Putin: Machismo für alle Jahreszeiten

von Silviu

Wladimir Putin ist am Sonntag zum dritten Mal zum Staatspräsidenten Russlands gewählt worden. Schon im ersten Wahlgang, mit rund 60 Prozent der Stimmen. Trotz andauernder Proteste von Zivilgesellschaft, Oppositionsparteien und einfachen BürgerInnen. Der Wahlbetrug war massiv, doch auch ohne Fälschungen hätte der Autokrat gewonnen.

Das tut den demokratisch Gesinnten in und jenseits von Russland weh. Denn es ist nicht bloß eine billige Komödie, keine reine Selbstinszenierung eines Diktators, die sich schnell abtun ließe. Vielmehr zeigt das Ergebnis in einer bitteren Art und Weise die Grenzen und Komplikationen der Demokratie, die Fragilität der Institutionen, die inhärenten Schwächen der politischen Freiheit.

Putins Macht genießt populäre Unterstützung. Und zwar nicht nur, weil er (wie jeder Autokrat) ein vermeintliches Bedürfnis nach Ordnung, Stabilität, Disziplinierung und Uniformität, in einem Wort die Angst vor Freiheit bedient. Nicht nur, weil er – trotz krasser Ungleichheiten und trotz einer primitiven Form von Kapitalismus – durch die Kontrolle von Öl und Gas einen gewissen Grad Wohlstand garantiert. Nicht nur, weil er sich oft einem kruden nationalistischen und paternalistischen Imperialismus bedient, der schon zu sowjetischen Zeiten ein wichtiger Teil des offiziellen Diskurses ausmachte, da die Genossen scheinheilige Marxisten waren.

Putins Macht ruht auch auf einer guten Dosis Machismo und Phallokratie. Die feministischen Proteste der Femen-Aktivistinnen sind also nicht nur als opportune Aktionen zu interpretieren. Die performative Kritik des Machismo hat tatsächlich sehr viel mit den Wahlen und dem System Putin zu tun. Denn der Machismo des Autokraten – und das ist auch eine sehr unangenehme Erkenntnis – gehört zu den wesentlichen Gründen seines Erfolgs. Seine WählerInnen wünschen sich einen „starken“, „männlichen“ Präsidenten, sie drücken ihre politischen Vorlieben in einer Sprache aus, die durchaus von einer sexualisierten traditionellen Symbolik geprägt ist. Ohne Zweifel tragen die russischen Medien und die PR-Maschinen der Macht massiv dazu bei. Putins ständige Potenzshow wird überall übertragen bis zum Erbrechen: Putin in der tiefen See, Putin mit den wilden Tigern, Putin im hohen Gebirge. Putin bietet seiner Wählerschaft Machismo für alle Jahreszeiten.

 




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 6. März 2012 um 15:07 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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Ein Kommentar

  1. Sven sagt:

    Und wo sind die Neuigkeiten? Na klar inszeniert sich Putin als Macho und kommt damit an. Aber was sagt das über ihn oder seine Wähler aus? Dass sie sich nach traditionellen Rollen zurücksehnen? Taugt das im Kontrast mit ‚westlichen‘ Demokratien, wo Machos scheinbar nicht wegen ihrer Macho-Fähigkeiten gewählt werden (Gegenbeispiel: Schröder).

    Immerhin sind wir inzwischen dabei angekommen, dass auch die nicht-manipulierte Wahl zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wäre. Aber trotzdem gefällt uns die Entscheidung des Souveräns offenbar nicht. Obwohl wir nicht beantworten können, warum russische WählerInnen einen der Oppositionskandidaten wählen sollten.