Mit E-Gitarrensolo zum 100. Geburtstag: Wer war… Sister Rosetta Tharpe

von Charlott
Dieser Text ist Teil 47 von 50 der Serie Wer war eigentlich …

Am 20. März 1915 wurde Rosetta Nubin, später bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Sister Rosetta Tharpe, in Arkansas geboren. Ihre Eltern waren beide BaumwollpflückerInnen. Katie Bell Nubin, ihre Mutter, war außerdem involviert in der Church Of God In Christ – als Predigerin und Musikerin. Mit bereits vier Jahren begann sie mit Gitarre und Gesang ebenfalls aufzutreten. Als sie zwei Jahre später mit ihrer Mutter nach Chicago zog, kam sie erstmals neben Gospelmusik mit Blues und Jazz in Berührung. Die nächsten Jahre zogen die beiden weiter durch die USA und sie trat in verschiedenen Kirchen auf.

Mit 23 Jahren, im Jahr 1938, betrat sie erstmal ein Aufnahmestudie, bekam einen Plattenvertrag und avancierte zum Gospelstar, die erste kommerziell erfolgreiche Gospelsängerin in den USA. Im Dezember des gleichen Jahres trat sie im Spirituals to Swing Concert von John Hammond in der Carnegie Hall auf. Das besondere dabei war, dass Gospelmusik – neben Blues und Jazz – einem sekulären Publikum präsentiert wurde, was nicht alle bisherigen Fans Sister Rosetta Tharpe guthießen. Sie nahm 1944 den Song „Strange Things Happening Every Day“ auf, welcher im darauffolgenden Jahr zum Hit wurde und als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Rock’n’Roll gilt. In 1946 sah sie ein Konzert der Sängerin und Musikerin Marie Knight und war sofort absolut begeistert. Sie überzeugte Knight sie auf ihrer Tour zu begleiten und in den kommenden Jahren nahmen beide gemeinsam Songs auf und tourten gemeinsam durch die USA – zwei Musikerinnen allein (meint natürlich ohne Männer) unterwegs, ein durch aus radikaler Schritt. Der Song „Up Above My Head“ erreichte Platz 6 der us-amerikanischen R’n’B-Charts. Nachdem Marie Knights Mutter und zwei Kinder in einem Brand starben, zog sie sich zurück um dann Solo – auch auf anderen musikalischen Wegen – weiterzumachen.

Im Jahr 1951 plante Sister Rosetta Tharpe ihre dritte Hochzeit und es sollte ein Riesenevent werden: Stadium, Konzert, verkaufte Tickets und Aufnahmerechte. Nur ein Bräutigam fehlte noch. Diesen fand sie dann in Russel Morrison. Insgesamt wohnten nicht weniger als 25.000 Menschen dem Ereignis bei und auch ihre Plattenverkäufe wurden kurzfristig angekurbelt, doch dann nahm das Interesse an ihrer Musik erstmal ab. Als Mitte der 1960er der Zuspruch zu Blues-Musik sich verstärkte, tourte sie gemeinsam mit Gruppen wie Muddy Waters als Teil der Blues and Gospel Caravan durch Europa. Auch in den darauffolgenden Jahren trat sie immer wieder in Europa auf.

Sister Rosetta Tharpe starb am 09. Oktober 1973, gerade einmal 58 Jahre alt, an ihrem zweiten Schlaganfall. Zuvor hatte ihr aufgrund einer Diabätis-Erkrankung ein Bein amputiert werden müssen. Und auch wenn sie als wichtiger Einfluss auf Künstler wie Elvis Presley, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis, Bob Dylan und Johnny Cash gilt, war zu ihrer Beerdigung die Kirche gerade mal zur Hälfte gefüllt und sie wurde in einem unmarkierten Grab begraben. Den noch größeren, lang anhaltenden Ruhm haben andere, vornehmlich männliche, weiße Künstler, eingeheimst.

Seit Ende der 1990er/ Anfang der 2000er wird ihr zunehmend die Rolle zugestanden, die sie in der Musikgeschichtsschreibung haben sollte. Im Jahr 1998 gab es in den USA offizielle Gedenk-Briefmarken. Fünf Jahre später nahmen Künstler_innen ein Tributalbum (Shout, Sister, Shout!) auf. 2008 wurde bei einem Konzert Geld gesammelt um im gleichen Jahr endlich einen Grabstein zu setzen. Und im Jahr zuvor war sie in die Blues Hall of Fame aufgenommen wirden – doch bis heute ist sie kein Teil der Rock and Roll Hall of Fame.

Zum Weitergucken gibt es hier die ein-stündige BBC-Dokumentation Sister Rosetta Tharpe. The Godmother Of Rock and Roll:

Zum Weiterlesen:




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Eintrag geschrieben: Freitag, 20. März 2015 um 16:00 Uhr unter Geschichte, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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Ein Kommentar

  1. Markus sagt:

    Wer an ähnlichen Künstlerinnen interesse hat Bessie Smith (The Empress of the Blues) und Big Mama Thornton (http://en.wikipedia.org/wiki/Big_Mama_Thornton#Style). Nicht ganz dazu passt Nina Simone, aber zu viele kennen sie einfach nicht.

    Sorry, wenn der Kommentar doppelt ist ich hab eben die falsche E-Mail ausgewählt (eine Wegwerfadresse, weswegen ich vermute das der vorherige Kommentar vielleicht nicht freigeschaltet wird, jetzt ist eine richtige eingetragen…)