Männer im Duell, Frauen im Zickenkrieg

von Helga

Dass das Gesetz zur Sperrung von Kinderpornografieseiten im Internet ein umkämpftes Thema ist, ist lange klar. Die eine Seite fordert, jeglicher Zugang müsse erschwert werden, dafür müsse auch eine Einschränkung der Grundgesetze in Kauf genommen werden. Die andere Seite hat sieht das nicht ein und fordert stattdessen, bestehende Gesetze anzuwenden. Pikant ist natürlich, dass die Fronten auch durch die große Koalition verlaufen. Hier Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), dort Justizministerin Brigitte Zypries (SPD). Dass ein solcher Konflikt bis auf die Pressekonferenz getragen wird, ist in der großen Koalition auch nichts Neues.

Bemerkenswert ist allerdings die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung im Internet. Schon der Titel „Zickenkrieg im Kabinett“ lässt Unheil ahnen. Und auch der weitere Artikel lässt kein Klischee aus. Da wird angegiftet, angeätzt, man gönnt sich nicht die Butter auf dem Brot bis alle trotzig sind. Nur Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird zwar angelächelt und von den Damen gelobt, ansonsten könne er einem aber fast leid tun. Nachdem die Minsterinnen wie direkt aus dem Hühnerstall auf die Politikbühne gehievt präsentiert werden, auch kein Wunder.

Apropos Guttenberg. Auch der ist mitten im politischen Zweikampf. Mit Markus Söder steckt er im „Duell der Kronprinzen“. Das klingt doch gleich ganz anders. Der wilde Samurai und Shooting Star Guttenberg wird dabei als lässig und aufgeschlossen beschrieben. Dagegen lästerte Söder wohl mal auf den Gängen, ansonsten sei er aber ein guter Parteisoldat, dem der parteiinterne Wettbewerb hilft, sein Profil zu schärfen.

Neben von der Leyen gegen Zypries locken dann auch mit „Peinlich wie Palin“, „Ich geh nicht auf den Strich“ und „Ein Mädchen aus Texas“ gleich drei Bilderserien über lustige Politikversprecher. Wer Guttenberg gegen Söder las, darf dagegen im Quiz („Der Held der Franken“, Edmund der Große“) überprüfen, ob einem die Kosenamen von Politikergattinnen bekannt sind.

So befinden wir uns zwar im Jahr 2009, das Maß mit dem Politikerinnen einerseits, Politiker andererseits gemessen werden, stammt mitsamt der dahinterstehenden Rhetorik aber eher aus dem Mittelalter.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 23. April 2009 um 17:37 Uhr unter Medienkritik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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4 Kommentare

  1. Rahab sagt:

    dieses maß stammt aus der beginnenden neuzeit! diese form der berichterstattung, genannt journalismus, beginnt mit der französischen revolution! vorbereitet durch die hexenprozesse – die ja weniger dem mittelalter als der beginnenden neuzeit zuzuordnen sind.
    … und wie nennt nun frau ministerin ihr schnuckelchen?

  2. access denied sagt:

    Tja, Frauen, die um die beste Lösung diskutieren, gelten immer noch als zickig (mal abgesehen von der ganzen Widerwärtigkeit dieser Zensurgeschichte). Der Voyeurismus in der Presse ist unerträglich, aber anders kriegen die keine Leser mehr. Neulich meinte jm., sie lese Bild, weil die anderen Zeitungen zu langweilig schreiben würde. Information? Nein danke, nur noch der Blick durchs Schlüsselloch ist interessant.

  3. Judith sagt:

    meine volle zustimmung. mich hat der artikel gestern wahnsinnig gemacht.
    immer wieder der selbe scheiß: wenn frauen mit frauen übereinstimmen „halten sie zusammen“, wenn frauen mit frauen nicht übereinstimmen, wird das als „zickenkriege“, „catfights“ und „stutenbissigkeit“ interpretiert. auf jeden fall irgendein albernes amüsantes phänomen über das männer ja so irrsinnig erhaben sind. arghh.

  4. Agnes F. sagt:

    Meine 5 ct:
    Es gibt tatsächlich Konflikte, die maßgeblich auf der Eitelkeit, Hysterie und Geltungssucht der Beteiligten beruhen.
    Diese Art von Streit ist tatsächlich lächerlich und die Öffentlichkeit hat alle Rechte, sich darüber lustig zu machen.
    Jetzt muss sich eigentlich nur noch die Erkenntnis durchsetzen, dass solche „Zickereien“ (sorry, ich kenn noch kein anderes Wort) völlig gender-neutral sind und bei Männern genauso oft vorkommen…