Krieg gegen Frauen

von Susanne

Innerhalb von drei Tagen wurden in Tschetschenien sieben tote Frauen gefunden, vermutlich hingerichtet.

In Tschetschenien ist ein neuer Krieg ausgebrochen, der dritte. Es ist ein „Krieg gegen Frauen“, schreibt das russische Tabloid-Blatt Moskowskij Komsomolez.(…) Bis auf eine waren die Frauen zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt. Alle wurden aus nächster Nähe erschossen, mit Kalaschnikow-Gewehren oder Makarow-Pistolen. Die Patronenhülsen lagen neben den Leichen. Gestohlen wurde nichts, weder Goldschmuck noch Geld noch teure Kleidung. Die Leichen lagen in einem Vorort von Grosny oder am Straßenrand nach Schatoi, zur Schau gestellt nach exekutionsartigen Morden.

Die Korrespondentin der Süddeutsche Zeitung, Sonja Zekri, schreibt weiter:

Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow gab sich entsetzt. Die Mordserie sei „durch keine Traditionen“ gerechtfertigt, sagte er anfangs. Am Montag aber fügte er hinzu, möglicherweise hätten sich die Frauen eines „amoralischen“ oder „unwürdigen Benehmens“ schuldig gemacht. Ausgerechnet der Menschenrechtsbeauftragte Nurdi Nuschijew ergänzte, es gebe bedauerlicherweise „Frauen, die den Verhaltenskodex der Bergbewohner vergessen“, da schritten die Verwandten eben gelegentlich zur Selbstjustiz.

Präsident Kadyrow propagiert seit Jahren einen autoritären Islam und zwingt Frauen das Kopftuch auf – was die russische Verfassung verbietet. Wohl vor allem, um sich vom mächtigen Nachbarn zu emanzipieren, fährt Kadyrow einen besonders harten Kurs. Die Islamisierung geht vor allem auf Kosten der tschetschenischen Frauen.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 2. Dezember 2008 um 10:30 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. jj sagt:

    Ist schlimm, aber gleich ein „Krieg gegen Frauen“?

  2. Susanne sagt:

    @ jj: „Ist schlimm, aber …“ ist schlimm. (Vielleicht lässt du auch einfach mal das eine oder andere Posting hier unkommentiert, hm?!)

  3. Peter sagt:

    Tschetschenische Frauen, bewaffnet euch und kämpft für eure Rechte, gegen die schleichende Islamisierung eures Landes und gegen Verhaltenskodizes die ihr nicht mehr akzeptieren wollt.

    Wenn ihr es nicht tut, macht es keiner.

  4. Erna sagt:

    „krieg gegen frauen“ wurde von dir aus einem russischen tabloid-blatt entnommen wie du schon sagst. insofern eine überschrift die man nicht unbedingt übernehmen muss… aber natürlich kann.
    irgendwie ist für mich das wort krieg noch immer mit zwei (oder mehreren) wehrhaften parteien verbunden.
    in diesem fall ist es einfach mord vielleicht auch irgendwann massenmord, wenn sie die fälle häufen.

    aber das nur am rande… das schlimme ist dass alle erklärungsversuche dafür zu verwaschen sind und niemand die tatsächlichen täter und mordmotive herauszufinden versucht.
    als wären frauen massenware, bei der es um ein paar tote, die auch noch funktionsfehler hatten, nicht besonders schade ist.

  5. Verena sagt:

    „Feminizid“ trifft es auch ganz gut…

  6. access denied sagt:

    „Ist schlimm, aber gleich ein “Krieg gegen Frauen”?“

    Ja, Krieg, und dazu gehören nicht immer zwei wehrhafte Parteien. Der Islamismus ist ein Krieg besonders gegen Frauen, gegen die Menschheit allgemein. Er will die Welt nach seinen archaischen Vorstellungen gestalten, mit Tugendterror und Verzichtsideologie.
    Die tschetschenische Unabhängigkeit ist auf ganzer Linie gescheitert, Russland go on! Die ganzen Sowjetstaaten haben nur eines im Sinn gehabt, ihre „Unabhängigkeit“, ohne zu bedenken, dass Unabhängigkeit auch irgendwie einer gewissen Selbstversorgung bedarf. Das kriegen sie aber nicht mehr hin, denn RUssland scheint zu übermächtig, während die EU sowieso nur an der Ausplünderung der ehemaligen Ostblockstaaten interessiert ist und von ihr nichts zurückkommt.

  7. Piraja sagt:

    Nach klassischem islamischen Recht ist das Töten eines Menschen nicht eine Sache, die der Staat verfolgen muss, sondern eine Angelegenheit der Wiedervergeltung (qisas) zwischen Familien oder Clans.

    Der Clan des oder der Getöteten hat ein Recht auf die Tötung des Mörders oder ersatzweise auf Blutgeld.

    Findet ein Mord innerhalb eine Clans statt, kann das (natürlich männliche) Clanoberhaupt dem Täter vergeben. Tötet etwa der Bruder oder Cousin eine Frau wegen „unzüchtigen“ Verhaltens, kann der Clanchef dem Möder vergeben, da dieser ja aus guten Grund so gehandelt hat.

    Hat eine Frau etwa eine Ehebruch begangen, ist das Töten einer solchen Frau „Töten mit Berechtung“, da auf Ehebruch die Todesstrafe steht. So kommt der Mörder eine Ehebrecherin, auch wenn er nicht mit ihr verwandt ist, ohne Strafe davon.

    Dieses klassische Scharia-Recht gilt in ettlichen Staaten, etwa in Saudi-Arabien, im Jemen oder am Golf. In einer Reihe von Staaten wurde es wieder eingefürt, nachdem es schon einmal abgeschaftt wurde, beispielsweise im Iran, im Sudan oder in Pakistan. In Gebieten wie dem Ghaza-Streifen oder in Teilen Somalia wurde es de facto von fundamentalistischen Bewegungen wieder eingeführt.

    Das ganze ist meiner Meinung nach weniger ein Krieg gegen Frauen, sondern einfach die ganz normale mörderische Frauenfeindlichkeit des klassischen Scharia-Islams.