Polen: Verwässerte Frauenquote bringt wenig

von Silviu

Die Frauenquote hat bei den polnischen Parlamentswahlen am 9. Oktober wie erwartet wenig gebracht. Wie erwartet, weil das eine verwässerte Version der ursprünglichen Vorschläge aus den progressiven Zivilgesellschaftsecken ist. Zwar müssen 35 Prozent der Parteilisten mit Frauennamen gefüllt werden, doch nichts garantiert, dass zumindest einige Kandidatinnen auch vorne genug auf den Listen stehen, um eine realistische Chance zu haben. Ergebnis: Ein neuer Sejm, der ähnlich wie der alte von Männern dominiert ist und in dem Frauen nur 23 Prozent darstellen.

Das Armutszeugnis gilt für die meisten Politiker des Landes, die – wie es nur so oft auch in Deutschland passiert – nur eine halbe Reform verabschiedet haben. Doch keine Partei konnte bei diesem Thema Jaroslaw Kaczynskis PiS an Heuchelei übertreffen. Nachdem der rechtskonservative Oppositionspolitiker und ehemalige Premier monatelang die Initiative mit Scheinargumenten bekämpft hatte, stellte er kurz vor der Wahl seine Kandidatinnen vor: Alles junge, stereotyp hübsche und völlig unerfahrene Grazien, die harmlos von den Wahlplakaten lächelten.

Der Trick hat Kaczynski freilich nichts geholfen: Er bleibt höchstwahrscheinlich vier weitere Jahre in der Opposition. Diese Salamitaktik erwies sich dagegen als relativ erfolgreich in den Medien und wurde gerne in Talkshows debattiert. Ab und zu auch in Anwesenheit der besagten chancenlosen Kandidatinnen, die ins Kreuzfeuer der konservativen und liberalen Öffentlichkeit gerieten. Ein peinliches Spektakel.

Nachdem die Reformprojekte mehrerer feministischen Organisationen, sowie von SozialwissenschaftlerInnen ignoriert, bzw. abgeschwächt wurden, fordern jetzt Teile der Zivilgesellschaft eine radikalere Änderung. Bei den nächsten Wahlen soll 50 – 50 Parität und das sogenannte Reißverschlussprinzip (Mann – Frau – Mann – Frau…) auf den Parteilisten gelten. In Polen sind laut Umfragen die Bürger (auch die Männer) für Parität im Parlament. Die Männer im Parlament sind es nicht.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 19. Oktober 2011 um 15:00 Uhr unter Gewalt, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. Wronki sagt:

    Ich bin grad im Erasmus in Krakau und las einst, dass dieses Symbol durch das Gericht gehen sollte um LEGITIMIERT zu werden:
    http://cdn17.se.smcloud.net/t/photos/thumbnails/141721/zakaz_pedalowania_640x0_rozmiar-niestandardowy.png

    so nachdem motto: es darf überall an öffentlichen plätzen hingehängt werden, wo eine „gefahr“ vermutet wird. einige politiker waren geschockt, dass es überhaupt durchgekommen ist. im dezember wurde spekuliert, ob das gericht das nicht irgendwie zurückziehen lassen kann. ich weiß leider nicht, wie es ausgegangen ist.

    doch ich habe zuerst eine frage: euer blog ist großartig, informativ, wichtig. ich möchte mich unbedingt weiterbilden und viel darüber erfahren, aber ich bin ehrlich gesagt ein bisschen geplättet und überfordert mit der informationsflut. wo soll ich anfangen? wie kann ich anfangen? habt ihr dazu irgendwelche vorschläge aufgelistet oder so?

    LG aus PL
    Wronki

  2. Helga sagt:

    @Wronki: In der rechten Seitenleiste ist gerade ein Dossier zum Thema Equal Pay Day und unter http://maedchenmannschaft.net/alle-dossiers/ findest Du weitere Dossiers zu anderen Themen, etwa Slutwalks/Vergewaltigungsentschuldigungen oder Frauenquote – das ist glaub ich ein guter Anfang.