„Marsch für das Leben“ – What the Fuck?

von Magda

Alle Jahre wieder… und nach der Schweinerei, die sich die Deutsche Bahn in diesem Jahr geleistet hat, erst recht:

Hellblauer Hintergrund mit weißer Schrift WHAT THE FUCK

Zum Vergrößern: Klick!

Für den 22. September 2012 mobilisieren rechts­­kon­ser­vative, christ­liche Fundamentalist­_innen wieder zu einem „Marsch für das Leben“ in Berlin und setzen sich damit für ein generelles Verbot von Ab­­trei­bungen ein.

Eine feministische Gegen­demo unter dem Motto „Marsch für das Leben – What the fuck!“ stellt sich den menschen­­ver­ach­tenden Ab­trei­bungs­­gegner­_innen mit Protest­­kund­­gebungen und Ver­­an­stal­tungen zu den Themen christ­licher Fun­da­men­ta­lis­mus, Ab­treibung, Atheis­mus und Re­pro­duk­tions­­tech­no­logien entgegen. Die Vor­­träge und Work­shops be­ginnen bereits heute, am 6. September.

Die Protestkundgebung wird am Samstag, dem 22. September um 12:30 Uhr in der Otto-von-Bismarck-Allee Ecke Willi-Brandt-Straße (Nähe Kanzler_innen-Amt) stattfinden. Danach könnt ihr zu unserer Geburtstagsfeier in die Werkstatt der Kulturen kommen und von der Demo berichten!

Einen Eindruck von der feministischen Gegendemo bekommt ihr im Bericht vom letzten Jahr.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 6. September 2012 um 14:00 Uhr unter Terminkalender. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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14 Kommentare

  1. Maryam sagt:

    Danke für den Link zu den Gegenaktionen. Wichtig etwas gegen die Bevormundungsversuche zu unternehmen. Diese religionsfeindlichen Gebärden („Hätt’ Maria abgetrieben, wär uns das erspart geblieben“), die ich da auf der Seite der feministischen Gegendemo finde, machen es mir als religiösen Menschen wirklich schwer mich (als erklärte Befürworterin des Rechts von Frauen auf Abtreibungen) mitgemeint zu fühlen. Was hat Gottglauben mit der Gegnerschaft zur Abtreibung zu tun? Mir kommt es manchmal vor als würden manche Leute glauben der Atheismus wäre irgendwie eine moralischere „Religion“ als andere.

  2. Ich finde das schwierig. Nicht, dass ihr Abtreibungen unter bestimmten befürwortet. Sondern dass ihr den Gegnern der Abtreibung ihren Raum nicht lasst. Sie verkennen eure Argumente nicht. Und falls doch: zeigt ihnen, dass ihre ihre Argumente versteht. Denn das tut ihr. Beide Fronten argumentieren nämlich mit der Menschenwürde.

  3. E. sagt:

    Ich befürworte Abtreibung nicht unter bestimmten Umständen, sondern befürworte das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper unter jeden Umständen. Da kanns auch Windeln und Fläschchen regnen wenn die Frau abtreiben möchte soll sie das tun dürfen.

  4. Anna-Sarah sagt:

    @Christoph Knappe: Was E. sagt. Keine „bestimmten“ Bedingungen (in deinem Kommentar fehlt ein Wort, ich hoffe, ich habe das jetzt gedanklich korrekt ergänzt?). Immer und grundsätzlich. Allerdings finde ich es wichtig, hier bei der Formulierung zwischen „Abtreibungen befürworten“ und „Recht auf Abtreibung befürworten“ zu unterscheiden – selbst wenn ich persönlich Abtreibung strikt ablehne, kann ich immer noch anderen Menschen das Recht darauf zugestehen. In sofern ist der Ausdruck „Abtreibungsbefürworter_innen“, der häufig in der Debatte auftaucht, bestenfalls verkürzend, eigentlich aber propagandistisch-verfälschend.
    Und den Raum haben die Gegner_innen doch – ihre Veranstaltung ist genehmigt, kann also plangemäß durchgeführt werden und erhält breite Unterstützung. Wem wird denn da Raum genommen? Womit Menschen argumentieren, die mir und anderen Frauen* das Recht auf Integrität und Selbstbestimmung absprechen, ist mir darüber hinaus auch ziemlich egal- ich persönlich möchte keinen Dialog (mehr) führen, sondern ich möchte, dass die damit aufhören und vor allem, dass deren Einfluss auf öffentliche Meinung, Gesetzgebung und medizinische Praxis eingeschränkt wird.

  5. Erna sagt:

    Ich verstehe die Argumente von Nicht-Betroffenen, die Macht über meinen Körper ausüben möchten (oder sich wünschen, dass andere es tun) schon aus Prinzip nicht!
    Jede* kann für sich entscheiden ob sie* selbst abtreiben möchte aber Menschen die mir und anderen verbieten zu wollen diese Entscheidung frei und unbelastet zu treffen verdienen keinen Zentimeter an Raum. Nirgendwo!

    Gestern gesehen und absolut zu empfehlen: „Der lange Arm der Kaiserin“ von Susanne Riegler, ein Dokumentarfilm über die Geschichte der Abtreibung in Österreich.
    http://www.derlangearmderkaiserin.at/

    Auch für Menschen, die sich ein Bild machen möchten welche Konsequenz Abtreibungsverbote wirklich haben.

  6. Danni sagt:

    Ich weiß nicht, ob es hier angebracht ist, die Frage zu stellen, aber beim Lesen ging mir dieser Punkt wieder durch den Kopf: wir haben jetzt ja so eine Art Freiheit bei Abtreibung, mehr als früher in der ehemaligen BRD, weniger als früher in der DDR – richtig? Meint ihr, damit ist es erstmal genug? Oder sollten Frauen wieder kräftiger für absolute Freiheit pushen, für eine Entscheidung ohne jegliche Einmischung, ohne irgendwelche juristischen Verrenkungen à la „straffrei, aber doch nicht gerechtfertigt“ o.ä.?

    Ich finde, es reicht einfach noch nicht. Solange Frauen nicht die völlige Verfügungsgewalt über ihren Körper haben, sind wir immer noch Leibeigene des Staates in irgendeiner Form. Oder auch der Kirchen, denn die einzigen Argumente gegen Abtreibung sind alle religiös motiviert. Medizinisch gibt es keinen vernünftigen Grund, einer Frau eine Abtreibung zu verweigern, egal, wie entwickelt der Fötus ist. Warum sollen wir uns denn nicht der modernen Medizin bedienen, ohne von religiösen Einschränkungen dabei behindert zu werden? Frauen können ja unterschiedlicher Meinung sein, ob sie abtreiben wollen, ab wann sie es nicht mehr tun würden oder unter welchen Umständen, aber das sollte dich unsere alleinige Entscheidung sein, bei der niemand mitzureden hat.

    Der bisher geltende Kompromiss wird vielleicht auch deshalb nicht in Frage gestellt, weil wir alle viel zuviel Angst haben, dass es wieder rückwärts gehen könnte. Und wenn ich mir dann solche Sachen wie diesen Marsch ansehe, dann habe ich das Gefühl, dass die Fundis sozusagen guter Hoffnung sind, die Dinge wieder auf den Stand der 50er oder noch weiter zurückzudrehen.

  7. Jolene sagt:

    Leider wohne ich zu weit von Berlin entfernt, sonst würde ich auf jeden Fall hinfahren! Zu der Gegendemo, versteht sich.

    Pro choice or no choice.

  8. Niklas sagt:

    @Danni
    Hmm, mein vorheriger Kommentar wurde nicht freigeschaltet, dann formuliere ich es mal neu. Also, ich stimme Dir zu, dass man einige Schranken abbauen sollte; bspw. ist ja, wenn ich das richtig in Erinnerung habe so, dass Abtreibung nicht legal ist, sondern der konkrete Paragraph nur außer Kraft? Ferner sollte man vielleicht auf eine gewisse Ausweitung plädieren. Es stimmt allerdings nicht, dass Kontra-Argumente rein religiös sind. Wenn sie das wären, dann dürfte es – rein rechtlich zumindest – das Problem nicht geben, da sich das deutsche Gesetz ja einer Werteneutralität verpflichtet und damit Religion im GG etc. nicht auftauchen darf – also als Legitimation für ein Gesetz. Ich denke, was man sehen muss ist das folgende: Ein Mensch (ich persönlich würde sagen, jedes Tier) hat ein Recht auf Schutz… Dazu gehört auch die Unversehrtheit seines Körpers. Insofern gibt es also keine klar ethische, nicht-religiöse Komponente in dieser Diskussion, bei der sich alles um die Frage zielt, wann ist ein Mensch ein Mensch? Die Bibel sagt, sobald das Kind erst einmal gezeugt ist, dieser Begründung folgt man in Deutschland zurecht nicht… Folgendes Beispiel: Bei sehr späten Abtreibungen (7.-9. Monat) wird häufig ein Medikament zugeführt, um den Herzschlag des Kindes einzustellen und es dann abzutreiben. Das scheint mir schon sehr heftig zu sein. Was ich also sagen will: Natürlich gehört Frauen ihr Körper; die Bio-Politik, die betrieben wird, also das Kolonisieren von Körpern, um sie gewisser Daseins-Formen zu verpflichten, ist definitiv falsch; nur muss man sich eben auch fragen, wer wird benachteiligt, wenn man hier radikale Freiheit durchsetzt? Lebewesen, die sich selbst nicht schützen können: Kinder, die haben ja keine Lobby. Ich will dir gar nicht so sehr widersprechen, sondern vor allem aufzeigen, warum der Diskurs nicht so einfach ist. Es gibt mehr als Religion. Persönlich würde ich argumentieren bis zum einschließlich 6. Monat abzutreiben (ohne Begründung) und danach kann man ein Kind ja nicht mehr im klassischen Sinne abtreiben, sondern es muss so-oder-so ausgetragen werden. Ich denke, dann sollte man als Mutter die Wahl haben, das Kind anzunehmen oder es zur Adoption freizugeben. Das scheint mir eigentlich eine humane Lösung zu sein :)

  9. Janina sagt:

    @Maryam
    Das verstehe ich. Ich selbst bin nicht religiös — nicht zuletzt, weil ich das Predigen von Dogmen in der Tat unmoralischer finde als keine Dogmen zu predigen. Aber mich stören diese Sprüche à la „Hätt’ Maria abgetrieben, wär uns das erspart geblieben“ auch. Abgesehen davon, dass das kein übermäßig lustiger Witz ist, finde ich Witze über das Christentum als solches in diesem Zusammenhang nicht hilfreich. Ich bin durchaus der Meinung, dass es erlaubt ist, Religionen auch mal ins Lächerliche zu ziehen (was die meisten, mit Verlaub, auch immer wieder ganz gut selbst hinkriegen), aber wenn man ein so wichtiges Anliegen hat wie die Selbstbestimmung von Frauen und wenn dieses Anliegen teilweise auch aus christlichen Reihen unterstützt wird (und das wird es ja), dann kann man sich ruhig mal auf das berufen, was einen verbindet, um diesem wichtigen Ziel näherzukommen. Ich finde es auch notwendig, dass die Fundamentalist_inn_en merken, dass sie selbst innerhalb ihrer eigenen Religion nicht unbedingt die Mehrheit repräsentieren und kein besonderes Recht besitzen, öffentlich für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu sprechen. Deshalb freue ich mich besonders über religiöse Menschen (christlich oder sonstwie), die an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Für Grundsatzkritik an Religionen ist an anderer Stelle noch genug Zeit.

    Natürlich werde ich trotzdem zur Gegendemo gehen, wenn ich es irgendwie einrichten kann. :)

  10. Y sagt:

    @Niklas: Äh, ich glaube du meinst 8. -10. Monat in deiner Argumentation. Meinst du wirklich eine Frau, die schon 7 Monate schwangerist und die Kotzerei am Anfang, das Aufspreizen der Rippen, die Verstopfungen, die Kurzatmigkeit, die Müdigkeit, die blöden Fragen zu Kaffee und Tee usw. ertragen hat, entscheided sich dann einfach so mal schnell um und sagt „Nö, jetzt mag ich nicht mehr, jetzt treibe ich ab“.
    Ich glaube, dass sich jede Frau, die abtreibt, egal zu welchen Zeitpunkt extrem viele Gedanken macht über die ganze Sache. Wenn es zu einem so extrem späten Zeitpunkt zu einer Abtreibung kommt, dann wird das auch Gründe haben.
    Das Herz schlägt übrigends bereits ab der 8. Woche.
    Jedes Kind hat ein Recht darauf gewollt zu sein!!

  11. Danni sagt:

    @Niklas Du redest von „Ethik“, bringst aber in Wirklichkeit wieder nur religiös motivierte Begründungen dafür, dass eine Frau nicht ohne jede Einmischung abtreiben können soll. Das sogenannte Kind, das in Wirklichkeit ein Fötus ist, soll nach deiner Auffassung wieder Vorrang haben vor dem Recht der Frau auf die Verfügungsgewalt über ihren Körper. Also, was für eine „klar ethische, nicht-religiöse Komponente“ soll das sein? Es ist doch wieder nur der von den Religiösen frei erfundene „Konflikt“ zwischen dem Recht der Frau und dem Recht eines sogenannten Kindes, das noch nicht einmal existiert. Ich sehe da weder etwas, das „klar“ ist, noch etwas, was frei von Religion ist. Es gibt keine medizinisch oder anderweitig wissenschaftlichen Begründungen für ein Abtreibungsverbot. Es ist schlicht und einfach nur religiöses Geschwafel, mit dem wir Frauen um unser Recht gebracht werden.

  12. Jolene sagt:

    Ein Interview mit einer Beratungsstelle in Berlin:

    http://www.taz.de/Berliner-Familienplanungszentrum/!101849/

  13. […] gingen. Und ebenso Panels zur Mädchenmannschaft selbst und Themen wie dem gestern stattfindenden “Marsch des Lebens” oder dem Slutwalk, der sich in Berlin einiger Kritik ausgesetzt […]