Lauter Gesetzesgeburtstage

von Barbara

Wir halten inne: Am 1. Juli 1958 wurde die Gleichberechtigung gesetzlich verankert. Das Familienrecht war damit im 20. Jahrhundert angekommen. Ehe bedeutete nicht mehr länger, dass der Ehemann eine Art Vormund der Frau war und über ihren Arbeitsplatz und ihr Vermögen verfügen konnte. Die Frau konnte ihren Geburtsnamen auch als verheiratete Frau behalten, und auch in der Kindererziehung hatte der Mann nicht mehr per definitionem das letzte Wort.

Und noch ein Geburtstag: Zwei Jahre ist es her, dass im August 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (kurz AGG), das eine Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von „Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität“ verhindern soll, eingeführt wurde.

Doch trotz aller Gleich-Gesetze wird nach wie vor ungleich behandelt. Biologistische Platitüden, miese Sexismen und schlechte Gewohnheiten lassen sich eben nicht durch ein Gesetz verscheuchen.

Wie könnte unsere Zukunft aussehen? Und was soll die Politik für uns machen? Eine Antwort darauf findet Walter Hollstein in seinem Buch “Was vom Manne übrig blieb”:

“Gesellschaft und Politik dürften sich also nicht länger der banalen, aber offenbar tabuisierten Einsicht verschließen, dass auch Männer ein Geschlecht haben. Diese Erkenntnis gälte es in eine Politik für Männer umzusetzen. … Ändern müsste sich aber auch das gesellschaftlich vorgegebene Männerbild, und auch dafür müsste die Politik etwas tun, so wie sie seinerzeit die Veränderung des alten Frauenbilds aktiv betrieben hat.”

Barbara Vinken meint in “Die deutsche Mutter”:

“Wenn die Familienpolitik es darauf anlegt, dass Muttersein und ein erfüllter Beruf auch für Frauen in Deutschland möglich werden und nicht mehr wie bisher die Ehe als Versorgungsinstitution sponsert, wird sich auch hierzulande nach zweihundert Jahren Stillstand, wie die einschlägige Forschung böse, aber zutreffend behauptet, etwas tun.”

Was meint ihr?

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3 Kommentare zu “Lauter Gesetzesgeburtstage”

  1. hn schreibt:

    komplett OT, aber: es wurde sich ja gelegentlich über den Titel “Neue deutsche Mädchen” aufgeregt, wg. des “deutsch”, klinge so nazimäßig, wobei es mich eher an “Neue deutsche Welle” erinnerte… Aber “Die deutsche Mutter”, *das* ist ja mal ein exzellentes Beispiel für einen Nazititel, hui…

  2. Susanne schreibt:

    @ hn: Das ist auch so beabsichtigt - der Titel bezieht sich ganz klar auch auf die NS-Zeit, die dem Muttermythos ja noch mal einen schönen Schub gegeben hat. Ganz wichtiges Buch, unbedingt lesen!

  3. profin schreibt:

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/809583/
    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/07/01/dlf_20080701_0815_fa49f5f7.mp3
    hier ein wundervolles Interview mit Hildegard Hamm-Brücher zu 50 Jahre Gleichberechtigung
    *mutmachend
    *geduldig
    *vorausschauend

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