Madonna mal wieder
von BarbaraJahrelang wurde die 1958 geborene Madonna Louise Veronica Ciccone als feministische Ikone bezeichnet. Die US-amerikanische Publizistin Camille Paglia nannte sie in den frühen Neunzigern “the future of feminism”. In diesem Jahr feiert sie runden Geburtstag, was mit vielen vielen Veröffentlichungen flankiert wird.
“Madonna und wir. Bekenntnisse” heißt das von Kerstin und Sandra Grether herausgegebene Geburtstagsbuch zum Fünfzigsten der US-amerikanischen Popsängerin. Die Herausgeberinnen, Musikjournalistinnen, Musikerinnen und Popkulturinteressierten haben einen bunten Reigen an Texten und Illustrationen über Madonna gesammelt. Da schreiben neben vielen anderen etwa Inga Humpe (einen etwas wirren, selbstreferentiellen Beitrag über die Wirkung eines Händchen-halten-Fotos von Madonna und Guy Ritchie) oder Christina Mohr (Was passiert in einer “normalen” Biografie in der selben Zeit, wenn Madonna sich mal wieder selbst erfindet?, formuliert als Brief an Madonna). Ein 15-Minuten-Interview aus der Zeit wird noch mal abgedruckt und eine Handvoll deutscher Indiestars (Frank Spilker, Bernd Begemann, Bernadette La Hengst, Julie Miess, Thomas Meinecke) erzählen über ihren Alltag und wie dieser von Madonna tangiert wird.
Manches zu lesen macht viel Freude, manches ermüdet ein wenig, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Fakten aus Madonnas Leben so oft in der Presse genannt wurden – und nicht nur in ihrem Jubiliäumsjahr, sondern natürlich auch schon davor – dass das Buch trotz seiner 400-Seiten-Dicke nicht so wirklich viel Neues bringt, außer der reizvollen, aber durchaus gut ausgereizten Form des Besinnungsaufsatzes zum Thema “Mein Leben und Madonna”.
Ein paar Ausschnitte aus dem Buch:
… Wie ertragen Sie die ganze Negativ-Berichterstattung?
Madonna Mit Humor. Außerdem weiß ich, wo so etwas herkommt. Deswegen nehme ich es nicht persönlich.
Wo kommt es her?
Madonna Die Leute bringen ihre Wünsche zum Ausdruck. Sie haben es nicht gerne, daß jemand über einen längeren Zeitraum erfolgreich ist. Besonders dann nicht, wenn es eine Frau ist, die auch noch ihren Mund aufmacht. Dahinter steckt der Wunsch, mich zum Schweigen zu bringen, mich einzuschüchtern. Es steigert außerdem die Auflage. …
[Detlef Diederichsen, "Eine warmherzige Frau"]Das Kinobild Madonna markiert einen medialen Machtwechsel. Es ist eine Übernahme, es gehört dem Fernsehen. Dort, längst nicht mehr im Kino, werden die Ereignisse kreiert, welche die Welt in Atem halten.
“Express Yourself” ist einer der Videoclips, denen Madonna ihren weltweiten Ruhm verdankt, ein Remake von Fritz Langs Kinoklassiker “Metropolis” im Vierminutenformat.
[Michael Girke, "Das Bild Madonna und die Liebe zum Kino"]Noch lieber als das epochale “Like a Virgin” mochte ich “Material Girl”, so wie Sie in diesem Video wollte ich sein: schön wie Marilyn Monroe, umschwärmt und auf Händen getragen von hübschen Jungs. Und das Wichtigste: Sie hatte die Macht über diese Jungs …
[Christina Mohr, "Wie sich's für ein normales Mädchen anfühlt"]
“Madonna und wir. Bekenntnisse”, herausgegeben von Kerstin und Sandra Grether, ist im Suhrkamp Verlag erschienen. 400 Seiten, kartoniert, 12 Euro.
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Facebook | | Tags: Camille Paglia, Madonna, USA
Eintrag geschrieben: Montag, 17. November 2008 um 11:32 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.






