Männerfeindlichkeit, Physik, Martin Büsser und Interviews zu Missy, Burka und Kapitalismusgeschichte

von der Mädchenmannschaft

Ben schrieb schon vor zwei Wochen einen Entwurf zu Sexismus und Männerfeindlichkeit und fasste die interessantesten Kommentare in einem späteren Beitrag noch einmal zusammen.

Bei DRadio Wissen gibt es ein hörenswertes Interview mit Chris Köver zum Missy Magazin.

Das Missy Magazin erinnert noch mal an ihre coole Aktion Bake a Cake, Build a Bomb #2, bei der ihr ein Pimmel-Buch von Andrea Pritschow gewinnen könnt.

Das Schweizer Radio DRS interviewte die Basler Malerin, Aktivistin, Feministin Miriam Cahn zum Burka-Verbot und dem „Körper der Frau als Schlachtfeld“ (via Antje Schrupp).

Simona machte uns auf Facebook auf den schon etwas älteren Vortrag „Feminismus, Kapitalismus und die List der Geschichte“ (deutsch als PDF) von Nancy Fraser aufmerksam, den ihr in Videoform (englisch) auch auf dailymotion folgen könnt.

Auf Suddeutsche.de berichten drei Studentinnen über die merkwürdigen Erfahrungen in ihrem ‚ungewöhnlichen‘ Studium, Physik.

Der wunderbare Martin Büsser ist gestorben.

Martin war überall, schrieb für Intro, SZ, Fanzines, Buchbeiträge, machte Lesungen, hielt Vorträge, unterstützte, diskutierte: Pop war ihm mehr als Musik, Musik mehr als Pop – es ging um Gender, Filme, Comics, Fernsehen, Romane, Nationalismus, D.I.Y., es ging ums Ganze.

Einer von Büssers Vorträgen zu Geschlechterverhältnissen in der Punk- und Hardcoreszene findet ihr auf der Seite der AG Queer Studies. Das Missy Magazin hat einen kurzen, persönlichen Nachruf.

Terminkalender bereit: Vom Freitag, den 01.10.2010, bis Sonntag, dem 03.10.2010 könnt ihr ein Seminar zum Thema „Männerbilder“ in Berlin besuchen, veranstaltet von BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN. Update: Fällt leider aus!




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 29. September 2010 um 12:08 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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15 Kommentare

  1. Katniss sagt:

    dieses SZ-Interview hat mich ja so genervt: „habt ihr früher mit Puppen oder mit Autos gespielt?“ arghh. tolle Frage!!
    Ich studiere selbst Physik und manchmal bin ich es Leid, solche Fragen immer und immer wieder zu hören….

  2. GwenDragon sagt:

    Igitt. Die SZ versteigt sich wieder.
    Physik = Männerfach *doh*
    Liese Meitner und andere Frauen würden ob so einem Unsinn rotieren!

    Puppen gespielt? Teilweise. Muss ich nun doch noch auf Psychologie umsatteln, weil ich keine Modelleisenbahn wollte?
    Was für idiotische Mottenkistenvorstellungen.

    Schon die Überschrift auf Seite 2: Zu gutaussehend für Physik
    *grrr*
    Klar, gutaussehende studieren Modedesign oder Erzeihungswissenschaften!?
    Wenigstens weiß ich jetzt wieso es bei mir nur für Informatikerin reichte. Ich war kein gutassehendes Model.

    „Bringt Physik Vorteile für den Alltag, bei Reparaturen oder Ähnlichem?“ Ähh, was für ein Mist. So ein Unsinn werden natürlich nur Frauen gefragt. Kann sich eine vorstellen, dass ein Erziehungswissenschaft Studierender gefragt wird: Herr Z., welche Vorteile bringt ihnen als Vater das Studium beim Windelwechseln.
    Es ist natürlich immer so, dass eine Frau die Physik studiert, das nicht praktisch umsetzen kann. Ich hatte vor 25 Jahren Physikerinnen kennen gelernt, die nicht so dachten; aber das war ja noch zu Frauenbewegungszeiten. In jedem Fall sind solche Antworten wohl kaum Realität, oder doch?

    Vielleicht kann eine ein „technisches Männerstudium“ (sorry!) Studierende mal was dazu schreiben.

  3. M.S. sagt:

    @GwenDragon: Dann komm ich mal deiner Aufforderung nach ;)

    Ich studiere Elektrotechnik und hatte noch nie ein Problem damit, dass das angeblich ein typisches Männerfach ist… Mich wundert immer, wenn ich so etwas lese und ich weiß nicht, wie viel davon ich glauben soll, weil ich in meinem gesamten Sudium noch nie so eine Erfahrung machen durfte…

    Im Studium erlerntes im Alltag einsetzten? Also davon habe ich bisher noch nichts gemerkt, allerdings wird mir häufig wohl bewusst, dass ich mit einigen technischen Dingen mich einfach besser auskenne als die meisten (Männer oder Frauen), aber das ist wohl meinem allgemeinem technischem Interesse geschuldet aus dem schließlich meine Studienwahl resultierte und nicht umgekerht.

    Zum Artikel: Schlagzeile mit Klischees unterfüttert. Eigentlich nicht der Rede wert!

  4. Helga sagt:

    @GwenDragon und M.S. Leider alles auch erlebt. „Du siehst viel zu gut aus, um Ingenieurin zu werden“ „wieso studiert man denn als Frau Ingenieurwissenschaften“ … Im Bio-Master hat sich auch ein Prof zu Kommentaren über „die Studentinnen“ hinreißen lassen (ich weiß nur von einem Mal, aber passiert wohl öfter).

  5. steve, the pirate sagt:

    Der Artikel über die Physikerinnen trieft vor Klischees. Ich fand ihn aber trotzdem ganz interessant, weil ich mich doch in manchen Antworten wieder erkannt habe.

    Vor einiger Zeit habe ich auch zu dem Thema was geschrieben:

    http://pumpguntoursonline.blogspot.com/2010/04/die-drei-anworten-zum-physikstudium.html

    http://pumpguntoursonline.blogspot.com/2010/08/die-leiden-der-physikerinnen.html

  6. Katniss sagt:

    mich irritiert, dass M.C so etwas nicht einmal ansatzweise erlebt hat. (natürlich ist das gut für dich :-)

    das krasseste, was ich erlebt habe, war dass als ich mal Smalltalk mit einem jungen Mann gehalten habe, dieser, auf meine Antwort, was ich studiere, ernsthaft meinte: „was, du als Frau studierst Physik?“

    ironischerweise hat das Interview eine Frau geführt. Jmd – so müsste man meinen, die es sicherlich auch satt ständig in Schubladen gesteckt werden…

  7. Katniss sagt:

    @steve, the pirate:

    „1. In Physik war ich in der Schule immer schon schlecht.
    2. Physik, wie kann man nur. Das ist doch sicher schwer.
    3. Was!!! Du als Frau hast Physik studiert!!!!!!!!!!!!!“

    Volltreffer! Das sind in 99% der Fälle echt die Antworten :-)

  8. E*phi sagt:

    Ich studiere technische Chemie (bzw. bin gerade dabei, meine Diplomarbeit in physikalischer Chemie abzuschließen) und meine Erfahrungen zu dieser ganzen „Frauen in Männerstudien“-Sache sind irgendwie gespalten. Ist vielleicht ein bisschen anders als in Physik uä., denn wir waren zu Studienbeginn doch ziemlich 50/50 (m/w). Auch wenn sich das in den höheren Semestern ein bisschen verschiebt (in Richtung mehr Männer – zumindest in meinem Abschnitt. Aus irgendeinem Grund scheint ein überdurchschnittlicher Anteil der Frauen nach dem ersten Studienabschnitt in die Biochemie abzuzweigen), hab ich eigentlich „intern“ nie bis selten mit solcherlei Sexismen zu tun gehabt („selten“ weil’s doch immer wieder den ein oder anderen zurückgebliebenen alten Knacker mit Lehrauftrag gibt, der sich für besonders witzig hält, wenn er zB. einen Ehefrauenscherz von sich gibt). Die einzigen diesbezüglichen Kommentare kamen hauptsächlich von Nichttechnikern im Alltag. Das reicht dann von dumm sexistisch, über überrascht und befremdet bis zu „beeindruckt“.

    Ganz klassisch übrigens: Auch wenn die Studienausgangssituation wie erwähnt praktisch 50/50 ist, haben wir insgesamt (alle Chemieinstitute zusammengerechnet) an der TU nur eine einzige Professorin (eine Biochemikerin). Ob das jetzt daher kommt, dass die Frauen alle eine besser bezahlte Karriere in der Industrie bevorzugen, sei mal dahingestellt…

  9. Helga sagt:

    Weils nicht klar wurde: Dumme Sprüche/Nachfragen kommen fast nie von den „eigenen“ Kommilitonen, sondern meist von Leuten aus anderen Studiengängen, je untechnischer umso eher.

  10. Miriam sagt:

    Dumme Sprüche/Nachfragen kommen fast nie von den „eigenen“ Kommilitonen, sondern meist von Leuten aus anderen Studiengängen, je untechnischer umso eher.

    Ich sags ja immer, die Ingenieure sind besser als ihr Ruf! ;-) Ich erlebe das auch so, dass die größten Chauvis da sind, wo die Frauenquote hoch ist…

    @ E*phi: Interessanterweise ist die Frauenquote bei den ChemikerInnen um die 50%, bei den ChemieingenieurInnen allerdings eher bei 10-20% (je nachdem, ob beim Maschinenbau angesiedelt oder eigener Fachbereich). Das scheint sich auch im Job so fortzusetzen, meine direkten KollegInnen sind zum großen Teil männlich (Ingenieure), bei den KollegInnen aus der Reaktionstechnik hatte ich bisher nur mit Frauen (Chemikerinnen) zu tun.

    Am coolsten finde ich immer den Kommentar „Chemieingenieurin? Aber das ist doch schwer, oder?“
    „In Chemie war ich immer schlecht“ kenn ich auch, genauso wie „Das ist aber kein Frauenberuf“

    Aber auch Ingenieure sind vor unfreiwilligen Sexismen nicht gefeit. Heute erlebt:
    Kollege A: „Darf ich Ihnen Frau xy vorstellen? Sie wird mich in unserem Projekt unterstützen, da ich zu viel zu tun hab und da habe ich mir zur Entlastung weitere manpower geholt. Ist das okay für Sie?“
    Kollege: „Natürlich, womanpower ist immer willkommen.“
    Ich glaube, er wollte sogar politisch korrekt sein, stattdessen habe ich diese Bemerkung als sehr ungeschickt empfunden…

  11. Angelika sagt:

    auch „ganz toll“ : wenn’s um ein sachthema geht (was sonst ?!) und der dekan und gleichzeitige baukonstruktions-prof bei der stimmeldung im audi-max sagt “ ach A., unsere emanze“ …

  12. Angelika sagt:

    @Miriam – öhm „womanpower“ ist aber schon für „fortgeschrittene“ ;-)

  13. M.S. sagt:

    Weil es jetzt mehreren gesagt wurde. Den Spruch, das habe ich ja noch nie gekonnt, das ist bestimmt schwer, habe ich auch schonmal gehört, allerdings würde ich das nicht in den Zusammenhang mit Sexismus bringen.
    Sowas sage ich selbst beispielsweise auch, wenn mir jemand erzählt, dass er oder sie Sprachen studiert (völlig unabhängig, ob Mann oder Frau), weil ich einfach kein Talent dafür habe…

  14. let sagt:

    @M.S.
    Aber nur, weils nicht sexistisch ist, bedeutet das ja trotzdem nicht, dass es nicht doof und taktlos ist. Es trifft meiner Einschätzung nach auch vorwiegend geistigere Berufe. Und die von der „Phrase“ getroffenen fühlen sich dann ausgeschlossen. (Als müsste man sich dafür rechtfertigen geistige Arbeit zu machen.)
    Oder sagst Du einer Putzfrau oder Krankenpflegerin auch, dass Du „das noch nie gekonnt hast bzw. nicht könntest“?

    @Miriam
    „Womanpower“ hat zwar einen unschönen Beigeschmack, aber ehrlich finde ich das ansprechen von Zahlenmäsig ungleichen Geschlechterverhältnissen ein schwieriges Thema, und würde der Person hier keinen allzu großen Vorwurf machnen.
    Und politisch korrekt, bedeutet ja eben nicht automatisch, dass sich dabei jeder wohlfühlt. Soll man zum Beispiel Minderheiten für den Fall dass sie „Probleme haben“ präventiv auf den Gleichstellungsbeauftragten aufmerksam machen, oder könnten sie sich dadurch unangenehm berührt fühlen…

  15. Andreas sagt:

    ..ich vertrat hier an anderer Stelle schon einmal diese Position, aber meiner Meinung nach ist die Diskriminierung in den Naturwissenschaften/Mathematik/Ingenieursdisziplinen nicht geringer als in den Studien-Disziplinen mit höherem Frauenanteil, und zwar aus mehreren Gruenden:
    a) Maenner sind sich hier in ihrer Dominanz voellig sicher, der Frauenanteil ist aber allein aus Gruenden der moralischen Selbstsuggestion unbedingt zu erhoehen
    b) kein Physikstudent fuehlt sich durch eine weibliche Kommilitonin bedroht, da er ja selbst das aus typisch fachzentrierter Sicht erhabenste Studienfach studiert, maennliche Erziehungswissenschaftler fühlen sich aber sehr wohl durch weibliche Physikerinnen intellektuell bedroht, da die NWen seit der Aufklaerung im Abendland als superior gelten und der Erziehungswiss. nicht weniger (aber auch nicht mehr) patriarchalisch denkt als der Physiker
    c) für maennliche Physikprofessoren, egal wie sexistisch, gibt es die Möglichkeit, sich gesellschaftlich durch Einstellung von Frauen zu profilieren, fuer Soziologen gibt es diese Möglichkeit nicht
    d) maenliche Physiker koennen nach wie vor darauf vertrauen, dass die Frauen sich per gesellschaftlicher Zwangsmechanismen früh genug aus ihrer akadem. Laufbahn verabschieden, das bestaetigen Ihnen die Zahlen, deshalb koennen sie entspannt das ‚Aufbegehren‘ junger weiblicher Forscherinnen beobachten (siehe die Bemerkung einer der Interviewten ueber den angeblich fehlenden Mittelbau in D.)
    und schliesslich hier noch mein Vorurteil gegenueber Physikern per se:
    e) auch Physikerinnen halten im Durchschnitt weniger von gender-Theorie als Geisteswissenschaftlerinen, deshlab sind sie tatsaechlich weniger Bedrohung fuer das faktisch nach wie vor erbrechend-dominante Patriarchat in den NWen und der Mathematik, Beispiel: ich versuche gerade, zumindest EINE weibliche Korrektorin meiner Mathematik-Dissertation durchzusetzen, die Vorschlaege meienr maennlichen Korrektoren waren traumwandlerisch maennlich, 4 Korrektoren- 4 Maenner)
    f) Physikerinnen haben oft grösseren Respekt vor ‚grossen maennlichen Physikern‘ als ihre maennlichen Kollegen, das zieht sich teilweise durch ihre gesamte Forschungslaufbahn und ist das, was Beauvoir den Aspekt des ‚geliebten Unterdrueckers‘ nennt, fuer Maenner sind grosse Namen oft eher das was sie sind: Rivalen und Karrieristen