Der Mann, das rätselhafte Wesen?

June 23rd, 2008 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 3 von 3 der Serie Der Kommentar

Ich greife hier gern einen ausführlichen Kommentar unseres Lesers jj auf, der die aktuelle Titelgeschichte des Spiegels zusammenfasst und kommentiert:

  • Der Titel hat nur sehr wenig mit dem Inhalt zu tun.
  • Auf die Erkenntnis “Wenn sich die weibliche Rolle ändert, ändert sich notwendigerweise auch die männliche” folgt leider keine Diskussion.
  • Und schon gar keine Ideen, was Männlichkeit heute ausmachen könnte, mit Ausnahme von “neuer Vaterschaft” und Franz Münteferings Entscheidung, als SPD-Vorsitzender zurückzutreten, um seine Frau zu pflegen.
  • Die klassische neue Rolle von Jungs als Bildungsverlierer wird weitergestrickt, ohne neue Erkenntnisse.
  • Es wird gezeigt, daß Männer sich durchaus für Lebensentwürfe jenseits der Karriere interessieren, aber
    Paarungsverhalten und Inkongruenzen zwischen individuellem weiblichen Wahlverhalten (dating up/statusbezogenheit) und gesellschaftlichen Forderungen werden nur in einem Halbsatz angeschnitten, aber nicht in die Diskussion integriert.
  • Ebenso die These, dass Männer als “Täter” akzeptiert seien, nicht aber als “Opfer” - ohne die Frage zu stellen, ob/warum das so ist (z. B. wegen der o.a. Inkongruenz weiblichen Wahlverhaltens?). “Psychologisch ist der Mann das schwache Geschlecht.”
  • Beim “zweizeiligen Teenagerinterview” wird die These aufgestellt: “Wo Rollen abgeschafft werden, ist Aussehen alles.”

“Die Frage was bleibt vom Mann” ist aus meiner Sicht extrem relevant, aber der Spiegel schafft es, auf zehn Seiten das Thema nur anzureißen und sieht sich genötigt, immer wieder Statistiken einzubauen, die die Zustimmung der Deutschen zu “Gleichberechtigung” belegen sollen - ganz so, als ob Angst davor besteht, eine wirkliche Beschäftigung mit Männlichkeit und ihren aktuellen Problemen würde uns wieder in die Fünfziger zurück katapultieren.

Meine Sichtweise des Problems habe ich schon an verschiedenen Stellen dargestellt, daher nur kurz:

Aus anthropoloischer Sicht scheint die Sache klar: die männliche Rolle in Bezug auf Fortpflanzung ist minimal und aufgrund der Tatsache, dass Menschen auch ausschließlich von Pflanzen leben können, war die Rolle als Jäger für das Überleben einer Gemeinschaft ohne externe Bedrohung - als “verzichtbares” Geschlecht ist die Verteidigung v. a. gegen andere Männer ihre Domäne - nie so relevant wie die von Frauen. Diese kleinere Rolle scheint in scheinbar allen (indigenen) Kulturen eine Art Kompensationsmechanismus auszulösen. Überall gibt es künstlich geschaffene Rollen und Rituale, die ausschließlich von Männern ausgeübt werden können, um ihnen so eine gesellschaftliche Rolle zukommen zu lassen, die der von Frauen gleichkommt - in indigenen Gesellschaften drückt sich das zumeist in “magischen” Ritualen aus, die das Universum in Balance halten. Die einzige wirkliche Funktion, die diese Rituale für das Fortbestehen der Art haben, ist, dass sie Männer in die Gemeinschaft einbinden.

Wir haben die Welt entzaubert und niemand glaubt mehr, dass Männer das Didgeridoo blasen müssen, damit das Universum bestehen bleibt und es zusammenbricht, wenn eine Frau das Instrument anfasst. Und damit haben wir ein Problem, insbesondere in einer Welt, in der auch die körperlichen Eigenschaften des Mannes keine wirtschaftlichen Vorteile mehr bieten.

Da liegt das wahre Problem: Männer haben, im Gegensatz zu Frauen, nichts mehr, das nur sie für die Gesellschaft leisten können.

Und nun?

Selbermach-Sonntag (22.6.08)

June 22nd, 2008 von Susanne

Und, diese Woche was interessantes gelesen, geschrieben, gesehen, erlebt? Erzählt allen anderen davon, damit auch sie lesen, sehen und mit euch darüber diskutieren können.

Wie umgehen mit Misandrie?

June 20th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 5 von 6 der Serie Grundsatzfragen

Unser Leser Matthias stellt diese Frage zur Debatte. Er schreibt:

“Alice Schwarzer hat den Hass auf Männer begrüßt, Valerie Solanas wollte Männer am liebsten ausrotten. Wie sollte sich ein moderner Feminismus gegenüber solchen Positionen verhalten? Gibt es Misandrie heute noch? Ist Misandrie ein Problem? Sollte man als FeministIn Misandrie ignorieren (”Männer haben es trotzdem viel besser als Frauen, von daher brauchen die sich nicht zu beschweren”), sich davon distanzieren oder ihn entschieden ablehnen?

Ich persönlich bin der Meinung, dass die Anerkennung der Existenz von Misandrie und eine Ablehnung des Männerhasses dem Feminismus gut tun würde, da damit eines der ältesten männlichen Klischees über Feminismus widerlegt werden würde, Männer erleben, dass ihre Probleme als solche anerkannt werden und echten Feminismus-Gegnern der Wind aus den Segeln genommen werden würde.”

Pöbeleien in die Frauenecke

June 19th, 2008 von Barbara

Dass die Zeit Hillary Clinton als “Frau der Zukunft” sieht, haben wir hier bereits vermeldet. Nun wird sie auch als Feministin erkannt, und zwar im Moment ihres Abschieds vom Traum der Präsidentin: Unter dem Titel “Die Frauenecke”, Untertitel “Erst bei ihrem Abschied bekennt sich Hillary zum Feminismus” schreibt Martin Klingst am 12. Juni 2008:

Es schien, als wollte sie die Außergewöhnlichkeit ihrer Kandidatur verschweigen, als raunte ihr eine innere Stimme zu: Hillary, lass dich bloß nicht in die Frauenecke drängen. Auch Barack Obama vermied es, seine Einzigartigkeit herauszustellen. Doch die Medien übernahmen diesen Part, während sie Clinton diese Auszeichnung zumeist verweigerten.

Stoßen mir doch die Begriffe Einzigartigkeit im Zusammenhang mit Hautfarbe und Auszeichnung im Zusammenhang mit Geschlecht etwas auf, möchte ich mal wieder das berühmte Zitat der italienischen Frauenrechtlerin Agata Capiello anbringen:

Die Gleichberechtigung in Italien ist erst dann erreicht, wenn auch einmal eine total unfähige Frau in eine verantwortliche Position aufgerückt ist.

Themenabend: Jungen - Verlierer des deutschen Schulsystems?

June 19th, 2008 von Katrin

Junge Jungen und ihr Bildungs(miss)erfolg waren schon oft ein Thema in den Diskussionen hier bei der Mädchenmannschaft. Morgen abend widmet der Landeselternausschuss des Landes Berlin einen ganzen Themenabend der Frage, ob und warum Jungen in der Schule immer schlechter werden. Diskutieren werden unter anderem Dr. Bruno Köhler von MANNdat und Prof. Dr. Preuss-Lausitz vom Institut für Erziehungswissenschaften an der TU Berlin.

Die Diskussion beginnt morgen (20.06.2008) um 17.30 Uhr im Berliner Roten Rathaus, Raum 338 (Ferdinand-Friedensburg-Saal). Alle weiteren Infos findet ihr in der angehängten PDF:

Einladung zum Themenabend Jungen und Schule

(Foto über Flickr)

Michelle Obama Watch

June 18th, 2008 von Susanne

Jetzt, wo Barack Obama der Kandidat der Demokraten für das Amt des US-amerikanischen Präsidenten ist, rückt auch seine Frau Michelle weiter in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Michelle Obama ist eine erfolgreiche Anwältin und Feministinnen machten sich schon während der Vorwahlen so ihre Gedanken: nämlich was wohl mit ihr passiert, würde ihr Mann Präsident. Würde das amerikanische Volk nicht verlangen, dass die First Lady ihren Beruf aufgibt, um ihrem Mann den Rücken freizuhalten? Für den Wahlkampf hat sie bereits eine Auszeit genommen - die erste ihrer Karriere.

Das Blog “Michelle Obama Watch” wurde ins Leben gerufen, um die Medienberichterstattung zu Michelle Obama kritisch zu beobachten und zu dokumentieren. Denn mehr als John McCains Ehefrau ist Michelle Obama eine für die Medien interessante Figur: Sie ist selbstständig, engagiert, mit einer eigenständigen Persönlichkeit unabhängig von ihrem Ehemann. Was manche US-amerikanische Medien dazu verleiten zu scheint, sie genauso wie den Kandidaten selbst unter die Lupe zu nehmen. Und bei der Berichterstattung auch gerne mal übers Ziel hinauszuschießen - zum Beispiel als Michelle und Barack Obamas “fist bump” als “terroristische Geste” interpretiert wurde.

Dieses Blog wird auf jeden Fall in den nächsten Monaten regelmäßige Besuche wert sein. Und die Betreiber der Webseite freuen sich über jede und jeden, die bzw. der mitarbeiten möchte, zum Beispiel die europäische Berichterstattung im Auge behalten und über Merwürdigkeiten informieren.

Über Feministe.us

Frauen & Technik

June 18th, 2008 von Susanne

Gestern haben Bundesbildungsministerin Annette Schavan und 40 Spitzenverbände und Unternehmen einen Pakt geschlossen: einen Pakt für mehr junge Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Erklärtes Ziel von Wirtschaft und Wissenschaft ist es, Fachkräftemangel vorzubeugen. Das Programm nennt sich MINT - die Buchstaben stehen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik.

Was vor allem der Wirtschaft nutzen soll, bringt auch für Frauen angenehmenNebeneffekte mit sich: Je mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen arbeiten, desto blasser dürften einige Geschlecherklischees werden, zum Beispiel der beliebte Ausruf”Frauen und Technik!”. Außerdem erhalten Frauen so leichter Zugang zu gutbezahlten Branchen.

Mannschaftspost: Mitgemacht und gewonnen

June 16th, 2008 von Susanne

Wir fragten euch nach euren Träumen und Wünschen für eine feministische Zukunft und ihr habt gebastelt, gemalt, geschrieben. Und hier sind die fünf schönsten Basteleien, für die es je eine Alphamädchen-Tasche gibt.

Anne aus Dresden fragt:

Angie aus Langwedel wünscht sich ein moderneres Frauenbild, …

Sandra aus Göttingen schaut optimistisch in die Zukunft:

Frederik aus Berlin wünscht sich weniger Vergangenheitsverklärung:

Und Juli aus Hamburg hofft, dass …

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Ihr könnt uns natürlich gern auch weiterhin Basteleien schicken. Wir werden sie online stellen.

Scheiß des Tages

June 15th, 2008 von Susanne

Das hier. Sind Highheels. Für Babys. Kein Witz.

Über Feministing

Selbermach-Sonntag (15.6.08)

June 15th, 2008 von Susanne

Und, wie sah eure Woche aus? Was ist euch passiert, das euch über Feminismus nachdenken ließ? Welche Texte würdet ihr Anderen zur Lektüre empfehlen? Und gibt es in der kommenden Woche irgendwelche Termine in der Region, von denen alle wissen sollten? Hier seid ihr wieder gefragt. Einen schönen Sonntag!