Kritik an der MMwird5-Party

von der Mädchenmannschaft

Am vergangenen Samstag hat die Mädchenmannschaft ihr fünfjähriges Jubliäum einen Tag lang in der Werkstatt der Kulturen in Berlin gefeiert, mit Hilfe zahlreicher feministischer Personen, Initiativen und Vereine, mit Workshops und Lesungen, Musik und Podiumsdiskussionen. Bei der letzten Podiumsdikussion des Tages, die sich um die Vor- und Nachteile feministischen Netzaktivismus‘ drehen sollte, kam es zu einer ganzen Zahl an rassistischen Vorfällen bei der Diskussion um sl*twalks, woraufhin Frauen* of color den Raum verließen und die Diskussion schließlich abgebrochen wurde.

Noah Sow stellte daraufhin ihre geplante musikalische Auftrittszeit zur Verfügung, in der Frauen* of color ein spontanes Panel formten, um Rassismus (und andere Diskriminierungsformen) bei der Party zu benennen und die Verantwortlichen, inklusive der Mädchenmannschaft, zu kritisieren.

An dieser Stelle möchten wir die Kritik, dass eine Diskussion der Ereignisse bislang nur unter dem Label „Selbermachsonntag“ lief, aufgreifen, und Euch ein ausdrückliches Forum geben, um die Mädchenmannschafts-Party zu kommentieren, zu kritisieren und zu reflektieren, und Eure Erlebnisse, Erfahrungen, Meinungen, Kritiken und Vorschläge zu sammeln.

Es gibt bereits erste Reaktionen in Form von Blogsposts, unter anderem von Anarchistelfliege, Kotzendes Einhorn und accalmie.

Die Mädchenmannschaft selbst wird in den kommenden Tagen ein längeres Statement veröffentlichen.






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21 Kommentare

  1. Ursula sagt:

    Ich muss Euch sagen, ich finde das wirklich absolut vorbildlich, wie Ihr mit Kritik umgeht. Das ist wirklich ein Ausmaß von Selbstreflexion, das man selten findet. Hut ab!

  2. Samia sagt:

    Ich hab schon verstanden, dass da noch was kommt – trotzdem versteh ich nicht, warum weder beim Selbermach-Sonntag noch hier ne Entschuldigung steht. Ist eigentlich ein no-brainer.

  3. Freda sagt:

    In den nächsten Tagen ein längeres Statement?! Sorry, aber wenn Euch die abgegangene rassistische Kackscheiße nicht gänzlich am Arsch vorbeigehen würde, stünde hier erstmal eine dicke Entschuldigung!

    Und schon solches Geschwurbel wie „stellte daraufhin ihre geplante musikalische Auftrittszeit zur Verfügung“. So kann man es auch umschreiben, dass sie ihren Auftritt wegen der ganzen rassistischen Kackscheiße abgesagt hat. Ich fürchte dieses „längere Statement“ wird nur so strotzen vor Rassismus-Verharmlosung und Relativierung.

    Es war Eure Veranstaltung! Ihr seid verantwortlich gewesen!! Versucht nicht Euch rauszureden!!!

  4. Irma sagt:

    Vor dem Hintergrund, dass es aus Euren Reihen schon seit langem viel Kritik am S.W., den S.W.-Macher_innen und ihrer Art und Weise mit Kritik umzugehen gegeben hat, stellt sich die Frage, warum Ihr die S.W.-Orga-Person überhaupt eingeladen hattet?

    Wolltet Ihr eine Plattform für Ismen-Reproduktion bieten? Oder vielleicht eher ein „weiße doofe unreflektierte Möchtegernfeministinnen“ vs. „weiße vollreflektierte Superfeministinnen“-Battle inszenieren, in dem dann die weiß positionierten Mädchenmannschaftler_innen als „die guten Weißen“ dastehen und die S.W.-Person als Abgrenzungsfigur funktioniert? (auf wessen Rücken solche Inszenierungen stattfinden ist ja leider klar geworden…)

    Sara Ahmed hat zu solchen Mechanismen schon vor langer Zeit geschrieben „Declarations of Whiteness: The Non-Performativity of Anti-Racism“:
    „Here, antiracism becomes a matter of generating a positive white identity, an identity that makes the white subject feel good about itself. The declaration of such an identity is not in my view an anti racist action. Indeed, it sustains the narcissism of whiteness and allows whiteness studies to make white subjects feel good about themselves, by feeling good about ‘their’ antiracism. One wonders again what happens to bad feeling in this performance of good, happy whiteness. If bad feeling is partly an effect of racism, and racism is accepted as ongoing in the present (rather than what happened in the past), then who gets to feel bad about racism? One suspects that happy whiteness, even when this happiness is about anti-racism, is what allows racism to remain the burden of non-white others. Indeed, I suspect that bad feelings of racism (hatred, fear, pain) are projected onto the bodies of unhappy racist whites, which allows progressive whites to be happy with themselves in the face of continued racism towards non-white others.“

    http://www.borderlands.net.au/vol3no2_2004/ahmed_declarations.htm

  5. Bäumchen sagt:

    @Ursula
    Bisher wurde noch keine Selbstkritik geübt, nur oberflächlich gestreift, dass die MM auch verantwortlich ist, und das in einem Halbsatz. Kekse verteilen find ich jetzt echt unangebracht.

  6. Lautsprecherin sagt:

    Ich finde, dass die Kritik an der MM nicht in allen Punkten gerechtfertigt ist. Zum einen hat ein Orgateam nicht zu jedem Zeitpunkt eine hundertprozentige Kontrolle darüber, wie sich Gäste, ReferentInnen oder kooperierende Gruppen verhalten werden.

    Zum anderen ist die MM ein Team- da besteht die Notwendigkeit, Vorfälle intern zu diskutieren, bevor man sich öffentlich äußert. Das kann auch mal ein oder zwei Tage in Anspruch nehmen.

    Des weiteren ist es durchaus richtig, ZUERST mit Personen zu sprechen, die in den Vorfall eingebunden oder davon betroffen waren. Nur so kann vermieden werden, implizierte Rassismen unbewusst zu reproduzieren.

    Auf den kommenden Artikel bin ich daher gespannt!

  7. steffi sagt:

    hm, schade. nicht mal die mädchenmannschaft kann einen safe space schaffen.

  8. Freda sagt:

    @steffi
    Sie wollte gar keinen safe space schaffen. Der MM war doch klar, dass mit dem SW-Orga rassistische Kackscheiße kommen wird. Irma hat das, was wohl abgehen sollte, gut dargestellt.

  9. distelfliege sagt:

    Freda: Das finde ich zu hart geurteilt, und ich finde, ihr blendet die MM-Autorinnen of Color auch aus. Was auch nicht ok ist. Das soll nicht heissen, dass die Frauen* of Color der Mädchenmannschaft jetzt als das Feigenblatt herhalten sollen, warum alles ok war, aber ist es ok, sie einfach komplett unter den Tisch fallen zu lassen, und gar den weißen unter den MM-Leuten böse Absicht unterzuschieben und ihre eigenen Kolleginnen* ans Messer zu liefern?

  10. Maxine sagt:

    Es geht hier doch nicht um böse Absichten, sondern zunächst einmal um den objektiven Sachverhalt eines Moderations-Fails aus welcher Motivation auch immer. Da jetzt die MM-Mitarbeiterinnen oC anzuführen – von denen ja keine mit moderiert hat und um die es hinsichtlich der Kritik an diesem Fail darum gar nicht geht (bzw. nicht mehr als um alle anderen betroffenen PoC) -, klingt für mich, ehrlich gesagt, ein bisschen nach „beim SW machen doch auch PoC mit, ohne sich zu beschweren… meine Freundin ist auch schwarz und hat gesagt…“ usw., und ist hart am Derailing. Es spricht auch nichts dagegen, eine Veranstaltung der MM an den Standards zu messen, die gerade auch auf MM immer wieder – und ganz zu Recht – an Veranstaltungen anderer Organisationen angelegt werden. Von daher verstehe ich auch nicht, warum nicht vor dem angekündigten längeren Text, auf den mensch ja gut warten kann, erst einmal wenigstens eine kurze Entschuldigung kam.

  11. distelfliege sagt:

    Das wäre hart am Derailing, wenn mans so auffassen will, wie du das darstellst, Maxine, das würde ich auch finden. Ich habe aber eine andere Auffassung. Ich habe in den Kommentaren hier und auf FB nicht explizit nur Kritik an der Moderation gelesen, sondern an der MM im Ganzen und an der Art und Weise wie die Veranstaltung organisiert war, das geht um das reine Moderieren hinaus. Und du sagtest explizit „Sie (die MM) wollte gar keinen Safe space schaffen“. Da ist nicht erkennbar, dass du damit die weiß positionierten MM’s meinst oder nur die Moderation. Ich fasste das so auf, dass du die Veranstaltungsorga allgemein meinst. In diesem Sinne empfinde ich das schon so, dass die MM AutorInnen oC unter den Tisch fallen. und ich möchte meinen Hinweis nicht in dem Sinne verstanden wissen, dass die WoC der MM nun als Feigenblatt herhalten sollen (ich wiederhole mich nochmal), sondern ich mochte das einfach nur sagen weil ich merke, dass sie in der Diskussion unsichtbar gemacht werden.

  12. distelfliege sagt:

    @Maxine, wah, jetzt habe ich abgeschickt und mich total vertan, das mit dem „wollte keinen safe space schaffen“ hatte Freda geschrieben.

    Ich wollte aber eh noch was nachtragen zu dem, was du geschrieben hast, abseits von dem mich-erklären wollen. Ich stimme dir ansonsten völlig zu, der Moderationsfail war einfach objektiv einer, und mit dem Messen der MM an den Standards die sie an sich und andere anlegen, das finde ich auch völlig legitim. Mir gings jetzt wirklich nur um Un/sichtbarkeiten durch Formulierungen.

  13. sarah sagt:

    Ich habe gerade gedacht:
    Wäre eine reflexartige Entschuldigung nicht genau das: eine pure Selbst“ent“lastung von „der Schuld“ – und eine Selbst-Entlastung von der Debatte? statt einer nachhaltigen Veränderung?

  14. Hanine sagt:

    Die Fragen, die alle anwesenden weißen, die sich gerne als antirassistische Allies verstehen wollen (nicht nur die weißen MM-Mitglieder), sich meiner Ansicht nach jetzt fragen müssen, sind:
    Wie konnte es soweit kommen? Wieso haben wir nicht deutlicher widersprochen? Wieso haben es wir weißen nicht geschafft, trotz unserer „Beschäftigung“ mit diesen Problematiken einen Safe Space für PoCs bereitzustellen und aufrechtzuerhalten? Wieso hat niemand außer Julia versucht, das Ganze schon früher abzubrechen? Wieso mussten erst PoCs aufstehen, rausgehen und ein eigenes Podium machen, damit auch wir mal blicken, was da gerade abläuft? Wieso hatten wir so verdammt wenig Mut? Vor allem in einem Raum, in dem eigentich klar ist, wo die Mehrheit der Leute steht, in einer Situation, die viele haben kommen sehen (-> einfachstes Setting)? Wie weit ist es denn her mit unserer antirassistischen Haltung?
    Wie Noah Sow anschließend auf den Punkt brachte: Das alles ist KEINE Theorie. Wir (weiße) können so lange kommentieren, bloggen, reden, wie wir wollen, wenn wir in solchen Situationen nicht aufstehen und handeln, ist das Ganze nix wert. „Die Anstrengung muss erkennbar sein“, dieser Satz fiel auch auf dem zweiten Podium, ich weiß leider nicht mehr, von wem er kam.
    Raunen und kurze Zwischenrufe reichen nicht. Wir hätten sie rausschmeißen müssen, nicht erst nachher feststellen, dass die falschen Personen den Raum verlassen haben. Auch wenn die Veranstalterinnen erst viel zu spät eingeschritten sind, alle anderen hätten es auch tun können. Wir haben es nicht hinbekommen, einen ganz normalen Akt der Zivilcourage zu vollziehen. Für den wir keine Theorie und keine Texte brauchen.
    Natürlich ist mensch nachher immer schlauer, aber diese Situation war abzusehen.

    Das alles ist ja nichts Neues. Sämtliche 101-Texte über „being an ally“ haben das schon seit Jahren dargelegt. Mir hat es nur deutlich gezeigt, inwieweit solches Wissen bei mir und anderen in der Theorie stecken bleibt, im Texte lesen oder auch schreiben. Oder es kommt halt zu einem Blog- oder Facebook-Kommentar oder fünfzehn. Was nicht unbedingt gar nichts bringt, aber es ist eben nicht genug.

    Wir können uns entschuldigen, aber brauchen letztendlich nicht zu erwarten, dass das jemand annimmt. Ich für meinen Teil möchte mich gerne entschuldigen. Wenn mir das als „White guilt“ ausgelegt werden kann, muss ich eben damit leben.
    Aber alles, was wir wirklich machen können und was was bringen kann, ist bei der nächsten solchen Situation unser Scheißmaul aufzumachen. Wenn wir so weitermachen, ändert sich nix.

  15. Hanine sagt:

    „Die Fragen, die alle anwesenden weißen außer Julia“ müsste es heissen…

  16. distelfliege sagt:

    Hanine: Danke..! Das fiel mir auch (bei mir selber) auf, wie das Wissen von der Theorie beim Transferieren in die Praxis steckenbleibt… ich schliesse mich deinen Ausführungen an.

  17. Aliya sagt:

    Mich wundert in einer Debatte um Rassismus bei der Mädchenmannschaft-Feier vor allem bisher sehr, dass ein Punkt bisher nicht angesprochen wurde:
    Es gab die Veranstaltung zu Frauen* in der ägyptischen Revolution… warum wurde die von einer weißen* (nicht-ägyptischen) Frau* geleitet? Gibt es nicht genügend ägyptische Aktivist_innen in der BRD? Vor allem jetzt gerade, wo sich im Rahmen von Veranstaltungen der RLS einige Aktivist_innen aus Ägypten in Berlin befinden, hätte mensch doch von dort eine einladen können. Mal wieder wurde so nur von hier über „die Ägypterinnen“ gesprochen.

    Dass es in der Folgediskussion nahezu ausschließlich um kopftuch/ Niqab ging, brauch ich wohl kaum zu erwähnen. Eingeschritten ist da niemensch (war anscheinend nicht kontrovers genug, wie der Slutwalk)

    Schade… und traurig, dass das die Mädchenmannschaft-Orga anscheinend nicht reflektiert hat.

  18. Antje sagt:

    Hallo liebe Mädchenmannschaft,

    normalerweise schreibe ich nie Kommentare auf politischen oder/und aktivistischen Blogs oder überhaupt im Internet, da ich mich dem Bashing, das in der Regel auf einen Kommentar folgt, nicht wirklich gewachsen fühle, bzw. mich dem nicht aussetzen möchte. Und obwohl mir einige Kommentare zu eurer Veranstaltung bereits vom ersten Moment an aufgestoßen sind, habe ich mich dennoch wie gewohnt zurück gehalten, doch ich möchte dies nicht länger tun.

    Zunächst einmal möchte ich erwähnen, dass ich erst durch euren Blog den Elan zum aktivistischen und aktiven Feminismus (wieder-) gefunden habe. Seit ich euren Blog kenne und regelmäßig lese, fühle ich mich nicht mehr allein oder verloren, sondern hatte/habe das Gefühl, endlich auf Menschen mit denselben Ansichten und Vorstellungen über diese unsere Welt und deren Verbesserung gefunden zu haben. Und auch, wenn wir sicher nicht immer einer Meinung sind (wie auch, bei so vielen verschieden Individuen), wusste ich immer, bei euch erhalte ich Zuspruch und Motivation. Ich bin also nicht allein und das ist ein großartiges Gefühl.

    Am vergangenen Wochenende habe ich ebenfalls an eurer Geburtstagsveranstaltung teilgenommen. Und ich muss sagen, es hat mir grandios gefallen! Es war toll, unter Gleichgesinnten herum zu wandern, Projekte und Initiativen persönlich kennen zu lernen, an interessanten Workshops teilzunehmen, kontroversen und spannenden Podiumsdiskussionen sowie wunderbaren Konzerten zu lauschen. Sicherlich gab es hier und da organisatorische Feinheiten, die besser hätten funktionieren können, aber hey, nobody’s perfect! Und nein, ich habe der nun in aller Munde seiende Diskussion nicht beigewohnt, schlichtweg, weil ich unten im Foyer das Konzert von Phia (großartig, übrigens) angesehen/angehört und auf das folgend vorgesehene Konzert von Noiseaux gewartet habe.

    Daher kann ich natürlich zur aktuellen Diskussion nichts sagen. Und ja, ich meine, „nichts“ sagen, denn wie möchte mensch etwas beurteilen, was mensch gar nicht miterlebt hat? Ich denke, dass mensch nicht darüber diskutieren muss, ob Rassismus stattgefunden hat, erst recht nicht, wenn mensch nicht dabei gewesen ist. Alle Kommentare/Blogs/Meinungen und auch euer Statement dazu sprechen Bände und sind sich soweit einig. Rassismus war da und wurde nicht konsequent unterbunden. Das war scheiße und darüber muss mensch sich nicht streiten.

    Doch leider stößt mir so einiges an der folgenden Debatte unheimlich auf. Ich fand es wahnsinnig mutig und respektiere es unwahrscheinlich, dass sich einige p.o.c. auf dem spontanen Podium noch einmal Luft machen konnten/wollten/die Kraft dafür aufgebracht haben. Ich selbst hatte ja wie bereits erwähnt die entsprechende Diskussion nicht mitbekommen, empfand aber diese spontane Aktion (die ich wiederrum miterlebt habe) unwahrscheinlich wichtig und lehrreich. Für diesen Kraftakt ein großes Danke an die beteiligten Personen. Ich weiß, dass niemand mehr den Erklärbär machen möchte, geschweige denn soll, nichtsdestotrotz habe ich von dieser geschätzten halben Stunde mehr mitgenommen als von stundenlangem Lesen im Internet.

    Unabhängig davon (und ich weiß, dass dies in/von der emotionalen Gesamtheit schwer zu trennen ist), möchte ich trotzdem ein Lob loswerden. Es war bis auf diese Diskussion eine wunderbare Veranstaltung. Es war toll, all diese doch nicht immer greifbaren Menschen, deren Artikel mensch bei euch oder durch euch vermittelt tagtäglich liest, im realen Leben zu hören, zu sehen und auch kennen zu lernen. Die ganzen Projekte mal „live“ zu sehen und sich damit auseinander zu setzen. Spannende Workshops zu erleben und Fragen zu stellen, auf die mensch direkt sofort Antwort bekommen konnte. Und, natürlich, wahnsinnig interessante und schöne Lesungen und Konzerte zu erleben. Dafür ein dickes DANKE.

    Und daher: War es falsch, die Sl*twalk-Menschen überhaupt einzuladen? Wahrscheinlich. Aber dennoch verstehe ich den eventuellen Ansatz, vielleicht in so einer Umgebung auch einmal klaren Tisch zu schaffen und vielleicht eine Klärung/Entschuldigung herbei zu führen. Ist die Moderation mangelhaft gewesen? Vermutlich, sonst wäre es wahrscheinlich nicht so weit gekommen. War die ganze Veranstaltung deswegen scheiße? Nein. Nein und nein.

    Es ist wirklich schwierig, gerade für Menschen, die mit der ganzen Theorie nicht so auf der Höhe sind, und die nicht jede Online-Diskussion verfolgen, einen Kommentar hier zu hinterlassen. Und, um Missverständnissen gleich vorzubeugen, das liegt nicht an euch. Wenn Mensch Angst haben muss, sofort einem Bashing von Dritten ausgesetzt zu sein, weil manche Menschen immer noch Schwierigkeiten haben, auch eine andere, so interpretierte „minder“qualifizierte Meinung zuzulassen, wird mensch auch die entsprechende Meinung eher für sich behalten. Und das ist verdammt schade. Wenn ich sehe, wie manche Kommentare sofort niedergemacht werden, weil sie nicht der Ansicht einige_r Kommentator_innen entsprechen, wird eine_m doch Angst und Bange. Und das ist so schade. Wo bleibt die Solidarität oder auch die viel beschworene Toleranz?

    Allen Menschen, die die Veranstaltung kritisiert haben, weil zum Beispiel Namenschilder gefehlt haben oder euch die offizielle Vorstellung, uns so vieles mehr nicht zugesagt haben oder, oder oder… Lasst euch gesagt sein: Eine Veranstaltung dieses Ausmaßes zu organisieren, gerade für eine Gruppe von Menschen, die noch dazu eigentlich nur online agiert, ist eine unwahrscheinlich schwierige Aufgabe. Mensch kann es nicht allen recht machen, niemals. Konstruktive Kritik ist etwas Gutes, und gerade die MM kann damit vermutlich besser umgehen als manch andere Menschen, aber einfach nur Meckern… Bitte mal an die eigene Nase fassen und rekapitulieren, was mensch selbst in der Hisnicht vielleicht schon (oder eben auch nicht) geleistet hat.

    Und, dass eine Gruppe von Menschen ein paar Tage (meiner Meinung nach wären auch mindestens zwei Wochen absolut in Ordnung gewesen) braucht, um ein im mehr oder weniger im Konsens verfasstestes Statement zu veröffentlichen (und das neben Lohnarbeit, Studium, persönlicher Dinge usw.), ist meiner Meinung nach mehr als in Ordnung. Die Mädchenmannschaft reflektiert, und zwar mehr als vermutlich die meisten von uns, was an diesem Abend passiert ist, und geht tatsächlich selbstkritisch damit um. Jede_r, der/die mal in einer offenen oder/und basisdemokratischen Gruppe mitgearbeitet hat, weiß, wie schwer gemeinsame Statements zu verfassen und vor allem zu vereinbaren sind. Ein paar Tage Zeit gebiert da nicht nur die organisatorische Ordnung, sondern auch die Sorgfalt. Überhastete Kommentare, Blogs, Artikel usw. haben wir doch beileibe bereits genug von jeglichen Gruppen erlebt. Ein bisschen überlegte Reflektiertheit ist da zur Abwechslung vielleicht doch gar nicht mal so schlecht.

    Liebe Kritiker_innen, ich verstehe euren Unmut, euren Ärger, eure Empörung. Aber ich frage euch: Wo wart ihr? Warum verlasst ihr euch auf andere, wenn euch der Rassismus quasi ins Gesicht springt? Ich weiß, wie schwierig es ist, punktgenau zu reagieren. Aber die eigene Lähmung in solchen Momenten nun an den Menschen von der MM auszulassen… Nun ja, das erscheint mir reichlich bigott. Ohne Frage, ich habe leicht reden, ich war bei der betreffenden Diskussion nicht dabei. Aber Leute hier zu bashen, weil sie ihre Meinung dazu äußern? Den ehrenamtlichen Organisator_innen bösartige Absichten zu unterstellen, weil etwas richtig aus dem Ruder gelaufen ist? Irgendetwas läuft hier in dieser Online-Diskussion gewaltig falsch. Selbst an die Nase fassen wär vielleicht einmal angebracht.

    Und liebe Mädchenmannschaft: Ich finde euren Blog toll und wirklich wichtig. Und ich habe mich extrem auf eure „live“ Veranstaltung gefreut. Und es war schön, ja, das war es. Bis auf das Ende, aber das wissen wir alle. Dass sich damit deutlichst und intensivst auseinander gesetzt werden muss, ist klar, und dass ihr das auch tut, ist für mich aus euren Statements auch immer ersichtlich gewesen.
    Aber dass sich jetzt manche Leute an organisatorischen Dingen hochziehen, nur, um nunmehr Munition für ein neues Feindbild zu sammeln, ist für mich vollkommen unverständlich und das habt ihr nicht verdient. Punkt. Und ich entschuldige aufrichtig mich dafür, nicht eher „laut“ geworden zu sein. Es macht mich traurig, dass dies nunmehr als reines „Verbraucher“-Event gesehen und behandelt wird. Ja, die MM hat es organisiert, aber wir sind/waren alle Teil davon, wie auch in der Online-Aktivität. Damit, diesen Faktor jetzt einfach zu ignorieren, macht mensch es sich zu einfach.

    Anti-Diskriminierung in jeglicher Hinsicht geht jede_n etwas an. Es ist zu leicht, dass jetzt auf euch und eure Veranstaltung oder gar auf einzelne Personen zu schieben. Es liegt an uns allen.

    In diesem Sinne, gebt nicht auf, bitte ver-/bearbeitet die enstandene Eskalation und macht weiter.

    Danke und solidarische Grüße,
    Antje