Vielleicht (oder bestenfalls!) befindet ihr euch gerade an Orten, wo ihr den doch plötzlich erscheinenden Sommer genießen könnt und nicht etwa irgendwo im Flutgebiet. Falls ihr trotzdem nicht vom Internet loskommt – ist hier wie jede Woche euer Platz zum Verlinken eigener Texte, aber auch Hinweise auf Veranstaltungen, Lesenswertes und Gründe für Rage!
Von #occupygezi, Medien-Fails und der Apocalypse – Die Blogschau
8. Juni 2013 von CharlottAuf textprodüksiyon gibt es einen differenzierten Blick auf die aktuellen Proteste in der Türkei. Und auch bei Kanaction geht es um das Thema: “Seiltanz der Solidarität(en): #occupygezi“.
Der SPIEGEL schreibt über Sexarbeit. Carmen stellt auf ihrem Blog heraus, wie der tendentiöse Artikel entstand. Oder wie sie einführt: “Ein Blogbeitrag über meine Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit dem SPIEGEL zum Thema Prostitutionspolitik, die mich desillusioniert hätten, wenn ich es nicht schon gewesen wäre.”
Auch auf Sina’s Blog ging es um besagten Text beim SPIEGEL.
re-empowerment! nimmt eine aktuelle Studie zu häuslicher Gewalt auseinander und wirft mal einen genaueren Blick auf die involvierten Menschen und Methoden. Der Grund? Gerade diese Studie soll – auch laut Medienberichten – zeigen, dass Männer viel betroffener wären und das mit nachweislich miserabelster Methodik. Was nach der Analyse bleibt, ist reine Maskuslisten-Propaganda.
Bei femgeeks hat Helga noch viel mehr zur Berichterstattung in den Mainstream-Medien zusammengetragen und urteilte: “Eine Woche voller Tiefpunkte”.
Warum werden eigentlich Sexarbeiterinnen kaum mit gedacht bei Debatten über Gewalt gegen Frauen? Diese Frage stellt Kate Zen auf menschhandel heute.
Ja, über Germany’s Next Top Model und Heidi Klum kann mensch ganz großartig herziehen. Das stellt auch AufZehenspitzen fest und konstatiert irritiert: “Und plötzlich finden alle Sexismus scheiße“…
“Keinen CSD mit Nazis” fordert queergestellt und veröffentlicht eine Stellungnahme zur Anmeldung von “pro Köln”.
Natasha A. Kelly blickt zurück auf die Podiumsdiskussion “Colors of Feminism” und schreibt zu Rassismus in weiß dominierten Feminismen.
Auf e13 schreibt Kiki Thaeringen eindrücklich über Mobbingerfahrungen (in der Schulzeit) und warum es ganz sicher nicht lustig ist, wenn irgendwelche Menschen im Netz gewollt lustig über ihr eigenes Tätersein bei Schulmobbing “beichten”.
Das Bundesverfassungsgericht hat gerade entschieden: Paare, die in eingetragener Lebenspartnerschaft leben, haben Anspruch auf das so genannte Ehegattensplitting. Bei L-talk findet frau das zwar natürlich gut und gerecht, ist aber trotzdem nicht ausschließlich begeistert.
Und sonst die Woche? Die Apokalypse wird kommen (orakelt tenthousand spoons) – jedenfalls könnte eins das denken bei all den Kommenateren zum Femininum in Leipzig. Gut, dass sich die juristische Fakultät da zu wehren versucht! /sarkasmus
Heute um 13:30 findet in Berlin ein Protest gegen die “Nacktfußball-EM der Frauen” statt (facebook-Link).
Und für alle Kurzentschlossenen heute Abend in Berlin: Zeina Abirached und Paula Bulling sprechen auf der Lange Buchnacht über die unterschiedlichen autobiografischen Perspektiven ihrer Graphic Novels “Das Spiel der Schwalben” und “Im Land der Frühaufsteher” im SO36, 19.00 Uhr.
Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!
Tags: #occupygezi, CSD, Der Spiegel, generisches Femininum, Gewalt gegen Frauen, GNTM, Häusliche Gewalt, Heidi Klum, Istanbul, Medienkritik, Mobbing, Rassismus, Sexarbeit, Sprachkritik
Geschrieben unter Verlinkt | Keine Kommentare »Oh nein, im SPIEGEL steht was über Feminismus!
7. Juni 2013 von MagdaIn unserer Serie Feminist Fun Friday (a.k.a. Feminist Revenge Friday) analysieren wir aktuelle Themen bilderreich. Kann Spuren von Ironie enthalten.
Der SPIEGEL schreibt in der aktuellen Printausgabe über feministischen Aktivismus.

Ey, kein Scherz! Aber bloß nicht zum Kiosk laufen und der Malestreampresse Geld schenken. Ich habe mir nämlich extra die Mühe gemacht, die besten Sahnestückchen dieses Artikels zu kommentieren. Let’s roll! Es beginnt wie Popcorn-Kino: Neben Wiebke Hollersen schrieb auch Jan Fleischhauer am Artikel mit. Ja genau. Das ist der, der als “Experte” zu Sexismus und Rassismus in alle Talkshows Deutschlands eingeladen wird und dann – suprise, surprise – nur hetero_sexistischen und rassistischen Quatsch labert. Und der schreibt jetzt wieder was zu Feminismus…?

Tags: #aufschrei, Femen, Femen Germany, Feminismus!, Jan Fleischhauer, Netzfeminismus, Rassismus, Sexismus, Sexistische Kackscheiße, SPIEGEL
Geschrieben unter Stinkt zum Himmel | 25 Kommentare »“Mama, ich verstecke mich vor dir!” – Outing als queeres “Enfant Terrible” im bikulturellen Kontext
6. Juni 2013 von Gastautor_inUnsere Gastautorin Heng lebt und studiert in Freiburg. Als Tochter eines iranischen Paares wuchs sie von der Anfangsstunde an zwischen zwei Kulturen auf und merkte schnell, dass sie in keine der beiden so richtig reinpasst. Ihr Blog Tea-riffic dient ihr als Megaphon in die digitale Welt, ansonsten schreibt sie als freie Autorin für die taz, das Missy Magazine und fudder.
Das erste Mal, als meine Mutter mich am Telefon fragte, ob ich in der neuen Stadt denn gar keinen netten Jungen kennengelernt habe, war ich kurz davor zu sagen: “Nein, Mama, aber ein total süßes Mädchen!” Was passiert wäre, wenn ich es tatsächlich getan hätte, kann ich nur spekulieren.
Vielleicht hätte sie es für einen Scherz gehalten und gelacht. Vielleicht wäre sie wütend geworden – nein, nicht vielleicht, ganz bestimmt -, hätte mich in hoher Lautstärke zurechtweisen wollen, mir weißmachen, dass es falsch, ja krank, sei. Ob es Maßnahmen gegeben hätte, mich “zur Vernunft” zu bringen? Ich weiß es nicht, so sehr ich es mir vorstellen kann, kommt es mir letztendlich doch absurd vor, wenn meine Eltern mir deshalb, sagen wir, die finanzielle Unterstützung streichen würden. Ich bekomme kein BaföG und bin zu einem großen Teil von ihnen abhängig, somit wäre dieses Druckmittel für mich tatsächlich mit viel Stress verbunden: Einen zusätzlichen Job suchen, einen Studienkredit aufnehmen, Geld von Freund_innen leihen.
Vielleicht hätte sie den Kontakt zu mir abgebrochen, meiner Schwester verboten, mich anzurufen – oder das komplette Gegenteil in Form von Kontrolle und Überwachung. Was sie in dem Moment ganz bestimmt nicht entgegnet hätte, wäre Akzeptanz oder Freude.
Das Outing bei den Eltern ist in meinem gesamten Freund_innenkreis ein großes Thema gewesen. Obwohl die meisten Familien offen und positiv reagierten, war das Aussprechen der Tatsachen eine Hürde für meine Freund_innen.
Was mich so sehr verunsichert, meinen Eltern von meinem Begehren zu erzählen, ist mein bikulturelles Umfeld. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, meine Eltern allerdings nicht. Sie sind vor knapp 30 Jahren aus dem Iran hergezogen und haben Kindheit wie Jugend in einem streng muslimischen Kontext erlebt. Ein Land, in dem allgemeine Wertvorstellungen durch das Gesetz so stark ins Private durchdringen, in dem Minderheiten unsichtbar sind und in dem die Religion so sehr im Vordergrund steht, prägt identifikationsstarke Begriffe wie Kultur und Tradition ungemein. Denken sie an ihre Heimat, können diese Dinge nicht komplett ausgeblendet werden.
Nun kann auch von Deutschland nicht behauptet werden, vollständige Religionsfreiheit gewährt zu bekommen, marginalisierten Gruppen den nötigen Raum zu lassen und das Festlegen persönlicher Werte den Bürger_innen zu überlassen.
Tags: Heterosexismus, Homophobie, Outing, Queer
Geschrieben unter Schubladendenken | 5 Kommentare »Erstes Lady*fest in Heidelberg!
6. Juni 2013 von MagdaAbsolute Weltpremiere! Vom 12. bis zum 15. Juni findet in Heidelberg das erste Lady*fest statt. Es wird eine Reihe an Workshops, Performances, Parties, leckeres Essen, Filme und ein Kleinkunstabend geben.
Du suchst ein Ladyfest in deiner Nähe? Es gibt eine Auflistung von Ladyfesten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vom letzten Jahr. Die meisten der Kollektive sollten noch aktiv sein und freuen sich immer über neue Mitstreiter_innen.
Tags: Feminismus!, Heidelberg, Ladyfeste
Geschrieben unter Mitmachen, Pop_Kultur, Rebel Grrrls, Terminkalender | Keine Kommentare »Riot Grrrl, Trolle und schicke Bikinis – Kurz Notiert
5. Juni 2013 von der MädchenmannschaftDie ISD Berlin (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland) hat am vergangen Freitag den von zahlreichen Einzelpersonen und Initiativen unterzeichneten Offenen Brief an die taz überreicht, um diese zu einer ernsthaften rassismuskritischen Auseinandersetzung zu bewegen.
Deathfat Princess hat sich für den Sommer ein paar schicke Bikinis gekauft (englisch, mit schönen Bildern).
Vom Bikini zu Bikini Kill & Co: Ein neues englischsprachiges Buch über die Riot Grrrl Bewegung ist draußen: The Riot Grrrl Collection.
Einen fuck-yeah!-Moment beschert uns Feministing: Dort wird von einem schwulen Pärchen berichtet, dass an einer US-amerikanischen High School zum ‘süßesten Pärchen’ gewählt wurde – zum ersten Mal in der Geschichte der Schule. Für schwule, lesbische und queere Jugendliche kann das viel bedeuten, denn wir wissen: ‘schwul’ ist nicht nur in Deutschland beliebtes Schimpfwort unter Jugendlichen.
Der Dokumentarfilm with_WINGS_and_ROOTS, in dem es um Migration, politischen Aktivismus, Kunst als politisches Mittel und Engagement gegen Diskriminierung und Rassismus geht, braucht weiterhin eure Unterstützung.
“Füttere die Trolle nicht” hört mensch oft in feministischen Diskussionen. Manchmal macht es aber Spaß, sie zu füttern. Und ab und zu – wenn mensch Zeit und Lust hat – lohnt es vielleicht auch mal, mit ihnen zu diskutieren, findet zumindest Jessica Valenti in ihrer Kolumne auf The Nation (englisch).
Auf Spectra Speaks gibt es einen lesenswerten Artikel auf Englisch: Straight Allies, White Anti-Racists, Male Feminists (and Other Labels That Mean Nothing to Me).
Cory Silberberg schrieb ein Aufklärungsbuch für Kinder, das mit dem heteronormativen Schema “Mama und Papa bekommen ein Kind” bricht. In der Huffington Post erklärt er, warum er dieses Buch genau so schrieb (englisch).
@OccupyGeziNews hat ein Video (mit türkischen und englischen Untertiteln) zu den Protesten und der massiven Polizeigewalt gegen Demonstrant_innen in Istanbul (und Ankara und weiteren Städten) zusammengestellt [Inhaltshinweis: Polizeigewalt]:
turkey revolts/occupy gezi (english subtitle) from Ali İbrahim Öcal on Vimeo.
Veranstaltungstipps in Berlin, Frankfurt/Main, Göttingen, Hamburg, Stuttgart, Wien und Würzburg nach dem Klick Weiterlesen »
Tags: Antifee, Aufklärung, Bikini, FemFest, Heteronormativität, ISD, Polizeigewalt, Rassismus, Riot Grrrl, Schwule, taz, tazlab, Trolle, Türkei, USA, Verbündete, Wikipedia, with WINGS and ROOTS
Geschrieben unter Verlinkt | 1 Kommentar »Mitgemeint an der Uni Leipzig
5. Juni 2013 von CharlottWenn Grundordnungen von Hochschulen geändert werden, schafft dieser Fakt selten Medieninteresse. Anders die aktuelle Änderung, die die Universtität Leipzig vornimmt. So berichtet Benjamin Haerdele bei der duz:
Rektorin, Dozentinnen, Wissenschaftlerinnen – da, wo früher in der Grundordnung der Universität Leipzig die sogenannte Schrägstrich-Variante genutzt wurde, also etwa Professor/Professorin, steht künftig ausschließlich die weibliche Personenbezeichnung. Eine Fußnote ergänzt, dass diese feminine Bezeichnung sowohl für Personen männlichen als auch weiblichen Geschlechts gilt.
Durch die verschiedenen Unigremien ist diese Änderung bereits gewandert. Die Grundordnung wird mit größter Wahrscheinlichkeit so in Kraft treten (nur das Wissenschaftsministerium könnte noch eine Änderung fordern). Ausschlag für die Änderung waren übrigens (die oft gehörten) Beschwerden gewesen, dass die Schrägstrich-Form so schwer lesbar sei.
Auch Spiegel Online übernahm den Artikel, versah ihn aber mit irreführender Überschrift (“Guten Tag, Herr Professorin”) und Teaser, so als sollte den antifeministischen Kommentatoren gleich genug Futter gegeben werden, ohne dass sie den ganzen Text lesen müssten. Das Nutzen einer rein maskulinen Form, das ist “Normalität”, die gern verteidigt wird. Doch wie Nadine schon zur letztjährigen #InWoche, einer Aktion zum “generischen Femininum”, schrieb:
Mit dem generischen Maskulinum kennen sich die meisten bestens aus. [...] Tatsächlich belegen Rezeptionsstudien, dass das generische Maskulinum kein neutrales und universales “menschen-bezeichnendes” Ding unserer Grammatik ist, sondern die vermeintlich harmlose Sprache mit kulturellen wie machtvollen Bedeutungen belegt ist. Wenn wir etwas lesen, haben wir also Bilder im Kopf. Wenn Personen in Texten angesprochen werden, dann haben wir diese vor Augen.
Die Realität von Sprache zeigt, dass mit dem generischen Maskulinum nicht alle Menschen angesprochen werden, auch wenn dies vorgegeben wird, sondern in erster Linie Männer. In einer sexistischen und androzentrischen Gesellschaft ist dies nicht verwunderlich, im Gegenteil: Normalität.
In einer solchen Gesellschaft kann das Umschreiben einer gesamten Hochschul-Grundordnung in die feminine Form für Irritation und somit Auseinandersetzung mit sexististischen Realitäten sorgen. Denn auch Formen wie “Studierende”, die mittlerweile an vielen Hochschulen gebräuchlich sind, werden vorwiegend als männlich gelesen – wie das so oft mit vermeintlich “neutralen” Formulierungen ist. Ein Allheilmittel gegen sexistische Strukturen an einer Universität ist diese Intervention aber natürlich ebenfalls nicht.
Auch das Umschreiben in eine allein weibliche Form produziert wieder Ausschlüsse, genauso wie das verdeutlichen von mitgemeinter Zweigenderung in der Fußnote (gemeint seien Männer und Frauen). Da wären Sprachinterventionen, die dies mitbedenken besonders wünschenswert. Für die Humboldt-Universität in Berlin hat Lann Hornscheidt einen Leitfaden “Geschlechtergerechte Sprache” geschrieben, der unterschiedliche Sprachformen aufzeigt und diskutiert. Und schon gleich zu Beginn heißt es da: “Der Leitfaden regt zu einem kreativen Umgang mit Sprache an!”
Tags: generisches Femininum, Hochschule, Sprache
Geschrieben unter Wissenschaft | 10 Kommentare »Spermaspender klagt Vaterschaft bei lesbischem Paar ein
4. Juni 2013 von MariaIn einem vielbeachteten Urteil hat der Bundesgerichtshof vor wenigen Wochen die Rechte “biologischer” Väter weiter gestärkt. Aus den Informationen der Pressemitteilung des BGH lebten der Kläger und die Mutter des Kindes beide jeweils mit ihren Partner_innen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Der Kläger hatte der Mutter ein Gefäß mit seinem Sperma zur Verfügung gestellt und sie hatte die Insemination vorgenommen. Später war man sich offenbar uneins, ob der Spender über seine Rolle hinaus Vaterpflichten übernehmen sollte. Um eine Vaterschaftsanerkennung des Spenders zu verhindern, hatte ein anderer Mann als sogenannter Sperrvater das Kind als seines anerkannt.
Dagegen wendete sich nun der Kläger erfolgreich. Nach geltendem Recht ist das alles keine größere Überraschung, denn der biologischen Vaterschaft wird ein hoher Wert beigemessen und die Regeln im BGB dazu sind relativ klar. Einzige Frage hier war, ob ein Spender, der der Mutter nicht, wie es der Gesetzestext charmant formuliert “während der Empfängniszeit beigewohnt” hat (§ 1600 Abs. 1 Nr. 2 BGB), die Vaterschaft anfechten kann. Natürlich kann er das, entschied nun der BGH. Der einzige Fall, in dem das anders sein könnte, ist der Fall einer Spermaspende, wenn ein hetero lebendes Paar Sperma eines Dritten nutzt und von Anfang an alle darüber einig sind, dass der Partner der Frau und nicht der Spender Vater sein soll (§ 1600 Abs. 5 BGB).
Schade nur, dass es im Gesetz keine solche Regelung für lesbische Paare gibt. Die Anfechtung der Vaterschaft setzt voraus, dass zwischen dem “Sperrvater” und dem Kind keine sozial-familiäre Beziehung besteht und der Anfechtende leiblicher Vater ist (§ 1600 Abs. 2 BGB). Weil es allein um die Vaterschaft geht, spielt die sozial-familiäre Beziehung der Partnerin der Mutter zum Kind hier keine Rolle. Um das lesbische Paar ging es also nie wirklich.
Eine Elternschaftsanerkennung der Partnerin der Mutter ist nicht möglich, sie bleibt auf die Adoption des Kindes ihrer Partnerin (sogenannte Stiefkindadoption) verwiesen. Dafür braucht es in der Regel aber die Einwilligung des Vaters. Laut Frankfurter Rundschau will er die allerdings nicht geben.
Tags: BGH, Lesben, Lesbische Paare, Stiefkindadoption, Vaterschaft
Geschrieben unter Stinkt zum Himmel | 8 Kommentare »Wer war… Marianne Ferber?
4. Juni 2013 von Gastautor_inNachdem Christina an die Mädchenmannschaft eine E-Mail mit dem Hinweis schickte, dass Marianne Ferber, eine der “Mütter der Feminist Economics”, am 11. Mai 2013 verstorben war, baten wir die Politikwissenschaftlerin Sarah, Jahrgang 1985, für uns einen Gastbeitrag zu schreiben. Feministisches Teamwork!
Am 11. Mai 2013 verstarb die Mitbegründerin der Feministischen Ökonomie Marianne Ferber im Alter von 90 Jahren. Sie hatte sich erstmals in den frühen 1970er Jahren als Professorin der Wirtschaftswissenschaften in den USA mit der Entlohnung von Frauen in der Wissenschaft beschäftigt und damit das Forschungsthema gefunden, das sie fortan beschäftigen sollte.
Geboren 1923 in der damaligen Tschechoslowakei floh Ferber 1938 mit ihrer Familie vor der sich drastisch verschärfenden Entrechtung und Verfolgung europäischer Jüd_innen und wanderte nach Kanada aus. Dort begann sie mit 17 Jahren und zunächst spärlichen Englischkenntnissen ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Nach ihrem Bachelorabschluss wurde sie dazu ermuntert weiterzustudieren und erhielt zwei Angebote für ein Promotionsstipendium. Da sie in Harvard als Frau keinen Zutritt zur Bibliothek der Wirtschaftswissenschaften gehabt hätte, ging Ferber 1944 an die University of Chicago. Zehn Jahre später, nach erster Berufstätigkeit, mehreren Umzügen und der Geburt eines Kindes erhielt sie schließlich ihren Doktortitel (PhD). Als jüdische Einwanderin war es für Ferber äußerst schwierig, in der Wirtschaftswissenschaft Fuß zu fassen. Erst 1955, als ein eklatanter Mangel an Lehrpersonal herrschte, erhielt sie an der University of Illinois-Champaign, an der ihr Mann als Professor lehrte, eine Stelle. Insgesamt 15 Jahre lang wurde sie semester-, später jahreweise als Gastdozentin eingestellt (offiziell wegen strenger Regeln gegen Vetternwirtschaft), bis sie 1971 zur Assistenzprofessorin ernannt wurde.
Tags: Antisemitismus, Feminist Economics, Feministische Ökonomie, Gender Pay Gap, Juden und Jüdinnen, Lohndifferenz, Marianne Ferber, USA, Wirtschaft
Geschrieben unter Rebel Grrrls, Working Girl | 4 Kommentare »Die Rollen autonom organisierter rechter Frauen (1)
3. Juni 2013 von accalmie[Dies ist der erste von zwei Teilen eines Beitrags zu autonom organisierten, extrem rechten Frauen. Unter "autonom organisiert" werden hier Personen und Gruppen verstanden, die unabhängig von Parteistrukturen/-institutionen aktiv und organisiert/vernetzt sind. Nähe zu oder (indirekte) Unterstützung durch die NPD (PDF) bestand/besteht dennoch bei einigen "autonomen" rechten Organisationen.]
“Ich bin nicht nur ein Anhängsel meines Freundes, sondern [...] eine Kämpferin für Deutschland” – so ließ sich vor elf Jahren ein Mitglied der “Mädelschar Deutschland” zitieren, als Beate Zschäpe mit dem NSU bereits mordend durch die Republik zog.
Wie Charlott gezeigt hat, schließen sich Frau*sein und Rechtsextremismus (PDF; siehe auch die in Charlotts Beitrag verlinkte kritische Definition) nicht nur nicht aus, sondern zu “Geschlecht” gibt es zum einen ausgeprägte Rollenvorstellungen in rechten Gruppierungen, zum anderen dient “Geschlecht” als strategisches Mittel zum (Propaganda-)Zweck und führt somit auch zu Widersprüchen zwischen einer reaktionären Geschlechterideologie und gleichzeitigem Aktivismus rechter Frauen. Während die NPD einen Frauenanteil von etwa 27 Prozent hat und trotz eigener Frauenorganisation, dem 2006 gegründeten “Ring Nationaler Frauen” (RNF, momentan unter dem Vorsitz der Diplom-Schauspielerin Ingrid Schüßler), männlich* dominiert bleibt, sind autonome Gruppen extrem rechter Frauen (oder mit substanzieller Mitwirkung jener) keine Neuerscheinung.
Wurden in den 1980er Jahren extrem rechte Frauengruppen noch meist als Rekrutierungs- und Propagandamittel von Männern gegründet (z.B. die “Deutsche Frauenfront” und die Frauenschaft der “Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“, die beide Mitte der 1990er Jahre aufgelöst bzw. verboten wurden), begannen autonome rechtsextreme Aktivistinnen in den 1990er Jahren sich selbst zu organisieren. Bemerkenswert hierbei ist sowohl der quantitative Anstieg politisch aktiver Rechtsextremistinnen als auch die qualitative Neuerung innerhalb jenes Aktivismus, eigene Gruppen zu gründen und deren Interessen nach außen zu Vertreten.
Wie zum Beispiel Kirsten Döhring und Renate Feldmann beschrieben, war der zwischen 1990 und 1991 gegründete Skingirl Freundeskreis Deutschland (SFD) die erste eigenständige Rechtsextremistinnengruppe, die bundesweit organisiert war. Ziel des SFD waren jedoch keine eigenen “Aktionen;” im Mittelpunkt stand der Anspruch, extrem rechte Frauen noch stärker zu politisieren und ihnen Zusammenhalt zu bieten. Zu diesem Zweck fanden sogenannte “gemeinschaftsfördernde” Treffen statt, und im SFD-Mitteilungsblatt “Walküre” wurden Texte zu deutschem Brauchtum, “Germanentum”, Geschichtsrevisionistisches und “Mutter und Kind” veröffentlicht. Wodurch der SFD sich daher auszeichnete, war sein besonderer Grad der Vernetzung: es fanden kontinuierliche Treffen und “Schulungen” statt, Rundbriefe wurden verschickt und der SFD unterhielt internationale Kontakte. 2000 löste sich die Gruppe aufgrund eines drohenden Verbots selbst auf; die Spaltung des SFD führte jedoch zur Neu-/Anschlussgründung anderer (extrem) rechter Frauenorganisationen. Weiterlesen »
Tags: Antisemitismus, Autonome Rechte, Beate Zschäpe, Deutschland, extreme Rechte, Faschismus, Frauen in der rechten Szene, GDF, Geschlechteressentialismus, Geschlechterideologie, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Heterosexismus, Homophobie, Jörg Hähnel, Nationalismus, NPD, NSU, Rassismus, Rechtsextreme Frauen, Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus, RNF, SFD, Sigrid Schüßler, Stella Hähnel, Völkische Ideologie
Geschrieben unter Stinkt zum Himmel | 1 Kommentar »









