Renate Künast über Männer

von Barbara

In der vergangenen Wochenend-Ausgabe der Süddeutsche Zeitung war ein langes Interview mit der Grünen-Politikerin Renate Künast zum Thema “Männer”. Recht lesenswert, vor allem, wie sie auf die manchmal doch sehr polemischen Fragen der Interviewerin Cathrin Kahlweit reagiert. In Auszügen (der Artikel war leider nicht online auffindbar):

Trotz aller sich nivellierender Rollen ist es sicher für Ihren Mann nicht ganz leicht, dass Sie beachtet werden, und er wird hinterhergeschleift.

Ich lebe das erste Mal in einer Beziehung, in der keine Machtfragen zu klären sind. Ich kann beides: bemuttern und bemuttert werden. Ich habe aber, zugegeben, in meinem Leben auch bei sich sehr links gerierenden Männern erlebt, wie die neidvoll und aggressiv gesagt haben: Kümmer dich um mich!

(…)

Früher war eine anständige Feministin links und/oder grün. Heute haben die Grünen keinen Vorsprung in der Debatte über Gleichberechtigung. Als Leitfiguren gelten Renate Schmidt (alt) oder Ursula von der Leyen (neu). Was ist passiert?

Das bezweifle ich. Die meisten würden Alice Schwarzer nennen. Jüngere Frauen würden an ihr allerdings kritisieren: Die geht auf meine Lebenssituation nicht ein. Wir Grünen sind vielleicht ein bisschen zu sehr stehengeblieben bei den Forderungen der 70er, 80er Jahre und haben es nicht geschafft, das Thema neu zu besetzen, obwohl bei uns viele junge Frauen sind. Die Familienministerin wiederum setzt nur auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei hat sich da noch gar nicht viel verändert. Der Hype bei von der Leyen beruht doch vor allem darauf, dass eine Partei, die sich gerade noch gegen alles gewehrt hat, jetzt gemerkt hat, dass man den Menschen mal was anbieten muss. Aber was nutzen den Eltern von heute Kita-Plätze ab 2013? Und es gibt so viele Probleme jenseits der Kinderfrage, die auch Frauen angehen, die keine Kinder haben. Wie können Frauen zum Beispiel die Glasdecke durchstoßen? Wie können Frauen angesichts des neuen Unterhaltsrechts und der niedrigen Renten ihr Leben selbst in die Hand nehmen? Ihr Alter absichern? Von der Leyen und konservative Medien setzen auf Kinder. Aber wir können doch den Fokus nicht nur auf die Frau als Mutter legen!

(…)

Sind alte Feministinnen schlicht spießig?

Wir dürfen nicht daherkommen wie die alten Kriegerinnen, die eins aufs Maul gekriegt haben, die Verletzungen und Narben haben und wissen, was richtig ist, wie man zu kämpfen hat und wie man dabei auszusehen hat. Schrecklich ist doch das Modell alte Feministin, die den jungen Frauen sagt: Zieh ein Wallekleid an, zeige dich nicht, und trage das Messer immer quer im Mund, bereit für den Geschlechterkampf. Jede Generation muss ihre Werkzeuge und ihre Themen selbst festlegen. Sie muss ihren Kampf ja auch selber kämpfen.

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12 Kommentare zu “Renate Künast über Männer”

  1. jj schreibt:

    Barbara,

    zum Thema “Männer”? Vielleicht liegt’s ja auch nur an den Auszügen…

    “Trotz aller sich nivellierender Rollen ist es sicher für Ihren Mann nicht ganz leicht, dass Sie beachtet werden, und er wird hinterhergeschleift.

    Ich lebe das erste Mal in einer Beziehung, in der keine Machtfragen zu klären sind. Ich kann beides: bemuttern und bemuttert werden. Ich habe aber, zugegeben, in meinem Leben auch bei sich sehr links gerierenden Männern erlebt, wie die neidvoll und aggressiv gesagt haben: Kümmer dich um mich!”

    Wow. Das nenne ich aber mal aneinander vorbei geredet. Beziehungen ohne Machtfragen gibt es nicht, geht einfach nicht. Im Begriff Beziehungen steckt das einfach schon drin. Ist so was wie “Beziehungsgravitation.”

  2. Nils schreibt:

    Wir Grünen sind vielleicht ein bisschen zu sehr stehengeblieben bei den Forderungen der 70er, 80er Jahre

    Welch Selbsterkenntnis, Chapeaux! Ich würde aber eher sagen: Bei der Ideologie der 70er, 80er Jahre..

  3. Goofos schreibt:

    “Wir Grünen sind vielleicht ein bisschen zu sehr stehengeblieben bei den Forderungen der 70er, 80er Jahre und haben es nicht geschafft, das Thema neu zu besetzen, obwohl bei uns viele junge Frauen sind.”

    Stimmt. Sie spricht die Wahrheit und merkt es wahrscheinlich nicht mal.

  4. Nils schreibt:

    Ich habe aber, zugegeben, in meinem Leben auch bei sich sehr links gerierenden Männern erlebt, wie die neidvoll und aggressiv gesagt haben: Kümmer dich um mich!

    Was macht eigentlich die Partnern eines Politikers, nachdem das geplante gemeinsame Wochenende zum 25. Mal abgeblasen wurde - Eine wichtige Sitzung ist mal wieder dazwischengekommen? Die Beziehung mit einer Politikerin stelle ich mir generell sehr schwierig vor.

    Ich weiß ja nicht genau, was Renate Künast genau meint, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß da mal wieder Gender durch die “Beachtung der Gender-Perspektive” inszeniert wird.

  5. Nils schreibt:

    P.S.: Feministisches Gender ist auch (oder gerade?) Gender.

  6. felix schreibt:

    Ich finde die Aussagen von Renate ziemlich gut, muss ich sagen.
    Mit dem nötigen Quäntchen Realismus, Nachdenklichkeit und Selbstkritik.
    Danke für den Post, Barbara!

    Ich glaube nicht, dass jede Beziehung die Machtfrage stellen muss, weil nicht jede Beziehung Ungleichheit bedeutet. (Nein, ich glaube nicht, dass immer eine_r der/die Stärkere ist)

    Auch verschiedene Ideologien können dieselbe Forderung haben. Nicht immer gleich Ideologien unterstellen.

    @Goofos: Meinst du sie will die Unwahrheit sagen und sagt irgendwie zufällig die Wahrheit?

    Gender ist Gender, stimmt. Aber wieso inszeniert?

  7. Nils schreibt:

    @felix: Siehe doing Gender

  8. Goofos schreibt:

    @felix, nein, ich meine sie spricht zwar die Wahrheit aus, sie interpretiert das aber anders. Es geht um alten vs. neuen Feminismus, ich frage wo denn der neue Feminismus sein soll, wenn die Themen eigentlich gleich sind? Schon da liegt irgendwo ein Denkfehler denn in dem Punkt sind sie tatsächlich in den 70er, 80er stecken geblieben. Sie präsentiert die gleichen Themen und die gleiche Denke wie eben der alte Feminismus. Ich behaupte mal für sie wäre der neue Feminismus gleich wie der alte, nur mit neuen Frauen besetzt.

  9. Nina Katzemich schreibt:

    Ich finde nicht, dass Sie mit diesem Satz Recht hat:

    “Wir Grünen sind vielleicht ein bisschen zu sehr stehengeblieben bei den Forderungen der 70er, 80er Jahre und haben es nicht geschafft, das Thema neu zu besetzen, obwohl bei uns viele junge Frauen sind.”

    Vielleicht liegt es ja einfach daran, dass auch die jungen Frauen immer wieder merken, dass die alten Forderungen nicht erledigt sind? Was ist daran dann unmodern, sie weiterhin zu fordern? Ich sehe zahlreiche junge grüne Frauen, die das tun, ganz souverän und ohne sich dabei in Wallekleider zu hüllen. Ich finde auch nicht, dass die Grünen damit wie aus den 70ern oder 80ern herüberkommen. Die Forderung zum Beispiel nach einer Quote für die Aufsichtsräte kommt in der Öffentlichkeit sehr gut an, auch und gerade bei einer Klientel, die sonst vielleicht nicht zu der urgrünen gehört - das beobachte ich immer wieder. Ich finde es auffällig, dass die beifälligen Sätze zu diesem Satz vor allem von den Jungs kommen, vielleicht wäre es an ihnen, das Thema auch einmal zu besetzen.

  10. Susanne schreibt:

    @ Nina: Dieser Satz von ihr hat mich auch gewundert, das Gefühl habe ich nämlich auch überhaupt nicht, finde da die Grünen im Gegenteil modern und reflektiert.

  11. Nils schreibt:

    Schon klar. Rückständig und unreflektiert sind natürlich immer die Anderen.

    Vielleicht sollte noch der Marxismus-Leninismus wieder ausgegraben werden - Die alten Forderungen sind doch noch nicht erfüllt..

  12. Goofos schreibt:

    Susanne, ich finde es nicht besonders verwunderlich wenn du das nicht meinst.

    Trotzdem, was sind die alten Tehmen die heute noch aktuell sind? Ich sehe eher unreflektierte Themen die man wie eh und je fordert oder übernehmen tut. Eben so wie Künast Männer als neidisch und aggresiv bezeichnet und es wohl (auch noch als Politikerin) für völlig abwägig hält sich auch mal um sie zu kümmern. Es geht ja nur um “mich” und “dich”, um einen Kampf festgelegter Themen.

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