Selbermach-Sonntag (14.12.14)

14. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Was hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.




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Samstagabendbeat mit Narubi Selah

13. Dezember 2014 von Anna-Sarah




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Dicke Bäuche, weiße Profilierungen, Gegen-Perspektiven auf Flucht & Migration – die Blogschau

13. Dezember 2014 von Nadine

Metal Musik zeichnet sich oft durch weißes hetero Mackerverhalten aus. In der neuen Reihe “Metalheads” auf “Der k_eine Unterschied” wird nach Brüchen und Subversivem im Metal gesucht. Der erste Teil behandelt Judas Priest und schwules Begehren.

Auf dem “Heimatkunde”-Portal der Heinrich Böll Stiftung sind mehrere Beiträge von und mit der Aktivistin und Künstlerin Noah Sow erschienen, u.a. ihr Vortrag zu weißen Aneignungen Schwarzer Wissensproduktionen.

Auf queer sehen gibt es ein kritisches Review zur Serie “The Fosters”, die zwei lesbische Mütter in den Mittelpunkt rückt.

Das autonome FrauenLesbenReferat Marburg hat die Identität eines gewalttätigen Typen, der in der Wissenschaft und darüber hinaus Anerkennung genießt, auf Wunsch der Betroffenen veröffentlicht.

Eine klassismus- und rassismuskritische Analyse zum Tod von Tuğçe Albayrak ist auf cosas que no se rompen veröffentlicht.

Koloniale Kontinuitäten, kulturelle Aneignung und Muslim-Sein in der Diaspora ist Thema auf Diaspora Reflektionen.

Über die Verantwortung der Medienlandschaft, wenn es um Diskriminierung und Gewaltandrohungen geht, schreibt Karnele.

Die Denkwerkstatt zitiert aus Anja Meulenbelts Klassiker “Scheidelinien. Über Sexismus, Rassismus und Klassismus

Don’t degrade Debs Darling kritisiert unhinterfragte Perspektiven im Kontext Selbstfürsorge und Körperpolitiken.

Women in Exile: Wie das deutsche Asylsystem Flüchtlinge und MigrantInnen spaltet

Bei der ARGE Dicke Weiber gibt es ein Gedicht: Mein dicker Bauch.

Nadia war bei der Zukunftsakademie NRW zu Gast und hat einige ihrer Eindrücke verbloggt, u.a. zum Kollektiv Askavusa, das Objekte von Menschen sammelt, die flüchteten und in Lampedusa angekommen sind.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.




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Programmier-Lern-Euphorie – und wie emanzipatorisch ist das jetzt?

12. Dezember 2014 von Gastautor_in

Kathrin bloggt gelegentlich unter buildingsnbridges, wo auch der folgende Beitrag kürzlich erschienen ist – den sie uns erfreulicherweise als Crosspost angeboten hat.

Programmieren war ja mal ein frauen*dominierter Job, bevor es ein männer*dominierter Job wurde. Als erste Person, die Programme schrieb, ist Ada Lovelace in die Geschichte eingegangen. Damals, im 19. Jahrhundert, konnten Rechen-Maschinen noch nicht so viel – die Mathematikerin schuf mit ihrer Arbeit jedoch eine wichtige Grundlage für ihre Weiterentwicklung. Davor und danach sind auf dem Zeitstrahl der Informatik-Historien dann oft nur noch weiße Männer zu finden. Klar: in Geschichtsschreibung und Wissenschaft werden die Beiträge nicht männlicher, nicht weiß/westlicher Protagonist_innen routinemäßig unsichtbar gemacht. (Ich wusste bis vor ein paar Wochen nicht, woher das Wort Algorithmus kommt.)

Und nachdem einige Jahrzehnte lang die professionelle Nutzung von Computern von Frauen* geprägt worden war (Biografien u.a. hier oder hier) – ohne, dass sie dafür unbedingt viel Anerkennung bekommen hätten – wurde ihr Anteil in den 1980ern dann auch tatsächlich kleiner. Während die Rechenmaschinen zu immer mächtigeren Werkzeugen wurden. Und das Prestige, das mit ihrer Bedienung verbunden war, wuchs.

Unter anderem dieser Prestigegewinn wird dafür verantwortlich gemacht, dass Informatik – wie vieles, was als ‘Technik’ gilt – heute vielerorts ein Männerjob ist. Nicht schön, aber mächtig: das Klischee des Programmierers oder ‘Nerds’ ist das eines Typens, der nicht gut aussieht und seine nur spärlich vorhandenen sozialen Kompetenzen selten nutzt – aber durch sein Technikverständnis potenziell die Welt beherrschen kann.

Seit ich vor zwei Jahren meinen Rechner mit einem BIOS-Update kaputtgemacht habe – da wusste ich noch nicht, was eine BIOS ist und wollte verstehen, was passiert war – habe ich angefangen, mich auch technisch mit Computern zu beschäftigen. Und seitdem fällt mir auf, wie viele Institutionen und Gruppen offenbar gerade damit beschäftigt sind, Informatik aus der Nerd-Ecke zu holen. Besonders Programmieren wird zugänglicher, und es wird immer wieder betont, dass auch Menschen es lernen können, die nicht schon ihr ganzes Leben lang genau das gemacht haben. In Berlin gibt es wöchentlich mehrere kostenfreie Workshops, die ich besuchen kann, wenn ich will. (Auch, weil für mich bestimmte Barrieren keine Rolle spielen – selbstverständliches Englisch-Sprechen zum Beispiel oder Rolli-Unzugänglichkeit vieler Veranstaltungsorte.) Es gibt bergeweise Ressourcen online, darunter richtig gut konzipierte Kurse – von meinem ersten Python-Kurs zehre ich jetzt im Informatikstudium noch. Und es gibt Initiativen wie die Rails Girls, die sich besonders an Frauen richten (über die Offenheit gegenüber nicht-binären Genderidentitäten weiß ich nichts). Quasi in jeder Stadt, in der es gentrifizierende Cafés mit Free Wifi gibt.

Seit ich mich mehr mit Rechnern beschäftige, bin ich – simsalabim! – in einer neuen Erzählung über feministisches Empowerment gelandet. Als Protagonistin mit Superheldinnen-Faktor: Leute machen High Five mit mir, wenn ich erzähle, was ich studiere! Die Stimmung: yey, Frauen* lernen programmieren! Wir holen die ganze Nerdigkeit nach, die wir in unserer Jugend nicht haben konnten (oder hatten, aber dafür ausgelacht wurden) und zeigen es den Mackern. Und so übernehmen wir die Weltherrschaft dann doch noch.

Ich glaube, in die Programmier-Euphorie spielt neben der Freude, sich vom weißen Macker nichts mehr sagen lassen zu müssen, auch das Bewusstsein rein, dass ‘Code’ die neue weltweit verstandene und bedeutsame Sprache ist – die auf allen Arbeitsmärkten gefragt ist, Tendenz steigend. Das Wissen, eine größere Absicherung in Bezug auf zukünftige Jobs zu haben, ist ziemlich angenehm – das merke ich an mir selbst und höre ich ähnlich von anderen Leuten, auch wenn es nicht für alle die gleiche Rolle spielt.

Selbstständigkeit und Zugang zu besser bezahlten Jobs können Empowerment bedeuten. Ja, in dieser Gesellschaft ist Überleben leider immer auch Überleben im Kapitalismus, und da gibt es keine ‘Chancengleichheit’. Wenn ich aber mit dem Slogan “If they can do it, I can do it as well!” zum Programmieren motiviert werden soll – wie auf der Seite der Rails Girls Berlin unter der Rubrik ‘Success Stories’ – hört sich das für mich nicht unbedingt feministisch an. Keine Erwähnung von Sexismus und anderen -ismen, mit denen Menschen davon abgehalten werden, zu lernen oder ihr Wissen anzuwenden. Sondern nur das “from zero to hero(ine)”-Motiv: trau dich, du schaffst das! Programmieren macht total Spaß, es ist leicht zu lernen und spannend und du kriegst coole Jobs!

Das mit den “coolen Jobs” ist halt auch so eine Sache. Während bestimmte Skills so viel zugänglicher werden (und sich das Berufsbild vom stereotypen Nerd, der in seinem Leben nie was anderes gemacht hat als zocken/hacken/nerden) weg bewegt, schwindet auch tatsächlich der Weltherrschafts-Faktor des Programmierens. Wenn ich mir mal anschaue, wer so alles Programmier-Kurse für Frauen und/oder die breite Masse unterstützt: Da ist zum Beispiel die Initiative Jeder kann programmieren, gefördert unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Riesen-Unternehmen Intel. Das ist nicht Zugänglichkeit, damit wir uns alle empowern können, sondern das Bemühen darum, dass wir genau das Richtige lernen – denn Programmieren ist die neue Schlüsselkompetenz, und es werden Arbeitskräfte gebraucht, die das drauf haben. Ja, auch Frauen* – und ja, auch hochmotivierte Menschen außerhalb der EU und der USA. Und gut, dass Long-Distance-Beschäftigungsverhältnisse durch das Internet so einfach sind, denn da lassen sich Kosten sparen. Wird da eigentlich irgendwas demokratisiert, oder vor allem Angestellte für boomende Branchen produziert? (Und für welche Branchen eigentlich? Die in vielen Darstellungen zweitberühmtesten Programmiererinnen sind Jean Bartnik, Grace Hopper und ihre Zeitgenossinnen – die meisten von ihnen arbeiteten für die US-Armee.)

Das “Ich kann alles lernen”-Gefühl, das sich nach dem ersten, und dem zweiten, und dem xten selbstgeschriebenen Programm einstellt, möchte ich nicht missen. Oder die Möglichkeit, selbstbewusst über Technik, die ich benutze, zu entscheiden. Und die Chance, im Informatikstudium Kompetenzsimulation von den Profis zu lernen. Aber ich weiß nicht, ob der Ort, den ich damit erreichen werde, sich irgendwie unabhängiger anfühlen wird. Oder vielleicht genauso stressig und prekär, wie Arbeitsleben bisher auch war.




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„Inklusion“ ist kein Tu- Wort

11. Dezember 2014 von Gastautor_in

Hannah C. Rosenblatt bloggt auf “Ein Blog von Vielen” über Gewalt, ihre Formen und Folgen, Inklusion und ihr Leben mit dissoziativer Identitätsstruktur. Sie ist auch bei Twitter aktiv. Zuletzt schrieb sie bei der Mädchenmannschaft zu “Behinderungsmerkmal: Mehrfachdiskriminiert“.

Er legt seine Brille mit dickem schwarzen Rand auf den Tisch und reibt sich die Augen “Inklusion ist ja so ein sperriger Begriff.”, sagt er und blinzelt auf sein IPhone. “Das sagt doch gar nichts – man sollte besser irgendwas mit Teilhabe sagen.”. Zum Glück habe ich den Mund voll und kann mich beherrschen. Ich sollte solche Bemerkungen aber noch öfter hören auf dem Zukunftskongress “Inklusion 2025”. Gerne von Menschen, die entweder mit Menschen mit Behinderungen arbeiten, oder über sie, wie der Mensch, der da vor mir sitzt und mit einem Stofftuch seine RayBan-Nerdstylebrille putzt.

Inklusion ist ihm also zu sperrig. Er kann damit nichts anfangen und deshalb sollte es anders heißen. Ich denke darüber nach, ob ich mir ein Bullshitbingo anlege, eine Diskussion über Arbeitsbegriffe innerhalb bestimmter Bezugsgruppen anfange oder kommentarlos weiter esse.

Letztlich habe ich weitergegessen und mir gewünscht, dass sich irgendwann jemand findet, der die Kraft hat, in diesem Kopf etwas gerade zu biegen. Ich bin verbrannt für Bystander- und Verbündeten– Aufklärung, die als Belehrung oder Missionierung gelesen werden will.

Meine Behinderung ist sozial konstruiert, wie mein Geschlecht, meine ‚Rasse‘, meine Klasse etc. und unterliegt immer wieder Be-Wertungen, die nichts mit mir und meinen Ansichten auf mich zu tun haben. Persönlich erlebe ich den Begriff der “Behinderung” sehr oft als Synonym für “kann nicht” und in bestimmten Kontexten auch: “konnte noch nie”. Inklusion wird in der Folge oft als “Wir machen, dass alle können” verstanden und das ist ziemlich gemütlich. Das bedeutet nämlich, dass man einfach nur machen muss, dass alle das Gleiche können und das kann man dann folgerichtig auch einfach “Teilhabe ermöglichen” nennen.

Aber so einfach ist das einfach nicht.
Inklusion ist kein rein praktisch erreichbares Ziel. Natürlich zählen alle Gesten, die Menschen berechtigen und darüber an-teilhaben lassen. Doch ein Recht zu haben, bedeutet in Deutschland leider bis heute nicht auch Recht zu bekommen. Menschen mit Rechten auszustatten, heißt nicht, sie auch zu ermächtigen, dass sie einfordern und bestimmen können entsprechend dieses Rechtes behandelt zu werden. Genauso wenig bilden Verbote einen Schutzschild vor Menschen oder dem Lauf der Dinge, die sie brechen (wollen). Rechte, Ge- und Verbote– alle unsere Gesetze machen vor allem Eines: sie ordnen und definieren unsere Gesellschaft™. Nicht mehr und nicht weniger.

Vor dem Gesetz sollen alle gleich sein, aber vor der Gesellschaft™ sind wir es nicht.
Die Inklusionsdebatte wiederholt für mein Empfinden viele Punkte, die auf Exklusion aufbauen, weil sie sich an einer derzeit exkludierenden Gesellschaft orientiert. So findet immer wieder stellvertretendes Sprechen statt, werden Barrieren und Lösungsvorschläge innerhalb bestimmter gesetzlicher Normierungen diskutiert und Radikalität vermieden.

Es kommt mir oft vor, als wolle man “die Anderen” oder “die Gesellschaft ™” nicht verschrecken, nicht überfordern, von seinen Vorzügen überzeugen und vermitteln: “Du musst gar nicht viel tun…”. In solchen Kontexten ist Radikalität natürlich schnell erreicht. Zum Beispiel, wenn man wie die plötzlich verstorbene Aktivistin Stella Young sagt: “Ich bin nicht zu deiner Inspiration da.” oder, wenn ich sage: “Ich wurde durch Gewalt einzelner Personen zu einer Behinderten gemacht und werde nun durch die Gewalt des Gesellschaftssystems behindert gehalten”.

Was Menschen, wie der, dem der Begriff Inklusion zu sperrig erscheint, machen wollen, ist ein Plakat hochhalten auf dem steht: “Du kannst alles schaffen, was du willst” und mit einem bunten Werbeplakettchen auf der gesponserten Rampe daran erinnern, wem diese unsere “Inklusion” zu verdanken ist.
Was solche Menschen nicht wollen ist, dass diese Teilhabe in eine Position bringt, in der wir sagen können: “Danke dir ab jetzt komme ich auch ohne dich klar.“ Deshalb definieren sie den Begriff “Inklusion” einfach um und machen etwas daraus, was vor allem für sie dienlich und erstrebenswert ist.

Und deshalb wird diese Debatte auch oft so apolitisch geführt. Sobald man sie politisiert, landen wir inmitten der vielen emanzipatorischen Strömungen und an einem Punkt an dem klar wird: “Fuck – eine Rampe, ein zwei neue Gesetze werden nicht reichen. Hier ist mehr gefragt, als eine neue Art zu systematisieren und zu definieren.”.

Doch von der Erkenntnis, dass Stellvertreterei am Ende das Letzte ist, was als Ziel dieser Bewegung anerkannt wird, sind manche Menschen offensichtlich noch weit entfernt.

Der Begriff der Inklusion beschreibt ein Gesellschaftskonzept ohne definierte Normalität. Es gibt die bedingungslose Teilhabe, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung aller Personen mit jedwedem individuellem Merkmal.

Was sie begreifen müssen ist, dass “Inklusion” ein Ziel ist.
Und kein optionaler Weg, der sich ihnen wie so viele andere optionale Wege, die letztlich einzig dem Selbstherhalt einer exkludierenden Ordnung dienen, nun eröffnet.

Inklusion ist nichts, was man machen kann.
Inklusion wird gelebt.




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Refugee-Aktivistin Mimi verstorben

11. Dezember 2014 von Charlott

Mit nur 36 Jahren ist die Aktivistin Mimi verstorben. Sie hat sich eingesetzt für die Rechte von Geflüchteten. Aktiv war sie bei den Protesten in Berlin am Oranienplatz und später bei der Besetzung der Gerhart-Hauptmann-Schule.

In einem Video als Teil einer Installation im HAUS DER 28 TÜREN erzählte Mimi von ihrer Lebensgeschichte und ihren politischen Forderungen:

Heute ab 10 Uhr soll Mimi am Tor der Gehrhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Straße gedacht werden.




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Fat Girl Casualness

10. Dezember 2014 von Gastautor_in

Katrin bloggt bei Reizende Rundungen über Plus Size Fashion, Fat Acceptance und alltäglichen Flitterkram, und twittert auch unter @fresheima. Mit ihrer freundlichen Genehmigung dürfen wir ihren Blogpost hier zweit-veröffentlichen.

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus einer Fotografie eines auf der Seite liegenden Körpers. das Bild ist von vorn aufgenommen. Die abgebildete Person ist offenbar bekleidet mit einem Slip und einem Sweatshirt.

(c) Katrin Lange

Wer kennt nicht diese hübschen Tumblr-Bildchen von dünnen, meist weißen Mädchen, mit wilden Haaren, als wären sie grade aus dem Bett gekommen. Kein Make-Up und schlodderige Kuschelpullis. Sie sind süß und zart und wunderschön, sie sind “effortless” und natürlich, sie sitzen mit Tea und Buch den ganzen Tag im Bett oder haben eine Katze aus dem Schoß. Draußen regnet es uns alles ist irgendwie ein kleines bisschen mystisch.

Irgendwann letzte Jahr habe ich mal ein Foto bei tumblr gepostet (das da oben), dazu schrieb ich, dass ich grade im Bett liege und den ganzen Tag nur Supernatural gucke. Darauf hin erreichten mich 3 anonyme Tumblr Nachrichten darüber, dass ich meine Zeit lieber im Fitness Studio verbringen sollte, und es nicht verdient hätte nichts zu tun, so wie ich aussehen würde.

Worauf ich damit hinaus will ist, dass ich als fette Frau das Gefühl habe, dass ich immer so aussehen muss, als hätte ich jede Menge Zeit und Muße für mein Aussehen aufgewendet. Dieser Gedanke kommt nicht weniger von Außen als auch von einer selbst. Schon bevor ich einen Blog führte oder mich wirklich für Mode interessierte ging ich fast niemals ungeschminkt aus dem Haus. Das hat natürlich zum einen was damit zu tun, dass ich meine eigene Unsicherheit verdecken wollte, zum anderen war es für mich ein Muss, weil ich so zeigen konnte, dass, obwohl ich fett bin, ich mich nicht hängen gelassen habe. Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass Mode für mich der erste Schritt zu einem befreiterem Leben war, der erste Berührungspunkt mit Fat Acceptance und mit einem besseren Selbstwertgefühl. Trotzdem kann ich nicht verleugnen, dass lange Zeit der Gedanke bestimmend war, dass ich, wenn ich hübsch angezogen und nett geschminkt bin, doch jetzt bestimmt besser behandelt werden müsste, anders wahrgenommen werden sollte, weil ich nach außen zeige, dass ich mir Mühe gebe. Weiterlesen »




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Esther Bejerano, Stella Young, Tayo Onutor – kurz verlinkt

10. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft

Deutschsprachige Links

Die 89jährige Esther Bejerano hat den Holocaust überlebt. Heute tritt sie lesend und singend gegen Rassismus auf.

Konsti Knappe braucht eine Rampe, damit sein Rollstuhl ins Auto geschoben werden kann. Dafür könnt ihr spenden.

Die Heinrich Böll Stiftung hat ein neues Dossier veröffentlicht: Perspektiven und Analysen von Sinti und Roma in Deutschland. In diesem gibt es beispielsweise einen Beitrag von Tayo Onutor über ihr Erleben als Afro-Sintezza und die “Bitte um Vorstellung“.

Englischsprachige Links

Die australische Disability-Aktivistin, Journalistin und Komödiantin Stella Young ist am Wochenende im Alter von 32 Jahren verstorben. ABC schreibt über ihr Leben und die  Themen, die sie voran gebracht hat.

Fat rights are reproductive rights“, stellt Ali Thompson fest und führt im Text aus, wie dicke_fette Personen mit schlechter medizinischer Versorgung (von Vorsorge, über die Wirkung von hormoneller Verhütung etc.) konfrontriert sind, bei Adoptionen als unpassendere Kandidaten gelten und schneller als schlechte Eltern kategorisiert werden.

Am 6. Dezember vor 25 Jahren wurden 14 Frauen an der École Polytechnique de Montréal erschossen. Ms. Magazine erinnert an die Opfer. Und Bitchmagazine verweist insbesondere auf die Tatmotive sowie den Ausruf “You’re all a of bunch of feminists! And I hate feminists!” des Täters und verlinkt eine Dokumentation.

Diskussionen rund um #BlackLivesMatter und Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen sind häufig sehr zentriert auf Männer. Princess Harmony Rodriguez fragt darum bei BlackGirlDangeroursWhose Lives Matter?: Trans Women of Color and Police Violence” und Danielle Stevens gibt auf Elixher unter “Ain’t I a Human?: Ferguson and the Neglect of Black Women, Femmes, and Girls” konkrete Hinweise zur Neuausrichtung der Debatte.

Termin in Berlin

12.Dezember: Sister-Wellness. Ein Themen- und Austauschabend für und von Schwarzen Frauen*InterTrans und Frauen*InterTrans of Color, zu Wellness als Selbstermächtigung und Widerstand. Mit Noah Sow, Diana Hartmann und Pasquale Virginie Rotter.




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“Ich bin nicht deine Inspiration” – Zum Tod von Stella Young

9. Dezember 2014 von Charlott

Am Wochenende verstarb überraschend die australische Komikerin, Autorin, Journalistin und Aktivistin Stella Young im Alter von 32 Jahren. Jahrelang setzte sie sich für die Rechte behinderter Menschen ein und stieß überhaupt Diskussionen zum neu Denken und Sprechen über Behinderungen an. In öffentlichen Diskussionen machte sie sich stark für offensive Selbstbezeichnungen, das Hinterfragen von Barrieren und woher diese Barrieren kommen sowie der Art und Weise, wie behinderte Menschen gesellschaftlich betrachtet werden. “Mitleid steht unseren Rechten im Weg”, stellte sie fest.

Einer ihrer bekanntesten Vorträge wurde erst in diesem Jahr im April aufgenommen, da sprach sie bei der Veranstaltung TedxSydney und machte deutlich: “Ich bin nicht deine Inspiration.” Millionfach wurde das Video bisher aufgerufen und ihre Analyse zu den allgegenwärtigen “inspirierenden Bildern” behinderter Menschen geteilt:

For lots of us, disabled people are not our teachers or our doctors or our manicurists. We’re not real people. We are there to inspire. And in fact, I am sitting on this stage looking like I do in this wheelchair, and you are probably kind of expecting me to inspire you. Right?

[…]

And these [inspirational] images [shared via social media], there are lots of them out there, they are what we call inspiration porn. And I use the term porn deliberately, because they objectify one group of people for the benefit of another group of people. So in this case, we’re objectifying disabled people for the benefit of nondisabled people. The purpose of these images is to inspire you, to motivate you, so that we can look at them and think, “Well, however bad my life is, it could be worse. I could be that person.”*

Eine eindrückliche Zusammenstellung der Gedanken von Stella Young ist ihr Brief an ihr zukünftiges 80-jähriges Ich, welcher erst vor ein paar Wochen online publiziert wurde. In diesem beschreibt sie die gesellschaftlichen Hürden und die Veränderungen ihres eigenen Denkprozesses, wie sie selbst lernte sich neu als behinderten Menschen zu verstehen. Young hebt hervor, wie sie beispielsweise aktiv ver_lernte, gerade als behinderte Frau sich immer wieder für ihre öffentliche Raumeinnahme, ja für ihre Existenz, irgendwie zu entschuldigen. Weiter wendet sie sich an sich und fragt:

Remember those days back before you came out as a disabled woman? You used to spend a lot of energy on ‘passing’. Pretending you were just like everyone else, that you didn’t need any ‘special treatment’, that your life experience didn’t mean anything in particular. It certainly didn’t make you different from other people. Difference, as you knew it then, was a terrible thing. I used to think of myself in terms of who I’d be if I didn’t have this pesky old disability.

Then, at seventeen, something shifted. To borrow from Janis Ian, I learned the truth at seventeen.

That I was not wrong for the world I live in. The world I live in was not yet right for me.

Stella Young hat aktiv auf so vielen Ebenen daran gearbeitet, die Welt ein kleines wenig “richtiger” zu gestalten und hat viele Aktivist_innen angeregt (und nicht inspiriert im Sinne von Inspirationsporno!) sich kritisch mit Behinderungen, Rhetoriken und den eigenen Positionen auseinaderzusetzen.

Weitere Artikel:

* Übersetzung Zitat 1: Für viele von uns sind behinderte Menschen nicht unsere Lehrer_innen, nicht unsere Ärzt_innen, nicht unsere Nagelpfleger_innen. Wir sind keine wirklichen Menschen. Wir sind da um zu inspirieren. Und tatsächlich  sitze ich hier auf dieser Bühne in meinem Rollstuhl, so wie ich eben ausseh, und Sie erwarten wahrscheinlich, dass ich Sie jetzt inspiriere. Richtig? […] Und all diese [inspierenden] Bilder [, die über soziale Medien geteilt werden] , von denen es so viele gibt, nennen wir Inspirationsporno. Ich benutze den Begriff Porno mit Absicht, da diese Bilder eine Gruppe von Menschen objektifizieren zugunsten einer anderen Gruppe von Menschen. In diesem Fall werden behinderte Menschen objektifiziert zugunsten nicht behinderter Menschen. Der Sinn solcher Bilder ist es Sie zu inspirieren, Sie zu motivieren, so dass wir sie angucken können und denken: “Okay, egal wie schlimm mein Leben ist, es könnte schlimmer sein. Ich könnte diese Person sein.”

Übersetzung Zitat 2: Erinnerst du dich an die Zeit vor deinem “Coming out” als behinderte Frau? Du verwandtst eine ganze Menge Energie aufs “passen”. So zu tun als wärst du einfach wie alle anderen, als bräuchtest du keinerlei “Sonderbehandlungen”, als würde deine Lebenswirklichkeit nichts besonderes bedeuten. Auf jedenfall unterschied sie dich nicht von anderen Menschen. Differenz/ Unterschied, so wie du es kanntest, war etwas furchtbares. Ich dachte gewöhnlich an mich selbst, so wie ich sei, wenn ich nicht diese verteufelte Behinderung hätte.
Dann mit 17 veränderte sich etwas. Um es mit Janis Ian zu sagen: Ich lernte die Wahrheit mit 17.
Dass nicht ich falsch war für die Welt, in der ich lebe. Sondern dass die Welt, in der ich lebe, noch nicht richtig für mich ist.




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#YallaCSU, Genderweltverschwörung und Hetensex – Unsere Lieblingstweets

9. Dezember 2014 von der Mädchenmannschaft

In unregelmäßigen Abständen präsentieren wir euch in dieser Reihe ein paar Perlen aus der Twitter-Welt. 140 Zeichen, die Spaß machen oder zum Nachdenken anregen sollen.

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