Jahresrückblick: Von Köln zu Gina-Lisa Lohfink und von AfD zur US-Wahl

30. Dezember 2016 von Charlott

Das Jahr 2016 war furchtbar. So furchtbar, dass ich anfing hier Beispiele aufzuzählen, aber mir immer mehr und mehr einfiel, so dass jede Aufzählung jeden Rahmen sprengen müsste. Stattdessen gibt es hier nun zur Vorbereitung auf ein angemessen widerständiges 2017 noch einmal eine Reihe von Texten aus diesem Jahr.

Glücklicherweise sind auch ein paar gute Dinge passiert: Am 03. Juli gewann Sharon Dodua Otoo den Ingeborg-Bachmann-Preis

  • In der letzten Silvesternacht kam es zu einer Reihe (sexualisierter) Übergriffe/ Gewalttaten auf der Kölner Domplatte. Was passierte danach? Die Belange der Opfer rückten schnell in den Hintergrund und wichen rassistischen Verallgemeinerungen und Forderungen. Dieser Verdrehung und Instrumentalisierung wandte sich Hannah in ihrem Text „zu Gewalt legitimierender Gewalt“ zu und zählte zu dem Missstände hinsichtlich sexualisierter Gewalt auf. Nadia schrieb über „Arabisch und nordafrikanisch aussehende Menschen™„, die nach Silvester auf einmal alle direkt erkennen wollten. Als Antwort auf diese Ereignisse und Debatten gründete sich die Initiative ausnahmslos, die sich gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus einsetzt. Nadia stellte ausgehend von dem ersten ausnahmslos-Positionspapier einige Fragen zu Möglichkeiten und Grenzen aktivistischer, emanzipatorischer Arbeit. Wie feministische Forderungen dann für rassistische Gesetzgebungen instrumentalisiert werden können, zeigte sich konkret im Juli, wo die Bundesregierung die Maxime „Nein heißt Nein“ in das Sexualstrafrechts einfließen ließ, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit für Abschiebungen vereinfachte.
  • Erst vor ein paar Tagen hat sich mal wieder Assange zu Wort gemeldet und lobte den russischen Staat. Anfang dieses Jahres analysierte accalmie, warum es perfide ist im Zusammenhang mit Assenges Unterschlupf in der ecuadorianischen Botschaft über Freiheitsentzug zu sprechen.
  • Im Februar legte Heiko Kunert in einem Gastbeitrag „Eine Liste des Versagens“ zu deutscher Behindertenpolitik vor. Dass in diesem Artikel erwähnte Teilhabegesetz wurde später im Jahr vorgelegt – und heftig dagegen protestiert, denn es reihte sich nahtlos in die Versagensliste ein. Hannah schrieb über #nichtmeingesetz und den sichtbaren Protest behinderter Menschen (und darüber, dass sich viele Menschen ohne Behinderungen wenig mit dem Thema „Teilhabe“ auseinandersetzen).
  • Die AfD hat in diesem Jahr in einigen Landtagswahlen und Kommunalwahlen sehr hohe Ergebnisse eingefahren. Andere Parteien versuchten der AfD die Wähler_innen streitig zu machen, in die sie einfach ähnlich rechts agi(ti)erten. Schuldig für die Wahlergebnisse wurden (wie so häufig) die Nicht-Wähler_innen gemacht – manchmal noch dann, wenn die Zahlen zeigten, dass viele ehemalige Nicht-Wähler_innen an der Urne ihre Stimme für die AfD abgaben. Anna-Sarah schrieb zu den Landtagswahlen „Wählen gehen gegen rechts? – Wahlbeteiligung, Demokratie und AfD-Erfolg“ und Accalmie betonte in ihrem Text „Bitte nicht lächeln: Zur AfD„: „Die AfD ist eine extrem rechte Partei. Sie wird nicht aus „Unwissenheit“ gewählt.“.
  • Wenn ein „Hör auf“ nichts mehr wert ist„, schrieb Nadia über Gina-Lisa Lohfink, die sich nach erlebter sexualisierter Gewalt auf einmal auf der Angeklagten-Seite wiederfand. Unter dem Hashtag #TeamGinaLisa sammelte sich Protest gegen das Verfahren, Vergewaltigungskultur in Deutschland und Unterstützung für Lohfink. Magda berichtete im Juni von einer Protestaktion vorm Amtsgericht Tiergarten. Doch dann wurde Lohfink wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 250€. Ich beantworte daraufhin in einem Text die Frage nach wie Vergewaltigungskultur aussehe mit „Genau so„.
  • Wenn über sexualisierte Gewalt und Gewalt in Beziehungen gesprochen wird, dann liegt der Fokus häufig auf cis-männlichen Tätern und cis-weiblichen Opfern. Doch wie (wenig) über Gewalt in queeren Beziehungen gesprochen wird, darüber schrieb Nadine.
  • Was bleibt, ist Protest.„, stellte Magda fest nachdem die Ergebnisse der US-Wahl eingetrudelt waren und Donald Trump zum Gewinner der Wahl erkoren war.
  • Wisst ihr, was auch keine Verheißung ist? Feministische Männer. Nadia erklärt warum: „Wann immer es in meiner feministischen Laufbahn um feministische Cis-Männer ging, sie mir begegneten, ich mit ihnen sprach oder mir zum Feminismus konvertierte Mannsbilder via Telefon, Mail, Blog-Kommentarspalte oder Sprachnachricht mitteilten, sie hätten es jetzt begriffen und würden sich ab sofort »für die Sache« einsetzen, kam es zu gespenstischen Szenen und Erlebnissen, von denen ich die meisten gerne vergessen würde.“
  • Ein Blick in die Aktivismus-und-Bewegungs-Geschichte(n) ist so wichtig: Zu sehen und lernen, welche Debatten es bereits gab, welche Erkenntnisse weitergeführt werden könnten, aber auch um die Arbeit und den Einsatz jener anzuerkennen, die vor uns kamen. Tanja Abou schrieb in ihrem Gastbeitrag „Prololesben und Arbeiter*innentöchter“ über Interventionen in den feministischen Mainstream der 1980er und 1990er Jahre und deren Bedeutungen in heutigen Auseinandersetzungen und Magda blickte zurück auf die Gruppe „Fat Underground„, die sich in den 1970er Jahren gegen Dickenhass einsetzte.
  • Wie in jedem Jahr haben wir auch dieses Mal wieder die „Feministische Bibliothek“ weiter gefüllt mit einigen Buchtipps. Magda besprach beispielsweise „Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später! Neue Gespräche mit Töchtern und Söhnen lesbischer, schwuler und trans* Eltern“ und „Alles Inklusive. Aus dem Leben mit meiner behinderten Tochter„, ich las „Rechtsextreme Frauen: Analysen und Handlungsempfehlungen für Soziale Arbeit und Pädagogik“ und empfahl „10 Bücher für die Freibad-Tasche“ und in einem Gastbeitrag blickte SchwarzRund auf das literarische Jahr 2016 deutschsprachig aus Schwarzer Perspektive zurück.



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Klassismus unterm Weihnachtsbaum, Sozialneid und jüdische Popmusik – kurz verlinkt

28. Dezember 2016 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Beiträge

Auch schon den Facebook-Post gesehen, in dem „lustig“ bestimmtes „Weihnachts-Verhalten“ verschiedenen Berliner Bezirken zugeordnet wurde? Class Matters schrieb dazu einen Rant: „Geige spielen mit Cheyenne„.

Pop, Punk, Prayer. Eine (kurze) Geschichte jüdischer Popmusik gibt es beim Missy Magazine.

Neue Ausschreiberunde von filia.die frauenstiftung: Bis zum 1. März 2017 können Anträge mit Ideen und Pläne für Projekte eingereicht werden. Die Projekte sollen dazu beitragen, dass Mädchen und junge Fauen frei von Gewalt leben und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden können. Unterstützt werden Projekte mit bis zu 5.000€. Die eingegangenen Anträge werden von den Mädchen und jungen Frauen des Mädchenbeirats gelesen und diskutiert.

DIE LINKE lobt anlässlich des Frauentages 2017 zum siebten Mal einen Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden, den Clara Zetkin Frauenpreis (auch wir waren vor ein paar Jahren nominiert). Vorschläge können bis zum 15. Januar 2017 eingereicht werden.

Carolin Born schreibt im Freitag über den gewaltigen Backlash gegen den Zugang zu sicheren Abtreibungen: Ob nun in den USA, in Polen oder um die Ecke im niedersächsischen Landkreis Schaumburg.

Barbara Stellbrink-Kesy spricht mit Menschen. Das Magazin über das Leben und die Ermordung ihrer Großtante während der NS-Zeit und der Arbeit des „Förderkreis des Gedenkorts für die Opfer der nationalsozialistischen NS-‚Euthanasie‘-Morde“. Sie macht deutlich: „Wir leben in einer Konkurrenzgesellschaft, in der nur die „Nützlichen“ zählen. Das sieht man auch in der Flüchtlingsdebatte, und natürlich in den Debatten um Pränataldiagnostik und Sterbehilfe. Die Themen des Mahnmals sind hochaktuell.“

Deutschlandfahne cool neu besetzen (bzw. der AfD und Pegida als Symbol „wegnehmen“) und wieder stolz auf der Hipster-Trainingsjacke tragen? Das kann nicht funktionieren, schreibt Queer Vanity.

Seit Beginn des NSU-Prozesses begleitet NSU Watch diesen kritisch. haGalil schreibt über die bisherige Beweisaufnahme und die Bedeutung der Arbeit von NSU Watch: „Das linke Projekt protokolliert die Verhandlungstage und stellt die Aufzeichnungen online. Analytische Artikel zur extremen Rechten, zu institutionellem Rassismus, zum Handeln der Behörden, aber auch zu Positionen der Nebenklagevertretung, die die Opferseite repräsentiert, helfen den Leser_innen der Webseite des Projekts die Protokolle und das Verhandlungsgeschehen einzuordnen. Darüber hinaus leisten die bei NSU Watch Engagierten vielfältige Aufklärungsarbeit in Form von Vorträgen und Workshops.“ Das Projekt kann finanziell über eine startnext-Kampagne unterstützt werden.

Ein Blog von Vielen schreibt über Sozialneid.

Der i.d.a.-Dachverband e.V (i.d.a.=informieren, dokumentieren, archivieren), der seit 1983 die Zusammenarbeit der Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen im deutschsprachigen Raum organisiert, sucht eine_n Projektkoordinator_in. Bewerbungsschluss ist der 31. Januar 2017.

Englischsprachige Beiträge

Die Schauspielerin, Schriftstellerin und Script Doctor Carrie Fisher ist verstorben. Anne Thériault schrieb eine Tweetreihe zur „Importance of General Organa„.

Auch die Astro-Physikerin Vera Rubin, die die Existenz dunkler Materie bestätigte, starb. Den Nobelpreis hat sie nie erhalten. NPR erinnert an ihr Leben.

Was ist eigentlich trans Literatur? Jede Geschichte mit trans Protagonist_innen? Ausschließlich jene von trans Autor_innen? Jedes Buch von trans Autor_innen, egal zu welchem Thema und mit welchen Protagonist_innen? Bei LitHub schreibt Gabrielle Bellot zu diesem Thema.

In einem Comic bei Oh Joy Sex Toy erzählt Mady G über Transsein und Schönheit.

Termine

21.01.-22.01. in Göttingen: „write & fight“ – Empowerment-Workshop für Menschen, die in Deutschland Rassismuserfahrungen machen

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?




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Wer war… Lieselott Herforth? Kernphysikerin und erste Rektorin einer deutschen Universität

19. Dezember 2016 von Gastautor_in

Nach erfolgreichem (= abgeschlossenem) Lehramtsstudium in Musik und Physik arbeitet Julia-Josefine in der Physikdidaktik einer Berliner Uni. Und wenn sie gerade nicht die Studierenden mit Physik quält, liest sie gerne Bücher oder spielt Gitarre in der Band Totally Stressed. Für die Mädchenmannschaft hat sie die Biographie von Lieselott Herforth: Die erste Rektorin einer deutschen Universität von Waltraud Voss gelesen, erschienen im Transcript-Verlag (2016).

Dieses Jahr wäre Lieselott Herforth, Kernphysikerin und erste Rektorin an einer deutschen Universität, 100 Jahre alt geworden. Ein sehr guter Grund, sich mit dieser bemerkenswerten Frau zu beschäftigen. Das dachte sich auch Waltraud Voss und schrieb diese umfangreiche Biographie.

Buchcover: Lieselott Herforth. Die erste Rektorin einer deutschen Universität. Waltraud VossPhysik studieren und eine Frau sein, das ist auch heute noch mit einigen Vorurteilen verbunden. Ich musste leider hin und wieder die Erfahrung machen, nicht als kompetent genug betrachtet zu werden und wenn doch, dann wurde mir abgesprochen eine „richtige“ Frau zu sein. Wie muss es wohl zu Zeiten von Lieselott Herforth gewesen sein? Daher war ich sehr begierig darauf zu lesen, welche Erfahrungen sie gemacht hatte und wie ihr Umgang damit war. Immerhin hatte sie es bis zur Rektorin der Technischen Universität Dresden geschafft und war damit die erste Frau in Deutschland, die solch eine Stellung annahm.

Aber schon in der einleitenden Bemerkung wurde mir klar, dass diese Erwartungen wohl nicht erfüllt werden. Waltraud Voss stellt klar: Das Buch ist eine „Bestandsaufnahme“ ist. Was meinem Leseinteresse keinen Abbruch tat.

Das Buch ist eine umfangreiche und übersichtliche Darstellung von Lieselott Herforths Leben. Viele Originalquellen und Bilder sind zu sehen und Waltraud Voss nimmt sich ausreichend Zeit für alle Aspekte in Lieselotts Leben. So findet sich auch eine kleine und liebevoll ausgesuchte Zusammenstellung von Originalbriefen des Vaters an Lieselott.

Zu Beginn von jedem Kapitel findet sich ein gesellschaftlicher Abriss. Dies ist wichtig, denn Lieselott Herforth war Kernphysikerin. Der zweite Weltkrieg, der Bau der Atombombe, der Energiewechsel von Kohle zu Kernenergie, die Gründung der DDR bis hin zum Mauerbau, der Kalte Krieg: Das waren die Zeiten, in denen Lieselott in diesem Bereich tätig war, sich immer für eine friedliche Nutzung einsetzte und in entsprechenden Gremien vertreten war.

Wer sich nicht von diversen unerklärten physikalischen Begriffen wie „Strömungsionisationskammer“, „Szintillationszähler“ oder „Sekundärelektronenvervielfacher“ abhalten lässt und eine gut recherchierte und zusammengestellte Biografie lesen möchte, wird hier nicht enttäuscht. Denn auch ohne das physikalische Verständnis wird klar, dass diese Frau in Ihrem Gebiet viel geleistet hat. Als Wissenschaftlerin, aber auch als hervorragende Lehrerin und Reformatorin zur praxisnaheren Ausbildung. Das Buch ist eine angemessene Würdigung für das umfangreiche und beeindruckende Leben der Lieselott Herforth.




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Samstagabendbeat mit Mitski (Special Appearence: Marceline the Vampire Queen)

17. Dezember 2016 von Charlott

Mit Puberty 2 hat Mtsiki in diesem Jahr ihr bereits viertes Album herausgebracht. Die Musikkritik hat es ziemlich gefeiert und nun zum Ende des Jahres findet die Platte sich auch auf der einen oder anderen Jahresbestliste wieder. Aber auch die vorangegangen Songs dieser großartigen Musikerin sind nicht zu verachten, wie beispielsweise „Townie“ von der 2014er Platte Bury Me At Makeout Creek.

Und für Menschen wie mich, die einen riesigen Softspot für Marceline the Vampire Queen aus Adventure Time haben, gibt es auch noch das passende Video. Marceline covert Mitskis „Francis Forever“:




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Haben Wollen: Feminist Killjoy-Geschenke

16. Dezember 2016 von Nadia

Feminist Killjoy-Geschenke die man jetzt und nächste Woche und nächstes Jahr noch verschenken kann! Ein paar habe ich schon mit Erfolg weiter verschenkt. Viel Spaß mit Wunsch- und/oder Einkaufsliste meines Vertrauens!

KILL YOUR LOCAL ALPHA MALE

Ein Patch dass nicht nur schön aussieht, sondern auch noch schön erschwinglich ist: Für 3,-€ pro Teil könnt Ihr Euren ganzen Squad ausstatten!

GHOSTBUSTERS-MERCH

Nicht nur ein tolles Geschenk, anscheinend auch eine gute Wertanlage: Die Preise der Mattel-Figuren steigen zum Beispiel rasant. (Ich habe mir Holtzmann als Altersvorsorge zugelegt.)

SCHMUCK VON ELSA P. UNDERWOOD

Elsa macht zwar grad Weihnachtspause, aber man kann ja durchaus auch Gutscheine für ihren tollen Schmuck verschenken! Weiterlesen »




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Rechtsextreme Frauen: Analysen und Handlungsempfehlungen für Soziale Arbeit und Pädagogik

13. Dezember 2016 von Charlott

LehnertRadvan.indd Was sollte passieren, wenn eine Mutter, die in rechten Organisationen aktiv ist, sich im Kindergarten zur Elternsprecherin wählen lassen möchte? Wie damit umgehen, wenn eine Frau im Frauenhaus Unterstützung aufgrund von Gewalt in ihrer Beziehung sucht und dann Flyer zu rechten Veranstaltungen auslegt? Oder wie reagieren, wenn sich die Kollegin in der Hilfseinrichtung oder Student_innen der Sozialen Arbeit als der extremen Rechten zugewandt herausstellen? Diesen und weiteren Fragen wenden sich Esther Lehnert, Professorin für Geschichte, Theorie und Praxis Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Rechtsextremismus, und Heike Radvan, Leitern der Fachstelle „Gender und Rechtsextremismus“ der Amadeu Antonio Stiftung, in dem am 07. November erschienen Buch Rechtsextreme Frauen – Analysen und Handlungsempfehlungen für Soziale Arbeit und Pädagogik zu.

Auf gerade einmal 138 Seiten versuchen Lehnert und Radvan das Phänomen extrem rechte Frauen und Soziale Arbeit/ Pädagogik aus möglichst vielen Winkeln kritisch zu analysieren und Vorschläge für die Praxis zu unterbreiten. Als Rahmen für ihr Vorhaben, betten sie Soziale Arbeit/ Fürsorge kritisch historisch ein und zeigen auf, wie diese Arbeitsfelder verbunden sind mit der Herstellung von Differenz und wie sie beispielsweise während des Nationalsozialismus elementarer Teil der Durchsetzung und Erarbeitung rechter Ideologie waren (mit biographischen Beispielen zeigen sie zu dem Kontinuitäten bis weit nach 1945). Diese politische Einordnung zeigen sie als konträr stehend zu einer oft entpolitisierten Wahrnehmung Sozialer Arbeit – die auch in ihrer weiblich gegenderten Zuschreibung fußt. Gerade diese Wahrnehmung ist es auch nach Lehnert und Radvan, die dazu führt dass Sozialarbeiter_innen als rechte Täter_innen aus dem Blick geraten, oder dass in bestimmten Arbeitsfelder das Intervenieren bei rechten Haltungen von Personen, die auf sozialarbeiterische/ (sozial)pädagogischen Angebote zurückgreifen, als außerhalb der Zuständigkeit definiert wird. Dazu kommt, dass rechte Frauen sowieso häufig als wenig politisch kategorisiert werden.

In diesem Buch wird detailliert aufgeschlüsselt, wie Geschlecht und politische Wahrnehmung gekoppelt sind. Gezeigt wird dies auch am Beispiel von Beate Zschäpe, die bereits als Jugendliche regelmäßig Kontakt mit Sozialarbeiter_innen hatte, aber obwohl sie Gewalttaten verübte von diesen als „nettes Mädchen“ beschrieben wurde und als eine, die nur an den „Jungs der Szene“ interessiert gewesen sei. Lehnert und Radvan betonen, dass viele Frauen der extremen Rechten sich die entpolitisierte Wahrnehmung zu Nutze machen und strategisch einsetzen um Zugang zu/ Einfluss auf Gruppen zu gewinnen. Anhand von Fallbeispielen aus der langjährigen Beratungsarbeit der Autorinnen zeigen sie wie in verschiedenen Arbeitsfeldern (frühkindliche Pädagogik, Jugendarbeit, familienunterstützende Hilfen, Schutz vor häuslicher Gewalt, Pflege und Hochschulen) Frauen der extremen Rechten auftreten können (mal als Personen, die die Maßnahmen beanspruchen, mal als jene, die sie durchführen). Sie beschreiben und analysieren diese Situationen nicht nur, sondern entwickeln auch jeweils Handlungsvorschläge. Im Zentrum dieser steht, dass sich Soziale Arbeit/ Pädagogik als politisch engagiert verstehen muss und die Unterstützung von von Diskriminierung und Gewalt negativ betroffener Personen zentral sein muss.

Sehr gelungen machen die Autorinnen durchgehend deutlich, dass Handlungen der extremen Rechten nicht losgelöst gesehen werden können von breiteren rassistischen, ableististen, sexisistischen etc. Strukturen und Diskursen. Genau dieser Gedanke ist auch häufig Ansatzpunkt für Strategien – so fordern sie nicht nur dazu auf, rassistische Formulierungen niemals einfach stehen zu lassen, sondern warnen auch, dass Maßnahmen, die auf binären, biologistischen Geschlechtervorstellungen fußen, wichtige Ideologiepfeiler nicht hinterfragen und damit nicht langfristig wirksam sein können. Auch wird in dem Buch deutlich, dass Frauen der extremen Rechten als direkte und indirekte Empfänger_innen von sozialarbeiterischen Maßnahmen, als Sozialarbeiterinnen und als Studentinnen der Sozialen Arbeit auftreten und all diese Verknüpfungen gleichzeitig im Blick behalten werden sollten. Dies scheint wiederum nur möglich mit einer durchgehend kritisch-reflektierenden Auseinandersetzung mit Ideen der Fürsorge und Sozialen Arbeit, wie sie in dem Buch vorgeführt wird.

Durch die Vielzahl an Informationen und unterschiedlichen Herangehensweisen, gibt es in dem Buch einige Stellen, die sehr dicht sind, andererseits sind thematische Übergänge manchmal ein wenig abrupt und einige Gedanken werden etwas häufig wiederholt. Nichtsdestotrotz ist dies ein wichtiges und zugängliches Buch, welches nicht nur Personen, die direkt im sozial/pädagogischen Bereich tätig sind, Denkanstöße liefern kann.




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Typen dürfen nicht, wir schon – Gewalt in queeren Beziehungen und die Ignoranz des Umfeldes

11. Dezember 2016 von Nadine

Bei Typen sind wir immer ganz vorne dabei, wenn es um Gewalt geht. Zitieren Statistiken, werfen mit Zahlen, donnern mit berechtigten Urteilen. Vergewaltigung, häusliche Gewalt, Gewalt in Beziehungen. Da wissen wir, wie der Hase läuft. Da wissen wir ganz genau, wie das Patriarchat funktioniert. Da wissen wir, dass in rund 90% der Fälle der Täter der eigene Ehemann ist, oder der Freund, oder der Onkel, Vater, Cousin, Bruder. Der Kumpel, den wir schon ewig kennen und von dem wir nie dachten…

Bei queeren Personen sind wir immer ganz vorne dabei, wenn es um Gerechtigkeit geht. Zitieren Statistiken, werfen mit Zahlen, donnern mit berechtigten Forderungen. Da wissen wir ganz genau, wie der Hase läuft. Vertrauen, Nähe, Anerkennung. Wahrnehmen. Ernstnehmen. Da wissen wir ganz genau, wie Utopie funktioniert. Da wissen wir, dass in rund 90% der Fälle alles okay ist. Dass sich da kritische Menschen mit anderen kritischen Menschen zusammentun und an einer besseren Welt bauen. Die mit weniger Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung auskommt. Eine Welt, in der Menschen sich wohl fühlen, ein Zuhause haben. Einen Ort, an dem sie sein können, wie sie sind.

Wir respektieren ja Grenzen

Gewalt innerhalb queer_feministischer Communities, ja sogar Gewalt in Beziehungen, häusliche Gewalt, Vergewaltigung, das kann nicht sein. Das gibt es nicht. Denn wir respektieren ja Grenzen. Wir wissen ja um die Gewalt, die wir täglich erfahren. Aber nicht bei uns. Nicht unter uns. Niemals.

Wir interessieren uns brennend für die Gewaltgeschichten unseres_r Gegenüber. Wir wollen verstehen. Wir wollen unterstützen. Aber nur einen Teil. Den anderen blenden wir aus. Theoretisch besteht ja die Möglichkeit. Das haben wir in schlauen Büchern gelernt. Aber denken? Konsequenzen denken? Das können wir nur mit schlauen Büchern, Handreichungen. Community Accountability, Transformative Justice. Schlagworte in den Raum werfen. Workshops besuchen, Arbeitsgruppen bilden. Stuhlkreise.
Wir halten uns für so gut und so diskriminiert, dass wir es selten wagen zu denken, dass in 100% der Fälle, die andere Person der_die Täter_in, äähh Freund_in, äääh Aktivist_in, ääähhh die Person ist, von der wir niemals dachten, dass…

Die Beziehung als Therapiestunde

Menschen, die Gewalt erfahren haben, können Gewalt ausüben. Es ist so simpel und doch so schwer zu begreifen. Wir halten uns für Opfer, deswegen für gewaltfrei. Wir haben doch nur Wünsche und Bedürfnisse, auf die wir ein Recht haben, weil wir erlebt haben. Und wer uns diese Wünsche und Bedürfnisse nicht erfüllt, negiert unsere Erfahrungen, verhält sich ignorant, verletzend, diskriminierend, wiederholt Trauma.

Wenn die eigenen Erfahrungen dafür benutzt werden, um andere auszunutzen, zu manipulieren, zu kontrollieren, zu Handlungen und Entscheidungen zu zwingen bzw. zu „überreden“, ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen, Selbsthass, Schuld- und Schamgefühle zu injizieren, um eigene Projektionen als ultimative Wahrheit zu verkaufen.

Wenn unsere eigene Beziehung mit einer Therapiestunde verwechselt wird, wenn mein_e Partner_in mein Leben auf die Reihe kriegen soll, meine Schmerzen ertragen soll, meine Trauer, meine Ängste und dafür die Verantwortung übernehmen. Wenn ich nicht akzeptieren kann, dass eine Beziehung nicht dafür da ist meine eigene Ohnmacht zu kompensieren. Dann fängt Gewalt an.

Typen dürfen nicht, wir schon

Aber wir sind doch so reflektiert… Wir sind doch so kritisch… Deshalb instrumentalisieren wir auch unser Wissen über Machtverhältnisse, soziale Positionen, Diskriminierung und Gewalt und rechtfertigen damit unsere Grenzüberschreitungen. Wir dürfen, weil wir erlebt und erfahren haben. Wir dürfen, weil wir ein Recht dazu haben. Wir dürfen, weil wir leiden… Inwiefern unterscheiden wir uns damit von dem rund 90% Täter. Der von dem wir niemals dachten, dass. Der, von dem wir schon immer wussten, dass.

Das Private ist politisch, heißt es doch. Aber nicht nur politisch ist ein sehr dehnbarer Begriff. Früher dachte ich, es wäre müßig Täter_innen zu outen in queeren Kontexten. Weil es dann einen Namen gibt. Wenige Namen gibt unter vielen. Und die vielen mit dem Finger auf die wenigen zeigen können, um sich selbst von dieser Form oder diesem Ort der Gewalt freizusprechen. Ich gebe zu, ich war naiv.  Denn so gut wie niemand interessiert sich für Namen. So gut wie niemand interessiert sich dafür, was überhaupt passiert, wenn wir von einer Demo oder Party nach Hause gehen, was in unseren eigenen 4 Wänden passiert.

Das Offensichtliche wird ignoriert

„Naja, so lange wir nicht alle Seiten der Geschichte kennen“ – „Woher hätte ich denn wissen sollen?“ „Für eine Einschätzung fehlen mir die Details…“ – Expert_innen, die wir in Fragen der hetigen Beziehungs- und häuslichen Gewalt, der sexualisierten Gewalt zweifellos sind, scheitern an den offensichtlichen Zeichen und Hinweisen, die Betroffene immer geben, wenn sie von ihrem Beziehungsalltag berichten.

Naaah, das sollen die mal schön unter sich klären…ihr „Beziehungsdrama“. Dramatisch, dass immer nur Typen Täter sein können. Dramatisch, dass es angeblich keine Täter_innen gibt unter allen anderen. Wer ein Opfer ist, kann kein_e Täter_in sein. Gewalt beginnt da, wo ich die Verantwortung für mich selbst an meine Beziehung abgebe. Gewalt hört nicht auf, wenn ich glaube, dass mich all das nicht betrifft.




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Mord in Freiburg, #FreeChelsea und Operationen an inter Kindern – kurz verlinkt

7. Dezember 2016 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Links

„Der Freiburger Mord wurde erst dann von so großem, bundesweitem Interesse, als der Verdächtige gefasst wurde, obwohl es auch vorher schon ein grausamer Mord war.“ Margarete Stokowski schreibt bei Spiegel Online über Gewalt gegen Frauen: „2015 wurden in Deutschland 331 Frauen von ihrem Partner getötet: Das ist fast jeden Tag eine Frau. Würde man die Meldungen darüber jedes Mal in die Abendnachrichten einbauen, würden wir denken, wir leben in einem Land, in dem Gewalt gegen Frauen eine wahre Epidemie ist – und es würde stimmen.“

weird. Das Stadtmagazin für lesbische Frauen in Bielefeld hat Shirlette Ammons über’s Rappen, Aktivismus und Mode interviewt.

Das neue an.schläge Magazin ist erschienen. Fokusthema ist dieses Mal „Gesundheit & Gerechtigkeit – Gender und Klasse in der Medizin“. Wie immer gibt es auch einige Artikel der Ausgabe online nachzulesen.

Im Jahr 2005 wurden die medizinischen Behandlungsleitlinien u.a. zu kosmetische Genitaloperationen an intergeschlechtlichen/ intersexuellen Kindern schrittweise überarbeitet. Ein neue Studie stellt nun aber fest, dass die Eingriffe nicht wesentlich zurückgegangen sind. Die gesamte Studie „Zur Aktualität kosmetischer Operationen „uneindeutiger“ Genitalien im Kindesalter“ von Ulrike Klöppel kann online nachgelesen werden. (PDF)

Für Femgeeks bespricht Lara drei feministische Comics. Dies ist der Auftakt einer Reihe zu feministischen Comics/ Comics mit feministisch agierenden Protagonist_innen.

Englischsprachige Links

Diese Petition ist so wichtig und braucht eure Unterschriften: „Commute Chelsea Manning’s Sentence to Time Served„. Bis zum 14. Dezember müssen immer noch über 54.000 Unterschriften dazu kommen. Zu den Hintergründen immer wieder lesenswert Tove Tovesson’s Artikel beim Missy Magazine (auf deutsch).

Aktivistin Jennifer Kamau, Mitbegründerin des International Women Space, bittet um Spenden für eine Reise nach Kenia.

Stacy Bias hat die animierte Dokumentation „Flying While Fat“ erstellt:

Termine in Berlin, Bielefeld, Bochum, Potsdam

04. bis 11.12. in Bielefeld: Diese Woche laufen in Bielefeld die Aktionstage Gesellschaft Macht Geschlecht. (FB-Link)

08.12. in Berlin: Ab 18.30 wird SchwarzRund wird aus Biskaya, Quasi und anderen Texten lesen, singen und performen. (FB-Link)

08.12. in Berlin: Von 18-20 Uhr findet die Präsentation der Expertise „Geschlechterverhältnisse in Fußballfanszenen“ statt.

13.12. in Potsdam: Vortrag in der Ringvorlesung „How to be a Feminist“ mit Sonia Eismann: I CHOOSE MY CHOICE!“ – VOM POPFEMINISMUS ZUM CHOICEFEMINISMUS.

15.12. in Bochum: Die Gruppe about.fem hält beim herrschaftskritischen Kaffeeklatsch einen Vortrag zu „Begrifflichkeiten des Queerfeminismus„.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?




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„Statt behinderte Kinder ‚abzuschaffen‘, würde ich gern unsere behindertenfeindliche Gesellschaft abschaffen.“

5. Dezember 2016 von Magda

Buchvover von "Alles inklusive" von Mareice KaiserEin Kind wird geboren und benötigt mehr Aufmerksamkeit als die meisten Kinder, eine intensive Betreuung und spezielle Hilfsmittel zum Leben, ja, Überleben. Und damit nicht genug: Die Ärzt_innen, die Therapeut_innen und auch engste Familienmitglieder runzeln die Stirn, ignorieren permanent persönliche Grenzen und sagen: „Ich könnte das ja nicht.“ Die Rede ist von Greta, einem mehrfachbehindertem kleinen Mädchen, dass seine Eltern ab Geburt an auf Trab halten wird. Die vielen Tränen, die andauernden Streits mit der Krankenkasse oder die Geldknappheit gehen allerdings nicht auf das Konto von Greta, sondern sind einer Gesellschaft zuzuschreiben, die „Inklusion“ höchstens auf schöne Broschüren schreibt, aber nicht allumfassend verankern mag.

Die Journalistin Mareice Kaiser erzählt in ihrem vor wenigen Wochen erschienenen Buch „Alles Inklusive“ (Fischer, 2016) ohne Beschönigung aus dem Familienalltag mit ihrem Partner Thorben und ihrer ersten Tochter, Greta, später auch mit der Zweitgeborenen, Momo. Es ist ein Alltag, der aus Krankenhausaufenthalten, piepsenden Sauerstoffgeräten und Darmproblemen besteht. Mareice Kaiser lässt uns teilhaben an den Ängsten, Erschöpfungen und psychischen Krisen ihrer Familie und stellt doch immer wieder klar: Das Problem ist nicht Greta. Ab und zu blitzt der Wunsch nach einem „normalen“ Leben durch. Schwer verdaulich sind diese Sätze, weil sie verdeutlichen: Viele Menschen ohne (Mehrfach-)Behinderungen definieren „normal“ immer noch als Abwesenheit von Krankheiten und Behinderungen. Es gibt wenige gesellschaftliche Strukturen, die Eltern unterstützt, die mit Kindern leben, die (mehrfach-)behindet sind. Im Gegenteil: Krankenkassen lehnen regelmäßig lebensnotwendige Hilfsmittel ab. Und teilweise fremde Menschen teilen ohne Skrupel ihre behindertenverachtenden Überzeugungen. Andere wiederum nehmen aus einem liberalen Verständnis von Gleichheit heraus die besonderen Bedürfnisse von Greta nicht wahr und verharmlosen ihre Situation. Ein Schnupfen stecken andere Kinder vielleicht gut weg, kann aber für Greta lebensgefährlich sein.

Das Leben mit Greta, und später auch mit ihrer nicht-behinderten Schwester Momo, lässt Mareice und Thorben wachsen. Mareice thematisiert zunehmend die behindertenfeindlichen Verhältnisse, den Sexismus, der hinter der Annahme steckt, dass sie sich voll und ganz für ihre Tochter aufgeben müsse (während im Alltag Thorben die meisten Pflegetätigkeiten übernimmt) und reflektiert ihre eigenen Annahmen, wie ein Familienleben zu sein hat. Letztendlich bringt sie es auf den Punkt: „Statt behinderte Kinder ‚abzuschaffen‘, würde ich gern unsere behindertenfeindliche Gesellschaft abschaffen.“




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Übergriffige Fragen zur Schwangerschaft und verdiente Preisträgerinnen – kurz verlinkt

2. Dezember 2016 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Auch online finden sich bei der taz heute eine Reihe von Texten von behinderten Autor_innen. Ninia LaGrande beispielsweise schreibt über ihre Erfahrungen als schwangere, kleinwüchsige Frau: „Die Frage, die ich am häufigsten gestellt bekomme, wenn ich erzähle, dass ich schwanger bin, lautet: „War es gewollt?“ Und ich kann mir kaum eine Frage vorstellen, die übergriffiger sein könnte als diese.“

Herzlichen Glückwunsch! Die Initative „Women in Exile“ wurde am Sonntag in Berlin mit dem Menschenrechtspreis der Gerhart-und-Renate-Baum-Stiftung ausgezeichnet und Deutschlandradio Kultur berichtet. (Vor zwei Jahren haben wir Women in Exile & Friends interviewt. Die zwei Teile könnt ihr natürlich immer noch nachlesen.)

Für progress schreibt Valentine Auer über den dokumentarischen Kurzfilm „My refugee story“, der als Ergebnis eines Workshops für geflohene LGBTIQ-Personen entstanden ist, und interviewt Mohamed Nour Metwally, der an der Konzeption des Workshops beteiligt war.

Anne Leichtfuß ist Simultan-Dolmetscherin für Leichte Sprache. Bisher die einzige. In der taz wird ihre Arbeit vorgestellt.

Bei Femgeeks gibt es eine super Link-Zusammenstellung mit Analysen und unterschiedliche Perspektiven zur und auf die US-Wahl und zu dem Handlungsmöglichkeiten.

Immer wieder los von Null? Auf Zehenspitzen stellt zeigt, wie Clickbait-Überschriften, die immer besonders auf Neuigkeiten abzielen, verhindern, dass Diskussionen auf Vorangegangenes aufbauen. Das Beispiel: feministische Analysen und Erfahrungen zu Schwangerschaft.

englischsprachige Links

Die aktuelle Ausgabe von HOLAA! kann online gelesen werden. In den 150 Seiten geht es laut den Kurator_innen Tiffany Mugo und Siphumeze Khundayi um folgendes: „This edition has stories of love, stories of heartache. It tackles the political and also the passionate. This issue sought to scratch the surface of the infinite stories that queer African women have deep inside and draw them out for everyone to see.“

In Texas soll ab dem 19. Dezember fötales Gewebe nach Abtreibungen oder Fehlgeburten beerdigt werden müssen. The Austin Chronicle berichtet über die Konsequenzen dieser weiteren Anti-Choice-Entscheidung.

For the white person who wants to know how to be my friend“ und zwei weitere Gedichte von Pat Parker veröffentlichte LitHub.

Termine Berlin, Bochum, Hannover, Marburg Potsdam und Wien

02.12. in Marburg: FaulenzA hält einen Vortrag über Transmisogynie. Danach gibt es ein Konzert. (FB)

03.12. in Wien: SchwarzRund liest im Planet 10 aus ihrem Roman „Biskaya“.

03.12. in Hannover: FaulenzA hält einen Vortrag über Transmisogynie. Danach gibt es ein Konzert. (FB)

06.12. in Potsdam: Vortrag in der Ringvorlesung „How to be a Feminist“ mit Tatiana Bazzichelli: FROM NET PORN TO PORN TUBES – THE DEVELOPEMENT OF SHARED SEXUALITIES.

08.12. in Berlin: Von 18-20 Uhr findet die Präsentation der Expertise „Geschlechterverhältnisse in Fußballfanszenen“ statt.

13.12. in Potsdam: Vortrag in der Ringvorlesung „How to be a Feminist“ mit Sonia Eismann: I CHOOSE MY CHOICE!“ – VOM POPFEMINISMUS ZUM CHOICEFEMINISMUS.

15.12. in Bochum: Die Gruppe about.fem hält beim herrschaftskritischen Kaffeeklatsch einen Vortrag zu „Begrifflichkeiten des Queerfeminismus„.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?




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