Popo oder Prüderie

von Susanne

In der Frankfurter Allgemeinen erschien heute ein Text über Carol Platt Liebaus Buch „Prude: How the Sex-Obsessed Culture Damages Girls“. Darin stellt die Amerikanerin die These auf:

„Die überwältigende Lektion, die Teenagern heute ringsum vermittelt wird, lautet: Sexy sein ist das höchste Ziel, wichtiger als Intelligenz, Charakter und was eine Frau sonst noch erreichen kann.“

Mädchen müssten sich heute sexuell aggressiv verhalten, weil das die einzige Möglichkeit sei, um Anerkennung und Bewunderung zu bekommen. Denn:

„In einer Kultur, die Paris Hilton feiert ebenso wie Stringtangas oder Songs wie ‚My Humps,‘, in dem Busen und Hintern als Sex-Magnet gepriesen werden, gibt es für weibliche Zurückhaltung oder Werte, die nichts mit Sex-Appeal zu tun haben, nur spärliche Anerkennung.“

Als Schuldige macht Liebau die Medien und – Überraschung! – die Mütter der Mädchen aus. Sie seien zu bequem, bei ihren Töchtern Verbote durchzusetzen und würden selbst keine traditionellen Werte vorleben, weil sie dem Jugendwahn verfallen seien. Liebau konstatiert entsetzt, dass sich junge Frauen heute freiwillig und ohne Not die uralten Verhaltensmuster der Weibchen-Rolle wieder aneignen.

Liebaus Kritik scheint nicht vollkommen unangebracht (wer sich beispielsweise an „Prinzessinnenbad“ erinnern mag), aber ihre Schlussfolgerung ist dann doch mehr als merkwürdig: Amerika solle seinen Mädchen wieder beibringen, prüde zu sein: Es sei nie zu spät, „sich im Kampf um Amerikas Zukunft zu engagieren und auf einer Kultur zu bestehen, die Sexualmoral hochhält und ihre Jugend schützt.“ Uff.

(Dank an Doro für den Link)




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Eintrag geschrieben: Montag, 31. März 2008 um 17:44 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. Judith sagt:

    Meine Güte. Die Pubertät/Teenagezeit ist eben die Zeit, in der Mädchen ihre sexuelle Identität entdecken – per definitionem so zu sagen.
    Frau Platt Liebau sollte sich damit abfinden.
    Aber sie ist – vor allem wohl in Amerika – nicht die einzige mit der Vorstellung, dass Mädchen in erster Linie b e s c h ü t z t werden müssen.
    Dass die unschuldigen beschützenswerten Mädchen (die Frauen doch bitte bis zum Traualtar bleiben) vielleicht auch selber Lust haben selbstbestimmten Sex zu haben oder auch auch ein paar eher mittelmäßige Erfahrungen zu sammeln, passt für viele nicht nicht ins Frauen/Mädchenbild.

  2. Goofos sagt:

    Amerikanisch Konservativ formuliert, aber irgendwie kann ich nix am Kern der Aussage bemängeln. Ansonsten frage ich mich wieso manche Kinder in die Welt setzen und danach nichts mehr von Kindererziehung wissen wollen. Das kann man aus meiner Sicht drehen und wenden wie man will, Erziehung ist nun mal eine Pflicht der Eltern. Falls ich falsch liege gehe ich jetzt raus, erwürge ein Wildschwein, und fang mir ein Weibchen das kocht. grunz

  3. Christian Heier sagt:

    Ich glaube, dass Carol Platt Liebau hier etwas pauschalisiert und übertreibt.
    Wenn ich mir die weit überwiegende Mehrzahl der „Mädchen“ so ansehe, die man heutzutage auf den Straßen sieht, dann ist „sexy“ dasjenige Adjektiv, das mir da am wenigsten in den Sinn kommt. Die ewig gleichen Jungsklamotten, Jeans und Sneakers, einfach nur öde. Wobei ich nicht verlange, dass sie alle im Ultra-Mini, mit tiefem Ausschnitt und auf Stöckelschuhen unterwegs sein müssen. Aber eine gesunde, selbstbewusste Weiblichkeit, ein wenig dezente Erotik, dagegen dürfte keiner etwas haben. Außer vielleicht Leute wie Platt.

    A pro pos platt: „Sexy sein ist das höchste Ziel, wichtiger als Intelligenz, Charakter und was eine Frau sonst noch erreichen kann.” Auch wieder so eine Pauschalisierung und so eine verengte Sichtweise. Das mag für manche Milieus, Medien und Schichten gelten, aber nicht für alle. Selbst in Amerika gibt es noch Leute, für die Grips und Charakter wichtiger sind (man denke nur an die Unis).
    Davon mal abgesehen, dass für manche Frau bei Männern gewisse Äußerlichkeiten (Aussehen, Status, Geld) ebenfalls wichtiger sind als Intelligenz, Charakter und was einen Mann sonst noch auszeichnen kann.

    „Liebau konstatiert entsetzt, dass sich junge Frauen heute freiwillig und ohne Not die uralten Verhaltensmuster der Weibchen-Rolle wieder aneignen.“
    Wieder? Haben sie diese Rolle nicht immer bevorzugt?
    Es gibt nunmal unterschiedliche Geschlechter und Geschlechterrollen, und alle Versuche, sie abschaffen zu wollen, werden kläglich scheitern an der menschlichen Biologie und Natur. Die Menschheit besteht nicht nur aus verkopften Geistmenschen, die alle natürlichen Triebe und kulturellen Errungenschaften einfach so über Bord werfen. Männer wie Frauen betonen je ihre Eigenheiten und ihre Unterschiedlichkeit, weil das ihre Chancen erhöht, beim anderen Geschlecht zum Zuge zu kommen und so ihre Gene weitergeben zu können. Kein Mann verspürt den Drang, eine vollkommen unweibliche Frau zu umgarnen, und ebenso sind unmännliche Männer für Frauen nicht interessant. So sind wir nunmal gepolt.
    Leute wie Carol Platt Liebau sind einfach nur von gestern mit ihrer altbackenen Prüderie und ihrem ranzigen 70er-Jahre-Feminismus.

  4. Judith sagt:

    Frauen, denen Sex und ihr Körper wichtig ist „fallen in uralte Verhaltensmuster der Weibchen-Rolle“ und prüde zu sein bringt Frauen weiter? Ist das überhaupt je ein feministischer Standpunkt gewesen (auch @ Chr. Heier)?

    Ich weiß auch wieder, wo ich den Namen Platt Liebau schon mal gelesen habe.
    Jessica von feministing.com hat die Dame in die Kategorie „moral panic asshole“ gesteckt. Wär jetzt nicht meine Wortwahl, aber an Jessicas Standpunkt könnte was dran sein.

    will jetzt hier nicht den ganzen Post copy/pasten – darum:

    http://feministing.com/archives/008130.html

  5. Schnatterinchen sagt:

    Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.
    (Keilschrifttext aus Ur um 2000 v. Chr.)

  6. Susanne sagt:

    @ Judith: Höhö, ja Frau Valenti, mal wieder als Rampensau unterwegs. Aber wo sie Recht hat, hat sie Recht.

  7. Nils sagt:

    Neuer werden die Argumente der amerikanischen Konservativen nicht.