Kurz notiert: Männergesundheitsbericht, Ehegattensplitting und der Fall Caster Semenya

von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 72 von 358 der Serie Kurz notiert

Bereits im Sommer hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das lediglich für heterosexuell lebende Ehepartner_innen geltende Ehegattensplitting gegen die Grundrechte verstößt, solange Lebenspartnerschaften von dieser Regelung ausgeschlossen werden. Nun musste die schwarz-gelbe Koalition eine erneute Niederlage ihrer steuerrechtlichen Diskriminierung gegen homosexuell lebende Verpartnerte hinnehmen, berichtet der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland. Am Donnerstag waren die so genannten ehebezogenen Gesetzesregelungen und deren Erweiterungen auf Lebenspartnerschaften auch Thema im Bundestag.

Mit Sexismus für Tierrechte! Die neue Kampagne der Tierschutzorganisation PETA ist ein Fall vor die Klospülung, befindet bitchmagazine.org.

Eine Studie des Deutschen Juristinnenbundes zu Frauen in Führungsebenen hat herausgefunden, dass Männer  nach wie vor lieber unter sich bleiben wollen und Frauen den Zugang in ihre Netzwerke versperren. Nicht die oft unterstellte fachlich unzureichende Qualifikation oder das „weibliche Verhalten“ sei schuld, dass elitäre Männerzirkel weiterhin bestehen bleiben, sondern Mentalitätsmuster und Ignoranz unter Managern, schreibt die taz.

Im Fall Caster Semenya (wir berichteten) gibt es Neues: Der internationale Leichtathletikverband hat eine Regelung für „Störungen der sexuellen Entwicklung“ beschlossen. Wie die aussehen soll und ob das Betroffenen hilft, ist aber noch unklar.

Einen sehr schönen Kurzfilm zum Thema Homophobie im Amateurfußball drehten Niko Schleicher und Dino Bernabeo.

Aus dem Abseits – Ein Film über Homosexualität im Amateurfußball from Dino B on Vimeo.

Die FAZ erläutert noch einmal den Männergesundheitsbericht und erklärt, warum es heute nicht mehr ausreicht, bei Männerkrankheiten an die Prostata zu denken.

Bei der neuen Telefonhotline zu sexuellem Missbrauch haben sich in kurzer Zeit über 5.000 Betroffene gemeldet, berichtet die taz. Diese zweifeln auch an dem Engagement des ebenfalls von der Bundesregierung neu ins Leben gerufenen Runden Tisches Kindesmissbrauch – zu einer Betroffenenanhörung erschien nur die Hälfte der Mitglieder, einen festen Platz für die Betroffenen gibt es außerdem nicht.

Krankenkassen müssen Menschen mit Zisidentität nur Eingriffe zahlen, die einen „regelhaften Zustand“ herstellen, berichtet die Ärztezeitung. Zisidentität ist eine Ausprägung von Transsexualität bzw. Transgender, bei der nur teilweise geschlechtsangleichende Operationen gewünscht sind. Aus diesem Grund handelte es sich bei der von einem_r Kläger_in gewünschten Klitorisvergrößerung nicht um die „Anpassung an das andere Geschlecht“, sondern um die Herstellung eines „subjektiven Idealbildes“, die nicht übernommen werden muss.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 3. Dezember 2010 um 13:08 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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6 Kommentare

  1. Marie sagt:

    Im Fall Caster Semenya finden sich identische Verhaltensweisen zum Umgang mit Lesben und Schwulen im Leistungs- wie auch Breitensport. Das ganze besteht seitens der Verbände aus Heuchelei und Doppelmoral. Ich habe es selbst als aktive Schiedsrichterin im DFB erlebt und die von mir in der Vergangenheit betreuten schwulen Profi’s leiden wie alle die anderen die sich Beratern, Betreuern und wem auch immer anvertrauten, unter dem fehlenden Willen des Verbandes.
    Im Fall Caster Semenya jedoch sind die durchgeführten medizinischen Untersuchungen und Gutachten DISKRIMINIERUNG und DIFFAMIERUNG pur. Demütigen wo immer möglich.
    Ich wundere mich jedoch immer wieder, kaum beziehe ich auf meinem Blog auch einmal wütend und echauviert Stellung zu diesen konkreten Fällen, Caster Semenya, im Juli dieses Jahres,
    http://dreckschleuder.info/blog/?p=796 ,
    http://dreckschleuder.info/blog/?p=801 ,
    bekomme ich auch aus diesem Forum Prügel ohne Ende. kann mir mal jemand den Grund nennen ?

    Marie

  2. Helga sagt:

    @Marie: Du hast uns nun schon mehrfach vorgeworfen, dass Du hier „Prügel beziehen“ würdest. Weder auf Deinem eigenen Blog, noch auf diesem Blog wurdest Du im Text oder in den Kommentaren „verprügelt“, auch nicht verbal angegriffen. Zu Caster Semenya hast Du soweit ich das nachvollziehen kann, bisher noch gar nicht kommentiert. Vielleicht verwechselst Du uns mit einer anderen Webseite, auf jeden Fall bitte ich Dich, diese Unterstellungen zu lassen.

  3. Markus sagt:

    Dass Zis-Identität eine „Ausprägung“ von Trans* ist, wäre mir neu.
    Zis* bedeutet, dass die Geschlechtsidentität einer Person mit dem ihr zugewiesenen „Geburtsgeschlecht“ übereinstimmt.
    Das heißt: Eine „Frau“, die sich in ihrem Körper wohl fühlt und keine Geschlechtsangleichende Operation bedarf, da sie sich schon in einem „weiblichen“ Körper befindet, ist eine Zis*Frau.

    Zis* ist einfach nur das Gegenteil von Trans*

  4. Helga sagt:

    @Markus: Jein, ich dachte das bisher auch, aber habe im Internet da schon mehrere Sachen gefunden, bei denen das so wie im Text beschrieben verwendet wurde.

  5. Thomas sagt:

    Zum Artikel in der Taz :

    „Eine Studie des Deutschen Juristinnenbundes zu Frauen in Führungsebenen hat herausgefunden, dass Männer nach wie vor lieber unter sich bleiben wollen und Frauen den Zugang in ihre Netzwerke versperren.“

    Habe ich folgenden Kommentar :

    „Der Artikel passt 100%ig.
    Trotz des Corporate Governance Kodexes, der lt. Pkt.
    5.1.2 fordert : „Der Aufsichtsrat bestellt und entlässt die Mitglieder des Vorstands. Bei der Zusammensetzung des Vorstands soll der Aufsichtsrat auch auf Vielfalt (Diversity)…“

    http://www.corporate-governance-code.de/ger/kodex/5.html

    Hat sich so gut wie gar nichts geändert.
    Auch ich war überrascht, dass das Thema Diversity lediglich „mit Interesse zur Kenntnis genommen“ wird.

    Mein Fazit : Ohne gesetzliche Quote wird sich nichts ändern, es geht nach dem Prinzip „Business-as-usual“. Man bleibt unter sich. Dabei wäre die Frauenquote ein wirksames Instrument, um hier gute Einvernehmlichkeiten und Seilschaften, die Männern schaden, zu brechen. Auch bei einem Chemiekonzern ist mal wieder der Effekt zu beobachten, dass der neue Manager gerade ein paar Wochen im Amt ist und nichts Kreativeres an den Tag legt als 4500 Stellen zu streichen.
    Ich bin für die Frauenquote, damit Herrenclubs, die nur an EBITDA und Ihren Bonus statt an ihre soziale Verantwortung denken, aufgebrochen werden.“

    Der Kommentar müsste eigentlich auch in der Taz erscheinen.

  6. VonFernSeher sagt:

    @Helga

    ‚Zis‘ oder ‚Cis‘ bleibt aber sprachlich nunmal das Gegenteil von ‚Trans‘, das ist kein Begriff, den man bei den Geschlechtern neu vergeben könnte, weil er in vielen wissenschaftlichen Gebieten Verwendung findet.