Offizieller Frauenfußball wird 40

von Nicole

Nächstes Jahr findet die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland statt, und mit tatkräftiger Unterstützung aus Wirtschaft und Politik wird aus diesem Turnier sicherlich ein Ereignis werden, das national und international große Aufmerksamkeit erhält – und zwar längst nicht nur von Frauen.

Hätte man dies vor 40 Jahren den Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes gesagt, wären sie vermutlich in lautes und ungläubiges Gelächter ausgebrochen. Am 30. Oktober 1970 wurde auf dem Verbandstag in Travemünde eine neue Ära im Fußball eingeläutet: Der DFB hob das Verbot des „Damenfußballs“ in seinen Vereinen und Landesverbänden auf (mit zwei Nein-Stimmen bei 145 Delegierten), der er 1955 erlassen hatte. Aus diesem Anlass blickt FAZ.net-Journalist Daniel Meuren zurück auf die Anfangsjahre des offiziellen Frauenfußballs in Deutschland. Gespielt wurde aber natürlich schon vorher, bevorzugt gegen Teams aus den benachbarten Niederlanden und mitunter vor Tausenden von Zuschauerinnen und Zuschauern. Die Ausrichter waren jedoch nicht die Sportvereine, sondern private Geschäftsleute, die für mehr oder weniger gelungene Veranstaltungen sorgten.
Letzten Endes waren es genau diese Tendenzen zur Selbstorganisation außerhalb der straffen Verbandsstrukturen, die den DFB zur Aufhebung seines Verbots bewogen.

Der Verband hat uns ja nicht unbedingt aus Überzeugung mitspielen lassen. Der DFB hatte eher Angst, dass wir einen Konkurrenzverband gründen könnten. Dann hat er uns lieber aufgenommen in der Hoffnung, dass er die Frauen dann unter Kontrolle hat.

So schildert es Fußball-Pionierin Bärbel Wohlleben im FAS-Interview. Wohlleben, die für die TuS Wörrstadt spielte, gelang es 1974, als erste Frau für das „Tor des Monats“ in der Sportschau gewählt zu werden – ein Moment, der dem Frauenfußball zu mehr sportlicher Anerkennung verhalf. An der haperte es nämlich auch nach Aufhebung des Verbots noch sehr lange. Nicht nur, dass zunächst mit größeren Toren, Brustpanzer und geringer Spielzeit gekickt werden musste, der DFB hatte von nun an auch die Hand auf den bis dahin ausgetragenen inoffiziellen Länderspielen: Die vorletzte dieser über lange Jahre ausgetragenen Partien fand eben an jenem 30. Oktober 1970 gegen Italien statt, während die Funktionäre in Travemünde den Frauenfußball gnädig wieder in ihre Verbandsstrukturen aufnahmen. Bis jedoch auch eine offizielle deutsche Nationalmannschaft der Frauen bei einem Länderspiel antreten durfte, sollte es noch einmal 12 Jahre dauern: Die DFB-Statistik der internationalen Begegnungen der deutschen Fußballerinnen beginnt am 10. November 1982 mit einem Spiel gegen die Schweiz.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 2. November 2010 um 1:50 Uhr unter Geschichte, Inspiration. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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Ein Kommentar

  1. […] Am 30. Oktober 1970 erlaubte der Deutsche Fußballbund (DFB) den Frauen wieder sich offiziell in den Verbänden zu organisieren. Damit wurde das Verbot aus dem Jahr 1955 aufgehoben, daß die Unterstützung von “Damenfußball” regional untersagte. Trotzdem dauerte es noch ein Jahrzehnt bis eine offizielle DFB Frauenauswahl zu ihrem ersten internationalen Spiel antrat. Und zwar gegen die Schweiz. […]