Weltweite Umfrage zu Alltäglicher Belästigung/Street Harassment

22. Oktober 2014 von Charlott

Seit einigen Jahren gibt es die Hollaback! (“Brüll zurück”)-Bewegung. Auf den Webseiten der Ortsgruppen können Menschen ihre alltäglichen Erfahrungen mit Belästigung und Übergriffen und ihre Umgänge mit diesen berichten, es gibt Informationen zu den zugrundeliegenden Strukturen und Zusammenstellungen von Beratungs- und Unterstützungsorganisationen. Auch Workshops werden veranstaltet. Mittlerweile gibt es Gruppen in 79 Städten auf 26 Länder verteilt.

Von Beginn an gehörte auch die wissenschaftliche Aufarbeitung, das Erstellen von Studien und die Recherche von bereits vorhandenen Informationen zum Tätigkeitsfeld von Hollaback!. Am 15. Oktober startete nun eine Online-Umfrage in Ländern auf sechs Kontinenten gemeinsam mit der ILR School an der Cornell Universität. Ziel ist es “Erfahrungen und Auswirkungen von alltäglicher Belästigung/street harassment international” zu erforschen. Die Umfrage auf deutsch und englisch (inklusive der Hinweise auf alle anderen Umfragen) findet ihr zum Beispiel auf der Homepage von Hollaback! Berlin.




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Applaus für… die Bremer Poetry Slammerin Rita Apel!

21. Oktober 2014 von Magda

In Göttingen sind am Wochenende die besten Poetry Slammer_innen aus Niedersachsen und Bremen angetreten und kämpften um den Titel der Landesmeister_in. Einen tosenden Applaus für Rita Apel aus Bremen, die mit ihrem bewegenden Spoken Word den ersten Platz belegte:

Screenshot von ndr.de (Klick, klick, um das Video zu sehen)

Screenshot von ndr.de (Klick, klick, um das Video zu sehen)

Dritte wurde übrigens die großartige Ninia La Grande!




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iZelle und “social freezing” – Plötzliches Interesse an reproduktiven Rechten im Kapitalismus

21. Oktober 2014 von Charlott

Mitarbeiter_innen von Google und Facebook in den USA sollen bei den Kosten für das Einfrieren von Eizellen unterstützt werden (“Social Egg Freezing”). Letzte Woche löste diese Tatsache eine große Debatte auch in deutschsprachigen Medien aus. Bei der Süddeutschen wurde getitelt “Gefrierschrank macht noch keine Gleichberechtigung” und durchaus etwas differenzierter die Tatsachen betrachtet, bei Spiegel Online wurde in einem Kommentar verkündet “Warum ich den Eizellen-Plan von Apple und Facebook pervers finde“. Bei der Zeit wurde mit “Ein Hoch auf die Produktivität” plötzlich so etwas wie Kapitalismuskritik geübt und dann nur zwei Stunden später biologistisch-ätzend und androzentrisch von der “Herstellung des Menschen” gefaselt. Der Medienkompass des Spiegels zeigt, dass sich die Berichte der größeren deutschsprachigen Medien irgendwo einpendeln zwischen “Angebot schafft keine Gleichberechtigung” und “es ist eh eine risikoreiche Technik”.

Sicher ist eine Verknüpfung von (finanziellem) Zugang zu reproduktiven Technologien und dem eigenen Arbeitgeber keine großartige Lösung. Aber als vor einigen Monaten in den USA Gerichtsurteile gefällt wurden, die Firmen zugestanden, aus “Gewissensgründen” ihren Mitarbeiter_innen den Zugang zu bestimmten Verhütungsmitteln zu verwehren, da fiel das Medienecho doch bedeutend verhaltener aus und die wenigsten Journalist_innen stürzten sich auf das grundlegende Problem der Verbindung zwischen Arbeitgeber und reproduktiven Rechten. Ich möchte keine Lobeshymnen auf die Firmen, um die es hier geht, singen  – Angestelltenstruktur, Datenschutz u.ä. geben ja genug Anlässe zur Kritik. Aber die finanzielle Unterstützung beim Einfrieren der Eizellen ist nicht die einzige Maßnahme, die es dort hinsichtlich des Komplexes “Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie” gibt. Sie bieten u.a. bezahlte Elternzeiten, finanzielle Boni oder Unterstützungen bei Adoptionen.

Fakt ist auch, dass diese reproduktive Technik kein Garantie dafür ist, dass Menschen zu einem späteren Zeiptunkt im Leben Kinder bekommen können (und es natürlich auch ein für viele unangenehmer medizinischer Eingriff bleibt) – in Medienberichten wird das manchmal so verkündet, als wüssten die betroffenen Personen dies nicht. Für einige aber mag es trotzdem eine gute Option und manchmal gar die einzige sein (beispielsweise bei Erkrankungen). Dann ist es doch gut, wenigstens nicht auf den (nicht zu unterschätzenden!) Kosten allein sitzen zu bleiben.

“Social Egg Freezing” ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Das hat aber meines Erachtens tatsächlich auch niemand behauptet. Worum geht es also wirklich? Auffällig ist, dass die Debatte gerade an dem Punkt ausbricht, wo es plötzlich um reproduktive Technologien geht. Und nicht nur in den Mainstreammedien,  auch bei einigen Feminist_innen schwingen da Vorstellungen mit von “natürlicher (=richtiger) Schwangerschaft” und damit einhergehend auch implizit darüber, welche Familienmodelle als richtig und möglich erachtet werden. Es werden zum einen besonders Frauen (andere Möglichkeiten potentiell schwangerer Menschen werden ausgeblendet) angegriffen für Entscheidungen über ihren Körper (natürlich auch nichts Neues), aber zum anderen wird in der Debatte auch außen vor gelassen, für wen reproduktive Technologien eine der wenigen Optionen überhaupt sein können. Nämlich für Menschen, die gerade weil sie keine ableisierten Cis-Hetero-Paare mit dem nötigen finanziellen Polster sind, eh vielerorts keinerlei Zugang haben. Und sicher ließen sich auch bestimmte Praxen reproduktiver Techniken komplexer diskutieren, aber wenn sie unter dem (sehr dünnen) Mäntelchen der Kapitalismuskritik pauschal abgewertet werden, lohnt sich schon der genauere Blick, wer hier angegriffen und augeschlossen wird.




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Zehn Minuten Schmerz – Eine Bienenschwarm-Untersuchung

20. Oktober 2014 von Gastautor_in

Der nachfolgende Text stammt u.a. von Frederik, der diesen als Herrmann Herman zusammen mit Bumsy LaBoum auf dem Festival Femme Hive, einem Ort für queere Femmes und Femme-inismus, performt hat. Er wird hier veröffentlicht, weil er die Strukturen und Hierarchien hinter diesem Event kritisiert, die unter anderem zu sexistischen, rassistischen Zuschreibungen und Erwartungshaltungen führen. In der Performance setzten wir uns mit Harmoniebedürfnissen, Partykultur und Silencing auseinander.

Wir richteten unsere Performance kritisch an die Veranstaltung Femme Hive, aber wenden dieselbe Kritik auf viele feministische Gruppen und Events an. Wir wollen den Femme Hive nicht mit unserer Kritik einzeln hervorheben, sondern haben seine Bühne genutzt, um den Bienenschwarm des Diversity-Feminismus zu untersuchen.

Bumsy LaBoum & Herrmann Herman:

was bist du

wo kommst du her

kann ich mal anfassen

Herrmann Herman:

ich heiße

ich heiße euch willkommen

ich heiße Jörg

ich heiße Björk

ja, manchmal auch Björk

ich bin das Maß

ich bin das Fass ohne Boden

ich schlucke

ich sperre meinen Mund auf

ich sperre dich in meinen Mund ein

Bumsy LaBoum:

was bist du

wo kommst du her

kann ich mal anfassen

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Selbermach-Sonntag (19.10.2014)

19. Oktober 2014 von Charlott

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Neue Woche, neues Glück: Was hat euch in den letzten Tagen beschäftigt? Habt ihr Texte verfasst? Oder besonders treffende gelesen? Welche Veranstaltungen stehen in eurer Gegend demnächst an?




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Samstagabendbeat mit Lily & Madeleine

18. Oktober 2014 von Charlott

Für alle, die bereits First Aid Kit und ähnliches lieben, hier ein weiteres Schwestern-Duo: Lily & Madeleine sind gerade einmal 17 und 19 Jahre alt, haben diese Woche aber mit “Fumes” bereits ihr zweites Album herausgebracht. Thema dieser Platte sei Empowerment, sich Weiterentwickeln, Erwachsenwerden und dabei eigene Entscheidungen zu treffen, sagt Madeleine in einem Interview mit Rookie.




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Rassismus historisch betrachten, Star Trek und Trans*-Musiker_innen – die Blogschau

18. Oktober 2014 von Nadine

Nadia stellt auf Shehadistan die Künstlerin Tascha Parkinson vor.

Lightsneeze hat einen weiteren Text zu Unterstützungsarbeit bei Gewalt in Beziehungen übersetzt. Hinweis: Der Text benutzt Begriffe wie “Opfer” und “Missbrauch/Abuse”, ebenso steht im Original wie in der Übersetzung Gewalt in Hetero-Beziehungen im Vordergrund (an einer Stelle wird impliziert, dass Gewalt in diesen Beziehungen häufiger vorkommt, weil die gewaltausübenden Personen Typen sind). Ich finde Sprache (weil entmenschlichend) und Perspektive (weil heteronormativ/eindimensional) kritikwürdig, denke aber, dass die dortigen Hilfestellungen und Angebote trotzdem für viele Menschen wertvoll sind.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. haben auf ihrem Blog einen umfangreichen Bericht zum Schwarzen Kulturfestival in Hamburg veröffentlicht. Desweiteren fordert der Verein eine verstärkte Einbeziehung der historischen Bedingungen von Rassismus in Deutschland, um gegenwärtige rassistische Reproduktionen z.B. in der Kultur- und Medienlandschaft besser zu verstehen.

Ein neuer Nrrrdz-Podcast zum Thema “Räume gestalten” ist online!

Und noch ein Podcast! Bei Steintofu geht es um Star Trek aus queerfeministischer Perspektive.

Salma Multidoze mit einem starken Spoken Word zu (sexualisierter) Gewalt.

Ordentlich Modestoff gab es in den vergangenen Tagen auf Queer Vanity und Reizende Rundungen.

Anlässlich des Berliner Trans*March ging diese Woche noch einmal die Trans*-Musiker_innen-Liste von Jayrôme durch die digitalen Kanäle (Teil 1, Teil 2). Wenn ihr weitere kennt, könnt ihr sie dort in den Kommentaren ergänzen. In diesem Zusammenhang stellte Jayrôme vor ein paar Tagen eine_r der Organisator_innen – AnouchK – vor.

Zusammenschnitt der diesjährigen Proteste gegen den Marsch für das Leben (Bündnis von fundamentalistischen Abtreibungsgegnern)

via No218NoFundis

Hannah C. Rosenblatt macht sich Gedanken zum Begriff “Überlebende” als Bezeichnung für Betroffene von Gewalt.

Termine:

Am 26. Oktober findet wieder ein Schreibworkshop für Mädchen und junge Frauen in Berlin statt. Workshopleiterin ist Dichterin, Kanakaktivistin, Empowerment-Trainerin, Sozialpädagogin und lebenslange Lernerin Moona Moon. Der Schreibworkshop ist Teil des intergenerationellen Multimediaprojekts “Voicing HerStories” zu Biografiearbeit mit Mädchen und Frauen in Neukölln, um die eigene Geschichte in Bezug auf Familie, Community und Kiez zu teilen, zu reflektieren, und sich durch gemeinsames lernen zu solidarisieren.

Am 8. November wird in Wien das 30-jährige Bestehen des feministischen Monatsmagazins Anschläge gefeiert! Wir gratulieren und wünschen eine fette Party!




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Rechter “Feminismus”

17. Oktober 2014 von Charlott

In früheren Artikeln der Serie “Gender und Rechtsextremismus” hat accalmie unterschiedliche Rollen autonom organisierter rechten Frauen aufgezeigt (Teil 1/ Teil 2). Eine Frage, die sich daran anschließt: Kann es einen “rechten Feminismus” geben?

Geschlecht und insbesondere Vorstellungen zur Rollenausgestaltung von Männern und Frauen sind wichtiger Pfeiler (extrem) rechter Ideologien. Dabei steht die Vorstellung im Mittelpunkt, dass es genau zwei Geschlechter gibt und dass Frauen und Männer jeweils spezifische Rollen, die in „ihrer Natur“ lägen, zu erfüllen hätten. Diese geschlechteressentialistischen Annahmen halten starke, gewaltbereite Männer hoch und verweisen Frauen in die Küche, auf den Spielplatz zur Kinderbetreuung und an die aktionistische Seitenlinie. Auch diese Betätigungsfelder „im Hintergrund“ sollten natürlich nicht unterschätzt werden: Die nationalistische Erziehung der Kinder, direkter Einfluss in Schulen und Sportvereinen, und andere Tätigkeiten halten die  rechten Gemeinschaften zusammen und üben darüberhinaus “unauffällig” gesellschaftlichen Einfluss.

“Emanzipation” im Nationalsozialismus

Aber auch in der extremen Rechten gibt es Frauen, die sich nicht  auf die vorgeschriebenen Rollen festlegen lassen wollen oder diese für sich anders ideologisch ausgestalten. Dies ist kein neues Phänomen. Birgit Rommelspacher zeigte solche Tendenzen bereits für die NS-Zeit auf:

Auch im Nationalsozialismus gab es Frauen, die gleiche Rechte und gleiche Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen forderten; man sprach von den »oppositionellen Faschistinnen« (Korotin 1994). Ihr Argument lautete, im Kampf um die deutsche Vormacht werde jeder Mann und jede Frau gebraucht. Die Organisation und ihre Zeitschrift, »Die deutsche Kämpferin«, wurden relativ schnell verboten. Dennoch weist der Fall der »oppositionellen Faschistinnen« darauf hin, dass Frauen sich durchaus Chancen ausrechneten, im NS-System aufzusteigen. In den Interviews, die Claudia Koonz mit einigen dieser Frauen geführt hat, sagten viele von ihnen auch im Nachhinein, sie hätten im NS-Deutschland eine gute Zeit gehabt. (Koonz 1986)

Rommelspacher zeigt auch wie die Konstruktion der „emanzipierten“ rechten Frau, an rassistische Begründungen geknüpft war (und ist). So wurde und wird unter anderem mit Rückbezug auf Germanen oder Wikinger argumentiert, bei denen es „Geschlechtergleichheit“ gegeben hätte. Die Einführung des Patriarchats wird nach “außen” verlagert und beispielsweise während der NS-Zeit konkret an das Judentum gebunden. „Emanzipation“ ist dabei untrennbar an die Vorstellungen einer überlegenen Nation und „Rasse“ gebunden, die es wiederherzustellen, zu stärken und zu schützen gilt. Rommelspacher sieht dabei zwei unterschiedliche Formen der Ausfüllung von Frauen: „Das gilt für den beziehungsorientierten und den individualistischen Frauentyp gleichermaßen. Die Mutter ist nicht mehr nur die Mutter für ihre Kinder, sondern Mutter für ihre ganze Nation oder Rasse. Die Individualistin sieht in Nation und Rasse eine Herausforderung, ihre eigene Überlegenheit zu beweisen, und zwar als Auswirkung und als Verkörperung der Überlegenheit des Kollektivs.“ Das Sprechen von „Emanzipation“ aber war und blieb ein Randphänomen. So schrieb accalmie hier zu aktuelleren Entwicklungen:

Weib­liche* Selbst­ver­wirklichung liegt für die Mehrheit extrem rechter Frauen­gruppen in der Mutter­schaft. Die Idee zur Emanzipation komme im „natürlichen Denken“ der “deutschen Frau” nicht vor, schrieb zum Beispiel die GDF 2008 mithilfe schlecht verhohlener antisemitischer Codewörter, sondern sei eine “von außen” in die deutsche Ge­sell­schaft hin­ein­ge­tragene, “frem­de Lehre”. Erneut wird eine Bi­polar­ität von Männern und Frauen stilisiert: Diese seien zwar “gleich­wertig“, aber nicht “gleich­artig”.

“Nationaler Feminismus” der 2000er

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Fette Doppelmoral

16. Oktober 2014 von Magda

Diäten so richtig scheiße finden und zu betonen, dass mensch ja soooo viel esse – ein bisschen gehört das zu einer coolen Feministin™ heute dazu. Ein fettes veganes Buffett und die obligatorischen (Vulva-)Cupcakes – eröffnet mit dem Spruch “Riot, not Diet!” – finden sich auf vielen queer-feministischen Partys. Viele kritisieren mit erhobener Faust Schönheitsnormen und beißen mit Genuss in den zweiten Double Chocolate Muffin.

Seit nun auch in hiesigen queer-feministischen Kontexten verstärkt über Themen wie der Diskriminierung von dicken_fetten Menschen gesprochen wird, generiert fat shaming – also das Abwerten und Beschämen von dicken_fetten Menschen und ihren Körpern – immer öfter öffentlich Kritik (aktuelles Beispiel: SPIEGEL ONLINE). So befassen sich mehr und mehr Menschen selbst_kritisch mit eigenen Vorstellungen eines – Achtung, Achtung: es folgen große, gesellschaftlich aufgeladene Wörter! – gesunden, fitten und schönen Körpers (argh, wie die Finger beim Tippen schmerzen!).

In meinem Comic „Fat Double Standards“ thematisiere ich etwas, was für viele Menschen schwieriger zu erkennen ist, nämlich wie unterschiedlich die Kritik an Schönheitsnormen gehört wird, je nachdem, wer welche Kritiken formuliert. Kurz beschrieben hatte ich das schon einmal in meinem Text “Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?“:

Eine dünne Frau isst eine Pizza und findet Diäten “voll blöd”? Voll feministisch! Eine dicke Frau schleckt ein Eis und trägt einen hotten Bikini? Ab zur Ärztin, ist ja voll ungesund!!!

Irgendwann in den letzten Jahren ist es mir aufgefallen: Berühmte Schau­spielerinnen oder Künstlerinnen wie z.B. Lady Gaga, Lena Dunham oder Jennifer Lawrence werden medial und auch von feministischen Aktivist_innen kräftig abgefeiert, wenn sie öffentlich darüber sprechen, dass sie gerne Pizza essen oder Schönheitsideale auch nicht so knorke finden. Schwupps landen sie in viel rezipierten Listen, wie z.B. “Zehn Berühmtheiten, die großartige Ansichten zu Körperbildern vertreten” (in denen, hüstel, fast nur weiße, schlanke und normschöne Frauen vorgestellt werden, quelle ironie!).

Hier wird Körpervielfalt gefeiert, ohne die Leute in den Mittelpunkt zu stellen, die auf Grund von Fettenfeindlichkeit und anderen Diskriminierungen ausgelacht, belästigt, pathologisiert und ausgegrenzt werden. Und ja, es ist toll, wenn Prominente aller Konfektionsgrößen sich feministisch äußern. Und trotzdem wünsche ich mir mehr fette Vorbilder, weil dann andere Lebensrealitäten und Perspektiven sichtbar werden.

queer fat double standards - september 2014

“Fat Double Standards” von Magda Albrecht (zur Großansicht: Klick!)

Übersetzung des Comics: Links: Schlanke_r Queer-Feminist_in mit T-Shirt, wo draufsteht: “Große_r Esser_in”, umgeben von Zuschreibungen wie “Krawall, keine Diäten – so subversiv – Normen bekämpfen – isst zwei (!!!) Cupcakes – wirklich coole_r Feminist_in – so heiß, so radikal!” Rechts: Dicke_r Queer-Feminist_in; umgeben von Zuschreibungen wie: “Faul – beste_r Freund_in (aber nicht Liebhaber_in) – nicht sexy genug für queere Sex Party – inaktiv – aufdringlich – ungesund – gierig – undiszipliniert – zu gewagt”

Das Comic ist im zweiten Teil von “Straying from the Big Q” erschienen, ein Comic zu queeren Normen (in der Berliner queer-feministischen Szene), welches von der Comic-Künstlerin Henna Räsänen ins Leben gerufen wurde.




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Yes mean Yes, Mos Maiorum, Ferguson – kurz verlinkt

15. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Die liebreizende Band Respect My Fist hat ein Musikvideo zu ihrem Song “Ich blute” gedreht.

Was Feminist_innen quasi schon immer predigten, wird nun in Kalifornien Gesetz: Das neue Gesetz “Yes means Yes” besagt, dass von allen Seiten Einvernehmlichkeit herrschen muss, wenn es zu sexuellen Handlungen kommt. Viel bescheuerte Kritik kam darauf hin und Margarete Stokowski kommentiert das in der taz.

Über die wegweisende Arbeit der Wissenschaftlerin Nikita Dhawan und die Versuche, postkoloniale Perspektiven in der deutschen Unilandschaft zu etablieren, berichtet die Frankfurter Rundschau.

Klingt erschreckend, ist aber nur die Spitze des Eisbergs” – Tupoka Ogette schreibt beim MiGAZIN über Rassismus an Schulen.

Seit Anfang der Woche (und bis zum 26. Oktober) läuft die europaweite Polizeiaktion “mos maiorum”, welche Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus aufspüren soll.  Das Projekt Map Mos Maiorum sammelt seitdem Informationen zu den Kontrollen. Auf Travel Warning EU gibt es eine Reisewarnung in vielen Sprachen zum Weiterverteilen.

englischsprachige Links

Schon etwa ein jahr alt, aber immer noch aktuell ist ein Bericht von Al Jazeera: Die inzwischen zehnjährige Nabila Rehman verlor ihr Großmutter durch eine US-amerikanischen Dronenangriff, ihre Geschwister wurden verletzt. Für ihre Geschichte interessierte sich bei einer Anhörung in Washington jedoch kaum jemand.

Ein Gespräch zwischen bell hooks und Laverne Cox zu Feminismus gibt es nun als Videomittschnitt.

Die Proteste in Ferguson werden von Frauen getragen, analysiert MSNBC: “Since Aug. 9, when a police officer shot and killed unarmed 18-year-old Michael Brown in broad daylight, women have made up a significant number of the protesters in the streets. Many of the women heard their voices go hoarse after spending hours leading chants and making up rhymes. A number of them have been arrested — even more than once.”

Gestern war Ada Lovelace Day. Dazu passend fragte der Guardian mit einem Quiz “Was wisst ihr über Frauen in der Wissenschaft?“.

Termine in Berlin, Frankfurt-Bockenheim und Wien
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