Ledige Väter

von Barbara

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Vor kurzem ist der Trickfilm “Für immer Shrek” in die Kinos gekommen. Der Film erzählt zum vierten Mal aus dem Leben des Ogers Shrek, der nach vielen Abenteuern glücklich mit Frau und drei Kindern lebt. Trotz großer Ehe- und Vaterfreuden kann er der Versuchung nicht widerstehen, einen Tag lang aus seinem Leben auszusteigen und als von allen Familien-Pflichten befreiter Kerl so richtig die Sau rauszulassen. Das bringt ihn in viele Schwierigkeiten – ungestraft verlässt niemand seine Familie, auch dann nicht, wenn sein Freiheits-Wunsch der eines naiven grünen Unholds im Kinderkino ist.

Die Umkehr dieser Geschichte steckt hinter der Schlagzeile “Ledige Väter erhalten Sorgerecht”, die uns seit ein paar Tagen beschäftigt. Das Bundesverfassungsgericht hat gerade entschieden, dass das Sorgerecht eines unverheirateten Vaters ab sofort nicht mehr von der Zustimmung der Mutter des Kindes abhängig ist. Jeder Vater kann nun das gemeinsame und sogar das alleinige Sorgerecht beantragen – auch gegen den Willen der Mutter seines Kindes. Mit der Anerkennung der Vaterschaft kann ein Mann automatisch das Sorgerecht für sein nicht ehelich geborenes Kind beantragen – müssen tut er es aber nicht. Es geht dem Gericht einzig um das Wohl des Kindes, nicht um das Wohl der Mutter, die aus verschiedenen Gründen vielleicht kein Interesse mehr am Kindsvater als Partner hat und deswegen kein Sorgerecht mit ihm teilen möchte.

Das Bundesverfassungsgericht hat mit diesem Entschluss auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte reagiert: Vergangenes Jahr war von dort angemerkt worden, dass Deutschland im europaweiten Vergleich eines der wenigen Länder ist, das einem ledigen Vater die Möglichkeit entsagt, sich nicht nur finanziell, sondern auch rechtlich um sein Kind zu sorgen.

Nun haben wir also beim Sorgerecht irgendwie Gleichberechtigung, was ja immer ein Grund sein sollte, gemeinsam mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Juhu! zu rufen. Doch es ist ein Juhu! mit einem großen Aber. Natürlich ist es im Interesse aller, Frauen, Männer, Mütter, Väter, Kinder, dass sich beide Elternteile um ihr gemeinsames Kind sorgen. Doch wie ein Interview in der Süddeutschen Zeitung mit dem emeritierten Richter Horst Luthin, der als Experte für Familienrecht gilt, zeigt, laufen wir dabei Gefahr, etwas Entscheidendes zu übersehen. Luthin antwortet auf die Frage, “Es scheint als würden der ledigen Mutter immer mehr Rechte entzogen” folgendermaßen: “Ja, das ist auch gut so. In der Rechtsprechung steht immer mehr das Kindeswohl im Mittelpunkt und weniger die Willkür der Mutter.”

Da sind wir schon beim angekündigten Problem. Die “Willkür der Mutter” – hier wird das Bild einer ich-bezogenen Frau gezeichnet, die bislang alle Rechte über ihr Kind besaß. Sie soll nun einen Teil dieser Rechte gefälligst an den Mann, den Kindsvater schließlich, übertragen. Es geht dabei jedoch nicht um Pflichten, sondern um Rechte. Rechte werden neu verteilt. Ob er nun ledig ist oder verheiratet oder geschieden – ein Vater hat nun das Recht darauf, sich auch um sein Kind zu sorgen. Beschließt nun ein Mann, ob Oger oder Mensch, seine Vaterschaft mal eben beiseite zu lassen, etwas, das leider nicht so selten vorkommt wie man sich das wünschen würde, lässt also ein Mann sein Recht sausen, dann ist es automatisch die Mutter, die für das Kind sorgen muss, erhält sie doch mit der Geburt ihres Kindes automatisch das Sorgerecht. Und damit verbunden auch die Pflicht, sich um ihr Kind zu kümmern. Was ist also nun mit der Willkür des Vaters?

Am Ende des Films “Für immer Shrek” ist der Familien-Aussteiger Shrek sowohl mit seiner Frau als auch mit seinen Kindern wieder vereint. Er hat sich zu ihnen zurück gekämpft, gegen das fiese Rumpelstilzchen und eine Menge böser Hexen. Sein Glück ist: Niemand hat bemerkt, dass er genervt war von seinen Kindern, die ständig die Windeln vollmachen und mit ihrem Gequake seine quality time stören. Keiner weiß, dass er mal eben weg war. Shrek ist weiterhin Vorzeige-Papa und Traum-Partner. So leicht geht das im Märchen – es gibt ein Happyend für die Bilderbuch- Kleinfamilie: Denn natürlich ist Shrek ein heterosexueller verheirateter Oger.

Im echten Leben ist das Happyend nicht so einfach zu erreichen. Doch in welcher Beziehung ein Mann zur Mutter seiner Kinder auch stehen mag, ob ledig, verheiratet oder geschieden, er hat seinen Kindern gegenüber nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Wie das nun in den Gesetzestext hineinkommt, ist schwierig zu beantworten. Vielleicht können diese Pflichten als Rechte verkleidet werden: Gleich nach “Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.” sollte stehen: “Jeder hat das notwendige Recht auf Fürsorge und Unterstützung von Mutter und Vater.”




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 11. August 2010 um 0:00 Uhr unter Familien_politik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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22 Kommentare

  1. Philipp sagt:

    Im GG Art. 6 Abs. 2 steht doch:
    Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

    Im übrigen finde ich es doch recht bemerkenswert wie die Reaktionen hier und in anderen feministischen Blogs auf das Urteil ausfallen.

  2. Jörg Rupp sagt:

    Ich finde es langsam wirklich enervierend. Hier geht es um ein Grunsatzurteil, das tatsächlich nicht verheiratete Väter beinahe mit verheirateten Vätern gleichsetzt, die ja schon seit 1998 automatisch die gemeinsame Sorge haben. Insofern ist dieser Shrek-Vergleich schonmal sehr falsch – Shrek ist verheiratet. Und nicht um die Neuverhandlung der gemeinsamen Sorge. Dieses Urteil macht einfach deutlich, dass Kinder beide Elternteile brauchen. UNd dass Männer, nur weil sie ausgezogen sind oder wurden, nicht automatisch keinen Kontakt mehr zu den Kindern haben wollen. Es macht deutlich, dass eine allein oftmals eben nicht richtig entscheiden kann. Väter wissen, dass sie Pflichten haben. Hier geht es aber letztendlich um eine strittige Trennung, in der beide oftmals mit den härtesten Bandgen kämpfen. Es zeigt ja auch die Debatte, die hier und in anderen, frauendominierten Blogs und Foren aufgemacht wird: man geht bis zum beispiel des prügelnden Vaters, um deutlich zu machen, dass man dieses Urteil ablehnt.
    WEgen dieses Urteils wird man nicht aufhören, zu streiten. DAzu sind Trennungen viel zu oft viel zu emotional und beinhalten oft genug Verletzungen, für die sich dann über die Kinder gerächt wird. Aber es beendet die absurde Situation, dass ein Vater (und es sind fast immer die Väter) weder Auskünfte über ihr eigenes Kind bekommen, noch ein Mitspracherecht haben, wenn es um die wichtigen Entscheidungen geht. EIn Mitspracherecht, das eine Pflicht ist – denn es fordert tatsächlich ein Sich-Kümmern-Wollen.
    Es wird Zeit, dass Frauen aufhören, Männnern erklären zu wollen, wie sie als Vater zu sein haben. Das ist das, was immer in diesen Debatten mitschwingt. Immer. Denn auch das Vorenthalten des Vaters, das Ausgrenzen dieser wichtigen Bezugsperspon bis hin zur totalen Kontaktunterbindung ist ebenfalls eine nicht wahrgenommene Pflicht der Mutter. Kinder wollen in aller Regel beide Eltern und lieben ihre Eltern so bedingslos, wie Eltern ihre Kinder.

  3. Mary sagt:

    Ich finde diese Entscheidung gut, noch besser hätte ich es allerdings gefunden, wenn unverheiratete Väter automatisch das Sorgerecht bekämen, sobald sie die Vaterschaft anerkannt haben und es nicht erst beantragen müssten. Wieso ist es so schwer, das umzusetzen?

  4. Thomas sagt:

    Dieser Kommentar hat die Intention des Urteils nicht verstanden, nicht nur, dass es wie oben schon erwähnt nicht um verheiratete Eltern geht, sondern auch das es nicht um jene Väter geht, die nichts mit ihren Kindern zu tun haben wollen.

    Es geht um jene Väter, die sich der Verantwortung stellen wollen, dieses aber nicht können, weil bisher die Mutter alleine das Sagen hatte. Ich habe auch schon mehrere Berichte gehört in denen selbst das Jugendamt kein Interesse an einer Vermittlung zwischen beiden hatte, sondern sich klar auf die Seite der Mutter gestellt hat, egal ob der Vater geeignet war oder nicht.

    Übrigens damit wir uns nicht falsch verstehen, als Ursache für diese “Diskriminierung” des Mannes sehe ich eindeutig die Diskriminierung der Die Ideologie, dass Kindererziehung Frauensache und auf gar keinen Fall Männersache sei wird mit allen Mitteln verteidigt. Nur wieso finde ich diese Ideologie auch hier und selbst in der taz?

  5. Hutti sagt:

    Apropos Väter und Sorgerecht. Die AG Männer der Piratenpartei hat jetzt einen eigene Internetauftritt: http://www.ag-maenner.de

  6. Seelensammler sagt:

    Was in der Debatte weiterhin konsequent ausgeblendet wird, ist, dass dieses Urteil nur einen Nutzen im Rechtsstatut hat, nicht aber praktische Auswirkungen. Die Urteile, ob eur. oder aus Deutschland stellen nur den Status Quo neu ein. Die praktischen Auswirkungen, dass Väter sich um ihre Kinder kümmern können, wenn es der bösen Mutter nicht gefällt, bleiben davon unberührt. Solange die Umgangsvereitelung nicht durch Richter geahndet wird, wie es in anderen Ländern Europas üblich ist – über Beugehaft, Geldstrafen bis zur Entziehung des Sorgerechtes – ist die rechtliche Eingrenzung des Sorgerechtes nur ein Feigenblatt der Menschenrechte. Berücksichtigt man noch, dass die Mühlen der Justiz furchtbar langsam mahlen, dann dürften in praxi zwischen Klageeinreichung bis zum Gerichtsentscheid zwei Jahre vergehen. In dieser Zeit ist der Grundstein der Entfremdung zwischen klagendem Elter und Kind schon gelegt; weitere Verfahrensverschleppungen sind nicht ungewöhnlich. Daraus resultiert, dass eben diese Entfremdung als Argument dienen wird, bspw. dem Vater im Sinne des “Kindswohl” weiterhin oder dauerhaft zu erschweren, wenn nicht sogar zu verunmöglichen.

    Insofern ist die Litanei der Mütter besonders lächerlich. Wo Gesetze ohne Konsequenz für deren Bruch existieren, wird sich nichts daran ändern, dass ein erheblicher Prozentsatz von Müttern den Vater weiterhin von der gemeinsamen Sorge ausschließen wird. An dem Bild der vielen Papier-Papis und Wochenend-Vatis wird sich nichts groß ändern. Erst wenn man den Unterhalt virtuell oder auf ein Sperrkonto zahlen könnte, oder eben die Gerichte Fehlverhalten tatsächlich umgehend ahnden, würde sich etwas ändern. Und von dieser Reaktion auf Menschenrechtsverletzung von Kindern und mehrheitlich Vätern sind wir noch meilenweit entfernt.

  7. Ershrekt sagt:

    “Es geht dem Gericht einzig um das Wohl des Kindes, nicht um das Wohl der Mutter, die aus verschiedenen Gründen vielleicht kein Interesse mehr am Kindsvater als Partner hat und deswegen kein Sorgerecht mit ihm teilen möchte.”

    Genau [b]das[/b] ist mit “Willkür der Mutter” gemeint.

    Wenn die Mutter kein Interesse mehr am Vater des gemeinsamen Kindes hat, dann ist das ihr Bier, deswegen darf sie die hiervon unabhängige, eigenständige und aus eigenem Recht existierende Beziehung zwischen Vater und Kind nicht einfach sabotieren, weil ihr eben gerade danach ist.

    Das Wohl von Vater und Mutter können erstens nicht unterschiedlich gewichtet werden (das wäre sexistisch motivierte Diskriminierung) und zweitens schon gar nicht dem Wohl des Kindes vorangestellt werden. Wenn man Kinder hat, dann ist eben Schluss mit lustig, denn dann trägt man Verantwortung dem Kind und auch dem anderen Elternteil gegenüber. Und das schließt auch mit ein, für die gesunde Entwicklung des Kindes wichtige Sozialkontakte (etwa zum Vater oder zur Mutter) nicht willkürlich zu unterbinden. Abgesehen davon hat die Mutter kein Recht, auch dem Vater auf diese Weise einfach nach Belieben zu schaden.

    Aber es dürfte – gerade hier – wohl nur auf eine Weise zu verdeutlichen sein, worum es geht, nämlich durch einen Perspektivenwechsel:

    Stellt euch mal vor, die Rechtslage wäre genau andersrum und nicht ledige Mütter, sondern ledige Väter hätten die Möglichkeit, der Mutter ihr Kind so vorzuenthalten, indem sie ihr das Sorgerecht einfach verweigern. Um sie zu strafen, um sie zu erpressen oder was weiß ich. Und dieser Machtmissbrauch fände dann auch tatsächlich massenhaft statt.

    Wie fändet ihr das? Vor allem: Wie fändet ihr das, wenn es [b]euch[/b] selbst passieren würde?

    Da würde dann vermutlich nicht mehr über Shrek rum geulkt, vermute ich.

  8. Rahab, Kanaan sagt:

    ich hätte es gut gefunden, wenn das BVerfG gleich mitentschieden hätte, dass selbstverständlich immer dann, wenn kind/mutter die elterliche mit-/sorge durch den vater wünschen, selbiger diese zu übernehmen hat. schließlich geht es ja ums wohl des kindes. da kann die gemeinsame sorge für ein kind nicht davon abhängen, dass der vater dem zustimmt.

    unter sorge verstehe ich allerdings nicht nur die entscheidung, welche weiterführende schule das kind besuchen soll, sondern auch krankheitstage bei kinderkrankheiten und anderem gedöns zu nehmen, beispielsweise.

  9. [...] die Mädchenmannschaft beschäftigt sich mit dem Thema, auch hier überwiegt der Eindruck, dass Frauen sich jetzt zwar [...]

  10. Marcie sagt:

    Ihr verlinkt allen Ernstes den “Jammernde Väter” Artikel bei Telepolis als Beleg für die “Willkür des Vaters”?
    Der ist noch schlimmer als Meredith’ Klogriff mit dem “Dauerlutscher” damals und sagt viel mehr über die Autorin als über die Väter, von denen sie schreibt (oder wahlweise über diejenigen, die Ihn als Beleg für irgendwas sehen und verlinken).

  11. Barbara sagt:

    Liebe Lesenden,
    als feministisch denkender und überhaupt als denkender Mensch liegt mir natürlich sehr daran, dass alle Menschen die besten Möglichkeiten erhalten, sich um ihre Kinder zu kümmern. Demnach bin ich mehr als einverstanden mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Wie oben auch genannt.
    Ich denke, hier gibt es keine inhaltlichen Kontroversen. Doch wie solche Rechte oder Pflichten ins Gesetz kommen können, wie mit Vorurteilen über sogenanntes willkürliches Verhalten umgegangen werden kann, darüber gibt es sicher Kontroversen. Und so bitte ich darum, die Diskussion nicht auf seltsame Pfade zu führen, sondern beim Thema zu bleiben.

  12. Laura sagt:

    Ich versteh die ganze Aufregung nicht. Gut, der Shrek-Vergleich ist vielleicht etwas populistisch und offenkundig auch falsch, aber ansonsten: Wo sagt der Kommentar bitte, dass der Rechtsspruch nicht in die richtige Richtung gehe?

    Es geht doch nur darum, dass er nicht weit genug geht. Wie Rahab, Kanaan bin ich der Meinung, dass Väter sich nicht nur Rechte erstreiten können müssen (im Notfall), sondern eben auch in die Pflicht genommen werden können müssen. Sprich: im Fall, dass ich ein Kind von nem Mann bekomme, der sich nicht um das Kind schert, muss ich auch einklagen können, dass sich der Mann kümmert. Und zwar eben nicht nur finanziell. Man kann ja nicht immer nur sagen, Kinder bräuchten beide Elternteile, aber wenn sich der Mann freiwillig davon macht, dann ist das dann trotzdem okay.

    Es kann doch nicht sein, dass ich als Mutter im übelsten Fall alle Pflichten übernehmen muss, obwohl das Kind doch zwei Elternteile hat.

    Das ist meiner Meinung nach mit dem Kommentar gemeint. Dass Väter ihre Rechte einklagen können ist gut, aber Mütter müssten die Väter auch zwingen können, ihre “Rechte” wahrzunehmen. Deswegen auch der Satz “Väter haben Rechte, Mütter haben Pflichten”.

  13. Rahab, Kanaan sagt:

    beim Freitag hatte ich dieses gepostet:
    zur ansatzweisen durchdringung des begriffs ‘willkür’ scheint mir nützlich, sich mit dieser entscheidung des BVerfG zu befassen
    http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20080401_1bvr162004.html

    hier die leitsätze
    1. Die den Eltern durch Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG auferlegte Pflicht zur Pflege und Erziehung ihres Kindes besteht nicht allein dem Staat, sondern auch ihrem Kind gegenüber. Mit dieser elterlichen Pflicht korrespondiert das Recht des Kindes auf Pflege und Erziehung durch seine Eltern aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG. Recht und Pflicht sind vom Gesetzgeber auszugestalten.
    2. Der mit der Verpflichtung eines Elternteils zum Umgang mit seinem Kind verbundene Eingriff in das Grundrecht auf Schutz der Persönlichkeit aus Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG ist wegen der den Eltern durch Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG auferlegten Verantwortung für ihr Kind und dessen Recht auf Pflege und Erziehung durch seine Eltern gerechtfertigt. Es ist einem Elternteil zumutbar, zum Umgang mit seinem Kind verpflichtet zu werden, wenn dies dem Kindeswohl dient.
    3. Ein Umgang mit dem Kind, der nur mit Zwangsmitteln gegen seinen umgangsunwilligen Elternteil durchgesetzt werden kann, dient in der Regel nicht dem Kindeswohl. Der durch die Zwangsmittelandrohung bewirkte Eingriff in das Grundrecht des Elternteils auf Schutz der Persönlichkeit ist insoweit nicht gerechtfertigt, es sei denn, es gibt im Einzelfall hinreichende Anhaltspunkte, die darauf schließen lassen, dass ein erzwungener Umgang dem Kindeswohl dienen wird.

    vielleicht wäre es ja hilfreich, die frage nach dem sorgeRECHT mal von hier aus
    http://www.national-coalition.de/pdf/UN-Kinderrechtskonvention.pdf
    zu betrachten.

  14. Ershrekt sagt:

    “Sprich: im Fall, dass ich ein Kind von nem Mann bekomme, der sich nicht um das Kind schert, muss ich auch einklagen können, dass sich der Mann kümmert.”

    “Dass Väter ihre Rechte einklagen können ist gut, aber Mütter müssten die Väter auch zwingen können, ihre “Rechte” wahrzunehmen.”

    Aus meiner Sicht kein Problem – wenn das dann andersrum auch geht. Totale Gleichberechtigung und -verpflichtung eben, ohne Wenn und Aber.

    Ob “Zwingen” hier Sinn macht, sei mal dahin gestellt, solange es keine rechtliche Ungleichbehandlung gibt.

  15. Dulcinator von Toboso sagt:

    “Sprich: im Fall, dass ich ein Kind von nem Mann bekomme, der sich nicht um das Kind schert, muss ich auch einklagen können, dass sich der Mann kümmert.”

    Das passiert doch. Solltest du nämlich ein Kind bekommen, wird der Staat – ganz zwangsweise – an den Vater zur Zahlung von Geld herantreten, sollte er es nicht freiwillig tun. Ist ja auch eine Form des Kümmerns, auch wenn dabei vielleicht nicht die große Emotionalität ausbricht. Ist ja nicht so, als könnte ein Mann ein Kind nach dem anderen in die Welt setzen, und niemand würde ihn deswegen je behelligen.

    Und eine allfällige Kümmer-Verpflichtung gilt dann hoffentlich für beide Geschlechter. Gibt ja auch Fälle, wo Mutti den lieben Kleinen eines Tages beim Vater oder den Großeltern abliefert, weil sie das Mutti-Sein satt hat und lieber in der Weltgeschichte herumreisen und “ganz von vorne anfangen” würde.

  16. Laura sagt:

    @Dulcinator: Jaaaaa, aber die Mütter müssen für den Rest ihres Lebens damit klar kommen, dass alle Welt sie verurteilt!

    Und nein, Geld reicht eben nicht. Sonst könnte die von dir bemühte Mutter ja auch sagen, sie schicke dem Kind, das sie bei den Grosseltern gelassen hat einfach monatlich Geld (bzw. den Grosseltern für den Unterhalt des Kindes). Das ist dann aber einfach nicht fair, ein Kind kostet ja nicht nur Geld sondern auch Zeit und Nerven. Das geht dann unter anderem an dem Zeit- und Nervenkontingent der sich-kümmernden Person ab, das die Person auch für ihren Job einsetzen könnte. Folge: keine Karriere, weniger Geld, unter Umständen auch weniger Jobzufriedenheit.

    Mit einer Geldüberweisung ist es einfach nicht getan. Genau das war der Punkt meines Kommentars.

    @Ershrekt: Genau! Ich bin für Gleichberechtigung, zur Not auch wenns (erstmal) wehtut. Absolute Gleichberechtigung ist das einzige Modell, dass immer fair ist. Manchmal auf Kosten der Frauen, manchmal auf Kosten der Männer. Das ist zwar utopisch, aber wenigstens ein gutes Fernziel.

  17. Bruno sagt:

    Natürlich kommt, wie immer wenn es um Väterrechte geht, gleich der reflexartige Ruf nach Väterpflichten, in diesem Falle der Ruf nach der Pflicht sich doch dann auch um die Betreuung des Kindes zu kümmern. “Vergessen” wird dabei allerdings, daß dann auch die Mutter in der Pflicht ist, nämlich in der Pflicht in so einem Fall Geld durch Erwerbseinkommen ranzuschaffen.
    Was den Vorwurf angeht Männer würden sich nach der Geburt aus dem Staub machen, so könnte man dies recht einfach ändern, indem man, ebenso wie werdenden Müttern, auch werdenden Vätern das Recht einräumt ihre Elternschaft nach der Zeugung abzulehnen.
    Das sich, wie der Überschrift zu entnehmen ist, Frauenpolitik meist hinter Familienpolitik verstecken muß, ist ein weiterer Vorteil von Frauen, denn Männerpolitik muß sich, wenn überhaupt vorhanden, noch immer hinter Frauenpolitik verstecken.

  18. Ershrekt sagt:

    “Was den Vorwurf angeht Männer würden sich nach der Geburt aus dem Staub machen, so könnte man dies recht einfach ändern, indem man, ebenso wie werdenden Müttern, auch werdenden Vätern das Recht einräumt ihre Elternschaft nach der Zeugung abzulehnen.”

    Das wäre natürlich die konsequenteste und auch dem Gedanken der totalen, kompromisslosen Gleichberechtigung am Ehesten entsprechende Art und Weise, “unwilligen” Vätern “vorzubeugen”. Man zwingt sie nach der (womöglich ungewollten) Zeugung nicht, gegen ihren Willen überhaupt erst Vater zu werden.

    Frauen haben nach einer ungewollten, unbeabsichtigten Zeugung/Empfängnis immerhin auch die Möglichkeit, sich den einhergehenden Konsequenzen zu entziehen, Männer hingegen nicht.

    Und das entspricht nicht dem Gedanken der totalen Gleichberechtigung.

    Verweigernde, sich “aus dem Staub” machende Väter wollten womöglich nie Vater werden, wurden hierzu aber gezwungen.

    Eine Beseitigung dieses Zwangs beseitigt also womöglich das Problem “unwilliger Vater”, genauso wie die Straffreiheit von Abtreibungen “unwilligen Müttern” vorbeugt.

  19. Mary sagt:

    hm… kann man das dann auch nur bis zum dritten monat machen und braucht dazu einen medizinischen eingriff? oder kann man seine vaterschaft auch bis zum vorabend der geburt auf dem amtsgericht ablegen?

    ich finde die richtung der diskussion reichlich absurd…

  20. Barbara sagt:

    Liebe Diskutierende,
    vielen Dank für eure Beiträge. Die Diskussion wird an dieser Stelle beendet.

  21. [...] „Willkür der Mutter“ und biologischen Definitionen von Vaterschaft gibt es auf der Mädchenmannschaft, bei Antje [...]

  22. Väter sagt:

    [...] die Mädchenmannschaft beschäftigt sich mit dem Thema, auch hier überwiegt der Eindruck, dass Frauen sich jetzt zwar [...]