Suruç, heteronormative Asylpolitk und Zwangsregistrierung für Sexarbeit_innen – kurz verlinkt

22. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Beiträge

Die ZEIT veröffentlichte den Schlussvortrag der Rechtsanwälte Ernst Freiherr von Münchhausen, Onur Özata und Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler im Strafverfahren gegen Oskar Groening am 14. Juli 2015.

„Auf dem Weg in eine gerechtere Gesellschaft kann wohl kaum mehr falsch gemacht werden als damit, Väter in ihrer bisherigen Interpretation ihrer Vaterrolle zu bestärken.“ – Jochen König kritisiert den Familienbericht 2015 für den Berliner Senat.

Im August findet in Helmarshausen das Bundestreffen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland statt. Dafür kann auch noch gespendet werden, um Menschen, die wenig Geld haben, die Teilnahme zu ermöglichen.

Seit Montag gibt es eine Online-Meldestelle (deutsch- und englischsprachig) für antisemitische Äußerungen_Angriffe in Berlin. Das Projekt, das unter anderem von der Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert wird, hat auch zum Ziel, auf Antisemitismus im Alltag aufmerksam zu machen.

„Aggressive für Deutschland“ – das LOTTA-Magazin analysiert den Machtwechsel innerhalb der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

„Frauen, die lange Haare haben und „weiblich“ wirken, wird ihr Lesbischsein häufig nicht geglaubt; genausowenig Frauen, die Kinder haben.“  – in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtet LesMigras-Mitarbeiterin Saideh Saadat-Lendle über die Situation lesbischer und schwuler Geflüchteter in Deutschland.

„Die Zwangsregistrierung für Prostituierte gab es zuletzt 1939.“: Bereits im Juni hat die Jungle World ein Interview mit Juanita Henning, Vorsitzende der Organisation Doña Carmen, zum geplanten und perfide betitelten Prostitutiertenschutzgesetz geführt.

Dr. Jamie Pax Abad hat einen Erfahrungsbericht und weitere Informationen zur Vornamensänderung in ausschließlich geschlechtsneutrale Vornamen nach dem Namensänderungsgesetz für Personen, die sich ausserhalb der binären Geschlechterkategorien identifizieren, zusammengestellt (PDF).

Noah Sows „Deutschland Schwarz Weiss“ ist seit gestern auch in neuester, überarbeiteter Version als E-Book erhältlich.

Englischsprachige Beiträge

Bei einem Bombenanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç wurden am Montag mindestens 32 Aktivist_innen, die einen Hilfseinsatz in Kobane (Syrien) geplant hatten, getötet und über 100 Menschen verletzt. Die New York Times, Neues Deutschland und Publikative.Org berichten über die Geschehnisse und Hintergründe. Trauer- und Protestdemonstrationen wurden derweil in der Türkei massiv von der Polizei angegriffen.

Über die spezifische Rolle weißer Frauen bei der Aufrechterhaltung von Rassismus schreibt der Atlanta Black Star.

„Vier Dinge, die du deinen Kindern genau jetzt zu Rassismus beibringen solltest“: Black Girl Dangerous listet sie auf.

BBC News berichtet über die britische Politikerin Liz Kendall, die sich gegen das Boulevard-Blatt Mail on Sunday wehrt, das sie nach ihrem Gewicht fragte: „Can you imagine the Mail on Sunday asking the weight of the prime minister, George Osborne or any other leading politician?“

Termin in Göttingen

31.07. in Göttingen: SchwarzRund liest im Kabale: Quasi, Schwarzer Frost und Poesie (Facebook-Link).




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Betreuungsgeld auf Bundesebene verfassungswidrig – doch Länder könn(t)en weitermachen

21. Juli 2015 von Charlott

Zunächst einmal Freude: Heute Vormittag verkündete das Bundesverfassungsgericht, dass die Einführung des Betreuungsgelds (oftmals auch als ‚Herdprämie‘ bekannt), welche einhergegangen war mit andauernden feministischen Kritiken und Protesten, verfassungswidrig war.

Für die Entscheidung unwesentlich war dabei, dass es sich um ein ungerechtes, reaktionäres Mittel handelt. Die Verfassungswidrigkeit machte aus, dass die Richter_innen beschieden, dass das Betreuungsgeld Ländersache und nicht etwa Bundessache sei. So heißt es zwar, dass das Betreuungsgeld nicht zur „Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse notwendig“ sei, aber dies die Länder nicht daran hindern müsse, es einzuführen/beizubehalten. Feministische Kritiken machten indes in den letzten Jahren deutlich, dass das Betreuungsgeld gerade das Gegenteil bewirkt. So schrieb Maria hier bereits 2011:

Das Betreuungsgeld ist ein weiterer Baustein einer Familienpolitik nach dem Motto „Wer hat, dem wird gegeben“. Die jetzige Koalition hat beschlossen, das Mindestelterngeld beim SGB II als Einkommen anzurechnen, hat auf den Ausbau der Vätermonate verzichtet, weil angeblich das Geld nicht reichte, um mehr Partnerschaftlichkeit beim Elterngeld voranzubringen. Nun wird Geld für eine neue Leistung in die Hand genommen, um eine ganz spezielle Klientel zu fördern: Die, die es sich leisten können, auf öffentliche Betreuung zu verzichten.

Wenig überraschend hat sich Horst Seehofer (CSU), einer der großen Verfechter des Betreuungsgelds, bereits geäußert: In Bayern soll es das Betreuungsgeld weiterhin geben. Von der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) heißt es, dass das frei werdene Geld in den Ausbau von Kitaplätzen gesteckt werden soll – denn an diesen mangelt es ja bekanntermaßen.

Zum Weiterlesen:




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Ganz viel Feminismus in einem kleinen Comic

20. Juli 2015 von Magda

Ich liebe bilderreiche Darstellungen und ich liebe es, wenn komplexe Dinge möglichst verständlich erklärt werden. Und so konnte ich auch viel Liebe für das erst kürzlich im Unrast-Verlag erschienene Büchlein „Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext“ der Künstlerin Patu und der Politikwissenschaftlerin und Autorin Antje Schrupp entwickeln.

Feminsmus_Patu_SchruppDas knapp 80-seitige Büchlein stellt die politischen Ideen und Botschaften einiger Feminist_innen von der Antike bis in die Gegenwart vor. Die damals zu größten Teilen weitaus bekannteren Männer bilden zwar den patriarchalen Kontext, nehmen allerdings meist den Platz in der zweiten Reihe ein. Gespickt mit absurden Zitaten („Die Frau ist eigens dafür geschaffen, dem Mann zu gefallen“ – Jean-Jacques Rousseau) wirken sie lediglich wie karikaturähnliche Laiendarsteller der Geschichte. Die Bilder sind nie bloßes Beiwerk, im Gegenteil: Ohne sie würden die einzelnen Anekdoten nicht funktionieren. Die Zeichnungen sind sehr intelligente, kreative und mitunter witzige Geschichten für sich. Es lohnt sich genau hinzuschauen: die Mimiken, die kleinen aussagekräftigen Details im Hintergrund, und die eingebauten „Hacks“. Auf die Darstellung von Gott dürft ihr auf jeden Fall gespannt sein!

Die Inhalte des Buches sind in europäischen und US-amerikanischen Feminismen verortet, obwohl europäisch überwiegend bedeutet: Deutschland, Frankreich und England (zumindest ab der so genannten Moderne). Angefangen von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit, gefolgt von der so genannten „Aufklärung“ bis zu den frühsozialistischen Feminismen: Im Galopp reiten wir durch die Geschichte der politischen Ideen und lernen viele Feminist_innen sowie ihre Ideen und Kämpfe kennen. Schon einmal von der Mathematikern Hypatia gehört? Oder von den Saint-Simonistinnen? Oder von Sojourner Truth? Oder von der Sozialistin und Gegnerin der Sklaverei Flora Tristan, die bereits fünf Jahre vor dem „Kommunistischen Manifest“ mit ihrem Werk „Arbeiterunion“ (1843) für ein Bündnis von Arbeiter_innen über Zünfte und Berufszweige hinweg eintrat? Ihr werdet sie kennenlernen!

Erschienen ist das Buch im linken Unrast-Verlag. So sind sozialistische, anarchistische und linke feministische Ideen zentral, oder wie Antje Schrupp bei der Buchvorstellung in Berlin klarstellte: „Hier geht es nicht um Gleichstellung“. Interessant finde ich, dass sozialistische Frauen und ihre Ideen oftmals Ausgangspunkt sind, und die Ideen der bürgerlichen Frauen dem gegenüber gestellt werden, was für eine dominante feministische Geschichtsschreibung einen Perspektivwechsel bedeutet.

So finde ich es konsequent, dass die sehr verbreitete Einordnung von feministischen Kämpfen in Wellen nicht unnötig wiederholt wird, sondern von Anfang an klar ist: Auch jenseits der großen feministischen Wellen gab es immer Feminist_innen, die ganz unterschiedliche Ideen von „Frauenbefreiung“ oder Gesellschaftswandel hatten: Während die bürgerliche Frauenbewegung in Frankreich und England Mitte des 19. Jahrhundert z.B. einen Fokus auf die Reformierung der Ehe- und Scheidungsgesetze legte, war dies für viele Frauen aus der Arbeiter_innenschicht weniger zentral, da diese auch häufig unverheiratet zusammenlebten (es gab ja eh nichts zu vererben!). So sind die Kapitel ab „Anfänge der organisierten Frauenbewegung“ eher thematisch geordnet, z.B: „Freie Liebe / Kritik an der Ehe“, „Hausarbeit / Care“, „Womanism / Intersektionalität“ oder „Queer-Feminismus“, wobei anti-rassistische Positionen bei vielen Querschnittsthemen immer wieder thematisiert werden.

Auf der Buchvorstellung in Berlin diskutierten wir auch die Leerstellen des Buches: Angemerkt wurde der fehlende Bezug auf osteuropäische feministische Kämpfe und speziell auf Ost/West-Feminismus in Deutschland. Auch fehle die Darstellung der zentralen Rolle von Lesben in der so genannten „2. Frauenbewegung“, worauf Patu und Antje Schrupp bereits reagiert haben: In der bald erscheinenden 2. Auflage wird es zwei weitere Seiten dazu geben. Es gibt weitere Leerstellen, über die wir sprechen können, aber wie es auf den letzten Seiten so schön heißt: to be continued!

Das Büchlein ist eine gute Erinnerung daran, dass manche Themen wie z.B. (fehlende) Solidarität von weißen, bürgerlichen Feminist_innen oder der Rassismus unter weißen Feminist_innen keine neuen, aktuellen Erscheinungen sind, sondern historisch gewachsen. Es zeigt auf, dass die komplexen feministischen Geschichten niemals in ein Büchlein passen werden. Dieses Buch ist ein schöner, niedrigschwelliger Versuch, einige dieser Geschichten ohne lange, komplizierte Texte zu erzählen. Daumen hoch!

Bestellen könnt ihr das Buch zum Beispiel bei Fembooks.




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Selbermach-Sonntag (19.07.2015)

19. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.




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Samstagabendbeat mit Nina Simone

18. Juli 2015 von accalmie

Nina Simone, der wir vor zwei Jahren schon einmal einen Samstagabendbeat widmeten, war eine US-amerikanische Pianistin, Sängerin, Komponistin und Schwarze Bürger_innenrechtsaktivistin (zwei ihrer bekanntesten Lieder diesbezüglich sind Mississippi Goddam und ihre Rendition von Langston Hughes‘ Backlash Blues). Simone wurde auch bekannt dafür, virtuos Genres zu durchqueren und zu verbinden, unter anderem Klassik, Jazz, Blues, Soul, R&B und Gospel. In diesem Jahr wurde eine neue Dokumentation über Nina Simones Leben veröffentlicht, „What Happened, Miss Simone?“, die man bei Netflix sehen kann. Auch erscheint in diesem Monat mit dem Album „Nina Revisisted… A Tribute to Nina Simone“ eine musikalische Hommage an sie, an der unter anderem Lauryn Hill, Lisa Simone, Common, Usher und Mary J. Blige mitwirken. Das National Public Radio (NPR) stellt einen ersten Eindruck im Stream zur Verfügung. Zuerst aber ein Klassiker des simonschen Repertoires: „Ain’t Got No/I Got Life“. It’s happening, Miss Simone!

Und nicht vergessen: Auf unserem Youtube-Kanal findet ihr einen Großteil der vorangegangenen Samstagabendbeats in einer Super-Playlist.




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Ein feministisches Hackermagazin und das Spreadshirt-Märchen – die Blogschau

18. Juli 2015 von Nadia

Hausfrau. Mutter. Freizeit? Wie das gehen soll – oder eben auch nicht – könnt Ihr hier nachlesen.

Boy*tales schrieb letzte Woche über Trans* sein und das Jonglieren mit Identitäten.

Menschen mögen Märchen: antiprodukt hat sich die Spreadshirt vs. Pegida-Geschichte nochmal angeschaut.

Silke Meyer berichtet über das neue feministische Hackermagazin The Recompiler.

Feministisch, gut und bezahlbar: Ed bietet unter anderem Dienste im Bereich Print, Web, Comics und Workshops an: Hier entlang.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!




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Ein Buch nach dem anderen: Maskulisten in Frankreich und lesbisches Leben in Südafrika

17. Juli 2015 von Charlott

Auf Papier gelesen
Das Collectif Stop Masculinisme analysiert in Contre le masculinisme. Guide d’autodéfense intellectuelle (2013, Bambule) die aktuelle Maskulisten-Szene Frankreichs (mit Bezügen auf Franko-Kanada), deren Argumentationen und wie sie Einfluss nehmen. Dabei gibt es einen Überblick über die entscheidenen Akteure und eben jene Themenfelder, die diese fokussieren: Väterrechte, sexualisierte Gewalt, Gewalt gegen Männer, Männlichkeitskrise. Das Kollektiv versucht dabei jeweils die Mythen der Maskulisten zu entlarven und Gegenargumente bereitzustellen. So lässt sich das Buch auch einerseits als Information zur Situation in Frankreich lesen, aber auch als Argumentationsbuch für Diskussionen, die im deutschsprachigen Raum äußerst ähnlich verlaufen.

Passend zum Internationalen Zine Monat: Zines! Volume 1 (1996, Re/Search Publications) von V. Vale bietet einen historischen Blick auf die Entstehung von Zines, um dann in ausführlichen Interviews Zine-Macher_innen und ihre Projekte vorzustellen. Zu dem ist das Buch selbst, nun fast 20 Jahre alt, ein Stück Geschichte. Letzteres zeigt sich besonders eindrücklich an der Thematisierung von Computern und diesem Internet, wie beispielsweise in der Etiquette, die besagt, dass Zines bitte immer mit hanschriftlichen und nicht etwa Computer-verfassten Briefen zu bestellen sind. Spannend ist das Buch aber vor allem auch aufgrund der tiefgehenden Interviews über Ideen, Beweggründe, aber auch die praktischen Umsetzungen beim Zine-Erstellen und Vertreiben. Dabei fand ich nicht alle Zine-Macher_innen gleich interessant (um genau zu sein habe ich zwei dann letzten Endes ganz überblättert), aber viele sind verankert in feministischen, queeren, anti-rassistischen, fat_empowerenden aktivistischen und künstlerischen Strukturen. Allein für die ebenfalls abgedruckten Ausschnitte dieser Zines lohnt es sich reinzugucken.

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Reclaiming the L-Word. Sappho’s Daughters Out in Africa (2011, Modjaji Books) trägt herausgegeben von Alleyn Diesel Erzählungen, Fotografien, Gedichte und Essays von südafrikanischen Lesben zusammen. Die hier wahrscheinlich am bekanntesten von den Beitragenden ist Zanele Muholi, deren Fotografien in den letzten Jahren auch im deutschsprachigen Raum gezeigt wurde. Insgesamt gelingt es dem Buch einer ganzen Reihe von Lebensrealitäten Raum zu geben und Thematiken wie race, Klasse, unterschiedliche Geschlechterperformances u.s.w. in den Blick zu nehmen. Dabei geschieht dies nicht ausschließlich in den Texten, sondern kann (muss) auch durch die Leser_innen geschehen, die diese durchaus sehr disparaten Texte nebeneinander vorliegen hat.

Lee Maracle ist eine wichtige First Nation Aktivistin und Autorin. In ihrem Buch I Am Woman: A Native Perspective on Sociology and Feminism (überarbeitete Auflage 2002, Raincoast Books, Press Gang Publishers) liefert sie eine Analyse und Annäherung an Fragen der Mehrfachdiskriminierungen und spezifischen Lebensrealitäten von First Nation Frauen. Auf weniger als 150 Seiten, wo sie zwischen Erzählungen, Lyrik und Analysen wechselt, schneidet sie so umfangreiche Themengebiete wie Begehren(sformen), Liebe, sexualisierte und andere physische Gewalt, Landfragen, Spiritualität, Kommunismus und Ökologie. Verbunden wird dies alles durch ihren sehr lyrischen Erzählstil, ihre klare Perspektive und dem Rückgriff auf (Lebens)Erzählungen anderer Frauen in ihrem Leben.

Zu guter Letzt habe ich den großartigen Lyrikband Hold Your Own von Kate Tempest gelesen. Aufmerksamen Mädchenmannschafts-Leser_innen könnte sie aus einem Samstagabendbeat bekannt sein, doch macht sie nicht ausschließlich Musik, sondern schreibt auch Lyrik und Theaterstücke. ‚Hold Your Own‘ ist ihr zweiter Lyrikband und besteht aus einer Vielzahl von Gedichten, die sich zum einen einzeln lesen lassen, zum anderen aber auch eingewoben sind in ein größeres Narrativ, welches griechische Mythen und zeitgenössisches britisches Leben; Götter und Geschlechterspiele verbindet.

Im Netz gelesen

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Empowerment, Solidarität und Visionen: Migrantische Selbstorganisationen (MSO) und intersektionale Vereinsarbeit

16. Juli 2015 von Gastautor_in

Dieser Gastbeitrag stammt vom Migrationsrat Berlin-Brandenburg (mrbb). Der mrbb vertritt etwa 80 Migrant_innenselbstorganisationen (MSO) in Berlin und Brandenburg. Anfang Juni startete das mrbb-Projekt „MSO Inklusiv!, das Mehrfachzugehörigkeit und intersektionale Ansätze innerhalb von MSO stärken und festigen will. In diesem Text stellt der mrbb das Projekt vor. Links zu den teilnehmenden Organisationen findet ihr am Ende des Textes.

Wie sieht inklusive Vereinsarbeit aus? Wie können wir gemeinsam gegen Mehrfachdiskriminierung von Lesben, Schwule, Trans* und Inter* Menschen kämpfen, die Teil unserer Communities und Familien sind? Beim Auftakt von „MSO inklusiv!“, einem neuen Projekt vom Migrationsrat Berlin-Brandenburg, präsentierten Anfang Juni 2015 sechs Migrant_innenselbstorganisationen aus ganz Deutschland ihre Antworten. Das Ergebnis war ein Raum voller spannender und kritischer Visionen und Konzepte über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt aus einer Schwarzen und PoC-Perspektive in unseren Vereinen. In den kommenden Monaten sollen die Entwürfe zu richtigen Projekten wachsen. Dafür bietet das Projekt „MSO inklusiv!“ den MSOs finanzielle Unterstützung und inhaltliche Begleitung.

Logo von MSO InklusivWorum es geht und worum nicht

Bei „MSO inklusiv!“ geht es nicht darum das rassistische Bild des „sexistischen und homophoben Migranten“ zu korrigieren. Es geht darum gerade die Verschränkungen von Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit zu thematisieren und unsere Vereine darin zu stärken, dass wir Mehrfachdiskriminierung in den Fokus unserer Vereinsarbeit stellen. Es geht darum Räume und (finanzielle) Möglichkeiten für Projekte von Migrant_innenselbstorganisationen zu den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu schaffen. Projekte in deren Mittelpunkt die Perspektiven von LSBT*I* of Color und Schwarzen LBST*I* stehen. Im Laufe des Jahres sollen die verschiedenen Vorhaben Vernetzungen und Austausch über Strategien intersektionaler Vereinsarbeit zwischen den MSOs ermöglichen und festigen.

Fokus: Empowerment & Sichtbarkeit, Solidarität

Die Bandbreite der Projektvorhaben und die Unterschiedlichkeit der teilnehmenden MSOs für 2015 zeigt, dass sich dieser Ansatz auszahlt: Alle Projekte sind eng an die unterschiedlichen Vereinsstrukturen und Communitybedarfe gekoppelt und beinhalten einen eigenen Zugang zum Thema LSBT*I*. Sechs verschiedene Projekte werden 2015 von Vereinen aus Berlin, Dortmund und Frankfurt (Main) realisiert. Geplant sind unter anderem der Aufbau queerer Arbeitsgemeinschaften innerhalb der MSOs, die Planung von Konferenzen und Workshops zum Thema LSBT*I*, Multimediaprojekte über Schwarze LSBT*I* Biografien und Lebensrealitäten in Deutschland, sowie die Ausbildung von Jugendlichen als Multiplikator_innen zu den Themen Homo- und Transfeindlichkeit in ihren Verschränkungen mit antimuslimischem Rassismus. Alle teilnehmenden MSOs arbeiten seit Jahren in den Bereichen Antidiskriminierung und Empowerment ihrer Communities und zu einem großen Teil auf der Basis ehrenamtlicher Arbeit. Mit „MSO inklusiv!“ wollen wir auch deutlich machen, wie wichtig die finanzielle Unterstützung von Migrant_innenselbstorganisationen ist. Ohne Gelder können wir unsere Arbeit nicht leisten und diese Gesellschaft nicht mitgestalten. Auch unsere Visionen verdienen Unterstützung.

Wertvolle Arbeit und andauernde Kämpfe

Dass es ein Projekt wie „MSO inklusiv!“ gibt, baut auf den Erfahrungen und Kämpfen queerer Berliner Migrant_innenvereine wie LesMigras und Gladt e.V. auf, die seit Jahren für die Stimmen von Menschen eintreten, die Mehrfachdiskriminierung erfahren. Sie machen immer wieder deutlich, dass Rassismus nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft massiv existiert, sondern auch in der weißen queeren Szene. Im Rahmen von „MSO inklusiv!“ wollen wir ihre wertvolle Arbeit unterstützen, weitertragen und noch mehr Räume zum Austausch über intersektionale Vereinsarbeit schaffen. Der Auftakt 2015 war erst der Anfang einer spannenden Reise gemeinsam mit unseren Vereinen, Communities und Familien. Wir sind bereit und gemeinsam gehen wir weiter.


Facebook-Seite von MSO Inklusiv! für aktuelle Updates zum Projekt

Bisher teilnehmende Projekte:
Bund der alevitischen Jugend in Deutschland e.V.
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.
JOLIBA – Interkulturelles Netzwerk in Berlin e.V.
StreetUniverCity Berlin e.V.
Jugendtheaterbüro Berlin der Initiative Grenzen-Los!
Arabische Eltern Union e.V.





queer-feministisch auf dem Land, wohnungslos in Berlin und das Model, das keine eigene Schminke mehr mitbringt – kurz verlinkt

15. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Das aktuelle an.schläge-Magazin ist da und widmet sich im Titelthema dem „Leben auf dem Land„. Dort spricht zum Beispiel it Landwirt_in Jo Bucher über Queer-Feminismus auf dem Biohof.

underdog interviewt die Band Friend Crush. Sie sprechen über Ausschlüsse, Aktivismus und Self Care.

„Weil er nicht als „Nazi“bezeichnet werden will, hat der Berliner Rechtsextremist René Uttke eine Flüchtlingsunterstützerin angezeigt. Prompt nahm die Polizei die Frau fest. Sie ist Sprecherin des Vereins Hellersdorf hilft und wird seit Monaten massiv von Neonazis bedroht,“ berichtet der ZEIT Störungsmelder.

Der Kölner Gianni Jovanovic kämpft mit seiner Initiative Queer Roma gegen Homophobie und Rassismus, berichtet die ZEIT.

Zum Nachlesen: Das Positionspapier (PDF) zur Wohnungs- und Obdachlosigkeit von Frauen in Berlin von der Arbeitsgemeinschaft der Überparteilichen Fraueninitiative Berlin-Stadt der Frauen e.V. sowie der Berliner Beirat „Wohnungs- und Obdachlosigkeit von Frauen“.

Pünktlich zur CSD Saison erscheint der Film „Die Andere Seite des Regenbogens“ über das rebellische queere Berlin auf DVD: In dem Dokumentarfilm geht es um die Geschichten von vier Menschen in Berlins vielschichtiger und lebhafter Schwul-Lesbisch-Trans*-Gemeinschaft, deren Spektrum von politischem Aktivismus bis Anpassung reicht.

Mitmachen beim Buchprojekt: Sabine Fuchs (Herausgeberin von „Femme! radikal – queer – feminin“) sucht Beiträge zu einem Buch über Femmes und Butches und die erotische Dynamik zwischen ihnen.

KAYA – DER FELSEN UND DAS MEER gibt einen Einblick in die Geschichte der Filmemacherin Canan Turan und die ihres Vaters. In Berlin, wo beide aufwuchsen, in Babas alter Heimat Türkei sowie Turans Wahlheimat Barcelona, werfen die beiden einen Blick auf ihre Beziehung und wie sie sich entwickelt hat. Für die Realisierung des Films werden noch Spenden benötigt.

Am letzten Wochenende fand die „Behindert und verrückt feiern – Pride Parade Berlin“ statt. Die taz berichtet und lässt einige der Organisator_innen zu Wort kommen, die den Hintergrund der Parade erläutern, klar machen, was diese mit Kapitalismuskritik zu tun hat und warum es wichtig ist, gegen Verwertungslogiken zu rebellieren.

englischsprachige Links

Das Model Nykhor Paul hat für weiße Make-Up-Artists eine Botschaft: „Ich habe keine Lust mehr, mich für mein Schwarzsein zu entschuldigen und mein eigenes Make Up zu professionellen Shows mitzubringen.“

Die großartige Serena Williams hat am vergangenen Samstag in Wimbledon ihren 21. (Single) Grand-Slam-Titel gewonnen. Die andauernde rassistische und körpernormierende Kommentierung einer der erfolgreichsten Tennisspielerin aller Zeiten kritisiert Think Progress.

„To say that we are worried would be a gross understatement“. Millie Slavidou schreibt bei Bury Spy zum aktuellen Alltag in Griechenland.

Termine in Berchum, Berlin, Göttingen, Hamburg, Leipzig und Oberhausen:

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Völkermord verjährt nicht…

14. Juli 2015 von Sharon

Nach der Gedenkveranstaltung anlässlich des 100sten Jahrestages des Endes der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia (9. Juli 1915) saß ich letzte Woche in einem Restaurant sowohl mit meinem zwölfjährigen Sohn als auch den namibischen Gästen: dem OvaHerero Paramount Chief Advocate Vekuii Rukoro, der Parlamentsabgeordneten und Nama-Vertreterin Ida Hoffmann, der Vorsitzenden der Ovaherero and Ovambanderu Genocide Foundation Esther Utjiua Muinjangu und Daniel Timotheus Frederick, in Berlin als Vertreter des Nama-Chiefs David Frederick. Sämtliche solidarische Unterstützer_innen waren auch dabei.  Es war ein wunderschöner  Neuköllner Sommerabend.

Wir freuten uns alle, dass so viele Leute sich die Mühe gemacht haben, den Weg in die Werkstatt der Kulturen zu finden, um die Gedenkveranstaltung und anschließende Podiumsdiskussion beizuwohnen. Und während wir anderen Erwachsenen am Esstisch uns über dies und jenes austauschten, merkte ich, wie sich mein Sohn an Daniel Timotheus Frederick wand, um ihn zu fragen: „Ich verstehe es nicht. Warum geben sie dir einfach nicht den Schädel zurück?“

Gemeint war der Schädel, den Daniels Vater unbedingt zurück in Namibia haben will. Der Schädel von Chief Cornelius Frederick – Daniels Großvater. Er wurde 1906 in der damaligen Kolonie Deutsch Süd-West Afrika ermordet und sein Kopf – wie die Köpfe unzähligen anderen OvaHerero und Nama – wurde nach Deutschland verschleppt.

Daniel schaute mich resigniert an. Auch er wusste keine Antwort.

Warum gibt Deutschland nicht einfach die Schädel zurück? Warum entschuldigt sich Deutschland nicht bei den Nachfahren der Opfer für seine Gräueltaten in der Kolonialzeit?

Es dürfte eigentlich nicht so kompliziert sein. Inzwischen wird sogar in offiziellen Kreisen offen von „Völkermord“ gesprochen. In einem Beitrag für die ZEIT hat der Präsident des Bundestages, Dr. Norbert Lammert, den Genozid an den Ovaherero und Nama endlich beim Namen genannt. Kurze Zeit später wurde bekannt: Die Bundesregierung:„(…) erkennt die schwere Schuld an, die deutsche Kolonialtruppen mit den Verbrechen an den Herero, Nama, Damara und San auf sich geladen haben und betont, wie Historiker seit langem belegt haben, dass der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 – 1908 ein Kriegsverbrechen und Völkermord war.“

Ist das für die Nachfahren der OvaHerero und Nama ein Durchbruch?

Israel Kaunatjike, ein in Berlin lebender OvaHerero und Aktivist im NGO Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“, verneint es: „Wir begrüßen die überfällige Anerkennung des Genozids und werten sie als großen Erfolg unseres jahrelangen Kampfes. Aber die Formulierung der deutschen Regierung lässt befürchten, dass an keine förmliche Entschuldigung gegenüber den Ovaherero und Nama gedacht ist…“

Auch mein Sohn wundert sich darüber, warum die Bundesregierung ausschließlich die heutige namibianische Regierung als Gesprächspartner anzuerkennen scheint. Laut Kaunatjike: „…Als direkt vom Völkermord betroffene und damals enteignete Gesellschaften sollen wir [Ovaherero] offenbar auch nach der förmlichen Anerkennung des Genozids von den laufenden Entschädigungsverhandlungen zwischen der deutschen und der namibischen Regierung ausgeschlossen bleiben…“

Es ist schwierig, solche Sachen meinem Sohn zu erklären. Ich erzählte ihm, dass Deutschland einen sehr schwierigen Umgang mit seiner Erinnerungskultur auch in Bezug auf die Kolonialzeit zu pflegen scheint. Wir erinnerten uns an die Frage von Esther Utjiua Muinjangu, die sie in ihrem Beitrag bei der Podiumsdiskussion stellte: „Geht man so mit uns um, weil wir Schwarz sind?“ Im Saal wurde betreten geschwiegen. Keine andere Schlussfolgerung scheint naheliegender.

Obwohl die Petition „Völkermord ist Völkermord“ bereits am Bundespräsident abgegeben worden ist, hat sie nichts an Wichtigkeit, Relevanz und Aktualität verloren. Sie kann bis zum 111. Jahrestag des deutschen Genozidbefehls am 2. Oktober 2015 noch unterschrieben werden. Ich habe sie unterschrieben, weil ich fest davon überzeugt bin, dass zu einer anständigen Anerkennung des Völkermords eine offizielle Entschuldigung  und Verhandlungen mit den Ovaherero und Nama gehört.

Die Fragen meines Sohnes kann ich allerdings immer noch nicht beantworten. Auch das verjährt nicht.




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