. Und Ärzte_Ärztinnen, die angemessen auf Anliegen ihrer Patient_innen reagieren. Ich möchte nicht, dass Krankenhäuser, die katholische Träger haben, machen können, was sie wollen – und natürlich im Besonderen nicht, wenn es für Betroffene kaum eine Auswahl an Anlaufstellen gibt. Ich möchte eine Änderung der Gesetze, in denen Abtreibungen geregelt sind. Und für mich gehört all das und noch viel mehr zusammen. Das habe ich auch versucht in dem Text deutlich zu machen. Die „Pille danach“ und die aktuelle Diskussion darum waren für mich Aufhänger.

  16. Charlene sagt:

    Stimme zu. Gerade auch im Bereich des Schwangerschaftsabbruchs ist viel zu tun, in Theorie und Praxis. Eine stärkere Anerkunng der Selbstbestimmung der Frau, ergo Wegfall der Zwangsberatung und Wartezeit, in der Praxis ein flächendeckendes Angebot an richtigen Anlaufstellen. Der „Lebensschutz“ führt ja heute dazu, dass praktisch jede Frau ihre Abtreibung erst später vornimmt, als sie die Entscheidung fällt. Nur als ein weiteres Thema am Rande.

    Und auch die Situation mit den Schwierigkeiten der Notfallverhütung muss sich ändern. Nur, in welche Richtung? Ich kann mich nicht richtig entscheiden. Eine Erleichterung des Zugangs ist wünschenswert, aber mit dem Wegfall der Rezeptpflicht ist das Problem nicht gelöst. Auf der anderen Seite, wie viele Ärzte beraten in einem Fall wirklich richtig? Lieber 2 statt 20 Stunden nach der Panne die herkömmliche PD nehmen, wenn der Arzt sowie keine Ahnung hat, was richtiger wäre.

    @ Yvonne

    Der Link ist mir bekannt. Es basiert auf dem alten Regime, als die PD eine Kombinationspräparat war. Entspricht 4 „normalen“ Pillen, bzw. mehr, falls schwächer dosiert. Dies wurde durch Levonorgestrel abgelöst, da wirksamer und verträglicher. Die wenigstens werden aber eine Minipille zur Hand haben und 50 Stück einnehmen können. Als absoluter Notfall eine Möglichkeit, etwa in Ländern, in denen keine PD erhältlich ist. Problem ist, dass dann noch eine solche Pille vorhanden sein muss, die sich als selfmade PD eignet.

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