Nudeldicke Deern. Free your mind and your fat ass will follow

19. Januar 2015 von Magda

Anke Gröner ist ein bisschen so wie die große Schwester, die ich mir immer gewünscht habe (aber leider nie hatte). Nachdem die Bloggerin an einem fünftägigen Food-Coching teilnahm, hatte sie viele Erkenntnisse – und verarbeitete diese 2011 zu einem Buch. Mit „Nudeldicke Deern. Free your mind and your fat ass will follow“ hat Anke ein über 200-seitiges Manifest für das gute Leben verfasst, in dem sie grundlegend drei Tipps an die Hand gibt: „Mach keine Diät, iss gutes Zeug (…) Hör auf, andere Frauen zu beurteilen“ (S. 187).

Nudeldicke Deern CoverUnd wie es bei Schwestern so ist, würden wir uns sicherlich auch mal so richtig zoffen. Mal malte ich dicke Herzen an den Rand des Buches, zum Beispiel als Anke beschreibt, wie sie nachts im engen Glitzerkleid und mit wehendem Armfett als Fat Wonderwoman über Deutschland fliegt und dicken Frauen im Schlaf Komplimente macht (vielleicht ist das eine Phantasie, aber was tut das schon zur Sache!!).

Mal schnaubte ich beim Lesen genervt, z.B. wenn irgendwelche Mutmaßungen darüber angestellt werden, warum Menschen dick werden (Ursachenforschung wird ja immer nur dann betrieben, wenn mensch das vermeintlich „Anormale“ erklären möchte). Ärgerlich ist auch, wenn einerseits mit Ernährungsmythen aufgeräumt wird (yeah!) und im nächsten Moment doch wieder die alte Mär des „guten“ und „schlechten“ Essens wiederholt wird: Fertigprodukte immer doof. Teurer Biowein, teurer Fisch oder ausgefallenes Öl immer toll. In einem Brief, den Anke Gröner meinem Rezensionsexemplar beilegte, schreibt sie reflektierend: „Inzwischen bin ich deutlich gelassener geworden, was Lebensmittel angeht. Beim Thema Diäten und Dickenhass bin ich allerdings noch genau da, wo ich 2011 war, als ich das Buch schrieb“.

Und genau da liegt die absolute Stärke des Buches, der den zweiten und weitaus größeren Teil von „Nudeldicke Deern“ ausmacht: Anke diskutiert, wem Diäten nützen (nämlich der milliardenschweren Diätindustrie und deinem erhöhten Stresspegel), welche Gesundheitsmythen existieren und was Selbstakzeptanz für sie im Alltag bedeutet. Sie gibt hilfreiche Tipps für Kleidungsgeschäfte, Rezepte und Blogs zu Essen und Körperakzeptanz. Und genau deshalb mag ich das Buch so gerne. Anke lässt uns teilhaben an ihrem persönlichen Prozess, in dem sie lernt ihren Körper und sich selbst besser anzunehmen und eine Ernährungsweise findet, mit der sie sich wohl fühlt. Sie gibt dabei sehr viel preis von sich, stilisiert sich aber nicht zum Maß aller Dinge. Das macht sie und das Buch sehr sympathisch. Passenderweise schreibt Anke am Ende des Buches: „Hör nicht auf mich. (…) Hör nur auf dich, denn du weißt am besten, was dir guttut.“ (S. 212).

Anke Gröner (2011): Nudeldicke Deern. Free your mind and your fat ass will follow. Rowohlt Taschenbuch Verlag.




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Selbermach-Sonntag (18.01.2015)

18. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft

selberWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.




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Samstagabendbeat mit Melo B. Jones

17. Januar 2015 von Charlott

Zu diesem Samstagabend kommt der Beitrag von der südafrikanischen Künstlerin Melo B. Jones. Zum Soundtrack lässt es sich dann auch noch wunderbar durch ihren Tumblr- und Instagram-Feed scrollen.




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Feminist Fun Friday: Die “Reiche Leute sind auch arm dran!”-Edition

16. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft

Manche Dinge kann Geld nicht kaufen. Was Mastercard schon lange weiss, beklagt nun auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in einem gestrigen Artikel, der uns “Robert Neunkirch” (ein Pseudonym) vorstellt, einen “Spitzenverdiener,” der es doch nie aus dem “guten Vorort von Frankfurt” rein in die Millionenvillen des Taunus schaffen wird. Ab wann ist man reich?, fragt die FAZ, und sie und Neunkirch resümieren gleich, dass 10.000 Euro brutto im Monat schon nicht schlecht sind, da aber noch viel Luft nach oben bleibt, schließlich trifft uns dieser Kapitalismus letztlich ja alle. Neunkirch ist kein Bootsbesitzer und geht auch nicht jedes Jahr Skifahren, aber Steuern müssen er und andere trotzdem zahlen – es ist wie ein Fluch, der sich über Besserverdiener_innen gelegt hat.

Dass 60 Prozent des Vermögens in Deutschland auf zehn Prozent der Bevölkerung versammelt ist, bleibt bei solchen Qualen natürlich Nebensache. Der Artikel entlarvt den “Durch harte Arbeit zum_zur Millionär_in werden kann jede_r!”-Mythos einer vermeintlichen “Leistungsgesellschaft”, und doch wird Neunkirch, stellvertretend für gutverdienende (aber nicht tatsächlich speerspitzenverdienende, menno…) Menschen, als ein hart getroffenes Opfer des Systems und als eigentlich wohlmeinender Sündenbock für missgünstige, da ärmere Menschen dargestellt, als das schwer gegängelte Fundament der Gesellschaft. Kapitalismuskritik? Fehlanzeige. Wenn, dann ein Hauch von “schaffendem” gegen “raffendes” Kapital, dem latent antisemitischen Argumentationsmuster derjenigen, die Kapitalismus dann kritisch sehen, wenn sie selbst zu wenig erben; wenn sie dann doch nicht bei dem einen Prozent, dem wiederum fast ein Viertel des Gesamtvermögens gehört, dabei sind.

Die Einkommensschere, Hartz-4-Reformen und Ausbreitung des Niedriglohnsektors, Mindestlohn-Ausnahmen, Gender Pay Gap, Quotendiskussionen, besondere Armutsrisiken für Alleinerziehende und der Fakt, dass Asylbewerber_innen bis vor zwei Jahren 225 Euro pro Monat zum Leben zur Verfügung stand, müssen fast gänzlich unerwähnt bleiben in dieser Selbstmitleidsinszenierung einer weißen, deutschen Oberschicht, die keine Yacht besitzt. Natürlich ganz zu schweigen davon, dass man nicht umsonst zum Beispiel zwischen absoluter und relativer Armut unterscheidet und das wiederum Beschwerden über mäßigen bis großen (aber eben tragischerweise nicht größten) Reichtum in Relation setzt.

Trotz der harten Verhältnisse “gönnt” sich Neunkirch aber auch mal was, sagt er – das beruhigt uns. Wir gönnen es ihm. Und uns gönnen wir eine bebilderte Kommentierung der schönsten Blüten dieses Artikels. Immerhin.

[Übrigens: Falls der Feminist Fun Friday bei euch GIF-Alarm auslöst, findet ihr hier eine Anleitung, um diese zu deaktivieren.]

“Seit Robert  Neunkirch weiß, dass er reich ist, schläft er schlecht. Nachts hört er  es manchmal knacksen im Haus, als stiege ein Einbrecher durchs Fenster  ein. Er streitet sich fast täglich mit seiner Frau, weil sie eine Sauna  im Keller will, er das aber für Geldverschwendung hält. Früher, sagt  Robert Neunkirch, war er eigentlich ganz entspannt. Dann kam vor drei  Jahren mit der neuen Stelle eine Gehaltserhöhung, und seitdem ist  Neunkirch reich, zumindest auf dem Papier.”

     

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Zum Mord an Khaled Idris Bahray

15. Januar 2015 von Charlott

Khaled Idris Bahray war 20 Jahre alt und aus Eritrea nach Deutschland geflohen. Mit anderen Geflüchteten lebte er gemeinsam in Dresden, eben jener Stadt mit den seit Monaten größten Pegida-Demonstrationen und wo nach einer dieser Demonstrationen im Dezember migrantisierte Jugendliche angegriffen wurden. Am Montag Abend verließ Khaled Idris Bahray seine Unterkunft um noch etwas einkaufen zu gehen. Er kam nicht zurück. Dienstagmorgen wurde er im Innenhof der Wohnsiedlung tot aufgefunden. Mekonnen Mesghena, der mit einigen seiner Mitbewohner_innen gesprochen hatte, postete auf Facebook:

Die Freund*innen und Mitbewohner*innen von Khaled Idris gehen von gewaltsamer Tötung aus, weil sie seine Leiche blutüberströmt und mit sichtbaren Verletzungen vorgefunden haben. Sie selbst stehen unter Schock und fürchten ähnliches Schicksal. Regelmäßig werden die Bewohner*innen der Unterkunft beschimpft und bedroht. Montags trauen sich die Flüchtlinge kaum aus ihrer Unterkunft, weil immer wieder aggressive Teilnehmer/innen der Pegida-Demonstrationen an ihre Eingangstür treten und die Bewohner*innen beschimpfen.

Und die Polizei? Diese verkündete zunächst, dass es keinerlei Hinweise auf ein Fremdeinwirken gebe (eine ‘Tatsache’, auf die sich übrigens dann auch viele erst einmal in den sozialen Netzwerken bezogen und damit eine erschreckende Polizeigläubigkeit zu Tage legten). Man möchte sich nicht ausmalen, wie der Fall weiter behandelt worden wäre, hätte es nicht so schnell eine Öffentlichkeit und kritische Nachfragen gegeben. Gestern, nach der Obduktion, bestätigte der Dresdener Polizeipräsident Dieter Kroll nun doch, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt. Auf Trollbar heißt es:

Die [erste] Pressemeldung [zum Tod] liest sich, als sei er einfach umgekippt. Dass das Opfer erstochen worden war, darüber findet sich keinerlei Informationen. Auch nachdem die Polizei mittlerweile zugeben musste, dass ein Tötungsdelikt vorliegt, hat sie die Informationen auf ihrer Website nicht aktualisiert. Stattdessen schwafelt sie in ihrer aktuellen Pressemitteilung (heute, 14 Uhr) von einem missglückten Handtaschenraub und von zig Einbrüchen. Und der Clou: Für einen Unfall mit Sachschaden (!!!) sucht die Polizei Zeugen, für den Mord an dem Mann nicht. Ist ja nur ein Ausländer.

Wie kann eine sich jetzt die folgenden Ermittlungsarbeit vorstellen, wenn doch schon bereits von an Beginn an der Fall offensichtlich nicht ernst genommen und Gewalt vertuscht wird? Von einer Polizei, die auch nach den Angriffen im Dezember von einer betroffenen jungen Frau die Anzeige erst gar nicht aufnehmen wollte, da ihr unterstellt wurde, die Verletzungen sich selbst zugefügt zu haben? Wie soll diese Polizei (in Zusammenarbeit mit anderen Behörden) einem sehr wahrscheinlichen rassistischen Tathintergrund nachgehen, wenn doch die gesamte Polizeiarbeit eindeutig rassistisch strukturiert ist?

Von Pegida-Anhänger_innen und anderen Rassist_innen wird der Mord in jedem Fall im Netz bereits gefeiert. Und die mediale Berichterstattung schafft es auch kaum ohne Rassismus, so wird in fast jedem Text von “dem Afrikaner” gesprochen, als habe er kein Herkunftsland und vor allem keinen Namen.

Denn eines steht fest: Ein junger Mann, Khaled Idris Bahray, ist tot. Er wurde umgebracht. Unser Mitgefühl sollte seiner Familie und seinen Freund_innen gelten. Und unser Blick auf die weiteren Ermittlungen und Berichte gerichtet sein – um immer wieder und wieder kritische Nachfragen zu stellen.

In Dresden fand gestern eine erste Gedenkveranstaltung statt. In Berlin sollen heute zwischen 9 und 18 Uhr Kerzen und Blumen vor der Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund (Brüderstraße 11, 10178 Berlin) abgelegt werden.




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Dickes_Fettes Empowerment, Nice-Guy-Seximus und Asylpolitik – kurz verlinkt

14. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Links

Magda spricht im Interview mit Raum für Notizen (ALEX Berlin) über Dickenfeindlichkeit, Queer_Feminismus und das Musikmachen.

Wenn rechtspopulistische Kreise gewinnen: Zu den Debatten um Sexualpädagogik und Antidiskriminierung” schreibt Heinz-Jürgen Voß auf Das Ende des Sex.

kritisch-lesen.de hat ein Interview mit der Wissenschaftlerin und Aktivistin Silvia Federici übersetzt und veröffentlicht. Es geht um Care-Arbeit und ihren Stellenwert in emanzipatorischen Debatten.

Und noch ein tolles Interview: Christine Stonat von Weird hat mit Künstler_in Yori Gagarim über seine_ihre Arbeit gesprochen.

Interview Nr. 4 in der heutigen Linksammlung: ein kurzes Gespräch mit Undine de Rivière, Pressesprecherin des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen, hat Anne Hünninghaus für pressesprecher.com geführt.

Fußballschiedsrichterin Bibiana Steinhaus ist vergangene Woche zur Weltschiedsrichterin gewählt worden, berichtet die HAZ. Herzlichen Glückwunsch!

Das Migazin erläutert, welchen Einfluss die angestrebten Staatsverträge mit muslimischen Religionsgesmeinschaften in Berlin und Niedersachsen auf das Kopftuchverbot für Lehrerinnen haben könnten.

Der rbb berichtet: Hunderte Geflüchtete protestierten jahrelang in Berlin gegen die deutsche Asylpolitik – auf dem Oranienplatz und in einer besetzten Schule. Im vergangenen Jahr sagte der Senat ihnen eine umfassende Prüfung ihrer Einzelfälle zu. Das vorläufige Ergebnis: Nur drei der Geflüchteten erhalten Bleiberecht. (Siehe dazu auch unser Dossier Asyl, Flucht und Protest.)

“Charlie Sein oder Nichtsein?” – die Süddeutsche Zeitung trägt Stimmen zusammen.

Englischsprachige Links

Ein sehr beeindruckender Poetry Slam von drei Teenagern, die in 3,5 Minuten (fast) alle Themen auf den Tisch packen: Armut, Rassismus, Ausbeutung, Homofeindlichkeit und (sexualisierte) Gewalt.

Vom 15. bis 21. Juni findet das ShanghaiPRIDE Film Festival statt. Beiträge können eingereicht werden!

Michael Tedder schreibt bei Pitchfork über “Nice Guy”-Sexismus im (Alternative/Indie)Rock – propagiert auch von dem extrem erfolgreichen Popmusiker Ed Sheeran.

Unterschiede in medialen Berichterstattungen zu den Anschlägen in Paris und den Anschlägen in Nigeria kommentiert Matt Schiavenza bei The Atlantic.

Termine in Berlin und Frankfurt am Main

15.01. in Berlin: “„…dass Frauen da nicht viel zu sagen haben und eigentlich an den Kochtopf gehören.“ – Geschlechterstereotype im Blick auf das Netzwerk des NSU”: NSU-Watch lädt ein zu einer Diskussionsveranstaltung im Projektraum/Hermannstr. 48 (Facebook-Link).

17.01. in Berlin: “Oury Jalloh – Oranienplatz – Ohlauer Strasse. The Impact of European Refugee Policy in Europe“. Anlässlich des zehnjährigen Jahrestages des Todes von Oury Jalloh findet eine szenische Lesung von The Most Unsatisfied Town von Amy Evans und eine Podiumsdiskussion statt.

22.01. in Berlin: Lesung der senegalesischen Schriftstellerin Ken Bugul. (FB-Link)

30.01. in Frankfurt: Storytelling Salon – Vier Geschichten über “Bewegung”: Eine Auftaktveranstaltung zum dritten Black History Month in Frankfurt.




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Lesbisch_queere Bücherwelten: Lesbengeschichte(n)

13. Januar 2015 von Julia

Heute lege ich euch einige biografische Bücher ans Herz, die (vergangenes) lesbisches Leben und/oder das politische Engagement von Lesben würdigen.

Johanna Elberskirchen (1864-1943) war proletarisch-kleinbürgerlicher Herkunft, politisch klar links und äußerst aktiv: Sie war in der Sozialdemokratie engagiert, im radikalen linken Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung und als offen lebende ‚Homosexuale‘. Das detailreiche und zugleich fesselnd geschriebene Sachbuch Keine Tochter aus gutem Hause: Johanna Elberskirchen (1864 – 1943) von Christiane Leidinger lässt nicht nur Leben und politisches Wirken Elberskirchens, sondern umfassend auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Kämpfe der Zeit greifbar werden: von den Anfängen des ‚Frauenstudiums‘ über Sozialdemokratie, ArbeiterInnenbewegung und die bürgerliche und proletarische Frauenbewegung bis hin zum Nationalsozialismus.

 

In einer Mischung aus Sachbuch und Fiktion erzählt Die Geschichte der Sidonie C. (1900-1999) von Ines Rieder und Diana Voigt die fast 100-jährige Lebensgeschichte von Sidonie C., einer berühmten lesbischen Patientin Sigmund Freuds. Nach den Freud’schen Therapiesitzungen trifft sich die aus dem Großbürgertum stammende Lesbe heimlich mit ihrer Angebeteten – um über Freud zu lästern. An Klassenerhalt orientiert, aber vor allem politisch desinteressiert, flüchtet sie – katholisch getauft, aber mit jüdischen Wurzeln – erst sehr spät aus dem nationalsozialistischen Wien. Packend geschrieben und lehrreich obendrein, lässt die zwei Weltkriege umfassende Biografie (nicht nur) lesbisches Begehren zwischen Heimlichkeit, Selbstverständlichkeit und Sanktionen lebendig werden.

 

Keine lesbische Biografie im engeren Sinne, aber ein wunderbares Bewegungsbuch, das eben auch Leben und Engagement Audre Lordes (1934-1992) würdigt: Euer Schweigen schützt euch nicht. Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland, herausgegeben von Peggy Piesche. Der Sammelband präsentiert eine schöne Auswahl an Gedichten, Aufsätzen und Gesprächen von und mit Audre Lorde, die durch ihre Berlin-Aufenthalte, ihre Lesungen in ost- wie westdeutschen Städten, ihre Vorträge und Workshops, ihren Aktivismus und ihr Schreiben eng verbunden ist mit der Entstehung der hiesigen Schwarzen (Frauen-)Bewegung. Zugleich zeichnet der Band die Anfänge und die Entwicklung der Schwarzen Frauen-/Lesbenbewegung in der BRD auf sehr lebendige Weise nach: in Gesprächen, Prosatexten und Gedichten. Zu Wort kommen damalige und gegenwärtige Aktivistinnen, Denkerinnen und Dichterinnen of Color, viele davon lesbisch.

Zum Schluss will ich euch noch rasch aufmerksam machen auf Von-mir-noch-nicht-Gelesenes-aber-Vielversprechendes. Erstens: Pregnant Butch. Nine Long Month Spent in Drag, eine neue autobiografische Graphic Novel zum Thema queere Elternschaft. Die Zeichnungen von A.K. Summers sind inspiriert durch ihre eigenen Erfahrungen als schwangere Butch. Diesen einmaligen und vielversprechenden Fund will ich euch nicht vorenthalten, Leseproben sind hier zu finden.

Und zweitens: Die erste Programmvorschau des neu gegründeten Verlags w_orten & meer. verlag für antidiskriminierendes handeln ist raus. Sie verspricht Analytisches und Kritisches, Empowerndes, Persönliches und Poetisches: zu Kämpfen, Glück und Leben jenseits, nach, zwischen, ohne Gender und zu Rassismus an deutschen Hochschulen. Im Frühjahr ist es soweit. Bis dahin: gespannt sein und vorfreuen.




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Fahrverbot für Trans*Personen?

12. Januar 2015 von Jayrôme

Am 6. Januar 2015 hat Russland eine Verordnung verabschiedet, die dazu führt, dass u.a. Trans*Menschen keine Führerscheinprüfung mehr ablegen dürfen.
Hier mein Kommentar dazu.

***

Update vom 14. Januar 2015 – hier die deutsche Transkription vom Video:

Fahrverbot für Trans*Personen?

Sollen Transgender, Transexuelle, Transvestisten und dazwischen und darüber hinaus Auto fahren dürfen?

Das ist die Frage, die sich die russische Regierung gestellt hat.

Und so: Anfang Januar hat Moskau eine Verordnung verabschiedet, die ein Fahrverbot unter anderem für Trans*Menschen bedeutet.

Denn laut internationalen Krankheitskatalogen leiden Trans*Leute an Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.

Klar, Menschen wollen sicher fahren, ich meine sicher wollen sicher Leute sicher fahren, wir brauchen sichere Straßen und einen sicheren Verkehr.

Wenn ihr glaubt, Unfälle seien auf mehrere Ursachen zurückzuführen, wie zum Beispiel:
überhöhte Geschwindigkeit, Reifendefekt, Ermüdung, Alkohol, schlechte Sicht, rutschige Böden
… habt ihr euch geirrt.

Die meistens Verkehrsunfälle werden von Transvestiten verursacht, die am Steuer ihren Lippenstift im Innenspiegel auflegen, von Trans*Männern, die beim Fahren ihre Krawatte wieder zurechtmachen, von Transsexuellen, die mit ihrer Wahnvorstellung, einem anderen Geschlecht zuzugehören, so beschäftigt sind, dass sie an nichts anderes mehr denken können – wie sollen sie sich auf die Straße konzentrieren ?

Um Missverständnisse zu vermeiden:
1. Das Autoverbot gilt nur, wenn eine offizielle Diagnose vorliegt. Conchita Wurst darf weiter fahren.

2. Das Fahrverbot gilt nicht nur für Trans*Leute. Auf der Liste der neuen medizinischen Einschränkungen für eine Fahrerlaubnis stehen u.a. auch krankhaftes Glücksspiel, zwanghafter Diebstahl oder Fetischismus …

Interessant. Wenn Fetischismus ein Grund ist, warum Menschen nicht Autofahren dürfen, wird es viele hart treffen, wo doch für viele, die ein Auto besitzen, den Wagen selbst zu einem Fetisch wird.

Laut Statistik ereignet sich jeder vierte Unfall – Autounfall – in Russland aufgrund
schlechter Straßen, Alkohol und Unachtsamkeit der Fußgänger*innen.

Klar, das ist teuer, die Straßen zu verbessern. Teuer, Anti-Alkohol-Kampagnen zu machen. Und mehr Achtsamkeit kostet mehr Zeit für Fußgänger*innen.

Viel effektiver ist, bestimmte Bevölkerungsgruppen vom Lenkrad fernzuhalten.

Das Problem ist: Aus Angst vor einem möglichen Fahrverbot werden … könnten einige Menschen vermeiden, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schade bei Glücksspielsucht oder zwanghaftem Diebstahl.

Für Trans*Menschen sieht es folgendermaßen aus:
Laut ICD, d.h. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben wird, leiden wir wie gesagt an Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.
In den meisten Ländern werden wir zur Diagnose gezwungen, um Hormone zu bekommen. Oder um eine Personenstandsänderung zu vollführen.

Trans*Menschen werden strukturell benachteiligt: auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungsmarkt, im Gesundheitswesen, im Bildungswesen … Jetzt sollen sie auch noch nicht mehr fahren dürfen? Zu Hause bleiben? Super. So können sie sich prima um die Kinder kümmern. Nur schade, dass Trans*Leute in Russland keine Kinder kriegen dürfen, da für die Personenstandsänderung immer noch gesetzlich vorausgesetzt wird, dass ein Mensch zwangssterilisiert wird.

Also. Inwiefern beeinflusst Gender-Identität die Fähigkeit eines Menschen, ein Auto sicher fahren zu können?

Und macht es überhaupt Sinn, das Geschlecht auf dem Führerschein und sonstigen Ausweisen zu vermerken?

Sogenannte „Geschlechtsidentitätsstörungen“ müssen ersatzlos aus Krankheitskatalogen gestrichen werden.




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Sexismus als Fließband-Hit – Der Rapper Cro

12. Januar 2015 von Viruletta

In einem Gespräch mit einer Freundin über die musikalischen Idole unserer Jugend (Nirvana HoleBikini Kill ♥) erzählte diese mir kürzlich, dass ihre 13-jährige Schwester aktuell auf niemanden so sehr abfahren würde, wie auf den Rapper Casper. „Naja. Ich habe den Eindruck, in ihrem Alter stehen alle gerade entweder auf Casper oder auf Cro. Ich bin froh, dass sie sich für Casper entschieden hat”, fügte sie hinzu. Ich konnte verstehen, was sie meinte. Auch wenn Casper kein Künstler ist, den ich einem jüngeren Geschwisterkind ans Herz legen würde (unter anderem aufgrund dieses extrem sexistischen und gewaltvollen Liedtextes aus seiner musikalischen Vergangenheit, von dem er sich meines Wissens nach niemals distanziert hat), halte ich ihn immer noch für weitaus erträglicher als seinen Kollegen Cro. Denn im Gegensatz zu Casper, der sich nach seinem Durchbruch in Deutschland textmäßig zumindest zurückhält, beschreibt Cro offen sexistische Gewaltfantasien, ohne dass das seinem Erfolg in irgendeiner Weise schaden würde.

Bemüht sich um ein "niedliches" Image: Der Rapper Cro.

Bemüht sich um ein “niedliches” Image: Der Rapper Cro. Bildquelle: Wikipedia.

“Softer” Rapper mit Gewaltfantasien

Doch wer ist eigentlich dieser Cro? Ein deutscher Rapper, Jahrgang 1990, der seine Musik selbst als “Raop” (eine Mischung zwischen Rap und Pop) bezeichnet. Gemeinsam mit Casper bestimmt er aktuell den deutschen Hip Hop-Mainstream. Die beiden werden dabei als “softe Rapper” gehandelt und bilden einen vermeintlichen Gegenpol zum deutschen Gangster-Rap a la Aggro Berlin, zu dem Sido oder Bushido gezählt werden. In der Tat scheint Cro sich Mühe zu geben, sein vermeintlich harmloses Image zu stützen. Ebenso wie einige seiner Kollegen trägt auch er eine Maske vor dem Gesicht, nur dass seine nicht furchteinflößend, sondern eher niedlich ist: ein Pandabär. Seine Lieder haben keine aggressiven Beats, sondern stattdessen fröhlich vor sich hindudelnde Poptöne. Hits vom Fließband. Und genauso wird er auch von der deutschen Medienlandschaft gehandhabt. Erst im Dezember 2014 räumte er bei Deutschlands größtem Radio-Award, der 1Live-Krone, sowohl den Preis für das beste Album, wie auch den für die beste Single ab.

(Inhaltswarnung: Im folgenden werden Auschnitte aus Songtexten zitiert, die unter anderem Aufrufe zu sexistischer Gewalt und anderen Sexismus beinhalten.)

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Selbermach-Sonntag (11.01.2015)

11. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Was hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.




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