Männer sind Schweine …

von Werner

Um junge Frauen vor ungewollten Schwangerschaften zu beschützen, hat eine amerikanische Kampagne (sexreally.com) auf ihrer Website ein Video veröffentlicht, in dem gezeigt wird, wie Männer „wirklich“ sind: verdorben, sexgeil und hormongesteuert. Im Grunde sagt das Video, dass Männer immer nur an Sex denken und lässt die Darsteller sagen, dass Frauen in knappen Kleider doch selber schuld sind wenn sie nur als „Objekt“ gesehen werden und all die anderen Klischees.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass so auch nur eine ungewollte Schwangerschaft verhindert wird, wundere ich mich mal wieder über die Art und Weise wie hier a) mit dem Thema Sex und b) mit der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau umgegangen wird. Ich kann es nicht nachvollziehen, warum Sex immer noch so verklemmt besprochen werden muss. Nachdem ich in den letzten Wochen alle fünf Staffeln „Six Feet Under“ gesehen habe, stelle ich wieder einmal fest, dass im (amerikanischen) Fernsehen eher gezeigt wird, wie zwei Brüste mit einem Schwert abgeschnitten werden, als das sie geküsst werden. Es gab wirklich viele Sexszenen aber in jeder hatte die Frau beim Sex einen BH an. Sex ist was Schönes – wenn beide bzw. alle Beteiligten es wollen. Ja, ich habe gerne Sex, ich kenne aber auch sehr viele Frauen, die sehr gerne Sex haben. Aber ich kann auch noch an andere Sachen denken, sogar mehrere Stunden am Stück.

Nicht falsch verstehen, ich bin für Safer-Sex und für Aufklärung – aber nur den Männern die Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn mal was nicht so läuft, wie es geplant war, muss zwangsläufig in die Hose gehen. Wer junge Menschen vor ungewollten Schwangerschaften oder vor Geschlechtskrankheiten schützen will, muss ehrlich mit diesem Thema umgehen. Da wird es nicht helfen, die eine Seite nur zu verteufeln und die andere nur zu verherrlichen. Auch Frauen werden geil und auch Frauen kommen in Situationen, in denen sie eher handeln als denken … junge Menschen müssen lernen, genau dann richtig zu handeln – und zwar alle Beteiligten.

Es darf doch nicht sein, dass die Frau nur die Wahl zwischen dem naiven Dummchen oder der sexgeilen Schlampe hat und dem Mann am Ende noch nicht mal die Wahl gelassen wird. Menschen sind so unterschiedlich – egal ob Mann oder Frau. Und Sex ist nichts Abnormales. Wie er gestaltet wird müssen aber die Regeln, die involviert sind, den anderen geht das erst mal nichts an.






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12 Kommentare

  1. tba sagt:

    ja, dasmit dem bh ist auch der selbe grund warum ich sex and the city verlogen und scheiße finde. die ganze zeit wird über sex geredet und sonstwie emanzipiert getan, und wenn dann mal ne sexszene kommt, haben die frauen nen bh an.
    wennichs mir recht überlege: ich glaube bald, die tragen nie einen bh (unter ihren weit ausgeschnittenen kleidchen), nur zum ficken ziehen sie sich einen an..

  2. und die gute alte geschichte in den amerikanischen filmen: wenn ein mann mit einer frau geschlafen hat, verliert er den respekt vor ihr. deshalb muss jede frau, die einen mann in die ehe „locken“ will, jungfrau bleiben.

  3. James T. Kirk sagt:

    Es darf doch nicht sein, dass die Frau nur die Wahl zwischen dem naiven Dummchen oder der sexgeilen Schlampe hat und dem Mann am Ende noch nicht mal die Wahl gelassen wird.

    Woraus entnimmst Du denn, daß Frauen nur die Wahl haben zwischen diesen beiden Alternativen und Männer gar keine Wahl?

    Sind wir durch eine Kampagne oder ein Video determiniert?

    Ehrlich gesagt könnte man mir den ganzen Tag NPD-Werbespots und alles Mögliche vorspielen. Es würde mich nicht im geringsten interessieren. Ich würde natürlich das Weite suchen, weil ich keinen Bock habe, den ganzen Tag NPD-Werbung zu sehen.

    Also könnte man nicht auch die Meinung vertreten, daß es völlig egal ist, was dort gezeigt wird? Solange es nicht explizit entwürdigend oder anderweitig inhuman ist?

    Ich frage danach, weil in feministischen und genderesken Blogs häufig ein Bild der gesellschaftlichen Determination erzeugt wird, das keiner Überprüfung standhält. Es handelt sich hierbei wie bei Deinen Aussagen um willkürliche unverbindliche Konstruktionen, die vielleicht so sein können, aber längst nicht müssen.

    Diese Konstruktionen haben aber den „Vorteil“, daß sie gewisse ideologische Ansichten bestätigen. Sie sind ein Selbstzweck. Und werden ungern hinterfragt.

    Im Mädchenblog wird zum Beispiel unterstellt, daß beim Spielen mit der Puppe Regina Regenbogen, die jetzt etwas femininer aussieht, „bestimmte Rollenmuster“ antrainiert werden. Das sind natürlich die „falschen“ Rollenmuster, während die „Gender“-Rollenmuster die guten sind. Und natürlich nicht normativ. Normativität gibt es ja nur bei den anderen.

    Ich hab dann mal gefragt, wie so etwas denn praktisch vor sich geht.

    Keine Antwort.

    Noch mal gefragt. Mein Kommentar wurde gelöscht.
    Noch mal gefragt. Erneute Löschung.

    Das passiert mir häufig dort, sobald ich ideologische Konstruktionen als solche entlarve.

    Natürlich möchte ich auch eine schöne und humane Welt. Ich muß dafür aber nicht zwanghaft Benachteiligung und Ungerechtigkeit konstruieren mit Schimären wie „Heteronormativität“, „Biologismus“ oder „Sexismus“.

    Diese Begriffe werden meist völlig willkürlich und unverbindlich und häufig sogar falsch verwendet. Insbesondere der „Biologismus“-Vorwurf.

  4. Magda sagt:

    @ James T. Kirk

    Nur kurz: Die Kommentarpolitiken anderer Blogs werden bei uns nicht diskutiert.

  5. Anna sagt:

    James:
    1) Magdas Hinweis ist nicht der erste, den du in diese Richtung erhältst. Weitere Beiträge dieser Art werden ohne Ankündigung gelöscht (genauso wie übrigens auch alle anderen Kommentare, die uns Anlass geben davon auszugehen, dass du keinen Wert darauf legst, dich an die Regeln hier zu halten).
    2) Ja, man kann die Meinung vertreten, dass es egal ist, was da gezeigt wird. Oder man kann sich ein bisschen mit Medienwirkungsforschung beschäftigen und dann zu einer anderen Haltung kommen.

  6. Dude sagt:

    @tba:

    Nein, bei SatC sieht man ab und an schon Brüste.

  7. Dude sagt:

    In diesem Zusammenhang ist mir schon sehr oft ausgefallen, dass z.B. Vaginas oft „geleugnet“ werden, z.B. sogar in ArtHouse-Filmen (die ich eigentlich bisher für pro-emanzipatorisch gehalten hatte) . Penis ja, gern auch erigiert – Vagina/Vulva nein, definitiv nicht.

    Was ist so „komisch“ an einer Vagina?

    Aktuelles Bespiel auch auf taz-Online: Hat das Strichweibchen (in diesem Fall das Strichmännchen) ergo eine Frau etwa kein Geschlechtsteil?

    http://taz.de/index.php?id=bildergalerie&tx_gooffotoboek_pi1%5Bfid%5D=3&tx_gooffotoboek_pi1%5Bsrcdir%5D=Der-moderne-Mann&tx_gooffotoboek_pi1%5Bfunc%5D=combine&cHash=e0c5e087d0#c173

  8. Dude sagt:

    Bild zur taz (Link oben funktioniert wohl doch nicht):
    http://taz.de/typo3temp/pics/f57e3b14a8.jpg

  9. Phil sagt:

    @Dude:
    Bei dem Fall „Strichmännchen“ sieht es so aus, als ob die Rollenverteilung von heute überspitzt dargestellt wird.

    Kommentar zum Mann: Zieh Dir nen Rock an…
    Kommentar zur Frau: Die hat Eier…oder auch die Hose an.

    Wie wärs, wenn beide Geschlechter beide Geschlechtsteile besäßen? Beim Mann die weibliche Seite und bei der Frau der Mac(k)her?

  10. Christian Alexander Tietgen sagt:

    Mädchen wissen doch auch, dass Männer nicht so sind.

  11. Laura Lala sagt:

    Finde es auch absonderlich, ehrlich gesagt sogar beschissen, drauf zu pochen, dass Frauen beim Sex (oder sonstwo) ihre Brüste zeigen sollen und dass das dann ein Beweis für einen unverkrampften Umgang mit Sex sei. Dass der BH bei einem Film getragen wird, kann ja verschiedene Gründe haben, zum einen, dass es für jegliches Publikum geeignet sein soll, dass die Schauspielerin eben NICHT möchte, dass alle Welt ihre Nippel sehen kann (voll verklemmt, ne), dass es zum Plot passt (Quickie ohne viel Sachen ausziehen) oder dass die Unterwäsche als reizvolles Accessoire getragen wird, dass nackte Frauenbrüste ein sexualisierteres Körperteil sind als die Männerbrust etc.
    Dass in einem Film ein BH getragen wird, muss ja auch nicht heißen, dass er beim echten Sex getragen wird. Und wenn doch, na und? Vielleicht ist es für die Trägerin so angenehmer als ein hüpfender Busen oder ein entblößter. Vielleicht hat es andere Gründe, das geht uns als Außenstehende überhaupt nichts an. Ich finde, die Idee der entblößten Körper als Zeichen von Unverklemmtheit ist ein nichtlegitimer Eingriff in die Entscheidungsgewalt über den eigenen Körper.

  12. Caramel sagt:

    Also ich finde es ehrlich gesagt gut das die Frauen in den Filmen BHs anhaben, dass sind schließlich keine Pornos. Mich nervt es eher wenn ständig Brüste präsentiert werden, so wie bei Dexter, da bekommt man manchmal glatt das Gefühl, dass diese Art Filme erst dadurch an Relevanz gewinnen.
    Penise werden schließlich auch nicht gezeigt und ich finde schon dass man es gut vergleichen kann.
    Außerdem muss man wirklich weiter das Klischee der perfekten Brust durch so was vorantreiben, denn die Schauspielerinnen in solchen Filmen repräsentieren nicht unbedingt die Vielfalt der weiblichen Brust, sondern eher das was als Standard und fast perfekt angesehen wird.