„Oury Jalloh – Das war Mord!“. 10 Jahre nach dem Tod.

von Charlott

Foto: Björn Kietzmann

Wenn es um Polizeigewalt und insbesondere die Gewalt gegen Schwarze Menschen geht, fällt vielen in Deutschland der anklagende Blick in die USA leicht, die Fälle vor der eigenen Haustür werden da noch schneller vergessen und_oder relativiert. Heute vor zehn Jahren, am 07. Januar 2005, starb Oury Jalloh – in einer Dessauer Polizeizelle an Händen und Füßen gefesselt, auf einer feuerfesten Matratze verbrannt. Für die Polizei eindeutig: Selbstverursacht. Für Freund_innen und Aktivist_innen hingegen sind die Indizien schon lange eindeutig und so heißt es auf vielen Demonstrationen: „Oury Jalloh – Das war Mord!“. In einem Kommentar 2012 schrieb die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.:

Das Besondere an den Mordfällen wie Laye Konde, Dominique Kumadjo, Dennis J., Mariama Sarr oder Christy Schwundeck ist, dass die ermittelnden Organe von vornherein die „Wahrheit” der „TäterInnen“ übernehmen und diese bestenfalls mit verschwundenen oder manipulierten Beweismitteln untermauern.

In Dessau wird heute ab 14 Uhr am Hauptbahnhof Dessau-Roßlau eine Demonstration stattfinden, um Oury Jalloh zu gedenken und auf die rassistischen Strukturen in Polizei und Justiz hinzuweisen.

Der BGH hatte im August des letzten Jahres das letzte Urteil im Fall (welches von fahrlässiger Tötung ausging und die Möglichkeit des Einsatzes von Brandbeschleunigern ausschloss) bestätigt und eine Revision abgelehnt. Aktivist_innen arbeiten zudem seit Jahren daran, mit Gutachten den Mord zu belegen. Für die pathologischen und toxikologischen Nachuntersuchungen, um die Brand- und Todesursache abschließend zu beweisen, wird Geld benötigt. Ihr könnt direkt an die Initiative spenden.

Zum Weiterhören:

Oury Jalloh – die widersprüchlichen Wahrheiten eines Todesfalls“ (55 Minuten-Feature beim MDR)




Tags: ,

Eintrag geschrieben: Mittwoch, 7. Januar 2015 um 9:00 Uhr unter Gewalt, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



Ein Kommentar

  1. Ms Represented sagt:

    Vielen Dank Charlott.

    Für Interessierte…
    Am Samstag, 17. Januar um 14:00 findet eine Lesung (englischsprachig) von „The Most Unsatisfied Town“ ein Theaterstück von Amy Evans statt. Anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion (deutsch / english).
    Veranstaltungsort – English Theatre Berlin, Fidicinstr. 40, BerlinKreuzberg (U6 Platz der Luftbrücke)- Eintritt kostenlos.
    Weitere Infos hier: http://www.etberlin.de/production/oury-jalloh-oranien-platz-ohlauer-strasse/