Mutige Mädchen in Afghanistan

von Meredith

 Vor etwa zwei Monaten verübten meist unbekannte Täter ein Attentat auf 14 Schülerinnen und Lehrerinnen der Mirwais-Mädchenschule im afghanischen Kandahar. Eine Gruppe von Männern auf Motorrädern fuhr eines Morgens in Kreisen um die Schule herum. Wahllos hielten sie die jungen Frauen an, fragten sie, ob sie zur Schule gingen. Antwortete eine mit „Ja“, wurde sie mit Säure bespritzt.

Es ist noch nicht lange her, da durften Mädchen in Afghanistan nicht zur Schule gehen. Und seitdem die Taliban im Süden Afghanistans immer mehr Macht übernehmen, wächst der Druck wieder. Die New York Times berichtet, dass in Moscheen Plakate aufgehängt werden, die Eltern dazu ermahnen, ihre Töchter nicht zur Schule zu schicken.

Die brutale Attacke, die Mädchen und Frauen schwer verletzt und entstellt zurück ließ diente ganz klar der Einschüchterung. Es war ein brutaler Versuch, die Zeit im Land zurück zu drehen. Doch laut der NYT-Reportage lassen sich die Mädchen nicht beirren:

“My parents told me to keep coming to school even if I am killed,” said Shamsia, 17, in a moment after class. Shamsia’s mother, like nearly all of the adult women in the area, is unable to read or write. “The people who did this to me don’t want women to be educated. They want us to be stupid things.”

Shamsia ist eines der Opfer: Ihr ganzes Gesicht ist von Narben entstellt und auf einem ihrer Augen sieht sie nur noch verschwommen. Die Hoffnung, dass sie jemals operiert werden kann, ist auf Grund ihrer Armut schwindend gering. So verstörend die Entwicklung in Afghanistan ist, so unfassbar wütend die Nachricht macht, mit welcher Verachtung hier Frauen zum Teil behandelt werden – so viel Hoffnung gibt auch der Widerstand, den diese Mädchen, ihre Eltern und ihre Schulleitung leisten.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 14. Januar 2009 um 12:56 Uhr unter Gewalt, Inspiration. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. nitro sagt:

    Kompliment an den Mut der angegriffenen und verletzten Mädchen. Dieser Mut birgt sehr viel Hoffnung in sich.
    Nach mehreren ISAF-Einsätzen im Norden Afghanistans kann ich die Situation im Süden des Landes nicht realistisch einschätzen, somit will ich hier keine Spekulationen verbreiten.
    ABER die Umstände in den Nordprovinzen kenne ich recht genau. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, den Aufbau einer Dorfschule koordinieren zu dürfen. Die Freunde und der Wille der Mädchen und Jungs war ergreifend. Der Augenblick, als die Kinder mit der Lehrerin und dem Dorfältesten in den Unterrichtsraum eingezogen sind, hat weiche Knie verursacht.
    Was heißt das für uns Bundeswehrsoldaten ? In allererster Linie muss klar und deutlich gesagt werden: wir führen dort in Nordafghanistan KEINEN Krieg. ISAF ist Stabilisierungs- und Aufbauarbeit. – Stabilisierungs- und Aufbauarbeit nach afghanischen Kulturverständnis, niemand möchte dort im mittleren Osten eine Staatsform westlicher Prägung schaffen. Auch wenn kriminelle und terroristische Kräfte diese Arbeit mit militär-ähnlichen Aktionen zu stören suchen und ISAF sich dagegen schützt und wehrt, macht es daraus noch lange keinen Krieg. Bitte glaubt in dieser Beziehung der Medienlandschaft oder Politikern nur sehr eingeschränkt. Ein Krieg GEGEN die afghanische Bevölkerung wäre auch gar nicht zu realisieren. Die Gewaltaktionen werden häufig von internationalen Gruppierungen begangen und nehmen Opfer unter der afghanischen Bevölkerung bewusst in Kauf. Der oben angeführte Artikel ist ein Beispiel dafür.
    Ein Weg ( von vielen) , der Gewalt gegen Mächen und Frauen in Afghanistan entgegen zu treten, ist es, das Image des ISAF-Einsatzes positiver zu bewerten. Nur so haben Soldaten auch den heimatlichen Rückhalt, um weiter ein halbwegs sicheres ISAF-Umfeld für Hilfemaßnahmen gewährleisten zu können.

    PS: Ich bin gerne bereit, zu diesem Thema einen Powerpoint-unterstützten Vortrag zu halten. Bei Interesse bitte Kontakt über diese e-mail-Adresse herstellen.

  2. Lini sagt:

    @Nitro: Klasse, dass du dich hier zu Wort gemeldet hast. Dein Beitrag ist für mich absolut interessant, da ich mich noch nie mit jemandem unterhalten konnte, der in Afghanistan war

  3. nitro sagt:

    @Lini: Herzlichen Dank für Dein Kompliment. Ich muss allerdings gestehen, dass dieses Thema derart vielschichtig ist, dass man es schwer in kurzen Kommentaren korrekt darstellen kann.
    Ich wiederhole mich, wenn ich sage: der überwiegende Teil der Medien und der Politiker vollführt leider eine unkorrekte Vereinfachung. So wird deren Berichterstattung der Afghanistan-Situation in keinerlei Weise gerecht und stärkt letztendlich denjenigen Kräften den Rücken, die Frauen und Mädchen gewaltsam unterdrücken.

  4. Miriam sagt:

    Wenn ich mich recht erinnere, dann hat auch Bundeswehrverbandschef Gertz im September behauptet, dass sich die Bundeswehr „in einem Krieg gegen einen zu allem entschlossenen, fanatischen Gegner“ befinde. Also nicht nur Medien und Politiker, sondern auch Leute vom Fach schätzen die Lage so ein.

    Hat mich damals irritiert und finde ich noch immer eine überzogene Behauptung, eben weil ISAF Stabilisierungs- und Aufbauarbeit leistet. Wie wird das denn allgemein unter deinen Kollegen so eingeschätzt, Nitro?

  5. nitro sagt:

    @miriam: Oberst Gertz ist zu dem Zeitpunkt der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, also einer Art „Gewerkschaft“ für Soldaten, gewesen. Seine Afghanistan-Aufenthalte beschränken sich auf wenige Tage, vielleicht Wochen. Mit der Wortwahl „Krieg“ verfolgte er anscheinend verbandspolitische Interessen, um Rahmenbedingungen für Soldaten, vielleicht speziell für verletzte Soldaten zu schaffen.
    Aber der Begriff „Krieg“ ist zu simpel, zu oberflächlich gewählt, wenn mann ISAF-Interessen vertritt. Wir haben mitunter kriegsähnliche Zustände, ich gebe das zu. Diese Zustände resultieren aus dem Auftrag, ein sicheres Umfeld für die Aufbauarbeit (sehr oft rein zivil !) zu schaffen. Die Akzeptanz in der afghanischen Bevölkerung liegt geschätzt bei 60%. Das ist nicht viel, ich weiß. Dennoch führt ISAF keinen Krieg, wir hätten noch nicht einmal das parlamentarische Mandat dazu.