Samstagabendbeat mit Hole (Besten 20. Geburtstag “Live Through This”!)

12. April 2014 von Charlott

Diese Woche ist ein wenig wie eine Zeitreise in die 90er. Nirvana wurde in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen – und begingen das mit einem Konzert, wo die Vocals von großartigen Künstlerinnen beigesteuert wurden. Als Courtney Love auf die Bühne trat (nicht um zu Singen übrigens) wurde sie von einigen ausgebuht, und eine Geschichte voller Sexismus und Misogynie schrieb sich weiter.

Auch aus diesem Grund (und natürlich weil es einfach großartig ist) wollen wir heute besonders den Geburtstag eines Albums feiern: Live Through This. Es erschien genau heute vor zwanzig Jahren. Die Kritik lobte es – und schon ging es auch rund mit den Gerüchten, dass natürlich Cobain, der nur wenige Tage vor der Veröffentlichung gestorben war, alle Songs geschrieben hätte, denn wir wissen ja: Frauen, die können keine Kunst.

Die Geburtstagsfeier beginnen wir hier mit dem Eröffnungstrack “Violet”. Bei Flavorwire könnt ihr weiter feiern, dort gibt es eine Track-für-Track-Analyse der Platte.




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Tagungsberichte und die Kündigung der Hebammen – die Blogschau

12. April 2014 von Nadia

Dangerbananas war auf der korientation-Feier in Berlin, und wenn Ihr wissen wollt wie es da war könnt Ihr alles hier nachlesen.

Hannah war auf bei der Tagung “Wir sind Viele – Opfer ritualisierter Gewalt und organisierter Pädokriminalität” und hat sich die Arbeit gemacht, detailliert und sehr lesenswert in mehreren Teilen den Tagungsbesuch zu dokumentieren. Insgesamt gibt es elf Teile, wir verlinken auf Teil 9. Sehr lesenswert, Triggerwarnung angesichts der Thematik natürlich obligatorisch.

Darum, welche Zusammenhänge es zwischen Rassismus, Nationalismus, Sexismus und dem Hass gegen Lesben und Schwule gibt, ging es in der letzten Woche auf Women in Exile.

Auf Afrika Akzent wird Each One Teach One (EOTO) e.V., ein Schwarzes Bildungsprojekt, das Literatur und andere Medien von Menschen afrikanischer Herkunft vorstellt und Wissen im intergenerationalen Dialog vermittelt, vorgestellt.

techno candy hat einen Text mit wichtiger Kritik über die neue Partyreihe in Berlin geschrieben, die wir letzte Woche in der Blogschau verlinkt haben.

Die Kündigung der Hebammen hat begonnen: Ein Zwischenruf mit Aufruf zur Demo ist bei zockt.com erschienen.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!




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Nach der Räumung am Oranienplatz in Berlin: Solidarität mit den streikenden Geflüchteten!

11. April 2014 von Magda

Am vergangenen Dienstag wurde das Geflüchtetencamp am Oranienplatz in Berlin geräumt. Seit dem 6. Oktober 2012 existierte das Protestcamp am Oranienplatz, ein Ort des Widerstands, mitten in Kreuzberg. Die langfristigen Ziele der Aktivist_innen sind die Abschaffung der Lagerpflicht, der Residenzpflicht und ein Stopp von Abschiebungen. Die Politik müsse sich endlich bewegen, soll die Augen nicht mehr verschließen vor Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land. Mit ihren Protesten verstoßen die Geflüchteten gegen die rassistische Residenzpflicht, begeben sich also in eine permanente Gefahr und organisieren trotzdem seit Jahren unermüdlich Protestcamps, Protestmärsche, Demonstrationen, Bustouren und Hungerstreiks, um auf die rassistische Asylpolitik und -gesetzgebung in Deutschland aufmerksam zu machen.

Die Räumung am 8. April 2014.

Die Räumung diente insbesondere den Interessen der Berliner Politik, viele Geflüchtete protestierten jedoch, weil die politischen Ziele längst nicht erreicht seien, auch wenn es einige Geflüchtete gäbe, die auf die Angebote der Politik eingingen.

Seit Januar gab es Gespräche mit der Integrationssenatorin Dilek Kolat, die mehrere Delegationen aus dem Geflüchtetencamp zum Gespräch einlud, sich allerdings die politischen Konflikte innerhalb der Geflüchteten-Community zu nutze machte. Der Rapper Amewu schrieb dazu auf seiner Facebook-Seite:

Wieder wurde einem Teil der Refugees bewusst Hoffnungen gemacht und ihre schwierige Situation mit Wohnplatzangeboten und dieses Mal sogar mit Geldangeboten ausgenutzt. Wenn man jemandem der fast nichts hat mit Geld vor der Nase rumwedelt um ihn dazu zu bringen etwas eigentlich nicht wirklich sinnvolles zu tun ist das ekelhaft und manipulativ. Meine Annahme ist, dass gezielt versucht wurde die Refugees gegeneinander auszuspielen um aussagekräftiges Material für die Presse zu bekommen.

Die Aussicht auf Unterkunft, Geldzahlungen und (temporäre) Duldung (zumindest für einen Teil der Geflüchteten) wurde von einigen Geflüchteten willkommen geheißen, die sich dann auch an der Räumung des Oranienplatzes beteiligten. Andere Geflüchtete verwiesen allerdings auf den Umstand, dass die politischen Ziele kaum erreicht seien, und forderten, dass der Protest weitergehen solle. Dass es unterschiedliche Forderungen und politische Perspektiven von Geflüchteten gibt, war der Integrationssenatorin wohl ein Dorn im Auge und für die Mainstreampresse in ihrer Komplexität kaum fassbar. Ohne viel über die Forderungen jener Aktivist_innen zu schreiben, die die Angebote der Berliner Politik ablehnten, weil diese nicht den politischen Zielen der Proteste entsprechen, äußerten sich Politiker_innen und Journalist_innen abfällig über “autonome Linke”, die die Geflüchteten angeblich davon abhielten, den Platz zu räumen und verschwiegen, dass es viel Kritik an Kolats Angeboten gab.

Eine der Aktivist_innen ist Napuli Paul Langa, die nun seit Dienstag (anfangs noch mit weiteren Aktivist_innen) auf einem Baum auf dem Oranienplatz ausharrt; die meiste Zeit ohne Wasser und Nahrung, weil dies von der Polizei untersagt wurde.

Screenshot von der FB-Seite "Solidarität mit den streikenden Flüchtlingen in Deutschland (Berlin)"

Screenshot von der FB-Seite “Solidarität mit den streikenden Flüchtlingen in Deutschland (Berlin)”

In einer Pressemitteilung von Napuli und anderen in den Hungerstreik getretenen Aktivist_innen steht:

Wir werden den Protest nicht beenden und den Baum nicht verlassen, solange Dilek Kolat oder ein andere_r Vertreter_in des Senats nicht zum Oranienplatz kommt um die Verhandlungen fortzuführen und der Infopunkt von der Polizei als Ort des Protestes freigegeben wird.

Was kann mensch tun?

  • 12.4.: Um 11:00 Uhr hat ProDeutschland eine Kundgebung vor dem Hostel in der Gürtelstraße angemeldet. Kommt zur Gegenkundgebung.
  • 12.04.: Pressekonferenz auf dem Oranienplatz um 11 Uhr. Die sechs Geflüchteten (aus dem Iran, der Türkei, aus Uganda und Nigeria), die sich seit zwei Tagen im Hungerstreik befinden, haben Berlin Postkolonial und die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund) gebeten, die Vertreter_innen der Presse zur Pressekonferenz auf dem Oranienplatz einzuladen.
  • Zum Oranienplatz hingehen und herausfinden, was aktuell am meisten benötigt wird.

Weiter Texte zum Thema auf der Mädchenmannschaft:




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Heidi Klum und Redface, Heterosexismus in Deutschland und 20 Jahre nach Ruandas Genozid – kurz verlinkt

11. April 2014 von der Mädchenmannschaft

deutschprachige Links

[Kinder] brauchen Bücher, in denen Vielfalt normal und bereichernd ist!“, fordert Tupoka Ogette bei der Heinrich Böll Stiftung und berichtet über eigene Leseerfahrungen als Kind und ihre jetzige Arbeit zu Antidiskriminierung.

Das Jobcenter Segeberg fordert eine Alleinerziehende Mutter auf umzuziehen – aufgrund einer Miete, die 1,78 Euro über dem Satz liegt, berichtet die Sozialberatung Kiel.

“Was Gleichberechtigung im Bereich der Bildung institutionalisieren sollte – ein weniger heterosexistischer Schulunterricht –, wird als „Gender-Ideologie“ und „Frühsexualisierung“ umgedeutet. Das Gefährliche daran ist, dass es nicht vereinzelt geschieht, sondern grenzübergreifend.”, schreibt die taz und analysiert, wie in aktuellen Diskussionen Hetersexismus re_produziert wird und vor allem diskriminierenden Positionen Platz eingeräumt wird, schließlich ginge es ja um das “Kindeswohl” und da hört auch die “Toleranz der Mitte” auf.

englischsprachige Links

Feminist Philosopher analysiert die viralen Videos, in denen Menschen (vor allem junge weiße Frauen) durch Cochlear Implantate hören: “[...] consider that one subtext to these viral videos of cochlear implant initial hookups is the paradigm of the young white deaf woman who has acquired the ability to listen, yet is still dependent (and faintly exotic). Medical miracles showing a dramatic change in a person’s life make pleasurable internet entertainment, but when those miracles are packaged in ways that perpetuate and reinforce stereotypes that deaf women rail against, it is time to take a closer look at what’s going on.”

Es gibt einen wundervollen neuen Webcomic: Pussybear – A Comic About the Life of a Fat Queer Feminist Butch Trans* Poly Nerd.

In diesen Tagen jährt sich zum 20. Mal der Genozid in Ruanda, begleitet durch Veranstaltungen und Artikel über Artikel. The Daily Beast beschreibt so, wie insbesondere Frauen in den letzten zwanzig Jahren in Ruanda zum Wiederaufbau beigetragen haben. Musa Okwonga ermahnt beim New Statesman nicht nur ein “Versöhnungs-Narrativ” zu reproduzieren, da dieses zum einen für Betroffene mit anderen Umgängen für ihr Trauma ausgrenzend ist, aber es auch einfach machen nicht über Verantwortungen zu sprechen. In der New York Times heißt es: “Following Orders in Rwanda“.

Ruth Hopkins schreibt bei Racialicious über Germany Next Top Model, wo die Kandidatinnen als Native Americans posierten: “Normally this is where I ask Ms. Klum for an apology, but because this act of appropriation is so willful, any apology would ring hollow. Like many Natives, I’m tired of lip service.”

Homestory Deutschland braucht finanzielle Unterstützung.

Termine

Berlin, am 13. April: “Zurückschlagen, kaputtmachen, wegglitzern. Antifa feministisch weiterdenken.
Workshop von und mit der trans*genialen f_antifa

Berlin, am 2. und 3. Mai: Öffentliche Feier anlässlich des Geburtstags von May Ayim.

Berlin, am 7. Mai um 17 Uhr im Tiergarten: Gedenkveranstaltung “Verschwiegen und Vergessen. Schicksale und Lebenswege lesbischer Frauen im Nationalsozialismus”  u.a. veranstaltet vom Spinnboden Lesbenarchiv und Bibliothek e.V.

Berlin, am 29. Mai: “La Moustache presents: RAE SPOON + HEIMWEHHOTEL” (FB-Link)

Niederösterreich, vom 17.-23.August: PINK NOISE GIRLS ROCK CAMP mit dem Schwerpunkt “Bühne”. Die Anmeldephase läuft jetzt bis zum 17. Mai!




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Ein Hoch auf die Introvertierten – “Liebe mich, weil”

9. April 2014 von Gastautor_in

Jayrôme C. Robinet ist freier Autor und Spoken Word-Künstler. Gender fluid mit Variationshintergrund, weiß, wird in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Im Mai leitet er eine Workshopreihe für queere LSBT*I* zu Spoken Word bei xartsplitta. Für mehr Infos: contact@xartsplitta.net. Auf Jayrômes Blog veröffentlicht er Gedichte, Analysen und Gedanken in schriftlicher und audio_visueller Form in französischer, deutscher und englischer Sprache. Darunter auch nachfolgendes Gedicht, das wir mit seiner Genehmigung hier zweitveröffentlichen und mit ihm gemeinsam zusätzlich ins Deutsche übersetzt haben.

a tribute to introverts – “love me because”

sometimes I’m afraid
someone could
like me
I’m afraid someone could like me
because
just because
they’d see me as exotic
a curiosity
an exciting novelty

this girl, telling her homies she’s dating a transperson
maybe in order to make her life sound more interesting?

this girl, thinking of herself as “open-minded“
yes, “so open-minded she can even date me“
is actually not a compliment

this girl, outing me as trans’ to the world
because she’s sooo queer she does NOT want to be seen as straight
I understand… but which space is left for me?

this girl so fucking loving the fact I’m trans – in public
in fact in private she’s bothered
bothered because I’m not behaving the way she expects or wants me to
bothered because I’m too masculine and not masculine enough
bothered because I grew up believing there’s something wrong with me
therefore I would need time
I’d need time
sometimes I’m afraid someone could
dislike me
just because
I am

sometimes I’m afraid someone could like me
because
just because
I’m french

so „charming“
so „cute“

this guy, smiling at my mispronunciation
„so cute“

those people, charmed whenever I create my own idioms:
- well, in my opinion european immigration politic and death sentence are as like as two drops of water -
„so cute!“

this woman, delighted when she gets to know:
“you’re from France? oh my god, that’s fantastic!!”
as if I had just given her the formulation of a cancer vaccine
please learn this:
France is a mosquito
France is a mosquito that thinks it is an ant
France is a mosquito-ant sucking blood, oil and gold 40 times its own weight
a bug confusing its bugs colony and colonialism
a stupid bug that some day may die of colon cancer
and I don’t have the formulation against it

sometimes I’m afraid someone could love me
just because
I’m sexy
it may sound like a joke
or a luxury problem
and in fact I guess it is
but I do not want to be dated for the way I look, period
I’m on the fence between finally feeling good
longing to dress up and work out to balance my mood and
wishing to hide so nobody can get attracted to me because of my appearance

sometimes I’m afraid someone loves me and it has nothing to do with ME

sometimes I’m afraid when someone loves me
sometimes I’m afraid someone loves me
sometimes I’m afraid
you
wouldn’t love me
I’m afraid you wouldn’t love me
if you’d meet up deep inside the inner me

therefore
if one day you feel like wanting to love me
please know that sometimes I cross the street in order to avoid making small talk
even if three years ago I attended a small talk class at an adult evening center
because I thought there was something wrong with my social skills
please know that most of the time when I arrive at a party the first thing I want to do is
leave
would you mind going over to my place and being quiet together?
let’s lay down on my bed and play Scrabble all night
or I could read my fav book while you’re playing video games?
ooh… can I watch you play video games, please?

if one day you feel like wanting to love me
please know that I need time to trust
please know that it takes quite long for me to make decisions
please know that sometimes I can even be an extrovert
plus, that I’m prone to sadness and anxiety
believe me, I’m funnier online

if anytimes you feel like wanting to love me
first I have to confess
that the first time you called me
I was home
but I couldn’t pick up the phone
my phone was ringing in my hand and I was starring at your name on the display and I was overwhelmed with happiness oh my god I couldn’t believe that YOU were calling ME and Jesus I was so NOT prepared to chat with you

I would like you to know that sometimes I feel peace a whole week just because I’ve received a single email of you
it happened three times that after reading your message I felt so blessed that I cried
so deep inside I decided to redefine the meaning of tears
see, every time I see you I want to write you

if you feel like one day you want to love me
please know that I will never kiss you
I will never kiss you
first
I will never kiss you
the first time
without asking
and perhaps the second time neither
I want you to know that I know we’re both shy and afraid
and that’s ok

if anytimes you want to feel like loving me
I would love you to know what a mess I can be
how moody and stupid I can get
how hard I am sometimes to handle
and I would love you to love me for those reasons
I would love you to love me
just for those reasons

I would love you to love me
because of the way I speak
to you
because of that very specific tone of my voice
when I speak to you

but please know that I may open your kitchen cupboard and won’t be able to find the granulated sugar box even if it’s right up in front of my eyes

therefore
if anytimes you feel like wanting to love me
if anytimes you want to feel like loving me
I’d love to give you what you deserve
making you happy in ways you didn’t expect nor ask for
and it’s ok if you don’t know how to respond
if you love me
please do
please do so because you want to see me grow
please do so because you want to see us grow
but first
please
let me worship you
exactly the way you are

if one day you feel like wanting to love me
if one day you feel like loving me
please do
for the purpose of nurturing our spiritual growth
yours and mine
mine and yours
but first
please
first
let’s keep loving each other
exactly the way we are

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Was wir von Steubenville über r*p*e culture lernen, Part 2

8. April 2014 von Charlott

[Inhalt: sexualisierte Gewalt, Victim Blaiming, R*p* Culture; Auschreibung von r*p* und V*rg*w*lt*g*ng - gilt auch für Links]

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich hier an dieser Stelle darüber geschrieben, wie sich der Steubenville-Fall zu einem Paradebeispiel dafür entwickelt, wie rape culture funktioniert. Zur Erinnerung, worum es in dem Fall eigentlich ging, die Zusammenfassung aus meinem damaligen Artikel:

Am 11. August 2012 erfährt eine 16-jährige Schülerin nach einer Party von zwei gleichaltrigen Mitschülern mehrfach sexualisierte Gewalt. Teile dieser Gewaltakte werden darüber hinaus gefilmt und fotografiert. Aufnahmen werden im Internet und über Handys verbreitet. Es gibt offensichtlich beistehende Personen. Die Taten werden wiederholt über unterschiedlichste Social Media Kanäle kommentiert, die Schülerin wird immer weiter beschimpft. Am Sonntag nun wurden die Haupttäter verurteilt, beide haben ein Jahr für die V*rg*w*lt*g*ng bekommen, einer der Täter noch ein zusätzliches Jahr für das Verbreiten von Nacktbildern einer Minderjährigen.

Im Laufe der Berichterstattung wurde die von Gewalt betroffene Schülerin immer wieder mitbeschuldigt, die Täter hingegen erfuhren Sympathie- und Mitleidsbekundungen, und der Fokus wurde auf Social Media gerückt. So, als sei die Verbreitung der Bilder das einzig Schlimme; nicht, dass diese Bilder überhaupt entstanden sind. Außerdem zeigte sich an dem Beispiel, wie Vertuschungen versucht wurden.

Nun muss dieser Geschichte leider ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden. In der letzten Woche wurde bekannt, dass die Produktionsfirma von Brad Pitt (Plan B Entertainment) die Rechte an dem Rolling Stone Artikel “Anonymous vs. Steubenville” erworben hat. Der Teaser zu dem Text (meine Übersetzung):

Online-Bürgerwehr Deric Lostutter half die Vertuschungen im Steubenville Vergewaltigungsfall aufzudecken. Nun erwartet ihn mehr Haftstrafe als die verurteilten Vergewaltiger.

Der Film soll sich auf einen Anonymous-Aktivisten und seine Rolle fokussieren. Damit werden die wirklich betroffenen Personen in einem Fall sexualisierter Gewalt ausgeblendet und stattdessen Platz gemacht für eine Geschichte aus der Perspektive eines Mannes, der zur Rettung herbei eilt. Die Anonymous-Aktionen (die sie selbst als white knight operations bezeichnen) sind darüber hinaus in großer Kritik, da sie nicht selten laufende Ermittlungen erschweren, unnötigen weiteren Schaden anrichten und vor allem weitere Frauen Gewalt aussetzen (in dem beispielsweise beim Hacken gefundene Bilder veröffentlicht werden). Auf ThinkProgress wird passend analysiert (meine Übersetzung):

In einer Kultur, die die Stimmen von Überlebenden von Vergewaltigung häufig ignoriert und ständig die Geschichten von Frauen über ihre eigene gelebte Erfahrung mit sexualisierter Gewalt und Unterdrückung in Frage gestellt werden, ist es entmutigend sich einen Film über einen der bekanntesten Vergewaltigungsfälle im Land vorzustellen, der einen “weißen Ritter” im Mittelpunkt stehen hat. Auch wenn es sicher nicht die Intention von Plan B Entertainment ist, die Wahl des Rahmens trägt weiter dazu bei, die wirkliche Frauen, die sexualisierte Gewalt erleben, unsichtbar zu machen.

Und nicht nur das: Indem die Geschichte vom Rolling Stone Magazin verkauft wird, ist es möglich, dass über den Kopf der tatsächlich betroffenen Schülerin unterschiedlichste Personen profitieren, sie vollkommen außenvorsteht und keinerlei Einfluss auf die Entscheidung hat, wie auf Choice Words hervorgehoben wurde. Steubenville zeigt also im aktuellen Kapitel, wie, selbst wenn dann einmal über sexualisierte Gewalt im großen Rahmen gesprochen wird, dies vollkommen ohne Betroffene stattfinden kann. Auch das ist ein Teil von rape culture.




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Selbermach-Sonntag (6.4.2014)

6. April 2014 von Nadia

selberEndlich Wochenende, endlich wieder Zeit für Eure Links der Woche. Prozedere kennt Ihr ja: Einfach ins Kommentarfeld tippern und mit uns teilen.




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Inklusion, Alltagsrassismus und diskriminierende Witze – die Blogschau

5. April 2014 von Nadia

Über Inklusion, woran es hapert und was es braucht schrieb in der letzten Woche Raul.

In Berlin gibt es eine neue Partyreihe für alle, die sich als Frauen*, Lesben*, Trans* und Inter* verstehen, die Kommunikation und Sex kombiniert.

Über diskriminierende Witze in linken Kontexten schrieb Can I say No: “Humor ist, wenn man trotzdem nachdenkt“.

Wie Ihr vielleicht schon mitbekommen hat, konnte Akif Pirinçci ungestört im ZDF sein neues Hetzbuch vorstellen. Auch Queer.de berichtete.

Dangerbananas schrieb über Alltagsrassismus, und zwar über den ZDF Neo vs. Stefan Raab-Fail und den Colbert-Report.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!




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Archäologische Ausgrabungen in Treblinka, Anti-Street-Harassment Woche und weiterer Widerstand – kurz verlinkt

3. April 2014 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Der Berliner CSD bennent sich in Stonewall Berlin um. LesMigraS macht in einer Erklärung deutlich, dass die Umbenennung allein nicht genügt und zeigt auf, wie eine neue Stonewall-Bewegung aussehen würde.

Mit dem Magazin progress spricht Christina Antonakos-Wallace über den Dokumentarfilm “with wings and roots”, der die Geschichten migratisierter Menschen in Berlin und New York erzählt.

“Sie tragen pinkfarbene Saris und pinkfarbene Knüppel, belagern Polizeistationen und Regierungsgebäude, blockieren Straßen und stürzen Politiker: Die Frauen der Gulabi Gang setzen sich in Indien gegen die Herrschaft der Männer zur Wehr.”, schreibt SpiegelOnline.

Bei der ZEIT wird die Feministin Anita Augspurg vorgestellt, die sich unter anderem während des 1. Weltkriegs für Frieden und internationalistischer Perspektiven einsetzte, für Frauenrechte und gegen patriarchale Strukturen (wie die Ehe) antrat und 1923 in Bayern die Ausweisung Hitlers wegen Volksverhetzung beantragte.

Und die neue Ausgabe der an.schläge ist erschienen. Auch online lässt sich wie immer einiges nachlesen zum Titelthema Abtreibung beispielsweise ein Interview mit der Gründerin von Women on Web und Women on Waves und zwei Erfahrungsberichten.

englischsprachige Links

Archäolog_innen haben in Treblinka erste physische Beweise für Gaskammern freigelegt. Mehr Infos zu Treblinka gibt es hier.

Diese Woche ist Anti-Street Harassment Week. Das finden Aktionen in vielen Ländern der Welt statt. Für Deutschland gibt es zum Beispiel eine Facebookseite mit Informationen.

In der Erzählung um die mexikanisch-amerikanische Arbeiter_innen-Bewegung steht César Chávez im Mittelpunkt, so ist ihm auch ein neuer Film mit passendem Titel gewidmet: “César Chávez: An American Hero”. Doch was ist eigentlich mit den Aktivistinnen? Colorlines beschäfftigt sich mit deren Engagement und der Herausschreibung aus der Geschichte.

Feministing schreibt über mexikanische indigene Frauen und wie deren reproduktive Rechte auf vielen Ebenen aus sexistischen und rassistischen Gründen missachtet werden.

Termine

08.-13.04. in Köln: FrauenFilmFestival.

Und schon einmal den Terminkalender zücken: Im Mai geht die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie auf Lesereise in Deutschland und der Schweiz.




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Vielleicht hat er Frauen gehasst, aber seine Literatur ist doch genial!

2. April 2014 von Charlott

[Inhaltshinweis: Beschreibungen von Gewalt]

Auch wenn in den letzten Jahrzehnten von vielen Seiten am Literaturkanon gerüttelt wurde, im Mainstream kommen kleine Errungenschaften nur langsam an. Dieselben Autoren (männlich, weiß) wie eh und je werden gefeiert und deren Lebensgeschichten zu Mythen verwoben, in denen Frauen häufig auf den Platz der liebenden Ehefrau, Muse oder Zerstörerin verwiesen werden (alles fein säuberlich in heteronormativen Vorstellungen verankert). Der Sexismus und die Misogynie in den Texten der Autoren wird im besten Fall “auf die damalige Zeit” geschoben oder als “satirische Verarbeitung” verstanden; die gelebte Gewalt gegen Frauen in ihren Umfeldern wird schnell zu kleinen Anekdoten. Anekdoten, die dazu beitragen, den Mythos um die jeweiligen Autoren aufrecht zuerhalten. Das Vokabular, welches dazu entwickelt wurde: Kompromisslos. Berüchtigt. Genial. Kontrovers.

Nehmen wir T.S. Eliot. Einer der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts, wie uns die Mainstream-Literaturgeschichte erzählt, und der Aussprüche wie den folgenden traf: “There are only a half dozen men of letters (and no women) worth printing.” (“Es gibt nur ein halbes Dutzend Schrifststeller (und keine Frauen), die es wert sind, gedruckt zu werden.”) Im Jahr 1915 heiratete er Vivienne. Ihre Geschichte zu rekonstruieren ist schwierig, denn nicht nur zeitgenössische Berichte, sondern auch Rückblicke neigen zu krassesten Pathologisierungen, die die Story darunter vollkommen übermanteln. Ihre eigenen Tagebücher sind ebenfalls nicht mehr zugänglich, da die zweite Frau Eliots diese an sich nahm. Fest steht aber, dass T.S. Eliot sich 1933 von ihr trennte und von da an alles daran setzte, kein Wort mehr mit ihr zu wechseln (geschieden aber wurden sie nie). Fünf Jahr später wurde sie durch ihren Bruder in eine psychatrische Anstalt eingeliefert. Dieser gab später selbst zu Protokoll: “She was as sane as I was. What Tom [Eliot] and I did was wrong. I did everything Tom told me to.” (“Sie war genauso bei Verstand wie ich. Was Tom (Eliot) und ich gemacht haben, war falsch. Ich habe alles gemacht, was Tom mir gesagt hat.”) Sie starb 1947 unter nicht ganz klaren Umständen in der Anstalt. Ein Jahr später erhielt Eliot den Literaturnobelpreis.

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