Pick Up Feminism: Aufruf zur Protestaktion in Hamburg am 7. Mai 2015

von Gastautor_in

Dies ist ein Gastbeitrag des Bündnis‘ „Pick Up Feminism – Take down RSD“ (Die Firma „Real Social Dynamics“). Weitere Infos zum Bündnis Pick Up Feminism und „Flirten ohne Creepen“ findet ihr bei Facebook und bei Feminismus 101.

Am Donnerstag, den 7. Mai, soll in Hamburg ein „Schnupperabend“ (Freetour) für sogenannte Pick Up-Artists stattfinden. Dabei soll Männern beigebracht werden, wie sie am besten Frauen* aufreißen können. Veranstalter der Freetour ist die Firma RSD (Real Social Dynamics), zu deren Pick Up-Methoden neben sexueller Übergriffigkeit auch ein Bild von Frauen* als Objekte gehört, die es zu manipulieren gilt um sie gegebenenfalls auch zu sexuellen Handlungen zu nötigen.Bekanntestes Mitglied von RSD ist Julien Blanc, der mit seinen sexistischen, rassistischen und gewaltverherrlichenden Aufreißtipps letztes Jahr negative Schlagzeilen machte. In verschiedenen Ländern erhielt er nach massiven medialen Protesten Einreiseverbot.

Wir, das Bündnis „Pick UpFeminism – Take Down RSD“, wollen diese sexistischen Praktiken und Verherrlichungen einer Rape Culture nicht dulden! Deshalb laden wir alle, denen es genauso geht, ein mit uns gegen das Pick Up-Seminar von RSD vorzugehen. Wir treffen uns am Donnerstag, den 7. Mai um 17:30h am Hamburger HBF (Heidi-Kabel-Platz gegenüber vom Schauspielhaus) für eine gemeinsame Anreise zum Tagungsort der vermeintlichen Pick Up-Artistsum unseren Protest dagegen auszudrücken. Wir wollen dabei auch Passant_innen, Hotelbetreiber_innen und Presse klar machen, dass wir solche Schnupperabende und Seminare in Hamburg oder anderswo nicht dulden werden. Kommt zahlreich und sagt es weiter! Die Aktion ist offen für alle Geschlechter.

[Inhaltshinweis: Sexualisierte Gewalt, Rassismus, Hetero- und Cissexismus]

Ende 2014 sorgte der selbsternannte „Pick-Up-Artist“ Julien Blanc für Schlagzeilen, weil er auf seinem mittlerweile gelöschten Twitter-Account und via Youtube frauenfeindliche „Aufreiß“-Tipps verbreitete. Zurecht entstand eine Welle der Empörung angesichts von Videos, in denen Blanc durch Tokio läuft, die Gesichter von Frauen in seinen Schritt drückt und propagiert, als „weißer Mann“ könne man dort alles machen, oder angsichts von Twitter-Nachrichten, in denen er Dinge versprach wie „Bezahl mich und vergewaltige sie alle“. Blanc gehört der US-amerikanischen Firma „Real Social Dynamics“ (kurz: RSD) an, die damit wirbt, Männern* in mehrtägigen Seminaren beizubringen, wie man Frauen* „rum bekommt“. In Video-Tutorials oder bis zu 3.000 Dollar teuren so genannten „Boot camps“ lehren die Pick-Up-Trainer entsprechend eines mehrstufigen Plans, der vom ersten Ansprechen bis zum Sex reicht, wie die Teilnehmer Frauen* ins Bett bekommen – auch gegen deren Willen.

Die sexistische, rassistische und trans*phobe Pick-Up-Ideologie verleiht sich dabei einen pseudowissenschaftlichen Anstrich, der suggeriert, Frauen* und Männer* seien die einzig existierenden Geschlechter und würden nach je unterschiedlichen, evolutionär bedingten Mustern funktionieren. Frauen* gelten demnach als leicht zu manipulierende Objekte, die dominantes männliches Auftreten bevorzugen würden. Zu den Strategien der Pick-Up-Artists gehört, Frauen* entlang einer auf vielerlei Weise diskriminierenden „Attraktivitätsskala“ (von „Fatty“ zu „Hot Babe“) in Kategorien zu unterteilen, und diese dann via psychologischer Methoden wie „Push and Pull“ – einer Mischung aus Komplimenten und Herabwürdigungen – an sich zu binden.

Ziel der Pick-Up-Artists ist nicht nur, mit möglichst vielen Frauen* zu schlafen, sondern auch, die Frauen* psychisch zu brechen und so „gefügig“ zu machen. Aggressives Verhalten bei Ablehnung seitens der Frau* ist bei erfolglosen Versuchen keine Seltenheit. Die meist weißen, heterosexuellen Teilnehmer können sich des Schutzes durch ihre privilegierte gesellschaftliche Stellung im Zweifel gewiss sein, und nutzen das aus. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen* wird in der Pick-Up-Szene quasi als Wettkampf dargestellt: Je mehr Frauen jemand „physisch geführt“ hat, wie es verharmlosend heißt, als desto stärkeres und damit erfolgreicheres „Alphamännchen“ gilt jemand, und erntet damit Anerkennung.

Die sexistischen und Gewalt verherrlichenden „Aufreiß“-Tipps der Pick-Up-Artists sind ein lukratives Geschäft für RSD: Die Firma gibt regelmäßig ausgebuchte Seminare in 70 Ländern weltweit und ihre Videos erhalten hunderttausende Klicks. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Ideologie der Pick-Up-Artists perfekt einfügt in die Strukturen einer gesellschaftlich dominierenden Rape Culture. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen* passiert tagtäglich und wird durch Mechanismen wie Victim Blaming und Vergewaltigungsmythen, die immer wieder aufs Neue reproduziert werden, verharmlost und normalisiert. In einer Gesellschaft, in der sexuelle Übergriffe noch immer als „Kavaliersdelikte“ verhandelt werden und Opfer sexualisierter Gewalt sich regelmäßig für ihre Kleidung oder ihr Verhalten rechtfertigen müssen, in der es als „normal“ betrachtet wird, dass Frauen* sich jeden Tag in Bars und auf der Straße Kommentare zu ihrem Aussehen anhören müssen, und in der fast jede siebte Frau* von sexualisierter Gewalt betroffen ist, sind RSD und Julien Blanc nicht (nur) als zu verdammende Einzelfälle zu betrachten, sondern Symptom der herrschenden Rape Culture. Dass es Pick-Up-Seminare gibt und sie erfolgreich gebucht werden, ist nur möglich, weil in unserer Gesellschaft Frauen* immer noch als weniger ernst zu nehmende Subjekte bewertet werden, denen gegenüber Gewaltausübung zur Normalität gehört.

Julien Blanc und seinen Assistenten wurden in Australien, Singapur und Großbritannien bereits Einreiseverbote erteilt. Die Hamburger Bürgerschaft verurteilte im Januar zwar die frauenverachtende Praxis der Pick-Up-Artists, das Seminar findet aber nach wie vor statt. Wir, das Bündnis „Pick Up Feminism – Take Down RSD“, haben auf Pick Up-Artists in Hamburg und auch sonst irgendwo keinen Bock. In anderen Städten, wie z.B. Berlin gab es bereits Proteste gegen die Seminare von RSD. Unser Ziel ist, die Free Tour und das Seminar zu verhindern und zu stören. Auch das Hotel, das den Pick-Up-Artists trotz Information des Hotel-und Gaststätten-Verbandes über die menschenverachtende Praxis der Pick-Up-Artists Räume zur Verfügung stellt, soll mit unserem Protest konfrontiert werden.

Wir erleben Tag für Tag schon genug rassistische, trans*feindliche, sexistische Kackscheiße. Macker, die anderen beibringen, wie sie Menschen nach Belieben manipulieren und unterdrücken können, und Hoteliers, die davon profitieren, können wir nicht gebrauchen. Wir wollen nicht nur RSD und Pick-Up-Artists wie Julien Blanc etwas entgegensetzen, sondern Rape Culture als Struktur auf gesamtgesellschaftlicher Ebene bekämpfen. Die Kampagne „Pick Up Feminism – Take Down RSD“ hat sich als queer_feministisches Bündnis aus unterschiedlichen politischen Zusammenhängen zum Ziel gesetzt, der Rape Culture auf verschiedenen Ebenen den Kampf anzusagen. Es geht nicht nur darum, dass RSD in Hamburg kein Raum gegeben werden soll, sondern um den Kampf gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen* überall!

Kommt am 7. Mai um 17.30 Uhr zum Reisezentrum im Hamburger HBF (Eingang Heidi-Kabel-Platz gegenüber vom Schauspielhaus) zur gemeinsamen Anreise zum Tagungsort von RSD! Lasst uns Passant_innen, Hotelbetreiber_in und Presse klarmachen, dass wir Pick-Up-Artist-Schnupperabende und -seminare in Hamburg oder anderswo nicht dulden! Bringt Transpis und Trillerpfeifen mit! Lasst uns laut sein und Rape Culture nicht unkommentiert lassen!

Smash Rape Culture!
Pick Up Feminism! Take Down RSD!
Kommt zahlreich und sagt es weiter!
All genders welcome.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 5. Mai 2015 um 13:52 Uhr unter Aktivismus, Gewalt, Sex_ualität. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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