„Wir schaffen alle Nächte, wir wollen gleiche Rechte!“ – Protest gegen das Prostituiertenschutzgesetz und Sexarbeiter_innen-Aktivismus weltweit

31. Mai 2016 von Charlott

Am 2. Juni findet im Bundestag die erste Lesung des Prostituiertenschutzgesetzes statt. Ein Aktionsbündnis gegen dieses Gesetz ruft deshalb unter dem Motto „Mein Körper, Mein Bettlaken, Mein Arbeitsplatz!“ zum Protest ab 11 Uhr auf. In einer Stellungnahme zum Gesetzesentwurf stell Hydra e.V. fest:

Doch auch wenn dem vorliegenden Gesetzesentwurf gut gemeinte Ansätze zugrunde liegen mögen, so werden die dort formulierten Maßnahmen nicht dazu führen, das Leben und die Arbeit von Sexarbeiterinnen sicherer zu machen und ihre beruflichen Perspektiven (in oder außerhalb der Sexarbeit) zu verbessern, sondern vielmehr im Gegenteil zu einer weiteren Stigmatisierung führen, Sexarbeit unsicherer machen und teilweise illegalisieren, sowie die Hürden für berufliche Neuorientierung erhöhen.

Dass die Lesung (und der geplante Protest) am 2. Juni stattfindet, ist zu dem äußerst symbolträchtig, denn an diesem Tag wird eigentlich seit 1976 der Internationale Hurentag/ International Sex Worker’s Day begangen. Dieser erinnert an einen Sex-Arbeiter_innenstreik in 1975, als Sexarbeiter_innen in Lyon, Frankreich, die Saint-Nizier-Kirche besetzen und gegen Polizeirepressionen protestierten.

Polizeirepression, Stigmata, viele der Themen, die rund ums Prostituiertenschutzgesetz diskutiert werden (Meldepflicht, Gesundheitsfürsorge, mögliche Arbeitsplätze) und Sexarbeiter_innen-Aktivismus thematisiert auch Melissa Gira Grant in ihrem 2014 bei Verso erschienenem Buch Playing the Whore: The Work of Sex Work. (Das Buch erschien auf Deutsch unter dem Titel Hure Spielen: Die Arbeit der Sexarbeit bei Edition Nautilus.) In Kapiteln, die schlicht überschrieben sind mit Titeln wie „The Police“, „The Work“ oder „The Debate“, analysiert Grant, wie über Sexarbeit und Sexarbeiter_innen gesprochen wird, konkrete Lebenssituationen, verfehlte „Rettungsversuche“ und Gesetzesdiskussionen. Dabei gelingt ihr ein guter Debatenüberblick, der auch für Einsteiger_innen zum Thema zu empfehlen ist, verbunden mit komplexeren Diskussionen. So hinterfragt sie beispielsweise kritisch Diskussionen, die (un)mögliches Empowerment von Sexarbeiter_innen in den Mittelpunkt rücken und versucht Debatten eher in einen Kontext von Arbeiter_innenrechte und Kapitalismus zu stellen.

Im gesamten Buch stehen Perspektiven von Sexarbeiter_innen im Mittelpunkt, die letzten beiden Kapitel aber beschäftigen sich nochmals ausdrücklich mit Aktivismus. Zunächst beschreibt Grant unter „The Saviour“ „Rettungsversuche“ von Personen wie New York Times Kolumnist Nicholas Kristof und weiteren Aktivismus, der an den konkreten Bedürfnissen von Sexarbeiter_innen vorbeigeht, um dann im darauffolgenden Kapitel „The Movement“ die Geschichte von Sexarbeiter_innen-Aktivismus (vor allem in den USA) nachzuzeichnen. Allein für dieses Kapitel, in dem Akteur_innen, Gruppen und Ideen vorgestellt werden, lohnt sich das Buch.

Chi Adanna Mgbako hat ein Buch geschrieben, welches sich ausschließlich mit Sexarbeiter_innen-Aktivismus auseinandersetzt. Auf der Grundlage von vielen Interviews mit Sexarbeiter_innen in Südafrika, Kenia, Nigeria, Namibia, Botswana, Uganda und Mauritius, zeichnet Mgbako in To Live Freely in This World: Sex Worker Activism in Africa (NYU Press, 2016) ein differenziertes Bild von unterschiedlichen Lebensrealitäten und Aktivismus-Ansätzen. Mgbako zeigt Zusammenarbeiten (mal besser mal schlechter funktionierend) mit anderen Bewegungen (Feminismus, Arbeiter_innen, HIV/Aids, LGBTQ) auf und verdeutlicht dabei thematische Überschneidungen, mögliche Kooperationen und Herausforderungen. Sie schafft es auf Material aus unterschiedlichen Ländern zurückzugreifen ohne zu leicht zu verallgemeinern, stattdessen macht sie immer wieder die unterschiedlichen Kontexte aber eben auch Ähnlichkeiten beispielsweise in Gesetzeslagen oder religiösen Diskursen deutlich. Das Buch verbindet sehr detaillierte Beschreibungen der konkreten Arbeit von Peer-to-Peer-Berater_innen mit übersichtlichen Darstellungen der Entwicklungen von Sexarbeiter_innen-Bewegungen in einigen der oben genannten Länder; sie verbindet die Analyse von allgemeinen Themenkomplexen mit den lebens- und aktivismusgeschichtlichen Erzählungen von Sexarbeiter_innen. Obwohl das Buch aus einem akademischen Kontext stammt, ist äußerst gut zu lesen.

Wenn es jetzt immer noch an Lesestoff zur Vor- und Nachbereitung des 2.Junis mangelt, empfehle ich die Bücherliste von Grant, die diese im März anlässlich des International Sex Workers Rights Day zusammengestellt hatte.




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Politisches Lästern, #DisabilityTooWhite und eine nicht aufsteigende Schiedsrichterin – kurz verlinkt

26. Mai 2016 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

„Wäre throwing shade eine Sportart, wäre es die einzige, in der ich gut wäre.“, schreibt Hengameh Yaghoobifarah in der taz und erklärt, warum Lästern auch politisch sein kann.

Aber apropos Sport: Die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hat diese Saison äußerst erfolgreich in der 2. Liga des Männerfußballs gepfiffen (nach einem DFB-internen Ranking liegt sie gar auf Platz 1). Doch trotz dieser guten Bewertungen soll sie auch in der nächsten Saison kein 1.Liga-Spiel leiten dürfen, berichtet die Welt.

Das neue an.schläge-Magzin ist da und dreht sich um Titelthema um Mütter und Mutterschaft, so schreibt beispielsweise Theo Hoffnungsthal zur queeren Performance und Kinderwägen.

Beim Missy Magazine schreibt János Erkens über das nun auf deutsch erschienene Buch „Testo Junkie. Sex, Drogen und Biopolitik in der Ära der Pharmapornographie“ von Paul B. Preciado und der Crux mit dieser ‚Natürlichkeit‘.

englischsprachige Links

Wenn Menschen mit Behinderungen in den Medien vorkommen (was selten genug ist…), sind es insbesondere weiße und schlanke Personen. Auf Twitter kritisierten Aktivist_innen mit Behinderungen unter dem Hashtag #DisabilityTooWhite die mangelnde Repräsentation von Menschen of Color mit Behinderungen in den Medien.

Keah Brown schreibt auf catapult über Liebe, Behinderungen und Filme: „

Passend zu den letzten beiden Links präsentiert Autostraddle eine Leseliste mit Tipps zu Büchern, Zines und Blogs: Toward An Intersectional Crip Syllabus.

Flavorwire schreibt über 25 Bücher, in denen Freundinnenschaften im Mittelpunkt stehen.

Termine

27.05.-29.05. in Bremen: re*mix – Queer Feminist HipHop Festival findet statt.

02.06.-03.06. in Berlin: Heterogene Vorstellungswelten: Die didaktischen Imaginationen pluralisierter Gesellschaften* Fachtagung




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Sharon Dodua Otoo ist Kandidatin für den Ingeborg-Bachmann-Preis!

24. Mai 2016 von Charlott

Heute Vormittag war es soweit, die vierzehn Kandidat_innen für den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis wurden auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Der Preis wird seit 1977 jährlich in Klagenfurt verliehen und in diesem Jahr ist Mädchenmannschafts-Autorin Sharon Dodua Otoo unter den potentiellen Preisträger_innen.

IMG_20160524_125246Sharon schreibt nicht nur wunderbare Texte für die Mädchenmannschaft, sondern hat bereits eine ganze Reihe von Büchern geschrieben und herausgegeben. Ihre Debüt-Novelle the things i am thinking while smiling politely erschien 2012 und im darauffolgenden Jahr in deutscher Übersetzung. Es folgte im Jahr 2014 die wunderschön illustrierte Novelle Synchronicity. Seit 2012 ist Sharon zu dem Herausgeber_in der Reihe Witnessed, in der sich Autor_innen in unterschiedlichsten Formen (Fotografie, Theaterstücke, Aufsätze, Kurzgeschichten) mit Schwarzen Lebensrealitäten im deutschsprachigen Raum auseinandersetzen. Das erste Buch in der Reihe war The Little Book of Big Visions. How to Be an Artist and Revolutionize the World und ich besprach es hier auf dem Blog. Auf der Seite des Bachmann-Preises könnt ihr euch einen kleinen Portrait-Film zu Sharon angucken.

Die diesjährigen Kandidat_innen werden ihre eingereichten Texte zwischen dem 30. Juni und 2. Juli im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur vorlesen. Nach den Lesungen werden die Texte jeweils direkt auch online zugänglich sein. Dies ist wichtig, denn am 2. Juli von 15.00 bis 20.00 Uhr wird zudem über den Publikumspreis abgestimmt und eine Stimme gilt nur, wenn eine Begründung für die Textwahl vorliegt!




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Yellowfacing, Graphic Novels und der Internationale Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit – die Blogschau

21. Mai 2016 von Magda

Anlässlich des vor wenigen Tagen stattfindenden Internationalen Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit (IDAHOT*) veröffentlichte MSO Inklusiv keine klassische Pressemitteilung, sondern teilte kurze Beiträge zur persönlich-politischen Bedeutung ihrer Arbeit.

Schon etwas länger her, aber immer noch sehr lesenswert ist dieses Interview mit Grada Kilomba beim Missy Magazin: „Ich vermisse Emotionalität und Spiritualität in der Wissensproduktion.“

Auf femgeeks rezensiert Lara das Buch „Nerds, Geeks und Piraten“ von Nina Scholz, welches einen guten Überblick über die Entwicklung und Bedeutung der Nerds bietet und an „vielen Stellen die Hintergründe und Probleme der Nerdkultur offen[legt].“ So gibt es beispielsweise auch ein Kapitel zum Sexismus in der Szene.

Naekubi stellt sich im Mai auf ihrem Blog danger bananas einer Herausforderung: 30 Days of Blogging. Am Tag 12 gab’s Ärgerliches: rassistisches Yellowfacing bei Germanys Next Top Model.

cloudette hat auf ihrem Blog eine zweiteilige Reihe mit tollen Comics bzw. Graphic Novels von Frauen veröffentlicht: Tolle Graphic Novels / Comics von Frauen (Teil 1) und Tolle Graphic Novels / Comics von Frauen (Teil 2).

Mareice schreibt ein inklusives Familienblog mit dem Namen Kaiserinnenreich, auf dem sie über ihr Leben als Mutter von zwei Töchtern berichtet, mit und ohne Behinderung. Über den Alltag mit einem behinderten Kind und den gesellschaftlichen Barrieren hat sie nun ein Buch geschrieben, das am 24. November 2016 erscheinen wird. Kurze Zeit nachdem das Manuskript fertig ist, stirbt Kaiserin 1, wie Mareice ihre Tochter nennt. In einem schönen Bericht „Vom (Buch-)Schreiben“ erzählt Mareice, warum sie das Buch dennoch veröffentlichen wird.

Melanie berichtet auf glücklich scheitern von der Blogfamilia 2016, einer (bzw. der) Familienblogger*innenkonferenz.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.




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es ist #nichtmeingesetz – und deins ganz sicher auch nicht

13. Mai 2016 von Hannah C.

Mit #nichtmeinGesetz grummelt ein Geist durch Deutschlands sozialaktivistische Szene.
Kaum war der Entwurf des neuen Teilhabegesetzes veröffentlicht, erhob sich der Protest und entwickelte sich langsam zu einer lauten Aktion. Einige sich selbstvertretende behinderte Menschen, ketteten sich im Zuge dessen symbolisch nahe der Grundgesetztafeln am Bundestag.

Aufsehen erregendes Agieren von behinderten Menschen – geil.

Der vorgestellte Gesetzesentwurf hat so viele Mängel und kurz gegriffene Lösungen, dass man getrost davon sprechen kann, dass sich unsere Bundesregierung nun jahrelang Zeit genommen hat, um behinderte Menschen auf noch komplizierteren Wegen als bisher, strukturell von sozialer und kultureller Teilhabe auszuschließen und sie mit Selbstbestimmung und ihrem eigenen Einkommen bezahlen zu lassen.

Eine Hand voll Mängel des Entwurfes wurden von den Menschen hinter dem Hashtag “Nicht mein Gesetz” bereits auf ihrer Webseite dargelegt.
Ausführlicher bezieht das deutsche Institut für Menschenrechte Stellung und schreibt: “An zahlreichen Punkten bleibt der Entwurf allerdings verhalten und hinter den Anforderungen zurück.”.

Was jetzt?
Der Entwurf wurde angenommen und soll noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.

Lauter Protest von nicht behinderten Menschen? – bisher doch reichlich verhalten.

Und das, obwohl die Lebensrealität behinderter Menschen, die Lebensrealität aller Menschen der Gesellschaft ist.
Die überwiegende Mehrheit aller behinderten Menschen ist nicht von Geburt an behindert. Ein Großteil bestehender Behinderungen liegen nicht in dem spezifischen Funktionieren von Körpern oder den spezifischen Fähigkeiten von Menschen begründet, sondern im direkten Lebensumfeld und den Strukturen, die diese produzieren.

Sich mit dem Thema “Leben mit Behinderung” und auch den Fragestellungen um die Möglichkeiten des Zugangs um soziale und kulturelle Teilhabe zu befassen ist manchmal schwierig. Gerade, wenn man selbst nie darüber nachdenken musste, ob und wie genau man selbst eigentlich Teilhabe genießen kann. Den wenigsten ist bewusst, was ihr Kinobesuch mit kultureller Teilhabe und ihre freie Wahl bezüglich der Wohnform, in der sie leben, mit Selbstbestimmung zu tun hat. Den wenigsten ist klar, wie tief die Privatwirtschaft in die Gestaltung des Lebensumfeldes aller Menschen hineingreift, ohne gleichermaßen umfassend die Verantwortung für die Partizipationsoptionen aller Menschen gleich übernehmen zu müssen.

Macht es euch bewusst. Macht euch bewusst, wie es wäre, würdet ihr morgen von einem Laster erwischt, von einem Laser geblendet, mit einer Hand in eine Maschine gerutscht oder mit einer chronischen Krankheit diagnostiziert, die euch für den Rest eures langen Lebens diverse Unterstützungen und Hilfen brauchen lässt, um es zu leben, wie ihr es euch für euch selbst wünscht.

Das Leben mit, trotz und ohne Behinderungen wird weder gewählt, noch erarbeitet oder sich verdient – es wird gelebt und zwar von allen Menschen gleich!

Unterstützt behinderte Menschen und ihren Protest gegen die Umsetzung des vorliegenden Gesetzesentwurfes.
Es geht um mehr als den Wunsch arbeitender Menschen mit Behinderungen ihr Einkommen für sich zu behalten.

Es geht um Menschenrechte.
Für die sind alle Menschen mitverantwortlich.




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Viele Hashtags, viel Aktivismus: #rpTEN, #NichtMeinGesetz und #YesAllWampen – kurz notiert

12. Mai 2016 von der Mädchenmannschaft

Das Missy Magazine veröffentlichte anlässlich des Anti Diät Tages, der letzte Woche am 6. Mai gefeiert wurde, mehrere Texte zum Thema Diäten, Dicksein und Fat Empowerment, auf Twitter entstand der Hashtag #YesAllWampen:

Ziemlich viel berechtige Kritik und einen waschechten Shitstorm hat sich Maxdome eingefangen, weil das Videoportal die schwul-lesbische Rubrik wegen „Familienfreundlichkeit“ entfernt hatte (Familie ist halt hetero, ne?).

Seit fast 20 Jahren lebt May Ayim nicht mehr. An ihrem Geburtstag, am 3. Mai 2016, fand in der Kapelle des Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin eine Gedenkveranstaltung für die Dichterin statt.

Die Jüdische Gemeinde in Berlin gedachte am Yom HaShoah der Ermordeten und des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943.

@abilitywatch twittert seit Tagen unter dem Hashtag #nichtmeingesetz von der Demonstration gegen das viel kritisierte Bundesteilhabegesetz: nichtmeingesetz.de. Aktivist_innen wie Raul Krauthausen haben letzte Nacht teilweise angekettet am Reichstagsufer ausgeharrt, um weiterhin auf die Kritik aufmerksam zu machen.

Interview von Riot Rrradio mit Magda über die Rezeption von dicken Körpern, Diäten und wie sich Stress auf Körper auswirken kann.

Josefine Matthey war bei der diesjährigen re:publica (#rpTEN) und sprach über Körper im Netz: „Every BODY dance now!“

Termine deutschlandweit:

11. bis 27. Mai: Die Rapperin FaulenzA ist im Mai viel mit Konzerten und Workshops in Lüneburg, Wendland, Braunschweig, Berlin, Schwerin, bei Erfurt und Bremen unterwegs.

9. Mai bis 4. Juni in Hannover: Feministische Veranstaltungsreihe „Rabatz macht Terz“ u.a. mit einem Vortrag von Hengameh Yaghoobifarah zum Thema „Kulturelle Aneignung“ und einem Vortrag von Magda zum Thema „I’m Fat, Let’s Party! Interventionsmöglichkeiten und fetter Aktivismus“.

13. Mai in Dortmund: „Die gefährlichste Frau Amerikas“: Emma Goldman.

3. September in Edinburgh (Schottland): Black Feminism, Womanism and the Politics of Women of Colour in Europe.




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Mein epischer Körper

6. Mai 2016 von Magda

Happy, happy Internationaler Anti-Diät Tag! Bereits die ganze Woche sind anlässlich diesen Tages beim Missy Magazin Texte zum Thema Diäten, Dicksein und Fat Empowerment erschienen, auf Twitter entstand der Hashtag #YesAllWampen. Auch ich steuerte einen Text bei: Mein epischer Körper, der hier noch einmal erscheint: 

Meine erste Diät machte ich noch vor meiner Einschulung, das muss 1992 gewesen sein. Bereits in diesem Alter hatte ich so oft gehört, dass ich „zu dick“ sei, dass ich mir fest vornahm, bis zum Schulanfang einige Kilos zu verlieren. Insbesondere meine Mutter – auch dick – musste sich ständig vor Ärzt*innen und Schulpersonal rechtfertigen, die das hohe Gewicht ihrer Kinder „besorgniserregend“ fanden. So besuchte ich mein erstes Diätcamp. Bevor ich lesen oder schreiben konnte, zählte ich also Kalorien.

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Meine Wampe! #YesAllWampen #AllSharksAreBeautiful #InternationalNoDietDay

Ich diätete mich von der Grundschule in die Oberschule und führte penibel Gewichtstabellen. Im Hort bekam ich spezielles Diätessen und saß am Tisch der ebenfalls diäthaltenden Erzieherinnen. Das klingt jetzt furchtbar und traurig (und ist es auch), aber ich war kein unglückliches Kind und beschäftigte mich auch mit anderen, schöneren Dingen. Die ständigen Gedanken um mein Gewicht stressten mich zwar und suggerierten, dass das mein ultimativer „Makel“ sei. Es war allerdings ein Stress, den ich kaum hinterfragte. Er gehört(e) einfach zum Alltag.

Mein erstes Diätcamp sollte nicht mein letztes bleiben. Ich erinnere mich an eins, in dem wir jede Woche gewogen wurden. Wie eine Versagerin fühlte ich mich, weil ich in der ersten Woche „nur“ ein Pfund abnahm. Der einzige Lichtblick war meine dicke Tante E., die meinen kleinen Bruder und mich einmal vom Camp abholte und mit uns Erdbeerkuchen mit einem dicken Klecks Sahne aß. Noch heute denke ich mit Herzchen in den Augen an diese Tante, wenn ich genüsslich in ein saftiges Stück Erdbeerkuchen beiße.

Etwa zur gleichen Zeit, 1997, trafen sich wichtige AnzugträgerInnen in Genf zu einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das ist jene Organisation, die queeres Begehren bis 1992 als „Krankheit“ klassifizierte und bis heute Trans* und nicht-binäre Menschen pathologisiert. Nicht gerade sympathisch also.

Eine ExpertInnengruppe der WHO diskutierte angeregt darüber, wie die „weltweite Epidemie“ namens „Adipositas“ (auch „Fettleibigkeit“ genannt) eingedämmt werden könne. Wenn AnzugträgerInnen (meinen) Köper als „Epidemie“ oder „krankhaft“ beschreiben, horche ich natürlich kritisch auf. Epidemie klingt zwar wie episch, meint aber leider etwas anderes, nämlich „ansteckende Massenerkrankung“.

Um das „Ausmaß“ der frisch entdeckten Epidemie zu veranschaulichen, schufen die WHO und ihre Verbündeten der Pharmaindustrie bei dieser Konferenz eine einheitliche und weltweit verbindliche Definition für Körpergewichtskategorien und bemühten dafür den bereits existierenden Body Mass Index, besser bekannt als BMI. Bereits existierende Werte wurden einfach runtergesetzt und zu neuen Werten vereinheitlicht: Ab 1997 galt mensch mit einem Wert von 25 als „übergewichtig“ und ab einem Wert von 30 „krankhaft übergewichtig“ bzw. „adipös“. (Ich tippe dies übrigens mit meinen adipösen Fingern, die zu meinem adipösen Körper gehören.)
Innerhalb weniger Jahre übernahmen „weltweit praktisch alle staatlichen Gesundheitsministerien, -institute, -behörden und unabhängige Gesundheitsorganisationen die neuen Grenzwerte“. In den USA, in denen bis 1998 viel höhere BMI-Werte als Maßstab dienten, wachten eines morgens also 35 Millionen Menschen als so genannte „Übergewichtige“ auf, und das ohne auch nur ein einziges Pfund zugelegt zu haben. Das Runtersetzen der Werte folgte einem wirtschaftlichen Kalkül: Es braucht eben eine wachsende Zielgruppe für (sinnlose) Diätnahrung und (mitunter gefährliche) Diätpillen.

Dass die Angst vor der so genannten „Übergewichts-Epidemie“ und mein teilweise von Ärzt*innen verordnetes Diätverhalten nicht zufällig zeitlich zusammenfielen, verstand ich erst viele Jahre später. Über die politische Dimension von Körpergewicht nachzudenken, hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen, nicht mehr meinen Körper, sondern lieber gesellschaftliche Verhältnisse zu dissen. Am Internationalen Anti-Diät-Tag feiere ich die Schritte, die ich in meinem Leben schon gegangen bin und respektiere die Unsicherheiten, die vielleicht für immer bleiben werden. Ich feiere meinen epischen epidemischen Körper.
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Mehr Zum Thema Dicksein & Fat Empowerment gibt es in unserer Serie Mein Fett ist Politisch. Außerdem versende ich regelmäßig den FAT STUFF Newsletter, einfach Mail an: magda(at)maedchenmannschaft.net.

Die Angaben zum Body-Mass-Index für diesen Text stammen aus dem Buch „Dick, doof und arm. Die Lüge vom Übergewicht und wer davon profitiert“ von Friedrich Schorb, erschienen 2009 bei Droemer Knaur.




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Beyoncé’s Lemonade, May Ayim und die „Trümmerfrauen“ – kurz notiert

30. April 2016 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Beiträge

Am 3. Mai, dem Geburtstag von May Ayim, findet in Berlin eine Gedenkveranstaltung (Facebook-Veranstaltung) zu ihrem Geburtstag und 20. Todesjahr statt. Vor 6 Jahren stellten wir May Ayim auf unserem Blog vor.

In der taz gibt es ein sehr kluges Interview mit Yasemin Shooman zum Berliner Neutralitätsgesetz, über Religionsfreiheit und gesellschaftliche Ausgrenzung: „Genau wie man aus feministischer Sicht gegen Zwangsverschleierung sein muss, muss man auch gegen Zwangsentschleierung sein.“

Die Charité in Berlin schreibt Tarif-Geschichte: Erstmals wurde in einer Klinik ein Tarifvertrag unterzeichnet, der Mindestbesetzungen auf den Stationen vorschreibt. Die Universitätsklinik wird nun nach heftigem Streit mit den in Verdi organisierten Beschäftigten mehr Pflegekräfte anstellen.

Die eingetragene Partnerschaft gab es in Kolumbien bereits, jetzt ist die Ehe nicht mehr nur Hetenpaaren vorenthalten, hat das Oberste Verfassungsgericht in Kolumbien angeordnet.

In der ARD Mediathek gibt es zur Zeit eine Dokumentation über den Mythos der so genannten „Trümmerfrauen“ , welcher sich als NS-Propaganda entpuppt: „Frauen, die in der NS-Zeit zwangsweise Trümmer räumen mussten, sind jedenfalls nicht gemeint, wenn heute von Trümmerfrauen die Rede ist.“

Gert Schramm, Schwarzer Überlebender von Buchenwald, ist vor wenigen Wochen mit 87 Jahren verstorben.

Folgeempfehlung auf Twitter: @abilitywatch (Selbstvertretung behinderter Menschen in Deutschland), wo aktuell das Bundesteilhabegesetz kritisch besprochen wird.

Der Monokini 2.0! Auf einer Fashion Show in Helsinki im letzten Jahr wurde der Monokini von Brustkrebs-Überlebenden vorgeführt.

Englischsprachige Beiträge

Wer ist die 28-jährige Dichterin, die Beyoncé in Lemonade zitiert? Meet Warsan Shire! Und wer jetzt genervt mit den Augen rollt und sich eher über Beyoncé aufregt: No Lemonade for you! Dafür gibt’s T-Shirts, denn Beyoncé verkauft nun auch „Boycott Beyoncé“ Shirts :)

Termine in Berlin und Hannover

9. Mai bis 4. Juni in Hannover: Feministische Veranstaltungsreihe „Rabatz macht Terz“ u.a. mit einem Vortrag von Hengameh Yaghoobifarah zum Thema „Kulturelle Aneignung“ und einem Vortrag von Magda zum Thema „I’m Fat, Let’s Party! Interventionsmöglichkeiten und fetter Aktivismus“.

10. Mai in Berlin: Fachgespräch zum Thema „Reproduktive Rechte stärken: Queer-feministische Forderungen an ein Fortpflanzungsmedizingesetz“




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Selbermach-Sonntag (24.04.2016)

24. April 2016 von der Mädchenmannschaft

selberWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.




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Samstagabendbeat mit Akua Naru

23. April 2016 von accalmie

Ende dieses Monats und im Mai und Juni ist Akua Naru mit ihrem neuen Album, „The Miner’s Canary“, in Deutschland und Österreich auf Tour.




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