Mythos Jungfernhäutchen

von Verena

Den ‚Verlust‘ ihrer Jungfräulichkeit wollte Pornodarstellerin Nikki Blue zum richtigen Happening machen: Mit eingebauter Hymen-Cam und Zuschauervoting, welchem von drei Herren die Aufgabe des Entjungferungs-Jobs zufallen sollte. Bisher hatte die 21-Jährige ausschließlich anal und oral agiert. Diese Fokussierung auf das vermeintlich heilige Jungferhäutchen veranlasste jezebel, eine Diskussion über weibliche Jungfräulichkeit und Hymen-Mythen anzustoßen. Und siehe da, die Webseite kink.com, die das ‚Deflorier-Happening‘ initierte, reagierte prompt mit der Entschuldigung, man habe Nikki Blues persönliches Empfinden vaginaler Jungfräulichkeit keinesfalls als moralische Norm verkaufen wollen. Entschuldigung angenommen und nun sind alle glücklich.

In dem Zusammenhang sei auch der Artikel von Mithu Sanyal auf EMMA Online empfohlen. Der ist zwar nicht ganz neu, aber die Gerüchte über den symbolischen Gehalt des Jungfernhäutchen halten sich ja auch hartnäckig.

Hypochondrische Männer jetzt bitte nicht weiter lesen: Wie die kanadische National Post berichtet, haben holländische Forscher herausgefunden, dass das eigene Sperma die Ursache für das post orgasmic illness syndrome (POIS) sein soll. Das was? Seit 2002 gibt es diesen Namen für fiebrige Symptome, die Männer nach der Ejakulation zeigen, wie laufende Nase, brennende Augen oder extreme Müdigkeit. Extreme Müdigkeit? Soso… Behandlungen sind möglich, aber langwierig – wollen ja auch was zu tun haben, die Ärzte.

Zum Kopfschütteln: Wer einer Frau, die keine Sexarbeiterin ist, Geld für Sex anbietet, macht sich wegen Beleidigung strafbar. Wer eine Frau gegen ihren Willen auf den Hals küsst, hat aber nichts zu befürchten: „Nach ständiger Rechtsprechung auch des Bundesgerichtshofs sei in einer solchen sexuell gefärbten Zudringlichkeit allein keine Kundgabe einer Herabsetzung oder Geringschätzung der Person“, schreibt die Kanzlei Dr. Bahr.

Mit dem Mythos, die Generation der 20 bis 30-jährigen Frauen seien sowas von pornoaffin, räumt Tracy Clark-Flory auf salon.com auf. Aus ihrem Umfeld scheinen die wenigsten Frauen Pornos zu konsumieren und die Männer, die gäben ihre Pornovorliebe zwar bereitwillig zu, nur über Einzelheiten wollen sie anscheinend nicht reden. Komische Sache, oder alles beim Alten?!




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 20. Januar 2011 um 10:24 Uhr unter Körper, Sex_ualität. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. Atrocity sagt:

    Das mit dem pornoaffin ist immer eine Frage des Umfelds. Es gibt auch Männer die nie zugeben würden das sie abunzu Pornos ansehen.
    In meinem engeren Freundeskreis gibt es das nicht. Es fällt mir aber Spontan auch nur eine Bekannte ein die sich nie Pornos ansieht. Was ich sagen will ist: In nem lockeren Freundeskreis ist die Quote einfach höher. Oder die Menschen geben es eher zu. Und das unabhängig vom Geschlecht.

  2. Flusskiesel sagt:

    Zum BGH-Urteil:
    Ich bin jetzt zu faul dazu, dass Urteil durchzulesen, aber mir ist schleierhaft, wie man überhaupt darauf kommen kann, dass der Versuch, jemand anderen gegen seinen Willen irgendwo zu küssen, eine _Beileidigung_ darstellt!
    Das ist sexuelle Belästigung! Ein anderer Paragraph im StGB!
    Da hat möglicherweise der Anwalt der Klägerin Mist gebaut (Vermutung meinerseits).

  3. stephen sagt:

    Heillige Sch***e! Das soll jetzt nicht obzön klingen und ich will auch nicht trollen, aber danke! Das mit dem Syndrom ist echt interessant! Ich hab das mit den brennenden Augen. Bin schon länger alleinstehend, dementsprechend muss ich mir selbst helfen, wenn ich Lust habe. Da bietet sich das Internet wunderbar an und ich rauche viel in meinem Arbeitszimmer. Ich dachte dann immer ich blinzle zu wenig und krieg Rauch inne Augen, wenn ich mir Pornographie aufem Rechner anschaue und hab deshalb danach brennende Augen! xD

  4. Theresa sagt:

    Über Einzelheiten der „betroffenen“ Männer ist jetzt einiges recht detailliert im recht neuen Roman „Pornos machen traurig“ von Peter Redvoort zu lesen!

    Theresa

  5. Karoline sagt:

    An Theresa: danke für diesen Buchtipp – das ist wirklich ein tolles Buch – habs meinem Freund geschenkt ( …“ naja, einiges stimmt wirklich .“…) und es auch selbst gelesen – aufschlussreich!

    Karo

  6. *lach* Ich habe mich ja immer gewundert, wo dieses dumme Ding von Jungfernhäutchen ist bzw. war. Wieso ich davon nie was mitgekriegt habe, wenn ich masturbiert habe. Komisch, komisch… ;) Insofern stimmt der Emma-Artikel mit meiner Erfahrung überein.

  7. […] Heute gibt es Frauenpornos wie die von Liandra Dahl oder Tristan Taormino. Außerdem gibt es Fetisch-Pornoanbieter, die auf Beschwerden reflektiert reagieren (via Mädchenmannschaft). […]