mostra le tette

von Verena

Reden wir doch mal über Brüste. Überall lauern einem diese Dinger auf – in der Werbung, im Fernsehen und erst recht im Internet. Brüste zeigen sich dort zunehmend unverhüllt, kosmetisch überarbeitet und zu Gelegenheiten, bei denen wir diese Zuschaustellung nicht wirklich nachvollziehen können.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Erst letzte Woche musste ich mir eine erblondete Mona Lisa mit prallem Silikon-Dekolletee antun. Eine Bildmontage, klar. Aber vielleicht käme ein moderner Leonardo da Vinci gar nicht mehr auf die Idee, nach einem geheimnisvollen Lächeln Ausschau zu halten, wenn es ein „mostra le tette“ auch täte.

Oder wie Hugh Hefner sagen würde: „Show your tits“. Für eine der kommenden Ausgaben sucht der Playboy weibliche Bankangestellte und Brokerinnen. Busencasting unter dem Motto „Women of Wallstreet“. In der aktuellen Finanzkrise scheinen Nippel die bessere Wertanlage zu sein. Jedenfalls bekommt der Aktienschlachtruf „Verkaufen“ hier noch mal eine ganz neue Bedeutung. Dabei habe ich gar nichts gegen den Playboy – ehrlich nicht!

Ich frage mich nur, wann wir mal unsere Brüste zeigen können, ohne darauf reduziert zu werden. Oder ist jedes Blankziehen wie ein Miss-Wet-Shirt Wettbewerb, in dem das Hirn mit dem Eimer Wasser ausgekippt wird? Abgesehen von den notwendigen S-Situationen – Strip, Sex, Strand – wann führen nackte Brüste nicht ins sexistische Krisengebiet?

Bei Ann Liv Young zum Beispiel. Die amerikanische Choreografin stampft, tanzt und hüpft sich durch ihre Karaoke-Perfomances. Oft komplett nackt. Dabei findet sie es schön, „nackte Frauen tanzen zu sehen, man sieht wie sich ihre Körper bewegen, wie ihre Brüste wackeln und die Fettpolster schwabbeln.“ Und bei arte, wo es letzte Woche einen Beitrag über Young zu sehen gab heißt es:

Mit ihren krassen Shows ist Ann-Liv Young inzwischen eine der bekanntesten Performance-Künstlerinnen weltweit, und das mit 27 Jahren. Weil sie typisch weibliche Themen aggressiv und schamlos umsetzt, gilt sie als Bühnen-Riot-Girl. […] Mit ihrer Haudrauf-Performance geht es Ann-Liv Young um ein persönliches, künstlerisches Statement zum Feminismus.

Wow, wippende Nippel und niemand im Publikum, der es als weibliche Anbiederung sieht. Ähnliches passiert, wenn das weibliche HipHopDuo „Yo Majesty“ die Bühnen entert. Jwl. B zerrt sich nämlich mit Vorliebe das T-Shirt vom voluminösen Körper. Ein bei männlichen Rappern standardisiertes Verhalten – so what?!

Denn dann geht es plötzlich auch um Freiheit. Die Freiheit, seine Weiblichkeit zu zeigen, ohne in die Lüsternmachmasche zu stolpern. Sie sind nun mal da unsere Brüste und statt sie immer nur zu ihrem Nachteil als sexy Aushängesymbol für Duschcreme, Fernreisen oder Schinkensemmeln zu missbrauchen, wäre ihre Anerkennung als  neutraler Bestandteil intelligenter Frauen für alle Beteiligten von Vorteil. Aus dem „Show your tits“ wird ein dominantes „Look at my tits“ als Verweigerung des männlichen Machtzugriffs und als stolzes Statement der eigenen Weiblichkeit.






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9 Kommentare

  1. jj sagt:

    Verena,

    „Ich frage mich nur, wann wir mal unsere Brüste zeigen können, ohne darauf reduziert zu werden.“

    Z.B. noch ein „S“ – Sauna.

    „wäre ihre Anerkennung als neutraler Bestandteil intelligenter Frauen für alle Beteiligten von Vorteil. Aus dem „Show your tits“ wird ein dominantes „Look at my tits“ als Verweigerung des männlichen Machtzugriffs und als stolzes Statement der eigenen Weiblichkeit.“

    Ich würde ja wirklich gerne mal dieses dauernde „männlicher Machtzugriff“ verstehen.

    Ich glaube ja, daß das so empfunden wird, aber ich kann es schlecht nicht nachvollziehen, so wie Frauen es vermutlich nicht nachvollziehen könnenm, wie sehr Brüste aus meiner Sicht auch ein weiblicher (oder instrumentalisierter) Machtzugriff auf das männliche Bewußtsein sind.

    Ich bin der letzte, der behauptet, daß Männer sich nicht kontrollieren können, wenn sie ein nettes Paar sehen, wir sind schließlich mit einem Großhirn ausgestattet. Aber wir nehmen das Paar definitiv wahr, und es zugunsten anderer Dinge wieder aus dem Bewußtsein zu verbannen erfordert definitiv kognitive Eigenleistung.

    Btw, das Selbstverständnis von „look at my tits“ kann nicht von außen kommen, denn wie eine Entäußerung wahrgenommen wird, liegt nicht mehr in der Kontrolle des Autors. Aber ich glaube, daß da schon was dran ist – Männer lieben zwar anatomisch/sexuell selbstbewußte oder sogar aggressive Frauen, aber sie haben oft auch Angst vor ihnen, ist halt schon ein wenig außerhalb der geltenden Norm.

    Interessantes Thema!

  2. Verena sagt:

    Stimmt, die Sauna hatte ich vergessen :)

    Und was den männlichen Machtzugriff betrifft: Ich bin sicher, da gibt es bücherweise Abhandlungen zu, aber was ich meine ist, wenn Frauen, die durch ihr Lächeln = Mona Lisa oder berufliches Know-how = Brokerinen auffallen, doch immer wieder auf ihre Brüste reduziert werden, und dass das in vielen Fällen nun mal unter männlicher Teilhabe geschieht.
    Und dass dieser gängigen Definitionsmacht halt mal ein paar wilde Mädchen entgegen gesetzt werden müssen, die ihre Brüste aus kompletter Eigeninitiative und nicht zum Wohlwollen der Männer zeigen.

  3. Rabenmutter sagt:

    Verena, ich hab noch eine S-Situation: Stillen.
    Dann allerdings meist solo und nicht voll sichtbar.

    Außer den Künstlerinnen fallen mir noch Politaktivistinnen ein – es gibt auch oben-ohne Demos, so nach dem Motto „mein letztes Hemd ist weg“.
    ———————
    Ich hatte mir mal eine Aktion überlegt, für die ich dann aber zuwenig Mut hatte:
    In meiner Stadt gibt es im Sommer immer so einen künstlichen Strand, so ähnlich wie „Paris plage“, nur eben nicht in Paris.
    Da gibt es alle möglichen Belustigungen und eben auch die Gelegenheit zum Sonnenbaden.

    Der Bürgermeister hat sich nicht entblödet, dann einen Appell loszulassen – die Frauen sollten sich bitte gesittet kleiden, sonst könnten sich Teile der Bevölkerung gekränkt fühlen. Und er dachte vermutlich nicht an katholische Priester.

    Wir haben dann mit ein paar Frauen überlegt, uns in Burka-Kopftuch aber unterhalb der Schulter bis zur Hüfte nackt an den Strand zu legen, und dem Bürgermeister ein paar Fotos zu schicken.
    Aber da wir dann alle in Urlaub fuhren, verlief die Aktion leider im Sand.

  4. Thomas sagt:

    Also ich müsste lügen um nicht zu sagen daß ich den Anblick weiblicher Brüste ästhetisch finde.

    Allerdings unter dem Aspekt der „Macht“ habe ich das noch nie betrachtet.

    Es gibt eine Menge Gelegenheiten, da finde ich es äußerst unpassend und ich fühle mich veräppelt wenn man glaubt ich kaufe einen Elektroartikel wg. nackter Haut. Das kann man sich sparen.

    Es gab sicherlich auch schon politische Aktivitäten da wurde das Entblößen als Provokation eingesetzt.

    Eine Frau die am Strand liegt möchte sich in Ruhe frei sonnen, da ist die Annahme der Animation m.E. eine deutliche Fehlinterpretation und könnte Ärger geben.
    Aber mit normaler Kommunikation wo man hauptsächlich sich gegenseitig ins Gesicht schaut kann Fehlinterpretationen vermeiden helfen und u.U. zu einem netten Gespräch führen.

    Mir sagte mal eine Frau in der Sauna, sie gehe in keine Frauensauna weil dieses abtaxierende und vergleichende Schauen anderer Frauen sie störe. Dann lieber einen gelegentlichen männlichen Blick. Na ja, da war ich aber etwas überrascht als ich das hörte. Auf jeden Fall befreite es mich von Schuldgefühlen.

    Wenn sich eine Frau, so habe ich den Eindruck bekommen, wohl fühlt gewährt sie einem auch schon mal einen netten „Einblick“ und amüsiert sich über ein irritiertes männliches Verhalten, glaube ich beobachtet zu haben. Ist ja auch ein nettes und liebes Spiel wobei auch da dann der Blickkontaktschwerpunkt im Gesicht liegen sollte.

    Aber wie gesagt, der „Machtaspekt“? Da war ich für mein Empfinden jetzt etwas irritiert. Ich schließe jetzt vielleicht von mir selbst auf auf Andere. Habt Ihr da schon mal einen „Machtaspekt“ bei Männern irgendwie erlebt?

    Die Mädels in Fernsehbeiträgen mit Hugh Hefner finde ich etwas panne. Die wirken wirklich nur auf das Äußerliche reduziert und das ist m.E. so anregend wie eine Schaufensterpuppe.

    Wollte mich lesenderweise zurückhalten, aber der Machtgedanke hat mich animiert doch etwas zu schreiben. Ziehe mich jetzt vielleicht besser zurück weils wohl eher ein Frauentopic ist.

  5. Roboter2000 sagt:

    Ich hab manchmal den Eindruck, dass da viel „der Reiz des Verbotenen“ mit im Spiel ist.

    In unserem Kulturkreis gehört die weibliche Brust zum Schambereich. Daher erhitzt die Darstellung einer entblößten Brust die Gemüter auf mehrfachem Wege.

    Die einen fühlen sich erotisiert, die anderen provoziert.

    Es ist schon komisch, denn z.B. in der Saune, am FKK oder so ist das gar kein Thema. Da fühlt sich keiner provoziert.

    Das Problem ist halt, dass der Brust etwas sexuelles zugeschrieben wird und die Darstellung häufig in einem sexuellen Rahmen passiert.

    Würde man die weibliche Brust als normales Körperteil sehen, wie z.B. eine Männerbrust, dann bräuchten wir uns über sowas gar keine Gedanken zu machen.

    Ich frage mich grade woher diese sexualisierung/mystifizierung eigentlich kommt?

  6. bikibikifrau sagt:

    zur frage der „macht“: es geht um subtile „macht“. eine frau kann z.b. nicht einfach ihren kleinen finger als sexobjekt umdefinieren, so das männer im allgemeinen darauf abfahren.

  7. jj sagt:

    bikibikifrau

    „zur frage der “macht”: es geht um subtile “macht”. eine frau kann z.b. nicht einfach ihren kleinen finger als sexobjekt umdefinieren, so das männer im allgemeinen darauf abfahren.“

    Schon klar. Aber wenn die männliche Welt dann gerne kleine Finger sehen würde, würden wir wohl eine Diskussion darüber führen, warum Frauen angeblich immer auf ihre kleinen Finger reduziert werden… Zwischen Menschen, die sich geschlechtlich bedingt, sexuell anziehend finden, sind Körperteile nun mal Teil der „Kommunikation“ – und nicht selten der Auftakt -, ob sie (Frauen und Männer) das wollen oder nicht.

  8. Peter sagt:

    Ich frage mich grade woher diese sexualisierung/mystifizierung eigentlich kommt?

    Ich tippe mal auf einen religiösen Ursprung. In anderen Kulturkreisen hat die weibliche Brust ja bei weitem nicht den überhöhten Stellenwert wie hierzulande. Weswegen dort „oben ohne“ bei Frauen völlig normal ist und bei den Männern genausowenig triggert wie der Anblick des kleinen Fingers.

    Ich frage mich allerdings gerade, ob in dem Beitrag die weibliche Brust nicht bloß ein Platzhalter ist und die eigentliche Aussage die ist: Frauen wollen nicht über ihren Körper als sexuell attraktiv wahrgenommen werden.

    Kann das sein? ;-)

  9. Neeva sagt:

    Peter, nochmal zum mitschreiben. Frauen wollen nicht auf ihre sexuelle Attraktivitaet reduziert werden, wenn es eigentlich um was ganz anderes geht.

    Je nach Bildungsgrad ist naemlich „Du hast aber geile Titten“ bzw. „Du siehst aber suess aus“ auch gern mal ein Satz, der faellt, um die Aussage/den Vorschlag der Frau zu negieren. Das ist ungefaehr die gleiche Schiene wie „Ach, die hat ihre Tage“, wenn eine Frau sich ueber etwas aufregt.
    Statt den Beitrag der Frau anzusprechen, wird ploetzlich ihr Koerper zum Thema gemacht – zu einem Thema, bei dem sie nichts zu sagen hat. Damit wird sie sehr effektiv aus der Diskussion gedraengt, ist poetzlich kein Teilnehmer mehr, sondern das Diskussionsobjekt.

    Die andere Situation, das „Zeig uns die Titten“, kann bei sozial etwas zurueckgebliebenen Maennern vielleicht als Bewunderung gelten, ist aber IMMER auch eine Drohung, eine Erinnerung an die Frau „wo ihr Platz ist“ – naemlich unter dem Mann im Bett. Ich unterstelle freilich, dass die Maenner – und Frauen – die so etwas von sich geben, das nicht so in Worte fassen koennten.

    Beides ist etwas voellig anderes als wenn ein Mann nach gegenseitigem Flirt oder vor dem Sex sagt „Ich will deine Brueste sehen“.

    Ich hoffe, das kann etwas zur Klaerung beitragen. Viele Maenner sind von diesem Thema verunsichert und meinen, sie duerften ueberhaupt keine Komplimente mehr machen, weil das gleich als Belaestigung angesehen wird.
    Faustregel: Wenn du das Kompliment fuer sie machst, und sie sich freut, ist das schoen. Wenn du ein „Kompliment“ machst und es ist ihr unangenem, lass es bleiben. Wenn du dann weitermachst, ist es Belaestigung.