Politisch untauglich

von Verena

Es gibt Nachrichten, über die man sich freuen oder wundern kann. Ich bin erst mal für wundern gewesen, als ich Anfang der Woche las, wen Gabriele Pauli als Frauenbeauftragte in ihre neue Partei geholt hat: Kader Loth.
„Kader wer?“, fragen jetzt vermutlich 97,9 Prozent der LeserInnen dieses Blogs, die weitaus besseres zu tun haben, als versierte Boulevard-Kenner zu sein. Frau Loth ist bekannt geworden durch ihr Engagement in der Müll, äh Containershow „Big Brother“ und anderer ähnlich verpolter Produktionen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wo Mutter Natur bei Kader Loth versagt hat, half Vater Schönheitschirurg nach: rundgepumpte Brüste und aufgemotzte Schmolllippen, bloß den IQ hat sich Kader Loth nicht aufrüsten lassen.

Deshalb halte ich auch die Ankündigung der ehemaligen Fürther Landrätin Gabriele Pauli, mit Loth den Kader ihrer frisch gegründeten Partei „Freie Union“ zu verstärken, bloß für den Griff in den Publicity-Notfallkoffer. Denn bis nächste Woche muss die Politikerin 20.000 Unterschriften gesammelt haben, um mit ihrer Partei überhaupt an der Bundestagswahl teilnehmen zu können. Und der Titten-Trick funktioniert immer, wie Schlagzeilen bei spiegel.de oder welt.online beweisen.

Bevor wir aber unsere IQs anstrengen, ob eine Frauenbeauftragte Kader Loth von den Krankenkassen unterstützte Busen-OPs einführen wird, oder ob High-Heels Trägerinnen dann bei der Vergabe von Kita-Plätzen bevorzugt werden, finde ich es viel interessanter, zu überlegen, warum wir einem ehemaligen Playmate von vorneherein ihre politische Kompetenz absprechen?! Und das tun wir doch, oder?

Welche Chance hat eine Frau, deren öffentliche Vergangenheit sexuell geprägt ist, überhaupt, in serösen Tätigkeitsfeldern ernst genommen zu werden? Ich würde mal sagen, gar keine. Denn einmal nackig gemacht, prägt der Stempel „unseriös“ jedes noch so zugeknöpfte Outfit die Trägerin.

Eine Ausnahme hätte die Italienerin Ilona Staller sein können. Gescheitert ist sie vermutlich daran, dass sie auch als Abgeordnete das Cicciolina in ihr nicht ablegen konnte und ihre Aussagen jeweils mit Nippeldemonstration verband. Wie gut, dass mit Silvio Berlusconi Sex-Skandale so gar keine Rolle mehr in der italienischen Politik spielen… Oder wer erinnert sich an den politischen Fehltritt Michel Friedmans, der mit Prostituierten und Drogen seinen Hotelzimmeraufenthalt würzte. Spricht heute kein Mensch mehr von. Anders Gabriele Pauli, die sich, damals noch CSUlerin und Edmund-Stoiber-Angreiferin, gefährlich in ein paar Latexhandschuhen verfing. Das hat niemand vergessen. Und so erinnert sich auch jede und jeder an Kader Loth als D-Promi mit E-Körbchen, die als Frauenbeauftragte einer deutschen Partei nur ein Verzweiflungswitz sein kann.

Ich weiß nicht, was unsouveräner ist, Brüste zeigen oder Prostituierte konsumieren. Über politisches Know-How sagt beides nichts aus. Aber das zu zeigen, dürfte wohl keine der Playmates und FHM-Girls Gelegenheit bekommen. Zu sehr gilt bei einer Frau entweder Verstand oder Körper – schade eigentlich.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 16. Juli 2009 um 8:59 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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10 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Nein, Kader Loth ist nicht poitisch untauglich, weil sie eine sexuell konnotierte Vergangenheit hat, sondern weil Kader Loth politisch ungeeignet ist. Siehe ihre Buchsendung oder die diversen Clips von Kalkofe bei youtube. Politiker sind ohnehin schon mit Vorsicht zu genießen, auch wenn zu ihrer Einbildung und fehlenden Reflexionsfähigkeit nicht noch Lothsche Unbildung hinzu kommen.

  2. Matze sagt:

    Hey, Verena, wusste gar nicht, dass du momentan in Kalau wohnst …

    Zu Kader Loths politischer Tauglichkeit kann ich nicht viel sagen, zu Gabriele Pauli würde ich anmerken, dass die berüchtigten Fotos auf fehlendes politisches Gespür schließen lassen (soweit ich weiß, wollte man auch Edmund Stoiber in entsprechendem Outfit für die Ausgabe fotografieren, aber der lehnte richtigerweise ab).

    Ach ja, und dass Friedmann wieder voll da ist nach der Prostituierten-Geschichte, sehe ich auch ziemlich kritisch.

  3. steve, the pirate sagt:

    Da stimme ich Verena zu: Sobald eine Frau irgendetwas mit Sex und Erotik zu tun hat wird sie nicht mehr ernst genommen.

    Bei Männer: Jungendsünde, Fehltritt (kann doch jeden mal passieren)…
    Bei Frauen: Bimbo, nicht tragbar, nicht vertrauenswürdig, unseriös

  4. Verena sagt:

    Passend zum Thema gerade in der taz entdeckt.

  5. tom sagt:

    Ich nehme eine Frau politisch nicht ernst, wenn sie nicht weiß, was SPD eigentlich bedeutet.

  6. hn sagt:

    also, dass Friedmann „wieder voll da“ sei würde ich nicht sagen. Er nervt doch in einer irrelevanten Sendung nur noch Leute, oder?

    außerdem, mein Argument gegen Loth ist eher, dass sie sich selbst ja scheinbar jeden Intellekt abspricht, nicht wegen ihrer „Körperlichkeit“ (wobei das ja auch recht zynisch ist. Diese „augmentierten“ Körper sind wohl das Gegenteil von „wohlfühlen in der Haut“), sondern weil sie sich für Reality-TV wegschmeißt.

  7. ff sagt:

    also allgemein ist das richtig, dass frauen mit solch einem hintergrund kaum eine chance haben
    aber kader loth ist wirklich ein schlechtes beispiel, weil sie eben außerdem noch strohdoof ist und wenn man sie nur einmal hat reden hören, in ihrer arrogant-snobistischen art, eben als luxusweibchen, das nur stuss von sich gibt zu themen die keinen interessieren, dann findet man sie einfach politikungeeignet, ob sie sich nun halb nackig zeigt oder nicht, würde eine Politikerin so reden, fände ich sie genauso ungeeignet

  8. access denied sagt:

    „, zu Gabriele Pauli würde ich anmerken, dass die berüchtigten Fotos auf fehlendes politisches Gespür schließen lassen (soweit ich weiß, wollte man auch Edmund Stoiber in entsprechendem Outfit für die Ausgabe fotografieren, aber der lehnte richtigerweise ab).“

    Komisch nur, dass er weg vom Fenster ist, sie aber weiter politisch aktiv

  9. Ingrid sagt:

    Manchmal ist in einer Verpackung aber leider auch genau das was draußen drauf steht. Wie eben im Fall Kader Loth. Viel Luft, Selbstverliebtheit und eine gute Portion Blitzlichtgeilheit. Michaela Schaffrath würde ich zum Beispie,l trotz ihrer Gina Wild Vergangenheit, eine politische Karriere zutrauen.

  10. jj sagt:

    Dagmar Whörl. In der CSU…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dagmar_W%C3%B6hrl

    alles nicht immer so eindeutig.