#Ohlauer: Erneut drohende Räumung und Erklärung des womenspace

von Charlott

Die Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin, welche seit zwei Jahren von Refugees besetzt wird und in der nun eigentlich ein Refugee Center enstehen sollte, ist wieder akut von einer Räumung bedroht. Als Gründe wird u.a. vorgeschoben, dass das Konzept für das Center zu spät eingereicht worden wäre und dass sich der Bezirk den Erhalt der Schule nicht leisten könne. Zu diesen und weiteren Punkten äußerten sich die Aktivist_innen am Samstag bei einer Pressekonferenz:

Heute um 16 Uhr findet ein Treffen für alle Interessierten an der Ecke Reichenberger/Ohlauer statt, um zu beraten wie mit der drohenden Räumung umgegangen wird. Aktuelle Informationen gibt es über den Ohlauer Infopoint bei Facebook und Twitter.

Am Wochenende haben außerdem die Frauen des womenspace eine Erklärung an Panhoff und Herrmann veröffentlicht (unter dem Video übersetzte Transkribtion):

Frauen des womenspace in Solidarität mit den Bewohner_innen der Schule

Diese Erklärung ist an Herrn Panhoff und Frau Herrmann gerichtet.

Hören Sie damit auf Ihre politischen Ziele durch unsere Leben zu erreichen! Wir sind die Frauen des womenspace. Wir haben fast zwei Jahren in der Schule gelebt und uns selbst organisiert. Dies war unser Zuhause. Es war unser Versammlungsort. Ein sicherer Ort, an dem wir uns und unsere Schwestern empowern konnten. Wir gaben jede Woche Workshops, luden Rechtsanwält_innen ein. Es war unseres.

Wir wurden im Juni gewaltvoll durch ihre Polizei geräumt. In der Anwesenheit unserer Kinder, die durch dieses unnötige Vorgehen traumatisiert wurden. Menschen standen im Regen mit ihrem unvollständigen Gepäck, wurden in Busse gesetzt. In einer Szene, die aussah wie zu Kriegszeiten. In diesem Land, welches uns Schutz gab. Uns wurde gesagt, dass wir zurückkommen könnten, um unsere Sachen abzuholen. Doch dann wurde uns trotz unserer Hausausweise der Eintritt verweigert.

Sie haben monatelang so getan, als würden Sie die Schule in ein Projekt umwandeln und habt versprochen, dass die Menschen in der Schule alternative Unterkünfte gestellt bekommen. Vor ein paar Tagen wurden sie auf de Straße gesetzt, verdammt zur Obdachlosigkeit. Die Kreuzberger Verwaltung hat gelogen und lügt immer noch, bricht bewusst das eigene Wort. Sie haben eine Übereinkunft unterschrieben!

Sie haben versprochen, dass die Refugees dort leben und im Pavillion ein soziales Center eröffnen können! Als sie dies gemacht haben, hat die Security die Eröffnung verhindert und jagte alle Besucher_innen davon. Nun schlagen sie unsere Freund_innen. Zwei wurden von der Polizei und Security am Eingang der Schule zusammengeschlagen. Beide sagen aus, dass sie während der Verhaftung eine Injektion erhielten. Einer scheint mental schwer geschockt, taumatisiert durch seine Erfahrungen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und als er wieder kam, wurde ihm durch die Security der Zugang zu seinem Zuhause verweigert. Wer gab ihnen die Erlaubnis die Bewohner_innen zu schikanieren und schlagen? Wer gab ihnen die Erlaubnis, sich einzumischen in die Frage, wer im Haus bleiben darf? Wo doch die Übereinkauft durch Sie unterzeichnet wurde? Ist es Ihre Regierung, wie Sie immer behaupten, wenn Sie sich Ihrer eigenen politischen Verantwortung entziehen? Oder ihr eigenes Amt?

Sie sagen zu unseren Brüdern, dass Sie es sich nicht leisten können für Licht und Wasser zu bezahlen, aber Sie können sich noch einmal 900 Polizist_innen für eine weitere gewaltvolle Räumung leisten. Wir sind nicht blind Ihre Räumung noch einmal zu akzeptieren. Wir sind bereit gegen den Bruch dieser Vereinbarung zu kämpfen. Wir sind bereit zu sterben, Frauen und Männer. Wir waren sehr beeindruckt von der Unterstützung, die wir durch Nachbar_innen erhielten. Wir sind stolz auf die Nachbar_innen, die den womenspace von Anfang an unterstützten – mit Essen, Kleidung und vielem anderen. Sie haben uns vergessen als wir mit der Polizei konfrontiert waren.

Ihre Lügen, Gewalt und der Druck, dem wir seit Wochen ausgesetzt sind, währen Sie so getan haben, als würden Sie unsere Schule in ein Refugee Center umwandeln – All diese Erinnerungen sind noch frisch in unserem Gedächnis und werden lange nachhallen. Also vergessen Sie nicht: Versuchen Sie nicht den Menschen in der Schule etwas vorzumachen!




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Eintrag geschrieben: Montag, 3. November 2014 um 9:00 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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