Mal wieder Rummel um Frittenbude

von Helga

Eklat um Frittenbude. Beim Chiemsee Reggae Festival wollen sie nicht auftreten, berichtet die Süddeutsche. Grund ist der Auftritt eines Reggae-Sängers, der in seinen Texten zum Töten von Schwulen und Lesben aufruft. Bei der Festivalleitung ist man sauer, dabei hatte man bereits im vergangenen Jahr ein ähnliches Problem mit einem anderen Sänger gehabt.

Festival-Sprecher Michael Buchholz schäumt vor Wut: „Das Line-up stand von vornherein fest. Dass Frittenbude jetzt nachträglich abspringen, ist das Allerletzte“, sagt er. Er hält die Absage für scheinheilige PR der Gruppe. „Es ist ein Unding, dass wir uns jedes Jahr aufs Neue mit so was herumschlagen müssen“, schimpft Buchholz. Der „Chiemsee Reggae Summer“ stehe für Meinungs- und Kunstfreiheit, Zensurmaßnahmen und Auftrittsverbote lehne man ab.

Natürlich könnte man sich den ganzen Ärger auch sparen, wenn man von vornherein keine Künstler_innen einlädt, die durch Tötungsaufrufe und diskriminierende Texte aufgefallen sind. Wer sie doch einlädt, sollte dann vielleicht nicht unbedingt Frittenbude einladen, die bereits im letzten Jahr für einen ähnlichen Eklat gesorgt haben. Da hatten sie einen Festivalauftritt wegen sexistischer Zwischenrufe abgebrochen.

Durch die anhaltende Kritik aus Europa an homophoben Texten seien neue Reggaesongs aber inzwischen weitgehend homophobiefrei.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 26. August 2011 um 8:42 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. Philip sagt:

    Dass Frittenbude dort nicht spielen werden, haben sie am 3. Mai in Ihrem Blog verkündet:

    http://frittenbude.blogsport.de/2011/05/03/chiemseereggaesummer-2011/

    Warum die SZ das jetzt dreieinhalb Monate später bemerkt, ist etwas rätselhaft. Eine wichtige Sache und immer wieder erwähnenswert – aber trotzdem: Nicht auf verspäteten Print-Alarmismus hereinfallen.

  2. Helga sagt:

    @Philip: Das ändert nichts an der selten dämlichen Reaktion des Festivalbetreibers, die irgendwie nicht begreifen können, dass nicht jede_r Sexismus und Homophobie tolerieren will.

  3. GwenDragon sagt:

    Es sollte doch den Betreibern solcher Festivals mittlerweile bekannt sein, dass Frittenbude solche jamaikanischen (und deren Plagiate) Hasssänger nicht aussteh’n kann und mit denen nicht auftritt.
    Aber vielleicht können die Chiemseer doch als Ersatz die Enkel des Reiches oder Volkssturm einladen, die singen doch auch Liedgut, in denen es um die Sauberkeit der Gesellschaft geht. :(

    Das Problem ist nicht neu, dass Musik doch eigentlich nett und kommerziell vertreibbar ist, egal wie politisch abstrus, sexistisch oder homo-/lesbophob die Ideologie der Sänger ist.

    Was heißt hier Homophobie!? Das ist Aufruf zum Mord.

    Aber das Jamaica Feeeling ist ja so eine geile Werbung, was stören da schon Homomorde im Reich von Robert Marley & Co.
    So manchen scheint die Tüte mit zu viel rotem Libeanesen das Hirn ausgebrannt zu haben.

  4. MissMortar sagt:

    Kann mich da Helga nur anschließen – es gibt garantiert genug andere Künstler_innen, die auf diesen homophoben Mist verzichten, also warum nicht die einladen, statt Capleton, Sizzla & Co.?

    PS:
    „(…) die Abkehr von dem traditionellen und als natürlich empfundenen Geschlechterverhältnis von Mann und Frau durch die gesellschaftliche Etablierung der Homosexualität – (…) empfinden Rastafaris als ablehnenswert (…)“

    (Wiki-Artikel über Capleton)

    Tolle Leute -___- dazu fällt mir außer „reaktionäres Pack“ nichts anderes mehr ein.

  5. tobias sagt:

    hast du deine Quelle gelesen?
    sie sind ausdrücklich gegen das ausziehen gewesen!

    oder habe ich was verpasst?

  6. Helga sagt:

    @tobias: Ich weiß nicht, was Du meinst. Frittenbude haben einen Auftritt wegen sexistischer Zwischenrufe unterbrochen.

  7. sus.ej sagt:

    „Durch die anhaltende Kritik aus Europa an homophoben Texten seien neue Reggaesongs aber inzwischen weitgehend homophobiefrei.“ – was heißt das denn? Wenns keine Kritik aus good old europe gegeben hätte, hätte sich nix geändert. die meinung hat einen ziemlich postkolonialen anklang, wenn „man/frau/ich eingschlossen“ (redukt/neubauten) mich fragt. und um welchen Reggae-Sänger geht’s hier eigentlich?
    @tobias: ich schließ mich helga an: ich kann dir nicht folgen.
    den link von helga fand ich echt interessant. warum wird eigentlich ausziehen! ausziehen! gerufen, wenn vorne ne frau steht und den songtext nicht kann? woher haben die leute das? von gedichtvorträgen aus der schule?
    Das Zitat vom Festivalsprecher ist auch lustig: “Es ist ein Unding, dass wir uns jedes Jahr aufs Neue mit so was herumschlagen müssen” – wird der nicht klug aus seinen fehlern, oder was? Manchmal glaube ich, dass die erkenntnis vor so einer tür steht, während die leute sich bemühen, kräftig zu ziehen

  8. tobias sagt:

    so, ich habe deinen Text jetzt noch mal 3mal gelesen und nun verstehe ich was du sagen willst. ich war wohl etwas „beschränkt“ in meiner Sicht. Ich dachte, dass du es Frittenbude negativ auslegen würdest, dass sie den Auftritt abgebrochen haben.
    Aber nun gibt es auch für mich Sinn.