Münster: Raise your voice – your body, your choice!

von Viruletta

Alle Jahre wieder mobilisieren rechts­­kon­ser­vative, christ­liche Fundamentalist­*innen zu einem Schweigemarsch unter dem Namen „1000 Kreuze für das Leben“. Und alle Jahre wieder finden sich tolle, feministische Gegendemonstrant*innen zusammen, um den reaktionären, menschenverachtenden Abtreibungsgegner*innen (die sich ironischerweise selbst als „Lebensschützer*innen“ bezeichnen) etwas entgegenzusetzen. Das bekannteste Beispiel dürfte Berlin sein, aber auch in Münster wird in diesem Jahr schon zum wiederholten Mal dagegen protestiert. Im Vorfeld findet bereits eine Mobilisierungstour statt.

Die Demo beginnt am 09.03.2013 um 11 Uhr am Bremer Platz in Münster

Jede dritte Frau* weltweit lässt einmal in ihrem Leben eine Abtreibung durchführen, etwa 70.000 von ihnen sterben jedes Jahr an einem verpfuschten illegalisierten Schwangerschaftsabbruch. Den selbsternannten Lebensschützer*innen geht es also keinesweg um den Schutz von Menschenleben, sondern primär um den Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht von Frauen* und anderen Personen, die schwanger werden können. Auf einem Flyer, der auf der Homepage des Bündnisses zum Download bereit steht, ist dieser Punkt nochmal genauer ausgeführt:

Die Idee, dass man ungewollt schwangere Frauen mit voller moralischer Legitimation dazu zwingen könnte, körperliche Eingriffe zu unterlassen und sie in den Dienst der ‚Lebensrettung‘ eines Fötus zu stellen, basiert auf sexistischen, tradierten Vorstellungen eines Zugriffsrechtes der Gemeinschaft auf den Körper von Frauen und ihrer Reproduktionsfähigkeit. Nur schwerlich käme hingegen jemand auf die Idee, in anderen Bereichen, bei denen die Lebenserhaltung eines Individuums tatsächlich gegeben ist, ein derartiges Zugriffsrecht zu propagieren und Personen zu Eingriffen in ihren Körper – wie beispielsweise Blut-, Nieren- und Knochenmarksspende – zwingen zu wollen.

Abtreibungen sind in Deutschland bis heute illegalisiert, wenn auch unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Ein Grund mehr, am 09. März in Münster für ein selbstbestimmtes Leben und eine herrschaftsfreie Gesellschaft auf die Straße zu gehen. Der vordere Teil der Demonstration soll übrigens als reiner Frau­en­Les­benIn­ter­Trans*-​Block gestaltet werden – Männer* dürfen sich aber gerne in den hinteren Reihen solidarisch zeigen. Und wer vorher an der Mobilisierungstour teilnehmen will, kann das hier tun:

04.​02.​2013 19h Dort­mund im Ta­ran­ta Babu
07.​02.​2013 20h Düs­sel­dorf im Lin­ken Zen­trum
14.​02.​2013 18:30h Ol­den­burg im Al­ham­bra
22.​02.​2013 Wit­ten im Trotz Allem
evtl. 23.​02.​2013 Ber­lin
27.​02.​2013 Mül­heim im AZ Mül­heim




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 6. Februar 2013 um 13:00 Uhr unter Aktivismus, Religion. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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3 Kommentare

  1. Michi sagt:

    „Der vordere Teil der Demonstration soll übrigens als reiner Frau­en­Les­benIn­ter­Trans*-​Block gestaltet werden – Männer* dürfen sich aber gerne in den hinteren Reihen solidarisch zeigen.“ – gibt es da einen besonderen Grund für? Ich finde das etwas schade…

  2. Magda sagt:

    @ Michi

    Ja, es gibt einen Grund dafür, dass es auf Demonstrationen FLTI-Blocks gibt: weil viele Demos cis-männlich dominiert sind und mit solch einem Block zum einen Sichtbarkeit für FrauenLesbenInterTrans* und zum anderen ein Safer Spaces („sicherer Ort“) geschaffen wird. Solch ein Block ist eine Idee, um bestimmte gesellschaftliche Dominanzen aufzubrechen.

  3. Zu dem Block zwei Anmerkungen:

    – also es dürfen da nur CisMänner nicht mitlaufen, Transmännlichkeiten sind schon willkommen. Wobei die genaue Blockpolitik auf den Veranstaltungen zu erfahren ist.

    – desweiteren ist der Block kein safer space, sondern eine bewusste politische Aneignung eines Raums, der wie du sagst Magda, häufig cis*männlich dominiert ist.

    Wir haben vom Bündnis in unserem Aufruf auch erklärt, warum wir einen geschlossenen Block vorne (nur vorne!) wollen:

    „Das Ab­spre­chen der re­pro­duk­ti­ven Selbst­be­stim­mung durch die Kreuz­züg­ler*innen rich­tet sich vor allem gegen Frau­en, da meist sie die­je­ni­gen sind über deren Kör­per ent­schie­den wer­den soll, wenn es um Schwan­ger­schafts­ab­brü­che geht. Wir möch­ten keine De­mons­tra­ti­on in der Män­ner für Frau­en spre­chen und de­mons­trie­ren, son­dern eine, in der Män­ner so­li­da­risch mit Frau­en auf die Stra­ße gehen. Des­we­gen haben wir uns ent­schlos­sen die ers­ten Rei­hen/den vor­de­ren Teil der De­mons­tra­ti­on als rei­nen Frau­en­Les­benIn­ter­Trans*-​Block zu ge­stal­ten. Warum kein rei­ner Frau­en­block, son­dern auch In­ter-​ und Trans*-​Leu­te? Weil diese so­wohl im Welt­bild christ­li­cher Fun­da­men­ta­list*innen als auch in der Wahr­neh­mung von der Mehr­heit der Ge­sell­schaft nicht mal exis­tie­ren, sie wer­den mar­gi­na­li­siert, zwangs­the­ra­piert und teil­wei­se sogar zwangs­ope­riert um das „har­mo­ni­sche“ der Zwei­ge­schlecht­lich­keit nicht zu ge­fähr­den. Auch da­ge­gen möch­ten wir mit die­ser De­mons­tra­ti­on vor­ge­hen und hal­ten es für sinn­voll diese The­ma­tik auch durch einen ent­schlos­se­nen vor­de­ren FLIT*-​Block sicht­bar zu ma­chen.“