Samstagabendbeat

24. Juli 2010 von Barbara

Nicht alle Ponys wollen gestriegelt werden – manche brauchen eher eine neue Batterie. Laura Barretts Song “Robot Ponies” erzählt vom Weihnachtsabend 2053, an dem das Christkind allen kleinen Mädchen Roboter-Ponys bringt.
Laura Barrett ist eine kanadische Musikerin, die auch schon bei den Hidden Cameras mitgemacht hat. Sie ist studierte Pianistin, spielt aber lieber die Kalimba, ein ursprünglich afrikanisches Daumenklavier. Da fühlt sie sich freier, sagt Laura Barrett. Dann ist sie nicht in den Mustern und Routinen des klassischen Klavier-Spiels gefangen – kein Zaun für mein Pony! Hier ist Laura Barrett mit “Robot Ponies”.


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Neues aus den Blogs

24. Juli 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 68 von 69 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Eine kleine Auswahl dessen, was mir aufgefallen ist in dieser Woche in den Blogs: Ein Ende von “kreuzritterlicher Homophobie” fordert diestandard.at. Anlass ist der Christopher Street Day, deren Teilnehmende mit “ultrakatholischen und nationalistischen Gruppierungen” zusammenstießen. Und deren bekloppten Gehirnen. Kaum zu glauben – Mittelalter im Jahr 2010!

Über ein Vernetzungstreffen von Online-Frauen, das inzwischen ein feministisches Mainstream-Thema geworden ist, hat annalist geschrieben. “An sich sind Fragen zur Abwesenheit von Frauen im Netz, an Computern, in den Medien ja nicht wirklich innovativ, müssen aber wohl weiterhin gestellt werden.” Ja. Leider.

Seit 2009 ist es gleichgeschlechtlichen Paaren in Schottland möglich Kinder zu adoptieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, Großeltern protestierten gegen die vorgesehenen Adoptiveltern, wendet sich die größte Adoptionsvermittlungsagentur nun direkt an Schwule und Lesben. Sie sollten sich von der negativen Presse nicht beindrucken lassen, so queernews.at.

Ich hatte auf den Artikel in der Jungle World von Antje Schrupp über das Reizthema Burka-Verbot bereits verlinkt. In ihrem Blog hat sie zu diesem Artikel noch etwas mehr geschrieben, nämlich über etwas, was von der Redaktion der Jungle World redigiert wurde in ihrem Artikel und aus einem Gedanken einen anderen gemacht hat. “In der ursprünglichen Fassung hatte ich geschrieben, dass Burka und Niqab (also Ganzkörperverhüllungen, die auch das Gesicht verdecken) – anders als das Kopftuch – „die Welt der körperlichen Präsenz weiblicher Individuen“ berauben. Das war meine Begründung dafür, warum ich finde, dass es sich dabei durchaus um eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse handelt und nicht nur um eine Privatangelegenheit der Frauen, die solche Kleidung tragen. (Anschließend begründe ich dann, warum ich ein gesetzliches Verbot trotzdem falsch finde). In der veröffentlichen Version heißt dieser Satz nun, dass Burka und Niqab „weibliche Individuen ihrer körperlichen Präsenz berauben“. Diejenigen, denen etwas „fehlt“ (nämlich die körperliche Präsenz) sind nun also die Frauen selbst und nicht mehr die Welt.”

Über die unangenehmen Dinge, die derzeit passieren in Hamburg (Schul-Volksbegehren) und Berlin (Elternzeit-Einsparung) hat sich i heart digital life geärgert. Mit Recht!

Termine:
Wer Lust auf “Poetische Experimente und Erfahrungsaustausch” hat, dem sei die Veranstaltung des Literaturbüros Ruhr e.V. und der Autorinnenvereinigung e.V. mit dem Frauenkulturbüro NRW e.V. am 16.Oktober 2010 in der Kulturfabrik Heeder in Krefeld ans Herz gelegt. Autorinnen sind herzlich eingeladen, sich mit biografischen Angaben und einer Projektskizze mit Textprobe (insgesamt 2 Normseiten) zu bewerben. Anmeldungen per Mail an Elisabeth.roters-ullrich(at) stadt-gladbeck.de bzw. unter www.literaturbuero-ruhr.de.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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Girls-Rock-Camp feiert Party in Cottbus

23. Juli 2010 von Magda

Am Sonntag findet das Abschlusskonzert des diesjährigen ”Ruby Tuesday – Rock Camp für Mädchen” in Cottbus statt.

Ruby Tuesday Rock Camp AbschlusskonzertDie Veranstalterinnen und Künstlerinnen verkünden:

nach einer woche voller songwritingworkshops, bandcoaching, einüben von bühnenperformance, singen, schreien, skaten und sprühen, stellen vier bands von musikerinnen zwischen 11 und 17 jahren ihre songs der öffentlichkeit vor:

agatha robot (schnell, verzerrt und unabhängig)
black diamonds (mal ruhig, mal geschrien)
crazy rubies (verrückter techno aus cottbus)
kackie kurzsocke feat. die urigen teller (ein kessel buntes)

Wer eine Mitfahrer_innengelegenheit braucht und/oder vom Cottbus Hbf abgeholt werden möchte, schreibe an info[at]rubytuesdaymusic.de.


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Familienpolitik à la Schröder

23. Juli 2010 von Barbara

Das Wertvollste, das Kristina Schröder von ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen geerbt hat, sind das Elterngeld und der Plan, die Kinderbetreuung auszubauen. Dazu hat die Familienministerin diese Woche eine Pressekonferenz abgehalten und dabei betont, dass das Ausbau-Ziel, 35 Prozent der Unter-Dreijährigen bis 2013 mit Kita-Plätzen zu versorgen, realistisch sei. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte sie außerdem, mit diesen 35 Prozent sei der Bedarf gedeckt. Leider verwechselt Schröder dabei, dass diese 35 Prozent nicht dem Bedarf entsprechen, sondern lediglich der Pflicht genügen, die die EU-Kommission Deutschland auferlegt hat. Außerdem übersieht sie, dass mit dem Angebot der Bedarf steigt, wie die Erfahrungen im europäischen Nachbarland Schweden zeigen. Und auch innerhalb Deutschlands gibt es Belege dafür: Das Statistische Bundesamt hat ermittelt: In den neuen Bundesländern, wo es mehr Kinderbetreuungsangebote gibt als in Westdeutschland, bringen im Verhältnis deutlich mehr Eltern ihre Unter-Dreijährigen in Kitas.

Eltern, die keine klassischen 9 to 5-Jobs haben, sondern etwa in der Gastronomie arbeiten, als Lagerarbeiter oder als Reinigungskräfte, nützen diese 35 Prozent übrigens eher wenig: Die üblichen Kita-Öffnungszeiten sind kaum mit ihren Arbeitszeiten in Einklang zu bringen. Hier wäre eine Familienministerin mit Visionen gefragt, die etwas von der Lebenswirklichkeit ihres Landes versteht.

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Hormone dekonstruieren: Gender Trouble im Sport

23. Juli 2010 von Nicole

Vergangene Woche entschied der Internationale Leichtathletikverband IAAF nach fast einem Jahr endlich über die Startberechtigung der südafrikanischen 800-m-Läuferin Caster Semenya und darüber, dass es sich bei ihr tatsächlich um eine Läuferin handelt, sie also weiterhin bei den Frauen als Frau starten darf. (Wir berichteten kurz hier und ausführlicher zum Thema der Geschlechterdefinition im Leistungssport auch schon im Februar.)

Für die taz kommentierte Andrea Rödig die Entscheidung des IAAF (der Text ist in Teilen identisch mit einem früheren Beitrag für den Freitag). Rödig begrüßt die Entscheidung und macht darauf aufmerksam, dass diese selbst – wenn wohl auch unfreiwillig – die Theorien von Geschlecht als sozialer Konstruktion bestätigt, indem sie nämlich das doing gender innerhalb des eigenen Sportkosmos selbst vorführt:

Das Urteil zeigt in seinem trockenen Gestus besser als jede theoretische Abhandlung, dass Geschlecht unter anderem ein „performativer Sprechakt“ ist, das heißt ein Satz, der Tatsachen schafft. Das IAAF lässt Semenya zu, also gilt sie als Frau.

Interessant ist der Text von Rödig jedoch auch deswegen, weil sie der Geschlechtertheorie unbequeme Fragen stellen möchte, zum Beispiel die nach den Hormonen und ihrer Wirkung. Dabei gehe es, so Rödig, nicht darum, hinter die Dekonstruktion einer „natürlichen“ Zweigeschlechtlichkeit zurückzufallen, sondern vielmehr sich deren Erkenntnisse zunutze zu machen, um sich

jenseits der eingeschliffenen Denkmuster noch einmal mit der Bedeutung von physiologischen Bedingungen für Geschlechtlichkeit zu beschäftigen. Eigentümlicherweise wächst gerade im Herzen der queeren Bewegung derzeit eine Vorliebe für die Evidenz physiologischer Manipulation: In wachsender Zahl zeigen Transpeople beeindruckend, wie viel man mit Hormonen anstellen kann. Die Biologie hat die Gender bender längst eingeholt.


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Wehe denen, die Frauen weihen wollen

23. Juli 2010 von Helga

Vor einer Woche reagierte der Vatikan auf die Reihe an Missbrauchsskandalen der letzten Zeit und erließ neue Richtlinien, die etwa die Verjährungsfristen für Pädophilie verlängern. Gut versteckt wurde die Einstufung von versuchten Frauenordinationen ebenfalls verschärft – sie stehen nun auf einer Stufe mit Kindesmissbrauch.

Während dies in Deutschland bisher unterging, protestierten in Großbritannien verschiedene katholische Organisationen, wie der Guardian berichtete. Eine von ihnen, Catholic Women’s Ordination (CWO), trägt ihren Protest demnächst auf die Straße. Im September werden 10 Busse in London Werbebanner mit der Aufschrift “Pope Benedict Ordain Women Now” (Papst Benedikt, weihe jetzt Frauen zu Priesterinnen) tragen. Der Papst wird ab dem 16. September für zwei Tage nach London reisen und die Busse sind gemäß seiner Reiseplanung gebucht.


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Nippelfreie Zone

23. Juli 2010 von Susanne
Dieser Text ist Teil 3 von 3 der Serie Die Farbe lila

In den letzten Tagen wurde es immer unvorstellbarer, das Wochenende ohne Besuch am See überleben zu können. Ich brauchte dringend einen neuen Bikini, mein alter ist zehn Jahre alt. Also versuchte ich, einen zu kaufen. Bei dem Versuch blieb es allerdings. Dabei habe ich keinen ausgefallenen Geschmack und auch keine überzogenen Preisvorstellungen. Ich habe nur nicht den Wunsch, meinem Busen eine Rundumabdichtung zu verpassen – gepolstert und abgeschirmt gegen Gefahren jeder Art, die am See auf mich warten.

Aber das Designvorhaben der Bekleidungsindustrie scheint zu sein: meine Brüste zu beschützen. Warum sonst gibt es nur noch dick gepolsterte Bikinioberteile? Oder Büstenhalter. Auch hier das gleiche Bild, zum Beispiel im Prospekt, der mir aus der Zeitung entgegenflattert. Vermutlich wurden durch den frustrierenden Shoppingversuch meine Sensoren geschärft, normalerweise schmeiße ich Prospekte einfach ungesehen weg. Aber diesmal starren wir uns gegenseitig an: die gepolsterten Brüste mich und ich sie. Stramm stehen sie da, durch die unveränderliche Form der Schalen, wie eine Armee. Und neben den Dekolletés der Models steht die Erklärung für die Erfindung gepolsterter Unterwäsche: Es geht nicht um Schutz, sondern darum, etwas “unsichtbar” zu machen. Wer sich die Worte “T-Shirt-BH” und “Pulli-BH” ausgedacht hat, sollte mit ebensolchen geknebelt werden, der Erfinder von “unsichtbar” für seine Doofheit gleich mit. Ein unsichtbarer BH wäre: kein BH.

Brauner Hintergrund mit 2 Bäumen und 3 Pilzen. Ein Wolf liegt blutend auf dem Boden. Im Vordergrund steht ein Mädchen mit lila Käppchen und einem blutigen Messer in der Hand. Es sagt: I don't need to be saved. I can do that myself.

(c) Frl. Zucker

Deswegen kann diese Erfindung nur heißen: Irgendjemand hat ein Problem mit Brüsten, wie die Natur sie wachsen lässt. Weibliche Nippel sollen unsichtbar werden. Und in wattierte Förmchen eingepackt, wird die weibliche Brust normiert. Kleine, große, spitze, hängende, runde, schiefe, lustige oder flache Brüste sieht man immer weniger. Mit Pulli- und T-Shirt-BH sieht jede Brust, die einem auf der Straße entgegenkommt, gleich aus: fest, rund und mittelgroß. So wird Frauen eingeredet, das, was sie schon haben, sei nicht ganz so super wie das, was sie haben können. Und ihnen wird auch eingeredet, auf keinen Fall dürfe man unter dem T-Shirt oder Pulli “etwas” sehen. Ein Pulli-BH muss her, denn egal ob normaler BH oder kein BH, solange keine Watteschicht eingebaut ist und auch nur ein kleiner Wind weht, sieht man bei Brüsten Nippel. Bei Frauen wie bei Männern. Weiterlesen »


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HIV, Sexarbeit, inhaftierte Schwangere, social media, Verschleierung, Gaza, die Maus, Körper und Punk

22. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 69 von 70 der Serie Kurz notiert

Kleines Land, großes Problem: DieStandard.at berichtet über die wachsenden Probleme mit AIDS und HIV in El Salvador. Laut der Hilfsorganisation Plan International liegt der Anteil heterosexueller Übertragung inzwischen bei 77 Prozent. Vor allem das fehlende Problembewußtsein verstärke die Krise noch.

Auf altmuslimah berichtet die Fotografin Kate Orne von ihren Recherchen in pakistanischen Bordellen und dem Kampf der Sexarbeiterinnen, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Unglaublich: NPR berichtet über inhaftierte Schwangere in den USA, die bei der Geburt hinter Gittern weiterhin gefesselt bleiben.

DieStandard.at hat die europäischen Verschleierungsverbote bzw. Pläne dazu im Überblick.

Im Gaza-Steifen dürfen Frauen künftig in Cafés keine Wasserpfeifen mehr rauchen. Unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes ein weiterer Schritt hin zum konservativen „Gemeinwesen staatlich verordneter Gottesfurcht” fürchtet die Süddeutsche.

Die FAZ porträtiert die Erfinderin der Maus – Isolde Schmitt-Menzel. Obwohl die Maus bereits seit 40 Jahren über unsere Fernsehbildschirme wandert, zunächst als „Maus im Laden” dann in der „Sendung mit der Maus“, wußte das sogar an ihrer ehemaligen Hochschule bis vor kurzem kaum jemand.

DieStandard.at berichtet wie vor 40 Jahren die ersten Frauen in Wien eine Straßenbahn führen durften - unter argwöhnischer Beobachtung ihrer Kollegen.

Social media-Netzwerke werden stärker von Frauen als von Männern genutzt. Warum? Die Antwort von Jessica Fay Carter auf mashable.com lautet: Weil sie vom sozialen und kulturellen Kapital auch stärker profitieren.

Auf TheF-Bomb schreibt Danielle über ihre Erfahrungen als “’Phat’ Girl in a Skinny World“.

Wer nächste Woche Mittwoch in Berlin ist und auf feinsten Grrrl Punk steht, feiert mit AgathaRespect My Fist und Ex Best Friends in der Scharni 38 ab.


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Burka-Verbot, Burka-Verbot, Burka-Verbot

22. Juli 2010 von Barbara

Das Verbot, in der Öffentlichkeit eine Burka zu tragen bzw. sich mit einem anderen Ganzkörper-Schleier zu verhüllen, ist in einigen europäischen Ländern bereits gesetzlich verankert worden. Das französische Parlament hat kürzlich dafür gestimmt (wir haben berichtet), ebenso in Belgien (wir haben berichtet) wurde dafür votiert. In Spanien wurde der Verbots-Vorschlag gerade knapp abgelehnt, das Thema scheint aber auch hier noch nicht vom Tisch.

Über das Burka-Verbot hat Martha Nussbaum, Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago, in der FR geschrieben; sie behandelt das Thema aus rechtsphilosophischer Sicht:

… Gesetzt den Fall, die Burka ließe sich statistisch mit Gewalt gegen Frauen eng in Verbindung bringen: Könnte die Regierung sie aus diesem Grund rechtmäßig verbieten? Der Oberste Gerichtshof der USA hat geurteilt, dass das Nackttanzen aufgrund seiner gelegentlichen Verbindung mit Verbrechen (auch gegen Frauen) verboten werden kann, aber es ist nicht klar, ob dieses Urteil richtig war. Burschenschaften am College weisen eine enge Verbindung zu Gewalt gegen Frauen auf, und einige Universitäten haben deshalb alle oder einige Burschenschaften verboten. Private Institutionen dürfen solche Regelungen treffen; ein völliges Verbot männlicher Trinkclubs (oder anderer Orte, an denen Männer sich betrinken, wie Fußballspiele) von Regierungsseite wäre aber eine groteske Einschränkung der Versammlungsfreiheit. …

Über das Burka-Verbot hat auch Antje Schrupp für die Jungle World geschrieben. Sie hält das Burka-Verbot für ein falsches Signal (eine Meinung, die ich absolut teile).

… Schließlich wäre ein Burkaverbot auch ein falsches Signal an die westlichen Milieus und an die nicht-muslimischen Migrationscommunities, die selten so liberal und frauenfreundlich sind, wie sie sich gerne darstellen. Gewalt gegen Frauen gibt es überall, die Beschränkung ihrer Freiheit auch. Das lässt sich nicht an äußerlichen Symbolen ablesen. Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, die Freiheit der Frauen könne per Gesetz sichergestellt werden. Sie muss sich im Konkreten bewähren: Wie unterstütze ich das Mädchen, das gegenüber ihren Brüdern benachteiligt wird? Wie argumentiere ich gegenüber einer Frau, die meint, der Ganzkörperschleier bringe sie näher zu Gott? Was ist mit der Frau, die von ihrem Mann geschlagen wird, ihn aber partout nicht verlassen will? …

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Das Problem der Mehrfachdiskriminierung in der Praxis

22. Juli 2010 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 10 von 10 der Serie Frauen bewegen

„Wer weiß, wie sich Diskriminierung anfühlt, diskriminiert nicht.“ – Diese Idee von Gerechtigkeit dürften viele kennen. Es ist schwer sich vorzustellen, dass Menschen einander Dinge antun, die sie selbst als schmerzhaft oder als falsch erlebt haben. Dass Menschen die Marginalisierung erfahren, auch selbst diskriminieren, darauf hat zuletzt z.B. Judith Butler beim diesjährigen CSD Berlin öffentlich Aufmerksam gemacht.

Diskriminierung muss nicht immer Absicht sein, das wird bei der Diskussion darüber häufig vergessen. Vermutlich sind die meisten Fälle von Diskriminierung schlicht fehlender Aufmerksamkeit geschuldet. Das macht es jedoch nicht besser: Es hat etwas von „Oh, ich hatte vergessen, dass es für Kinder gefährlich ist, auf der Autobahn zu spielen.“ – Totschlag ist es trotzdem. Somit ist Aufmerksamkeit für (Mehrfach-)Diskriminierung eines der „Heilmittel“ zu einer netteren Welt.

Das Minderheiten und marginalisierte Gruppen meist in nur wenigen Merkmalen Gemeinsamkeiten haben, ist theoretisch offensichtlich. Dass Aufmerksamkeit für Unterschiedlichkeit, Diskriminierung vorbeugen kann, ist zumindest in der Diskussion um Mehrfachdiskriminierung bekannt. Wie schwierig sich dies jedoch in der Praxis leben lässt, hat mir beispielhaft die Frauenvollversammlung der Studentinnen der Uni Mainz im Sommersemester 2010 gezeigt: Weiterlesen »


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