Keine Burka in Frankreich
von BarbaraGestern hat die französische Regierung nun den Gesetzesentwurf für ein Burka-Verbot auf den Weg gebracht. Nach Belgien ist Frankreich das zweite Land mit einem solchen Verbot. Sein Land begebe sich damit auf einen ”schwierigen, aber richtigen Weg”, wird Staatschef Nicolas Sarkozy etwa in der SZ zitiert. Die Vollverschleierung passe nicht zu Frankreich als “alter Nation”, erklärte er seine Entscheidung, und so auch nicht zu den französischen Vorstellungen von der Menschenwürde, der Würde der Frau und dem Zusammenleben der Gemeinschaft.
Wenn das Gesetz greift, müssen Frauen, die einen Ganzkörperschleier tragen, mit einem Bußgeld von etwa 150 Euro und Nachsitzen in Staatsbürgerkunde rechnen. Männer, die ihre weiblichen Verwandten zur Verschleierung zwingen, können mit einem Jahr Haft und einer Geldstrafe von bis zu 15.000 Euro bestraft werden, wie die taz berichtet.
Dass das Zusammenleben in der französischen Gesellschaft für Frauen leichter wird, wenn ihnen per Gesetz verboten wird, eine Burka zu tragen, glaube ich nicht. Und dass die Frauen, die nun nicht mehr rausgehen dürfen in ihrer Burka nun ein gleichberechtigteres, freieres Leben führen dank Papa Staat, bezweifle ich auch. Leichter wird es aber für Menschen, die den Konflikt bei der Integration von Muslima in die Gesellschaft lieber wegschieben als austragen wollen. Aus den Augen aus dem Sinn.
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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 20. Mai 2010 um 13:31 Uhr unter Alltag, Frauenfakten. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.







Wenn man den Gesetzestext genauer liest, steht da nix von Burkas, sondern allgemein wird jedwede Verschleierung verboten. Dies passt doch eigentlich ganz gut zu einem Überwachungsstaat, der natürlich genau wissen möchte, wer gerade vor den Kameras herumläuft. Den Rest halte ich für reine Propaganda.
“Der Vorlage zufolge wird generell untersagt, in der Öffentlichkeit das Gesicht durch Kleidungsstücke zu verhüllen. ” *Taz
achsoo, es geht also gar nicht explizit um die burka. also geht das nonnenhabit gerade noch so, wenn nicht zu weit in die stirn gezogen, aber der mundschutz bei der nächsten grippewelle macht 150€?
ich will zwangsverschleierung nicht relativieren und herunterspielen, natürlich ist das unterdrückung mit eindeutiger symbolik. dennoch habe ich, neben den bedenken die barbara oben schon beschreibt, ein problem mit der art, wie diese auseinandersetzung geführt wird, ebenso wie bei dem kopftuchstreit an der schule in ba wü.
diese beschlüsse zielen explizit auf den islam ab, der hier als “die andere, die falsche kultur” (“[...]Alternative zur Strafe oder ergänzend eine Lektion in Bürgerkunde verschrieben werden, in der sie über die Rechte und Pflichten in der weltlichen Republik belehrt werden.”*taz) stigmatisiert wird, auch wenn der gesetzestext so nicht formuliert werden soll. mit der eigenen kultur oder religion und ihren unterdrückungsmechanismen wird sich mal wieder nicht auseinander gesetzt. statt dessen pickt man sich ein beispiel heraus, das garantiert für schlagzeilen, aufruhr und protest in der welt sorgen wird.
es geht hier um ca. 2000 frauen in frankreich. könnte man die betroffenen, die hier kriminalisiert werden, also frauen mit migrationshintergrund, nicht anders stärken und vor unterdrückung schützen? besteht bei einer frau, die als spielball zwischen der familie und dem staat, überhaupt noch lust sich in dieser gesellschaft zu integrieren? ich persönlich würde es als verrat empfinden, wenn man mich mit einer strafe belangt, für etwas, was mir andere aufzwingen.
daher fällts mir schwer in solchen debatten tatsächlich feministische oder antisexistische ansätze zu erkennen, vielmehr sehe ich darin fremdenhass unter eben diesem deckmantel. genau wie die 57,5% in der schweiz nie und nimmer hauptsächlich feministInnen waren.
Und was machense wenn die Frauen sich nun Motorradhelme überziehen? Auch die verbieten?
Erwartet Frauen die andere Frauen zur Verschelierung zwingen (Mütter die Töchter) denn eigentlich auch eine Geld oder Haftstrafe?
Hier wird mal wieder deutlich, dass es keinen Unterschied gibt zwischen positiv verordneten Kleidervorschriften und negativen Kleiderverboten. In beiden Fällen wird den Frauen von einem (patriarchalischem ) System aufgezwungen, sich in bestimmter Weise zu kleiden, was wiederum Konsequenzen für das Leben der Frauen hat.
Ebenso wie audiofille glaube ich auch, dass es den Politikern nicht um die Rechte der islamischen Frauen geht, sondern es geht ihnen darum einfach die “Sichtbarkeit” des Islam aus dem Alltag zu verbannen und was kann dabei sichtbarer und andersartiger sein als eine Frau mit Kopftuch oder Burka?