Männliche Härte vs. Frauenkarriere

von Barbara

Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute über eine Studie des Fachmagazins Negotiation and Conflict Management:

Wer versucht, sich durch männlich-aggressives Verhalten durchzusetzen, komme bei Personalentscheidern eher schlecht an. Anders bei Männern: Die können mit weiblichem Einfühlungsvermögen bei ihren Vorgesetzten punkten. “Frauen und Männer profitieren also von unterschiedlichen Strategien, wenn es bei Verhandlungen um die Balance von Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen geht”, so das Ergebnis der Studie.

Zeigen sich Männer weiblich-einfühlsam, gewinnen sie. Zeigen sich Frauen männlich-tough, verlieren sie. An sich wäre das ja nicht so schlimm, doch da Frauen mit weiblich-einfühlsamem Grundverhalten aber auch nicht wirklich weiterkommen, wieder mal eine lose-lose-Situation.


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25 Kommentare

  1. Goofos sagt:

    Aus meiner Sicht völlig nachvollziehbar, Frauen sind eben die besseren Männer. Wenn Frauen “männlich-aggressiv” sind, dann aber in Perfektion. Bei Männern ist dann doch noch “weibliches Einfühlungsvermögen” mit im Spiel und man kann durchaus mit ihnen verhandeln, während man bei Frauen auf eine komplette Blockade trifft. Wundert mich wirklich nicht, dass man damit aneckt und deswegen finde ich auch die “mit Klischees spielen..” Sprüche so lächerlich.

  2. Nils sagt:

    Ach ja, die Süddeutsche und “die Frauen” mal wieder..

    It’s often assumed that men are more aggressive and women are more emotional. Even in negotiations, we are often told that men will be more assertive and women better at fostering relationships. A new study published in Negotiation and Conflict Management Research says that is not the case as often as thought and goes on to state that when people are trying to make a positive impression, they may behave in ways that contradict gender stereotypes.

    [..]

    “Men who try to make a positive impression by being conciliatory risk forfeiting their own economic outcomes and women who try to make positive impressions by being assertive can risk damaging their relationships. ”

    Quelle

    “loose – loose” also dann, wenn mann/frau versucht Geschlecterstereotype umzukehren.

  3. Nils sagt:

    P.S.: In gewisser Weise bestätigt also die Studie Goofos´ Erfahrungen. Ist halt das Problem, wenn man ein reduziertes Bild von “Männlichkeit” kopiert..

  4. access denied sagt:

    Was ich nicht verstehe:
    Schlimm genug, dass im Artikel mit diesen dummen Klischees von männlich und weiblich rumgespielt wird, aber warum zur Hölle, verehrte Barbara, reproduzierst DU das in deinem Kommentar?

  5. profin sagt:

    @access: guter Kommentar. Ich denke mal, Barbara hats zügig in die Tasten gehackt und dann kann einem schon mal sowas durchrutschen.

  6. [...] Via Maedchenmannschaft’s commenter Nils. [...]

  7. Viktoria sagt:

    Also ich krieg bald die Krise, wenn ich nochmal irgend ein nicht körperliches Attribut zu hören kriege, was an eines der Geschlechter gekoppelt wird! *argh*

  8. Barbara sagt:

    @ access denied
    Danke für die Verehrung, ich verstehe die Frage nicht so ganz. Dass ich nicht Biologismus-hörig bin, müsste hinlänglich bekannt sein. Oder hat sich das wieder mal nicht transportiert?

  9. access denied sagt:

    Ich habe auch ihnen keinen Biologismus unterstellt, sondern sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie mit der Übernahme dieser Attribute an der Reproduktion teilnehmen: “Zeigen sich Männer weiblich-einfühlsam, gewinnen sie. Zeigen sich Frauen männlich-tough, verlieren sie.”

    Warum haben sie weiblich vor einfühlsam gesetzt und männlich vor tough? Das war völlig unnötig. Im Gegenteil, aus kritischer Distanz zu diesen Biologisierungen muss man eben genau das weglassen, besser noch gleich angreifen.

  10. Lini sagt:

    @access denied: einfühlsam ist weiblich konnotiert und tough ist männlich konnotiert. Bedienen sich Angehörige eines der Geschlechter Verhaltensweisen, die dem gegenteiligen Geschlecht leider immer noch zugeordnet werden, verlieren Angehörige eines der Geschlechter, die des anderen nicht. Darum geht es hier, nicht darum, dass diese Zuordnungen natürlich schon an sich bescheuert sind. Dieser Ansicht ist Barbara und bin ich und bist du, aber dass diese Zuordnungen noch wirken, sieht man eben schon allein daran, dass Frauen, die tough sind, nicht weiterkommen, Männer, die tough sind, aber schon. Und es tatsächlich interessant, finde ich, dass Männer mit Einfühlsamkeit punkten können, Frauen jedoch nicht.

  11. access denied sagt:

    “Darum geht es hier, nicht darum, dass diese Zuordnungen natürlich schon an sich bescheuert sind.”

    Doch, darum geht es genauso, denn diese Zuordnungen sind durchaus mit schuldig an so etwas. Man kann doch nicht willkürlich alles in Einzelteile zerlegen

  12. Anna sagt:

    Ich sehe das Problem nicht.
    Barbara bezieht sich doch nur auf die Studie bzw fasst das Ergebnis nochmal zusammen.

    Also, dass das Ergebnis an sich nicht geil ist, steht außer Frage, aber da kann doch Barbara nu nüscht für.

    Oder steh ich gerade extrem aufm Schlauch?

  13. Susanne sagt:

    Ich denke mal, a.d. hätte gern Anführungsstriche um “männlich” und “weiblich” herum gehabt. Das wäre dann auch eindeutiger, dass Barbara sich von dieser Zuschreibung distanziert. Aber ich denke, alle Postings auf dieser Webseite sollten eben diese Distanzierung auch schon klar gemacht haben. Deswegen dürfen die Anführungsstriche auch mal Hitzefrei haben.

  14. Nils sagt:

    @lini: Und genau deine Interpretation (und die der Süddeutschen) gibt die Studie nicht im Geringsten her:

    [..]assigned 190 MBA students to same-sex groups to represent either a high-status recruiter or a low-status job candidate engaged in a standard employment negotiation simulation. Half of the participants were offered an additional cash incentive to make a positive impression on their negotiation counterparts.

    When incentivized to make a positive impression on their counterparts, men and women in the high-status role acted in ways that contradicted gender stereotypes.

    (Hervorhebungen von mir)

    Es geht also darum, wie Entscheider einen positiven Eindruck bei ihren Kanditaten zu hinterlassen versuchen – Indem sie Geschlechterstereotype umkehren. Die Männer befürchten, als “zu männlich” betrachtet zu werden, und die Frauen befürchten als “zu weiblich” betrachtet zu werden.

    Daß eine Frau, die das (mainstreamfeministische, bürgerliche) Klischeebild von “männlich” zu erfüllen versucht, nicht positiv bewertet wird liegt auf der Hand. Die real existierende tradierte Männlichkeit beinhaltet nähmlich durchaus Empathie und Konzillianz. Eine Tatsache, die wohl nicht erst seit dem 2nd Wave-Feminismus bekannt ist, sondern in unserer Kultur mit dem Beginn unserer Zeitrechnung (Christi Geburt) in Verbindung gebracht wird.

    Insofern finde ich access´ Vorwurf nicht aus der Luft gegriffen.

    Die simple Grundannahme, etwas sei “männlich konnotiert” ist auch eine Konnotierung. Die Studie zeigt sehr schön, daß der Mainstreamfeminismus Geschlechterstereotype reproduziert.

  15. Nils sagt:

    P.S.: Da Frage ich mich, ob die männlichen Probanden überhaupt “weibliche Geschlechterstereotype” kopiert haben – Oder ob sie nicht einfach “christlich” agiert haben. Hat jemand einen Link zur Studie?

  16. access denied sagt:

    “christlich”

    Was hat denn das damit zu tun.

    Sache ist doch ganz einfach: Von Frauen wird eh erwartet, dass sie einfühlsam usw. sind. Bei Männern gilt das noch eher als was besonderes. Im kapitalistischen Betrieb, der immer brutaler wird und sich teilweise wieder auf ein Niveau vom 19. Jhr. entwickelt, sind solche Eigenschaften als Manager zwingend nötig.
    Frauen wird nun aber gleichzeitig nicht zugatraut, sich auch mal durchzusetzen und solche, die sich eben hart und unnachgiebig zeigen, wird dann wieder das Zwischenmenschliche abgesprochen.

  17. Lini sagt:

    @access denied: Ich verstehe den Rummel auch nicht mehr… “Frauen wird nun aber gleichzeitig nicht zugatraut, sich auch mal durchzusetzen”. Und warum wird es ihnen nicht zugetraut? Weil Durchsetzungsfähigkeit als eine männliche Eigenschaft ANGESEHEN wird. Meinen wir vielleicht dasselbe?
    @Nils:”Die simple Grundannahme, etwas sei “männlich konnotiert” ist auch eine Konnotierung.”
    Irgendwie muss man nun aber doch über existierende Stereotype reden können, ohne sich gleich deren Verbreitung schuldig zu machen…

  18. Nils sagt:

    Bei Männern gilt das noch eher als was besonderes.

    Das sagt der feministische Mainstream. Christliche Ideale sagen etwas anderes.

    Das bürgerliche Männer- und Frauenbild ist eben in höchstem Maße widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit auf die simple Formel “Empathie ist weiblich konnotiert” zu reduzieren ist eben auch eine Art, Geschlechterstereotype zu reproduzieren.

    Folgt man deinen Ausführungen, dann müßten auch die Männer unnachgiebiges Verhalten an den Tag legen.

    Das Frauen irgendwas nicht zugetraut wird ist nicht Untersuchungsgegenstand.

    Dann verstehe ich deine Kritik an Barbara auch beim besten Willen nicht.

  19. Nils sagt:

    (das war @access)

    @lini: Ist halt das Problem, wenn man bei seiner Analyse zu Kurz greift. Ein Klischee ist eine auf “gesunden Menschenverstand” reduzierte Analyse.

  20. flawed sagt:

    Jared R. Curhan and Jennifer R. Overbeck
    Making a Positive Impression in a Negotiation: Gender Differences in Response to Impression Motivation
    Negotiation and Conflict Management Research
    Volume 1, Issue 2, Pages 179-193

    http://www3.interscience.wiley.com/journal/120185187/abstract?CRETRY =1&SRETRY=0

    (Weiß allerdings nicht, ob man da auch ohne Uni-Subscription drauf zugreifen kann.)

  21. Nils sagt:

    ..geht nicht, schade :(

  22. Nils sagt:

    Ah, geht doch! Oben links “Home” klicken und als Suchbegriff z.B. “Jared Curhan” eingeben..

    Danke, flawed..

  23. Goofos sagt:

    Joa… kaum zu glauben!

  24. Nils sagt:

    Sehr interessant:

    Die männlichen Probanden, denen eine bis zu 100% Auf- bzw. Abwertung ihres Verhandlungsergebnises durch den beim Kandidaten hinterlassenen Eindruck blühte waren konzilianter (Sympathie, Respekt und Gesamteindruck wurden abgefragt) . Sie betonten den Wert des Kandidaten, und stellten ihren eigenen Wert in den Hintergrund. Dies wurde von den Kandidaten mit einer positiven Bewertung belohnt.

    Die weiblichen Probanden hingegen stellten, wenn sie sich der Bewertung ihrer Kandidatin ausgesetzt sahen (es wurden nur gleichgeschlechtliche Verhandlungspaare untersucht) ihren eigenen Wert in den Vordergrund und verhandelten weniger konziliant. Entsprechend fiel die persönliche Bewertung durch die Kandidatinnen aus.

    In der Verhandlungssituation ohne Bewertung durch die Kandidatin waren sie also konzillianter.

    Das Verhalten der Männer finde ich einleuchtend: Es ging ja darum, eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Das Risiko, durch ihren Kandidaten eine bis zu 100%ige Abwertung zu erhalten ist recht hoch, da haben sie lieber auf ein paar Punkte beim Verhandlungsergebnis verzichtet – Und waren eben einfach “netter” zu den Kandidaten.

    Das Verhalten der Frauen verstehe ich nun gar nicht. Die Autoren erklären dies, soweit ich das verstanden habe, damit daß sie auf jeden Fall den Eindruck vermeiden wollten, sie seien zu “weiblich”, und damit “schlechte Verhandler” – Was ihnen nach ihrer Ansicht offenbar Minuspunkte in puncto “Respekt” eingebracht hätte. Ohne Bewertungssituation haben sie sich offenbar “keinen Kopf” um den hinterlassenen Eindruck gemacht.

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