Eine Lanze für „13 Reasons Why“ und Anti-Diät-Tag forever – kurz verlinkt

11. Mai 2017 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

In der ZEIT erschien ein Interview mit der Holocaust-Überlebenden Renate Lasker-Harpprecht.

„13 Reasons Why“ geguckt und noch nicht so sicher was Ihr damit anfangen wollt? Dann empfehlen wir Euch diesen superguten Beitrag von Steinmädchen. Wer die Serie noch nicht geguckt hat: Achtung, Spoiler!

Ausbildung als Privileg? Hannah veröffentlichte einen sehr lesenswerten Text auf ihrem Blog: in einem anderen Kampf.

Warum jeder Tag Anti-Diät-Tag sein sollte: Dazu sagt Hengameh ein paar Takte.

Geflüchteten Redakteur_innen von Freien Radios im deutschsprachigen Raum soll es ermöglicht werden, sich beim jährlichen Radiocamp am Bodensee auszutauschen und gemeinsam und voneinander zu lernen. Zur Kampagne geht es: Hier.

Das feministische Ökonominnennetzwerk efas vergibt den jährlichen Nachwuchsförderpreis, honoriert werden Diplomarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten oder Dissertationen. Bewerbungsunterlagen können bis Ende Juli gesendet werden. Weitere Infos: Hier.

In Duisburg wurde am 3. Mai eine Café-Inhaberin erschossen. Die Initiative NSU-Watch fordert die Sicherheitsbehörden auf, insbesondere in Richtung Rechtsextremismus zu ermitteln – dazu erschien ein Text im migazin.

englischsprachige Links

Die Mitgründerin des Blogs Women Are Boring, Grace McDermott, ist im Alter von 26 Jahren überraschend verstorben. Neben einem Nachruf wurde auf dem Blog zu einer Spendenaktion aufgerufen: „Charity Donations in Honour of Grace Mcdermott (1990-2017)„.

Wer vergewaltigt wurde, läuft in den USA Gefahr keine Krankenversicherung mehr zu erhalten. Mehr dazu nachlesen könnt Ihr hier.

Termine in Berlin, Heidelberg, Kiel und Potsdam

Vom 11. bis 14. Mai findet in Berlin das XPOSED International Queer Film Festival statt.

Vom 12. bis 14. Mai in Potsdam könnt Ihr den F_antifa-Kongress beehren.

Ebenfalls bis einschließlich Anfang Juni gibt es in Magdeburg eine F-Antifa-Veranstaltungsreihe, alle Termine findet Ihr hier.

13. Mai in Berlin: Das Queer Zine Fest Berlin steht wieder an. Table können noch angemeldet werden.

Dann waren da noch:

2. – 5. Juni in Kiel: Lesbenfrühlingstreffen 2017.

9. – 11. Juni in Kiel: Save the Date! LaDIYfest Kiel.

15. – 18. Juni in Heidelberg: Das Lady*fest Heidelberg findet statt!

14. bis 16. Juli in Berlin: Festival für ein offenes und solidarisches Neukölln. (Es werden noch Leute zum Mitmachen gesucht!)

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?




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Fat Studies in Deutschland: Von Diskriminierung, Dickenaktivismus und kreativen Gegenstrategien

6. Mai 2017 von Magda

Pünktlich zum Internationalen Antidiät-Tag ist vor wenigen Wochen der wissenschaftliche Sammelband „Fat Studies in Deutschland. Hohes Körpergewicht zwischen Diskriminierung und Anerkennung“ im Beltz Verlag erschienen.

Neben WissenschaftlerInnen kommen zu diesem Thema erstmals auch Sozialpädagoginnen, Expertinnen aus der Mädchenarbeit, Künstlerinnen und Fat Aktivistinnen zu Wort, was sich in der Themenvielfalt, der Sprache und den Perspektiven niederschlägt und die Lesefreude (für mich) erheblich erhöhte.

Nach einer Annäherung an das akademische und eher im englischsprachigen Raum angesiedelte Feld der Fat Studies thematisieren die AutorInnen Dicksein und Gewichtsdiskriminierung (in einem deutschen Kontext) und nehmen ökonomische und politische Verhältnisse, das (Antidiskriminierungs-)Recht, mediale Bilder oder die soziale Arbeit in den Blick. Auch zu finden sind Themen wie fette Kunst und Theater oder Sex. Die Beiträge stellen einen exzellenten Ausgangspunkt für weitere (intersektionale) politische, kulturelle und wissenschaftliche Analysen und Debatten dar.




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Anti-Diät-Tag: Weltbeste Erdbeertorte

6. Mai 2017 von Charlott

Heute ist Anti-Diät-Tag. Magda hat bereits vor drei Jahren passend zusammengefasst, worum es an diesem Tag nicht geht (Beschämen individueller Diäterfahrungen) und worauf der Fokus liegen sollte (Strukturen kritisieren, dicke Körper feiern). Auch lohnt sich heute – wie auch die anderen 364 Tage im Jahr – ein Blick in unsere Reihe (Mein) Fett ist politisch.

Was auch politisch ist? Essen als dicke Person. Wenn schlanke Menschen zum Teil abgefeiert werden, wenn sie Pizza mampfen und Torte preisen (hallo, Lorelei und Rory Gilmore), so sieht das häufig sehr anders aus bei dicken Menschen, wenn sie sich (wohl möglich noch in aller Öffentlichkeit) Pommes oder besten Kuchen in den Mund schieben.

Das folgende Rezept macht meinen dicken Körper glücklich. Und vielleicht eure ja auch. Lasst es euch schmecken und bleibt widerständig!

Zutaten (ausreichend für eine 22cm-Springform):
Boden:
20 fein zerbröselte Oreo-Kekse
60g Butter, geschmolzen

Füllung und Dekoration:
50g Kokosflocken
680g Frischkäse, glatt gerührt
50g weißen Zucker
20g braunen Zucker
1 TL Vanille-Extrakt
1 TL Kokosnuss-Extrakt
100g zerbröselte Vanille-Waffeln
230g aufgeschlagene Sahne
Erdbeeren je nach Größe
etwas Erbeersauce zur Dekoration

Anleitung:
1. Kokosflocken auf Backpapier ausbreiten. Bei 160 Grad im Ofen für ca. 5-10 Minuten backen. Die Flocken sollten goldenbraun sein. Zum Kühlen zur Seite stellen.

2. Geschmolzene Butter mit Oreo-Keks-Krümeln verrühren und die Masse auf den Boden der Springform fest drücken.

3. Frischkäse mit weißem Zucker, braunen Zucker und den beiden Extrakten gut verrühren.
4. Zur Frischkäsemasse die Kokosflocken und zerbröselten Vanille-Waffeln hinzufügen und noch einmal verrühren.
5. Sahne unter die Masse geben und dann die Füllung auf dem Boden verteilen.
6. Die Torte muss etwa 4-5 Stunden im Kühlschrank fest werden. (Ja, das warten ist schwer.)

7. Torte mit Erdbeeren und Erdbeersauce dekorieren.
8. Essen!




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„Innerhalb des psychiatrischen Systems kann es keine echte Emanzipation geben“

4. Mai 2017 von Nadine

Peet Thesing ist Kulturwissenschaftlerin, Wendotrainerin für feministische Selbstverteidigung und Selbstbehauptung und Aktivistin. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Psychiatrie, der Konstruktion von psychischen Krankheitsbildern und feministischen Widerstandsstrategien. Im März erschien ihr Buch über feministische Psychiatriekritik im Unrast Verlag. Wir sprachen mit Peet über Anerkennung von Leid und Diagnosen und Alternativen zu Therapie und Psychiatrie.

Wer in dieser Gesellschaft welche Diagnose bekommt und wessen Situation und Verfassung medizinisch anerkannt wird, wird durch gesellschaftliche Machtverhältnisse und Diskriminierung bestimmt. Einerseits sind viele von uns permanenter Psycho_Pathologisierung ausgesetzt, andererseits werden bestimmte Wahrnehmungen, Verfassungen und Lebenssituationen von Mediziner_innen nicht ernst genommen. Braucht es diskriminierungssensible / machtkritische Diagnostik oder lehnst du psychiatrische Diagnosestellungen gänzlich ab?

Innerhalb des psychiatrischen Systems kann es keine echte Emanzipation geben, da immer zwischen den Gesunden und Kranken unterschieden wird und Vorstellungen von psychischer Normalität geschaffen werden. Die Verschiebung dieser Grenze verändert nicht die Problematik der Grenze. Im Gegenteil, Diagnostik die sich machtkritisch nennt, versteckt, wie sehr Psychiatrie und ihr System zu Aufrechterhaltung ebendieser Strukturen beiträgt, die Menschen verletzen, diskriminieren und ausschließen. Ich verstehe den Wunsch danach, denn wir müssen in dem System klar kommen in dem wir leben – aber den psychiatrischen Zugriff noch mehr ausweiten ist nicht die Lösung.

Feministische Psychiatriekritik kann sehr herausfordernd sein, auch weil (diskriminierungssensible) Hilfs- und Unterstützungsangebote außerhalb des psychiatrischen und psychotherapeutischen Komplexes rar und/oder für viele finanziell nicht möglich sind. Braucht es überhaupt medizinische, psychiatrische und psychotherapeutische Ansätze zum Umgang mit Belastung, Leid, Schmerz und Gewaltfolgen? Welche Alternativen hält die feministische Psychiatriekritik bereit?

Ich würde grundsätzlich einfach die Annahme in Frage stellen, dass in der Psychiatrie um Hilfe geht. Heute wie auch historisch wird Gewalt und Ausschluss ist argumentiert mit „Es ist zu deinem Besten.“ Natürlich ist in der Welt in der wir leben individuell der Rückgriff auf therapeutische Unterstützung oft nötig, weil es zu wenig alternative Strukturen gibt. Wir brauchen vor allem gesellschaftliche Konzepte zum Umgang mit Gewalt und ihren Folgen, zum Umgang mit Schmerz, Leid und Krisen. Wie reden wir miteinander? Wie wohnen wir? Wie unterstützen wir Freund_innen? Die Menschen mit denen wir politisch arbeiten? Es gibt den Trend statt in Gruppen in unverbindlichen, losen Zusammenhängen politisch zu arbeiten. Das wirkt erstmal offener und zugänglicher. Gleichzeitig werden so keine konstanten Strukturen geschaffen, und Einzelpersonen können sich in Krisen nur schwer begleiten. Communities, die dann nicht überfordert sein oder Krisen, Leid und Schmerz auslagern wollen, brauchen ein gewisses Maß an Commitment.

Auf der Umschlagsseite zu deinem Buch schreibst du, dass Psychiatriekritik aus dem Blickfeld feministischer Aktivist_innen verschwunden ist. Warum glaubst du, ist das so? Stand das Thema irgendwann auf der Agenda und wenn ja, welche Interventions- und Widerstandsformen gab es?

In den 80ern ist einiges an feministischer-psychiatriekritischer Literatur erschienen. Vor allem ging es um die grundpatriarchale Konstruktion von Frauen als verrückt, um Rebellion und patriarchale Gewalt. „Frauen, das verrückte Geschlecht“, „Krankheit Frau“ und „Frauenfalle Psychiatrie“ sind nur einige Beispiele, oder Kate Milletts „Klapsmühlentrip“. Psychiatrie wurde als Dienstleisterin von Kapitalismus und Patriarchat betrachtet. Es wurden Frauenzentren geschaffen, Unterstützungsangebote für Frauen erkämpft. Diese gibt es heute nicht mehr in dem Umfang. Und in queeren und feministischen Szenen ist es nicht mehr im gleichen Maße üblich, konkrete Räumlichkeiten in der Öffentlichkeit zu erkämpfen, neue Institutionen zu schaffen. Es wird sich zu sehr um sich selbst gedreht. Psychiatrie, das betrifft nur die anderen. Therapie, ja, Medikamente auch, mal eine psychosomatische Klinik. Aber über psychiatrische Gewalt wird nicht geredet, geschweige denn Flugblätter geschrieben und Psychiatrien blockiert. Ich glaube, es gibt zu wenig Bewusstsein über die eigene Wirkmächtigkeit und zu viel Abfinden mit den Bedingungen in denen wir Leben. Veränderung braucht die Bereitschaft, gewohnte Denkmodelle loszulassen und Hoffnung zu haben, dass es anders werden kann.

Seit einiger Zeit setzen sich feministische Aktivist_innen vermehrt für die Anerkennung sogenannter psychischer Krankheiten als Behinderung ein, auch um auf Barrieren innerhalb linker / feministischer Communities und Leerstellen aktivistischer Widerstandsformen aufmerksam zu machen. Was hältst du von der Strategie?

Auch hier würde ich sagen: Ich verstehe den Impuls, aber ich will nicht Anerkennung vom Patriarchat oder den rassistischen und kapitalistischen Strukturen, sondern die Auflösung von eben diesen. Das ist einfach ein grundlegend anderer Ansatz. Klar, manchmal ist pragmatische Politik notwendig, aus finanziellen Gründen zum Beispiel. Aber das sagt nicht, dass meine politische Zielsetzung nicht eine andere sein kann. Ich will mich nicht abfinden mit einem scheinbar verbesserten Status quo.

In manchen identitätspolitischen Ansätzen werden sogenannte psychische Krankheiten nicht nur als Folge von Diskriminierung und Gewalt, sondern als Teil der körperlichen und biochemischen Konstitution der jeweiligen Person definiert. Nach diesem Ansatz gibt es „neurotypische“ und „neurodiverse“ bzw. nicht-behinderte und behinderte Menschen…

Das soziale Modell von Behinderung als behindert werden durch die Gesellschaft war ein wichtiger Erkenntnisschritt. Durch die Idee eines neurotypischen oder „normalen“ Gehirns wird sich auf ganz dünnes Eis begeben und diese Erkenntnisse vernachlässigt. Ein Gehirn ist keine biologische Konstante. Unsere Erfahrungen verändern das Gehirn. Was soll ein neurotypisches Gehirn sein? Und wo bleibt die Gesellschaftskritik, die dies in Frage stellt und nicht nur Anerkennung von einem kaputtmachendem System sucht? Was ist das Ziel dieser Bewegung, die Neurodiversität quasi auf sämtliche nicht-konforme Formen von psychischen Zuständen ausweitet? Anerkennung von einem System, das aussondert? Ich glaube nicht, dass dadurch die Verhältnisse grundlegend verändert werden können.

Dem eigenen Nicht-Funktionieren oder der Nicht-Erfüllung eigener und Erwartungen anderer wird manchmal mit Selbstpathologisierung begegnet. „ich bin … / ich habe …, also kann ich … nicht tun.“ Es scheint, als ob die Erklärung bzw. Offenbarung eines Krankheitszustandes ein effektiver Weg ist, sich gesellschaftlichen Annahmen über Leistungsfähigkeit, Gesundheit und soziale Interaktion zu widersetzen. Warum plädierst du dennoch dafür, mehr darüber in Austausch zu gehen, was eine_r nicht will, statt was eine_r nicht kann?

Wenn ich nur darüber rede, was ich kann oder nicht, aus welchen Gründen auch immer, rede ich nicht mehr darüber was ich will. Diese Gesellschaft treibt uns das wollen so sehr aus, gerade Frauen und auch viele trans Personen lernen, dass sie nichts wollen dürfen. Veränderung werden erkämpft in dem eine_r mehr will, anderes bewusst ablehnt, nicht durch die Wiederholung des Glaubens an eigenes Nichtkönnen. Das soll überhaupt nicht heißen, dass es nicht manchmal Sachen gibt die nicht gehen, möglich sind, einfach auch strukturell. Es geht mir nicht um persönliche Allmachtsfantasien in dem Glauben an absolute Autonomie. Es geht mir um eine politische Strategie, in der es Träume und Handlungsmöglichkeiten gibt. In der gerade Frauen und trans Personen sich als selbstwirksam erfahren können und in denen es den Hunger nach mehr gibt. Nach mehr vom guten Leben. Nicht nur das bisschen, was einer_m angeboten wird.




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Rechte Gewalt, Problematiken um den Eurovision und wütende Jüdinnen- kurz verlinkt

3. Mai 2017 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Heute würde May Ayim 57 Jahre alt werden. Sônia Kewan vom Missy Magazine spricht mit Natasha A. Kelly über die Performance „M(a)y Sister“, die heute aufgeführt wird, und inwiefern May Ayims Werk und Engagement bis heute für Schwarze Frauen in Deutschland relevant ist.

Bell Tower hat eine Presseschau zum 1. Mai zusammengestellt: Unter anderem geht es um den versuchten Todschlag durch Rechte nach der Verhinderung ihres Aufmarschs in Halle.

Welche (bildlichen) Darstellungen von Jüd_innen gibt es eigentlich? Debs wünscht sich auf Don’t Degrade, Debs mehr Optionen: „Wir brauchen Bilder von Jüdinnen, die nicht (mehr) nett und „nur“ klug sind. Ich will die Abwehr und die Abneigung, den Frust, die Verletzung sehen, weil sie da sind. Ich will wütende Jüdinnen in Kampfpose. Nicht nett sondern aufbegehrend, nicht (nur) intellektuell, nicht vergeistigt sondern als Verkörperung von Kraft und Stärke, physisch, greifbar, schmerzhaft. Ich will schreiende Jüdinnen, mit erhoben Fäusten, wütenden Blicken, kampfbereit, widerständig.“

„1991 schrieb Donna ihre Autobiografie, “Nobody Nowhere”, das erste von neun Büchern. Es war die erste autistische Autobiografie, die zum internationalen Bestseller wurde.“ – Colin Müller schreibt auf Autismus Kultur einen Nachruf auf Donna Williams, deren Autobiografie “Nobody Nowhere” die erste autistische Autobiografie war, die zum internationalen Bestseller wurde .

„Eurovision ist eine Herausforderung für die verwundbarste Bevölkerung in Kyiv. Während Medien „das Fest der Vielfalt“ besingen, haben wir als unabhängige aktivistische Gruppe eine Quelle geschaffen, um über unsere Sorgen zu informieren. Homophobie, Rassismus, Ableism – ist die einzige Vielfalt, die wir bei der Vorbereitung auf die Eurovision sehen.“ schreiben die Aktivist_innen auf dem Blog eurovisionsongcontest.noblogs.org

Claire Horst war in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung zur Buchvorstellung „Die Deutschen und ihre Kolonien“ – und fand Narrative, in denen Rassismus nicht einmal erwähnt wurde, aber Raum für die positiven Seiten des Kolonialismus war und der Mord an zehntausenden Herero und Nama als „Auseinandersetzung“ deklariert wurde. Ihre Beschwerde an die Verantwortlichen dokumentiert sie auf ihrem Blog.

Hab keine Angst“ von Dr. Zahide Özkan-Rashed ist ein berührendes und
authentisches Buch über Interkulturalität, Migration und das
Miteinander verschiedener Nationen.

Termine in Berlin, Halle, Heidelberg und Kiel

5.-7. Mai in Halle: Konferenz junger politischer Frauen mit Workshops und Diskussionen.

11. bis 14. Mai in Berlin: XPOSED International Queer Film Festival.

13. Mai in Berlin: Das Queer Zine Fest Berlin steht wieder an. Table können noch angemeldet werden.

2. – 5. Juni in Kiel: Lesbenfrühlingstreffen 2017.

9. – 11. Juni in Kiel: Save the Date! LaDIYfest Kiel.

15. – 18. Juni in Heidelberg: Das Lady*fest Heidelberg findet statt!

14. bis 16. Juli in Berlin: Festival für ein offenes und solidarisches Neukölln. (Es werden noch Leute zum Mitmachen gesucht!)

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?




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Work it! – Feministische Gedanken zu Arbeit

1. Mai 2017 von der Mädchenmannschaft

Was bedeutet eigentlich Arbeit? (Wie) Wollen wir arbeiten? Welche Arbeitskämpfe gilt es auszutragen/ zu unterstützen? Wir nehmen den revolutionären 1. Mai zum Anlass, um einige unserer Erfahrungen, Gedanken und Forderungen rund um Arbeit zu teilen.

Zum Weiterlesen empfiehlt sich auch unsere Leseliste vom Equal Pay Day: Ökonimiekritik für jeden Tag.

Kuchen Backen für den Verkauf im Laden: Arbeit? Kuchen Backen für den Kindergeburtstag: Care-Arbeit? Kuchen Backen, weil Kuchen lecker ist: ?

für meine Zukunft (Hannah)

Seit 6 Monaten bin ich Auszubildende. In unvergüteter Vollzeit an einem Berufskolleg.
Ich habe viele neue Dinge gelernt und viele alte Dinge auf eine „Was ich am Wochenende tun könnte“-Liste geschrieben, um sie nie zu tun. Meine Wochenenden haben sich von der einzigen Möglichkeit meine berufstätigen Freund_innen zu treffen, zu den einzigen Tagen mit genug Schlaf, Ruhe und Option zur Haushaltsführung entwickelt.

Arbeit war und ist für mich ein gekauftes Privileg.
Ich kaufe die Möglichkeit neue Fertigkeiten zu erlernen und Dinge zu erschaffen, die vielen Menschen nützlich sind.
Und bezahle aus dem eigenen Vermögen zu sprechen, sozial zu interagieren, körperlich fit und funktional zu sein, mich selbst zu spüren und (kreativ) auszudrücken. Ich bezahle mit den Fähig- und Fertigkeiten, die ich brauche um m.eine Behinderung.en zu kompensieren.

Ich berufsausbilde mich derzeit für einen Beruf, den ich später sowohl in selbstständiger als auch angestellter Form ausüben kann. Realistisch jedoch ist, dass die gesetzlichen Regelungen für berufstätige behinderte Menschen weder die eine, noch die andere Form für mich in Frage kommen lassen.
Am Tag der Arbeit fordere ich, dass sich das ändert.
Ich würde gerne auch für meine eigene Zukunft als autarke und selbstbestimmte behinderte Person arbeiten.

Stressfaktor Heten (Nadine)

Ich hatte die Festanstellung zwischenzeitlich auch deshalb aufgegeben, weil ich mich der latenten bis aggressiven Homophobie und den heterosexistischen Strukturen in der Arbeitswelt nicht mehr aussetzen wollte. Ein paar Jahre und Erkenntnisse später wagte ich aus verschiedenen Gründen einen neuen Versuch. Und schon die ersten Wochen wühlten in der Gefühlswelt meiner inneren 16-Jährigen, die weiß, dass sie keine Hete ist und weit und breit keine Gleichgesinnten zur Seite hat. Das hat mich zugegebenermaßen überrascht, bin ich doch mittlerweile doppelt so alt und mindestens so reich an Le(s)benserfahrung. Ich kam von Arbeit nach Hause und weinte, badete mich im Selbsthass meiner Jugend und fragte mich: WHY IS THIS MY LIFE? Bin ich tatsächlich die einzige in einem Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeiter_innen? Gibt es einen geheimen Lesbenzirkel und wenn ja, wann finden die Meetings statt?

3.500 Arbeitsstunden später habe ich noch immer keine Lesbe gefunden und mittlerweile akzeptiert, dass ich 40h pro Woche von Menschen umgeben bin, deren Wahrnehmung, Interpretation und Erfahrung mit und in der Welt um sie herum sich wesentlich von meiner unterscheidet. Flexible Arbeitsmodelle und Präsenzzeiten gibt es nur für Heten und nur dann, wenn frau neben der Lohn- auch noch Sorgearbeit für andere tun muss, nicht aber zur Schaffung einer Möglichkeit ohne Diäten-Talk, Boyfriends/Ehemänner, „Frauen sind so…und Männer besser“ und Spitzen gegen Kolleginnen seine_ihre Arbeit tun zu können. Meistens sind Orte, an denen sich Heten ungestört ausbreiten können, nicht besonders feministische, so dass ich auch darüber wenig Verbindungspunkte zu anderen finde. Mein Interventions- und Widerstandsradius, den ich aus meinen politischen Kontexten gewohnt bin, minimiert sich in der Arbeitswelt häufig auf das Ausleveln meiner eigenen kognitiven Dissonanz: An einem Ort nicht wirklich anwesend sein zu können bei gleichzeitigem Druck sich der normalisierten Gedankens- und Verhaltenswelt der dominanten Mehrheit anzupassen, hat enorme Konsequenzen für den eigenen Energie- und Emotionshaushalt.

Deshalb meine Forderungen für den 1. Mai für lesbische Arbeitnehmer_innen:

  • Arbeitszeitverkürzung auf maximal 30h/Woche bei vollem Lohnausgleich
  • Sonderurlaub von bis zu zehn Arbeitstagen
  • Lesbenquoten in allen Hierarchiebenen und Verantwortungsbereichen
  • Steuer- und abzugsfreie Prämien in Höhe von zwei Monatsgehältern
  • Lesbenfreundliche Arbeitsplatzgestaltung in Form hetenfreier Büros oder Homo…ääh… Homeoffice
  • Lohnfortzahlung im heterosexistischen Krankheitsfall für 12 Wochen

Choose your Arbeitsplatz.

Tag der Care Arbeit (Melanie)

Während ich mir eigentlich mein cooles Online Business aufbauen will, damit ich das mit dieser Vereinbarkeit von Lohn- und Carearbeit hinkriege ist eines meiner beiden Kleinkinder krank geworden. Nichts Wildes, eine Bindehautentzündung, höchstens lästig für alle Beteiligten. Aber eben auch ansteckend und somit fällt Kindergarten die komplette Woche aus. Der dazugehörige Kindsvater ist auf Dienstreise, denn er macht anständige Lohnarbeit. Er wird gebraucht beim Kunden. Ich werde…naja, auch gebraucht. Aber nicht bezahlt. Und während heute Angestellte und Arbeiter_innen – die immer seltener vollzeit- und unbefristet lohnarbeiten können – protestieren, wischen andere weiter (unbezahlt) Popos sauber. Denn bei denen ist jeder Tag Tag der Care Arbeit.

Karneval der Privilegierten (Nadia)

Ich arbeite seit ich 18 bin, habe während meiner Ausbildung jeden möglichen (Callcenter) und unmöglichen Job (Flötenlehrerin) gemacht und damit mein Studium komplett selbst finanziert. Produktionshelferin, Kasse am Supermarkt, Kellnern, Hilfskraft an der Uni, Interviewerin, Aushilfsredakteurin bei einem Stadtmagazin: Manchmal machte ich neben Seminaren und Vorlesungen drei Jobs gleichzeitig und wachte morgens mit einem nervösen Zwinkern am rechten Auge auf – weil ich erstmal sortieren musste wo es als nächstes hingeht. Dementsprechend schmerzbefreit fing ich nach der Uni meinen ersten „richtigen“ Job an, das war vor ziemlich genau zehn Jahren. Eine Kultur, die ich persönlich auf Jammern und Sesselpupserei basierend identifizierte, umarmte mich, und das war nach Jahren des harten Malochens ein ziemlicher Schock für mich. An manchen Tagen gefühlt nur für die reine Anwesenheit (zwar nicht hammergut, aber solide) bezahlt zu werden, war undenkbar. Das führte dazu, dass ich mir selbst jeden Tag ohne Ende Arbeit suchte und so in die immerwährende „Arbeit geht dahin wo sie gemacht wird“-Falle tappte – das passiert mir auch heute noch ganz gerne. Das Entitlement, fürs Rumsitzen und Mist labern Geld einzustreichen, das muss man sich erstmal hart angewöhnen, vor allem als Frau, vor allem als Kanakin – ich arbeite noch dran und schaffe es wahrscheinlich niemals.

Befördert wurde ich auch irgendwann – natürlich zu Migrationsthemen (harhar)! Einmal war ich als bundesweit verantwortliche Fachbereichskoordinatorin für einen Träger tätig und staunte nicht schlecht als ich feststellte, dass ich in der Führungsriege auf einmal hauptsächlich mit weißen Cis-Männern zu tun hatte – die arbeiteten sonst im Unternehmen nämlich (zumindest an der Basis) nur zu etwa 25 Prozent. Weiß sein, Cis-Mann und ohne Behinderung sein: In jedem Führungstreffen wurde es mir vor den Latz geknallt, Männern im Anzug unterstellte man immer sofort Substanz und Kompetenz, während ich ganz oft die lustige Migrantin war (wobei ich sowieso nicht immer lustig und außerdem auch keine Migrantin war, da von nirgendwoher her-migriert). Nach zwei Jahren hatte ich dann aber zusätzlich auch begriffen, dass ich Scheiße lieher nach oben als nach unten werfe, und beschloss von sämtlichen Obermotzfritzangela-Jobs zukünftig die Finger zu lassen. Seitdem ist für mich Lohnarbeit primär Mittel zum Zweck. Im Moment aber habe ich das Glück einen richtig tollen Job machen zu können – ein wirkliches Privileg, das ich jeden Tag schätze.

Was immer gleich bleibt: All die (Alltags-)Rassismen, die an allen Arbeitsplätzen reproduziert wurden und werden, habe ich niemals mitgezählt – das wäre ein Fass ohne Boden. Lustigerweise ging mir meistens eher bei gefühlten Lappalien die Pumpe, zum Beispiel wenn bei irgendwelchen Meetings vor allem Herkunftsdeutsche über „Diversität“ und „Interkulturalität“ verhandelten – auch Schnaps im Kaffee hätte diese Hirnschmerzen niemals verbannen können. Amüsant war auch, als ich während meiner Freiberuflichkeit mal für eine Institution tätig war, deren Geschäftsfelder unter anderem Diversity und Geschlechtergerechtigkeit waren – und irgendwann rauskam dass der weiße, alte Cis-Kollege natürlich wesentlich mehr Tageshonorar kassierte als ich. Der schlimmste Lohnjob den ich gemacht habe war übrigens für ein feministisches Zentrum – die Erfahrung hat sich mir als sehr frustrierend im Hirn eingebrannt. Politische Überzeugungen im Rahmen von Lohnabhängigkeit und halbgarer Zusammenarbeitsharmonie mit weißen Frauen auszuhandeln war das Spaßbefreiteste was ich mir vorstellen konnte. Da gehe ich lieber weiter wie Kafka zur Versicherung ins Büro!

Supergirl statt Superproduktivität.

Mal liegen bleiben (Charlott)

Vor acht oder neun Jahren habe ich ein Uniseminar besucht, in dem es unter anderem um Arbeit ging. Bis dahin hatte ich mich schon häufiger mit Arbeiter_innenkämpfen auseinandergesetzt, aber nie intensiv darüber nachgedacht, was Arbeit eigentlich für mich bedeutet. Dann sollten wir zwei Seiten zu genau diesem Thema schreiben. Beim Schreiben dieses Texts hier habe ich das alte Uni-Dokument nochmals herausgekramt und war positiv überrascht über die vielen Facetten, die ich damals so aufmachte (Arbeit in- und außerhalb von „Wertschöpfungsketten“, Care-Arbeit, erzwungene Arbeit, Arbeit als Teil alltäglicher geflügelter Worte und Popkultur, Arbeit als zielgerichtete Tätigkeiten (oder auch nicht), Arbeit als identitätsstiftend und politischer Raum). Mein Fazit war (und ist es auch heute noch): Es ist kompliziert.

Schon allein, wenn ich mir meinen Alltag angucke, kommt da vieles zusammen: Lohnarbeit (die aber auch irgendwie fließende Grenzen hat, da sie das Schreiben meiner Doktorarbeit mitfasst), Arbeiten rund um dieses Blog (die im gesellschaftlichen Mainstream kaum als Arbeit wahrgenommen würden), Sorgearbeiten (wie im letzten Jahr als ich wochenlang täglich im Krankenhaus bei meiner Großmutter war). Seit über einem halben Jahrzehnt bin ich Frauenbeauftragte in einem Institut und versuche meinen Lohnarbeitsraum etwas gerechter zu gestalten – das ist häufig vor allem eins: frustrierend und/ oder kräfteaufreibend. Was ist eigentlich mit der ganzen emotionalen Arbeit von all denen, die gegen die Normen von bestimmten Räumen ankämpfen – oder wie Sara Ahmed feststellt, allein durch ihre Anwesenheit in Frage stellen?

Heute freue ich mich, dass ich schon einmal irgendwas geschrieben habe, was ich jetzt paraphrasieren kann. Weniger Arbeit! Die ewigen Produktivitätsanrufungen – die sich von Lohnarbeit, Care-Arbeit zur Freizeitgestaltung ausbreiten – nerven nämlich gewaltig. Damit meine ich nicht nur Produktivitätsanrufungen von außen, sondern auch die tief internalisierten. Ich habe in den letzten Jahren eher schmerzhaft gelernt, mich ab und an von hehren Produktivitätszielen zu distanzieren. An manchen Tagen verbuche ich – als chronisch Kranke – es als Erfolg, wenn ich gut aus dem Bett komme.




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Feministischer Humor, sexistische Jurist_innenausbildung und Älterwerden

27. April 2017 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

„Die Linke müsste meine Eltern ansprechen, ohne soziorassistisch zu sein“, sagt Édouard Louis in der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf die aktuellen Wahlen in Frankreich.

Was ist los mit den feministischen Blogs?, fragt Melanie bei den Femgeeks und überlegt, aus welche Gründen vielleicht weniger geschrieben und interagiert wird und was darauß Konsequenzen sein könnten.

Darauf antwortend geht es bei Ein Blog von Vielen um Eskapismus, das Ausloten der eigenen Politiken und den Entscheidungen in welchem Umfeld man wie agieren kann/ möchte/ muss.

Dieses Jahr findet wieder das Campaign Boostcamp statt. Das wird geboten: „Während des fünftägigen Trainings lernst Du, wie man erfolgreiche Kampagnenstrategien entwickelt und atemberaubende Aktionen plant, die viele Menschen erreichen. Danach beginnt ein einjähriges Unterstützungsprogramm mit mehreren Folgetreffen am Wochenende.“ Bewerbungsschluss ist der 01. Mai. Es gibt jeweils ein Stipendium für eine_n Aktivist_in of Colour/ Schwarze_r Aktivist_in und eine_n trans Aktivist_in.

In der Jurist_innenausbildung wird viel Sexismus und Rassismus reproduziert. Auf dem Tumblr Juristenausbildung wird sich jetzt damit auseinandergesetzt. Im Interview mit Armaghan Naghipour beim Missy Magazine sprechen die Macherinnen der Seite über ihre Ideen und eigenen Erfahrungen.

Das neue an.schläge-Magazin ist da und widmet sich im Dossier dem Thema Macht & Humor. Da schreibt beispielsweise Denice Bourbon über queer-feministische Comedy, die nach oben tritt und Brigitte Theißl argumentiert, warum es kritische Satire braucht.

Eine Initiative fordert Erinnerung an verfolgte Lesben in der Gedenkstätte des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. Im Interview mit junge Welt spricht Susanne Kuntz über die historischen Hintergründe.

Die Bundestagswahl in Deutschland rückt auch langsam näher. Der LSVD hat schon einmal seine Wahlprüfsteine vorgestellt.

englischsprachige Links

„While Jewish victims and their organizational representatives have, over the years, processed claims for real estate, businesses and works of art seized by the Nazis, Jews’ more mundane Holocaust-era property may still be circulating in antique shops and households, unbeknownst to the current buyers or owners“, schreibt der Jewish News Service.

Im Fi2W Podcast geht es ums Altwerden als migrierte Person und besondere Strategien des Umgangs.

Emma Morano ist im Alter von 117 Jahren verstorben (ihr langes Leben hat sie unter anderen darauf zurückgeführt, dass sie nicht mit einem Mann verheiratet war). Die New York Times blickt anhand ihrer zurückgelassenen Objekte auf Moranos Leben zurück.

„Our culture frames illness as a battle to be won, but sometimes it’s just a thing you live with“, schreibt Caira Conner bei Buzzfeed über das Leben mit chronischen, nicht-heilbaren Krankheiten.

Termine

27. bis 30. April in Wiesbaden: Symposium mit dem Titel: Feministisch wider Willen – Filmemacherinnen aus Mittel- und Osteuropa. (fb-Link)

27. bis 30. April in Freiburg: SeminarWorkshop: „Der gefährliche Wind in der Rede – Wie umgehen mit Hassreden in den Medien

5.-7. Mai in Halle: Konferenz junger politischer Frauen mit Workshops und Diskussionen.

13. Mai in Berlin: Das Queer Zine Fest Berlin steht wieder an. Table können noch angemeldet werden.

2. – 5. Juni in Kiel: Lesbenfrühlingstreffen 2017.

9. – 11. Juni in Kiel: Save the Date! LaDIYfest Kiel.

15. – 18. Juni in Heidelberg: Das Lady*fest Heidelberg findet statt!

14. bis 16. Juli in Berlin: Festival für ein offenes und solidarisches Neukölln. (Es werden noch Leute zum Mitmachen gesucht!)

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?




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Wenn Angela Merkel jetzt Feministin ist, dann … ja was eigentlich?

26. April 2017 von Charlott

Miriam Meckel, die das Podium „Inspiring women: Scaling Up Women’s Entrepreneurship“ beim Women 20 Summit moderiert, dreht sich zu Angela Merkel und stellt die Frage, die mittlerweile zum Standard-Repertoire der unsinnigen Fragen an bekannte Frauen gehört: Versteht sich Angela Merkel als Feministin?

Während ich gelangweilt gähne, mehren sich im Publikum laute „Ja!“/ „Yes!“-Rufe, angepeitscht durch Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds. Ich bin hochgradig irritiert, was Sinn und Zweck dieser Bekenntnis-Übung ist und Angela Merkel lässt sich gewohnt nicht aus der Ruhe bringen, bevor sie zu einer (ersten) Antwort kommt:

Die Geschichte des Feminismus ist eine, da gibt es Gemeinsamkeiten mit mir und es gibt auch solche, wo ich sagen würde, da gibt es Unterschiede. Und ich möchte mich auch nicht mit einem Titel schmücken, den ich gar nicht habe, denn ich möchte mal sagen Alice Schwarzer oder so haben ganz schwierige Kämpfe gekämpft. Und jetzt komme ich und setze mich auf die Erfolge und sage „Ich bin jetzt Feministin“, das ist doch absurd. Also, ich habe keine Angst, wenn Sie finden, dass ich eine bin, stimmen Sie ab, okay. Aber ich möchte mich nicht mit der Feder schmücken.

Dass Merkel für sich erkennt, dass sie wenig mit feministischen Kämpfen gemein hat, ist dann eine eigentlich sehr redliche Reaktion. Dass feministische Kämpfe für sie vor allem Alice Schwarzer bedeutet, ist auch keineswegs verwunderlich, ist sie der EMMA bereits seit ihren Zeiten als Ministerin durch ausführliche Interviews verbunden. Feminismus, der sich sinnvoll mit einer Vielzahl von Diskriminierungsformen und Gewaltsystemen auseinandersetzt, ist in jedem Fall kein Fokus. Die Frage aber bleibt, was genau ist überhaupt dadurch gewonnen Merkel zu fragen, ob sie Feministin ist, wenn eine Analyse ihre konkreten Politiken doch viel aufschlussreicher und wesentlicher wäre?

Ivanka Trump, die ebenfalls auf dem Panel saß, hatte weitaus weniger Scheu das Feminismus-Label für sich anzunehmen und argumentierte gar, dass ihr Vater feministisch sei und zu ihrer feministischen Erziehung beigetragen habe (sie wäre in einem Haushalt aufgewachsen, in dem sie immer gewusst hätte, dass sie alles erreichen kann – dass sehr viel Geld für diese Gefühlslage sicher auch nicht unwesentlich ist, blieb natürlich unerwähnt). Was bedeutet auf diesem Panel das Wort „Feminismus“ überhaupt noch? Es ist so ein leerer Container, das Gespräch wäre genau so schlüssig gewesen, ersetzte man „Feminismus“ mit jeder anderen beliebigen Buchstabenfolge. Ich möchte „Gfhrl“ vorschlagen. Angela Merkel, verstehen Sie sich als Gfhrl? Ivanka Trump, sind sie gfhrlig aufgewachsen?

Die niederländische Königin Máxima (ja auch sie war Teil dieses skurrilen Panels) bietet eine Definition von Feminismus an, mit der sie sich identifizieren kann: Feminismus bedeutet für sie, dass Frauen Wahlfreiheit und Möglichkeiten haben. Mit diesem Minimal-Verständnis kann sich auch Merkel anfreunden und – zur Freude des Publikums – stellt sie fest, dass sie dann auch Feministin sei.

Ich frage mich, was all jene, die laut „Ja!“ rufend vor der Bühne sitzen, sich davon erhoffen, wenn eine Person wie Angela Merkel von sich sagt, sie sei Feministin/ Gfhrl? Was ist jetzt gewonnen? Wird Angela Merkel nun wichtige feministische Forderungen in ihre Regierungsarbeit integrieren? Natürlich nicht. Wie so häufig, wenn berühmte Frauen dazu aufgefordert sind, sich zum Feminismus zu bekennen, ist die Feminismus-Identitäts-Frage eigentlich relativ ziellos. Die Frage (und Antwort) emotionalisiert vielleicht kurz, eine wirkliche Auseinandersetzung aber mit feministischen Praxen und Ideen findet nicht statt.




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Samstagabendbeat: The Tuts covern Spice Girls

15. April 2017 von Charlott

Kommen gleich zwei Musikdinge, die ich liebe, zusammen: The Tuts, eine unglaublich super Band aus Großbritannien, und der Spice-Girls-Ohrwurm-Klassiker „Wannabe“.




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Festgenommene Feministin in Uganda, Verfolgung in Tschetschenien und eine Einführung in Klassismus – kurz verlinkt

13. April 2017 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Links

Die ugandische Feministin, Aktivistin und Wissenschaftlerin Stella Nyanzi, die sich unter anderem dafür einsetzt, Mädchen Zugang zu Binden zu ermöglichen und damit auch den Besuch der Schule, wurde vor einigen Tagen verhaftet – sie habe die Präsidentenfamilie beleidigt. Die taz berichtet.

Am 8. April war der Internationale Tag der Rom*nja. Für das Missy Magazine hat Hengameh Yaghoobifarah mit Isidora Randjelović gesprochen. Im Interview geht es um den Rom*nja Power Month, der am 8. mit einer Demo und einer Abschlussparty sein Ende fand, Forderungen von Rom*nja und die Wichtigkeit von Archivarbeit.

„Rassismus, Whiteness, Postkolonialismus, Intersektionalität.“ – Um diese Themen will sich Victoria Kawesa kümmern, die als erste Schwarze Frau als Parteivorsitzende in Schweden gewählt wurde.

Die erste Ausgabe des neuen Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart ist soeben erschienen. In dieser Ausgabe – die wissenschaftliche, essayistische, künstlerische wie literarische Beiträge zusammenbringt – geht es um Selbstermächtigung.

Magda war zu Gast in Freiburg und hat dem Radio Dreyeckland ein Interview gegeben zu den Themen Gesundheits- und leistungsfixierte Körperideale im Kapitalismus, Irritation & Humor als Strategien, die Anerkennung eigener Verwundbarkeiten und sehr unterschiedliche Formen von Selbststärkung.

Lesenswerter Text von Tanja Abou: „Klassismus. Oder: Was meine ich eigentlich, wenn ich von Klassismus spreche? Eine Annäherung.“ (PDF)

Die Berliner Charité veröffentlichte eine Studie zur Situation geflüchteter Frauen in Deutschland (PDF) und ihren Wünschen bezüglich Unterstützung.

Die vegane Szene hat ein Problem mit Sexismus und Bodyshaming – ein lesenswerter Bericht auf mimikama.at.

Die Filmlöwin sagt: Schluss mit der Verharmlosung sexualisierter Gewalt im TV: Eine Kampfansage gegen die „happy“ Vergewaltigung.

„Dass Menschen davon überzeugt sind, mit der richtigen Einstellung und individuellen Anstrengung alles leisten und erreichen zu können, ist im Kapitalismus wesentliche Ideologie. Dementsprechend ist es logisch, dass auch Behinderte und Kranke nicht nur regelmäßig mit der Erwartung, Leistung zu erbringen, konfrontiert sind, sondern auch selbst überzeugt davon sind, ihres ‚eigenen Glückes Schmied‘ zu sein…“ – Läuft_Nicht schreibt „Über Sport im Kapitalismus und Scheiße im Deutschlandfunk„.

Auch in diesem Semester findet in Hamburg wieder die Vortragsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ statt. Das gesamte Programm gibt es bei der AG Queer Studies.

Zwar schon vor einer Weile gebloggt, aber Bücher sind ja unsere zeitlosen Freund_innen: Queere Jugendbuch-Neuerscheinungen im Frühjahr 2017.

Englischsprachige Links

Zur Verfolgung schwuler Männer/ LGBTQ in Tschetschenien hat das russische LGBT Netzwerk ein Statement – auch mit Hinweisen, wie deren Arbeit unterstützt werden kann – veröffentlicht.

Über das Phänomen der „begpacker“ schreibt Radhika Sanghani beim Telegraph.

16 Lesbian Power Couples From History Who Got Shit Done, Together“ – Autostraddle hat eine Liste erstellt.

Termine in Berlin, Halle, Freiburg, Kiel und Wiesbaden 

27. bis 30. April in Wiesbaden: Symposium mit dem Titel: Feministisch wider Willen – Filmemacherinnen aus Mittel- und Osteuropa. (fb-Link)

27. bis 30. April in Freiburg: SeminarWorkshop: „Der gefährliche Wind in der Rede – Wie umgehen mit Hassreden in den Medien

5.-7. Mai in Halle: Konferenz junger politischer Frauen mit Workshops und Diskussionen.

2. – 5. Juni in Kiel: Lesbenfrühlingstreffen 2017.

9. – 11. Juni in Kiel: Save the Date! LaDIYfest Kiel.

14. bis 16. Juli in Berlin: Festival für ein offenes und solidarisches Neukölln. (Es werden noch Leute zum Mitmachen gesucht!)

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?




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