Pop-Darwinismus oder Sex mit einem Höhlenmenschen

von Barbara

Den Artikel “Caveman Sex: How Evolutionary Psych Pushes Sexist Stereotypes” von Martha McCaughey, Professorin für Frauenstudien und Soziologie an der Appalachian State University können sich alle sexuell Interessierte unters Kopfkissen schieben. Denn eigentlich sei Charles Darwin mitschuld am weit verbreiteten Sexismus und am billigen Schema, dass Männer auf große Brüste und schlanke Taillen stehen, glaubt man einer Form der Auslegung der Evolutionspsychologie.

The human male’s low level of parental investment required for reproduction — after all, he need only ejaculate into a fertile body to reproduce and could father hundreds of children — meant that human males evolved to be relatively sexually carefree or, less delicately, to be, by nature, wanton skirt chasers.

Höhlenmenschen-Paarungsrituale, die heute ausgestorben sind? Mitnichten, stellt McCaughey fest, die übrigens auch ein Buch zum Thema veröffentlicht hat – der “Pop-Darwinismus” sei weit verbreitet:

Picture the frat dude chugging a beer in a shirt with a picture of a caveman clad in a fur pelt holding a club and with the statement “Me Find Woman.” You can actually buy these shirts on cafepress.com.

Nebenbei sei die Cavemen-isierung der männlichen Sexualität für Männer ziemlich diskriminierend:

The caveman mystique is, after all, a contemporary male counterpart of the feminine mystique so famously described by Betty Friedan in 1963. Women had to challenge the popular idea that they found fulfillment in keeping house and rearing children. It’s time now to challenge the idea that men find true self-expression in boorish behaviors, sexual aggression, and chance sexual encounters.

Danke an Halina für den Tipp.


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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 30. Oktober 2008 um 20:50 Uhr unter Ist das so?, Körperkult, Kultur, Mitdenken, Wissenschaftlicher Quatsch. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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15 Kommentare

  1. Miriam sagt:

    In dem Artikel von McCaughey gehts in erster Linie darum, dass wissenschaftliche Theorien dadurch missbraucht werden, dass sie populärwissenschaftlich aufbereitet werden. Leider machst du, Barbara, den gleichen Fehler, wenn du schreibst:

    Denn eigentlich sei Charles Darwin mitschuld

    Ich bitte dich, du willst ja wohl hoffentlich nicht behaupten, dass Charles Darwin daran schuld ist, wenn die Evolutionstheorie dazu missbraucht wird, eine Rechtfertigung für Vergewaltigung, wenig männliche Beteiligung an Kinderaufzucht, usw. zu liefern.

    Darwin hat mit seiner Evolutionstheorie zu erklären versucht, wie sich der Genotyp einer Spezies unter Umwelteinflüssen verändert und dieser Erklärungsansatz ist bisher der beste, den die Biologie kennt.
    Wenn nun Psychologen meinen, sie müssten die Methoden der Evolutionstheorie auf die Entwicklung von Verhaltensweisen übertragen, dann kann man das bitte nicht Charles Darwin zum Vorwurf machen!

  2. jj sagt:

    Barbara,

    Miriam hat leider Recht, was Deine Zusammenfassung betrifft. Aber ich würde Dir und Ms McCaughey zustimmen, daß es in der popkulturellen Betrachtung zu einer durch Halbwissen entstehenden Übertreibung der verhaltensrelevanten Bedeutung von evolutionsbezogenen biologischen Variablen kommt.

    Allerdings ist es auch so, daß diese Variablen in der soziologischen Genderdebatte überhaupt nicht vorkommen – ein Fehler, den McCaughey glücklicherweise nicht macht. Parental Investment ist im übrigen wirklich nicht auf die menschliche Entwicklung beschränkt, sondern ein Prinzip, das recht problemlos das Fortpflanzungsverhalten der meisten Lebewesen erklären kann. Klar, Menschen sind komplizierter, aber das bedeutet ja nicht, daß man deswegen nicht von der gleichen Basis ausgehen sollte, wenn man sich die Frage stellt, wie sich die Komplexität beim Menschen im Verhalten äußert.

    Ich erinnere mich an eine Diskussion mit einer Post-Doc Studentin in Gendertheorie die schlicht meinte, “daß sie nicht an Parental Investment Theorien glaube.” So kann man es sich natürlich leicht machen.

    Übrigens ist eine der für mich faszinierendsten Fragen in dem Zusammenhang, wieso das weibliche Aussehen als genetischer Fitnessindikator beim Menschen so relevant ist, denn der diesbezügliche Aufwand ist eben genau aufgrund der/einer Fassung der parental investment Theorie eigentlich komplette Verschwendung – Männer sollten diejenigen sein, die wie die Pfauen oder Hirsche konkurrieren…

    Ein interessantes Buch, das ich in dem ganzen Zusammenhang empfehlen kann ist “The Mating Mind” von Geoffrey Miller, oder ein recht neues, das ich demnächst mal lesen muß, – G. Geher & G. F. Miller (Hrsg.), Mating intelligence: Sex, relationships, and the mind’s reproductive system (pp. 37-75). Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum, 2007

  3. Quengelware sagt:

    Ja! Danke für den Tip.

  4. access denied sagt:

    Und schon wieder: Jäger und Sammler.
    Der Niedergang der WIsssenschaft ist längst vollzogen und man erkennt das unter anderem daran, dass ihr nichts anderes mehr einfällt. ODer wie es einst ein schlauerer Geist als ich schrieb: “Niemand verlangt mehr von der Wissenschaft, die Welt zu verstehen oder etwas darin zu verbessern. Verlangt wird von ihr, augenblicklich alles Geschehende zu rechtfertigen. Auf diesem Gebiet ebenso dumm wie auf allen übrigen, die sie mit der verheerendsten Unbedachtheit ausbeutet, hat die spektakuläre Herrschaft den riesigen Baum der Wissenschaft zu dem einzigen Zweck gefällt, sich einen Knüppel daraus zu schnitzen. Um dieser letzten gesellschaftlichen Nachfrage einer offensichtlich unmöglichen Rechtfertigung nachzukommen, ist zuviel Denkvermögen nicht angeraten. Dagegen gilt es aber, über eine gute Übung in den Kommoditäten des spektakulären Diskurses zu verfügen. Und in dieser Laufbahn hat, behende und mit viel gutem Willen, die prostituierte Wissenschaft dieser verachtenswerten Tage ihre jüngste Spezialisierung gefunden.”

    Wissenschaft abschaffen

  5. Matze sagt:

    Genau, ich bin auch dafür, die Wissenschaft abzuschaffen. Erkenntnisse entstehen durch intuitive Verarbeitung äußerer Eindrucke, derer man sich nicht erwehren kann. Das Postulat einer Objektivität, die durch Empirie gegeben wäre, ist eh schon lange nicht mehr haltbar, insbesondere da die Methodik jeder Untersuchung, Befragung oder Studie angezweifelt werden kann (siehe hierzu auch den berühmten “Versuchsleiter-Erwartungseffekt”), sofern die Ergebnisse nicht mit der subjektiven und wahren Einschätzung der Wirklichkeit übereinstimmen.
    Was manche Maskus oder Genderfifferenzbefürworter, die immer wieder nichtssagende Studien zur Untermauerung ihrer Thesen bringen, einfach nie verstehen wollen.

  6. Miriam sagt:

    @ access denied und Matze: Wenn der Quatsch, den ihr da schreibt, nicht total off topic wäre, dann würde ich mich jetzt mal eine Runde gewaltig aufregen. So schüttel ich im Vorbeigehen einfach nur den Kopf…

  7. felix sagt:

    Recht hast du Miriam!!!
    [Relativierung von Etwas ist nicht sofort Relativismus]

  8. Judith sagt:

    das problem sehe ich weniger in empirischer forschung als solcher (..hab ich mir gedacht, als ich heute morgen eine aspirin-tablette beim sprudeln zugeschaut habe. danke, bayer, danke ;-)), sondern in den haarsträubenden rückschlüssen, die manche – und zwar in erster linie nicht die forscher selber sondern popularmedienredakteure auf der suche nach einer orginellen schlagzeile – aus einer datenlage meinen schließen zu können.

    dazu kommt in dem fall auch ein unzulässiger zirkelschluss. eigenltich weiß man verdammt wenig über gesellschaftliche strukturen zu “höhlenmenschen-zeiten”. aus beobachtungen heute auf ein damals zu schließen um mit dem damals das heute erklären zu wollen…äh?

  9. Miriam sagt:

    Danke, Judith!

  10. felix sagt:

    what the f… ?!?

  11. Miriam sagt:

    Danke, Mädchenmannschaft!

  12. Barbara sagt:

    Liebe Miriam, liebe Diskutierende,
    ich verweise auf den Begriff “Pop-Darwinismus”.

  13. Miriam sagt:

    Liebe Barbara, kannst du das ein wenig ausführlicher erläutern, ich versteh nämlich nicht so ganz, was du mir/uns damit sagen willst…

  14. Miriam sagt:

    Ich bin noch immer an einer genaueren Erläuterung interessiert, was genau du mit Pop-Darwinismus sagen willst und was der Darwin für den Missbrauch seiner Theorie kann… Das meine ich wirklich ernst, ich kapiers wirklich nicht…

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