„Manchmal reicht ein Kompliment, um motiviert zu bleiben”

von Magda
Dieser Text ist Teil 10 von 19 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Adwoa Hackman singt, seitdem sie denken kann, das hat sie von ihrer Mutter. Ihr erstes Instrument war das Schlagzeug, was sie leider aufgeben musste, nachdem sie einen Tinitus bekam. So lernte sie Gitarre zu spielen, was sich nicht nur besser mit dem Singen vereinbaren lässt, sondern auch nützlicher für’s Songschreiben ist. Im Interview mit der Mädchenmannschaft spricht Adwoa Hackman über ihre quasi-musikalische Heimat Berlin, weibliche Vorbilder und deutsche Soulmusik.

Adwoa Hackman

Gab es eine oder mehrere Person(en), die dich besonders in deinem musikalischen Werdegang unterstützt hat/haben?

In der Grundschule hatte ich eine Klassenlehrerin, die jeden Tag mit uns gesungen hat, ganz egal ob der Lehrplan das vorsah oder nicht. Dafür war ich sehr dankbar. Über die Jahre gab es immer auch Personen, denen ich dankbar sein konnte. Manchmal reicht ein Kompliment, um motiviert zu bleiben. Ich habe sehr intensiv mit zwei Produzenten zusammen gearbeitet. Man lernt sich über die Jahre sehr gut kennen, weiß wo die eigenen Stärken und Schwächen und die des anderen liegen, und findet heraus, wie man am besten im Team funktioniert. Ich habe z.B. dadurch überhaupt erst einmal eine Ahnung davon gekriegt, wie man selbständig arbeitet. Das ist mir anfangs ziemlich schwer gefallen.

Du lebst und arbeitest in Berlin. Ist Berlin so etwas wie deine musikalische Heimat?

Ich mag Berlin… immer noch. Diese Stadt lässt Nischen, Freiraum für Querdenker. Es gibt die unterschiedlichsten Kieze, manchmal kommt es mir vor, als würde ich die Stadt wechseln, wenn ich in ein anderes Kiez fahre. Das finde ich gut. Berlin ist für mich auch deshalb ein Stück Heimat, weil ich hier als Afro-Deutsche nicht das Gefühl habe auf alleinigem Posten zu stehen. Insofern ist es auch meine musikalische Heimat – zumindest ein bisschen. Allerdings fühle ich mich musikalisch mehr nach Amerika und England hingezogen.

Auf der Bühne bist du sowohl als Solo-Künstlerin als auch mit Band zu sehen. Genießt du es eine Band hinter dir zu haben oder magst du eher die ruhigeren Auftritte, bei denen du mit Gitarre und Gesang allein auf der Bühne bist?

Ich habe in den letzten Jahren viel alleine gespielt. Alleine spielen ist schon eine größere Herausforderung. Das hat für mich lange Zeit einen Reiz ausgemacht.

Als ich dann mal wieder allein auf der Bühne stand, hat es da irgendwie klick gemacht. Ab da hatte ich keine große Lust mehr alleine weiterzumachen. Du bist eben auch immer alleine unterwegs. Mit einer Band hast du einen Austausch, die Musik ist druckvoller, explosiver, es geht mehr ab. Und wenn man dann zwischendurch ein, zwei Songs alleine spielt, bringt das eine neue Farbe ins Spiel. Das gefällt mir. Jetzt, da ich mehr mit meiner Band spiele, merke ich aber auch, dass ich die Solo-Gigs wieder mehr schätze.

Eine (Soul-)Sängerin mit deutschen Texten ist eher selten. Viele Künstler_innen singen ganz selbstverständlich auf Englisch. 

Na ja, deutsch ist meine Muttersprache. Ich kann mich auf deutsch einfach am gehaltvollsten ausdrücken. Texte schreiben macht mir Spaß, wenn es auch der Part ist, für den ich am längsten brauche. Was ich an der deutschsprachigen Musik mag, ist, dass noch so vieles offen ist, so vieles wurde noch nicht gesagt. Man kann seinen eigenen Stil finden, ohne das Gefühl zu haben, das gibt es schon. Aber ich bin natürlich sehr geprägt von der englischen Musik, und ich werde definitiv auch Alben auf englisch aufnehmen. Aber nicht das nächste.

Auf deiner Homepage schreibst du, dass deine Vorbilder Stevie Wonder, Prince und Jimi Hendrix waren. Hattest oder hast du auch weibliche Vorbilder?

Auf jeden Fall. Aber die Namen sind eventuell nicht so bekannt. Anita Baker habe ich rauf und runter gehört. Ich war total verknallt in ihre Musik. Zwischendurch lege ich ihre Scheiben immer noch auf. Und Linda Womack – von Womack & Womack mit „Teardrops„. Das Video hat mich umgehauen. Die fand ich sehr cool. Allein schon deshalb, weil sie das Klischee von der Superfrau, wie es in der Musikindustrie – und ganz besonders in der Soulmusik – erwartet wird, nicht erfüllt hat. Sie kam ungeschminkt, mit Jeans Jacke und Polizei Sonnenbrille an.

Mehr Infos zu Adwoa Hackman, dem neuen Album und Tourterminen gibt es auf ihrer Homepage, Youtube und Facebook.




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Eintrag geschrieben: Montag, 9. Januar 2012 um 12:00 Uhr unter Inspiration, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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