Kritik an Polyamorie, Queer und Androzentrismus – Links der Woche

von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 92 von 244 der Serie Kurz notiert

MuslimaMediaWatch und Gender Across Borders suchen Autor_innen! Interessieren euch Friedensprozesse und die Situation von Frauen im Mittleren Osten oder habt ihr einfach Lust schreibend an einem feministischen Projekt mitzuwirken? Dann ran an die Tasten!

Terre des Femmes fordert die Bundesregierung auf, nicht an der Ehebestandszeit zu rütteln. Im Rahmen eines neuen Gesetzes zur Bekämpfung von Zwangsheirat ist geplant, diese von zwei auf drei Jahre zu erhöhen. Demnach müssten Verheiratete, die dem_der Ehepartner_in nach Deutschland gefolgt sind, ein Jahr länger auf die Möglichkeit einer unabhängigen Aufenthaltserlaubnis verzichten. Trennen sich beide in dieser Zeit, bedeutet das für den_die zugezogene Ehepartner_in die sichere Abschiebung ins Herkunftsland. Die restriktive Zuwanderungs- und Asylpolitik Deutschlands wäre allein schon Grund zum Ärger, doch Opfer häuslicher Gewalt würde diese Regelung besonders hart treffen.

Warum Männer eine deutlich geringere Lebenserwartung als Frauen haben, ist schon oft diskutiert worden. Die FAZ berichtet, was vermutlich daran schuld ist: Zigaretten.

Queer ist tot!? – Im Interview mit dieStandard.at erklärt Soziologin und Philosophin Roswitha Scholz, warum Queer Theorie angeblich nicht an herrschenden Geschlechterverhältnissen und gesellschaftlichen Strukturen gerüttelt hat. Auch andere neuere feministische Theorien bekommen ihr Fett weg: Sie seien lediglich defizitäre Erklärungs- und Lösungsansätze in Krisenzeiten. Die Kategorie Geschlecht müsse neu und stets fundamental (mit)gedacht werden.

Im Clutch Magazine schreibt Dan Tres Omi, wie er schwarzer Feminist wurde und wie sich das Leben zwischen männlichem Privileg und Rassismus gestaltet.

Bei den Studierenden und den Promotionen haben Frauen heute weitestgehend gleichgezogen, danach aber sinkt ihr Anteil im akademischen Betrieb immer noch deutlich. Inside Higher Ed präsentiert eine neue Studie, die das teilweise erklärt. So müssen Assistenzprofessorinnen US-amerikanischer Unis mit Nachteilen rechnen, wenn sie Bachelorprogramme betreuen, für ihre männlichen Kollegen gilt das nicht. Außerdem klagen sie schon lange, überproportional häufig Service- und Gremienaufgaben übertragen zu bekommen, die dem akademischen Aufstieg ebenfalls nicht zuträglich sind. Auch diese Klagen konnte die Studie untermauern.

MsMagazine freut sich (und wir uns mit), dass die belgische Tennisspielerin Kim Clijsters keine Abwertungen ihres Körpers akzeptiert. Sie konfrontierte einen Interviewer mit einem charmanten Lächeln vor fast 40.000 Zuschauern mit seinem Sexismus und Lookism.

Polyamorie nur für die Eliten? Soziologe Thomas Schroedter erklärt im Gespräch mit Jungle World, warum sich nicht jede_r eine polyamoröse Beziehung leisten kann und inwiefern sich in dieser Beziehungsform bürgerliche Werte und Vorstellungen von Liebe spiegeln.

Je erfolgreicher und selbstbewusster Frauen sind, desto geringer sind angeblich ihre Chancen bei Männern. Männer und ihre Angst vor Frauen mit Macht, wurde schon mehrfach wissenschaftlich untersucht. Androzentrismus galore. Gähn. Trotzdem gibt es dazu mal wieder eine neue Studie, die Molly Lambert von theHairpin.com sarkastisch und humorvoll kommentiert.

Anne Schindler möchte einen Female Sexshop eröffnen und zunächst klären, wo die Bedürfnisse potentieller Nutzer_innen liegen. Auf ihrer Seite habt ihr die Möglichkeit, einen Fragebogen auszufüllen und diesen an die dort angegebene Email-Adresse zu schicken.

Das Kampagnenportal Avaaz.org unterstützt den Kampf gegen sogenannte “korrektive Vergewaltigungen” gegen Lesben in Südafrika. Zum jetzigen Zeitpunkt haben fast 400.000 Menschen die Unterschriftenaktion mitgezeichnet. Auch ihr seid herzlich aufgefordert, mit eurer Stimme diese Form von sexualisierter Gewalt zu verurteilen.

Das Antidiskriminierungsbüro Sachsen, der einzigen merkmalsübergreifenden und unabhängigen Anlaufstelle für Antidiskriminierungsfragen in Ostdeutschland, steht wegen Kürzung von Fördergeldern vor der Schließung, berichtet der Braune Mob. Mit dem Versenden einer E-Card könnt ihr euch solidarisch zeigen.

Das Paderborner Peer-Mentoring-Programm „Einblick!“ sucht Studentinnen, die eine Promotion in Betracht ziehen und sich darüber informieren möchten. Das Programm beginnt im März, Anmeldeschluss ist bereits der 4. Februar. Am 26. Januar, also heute, gibt es für Interessierte schon einmal eine Podiumsdiskussion zum Thema „Promotion und dann? – Erfolgreiche Frauen berichten.“ Mit dabei sind promovierte Frauen aus Unternehmen, Universität und Wissenschaft. Beginn ist um 18 Uhr im Jenny-Aloni Haus (Gebäude zwischen Silo und International Office).

Schließlich weist Rubinia DJanes auf einen Remix-Wettbewerb von Donna Regina hin. Einsendeschluss ist der 29. Februar.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 26. Januar 2011 um 10:31 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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12 Kommentare

  1. Halfjill sagt:

    Der Aufruf von Gender Across Borders endete leider bereits gestern ;)

  2. Ninette sagt:

    Schade, dass das Formular auf der Seite von Frau Schindler so zickt :/
    Ich fände einen ästhetischen, weiblichen Sexshop großartig :3

  3. Nadine sagt:

    @Halfjill

    Oh verdammt, wie peinlich :) Danke für den Hinweis. Mensch lässt sich von solchen Deadlines viel zu oft abschrecken. Ich meine, die sind doch eh konstruiert, um damit Leuten Druck zu machen. Sicher freuen sich alle auch nach dem Ende einer Frist über tolle Autor_innen. Also: trotzdem versuchen und hinschreiben.

    @Ninette

    Was zickt denn genau?

  4. Andreas sagt:

    Über die Aussagen von Roswitha Scholz habe ich mich ja außerordentlich geärgert. Was denn sonst außer dem gemeinschaftlichen Auflösen der Gender-Rollen soll zu einer Neuordnung der Gesellschaft führen? Queer als gescheitert zu betrachten, gar zu unterstellen, es handele sich nicht um eine feministische Theorie, grenzt schon an Beleidigung. Aber die Autorin wünscht sich ja offensichtlich selbst einen Rollback zur 2. Generation Feminismus, als Frauen noch echte Opfer und Männer echte Täter waren, und andere Muster nicht vorkamen.

    Was an der Beobachtung, daß es erfolgreiche Frauen schwerer haben, einen Partner zu finden, androzentristisch sein soll, verstehe ich übrigens auch nicht. Das ist eine rein statistische Beobachtung, noch dazu eine halbwegs gut belegte. Androzentristisch ist natürlich die vorgetragene Interpretation, und ganz und gar furchtbar die daraus abgeleiteten Verhaltensratschläge.

    Und schließlich: einen frauenfreundlichen (und dabei nicht männerfeindlichen) Sexshop gibt es in Berlin: http://www.laluna-toys.de/. Kompetent, freundlich, ästhetisch und wohlsortiert.

  5. Nadine sagt:

    @Andreas

    ja, ich finde die Aussagen von Scholz auch unangemessen und teilweise falsch. Finde aber nicht unbedingt, dass ihr der Sinn nach einer unreflektierten Variante differenzfeministischer Ansätze steht, sondern nach fundamentaler Gesellschaftskritik, die patriarchale Strukturen wieder stärker in den Fokus rückt. An sich keine schlechte Forderung, sie übersieht dabei aber wesentliche queer/feministische und herrschaftskritische Strömungen der letzten Jahrzehnte. Sie rennt quasi offene Türen ein.

    zum Androzentrismus: Nun ja, das sehe ich etwas anders. Ich finde allein schon die Perspektive “Männer fürchten sich vor dem Erfolg von Frauen” sehr männerfokussiert, wegen der vermeintlich logischen Verknüpfung, ein Aufbrechen der alten patriarchalen Normen (Mann erfolgreich, Frau darf an seiner Reproduktion mitwirken, aber mehr nicht) führe zur Schwächung des männlichen Geschlechts oder hätte irgendwie Auswirkungen auf dieses. Frauen werden wissenschaftlich beobachtet, aber bitte immer mit Bezugnahme auf “den” Mann. Statistiken sind ja keine abstrakten, objektiven, dem Diskurs über Geschlecht vorgeschalteten Dinge, sondern sind auch in diese eingebunden und haben bestimmte Motivationen. Damit ist ja noch lange nicht gesagt, dass Männer sich nicht fürchten oder Ängste haben, aber ihnen diese zu nehmen bzw die Normen aufzubrechen, die Männer zu solchen Ängsten veranlasst (oder sich mal komplett dem männerzentrierten Diskurs zu entsagen), ist leider meistens nicht Sinn und Zweck solcher Studien.

    Danke für den Link zum Sexshop.

  6. Andreas sagt:

    @Nadine,

    “Männer fürchten sich vor dem Erfolg von Frauen” ist genau bereits eine Interpretation statistischer Daten, da muß man schon sauber unterscheiden. Und natürlich sind genausogut feministische Interpretationen möglich, so etwas wie “da manifestieren sich patriarchalische Rollenklischees”. Nun könnte man natürlich noch die Datenerhebung in Frage stellen, aber soweit ich das gesehen habe, richtet sich die Kritik eher gegen das unterschwellige “seht ihr, das habt ihr nun von der Gleichberechtigung”. Und das sicherlich zurecht.

  7. Nadine sagt:

    Eine Studie, die untersucht, welche Auswirkungen der Erfolg von Frauen auf das Sexualleben von Männern und Frauen hat, impliziert bereits mehrere Vorannahmen über Geschlecht und Rollen von Mann/Frau. Die einfachste: eine Korrelation oder gar Kausalität zwischen beidem zu vermuten, weswegen solche Studien ja veranlasst werden. Und dort sehe ich bereits das Problem und die Autorin des Textes auch. Vielleicht hab ich mich oben unklar ausgedrückt.

    Ich verstehe im übrigen nicht, von welchen statistischen Daten und deren Interpretationen du jetzt genau sprichst. Was wäre denn der statistische Datensatz zur Interpretation “Männer haben Angst vor erfolgreichen Frauen”? Wie oft sie mit einer erfolgreichen Frau Sex haben? Trennungsgründe? Verhältnis längerfristige Beziehung zu flüchtiger Affäre? Was gilt denn als erfolgreich? Sind Affären weniger “wert” als Beziehungen? Muss stets zwischen sexueller und nicht-sexueller Verbindung unterschieden werden? Wie und warum wird unterschiedlich gewichtet? Nach welchen Maßstäben orientieren sich die Fragen, Untersuchungsobjekte, Auswertung der Ergebnisse? Solche Studien arbeiten mit Begriffen, die weder klar definierbar sind, noch irgendwelchen objektiven und deskriptiven Kriterien unterliegen, sondern in ein komplexes Normengefüge eingebettet sind. Zumal Ergebnisse ganz unterschiedlich interpretiert werden können, welche Rolle die Wissenschaftler_innen oder überhaupt das Motiv einer solchen Studie hat, wird nie reflektiert.

    Es gibt eben diese objektiven Studien, die einfach so vom Himmel fallen und das Problem sind dann die Interpretationen und deren Folgen?! Sehe ich anders.

  8. Andreas sagt:

    Du stellst da jetzt aber nicht die gesamte Soziologie als Wissenschaft und ihre Methodenforschung in Frage, oder? Damit ständest du nicht alleine dar, aber damit könnten wir auch diese Debatte wegen allgemeiner Unvereinbarkeit der Standpunkte beenden.

    Konkret arbeitet die empirische Sozialforschung mit standardisierte Umfragen, die sich sehr wohl so weit wie möglich an objektiven Kriterien orientieren. In Deutschland ist einer der bekannteren Datensätze das sozio-ökonomische Panel (SOEP) des DIW. Wenn man aus so einem Datensatz mit anerkannten statistischen Methoden eine Korrelation zwischen zwei Variablen feststellt, so halte ich das erst mal für vergleichsweise objektiv und unvorbelastet. Spannend, und für mich auch potenziell strittig, wird es dann, wenn es um den Versuch geht, diese Korrelation zu erklären.

    Mögliche Korrelationen, die einer Interpretation “Männer haben Angst vor erfolgreichen Frauen” zugrundeliegen könnten, wären zum Beispiel:

    * In Ehen und Lebensgemeinschaften hat der Mann in vielen Fällen einen höheren sozialen Status/ein höheres Einkommen/einen angeseheneren Job/eine höhere Bildung als die Frau
    * Frauen, die selbst einen überdurchschnittlich hohen sozialen Status/ Einkommen/Job/Bildung verfügen, sind unterdurchschnittlich häufig in einer festen Partnerschaft oder haben Kinder

    Ich habe keine Ahnung, ob das tatsächlich der Fall ist, ich habe keinen Zugang zu den Daten des SOEP und auch nur sehr rudimentäre Fähigkeiten im Umgang mit Statistikwerkzeugen. Leider unterscheidet das SOEP auch nicht zwischen “ich bin Single und glücklich damit” und “Ich bin Single, hätte aber gerne einen Partner”, es fehlt damit auch die Variable, um den gesuchten Zusammenhang in diesem Datensatz zu zeigen. Aber rein grundsätzlich denke ich schon, daß es möglich ist, jenseits relativistischer Beliebigkeit empirisch zu arbeiten.

    Ich finde es im übrigen auch nicht verwerflich, solchen Fragestellungen nachzugehen. Es macht natürlich einen Unterschied, ob man von vornherein einen bestimmten Sachverhalt nachweisen möchte, oder ob man durch allgemeine Betrachtungen, z.B. zum Phänomen des demographischen Wandels, auf solche Korrelationen stößt und ihnen auf den Grund gehen möchte.

  9. Nadine sagt:

    Nein, ich stelle nicht die Soziologie und ihre Methodologie in Frage (als ob solche Quatschstudien über Männer und Frauen DIE inhaltliche Frage der Soziologie wäre), sondern hinterfrage Motivation, Gehalt und Auswirkungen solcher Studien auf das Normengefüge über Geschlecht. Außerdem halte ich den Glauben an eine autonome, autoritäte und authentische Wissenschaft für ziemlich problematisch. Es gibt eine Studie zu xy, also muss das wohl so sein/stimmen/zutreffen oder ein Zusammenhang zwischen A und B bestehen. Studien sind konstruiert, ihre Ergebnisse ebenso, genauso wie ihre Untersuchungsgegenstände. Der gesamte Vorgang von der ersten Überlegung bis zur Rezeption im Mainstream (re)produziert bereits bestehende Diskurse über den Untersuchungsgegenstand und (re)produziert damit auch wieder Normen, die unsere gesellschaftliche Realität rahmen. Reflektiert wird das meines Erachtens nach leider viel zu selten, wie solche Studien wirken und was Wissenschaftler_innen da eigentlich gerade tun, wenn sie in solchen Feldern forschen. Wissenschaftskritik oder kritische Wissenschaft ist leider nicht en vogue.

    Ich verstehe natürlich, was du meinst, blicke aber mit einer anderen theoretischen Perspektive auf das Thema. Wie du schon richtig bemerkst: allgemeine Unvereinbarkeit der Standpunkte ;) Ich finde, wir ergänzen uns dennoch sehr gut.

  10. let sagt:

    Danke für die Interessanten Hinweise.

    Die Links sind aber irgendwie recht verwirrend / übermütig gesetzt. So wird nicht immer ganz klar, was der eigentliche Link und was worterklärende Links sind. (bei “Polyamorie” und “Lookism” z.B.)

    Ich will mich ja nicht beklagen, würde es aber wesentlich eingängiger finden, wenn die Links direkt bei / auf den verlinkten Personen wären. Zum Beispiel auf “A schreibt über ….” anstatt weiter hinten im Satz.

  11. Nadine sagt:

    Hey let,

    danke für die Hinweise. Du hast recht, es ist in der Tat etwas verwirrend. Wir achten demnächst darauf, für nicht mehr so viel Verwirrung zu stiften, zumindest nicht bei Links ;)

  12. GodsBoss sagt:

    @Nadine:

    Du schreibst, Studien seien konstruiert, ebenso ihre Ergebnisse und ihre Gegenstände. Würdest du das auch auf den zuvor erschienen Blog-Eintrag der Mädchenmannschaft (http://maedchenmannschaft.net/ingenieurinnen-gesucht-ohne-angemessene-bezahlung-wird-das-nichts/ war das) beziehen oder dort nicht? Falls nicht, aus welchen Gründen nicht?

    Im Übrigen möchte ich dir ohnehin widersprechen: Die Ergebnisse von Studien stehen – richtig durchgeführt – eben nicht fest, sonst bräuchte man die Studien gar nicht, sondern sollen bisher unbekannte Korrelationen aufdecken und vermutete Korrelationen bestätigen oder widerlegen. Eine Kritik an einer Studie könnte höchstens individuell erfolgen, z.B. wenn diese aus diversen Gründen fehlerhaft durchgeführt würde. Du hast eine eher allgemeine Kritik angebracht, die auf diese Studie angewendet werden könnte, aber nicht zwangsläufig muss. Leider war sie nicht direkt verlinkt und ich habe nicht gesucht, insofern weiß ich natürlich nicht, wie korrekt die Studie durchgeführt wurde und wie die Definitionen zum Untersuchten sind.

    Achso: Die Interpretation einer bloßen Korrelation ist natürlich etwas ganz anderes. Da wäre natürlich interessant, warum andere als die genannte Möglichkeit auszuschließen sei.