7 Jahre Mädchenmannschaft: Ein Jubiläums-Podcast

14. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft
Essen, planen, podcasten beim Mädchenmannschaftstreffen

Essen, planen, podcasten beim Mädchenmannschaftstreffen

Sieben Jahre Mädchenmannschaft. 3894 Blogposts auf dieser Seite.  Über 40.000 Kommentare. So haben wir mit Saft und Kaffee angestoßen und uns zusammengesetzt, um in einem kurzen Podcast aus dem Nähkästchen zu plaudern. Wir blicken gemeinsam auf unsere jeweiligen Anfänge bei der Mädchenmannschaft zurück und erzählen, wie wir auf die Mädchenmannschaft aufmerksam wurden und zum Team dazugestoßen sind, ob mit Bewerbung inklusive Lebenslauf oder auf Anfrage nach intensiver Kommentiertätigkeit auf der Seite. Kleine Vorwarnung: trotz mehrfacher Kritik an unserem Gekicher in Podcasts haben wir auch bei diesem viel gelacht.

[Download: mp3, 22,2 MB, 27 Minuten und 40 Sekunden]

Erste Beiträge:

Im Podcast sprechen wir auch über unsere (manchmal vermeintlich) ersten Beiträge für die Mädchenmannschaft. Bei nicht allen funktionierte die Erinnerung so lückenlos, darum erzählten Nadine und Charlott von Artikeln, da gar nicht wirklich ihre ersten auf der Seite waren. Hier verlinkt sind jeweils die Texte, über die wir sprachen – und wenn es sich um “Fehler” handelte, noch jeweils der tatsächlich erste Artikel. (Die Reihenfolge entspricht der, in der wir Teil des Mädchenmannschaftsteams geworden sind.)




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Friedensnobelpreis für Malala Yousafzai

13. Oktober 2014 von Charlott

Fast auf den Tag zwei Jahre nachdem Malala Yousafzai auf ihrem Weg nach Hause aufgrund ihres Engagements für Zugang zu Bildung für Mädchen_Frauen angeschossen wurde, sprach das Nobelpreiskomittee ihr (gemeinsam mit Kailash Satyarthi) am Freitag den Friedensnobelpreis zu. In der Bekanntgabe wurde das Engagement beider gegen die Unterdrückung von Kindern_jungen Menschen hervorgehoben. Malala Yousafzai ist nicht nur die erste Person aus Pakistan, die den Preis erhält, sondern mit 17 Jahren auch die jüngste Preisträger_in, die es jemals gab.

Seitdem Yousafzai in den öffentlichen Fokus gerückt ist, versuchen immer wieder Menschen sie und ihr Engagement für sich zu vereinnahmen. Da sie sich vehement gegen die Praxen und Gewalt der Taliban in Pakistan einsetzt, wird sie von Politiker_innen und Journalist_innen im Westen gern als das Gesicht einer Gruppe inszeniert über  welche militärische Eingriffe gerechtfertigt werden (Es müssen doch die Mädchen gerettet werden!). Sie selbst hat sich aber auch wiederholt zu Drohneneinsätzen und den Auswirkungen der Militäreinsätze kritisch geäußert. Oder sie wurde  als Islamkritikerin ™ vorgeschoben, obwohl sie betont, wie wichtig ihr ihr  muslimischer Glauben ist. Ihr Interesse für marxistische und sozialistische Vorstellungen? Selten einer Erwähnung wert.

Der Gewinn des  Friedensnobelpreises könnte also zum Anlass genommen werden, direkt Texte von Yousafzai zu lesen, Reden anzuhören, ihre eigenen Wort wahrzunehmen und sie in ihrer Komplexität zu betrachten. Und Yousafzais Ziele? Zu einem möglichen Nobelpreisgewinn sagte sie im letzten Jahr im Interview mit Christiane Amanpour:

A Nobel Peace Prize would help me to begin this campaign for girls’ education…But the real call, the most precious call, that I want to get and for which I’m thirsting and for which I want to struggle hard, that is the award to see every child to go to school, that is the award of peace and education for every child. And for that, I will struggle and I will work hard.




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Auf zum Trans*March in Berlin!

13. Oktober 2014 von Magda

Am 19. Oktober findet in Berlin ab 15 Uhr ein Trans*March statt. Im Aufruf heißt es:

Gemeinsam für: mehr Sichtbarkeit, Solidarität, Selbst­bestimmung, Respekt, gemeinsames, verantwortungs­volles Handeln und Kämpfen, freie geschlechtliche Selbst­definition,…

Gemeinsam gegen: Trans*Diskriminierung, Rassismus, Dis_Ableismus, Alters­diskriminierung, Kriminalisierung von Sexwork, Behinderungs­diskriminierung, (Psycho)Pathologisierung, Migratismus, Sexismus, Genderismus, Inter(*)Diskriminierung, (Homo)Nationalismus.

Wie auch immer du dich identifizierst, wenn du dies unterstützt, bist du willkommen!

Bitte keine Partei-, oder Nationalfahnen; keine Militär, oder Polizei­uniformen auf der Demo.

Die Route wird wie folgt aussehen: Jannowitzbrücke – Brückenstrasse – Heinrich-Heine Straße – Dresdenerstrasse – Oranienplatz – Oranienstrasse – Mariannenstrasse – Mariannenplatz.

Trans*March Berlin Screenshot

Den Aufruf findet ihr auf deutsch, französisch, englisch, spanisch und arabisch auf transmarchberlin.wordpress.com. Es gibt auch ein Facebook-Event. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr transmarch.berlin[at]riseup.net kontaktieren.




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Selbermach-Sonntag (12.10.2014)

12. Oktober 2014 von Charlott

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Das Team der Mädchenmannschaft hat sich über dieses Wochenende in Berlin zum Diskutieren und Planen (sowie Essen und Singen) zusammengefunden. Sogar einen kleinen Podcast haben wir aufgenommen – seid gespannt! Aber wir sahen eure letzten Tage aus? Welche Themen haben euch beschäftigt? Was habt ihr gelesen oder selbst an Texten verfasst? Wart ihr auf guten Veranstaltungen oder plant demnächst auf welche zu gehen?




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Samstagabendbeat mit Dai Burger

11. Oktober 2014 von accalmie

Dai Burger (Dai ausgesprochen wie “Day”) aus Queens, New York, ist nicht nur Stylistin (die mit der Designerin Patricia Fields, die unter anderem die HBO-Serie “Sex and the City” ausstaffierte, zusammenarbeitet), sondern war auch Back-Up-Tänzerin auf Tourneen verschiedener US-Musiker_innen.

Dieses Jahr hat Dai ihr Debüt-Album “In Yo Mouf” herausgebracht, das bei Soundcloud angehört werden kann. Einige Singles stehen dort auch kostenlos zum Download zur Verfügung.




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13 wirklich gruselige Halloween-Kostüme

9. Oktober 2014 von Gastautor_in

Heng ist freie Autorin, bloggt auf Tea-Riffic – wo auch der folgende Text bereits erschienen ist – und twittert unter @sassyheng. Bei der Mädchenmannschaft hat sie zuletzt das aktuelle Buch von Laurie Penny besprochen. 

Bis Halloween sind es zwar noch ein paar Wochen hin, aber die Geschäfte preisen ihre kackscheiszigen Perücken und Kostüme jetzt schon aggressiv an. Dass es rassistisch ist, sich als Schwarze Person, Mexikaner_in, Sinti und Roma, People of First Nations, Inuit, you name it, zu verkleiden, ist bei vielen in Deutschland noch nicht angekommen. Auch sind gegenderte Kostüme in der Regel sexistisch: Als Frauisierte ist es schwer, ein Kostüm zu finden, dass nicht “sexy” ist.

Deshalb habe ich mir ein paar Gedanken gemacht und mir einfach umsetzbare D.I.Y.-Kostüme ausgedacht. Horror habe ich für mich selbst definiert und an alltägliche Dinge gedacht, die mir kalte Schauer von Angstschweiß verpassen. 

1) White Tears

Ob in Flaschen- oder Eimerform, als Raumspray oder einzeln verpackt – scary sind White Tears immer. Gerade an Halloween scheint es Hauptsaison zu sein, wenn weißen Leuten empfohlen wird, lieber keine rassistischen Kostüme zu wählen.

2) Nice Guy™

Kinnbart, Fedora und optional ein T-Shirt mit “witzigem” (sexistischem) Spruch und dein Outfit für den Abend ist fertig: Der Nice Guy™. Wer so richtig auf die Kacke hauen will, wirft mit unangenehmen Aufreißsprüchen um sich und zwinkert dabei immerzu. Netzfeminist_innen und OkCupid-User_innen werden schreiend weglaufen (oder dich beleidigen).

3) FEMEN-Aktivistin

Schlanke, weiße, ableisierte Cisfrauen ziehen in Puncto Last-Minute-Verkleidung mal wieder das längere Streichholz: Einfach den Oberkörper mit einem essentialistischen_rassistischen Spruch bemalen, Blumenkranz auf den Kopf, Gruppengespräche sichten und sie durch zielstrebiges Einrennen zersprengen. Pro-Tipp I: Oberteil erst auf der Party ausziehen. Pro-Tipp II: Am besten auf einer Party mit Sexismus-Awareness tragen, da sonst die Wahrscheinlichkeit auf Übergriffe noch höher ist.

4) Mon Chérie

Das wahrscheinlich ekelhafteste Produkt aus dem Hause Ferrero: Mon Chérie. Werbung hat selten so gelogen. #TeamNonCherie Von rosa-rotem, holographischen Stoff umwickelt, mit Kirsche auf dem Kopf (oder in dir drin), notfalls Label auf den Bauch schreiben. Obacht: Den Anlass, als Schokolade verkleidet zu sein, nicht dazu nutzen, die eigene Haut dunkler zu malen. Wenn dein Kostüm ohne dieses Detail nicht erkennbar ist, hast du es nicht gut genug gebastelt, just deal with it.

5) Alice Schwarzer

Mindestens so beliebt wie die FEMEN-Aktivistin ist die Urform der FEMEN-Aktivistin: Alice Schwarzer. Zumal sie “in den 70ern ja richtig gute Arbeit geleistet hat!!11″™, gibt es Menschen, die das Kostüm als empowernd betrachten werden. Wer aber seit den 70ern weitergedacht hat, wird sich fürchten. Und den Kopf tief in die Hände vergraben.

6) Kläffender Schäferhund

Story of my Middle Eastern Childhood tbh: Wir hatten damals so weißdeutsche Nachbar_innen mit einem großen Schäferhund, den sie nicht unter Kontrolle hatten. Immer, wenn wir ihn auf dem Weg nach draußen im Treppenhaus gehört haben, blieben wir noch einen Moment länger in der Wohnung, um nicht von dem Rex II angesprungen zu werden. Mit den Jahren zeigte sich, dass weiße Deutsche mit aggressiven Schäferhunden ein übliches Ding hier in Schland ist. Help.

7) Lesbian Drama

Die Ex der Ex daten? Tegan and Sara CD-Kollektion ausgeliehen und nie wiederbekommen? Bei der Trennung der große Streit um das Adoptionsrecht der gemeinsamen Katze? Der Flüsterfunk ist außer Kontrolle geraten? Das Ex-Dreieck-aus-der-Hölle sitzt beim Sonntagsbrunch zwei Tische weiter? Das Lesbian Drama kennt kein Erbarmen. Einfach sämtlich Szenarios auf kleine Zettel schreiben und an die Klamotten pinnen, tadaaaa: Gruseloutfit.

8) BHs und Binder

Zu eng, zu groß, gerissen, der Bügel bohrt sich in die Brust, die Preise schießen in den Himmel: HELP! HELP! (Umsetzbarkeit: Sämtliche BHs_Binder, gerne mit kaputtem Bügel u.Ä., an die Kleidung hängen. Vielleicht sogar mit überteuerten Preisschildern.)

9) PMS

Aufgequollene Leak-Tampons, vollgerotzte Tempos und Uterus-Rage-From-Hell: Still not loving PMS. Dank zahlreicher Synonyme lässt sich das ganze gut verbildlichen, zum Beispiel als hungriger Hai (#SharkWeek), als Erdbeerstrauß (#ErdbeerWoche) oder als der altbekannte Homie Tante Rosa.

10) Gitarren-Dude

Lerne Wonderwall, Let It Be und Seven Nation Army auf Gitarre und spiele die Songs ungefragt vor der Crowd. Sobald sich andere Leute um dich herum scharen und mitsingen, hast du dein Ziel erreicht. Wenn ein_e wütende_r Feminist_in auf dich zukommt und die Gitarre zerschmettert, hat er_sie ihr_sein Ziel erreicht.

11) Barista mit Bart

Klebe dir einen langen Bart an (am besten rotblond), träge ein Jeanshemd mit einem weißen T-Shirt darunter und lasse die oberen drei Knöpfe offen. Dazu eine enge Hose und Chelsea-Boots, ein Sack Kaffeebohnen und triviales Wissen über den Café-Betrieb – schon bist du genau richtig dafür ausgestattet, Leute ungefragt mit Kaffee-Fun-Facts zu versorgen. Denn viele von uns kennen zu gut diese Situation, in der sie einfach eine Tasse Filterkaffee auf drei Stunden strecken um in der Zeit Wifi zu schnorren und einen auf Public Office zu machen, aber ständig vom nervigen Barista-Dude und seiner Wertschätzung für guten Kaffee genervt werden. NO ONE CARES ABOUT IT.

12) Extra-Gebühr für Soßen

Das schlimmste Imbisserlebnis ist, wenn Soßen extra berechnet werden. Und dann bestenfalls noch in geizigen Portionen herausgerückt werden. Ein Pappkarton kann hier gut zu einer Tafel umfunktioniert werden. Wichtig ist, dass gut zu erkennen ist, dass Soßen 30-50 Cent kosten. Wer so richtig auf die Kacke hauen will, schreibt vielleicht sogar 1€.

13) Kürbis

Mag vielleicht ausgelutscht klingen, vielleicht auch unlogisch, weil Kürbisse superlecker sind. Der Horror beginnt allerdings beim Aushöhlen, Schälen und Schneiden.

Habt ihr noch mehr Ideen für gruselige Halloween-Kostüme? Dann raus mit der Sprache!




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Heterokultur in Zeiten von Grindr

8. Oktober 2014 von Gastautor_in

Frederik bloggt auf  Techno Candy und twittert auch.

“Der niederländische Künstler Dries Verhoeven hatte in Zusammenarbeit mit dem Berliner Theater Hebbel am Ufer (HAU) in der Aktion ‘Wanna Play? Liebe in Zeiten von Grindr’ über die schwule Dating-App Grindr zu anderen Männern Kontakt aufgenommen und diese Chat-Gespräche für Zuschauer lesbar an eine LED-Wand projiziert. Dass die Dialoge ebenso wie ihre Profilfotos veröffentlich wurden, wussten die Gesprächsteilnehmer nicht.” (Morgenpost)

Was dann geschah: Grindr-Nutzer_in Parker versetzte Dries einen Faustschlag und machte online gegen die Kunstinstallation mobil. Das HAU veranstaltete am Sonntag eine Diskussion, zu der über 300, teils wütende, Menschen auftauchten, und beendete danach das Projekt vorzeitig.

Eines der Anliegen von Dries war offenbar, dass durch Onlinedating der Kontakt zwischen schwulen Männern oberflächlich werde. Dries, im Ernst?

Cruising ist schon immer™ Teil der queeren und vor allem schwulen Kultur gewesen. Anonymen Sex gibt es immer, die Orte an denen er stattfindet und an denen sich die Leute suchen und finden können, verändern sich mit der Zeit. Cruising-Kultur und andere Elemente queeren Socializens stellen nach wie vor eine Bedrohung der christlichen, bürgerlichen Familienwerte dar.

So scheint mir “Liebe in Zeiten von grindr” eine Mischung aus dem hinter Mitgefühl verstecktem Vorwurf, dass schwule Männer™ keine Family Values suchen (sondern nur oberflächliche Ficks) und dem neugierigen Sezieren einer der Heterokultur vorenthaltenen Geheimgesellschaft. Schon lange flüstern sich Heten auf Schulhöfen, in Kaffeepäuschen und durch den Telefonhörer zu, was sie für verruchte Geschichten über grindr und vor allem dessen Nutzer_innen gehört haben. Endlich kommt mal jemand und hält die Taschenlampe drauf!Endlich werden all unsere klemmigen Hetenfragen an diese Schwulen™ beleuchtet!

Sollen Leute, die diese App zum Cruisen nutzen, eines Besseren belehrt werden, nämlich den keuschen Freuden des Pfannkuchenbackens? Sollen Leute lieber mit einem weißen cis Typen über Philosophie quatschen als ihm Fotos ihrer Genitalien zu schicken ? Wieso? Wieso ist das besser? Wieso glaubt Dries, dass die Leute sich heimlich, innerlich doch irgendwie nur wünschen, mit jemand (das heißt: mit Dries!) reden zu dürfen?
Kuscheln, kochen und Kinderplanung statt anonym cruisen – wieso? Ich kann es nur immer wieder fragen, wieso? Welche Werte stecken hinter so einem Projekt? Wer soll sich mit dem Blick des Künstlers identifizieren? Wie undurchdacht ist ein solches Projekt? Und seit wann ist die Perspektive eines weißen europäischen cis Typens interessant, nur weil er auf Typen steht? Als Mann Männer zu begehren macht noch lange keine interessante Perspektive, keine radikalen Erkenntnisse aus schwulen Communities oder gar schwules bzw. queeres Geschichtsbewusstsein.
Und nur ohne jenes Geschichtsbewusstsein lässt sich so eine Schnapsidee auch nach der Ausnüchterung immer noch unbedarft verfolgen.

Mich erinnert die johlende Menschentraube vor Dries’ Installationsbox in Kreuzberg, die von vielen Betroffenen grindr-Nutzer_innen geschildert wurde, an die Reaktionen auf den Hollywood-Charakter der Sissy. Eine männliche Figur, die zu schwul to be true sein sollte, girly, schwuchtelig, tuntig, nicht ernst zu nehmen und eine Erheiterung für (hetero-) Mann und Frau! Die Sissy ist, ebenso wenig wie der alte Kumpel Heterosexismus, nicht ausgestorben, sondern hat sich weiterentwickelt. Nicht umsonst wurde noch dieses Jahr mit der Komödie G.B.F. – Gay Best Friend die Objektifizierung und Stereotypisierung schwuler Menschen parodiert.

Welches Schwulenbild und welches Selbstbild steckt hinter diesem Versuch, zu zeigen, dass Schwule auch Menschen sind? Wem muss das gezeigt werden? Schwule, Lesben, Heten und alle Anderen wissen am besten selbst, wer sie sind. Schwule haben, wie Lesben, Heten und alle Anderen, kaum Möglichkeiten, der Warenförmigkeit, Leere und Einsamkeit ihrer Existenz zu entrinnen. Schwule, wie Lesben, Heten und alle Anderen, brauchen keine Nachhilfe in traditionellem Mensch-sein, wie Dries es sich (voller Nostalgie? Mich schüttelt es!) ersehnt.

Nicht so lustiger Funfact: Auf grindr hängen nicht nur schwule cis Typen ab. Auf der Plattform lässt sich unter anderem die Option trans auswählen und nach trans Personen suchen. Sehr viele trans Frauen sind auf grindr unterwegs, auch einige trans Männer und non-binary trans Personen. Häufig fällt die Diskriminierung von trans Personen, insbesondere trans Weiblichkeiten noch gewaltvoller aus als die, die schwule cis Männer erfahren. Dieser Aspekt macht die Fahrlässigkeit, die der Missbrauch einer anonymen Plattform dieser Community mit sich bringt, nur noch deutlicher.

PS: Dries ist übrigens schon früher durch Einfallslosigkeit und die daraus entstandene Instumentalisierung von Menschen aufgefallen: Er stellte Menschen im Glaskasten aus und bot eine Art Safari in das „Niemandsland“ durch das Hamburger Bahnhofsviertel an.




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Rassistische Gesetze, “gleichgeschlechtliche” Ehe, Nobelpreisgewinnerinnen – kurz verlinkt

8. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft

Heute feiern wir die 250. Ausgabe unserer wöchentlichen Reihe “Kurz Verlinkt” – Glitzerkonfetti :)!!!

deutschsprachige Links

Was machen Frauen auf der Bühne? Ganz klar: lieben! Um dann meistens ruckzuck zu sterben (Drama) oder zu heiraten (Komödie), während es anderen überlassen bleibt, sich an der Welt aufzureiben. Warum eigentlich? Die Debüt-­
Arbeiten von drei Nachwuchsregisseurinnen geben scheppernde Antworten auf die dröhnende Frage, wer warum welche Rolle spielt – nicht nur im Theater. Am 18., 20., 21. und 22. Oktober 2014 in Berlin im Ballhaus Naunynstraße.

Das Rollstuhlfräulein sucht im Bereich Social Media einen Job in einem Unternehmen in Bochum und Umgebung, das barrierefrei ist.

Angsichts der jüngst bekannt gewordenen Gewalttaten gegen Geflüchtete stellt die taz fest: “Das Bürgertum führt die Situationen herbei, in denen Gewalt ausgeübt wird, und zeigt dann auf die, die es zu diesem Zweck rekrutiert”.

Hendrik Cremer legt anhand von Rechtsnormen und Gesetzen in der BRD dar, warum verdachtsunabhängige Personenkontrollen nicht nur rassistische Polizeipraxis nach sich ziehen (racial profiling) und Rassismus gesamtgesellschaftlich stabilisieren, sondern auch bereits ihre festgeschriebene gesetzliche Legitimation im Kern rassistisch ist.

Am 3. Oktober wurden zwei Kneipen und deren Besucher_innen in Bonn von extrem rechten “Fußballfans” angegriffen.

#FergusonIsEverywhere: Jamie Schearer, Julius Franklin und Tahir Della von der ISD haben mit dem Freitag über Racial Profiling und alltägliche Diskriminierung in Deutschland gesprochen.

Die Süddeutsche berichtet aus den USA: Über­ra­schend hat es der Su­preme Court ab­ge­lehnt, über die Recht­mäßig­keit sog. gleich­ge­schlecht­licher Ehen in fünf US-Bundes­staaten zu ent­scheiden – da­durch blei­ben die Gesetze und somit die bestehenden Ehe(möglichkeite)n dort in Kraft.

Über die ak­tuel­le Aus­stel­lung der süd­afri­kani­schen Foto­grafin_Akti­vi­stin_Profes­sor­in Za­ne­le Mu­ho­li be­rich­tet (in ei­nem mittel­guten Ar­ti­kel) die Augs­bur­ger All­gemei­ne – siehe auch weiter unten unsere Termine.

In der Jungle World stellen Eike Sanders, Ulli Jentsch und Felix Hansen, Mitarbeiter des Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums Berlin (apabiz), ihr neues Buch “Deutschland treibt sich ab” vor und geben Antworten zur Bewegung der antifeministischen “Lebensschützer_innen”.

“Eine gerechte Gesellschaft sollte anders aussehen”: der Bayrische Rundfunk interviewt Anne Wizorek zu ihrem Buch “Weil ein #Aufschrei nicht reicht.”

Frauen helfen Frauen e.V. sammeln in Mecklenburg-Vorpommern gerade Unterschriften für einen “Zugang für alle!” zum Beratungs- und Hilfenetz in Fällen häuslicher und sexualisierter Gewalt.  3.000 Unterschriften werden noch gebraucht. Am 25.11.2014 ist eine Demo dazu in Schwerin geplant – siehe weiter unten bei den Terminen.

englischsprachige Links

Wie US-Bundes­staats­ge­setze konsti­tu­tio­nel­le Ab­trei­bungs­rech­te aus­he­beln, berichtet Andrew Rosenthal in der New York Times.

Die Sängerin Mary Lambert schreibt auf ihrer Website über grenzüberschreitende Fans und Interviewer_innen, eigene (sexualisierte) Gewalterfahrungen und Retraumatisierung.

“A Her­story of the #BlackLivesMatter Move­ment” und über die Ver­ein­nah­mung von Theorie­bil­dung und Akti­vis­mus schreibt Ali­cia Gar­za bei The Femi­nist Wire.

Buzzfeed porträtiert die chinesisch-US-amerikanische Schauspielerin Anna May Wong. So fähig sie in ihrem Beruf war, so häufig wurde sie nur als “exotische Lotusblume” besetzt, und selbst dann konkurrierte sie mit weißen Schauspielerinnen in Yellowface.

Kein Nobelpreis ist für besonders hohe Frauenanteile bekannt, aber um den Nobelpreis für Physik ist es besonders schlecht gestellt. In den letzten 50 Jahren gewann keine einzige Frau. Slate stellt einige vor, die es verdient hätten.

Termine in Berlin, München, Ulm und Schwerin Weiterlesen »




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Ein Buch nach dem Anderen: Literatur aus Sri Lanka sowie Bücherclubs, das FBI und gebannte Werke

7. Oktober 2014 von Charlott

Gelesen auf Papier

Vor einiger Zeit habe ich mir angewöhnt, wenn ich reise auch gleich die “passende” Literatur mitzunehmen, nämlich jene von Autor_innen aus dem betreffenden Land/Region/Stadt oder die über diese schreiben. Dementsprechend regionaleinseitig gestaltet sich auch mein Lesestappel vom September: Im Mittelpunkt stehen englischschreibende Autor_innen aus Sri Lanka.

In Writing Sri Lanka: Literature, Resitance and the Politics of Place (2007, Routledge) analysiert Minoli Salgado das Schaffen von acht Autor_innen, die alle auf Englisch publizieren. Als roter Faden ziehen sich durch die Kapitel Fragen rund um Grenzziehungen. Wer wird als zugehörig konzeptionalisiert? Wer ausgeschlossen? Wie werden Grenzen zwischen “in Sri Lanka lebend” und “Diaspora” gezogen? Welchen Einfluss hat dies auf die Rezeption? Aber auch: Welche Grenzen werden in den Werken überschritten, aufgeweicht oder doch neu gezogen? Das Buch gibt einen spannenden Einblick in die betrachteten Literaturen (vor allem auch der zweier AutorINNEN: Jean Arasanayagam und Punyakante Wijenaike)  und das Umfeld, in welchem sie publiziert und rezepiert werden. Es ist aber eine wissenschaftliche Studie, die ohne Voriwssen zu literaturwissenschaftlichen Theorien (und insbesondere postkolonialen Theoretiker_innen) schwer zu lesen ist.

Glücklichweise veröffentlicht Salgado just in diesem Monat (morgen ist die Vorstellung in London) ihren eigenen Debut-Roman A Little Dust On The Eyes, in dem sie viele der Themen, die sie in Writing Sri Lanka herausgearbeitet hat, selbst literarisch aufgreift.

Da ich selbst erst kurz vor Abreise mich erinnerte, dass ich noch Romane besorgen muss_wollte, war meine Leseliste dann abgesehen von Salgado eine männlichdominierte – denn leider ist es ja bei den meisten Literaturen schneller möglich Autoren und deren Werke ausfindig zu machen, als die von Autorinnen. Ich las Reef (2011 (erstveröffentlicht 1994), Penguin Books) und Noontide Toll: Stories (2014, Penguin Books) von Romesh Gunesekera. Ersteres gibt es auch als “Riff” in deutscher Übersetzung. Außerdem las ich Running in the Family (1993 (erstveröffentlicht 1982), Vintage) von Michael Ondaatje, besser bekannt als der Autor von “Ein englischer Patient”. Auch sein Buch wurde übersetzt (“Es liegt in der Familie”), ist zwar literarisch nicht uninteressant, da es zwischen überwiegend prosaischen und poetischen Teilen wechselt, teilweise aber fehlen die tieferen Analysen der ihn umgebenden Gesellschaft. Nicht zu Unrecht wurde dem Buch Exotismus vorgeworfen. Spannend zu lesen ist es aber in Kombination mit dem entsprechenden Kapitel in Salgados Werk, in dem sie die Feinheiten des Texts auseinandernimmt. Zuletzt wandte ich mich Funny Boy: A Novel in Six Stories (1994, Vintage) von Shyam Selvadurai zu. Selvadurai schreibt eine fesselnde Familiengeschichte, in der es um so große Themen wie Identitäten und Zugehörigkeiten, Konstruktion von ethnischen Unterschieden, politische und_oder bewaffnette Konflikte und dem Coming-of-Age eines schwulen Jungen im Colombo der 1980iger geht. Leider bisher nicht ins Deutsche übersetzt.

 

Mitbringsel von der Buddhist Publication Society

Mitbringsel von der Buddhist Publication Society

Gelesen im Internet

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Ein Privileg verpasst uns schlechte Instinkte – mit Absicht

6. Oktober 2014 von Gastautor_in

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin veröffentlichen wir eine Übersetzung des Artikels “Privilege Gives Us Bad Instincts, By Design”, der vergangene Woche auf Melissa McEwans Blog Shakesville erschien. accalmie übersetzte den Text.

Etwas, das mir noch nie passiert ist: Ich habe etwas gesagt oder geschrieben über einen Vorfall von Frauenfeindlichkeit, der entweder gegen mich oder andere gerichtet war, bekam von einem Mann gesagt, “Ich sehe da keine Frauenfeindlichkeit,” wurde von diesem Mann gesplained, warum ich falsch liege, und änderte dann meine Meinung, da ich so überwältigt war von seinem Einblick.

Das ist noch nie passiert. Ich glaube nicht, dass es jemals passieren wird.

Und dennoch, fast tagtäglich, bin ich mit Männern konfrontiert, die erpicht darauf sind mir zu sagen, dass sie etwas nicht als Frauenfeindlichkeit begreifen, dass es da eine andere Erklärung gäbe, dass ich falsch läge. Sie reden mit mir, als sei ich sehr dumm oder sehr naiv, sie benutzen Occam’s Big Paisley Tie gegen mich und präsentieren Grund nach absurdem Grund, warum etwas keine Frauenfeindlichkeit sei. Warum ich falsch liege.

Oftmals geben diese Männer vor, meine Verbündeten (allies) zu sein.

Und diese Männer, die vorgeben, meine Verbündeten zu sein, räumen bereitwillig ein, dass sie männliche Privilegien haben, während sie gleichzeitig vollkommen daran scheitern zu verstehen oder zu überprüfen, wie diese Privilegien auf sie einwirken und wie viel Arbeit es wirklich ist sich durch diese Privilegien durchzuarbeiten; wie viel Umsicht, keine Ausübung/Handhabe, es benötigt.

Wir können uns nicht einfach nur bewusst sein, dass wir Privilegien haben; wir müssen verstehen, wie diese Privilegien funktionieren und was sie mit unserer Menschlichkeit tun.

Es ist Arbeit uns zu resozialisieren, heraus aus den schädlichen Unterdrückungen, mit denen wir indoktriniert werden. Es funktioniert nicht von Zauberhand, und es funktioniert ganz bestimmt nicht dadurch einfach zu verkünden, dass wir uns unserer Privilegien bewusst seien.

Menschliche Wesen sind wie Schwämme kreiert, und wir Schwämme werden während jeden Tags unseres gesamten Lebens sozialisiert durch ein Bombardement an Eingaben, die uns dazu anhalten, manche Leute zu priviligieren und andere als weniger wert zu behandeln. Es ist absurd sich vorzustellen, dass wir diese aggressive Sozialisation über Nacht überwinden könnten ohne besondere Anstrengungen.

Eine Sozialisation, die Menschen mit Privilegien vermittelt: Du bist überlegen. Du bist mehr wert als die Leute, die deine Privilegien nicht haben. Du bist eine bessere Person.

Es ist nicht wahr. Privilegien erodieren in jeder Hinsicht unsere Fähigkeit, Verbindungen zu anderen Menschen herzustellen. Sie untergraben unsere Empathiefähigkeit, und sie mindern unsere Menschlichkeit.

Privilegien verpassen uns schlechte Instinkte, mit Absicht.

Sie erzählen uns Lügen. So viele Lügen.

Und die schädlichste Lüge, die Privilegien uns erzählt, ist, dass wir objektiv sind, kraft unserer Privilegien. Weiterlesen »




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