Auf Sexismus schlagfertig antworten!

18. Mai 2012 von Helga

„Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber…“ oder „Ich brauch’ mal zwei starke Männer“ oder „Ist die Person ein Mann oder eine Frau?“ oder oder oder. Die Liste der sex­is­tischen, homophoben, transphoben, kurz: dis­kriminierenden Sprüchen ist lang. Und wie bei den meisten blöden Sprüchen fällt einer oder einem im ent­schei­den­den Moment zu oft nichts Schlagfertiges ein. Das will alltagsalternativen ändern. Das Projekt sammelt Antworten und bietet diese auch als Postkartenmotive an – zum Ausdrucken und Verteilen (auch auf Facebook).

Flyer von alltagsalternativen: Oben eine Sprechblase mit dem Text „…wie ein Mädchen“ – darunter „Warum benutzt du die Bezeichnung ‚Mädchen‘ als Beleidigung?“


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Selbstversuche: Die haarige Feministin

17. Mai 2012 von Helga

Ob Zeitschriftenregal oder Fernsehprogramm, allerorten wird frau gerade wieder an „den Sommer“ erinnert. Also all das, was Frauen nun zu erledigen und ihre Weiblichkeit zu konstruieren haben. Ein paar Kilos verlieren, Füße pflegen, Cellutites bekämpfen – und die Körperbehaarung entfernen. Beine, Achseln und Intimbereich, manchmal sogar die Arme. Alles was unterhalb des Kopfes nicht flauschig ist, muss weg!

Doch muss das wirklich? Und was passiert, wenn frau es lässt? Emer vom Vagenda Mag hat den Selbsttest gemacht und rasiert sich seit einem Jahr nicht mehr (mehr auf Deutsch bei diestandard.at). Sie beschreibt eindrücklich, wie sehr sich der Druck zur Haarentfernung eingebrannt hat, wie schwer es ist, ihre behaarten Körperteile wirklich öffentlich zu zeigen – obwohl die meisten Reaktionen positiv waren.

Fast den gleichen feministischen Selbstversuch habe ich letztes Jahr auch gestartet und seitdem meine Beine nicht mehr rasiert. Allerdings mit etwas anderen Ausgangsbedingungen, denn in meiner Familie war weibliche Körperbehaarung kein Thema. Bei meinen ersten Versuchen fragte man sich verwundert, warum ich das denn mache. Andere Freundinnen wurden dagegen von ihren Eltern angehalten, sich zu rasieren, bis hin zur Bikinizone (der alten, die nur umfasste, was aus dem Bikini rausguckt). Am Ende hat sich dann die Vorgabe zur enthaarten Frau in unseren Köpfen durchgesetzt. Insgesamt habe ich noch nicht einmal die Hälfte meines Lebens irgendwas enthaart, doch dagegen anzugehen, hat sich als erstaunlich schwer erwiesen.

Dass der letzte Sommer recht kühl und verregnet war, hat es mir bisher leicht gemacht, Beine und Achseln zu verstecken. Die wenigen Male in Shorts habe ich immerhin keine Kommentare bekommen. So hoffe ich einerseits für diesen Sommer auf mehr Sonne, andererseits frage ich mich, welche Reaktionen ich dann zu erwarten habe. Neulich ertappte ich mich bei dem Gedanken, jetzt immer die Fußnägel zu lackieren. Quasi als Ausgleichshandlung, die beweist, dass ich mich durchaus um mein Äußeres kümmere und weiblichen Konventionen entspreche. Bewußt wurde mir dabei wieder einmal, wie zeit- und geldaufwändig eigentlich Weiblichkeit ist. Rasierer, Rasierschaum, Creme… Und das alles, ohne zwangsläufig gut für den Körper zu sein. Im Gegenteil: Zumindest meine Beine sind weniger trocken, weniger gereizt und eingewachsene Haare gibt es auch keine mehr.

Nach einem Jahr halte ich nun fest, dass der größte Feind in meinem Kopf sitzt. Allerdings erhält er jeden Tag massive Unterstützung aus all den Zeitschriften, Webseiten und Fernsehsendungen, die mir nur haarlose Frauen zeigen und die besten Wege, genau so auszusehen.


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Barack Obama, Frauen in der Musik und sexuelle Belästigung in Frankreich – kurz notiert

16. Mai 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 152 von 153 der Serie Kurz notiert

daStandard.at berichtet über Migrant_innen und ihre „Vorbildfunktion“ in bestimmten Berufen.

Barack Obamas Bekenntnis zur Homo-Ehe sorgte für weltweiten Jubel. Aber warum wird ein Bekenntnis, dass allen Menschen gleiche Rechte zustehen sollten, eigentlich mit einem “Danke” bedacht, fragt sich beispielsweise blackgirldangerous und zählt auf, welche Gruppen Obama in seinem “Selbstfindungsprozess zur Homofreundlichkeit” nicht mitbedacht hat.

Auf 20000Frauen gibt es Fotos von der Zeltstadt der Frauen in Wien zu sehen.

Menschen mit Namen, die nicht mit einer weißen, deutschen Person in Verbindung gebracht werden, sind häufiger rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt. Das stellt jedoch keinen hinreichenden Grund dar, diesen ändern zu lassen, entschied das Verwaltungsgericht in Göttingen und wies damit die Klage einer aserbaidschanischen Familie ab, nachzulesen bei welt.de

Shirley Manson, Frontfrau von Garbage, ärgert sich in einem Interview mit dem Musikmagazin NME über die Tatsache, dass mittlerweile zwar mehr Frauen im Musikbusiness repräsentiert sind, diese aber lediglich Feigenblätter in einem weiterhin männlich dominierten Umfeld sind.

Angrapschen in Frankreich derzeit legal, weil das Gesetz von jetzt auf heute gestrichen wurde. Ein Neues soll kommen, bis dahin gilt weitgehende Straffreiheit, berichtet die taz.

Fakten über die Situation von Frauen im Agrarsektor von Afrika hat africanfeminism.

Julia Lemmle und Atif Hussein von der antirassistischen Interventionsgruppe “Bühnenwatch” sprechen im Interview mit der taz über rassistische Darstellungspraxen an deutschen Theaterbühnen.

Die Festplatten der südafrikanischen Fotografin Zanele Muholi sind gestohlen worden, so Diva Magazine. Sie dokumentiert seit mehreren Jahren das Leben von Schwarzen Lesben.

Einen Monat dauerte es – dann schwappte der Elektronista-Blogbeitrag über eine Dell-Veranstaltung durch die Blogosphäre. Der Computerhersteller hatte einen „lustigen“ Moderator engagiert, der allen Männern riet, zu Hause ihren Frauen „halt die Klappe, Schlampe“ zuzurufen. Inzwischen hat die Firma sich entschuldigt, so Wired.

WORSE THAN QUEER ist nicht nur eine Zeile aus einem Bikini Kill Song, sondern auch der Name eines kleinen Riot Grrrl inspirierten Festivals, das im Januar 2012 zum ersten Mal in Nürnberg stattfand. Dessen Initiatorinnen, eve massacre und jessthreat, hatten die Idee, anlässlich dessen eine Compilation zu machen – eine Compilation mit einem Thema: Grrrls Drinking Songs.

Witnessed, ein Buchprojekt von und über Schwarze Autor_innen in Deutschland, startet einen neuen Finanzierungsversuch und bittet um eure Mithilfe.

Termine und eine Stellenausschreibung Weiterlesen »


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Was Frauen wollen und warum Feministinnen damit nicht klarkommen. Oder so.

16. Mai 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 48 von 48 der Serie Meine Meinung

Ein paar Geschichten von Freundinnen, ein möglicher Trend und keine Fakten – aus diesem Zutaten kochen in der New York Times seit Jahren Autor_innen zweifelhafte Geschichten, die als „New York Times Trend Pieces“ bekannt geworden sind. Manchmal verniedlichen diese Trendgeschichten Rassismus; In den meisten Fällen aber machen Frauen entweder irgendwas falsch, irgendwas anders als früher (was sie wiederum unglücklich macht und damit falsch ist) oder alles wie früher und ärgern so die bösen Feminist_innen. Amanda Hess trug 2010 eine Reihe dieser Artikel zusammen.

Nun ist dieser Trend anscheinend in Deutschland angekommen. Passenderweise in der FAZ, die sich dabei tatsächlich nicht zu schade ist, auf die Times Bezug zu nehmen. Das Thema: Frauen, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aus dem Hamsterrad ausbrechen und sich selbst verwirklichen. Dass es dazu keine Zahlen gibt, gibt der Artikel ebenfalls zu. Immerhin werden zwei Forscherinnen zitiert, die etwa zu „Karrierekorrekturen beruflich erfolgreicher Frauen in der Lebensmitte“ und der Motivation der „Aussteigerinnen“ arbeiten:

Die Frauen wollten ihre Interessen, Überzeugungen, Erfahrungen und Begabungen nunmehr in einem Umfeld der Sinnhaftigkeit und Wertschätzung zur Geltung bringen, außerhalb von großen unternehmerischen Strukturen.

Das nun, man glaubt es kaum, mache Feministinnen unglücklich. Schließlich hätten die Frauen immer dazu gedrängt, alle Karrierefrauen zu werden. So wenig Ahnung von Feminismen hatte zuletzt Kristina Schröder. Ihr, wie auch Autor¹ Inge Kloepfer, lege ich daher an dieser Stelle nahe, sich einmal mit Differenzfeminismus aus­ein­an­der­zusetzen. Dazu ein Zitat von Antje Schrupp von 1997:

Immer mehr Frauen merken, daß das Platznehmen auf dem Chefsessel eben kein Selbstzweck ist, zumindest für diejenigen nicht, denen es um mehr geht, als um ein gefülltes Bankkonto und um die bloße unkritische Teilnahme an den früher rein männlichen Ritualen der Macht. Diese Rituale werden nicht davon besser, daß sich Frauen an ihnen beteiligen. Die Bilanz des Emanzipationismus lautet: Das kann’s doch nicht gewesen sein?

Schließlich sinkt der Feminist_innenkopf nur noch ermattet auf den Tisch, wenn Kloepfer in einem einzigen Satz Sexismus und Diskriminierung beschreibt – ohne diese Worte in den Mund zu nehmen. Stattdessen heißt es, Frauen spürten, dass ihr Weg besonders mühsam sei „weil sie nun einmal weiblich sind“. So, Frau Kloepfer, haben wir Feministinnen wirklich nicht gewettet. Etwas mehr Recherche sollte drin sein. Und dass wir im Jahre 2012 Sexismus auch endlich als solchen benennen.

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¹ Bezeichnung übernommen von der FAZ.


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“Ehrenmord” – das Instrument der Patriarchalisierung und Feminismus als Tabubruch

15. Mai 2012 von Verschiedenen

Derzeit findet in Detmold der Prozess gegen die Geschwister der getöteten Arzu Özmen statt. Einiges an Öffentlichkeit begleitet den Fall, wie etwa Mahnwachen und Berichterstattung, wobei jedoch kulturalistische Erklärungsmuster die kriminelle Tat oft in die Nähe von nachvollziehbaren Sozialpraktiken rücken. Grotesk wird es zum Beispiel, wenn Gutachter das angebliche Mitverschulden des Opfers thematisieren dürfen: So beschrieb gestern ein Psychologe vorm Detmolder Gericht, gegen welche Regeln die 18-Jährige aus Sicht der jesidischen Familie verstoßen habe, und inwiefern sie für “Ehrverletzungen” verantwortlich gemacht werden könne, die letzten Endes zum Mord führten. Unsere Gastautorin Sakine Subaşı-Piltz stützt sich in ihrem Text auf einen anders gelagerten Fall, und zwar den Mord an Hatun Sürücü – und thematisiert doch eine ähnliche Geschichte. Hatuns Fall und seine mediale Rezeption ermöglicht einige Detaileinblicke in destruktive Familienmuster und den gesellschaftlichen Umgang mit patriarchaler Brutalität, und er zeigt: die Frage nach der Gesamtsolidarität mit Opfern familiärer Gewalt und feministischer Behandlungsverantwortung bleibt.

Am 2. Februar lief eine Dokumentation über den Mordfall von Hatun Sürücü im öffentlich-rechtlichem Fernsehen, welcher auch mit der (a)moralischen Unterstützung von feministischen Organisationen wie „Terre des Femmes“ den Fall als „Ehrenmord“ der Muslime hochstilisiert hat. Bis heute, so wurde es auch im Film deutlich, ist es der Öffentlichkeit nicht gelungen eine differenzierte Analyse dieses Falles wahrzunehmen, was für viele Muslime dagegen offensichtlich Grund ist, zu diesem und anders gelagerten Fällen zu schweigen. Für die meisten Muslime ist der Fall Hatun Sürücü der Fall, der sie in der Öffentlichkeit entehrt hat, sie zu Mördern und Barbaren gemacht und sie gleichgesetzt hat mit den Komplizen eines Mordes, und das qua religiös-kulturellem Hintergrund.

Obgleich eine (feministische) Solidarität mit dem Opfer – ob jetzt aus “muslimischer” oder einfach nur menschlicher Perspektive – notwendig ist, um sich auch vor andere potenzielle Opfer als Gesellschaft schützend zu stellen, ist es in Teilen auch nachvollziehbar, dass viele Muslime über dieses Thema nicht sprechen wollen – aber ist es richtig? Und was erzeugt diese Tabuisierung? Dieser Fall zeigt sehr deutlich, wozu öffentliche Diskurse in der Lage sind. Sie können Unrecht so kaschieren, dass die tatsächlichen Hintergründe einer Gewalttat trotz eines großen öffentlichen Interesses in den Hintergrund rücken. Mittäter und Mordmotive bleiben in der öffentlichen Meinung unberücksichtigt. Täter werden zu Opfern und der Islam wird immer wieder als Sündenbock geschlachtet, und in der Zwischenzeit erlebt der „Ehrenmord“ seine Blütezeit. Zynisch könnte frau weiter anmerken, dass jetzt auch andere außer Muslimen als „ehrenhaft“ gelten wollen – was auch immer das heißen mag. Weiterlesen »


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Wer war… Gloria Anzaldúa?

15. Mai 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 31 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Die mexikanisch-amerikanische Schrift­stellerin, Kultur­wissen­schaftlerin und Aktivistin Gloria Evangelina Anzaldúa wurde 1942 in Texas (USA) geboren und gilt als eine der populärsten Vertreterinnen der Queer Theorien und der Chicano/a-Literatur in den USA. Sie forschte ins­besondere zu den Ver­knüpfungen von Geschlecht, Kultur und Sexualität und prägte auf neue Art den Begriff ‚mestizaje’, welcher einen Zustand fernab eines binären entweder/oder Konzepts beschreibt und Raum für eine Viel­zahl an (wider­sprüchlichen) Identitäten schafft.

Anzaldúa, 1990, am Smith College. Quelle: flickr (K. Kendall) CC BY 2.0

Anzaldúa veröffentlichte zahlreiche Essays, Ge­dichte, Kurz­­geschichten und Kinder­­bücher, unter­richtete an verschiedenen Universitäten in den USA und war Mitherausgeberin der 1981 erschienenen Anthologie This Bridge Called My Back: Writings by Radical Women of Color, in der auch Audre Lorde vertreten ist.

Ein oft zitiertes Werk ist Borderlands / La Frontera: The New Mestiza (1987). In diesem Buch werden eine Viel­zahl an Grenzen thematisiert und über­schritten – literarische, spirituelle, sexuelle, sprach­liche sowie sozio-politische Grenz­ziehungen. Durch einen Mix aus mehreren Variationen von Englisch und Spanisch sowie die Verbindung von auto­biographischen und theoretischen Elementen werden so konventionelle Form-, Genre- und Sprach­kategorien in Frage gestellt. Aus diesem Buch stammt auch das berühmte Zitat von Anzaldúa: “Wild tongues can’t be tamed, they can only be cut out”, welches übersetzt so viel heißt wie: ”Wilde Zungen können nicht gezähmt, sondern nur rausgeschnitten werden”.

Kurz vor Erhalt ihres Doktor­titels an der University of California in Santa Cruz starb Gloria Anzaldúa heute vor acht Jahren im Alter von 62 Jahren.

Zum Weiterlesen: “Grenzen überschreiten - Chicanas schreiben im Spannungs­feld von Ethnie, Geschlecht und Sexualität” (PDF) von Rosa Zechner.

Für die Reihe “Wer war…” freuen wir uns über eure Vor­schläge oder auch Gast­blogger_innen, die ihre Lieblings­feminist_innen vorstellen. Vorschläge/Beiträge einfach an unser Kontaktformular senden.


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Jubel in Argentinien – Ernüchterung in Kolumbien

14. Mai 2012 von Helga

Schlagzeilen schrieb letzte Woche Argentinien. Dort ist es nun möglich, den Ge­schlechtseintrag ändern zu lassen, ohne sich vorher rechtlichen, psychatrischen oder medizinischen Prozeduren unterzogen zu haben. Damit ist das Land Vorreiter im Umgang mit transgender Menschen. In Deutschland muss das Trans­sexuellen­gesetz seit Jahren überarbeitet werden. Das Bundes­ver­fassungs­gericht hat die Vorgaben Zwangsscheidungen und Sterilisationen derzeit ausgesetzt. Nachdem in Argentinien vor zwei Jahren bereits die Ehe für gleich­ge­schlecht­liche Paare erlaubt wurde, sollen in Zukunft weitere Gesetze modernisiert werden. Präsidentin Cristina Fernandez will auch Abtreibungs-, Adoptions- und Scheidungs­gesetze angehen.

Trotz der Fortschritte sei es für Transgendermenschen in Argentinien aber weiter schwer, beschreibt die taz:

Die peronistische Senatorin Sonia Escudero malte dennoch ein düsteres Bild der Gegenwart. Über 90 Prozent der Transsexuellen arbeiten in der Prostitution. Wer sich zur transsexuellen Gemeinschaft zählt, habe eine Lebenserwartung von 35 Jahren, so die Senatorin.

Ähnlich ernüchtert zeigen sich Aktivist_innen in Kolumbien. Seit sechs Jahren sind dort Abtreibungen legal, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, nach Ver­ge­waltigungen, Inzest oder aus medizinischen Gründen. Dennoch weigern sich viele Ärzt_innen und Krankenhäuser, diese auch durchzuführen. So werden von jährlich über 400.400 Ab­treibungen nur rund 300 legal und sicher durchgeführt. Erst ein einziges Mal wurde eine Ein­richtung mit einer Geldstrafe belegt, weil sie eine Abtreibung verweigerte. Es mangele an politischem Willen, Frauen ihre Re­pro­duk­tions­rechte zu ermöglichen, so eine Aktivistin.


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Ein Kinderbuch im Kampf gegen Normen

14. Mai 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 60 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Ich habe keine Kinder und glaube, dass ich das letzte Kinder­buch vor 15 Jahren vorgelesen bekam. Und da mein Papa immer sehr genuschelt hat, habe ich auch davon nur die Hälfte ver­standen. Wie ihr lesen könnt: Hier rezensiert keine Expertin.

Titelbild von Unsa Haus, Zeichnung. Fünf Kinder, weißer und schwarzer Hautfarbe, stehen vor einem Haus.

„Unsa Haus - und andere Geschichten“ von Ben Böttger & Rita Macedo u.a.

Interessant fand ich es trotzdem, das Kinderbuch „Unsa Haus – und andere Geschichten“ von Ben Böttger und Rita Macedo zu lesen, denn die Autor_innen haben sich einer Aufgabe angenommen, die gerade für Kinder­bücher von größter Bedeutung ist, nämlich einen Raum zu schaffen für nicht­normative* Dar­stellungen von Familien­zusammen­hängen, Identitäten und zwischen­menschlichen Be­ziehungen.

In den einzelnen Kurz­geschichten lernen wir die fünf Freund_innen, ihren Alltag, ihre Sorgen und Freuden kennen. Da ärgert sich Dani darüber, dass er immer nur lang­weilige Kleider beschenkt bekommt; Fatma erzählt von ihrem Traum Astronautin zu werden und Fredi wird von ihren Vätern in der Kampf­sport­schule angemeldet – und bekämpft so mit viel Phantasie die Monster in ihren Alpträumen.

Sehr oft habe ich mich beim Lesen dabei erwischt, wie ich über­rascht war, zum Beispiel dass dieses kurz­haarige Kind mit einem weiblichen Personal­pronomen versehen wird. Oder dass die Eltern aus zwei Vätern bestehen. Ein perfektes Buch also, um auch die eigenen stereo­typen Vor­annahmen kritisch zu hinter­fragen.

Schön finde ich eben­falls, dass die Kinder nicht einfach als bloße Vertreter_innen einer sozialen Gruppe auf­treten. So dreht sich das Leben eines Kindes, welches beispiels­weise kaum gesell­schaf­tlichen Vorstellungen von „normal­gewichtig“ entspricht, nicht automatisch nur um Gewicht oder Diäten. Die Kinder werden also nicht auf ein Merk­mal reduziert – erfrischend!

Etwas absurd wurde es leider gegen Ende: Auf einmal taucht ein grüner Mensch auf. Für mich roch das ein wenig nach „Was für eine schöne bunte Welt, Menschen gibt es in allen Farben“, was auf den ersten Blick kreativ wirkt, aber real existierende (rassistische) Diskriminierungs­erfahrungen verharmlost. Ich hatte an manchen Stellen auch das Gefühl, dass mit einer Identitäts-Check­liste gearbeitet wurde, um ja keine Identität aus­zulassen.

Empfehlen kann ich das Buch jedoch ohne große Zweifel: So oft wie ich Erziehende klagen höre, welchen diskriminierenden oder genormten Dar­stellungen Kinder in Büchern, Filmen oder Songs auch heute noch aus­gesetzt sind, kann dieses Buch nur eine angenehme Ab­wechslung dar­stellen. Zusätzliches Plus: „Unsa Haus“ wird es bald auch in türkischer Sprache zum Download geben.

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* Nichtnormativ heißt laut NoNo-Verlag, dass Menschen „in ihrer Vielfalt dargestellt und angesprochen werden, unabhängig davon, inwiefern sie gesellschaftlichen Normen (beispielsweise bezogen auf Sexualität, Hautfarbe, Fähigkeiten) entsprechen. Da es auf dem Buchmarkt ein vielfältiges Angebot für Menschen gibt, die nicht „aus der Norm fallen“, heißt nichtnormativ in diesem Kontext auch, gerade diejenigen Bevölkerungsgruppen darzustellen und anzusprechen, die ansonsten an den Rand gedrängt werden.“


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Selbermach-Sonntag (13.5.2012)

13. Mai 2012 von Magda

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Hier ist Platz für eure Ideen oder Links zu spannenden Artikeln, Comics, Blogs oder was euch sonst noch einfällt!


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Samstagabendbeat mit The White Noise Supremacists

12. Mai 2012 von Magda

Iféoluwa Babalola, musikalisch unterwegs als “The White Noise Supremacists“, lebt und musiziert zur Zeit in Berlin und ist auf dem ebenfalls empfehlenswerten zweiten Riot Grrrl Sampler zu hören.

The White Noise Supremacists – Glare from ORANGE 'EAR on Vimeo.


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