Ablasshandel oder solidarische Handlung? Über Umverteilung mittels Geldspenden

17. Juli 2014 von Nadine

Alok Vaid-Menon hat vor kurzem einen sehr lesenswerten Artikel über Spenden als politische Handlung geschrieben. In seinem_ihrem Artikel geht es vor allen Dingen um Geldspenden an politische Graswurzel-Organisationen, die ressourcenarme queere Trans* of Color in ihrer Arbeit zentralisieren, also den immer miteinander verschränkten Kämpfen gegen Rassismus, Klassismus und Sexismus ihr Handeln widmen. Die Arbeit dieser Organisationen ist fundamental wichtig, da sie einem rassistischen, sexistischen und kapitalistischen System vor allem jene Menschen fokussieren, die nicht auf staatliche Unterstützung hoffen können, da sie (auch) von staatlicher Seite Repressionen und Gewalt ausgesetzt sind. Mainstream LGBT-Organisationen und Vereine sind hauptsächlich an “Gleichstellung” mit einer hetero_sexistischen und weißen Norm interessiert und verlagern öfter ihre Schwerpunkte ins Ausland. Damit nähren sie die stereotype Vorstellung, dass es “anderswo” Homophobie zu bekämpfen und westlich-europäische Grundwerte zu verteidigen und den “undemokratischen Anderen” vorzuzeigen gilt. Dabei geraten die Ursachen und spezifischen gesellschaftlichen Kontexte ehemals kolonisierter Staaten und die noch immer hohe ökonomische Einflussnahme westlicher Industrienationen – also ehemaliger Kolonialmächte – aus dem Blick, ebenso das rassistisch wie kapitalistisch motivierte Interesse, mit einem Pseudokampf für die Gleichberechtigung von z.B. Lesben und Schwulen Ausbeutung, Gewalt und Krieg in diesen Staaten zu rechtfertigen.

Ebenso vernachlässigt wird in diesem Zusammenhang Rassismus und Hetero_Sexismus innerhalb der eigenen Staatsgrenzen bishin zu rassistischen Kampagnen eben dieser LGBT-Organisationen, die damit einen vermeintlich unvereinbaren Gegensatz zwischen queer und of Color kreieren oder mal nebenbei die eigene lesbischwule Involviertheit in staatliche Verbrechen der NS-Vergangenheit unter den Tisch kehren. Kurz: der Staat hat ein hohes Interesse daran, besonders jene LGBT-Organisationen mit infrastrukturellen Mitteln auszustatten, die gesellschaftliche Normen (wie weiß_deutsch oder heterosexuell) nicht in Frage stellen, sondern sich an ihnen orientieren.

Vaid-Menon hat in ihrem_seinen Artikel allerdings nicht nur die staatliche Seite im Blick mit seiner_ihrer Kritik, sondern auch Aktivist_innen, die zwar die Anliegen der Graswurzel-Organisationen unterstützen, jedoch bisher nur ideell und weniger bis gar nicht finanziell. An sie appelliert sie_er, eigene ökonomische Privilegiertheit und sozialen Status in das eigene politische Handeln einzubeziehen und Geld zu spenden. Es kann nicht nur um Anerkennung und Repräsentation von politischer Arbeit gehen, Umverteilung muss stärker in den Blick gerückt werden.

Ich bin die meiste Zeit in Berlin politisch aktiv und halte mich viel in den hiesigen queer_feministischen Kontexten auf. Kontexte, die auch die Arbeit von Mainstream-LGBT-Organisationen oft genug kritisieren. Ich bekomme trotzdem selbstverständlich nur ausschnittweise Debatten mit, die hier geführt werden, z.B. wenn mal wieder Kritik an den rassistischen Ausschlüssen oder intransparent arbeitenden Strukturen dieser Kontexte geübt wird. Im vergangenen Frühling und Sommer gab es einige für mich wahrnehmbarere Auseinandersetzungen mit diesen Kritiken und Umverteilung/Spenden an antirassistische Organisationen waren ebenfalls Teil dieser Auseinandersetzungen. Ich habe mitbekommen, dass Spenden kritisch diskutiert wurden, weil die Umverteilung von Geld an antirassistische Projekte mittels Soli-Partys, Geld spenden, das von Veranstaltungen über ist auch an “Entwicklungshilfe”-Diskurse anschlussfähig ist, weiße sich damit von ihrer Verantwortung “freikaufen” wollen, Ablasshandel etc. Im Gegenzug habe ich es auch schon erlebt, dass auf Antira-Soli-Partys kaum ein Euro über ist für die Spendenbox oder den Eintritt, allerdings mehrere für Alkohol.

Obwohl ich die Kritik, die auch von PoC an einer ausruhenden Spenden-Mentalität geäußert wurde, teile, halte ich jeden Euro für prekäre politische Arbeit, die nicht auf etablierte (staatliche) Fundraising-Strukturen zurückgreifen kann, für wichtig. Egal von wem und mit welcher Intention. Anders als bei “Entwicklungshilfe”-Non-Profit- und -Nichtregierungsorganisationen (kurz: NPO oder NGO), die mit kolonialrassistischen und paternalistischen Spendenaktionen das schlechte Gewissen der weißen (Bürgerlichen) anticken wollen und bekannt ist, dass das Geld dieser Non-Profits und NGOs eher in die eigene Tasche, denn in sinnvolle Unterstützung fließt (siehe NGO industrial complex), sprechen wir bei alternativen/herrschaftskritischen Polit-Kontexten von illegalisierten Projekten und/oder Projekten, die aufgrund ihrer politischen Haltung und Arbeit nicht für (staatliche) Fördertöpfe in frage kommen, weil Kompromisshaltung und Anbiederung schlicht im Widerspruch zu ihrer Arbeit steht.

Auch bei Berliner Projekten, die vom Senat gefördert werden, ist zu verzeichnen, dass eher die personell und finanziell gut aufgestellt sind, die ihren Schwerpunkt nicht in mehrdimensional ausgerichteter Antigewalt- und Antidiskriminierungs- arbeit haben, während andere Senats- und staatlich geförderte Projekte, die Wert darauf legen mit ihrer emanzipatorischen Arbeit nicht an anderen Stellen Diskriminierung fortzuschreiben, zusehen müssen, wie sie überhaupt ihre Arbeit tun können. Geldspenden sind auch bei diesen Organisationen wichtig, um die Eigenmittel zu erhalten/erhöhen, damit überhaupt Gelder in bestimmter Höhe von staatlicher Seite beantragt werden können.

Insofern halte ich es für Luxus und wenig praktikabel erstmal unter uns weißen zu diskutieren, ob Spenden an unterstützenswerte Organisationen, Vereine und Projekte dem weißen Gönnertum zuträglich sind, das eigene Gewissen erleichtern oder sonst wie problematisch im Hinblick auf die Reproduktion von white supremacy (weißer Überlegenheit) sind. Es geht schließlich auch nicht um ein Entweder (spenden) – Oder (anders unterstützen). Solidarische Handlungen sollten im besten Falle auf mehreren Ebenen erfolgen, angefangen bei eigener Weiterbildung oder Übernahme von Tätigkeiten, die keine repräsentativen Zwecke haben (infrastrukturelle, organisatorische arbeiten im Hintergrund, für die in diesem fall weiße keine öffentliche Anerkennung erhalten).

Doch nicht nur Vereine und Organisationen sind mit Geld unterstützenswert, auch die Arbeit von einzelnen Aktivist_innen ist es. Crowdfunding-Plattformen bieten neben direkten Überweisungen z.B. eine Möglichkeit konkrete Projekte und Kampagnen mit Geld zur Realisierung zu bringen. Einfach Augen und Ohren offenhalten, dank sozialer Medien und eigener Netzwerke kommt einer_m selten an Spendenanfragen vorbei.

Es ist bekannt, dass die weiß-dominierten queer_feministischen Kontexte hier in Berlin zwar nicht reich sind, sich jedoch selten kritisch mit Klassen-, Geld-, Eigentums- und Besitzverhältnissen beschäftigen, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass zwar Ressourcen zur Verfügung stehen, diese jedoch nicht oft geteilt werden wollen, wenn sie nicht der Befriedigung eigener Bedürfnisse dienen. Klassismus in queer_feministischen Kontexten is a thing, vor allen Dingen dann, wenn Personen permanenter struktureller Gewalt (z.B. Rassismus) ausgesetzt sind und damit der Zugang zu Ressourcen beschränkt wird, die für die meisten weißen wie mich selbstverständlich sind, z.B. Anspruch auf staatliche Sozialleistungen.

Auch dass häufig Energie und andere Ressourcen auf die Organisation gut besuchter Partyreihen und anderen Konsumveranstaltungen verwendet werden kann, könnte ein Marker dafür sein, wer mehr als andere in der Lage ist, über die eigene Ressourcenverteilung selbst zu entscheiden und politische Arbeit im Sinne der eigenen Bedürfnisse zu tun.

Zu guter Letzt: Alok Vaid-Menon beschäftigt sich in dem verlinkten Text auch mit der Frage, wie theoretisieren und diskutieren _über_ etwas mit praktischen Konsequenzen zusammenhängen sollte:

“[...] I’ve always had the financial security to discuss political theory in the abstract, without facing the material consequences of these ideas. In these spaces ‘radical’ is less about your actual impact (ability to redistribute capital and resources) and more about the quality and ambition of your argument”

“Ich habe immer die finanzielle Sicherheit gehabt, um politische Theorie im Abstrakten zu diskutieren, ohne mich den materiellen Konsequenzen dieser Ideen zuwenden zu müssen. In diesen Kontexten geht es bei “radikal” weniger um den tatsächlichen Einfluss (Möglichkeit, Kapital und Ressourcen umzuverteilen) und mehr um die Qualität und die Zielrichtung des eigenen Arguments”




Tags: , , , , , , ,

Geschrieben unter Aktivismus, Ideen - Theorien | Keine Kommentare »


Diskussionen über Triggerwarnungen und Mansplaining-Belege – kurz verlinkt

16. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Links

Die russische Aktivistin und Publizistin Walerija Iljinitschna Nowodworskaja ist im Alter von 64 Jahren gestorben.

Englischsprachige Links

Der Us-amerikanische Profi-Fussballer Landon Donovan ist nicht derjenige, der in seiner Zeit als aktiver Spieler die meisten Tore schoss (wie viele Medien berichten), sondern die Fussball-Spielerin Abby Wambach. Männerfussball scheint in der Berichterstattung wohl wieder mal der Maßstab zu sein, wie die Huffington Post berichtet.

Wurde Eure Timeline auch von diesem Jack Halberstam-Text heimgesucht, der letzte Woch viral ging? Auf Teile des Ganzen gibt es einen Antworttext auf “You Are Triggering me! The Neo-Liberal Rhetoric of Harm, Danger and Trauma”, kurz und knapp: Snarking Back.

Andrea Smith kontextualisiert Triggerwarnungen und schreibt über deren Bedeutungen in einer größeren Befreiungs- und Anti-Gewalt-Bewegung. Dabei zeigt sie auf, wie wichtig es ist Bewegungen zu bauen, in denen traumatisierte Menschen Platz haben.

Für alle, die noch “Beweise” benötigen: Bitch Magazine hat sieben Studien zusammengestellt, die zeigen, dass “mansplaining” existiert und wie es funktioniert.

Eine Empfehlungsliste zu Werken die sich mit Themen rund um LGBT und Judentum/jüdische Identitäten/jüdische Erfahrungen drehen, bzw. von jüdischen LGBT-Autor_innen verfasst wurden.

Im Juni war eine studentische Gruppe unter Leitung der Professorin Heidi Reneé Lewis vom Colorado College in Berlin zu Gast und veranstaltete eine Reihe von tollen Diskussionsrunden zu den Themen Feminisimus_Anti-Rassismus. Mit dabei war u.a. Sharon Dodua Otoo mit ihrer Witnessed-Reihe und Magda zu fetten Aktivismus in Deutschland.

Termine

Vom 11. bis 14. September findet in Hannover das Hip Hop-biggerthanfest statt. Infos findet Ihr hier.




Tags: , , , , , ,

Geschrieben unter Verlinkt | 2 Kommentare »


informatives. die kulturhete

15. Juli 2014 von Gastautor_in

Crosspost von Techno Candy mit freundlicher Genehmigung. Frederik twittert auch!

kulturhete, die. Hetero oder hetera der/die in kulturarbeitenden milieus auftritt und sich durch den beruf des/der kulturarbeiter/in sowie durch biokonsum von selbstkritischer positionierungsdenkleistung sowie privilegienaufarbeitung befreit glaubt.

allgemeines

Die k. muss nicht weiß sein, ist es jedoch häufig. In vielen fällen kommt fehlender blick für die eigene weiße, europäische positionierung zu ihren vielfältigen attributen hinzu. Die k. interessiert sich für geschichten, die das weiße subjekt ins zentrum stellen und ihm zur deutungsmacht verhelfen, sie liebt es, weiße frauen und nicht-heten sowie nicht-weiße charaktere unterschiedlicher geschlechter und sexualitäten in witzfiguren zu formen und begeistert sich für unterdrückung stützende diskurse. Diskurse sind wichtiger als menschen, tiere und lebensrealitäten. Die k. definiert diskurse wie folgt: Ein diskurs ist a) etwas, das foucault geschrieben hat und das von der k. richtig gut verstanden wurde b) etwas, das ihre artverwandten, die linken typen, manchmal beim bier besprechen c) etwas, das in einem artikel der alnatura-kundenzeitung steht oder schonmal stand.

körper

Der körper der k. ist meist ein cis körper. Viele k. müssen sich nicht über funktion oder bedeutung ihres körpers bewusst werden, daher erleben sie schauspielunterricht nicht als zweigeschlechtliche zurichtung. Sie sprechen gern und detailgenau über menschliche fortpflanzung und teilen ungefragt mit wann sie dieser mit anderen k. gemeinsam nachgegangen sind und welche ergebnisse zu erwarten sind. Beliebt ist außerdem, sich gegenseitig mit informationen zu diät- und fitnessprogrammen sowie kritischem feedback zu normabweichenden körper(funktione)n zur schaffung und erhaltung der ciskörper zu verhelfen.

religion

Die meisten k. glauben an die errungenschaften der aufklärung und schrecken nicht dafür zurück die menschenrechte zur gewaltvollen verteidigung ihrer öden meinungen heranzuholen. Regelmäßig schrecken sie davor zurück, aufklärung und menschenrechte kritisch zu googlen oder zu hinterfragen.

auftreten

Die k. hat geschmacklich viele überschneidungen mit stilvorgebenden hipstern, wartet aber 6-10 monate, bis sie sich deren vorschläge aneignet und paart sie gekonnt mit staubigen huldigungen deutscher alter männer (marx, kant, goethe, kinksi).

arbeitsmoral

die k. liebt arbeit und hasst geld. Sie wird selten angemessen bezahlt und trägt ihre armut mit stolz. Sie arbeitet hart an sinnlosen projekten und wendet unermüdlich aussichtslose perspektiven an (s. Religion). Die k. tut alles, um sich von anderen prekarisierten klassen abzugrenzen, will aber gleichzeitig auch nicht zur mittelklasse gehören. Sie kämpft, je nach herkunft, um die anerkennung der mittelklasse oder will den eigenen mittelklasse-stallgeruch um jeden preis verlieren. Wie auch immer sich der persönliche kampf gestaltet, bleibt die mittelklasse der bezugrahmen. Wird der bezugsrahmen sichtbar gemacht, reagiert die k. mit dem gesichtsausdruck eines müden paarhufers.

legitimierung

Kritischem hass oder anderen reflektionsangeboten begegnet die k. mit unterschiedlichen strategien. Entweder nimmt sie alle kritik an und verstaut sie dann in der hintersten schublade ihres denksystems, um sie nie wieder hervorzuholen, oder so kontert sie mit der oben beschriebenen selsbtpositionierung als künstler/in, die von definition aus von allem betroffen ist und den schutz der meinungsfreiheit genießt. Meinungsfreiheit gilt insbesondere für meinungen, die niemanden interessieren, niemandem weiterhelfen oder allen, außer anderen kulturheten, wurstegal sind.

gefahren

solidarität ist von dieser gruppe nicht zu erwarten. Auch hier fühlt sich die k. aufgrund ihrer beschäftigung mit griechischen tragödienstoffen, der stellvertreteridentifikation mit christoph schlingensief sowie ehrgefühlen angesichts der eigenen prekarität, von der pflicht zu solidarischen handlungen und leistungen befreit. Weil die k. ihre eigene existenz als politisches arbeiten begreift, wird jeder atemzug zur politischen handlung und daher werden konkrete hilfreiche oder stützende aktivitäten als überflüssig abgelehnt. Die k. sieht konkrete politische arbeit als unironische dopplung an und wendet sich mit gerümpfter nase von jener ab.




Tags: , , , ,

Geschrieben unter Ideen - Theorien, Inspiration | Keine Kommentare »


Durch das Schreiben verstehen – R.I.P. Nadine Gordimer

14. Juli 2014 von Charlott
Nadine Gordimer bei der Göteborg Book Fair 2010 (Bild:  Bengt Oberger)

Nadine Gordimer bei der Göteborg Book Fair 2010 (Bild: Bengt Oberger)

The truth isn’t always beauty, but the hunger for it is.

Die südafrikanische Schriftstellerin und Aktivistin Nadine Gordimer ist am Sonntagabend im Alter von 90 Jahren gestorben – wie heute berichtet wird. Gordimer hat in ihrem Leben nicht nur 15 Romane veröffentlicht, sondern schrieb außerdem viele Kurzgeschichtenbände, Essays und ein Theaterstück. Sie gab auch Werke anderer Autor_innen heraus. Im Jahr 1991 wurde ihre literarische Arbeit, in der sie immer wieder das rassistische System der Apartheid verhandelte (wozu es natürlich auch kritische Auseinandersetzungen mit ihrem Werk gibt), mit einem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Sie war die siebente Frau, die diesen Preis überhaupt zugesprochen bekam.

Gordimer aber zeichnete sich nicht nur durch ihre hoch politischen Bücher – wovon einige während der Apartheid verboten wurden – aus, sondern auch durch ihr weiteres Engagement. Nach dem Sharpeville-Massaker trat sie dem ANC bei, verstecke ANC-Mitglieder bei sich zu Hause, sagte in Gerichtsverfahren für Aktivist_innen aus und zeigte sich auf Anti-Apartheidsdemonstrationen. Mit Nelson Mandela verband sie eine lange Freundschaft.

In einem Interview sagte sie mal: “Writing is making sense of life. You work your whole life and perhaps you’ve made sense of one small area.” (Schreiben beudetet, das Leben zu verstehen. Du arbeitest dein ganzes Leben und vielleicht hast du dann einen kleinen Teil verstanden.) Ihr letzter Roman (No Time Like the Present) erschien erst vor zwei Jahren. Er betrachtet das Leben von Anti-Apartheids-Kampf-Veteranen im heutigen Südafrika. Die Sinnsuche war sicher noch nicht abgeschlossen.




Tags: , , ,

Geschrieben unter Kultur | Nicht kommentierbar.


Ach, wie schön: ein queer_feministisches Sommercamp in Süddeutschland!

14. Juli 2014 von Magda

Na, so kann mensch den wechsel­haften Sommer doch super aushalten: Im Süden Deutschlands findet in Walchensee  vom 14. bis 17. August ein queer_feministisches Sommer­camp statt, welches mit einem abwechslungs­reichem Programm auffährt.

queer_feministisches Sommercamp

Thematisch ist das Camp sehr weit gestreut: Cyber­feminismus, Kritik an der Psycho­pathologie in feministischen Räumen; „How to be a trans*ally?“; LGBT Bewegung in Honduras; Rassismus im Nachtleben und Alltags­rassismus; Ausschlüsse aufgrund von Disabilities in aktivistischen und (queer)feministischen Kontexten; eine Crypto­party; fettes Baden gehen und sooo viel mehr!

Sehr beeindruckend, was die Orga-Gruppe bisher auf die Beine gestellt hat! Die Schlaf­plätze sind wohl schon so gut wie weg, aber vielleicht magst du auf einem Camping­platz oder einer Jugend­herberge in der Nähe übernachten. Anmelden könnt ihr euch natürlich immer noch.




Tags: , ,

Geschrieben unter Aktivismus, Terminkalender | Nicht kommentierbar.


Selbermach-Sonntag (13.7.2014)

13. Juli 2014 von Nadia

selberEs ist Sonntag und wie immer endlich wieder Zeit für Eure ausführlichen Linktipps. Habt ein schönes Restwochenende und eine gute nächste Woche!





Samstagabendbeat mit Alsarah

12. Juli 2014 von Anna-Sarah

Auch von der Fusion-Festivalcrowd hoffentlich angemessen gewürdigt ist Alsarah gerade durch Europa getourt. Im März kam das Album “Silt” von Alsarah & The Nubatones raus, als Vorgeschmack gab es die “Soukoura”-EP. Und hier noch eine Zugabe.




Tags: , , ,

Geschrieben unter Inspiration, Kultur | Nicht kommentierbar.


Quotenfragen, feministische Sexualkunde und das eigene Herz – die Blogschau

12. Juli 2014 von Nadia

Über die Zusammenhänge von „Essstörungen“, sexistischen Verhältnissen, Pathologisierung, Veganismus und die Möglichkeiten des Umgangs mit Betroffenen in und außerhalb der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung erschien ein sehr lesenswerter Text auf Antispe Dresden.

Über nervige Fragen zur Fauenquote und Zahlen schrieb Anne Schüssler: “Was Sie schon immer über Frauenzählen wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten”.

Der Kaiserin ihre neuen Kleider: reizende Rundungen präsentiert ein neues Layout.

Asaekante plädiert für zeitgemäßen Sexualkundeunterricht und gegen die Tabuisierung von Sexualität, die oftmals mit sexistisch-patriarchaler R*pe-Culture einhergeht. Auf Das Ende des Sex wurde zudem eine Solidaritätserklärung für die Wissenschaftlerin Elisabeth Tuider veröffentlicht, die seit Anfang Juli einem Shitstorm ausgesetzt ist, nachdem medial ihre Ansätze für Sexualkunde diskutiert wurden.

Wie in Zeiten der Trauer im sozialen Nahfeld aus Fat Shaming auf einmal die Konstruktion von “tröstendem Essen” und “Körper als Schutzschild” hervorgeht – riotmango hat sich darüber gewundert.

Auf umstandslos. wurden Wörter rund um Schwangerschaft und Feminismus gesammelt und mit entprechenden Verlinkungen versehen.

lightsneeze hat ein sehr schönes Gedicht veröffentlicht: mein herz gehört mir.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.




Tags: , , , , , , , , , ,

Geschrieben unter Verlinkt | 6 Kommentare »


Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte: Es wäre die Autobiographie von Janet Mock

10. Juli 2014 von Magda

„Viele beschreiben den Weg einer Trans*-Person als Übergang von einem zum anderen Geschlecht, von Männlichkeit zu Weiblichkeit, vom Mann zur Frau, vom Jungen zum Mädchen. Dies stellt die komplexe Reise der Selbstentdeckung, die jenseits von Gender und Genitalien verläuft, allerdings vereinfacht dar. Mein Weg war eine Entwicklung von mir zu einem mir-noch-näher-kommen. Es ist eine Reise der Selbstoffenbarung.“ (Meine Übersetzung, Original-Zitat am Ende des Textes)

- Janet Mock (2014): Redefining Realness. Atria Books/Simon & Schuster; S. 227.

"Redefining Realness. My Path to Womanhood, Identity, Love & So Much More" - Janet Mock

Janet Mock, Aktivistin und Autorin, nimmt uns in ihrem eindrucks­vollen Buch mit auf eine Reise in ihre Vergangen­heit. Es ist ein weiter Weg des Sich-Bewusst-Werdens und des Über-sich-Hinaus-Wachsens in einer Welt, die für die Lebens­realitäten von Frauen wie Mock kaum Vorstellung besitzt und meist nur abwertende Worte übrig hat. 2011 wurde ihre Geschichte das erste Mal öffentlich erzählt – in der Marie Claire, einer Mode­zeit­schrift mit Zielgruppe „Frau“, die Mock’s Geschichte mit einem einfachen und dennoch falschen Satz betitelte „Ich wurde als Junge geboren“. Mock entschied daraufhin ihre eigene Geschichte zu erzählen, die ohne publikums­heischende Titel und ohne verein­fachte Narrative über Trans*Menschen auskommen soll.

Mit Redefining Realness hat sie dieses Buch geschrieben, das weit mehr ist als eine Aneinander­reihung von Anekdoten aus ihrem Leben: Es ist eine knall-ehrliche, überaus sympathische und analytisch brilliante Auto­biographie, in der sie „ihren Weg zu Weiblich­keit, Identität, Liebe und so viel mehr“ beschreibt.

Mock’s Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, die sie auf Hawaii, in Kalifornien und in Texas verbrachte, sind maß­geblich geprägt von Armut, Rassismus und Trans*­feindlichkeit; von sexualisierten Übergriffen, Missbrauch und der stetigen Glorifizierung von hegemonialer Männlich­keit; von ihren Erfahrungen in der Sex­arbeit und von der Präsenz starker Frauen mit unbändigem (Überlebens-)Willen, engen Freund_innenschaften und Kopf-durch-die-Wand-Entscheidungen. Steter Ausgangs­punkt: Der eigene Körper, die eigenen Kämpfe.

Auf etwas mehr als 250 Seiten präsentiert Mock eng verknüpft mit ihrer Lebens­geschichte eine Gesellschafts­analyse, die die mit­einander verwobenen Macht­verhältnisse leicht verständlich erklärt und diskutiert, ohne die individuelle Handlungs­fähigkeit aus dem Blick zu verlieren. Mock verschmilzt ihre bisherige Lebens­geschichte und ihre Visionen mit Schwarzen feministischen Theorien und nimmt immer wieder Bezug auf Autor_innen und Aktivist_innen wie zum Beispiel Audre Lorde oder Zora Neal Hurston. Und Jugend-Freund_innen wie Wendi Miyake, Make-Up-Artistin und Inspiration für Mock.

Mock stellt ihre Erfahrungen in einen gesellschaftlichen Kontext und verweist stets auf die Situation von queeren Jugendlichen (of Color) in den USA, deren Leben nicht selten geprägt sind von Obdach­losigkeit, Diskriminierung, Suizid, wenig Unter­stützung von der Herkunfts­familie oder unzureichender Gesundheits­vorsorge. Mock zentriert ihre und die Erfahrungen anderer (Ressourcen-)armen Trans*-Frauen of Color und bietet unentwegt Perspektiv­wechsel an. So wirft sie viele Frage auf: Wie kann es sein, dass Frausein an bestimmte Genitalien geknüpft wird? Wie strukturiert Gesellschaft Lebens­realitäten und Entscheidungen, die Menschen machen (müssen)? Was und wer gilt als “real” und warum?

Janet Mock ist einfach verdammt gut darin, den Dingen auf den Grund zu gehen. Als Autorin und als Aktivistin. Nach dutzenden Interviews anlässlich ihrer sensationellen Buch­erscheinung, in denen sie ständig mit (privaten und grenz­über­schreitenden) Fragen zu ihrem Körper und ihrem “Outing” konfrontiert war, drehte sie einmal den Spieß um und fragte eine Reporterin, wann sie sich eigentlich als cis*-Person geoutet hatte.

Das Buch ist ein Geschenk, und zwar nicht nur für Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist eine berührende Geschichte, ein beein­druckendes Bildungs­angebot. Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte – es wäre dies.

*************************************
„People often describe the journey of transsexual people as a passage through the sexes, from manhood to womanhood, from male to female, from boy to girl. That simplifies a complicated journey of self-discovery that goes beyond gender and genitalia. My passage was an evolution from me to closer-to-me-ness. It’s a journey of self-revelation.“




Tags: , , , , , , , , , ,

Geschrieben unter Gewalt, Körper | Nicht kommentierbar.


Happy Birthday, Courtney Love!

9. Juli 2014 von Nadia

Rocksängerin, Gitarristin, Songwriterin, Schauspielerin, Frontfrau von Hole, Witwe von Kurt, Mama von Frances Bean, Enkelin von Paula Fox, Inhaberin eines Twitter-Accounts, Co-Designerin der Fender-Vista-Venus, Vorreiterin des Interview-Bombings, bald Inhaberin einer Gastrolle in “Sons of Anarchy”, heimliche Gif-Queen: Seit einem halben Jahrhundert sorgt Courtney für Turbulenzen, und heute wird sie 50. Happy Birthday!




Tags:

Geschrieben unter Kultur | 1 Kommentar »



Anzeige