Nichts rechtfertigt eine Vergewaltigung. Niemals.

von Helga

Das Vereinigte Königreich macht mobil gegen sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen. Erst startete in Wales die Kampagne One Step Too Far, vor kurzem hat Schottland nachgezogen. Die Kampagne Not Ever stellt klar, dass niemand jemals darum bittet, vergewaltigt zu werden, berichtete Broadsheet. Eine Studie der schottischen Regionalregierung hatte im Februar diesen Jahres alarmierende Einstellungen zum Thema Vergewaltigung gefunden. So befanden 17 Prozent der Befragten, eine Frau trage zumindest teilweise die Verantwortung für eine Vergewaltigung, wenn sie offenherzige Kleidung trage und immerhin 8 Prozent befanden, „viele” bekannte Sexualpartner einer Frau rechtfertigten eine Vergewaltigung.

Der folgende TV-Spot illustriert, wie absurd der Gedanke eigentlich ist, jemand würde darum bitten, vergewaltigt zu werden. Wir sehen eine hübsche Frau im kurzen Rock in einer Bar. Einer der Anwesenden kommentiert zu seinem Freund: „Check out that skirt — she’s asking for it!“ (Guck dir mal den Rock an, die will es doch!) Nun sehen wir die Frau im Klamottenladen früher am Tag. Eine Verkäuferin fragt, ob sie Hilfe brauche. Ihre Antwort: „Yeah, thanks, I’m going out tonight and I want to get raped. I need a skirt that will encourage a guy to have sex with me against my will.“ (Ja, danke. Ich gehe heute abend aus und will vergewaltigt werden.Ich brauche einen Rock der einen Mann dazu anhält, mit mir gegen meinen Willen Sex zu haben.) Sie begutachten einen blauen und einen rosa Rock und die Verkäuferin nickt zustimmend „The blue one. Definitely the blue one.“ (Der Blaue. Definitiv der Blaue.)

Updates zu Not Ever gibt es auch bei Twitter und Facebook.




Tags: , , , ,

Eintrag geschrieben: Samstag, 17. Juli 2010 um 12:38 Uhr unter Gewalt, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



17 Kommentare

  1. Henning sagt:

    Hej hej,

    seit circa einem Monat lese ich die Mädchenmannschaft regelmäßig und mit großem Interesse. Gerne würde ich daher auch etwas dafür bezahlen, bzw. Artikel, die ich besonders gut finde, mit einer kleinen Spende „honorieren“. Dafür ist im Moment ja das Micro-Payment-System Flattr.com sehr populär. Plant ihr, Flattr.com für die Mädchenmannschaft einzuführen? Darüber würde ich mich jedenfalls sehr freuen.

    Herzliche Grüße,

    Henning

  2. Helga sagt:

    @Henning: Wir haben Flattr schon auf dem Schirm, aber noch keine Entscheidung getroffen. Wer bei PayPal ist, kann uns bereits auf einen „Kaffee einladen”.

  3. Native Speaker sagt:

    Im Übrigen, ist der Begriff „Skirt“ zweideutig, denn es ist zusätzlich eine abwertende Macho-Bezeichnung für eine Frau. Das wäre bei der Übersetzung der Dialoge ziemlich wichtig anzumerken. Dies unterstreicht die Brisanz der dargestellten Problematik.

  4. Sebastian sagt:

    Das ganze Elend, also die Zusammenfassung der Studienergebnisse unter
    http://www.thehavens.co.uk/docs/Havens_Wake_Up_To_Rape_Report_Summary.pdf

    56% der Befragten gaben an, das das Opfer unter gewissen Umständen Verantwortung für die Vergewaltigung übernehmen muss. Unglaublich!

  5. jj sagt:

    Finde die Idee des Clips eigentlich sehr gut, aber ich hatte bei seiner Aussage „she’s asking for it“ nicht das Gefühl, daß es ihm um Sex *gegen* ihren Willen ging, sondern vielmehr um die Aussage, daß ihr Rock nahelege, daß sie an diesem Abend selbst Sex *wolle* und das durch Kleidung zu kommunizieren versucht, was dann den Teil im Laden irgendwie unzusammenhängend wirken ließ.

  6. Rahab, Kanaan sagt:

    jj – ich glaube fast, du hast begriffen, wie absurd die vorstellung ist, eine frau suche sich einen rock mit eingebauter vergewaltigungsgarantie ist. was aber bedeutet das? – ich denke, die annahme des mannes, die frau wolle weil rock kurz (oder lang oder hose) gewaltsam sex (oder etwas anderes) aufgenötigt bekommen, ist das wirklich absurde.
    wir können für diese absurdität aber gern ein anderes wort suchen.

  7. PetraK sagt:

    Hm – ich halte es für absurd, zu glauben, dass vergewaltigende Männer Frauen vergewaltigen, weil sie gedanklich schliessen, dass eine Frau einen kurzen Rock trägt, weil sie vergewaltigt werden will.

    Als ob Vergewaltigungen aufhören würden, wenn der normale Mann über einen kleinen Denkfehler belehrt würde.

    Meines Wissens ist es so, dass so ziemlich alle Untersuchungen ergeben haben, dass vergewaltigende Männer in der Regel – meistens auf Grund früher Traumata, eigener Missbrauchserfahrungen, Gewalterfahrungen etc. – eben nicht „normal“ sind und Sex suchen, sondern die missbrauchte Frau gezielt und brutal demütigen wollen. Und insofern muss man sich doch als Frau auch klar darüber sein, dass das gezielte sexuell aufreizende Bekleiden zwar dem normalen Mann auf kulturelle eindeutige Art signalisiert, dass man vielleicht ganz aufgeschlossen für ein Abenteuer ist, aber nicht unbedingt mit jedem oder diesem Mann.

    Dasselbe Signal aber vom kranken Mann ganz anders empfunden wird – vielleicht zum Beispiel sogar als Demütigung, als etwas, gegen das er sich wehrt etc.

    Abgesehen davon frage ich mich schon, wieso Frauen eigentlich glauben, ein Recht darauf zu haben, überall und immer sexuell stimulierend gekleidet auftreten zu dürfen – das ist ja auch eine Belästigung anderer, nicht anders als ständiges Schreien, aufdringliche Parfüms etc. … in manchen Kontexten vielleicht erwünscht, aber in anderen eben einfach nur unangenehm.

  8. caroona sagt:

    Hallo Petra,

    diese Kampagne zielt ja nun nicht nur gegen potentielle Vergewaltiger sondern steht unter anderem im Zusammenhang mit der Studie zur Frage, wie Menschen Vergewaltigung bewerten. Es ist doch generell für eine Gesellschaft ein Armutszeugnis, wenn ein Übergriff relativiert wird. Das ist, als ob ich jemanden mit dem Auto anfahre und behaupte, der war mir einfach zu langsam und im Weg. Oder wenn ich jemandem eine reinhaue und sage, der hat so nervig geguckt. Oder wenn ich jemandem was klaue und sage, der hat mit seinem Reichtum so unangenehm rumgeprahlt.

    Ich jedenfalls maße mir nicht an, darüber zu urteilen, ob jemand übermäßig aufreizend gekleidet ist. Was ist das für eine Welt, in der ich nachmessen soll, ab welcher Rocklänge ich mich vor die Tür begeben darf, damit da niemand was dran auszusetzen hat? Mir passt auch so einiges nicht, dass Männer mit extremem Übergewicht und Falten wie ein Shar-Pei im Fernsehen noch problemlos präsentabel, Frauen aber ab ein paar Pfund mehr schon nicht mehr zumutbar und zum allgemeinen Mäulerzerreißen freigegeben sind, und dass dieses Ungleichgewicht schon ewig wie selbstverständlich aufrechterhalten wird. Zudem, dass Frauen sich über andere Frauen ereifern _wie_die_aussehen_ und _wie_die_sich_anziehen_, da könnte ich echt heulen über so wenig Solidarität. Besonders angesichts der oben zitierten Umfrageergebnisse.

  9. Helga sagt:

    Dass Vergewaltigungen nicht daherrühren, dass Männer sich nicht beherrschen können, ist schon lange klar und gerade die Ausgangsbasis dieser Kampagnen. Sie richten sich an die Strömungen, die sexuelle Gewalt bagatellisieren und entschuldigen. Vergewaltiger lassen sich durch Gesetze und Strafen schon nicht abschrecken, da werden Kampagnen sie kaum erreichen. Aber diejenigen, die mit dem Finger auf die Opfer zeigen und ihnen Mitschuld geben.

  10. Opa Fritz sagt:

    Es gibt genetische untersuchungen wonach seit der steinzeit etwa 80% aller frauen aber nur 40% aller männer sich fortgepflanzt haben. Der selektionsdruck ist für männer nachweislich höher. Ich glaube daher nicht dass vergewaltigungen nur etwas mit demütigung oder machtausübung zu tun haben; ich denke es geht ganz klar auch um den fortpflanzungstrieb. Der fortpflanzungstrieb ist sehr stark und sollte nicht unterschätzt werden. Männer die sehen dass sie selbst vermurkst sind (geschlagenes kind, an der schule schon gemobbt, etc) und meinen dass sie es wohl im leben niemals auf normalem weg zu einer frau finden könnten versucht sein gewalt anzuwenden. Ginge es schließlich nur um machtausübung, dann erklärt sich nicht warum vermehrt junge frauen im gebährfähigen alter (20-23) vermehrt vergewaltigt werden. Da scheint doch jemant mit gewalt seinen samen streuen zu wollen, sozusagen.

    Daher sollte man IMHO mehr untersuchen ob auch heute noch der selektionsdruck für männer höher ist als für frauen und wie groß der bodensatz der männer ist die keine teilhabe am sexuellen leben bekommen, und wie man das evtl. verbessern kann.

  11. Mel sagt:

    Also, dass Männer Frauen vergewaltigung aufgrund eigener Gewalterfahrungen und Sonstiges in der Kindheit ist mir etwas zu kurz gesprungen. Ich denke es hat auch viel mit dem Gesellschaftsbild der Frau zu tun. Werden Frauen sehr stark als Gegestand zur Befriedigung angesehen, als Sache, welche einem zur Verfügung steht, dann steigt auch die Gefahr von Vergewaltigngen… oder mindestens die Gefahr der Bagatellisierung von Vergewaltigungen.
    Es ist nicht nötig, zu diskutieren, dass es absurd ist jemand wolle vergewaltigt werden. Ähnlich absurd, wie zu behaupten, die Frau, die nachts noch auf der Straße ist, würde vergewaltigt werden wollen. Oder die Frau, die dem Mann Widerworte gibt, um geprügelt zu werden.
    Wieso soll ich mich kontrollieren? Ich werde in Versuchung geführt. Der Teufel im Gewand der Frau. Eva hat den Apfel geplückt und Adam aufgefordert, hineinzubeißen blablabla…
    Ähnlich wie in es in manchen Kulturkreisen heisst, dass, wenn die Beziehung/Ehe auseinandergeht, die Frau die Schuld dafür trägt. Wär‘ sie eine richtige Frau gewesen blablabla…
    Er hätte sie nicht betrogen, wenn sie seine Wünsche im Bett befriedigt hätte. Er kann ja nichts dafür, er ist das Opfer blablabla…
    Schonmal auf die Idee gekommen nicht in den Apfel zu beißen, Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen?
    Nichts als Ausreden

  12. Mel sagt:

    >>Also, dass Männer Frauen vergewaltigen aufgrund eigener Gewalterfahrungen und Sonstigem in der Kindheit ist mir etwas zu kurz gesprungen,<<

    sollte das heißen

  13. elektrosmog sagt:

    OT
    Der Rock :O der Akzent :O

  14. Stephanie sagt:

    @Opa Fritz
    Bingo!

    @PetraK
    Ich find Ohren so geil! Alle Menschen sollten also in der Öffentlichkeit ihre Ohren bedecken. Sandalen sind auch out – Fußfetischismus auf dem Vormarsch. Männer find ich überhaupt nicht erotisch – sollen die doch nackig rumlaufen.
    /ironie-aus

    Abgesehen davon frage ich mich schon, wieso Frauen eigentlich glauben, ein Recht darauf zu haben, überall und immer sexuell stimulierend gekleidet auftreten zu dürfen – das ist ja auch eine Belästigung anderer, nicht anders als ständiges Schreien, aufdringliche Parfüms etc. … in manchen Kontexten vielleicht erwünscht, aber in anderen eben einfach nur unangenehm.

    Wenn Dir die Aussage allein nicht sexistisch vorkommt, denk doch bitte wenigstens über die Praktikabilität nach.

  15. E. sagt:

    @Stephanie
    word, aus tiefstem Herzen!

  16. DrNI sagt:

    Diesen Werbespot finde ich bizarr und nicht unbedingt einleuchtend. Als Mann fallen mir natürlich auch entsprechend (wenig) gekleidete Damen im Alltag auf eine andere Art auf als anders gekleidete. Manchmal ist es fast, als wollten sie Blicke und Gedanken von ihrem schlichten Gemüt vornherein auf anderes ablenken. Aber rechtfertigen tut das natürlich überhaupt gar nichts.

    Eine hier nicht diskutierte Frage wäre, ob vergewaltigende Männer sich überhaupt so sehr um die Kleidung ihrer Opfer scheren. Menschen mit psychischen Störungen können oft ganz anders ticken als uns „Normalos“ verständlich zu machen ist.

    Evolutionsbiologische Erklärungsmodelle wie das von Opa Fritz angesprochene halte ich mittlerweile für überstrapaziert.

  17. Miriam sagt:

    Ich habe so ein bisschen das Gefühl, hier wird irgendwie angenommen, dass Vergewaltiger immer diese kranken Typen sind, die hinterm Busch auf ein leichte bekleidete Frau warten um über sie herzufallen.

    Die meisten Vergewaltigungen geschehen jedoch aus anfänglich einvernehmlichen Situationen heraus, weil der Mann das Nein der Frau nicht akzeptiert. Wer kennt nicht den Spruch „Eine Frau meint eigentlich Ja, wenn sie Nein sagt.“?

    Also nichts mit dem großen Unbekannten, der im Dunkeln auflauert, sondern eher die Diskobekanntschaft, die einen im Auto nach Hause bringt und dafür eine „Gegenleistung“ erwartet.