Ja, es schmeckt. Na und?

von Magda
Dieser Text ist Teil 4 von 44 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Glücklich kauend stehe ich am Buffet und greife nach dem zweiten Schnittchen.

„Na, Ihnen schmeckt es aber!“
„Nach dem zweiten Stück Torte passt der Badeanzug aber nicht mehr!“
„Keine Angst, das Essen läuft nicht weg!“
„Hast du schon wieder Hunger?!“

Dies sei nur ein kleiner Ausschnitt der Sprüche, die ich schon so oder so ähnlich von (mir teilweise unbekannten!) Menschen zu unter­schied­lichen Zeiten meines Lebens gehört habe. Als eine, die die meisten wohl als dick oder zumindest pummelig be­zeichnen würden, habe ich mein Leben lang ein ganzes Reservoir an Kommentaren sammeln dürfen. Nicht gerade eine Sammlung, die mein Sammlerinnen-Herz höher schlagen lässt.

Klar könnte ich darüber hinwegschauen und einen Witz machen, um die lustige Dicke zu mimen. Ich könnte es auch wiederholt als individuelles Erlebnis abtun und die Angelegen­heit bis zum nächsten Eisessen vergessen. Ich könnte meine eigenen Problemchen hinten anstellen und denken: Andere leiden auch, aus unter­schied­lichsten Gründen. Doch zurück bleibt der fade Nach­geschmack, wieder bewertet, ver­glichen und ab­geurteilt zu werden.

Und ich weiß: Es hat System das Ess­verhalten und die Körper von Menschen zu bewerten. Mit Blicken, Gedanken, Worten. Und wenn es nicht die anderen machen, kommen Praxen von Selbst­regierung ins Spiel. Viel­leicht, um uns beschäftigt zu halten. Als dicke Frau komme ich mir manchmal vor wie öffentliches Gut, deren Ess­verhalten von allen be­sprochen werden darf. Manchmal initiiere ich dumme Witze sogar selbst. Ich hasse die Norm, aber ich lebe sie auch selbst.

Klar, über Essen reden sowieso alle. Eigent­lich immer. Der Mittags­tisch ist eine einzige Sündenhölle. Ein Nachschlag Nudeln, obwohl sich das Bäuch­lein schon wölbt? Ein weiteres Löffelchen Braten­sauce? Wirklich? OBWOHL ES NOCH KUCHEN GIBT!? Manch eine_r setzt sich an den liebevoll gedeckten Tisch und redet – kauend! – über nichts anderes als Kalorien, Gewicht und Fett­anteil. Und über das nächste von Kohle­hydraten befreite Essen, das man doch mal zu­be­reiten könnte.

Fast alle werden irgendwann einmal sanktioniert, unabhängig von Kleider­größe. Bei Frauen wird immer noch eins mehr hin­geschaut, denn ein Speck­bauch gehört nicht zu den must-haves des nächsten Sommers. Doch mit den Pfunden steigt auch die Wahr­schein­lich­keit, sanktioniert zu werden. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe jahre­lang gebraucht, um ohne schlechtes Gewissen in der Öffent­lich­keit zu essen. Damit ich dummen Sprüchen aus dem Weg gehe – als wäre ich daran Schuld. Körper­normen bewirken nicht nur, dass wir uns (häufig un­bemerkt) an ihnen orientieren. Sie eröffnen auch den Raum, die­jenigen mit Blicken und Worten zu bestrafen, die ziem­lich weit von dieser Norm ent­fernt sind.

Vermeintlich unbedarfte Sprüche wie die eingangs ge­nannten sind daher keine Zufälle. So lange ich jeden Tag mit normierenden Mein-schlechtes-Gewissen-wächst-Bildern bombardiert werde, Tipps zum „Endlich-Schlankwerden“ lesen muss und mit schiefen Blicken wegen meines kurzen Kleidchens ge­straft werde, weil ich das Einmaleins des Kurven-Kaschierens von Glamour & Co geflissent­lich ignoriere, weigere ich mich, Sprüche über meinen Körper und mein Ess­verhalten als Zufall oder harm­losen Witz ab­zutun.

Ich sehe überhaupt nicht mehr ein, immer alles weg­zu­lächeln und schlag­fertig zu antworten: „Ja, es schmeckt. Auch ein Schnittchen?“ Das ist zwar cool und empfehlens­wert, um dein Gegenüber gekonnt zu ent­waffnen, heißt aller­dings auch, dass die Coolness mitunter auch meine eigene Wut über­deckt. Ich will mich für normierende Situationen nicht mehr verant­wort­lich fühlen.

Und deshalb habe ich eine Bitte: Alle, die unaufgefordert das Ess­ver­halten ihres Gegen­übers kommentieren, sollten mal kurz inne­halten und darüber nach­denken, wie die eigenen Worte destruktive Körper- und Schön­heitsnormen stützen und was für (Scham-)Gefühle dadurch hervorgerufen werden können. Ein daher­gesagter Satz kann nämlich ganz schön ver­letzend sein.

Für mich jeden­falls gilt: Ich esse das zweite Schnittchen gerne un­kommentiert. Danke.




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Eintrag geschrieben: Montag, 5. Dezember 2011 um 11:10 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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47 Kommentare

  1. GwenDragon sagt:

    Das Schlimme ist, fast nur Frauen meckern dauernd an einer anderen rum und können ihre Erziehungsversuche nicht unterlassen.
    Und sie kapieren nicht, dass ihr Brigitte-Terror-Diät-Vorschlag ein Schlag ist. Und dumme „Rätsel“-Schläge woher Übergewicht kommt und wie es zu beheben ist, haben natürlich auch alle parat.
    Dass solche Leute aber nur Stress machen wollen, um zu dominieren, damit bei der Angesprochenen Dauerstress nebst Cortisolausschüttung eher einen Fressanfall auslösen. Stress und Ärger macht dick (ist sogar wissenschftlich beweisen worden), interessiert nur niemand im Land des Diätwahns und Frauenschönheitsterrors.

    Ich lasse mittlerweile bei solchen Leuten eine böse Bemerkung los, dass sie solche Bemerkungen zu unterlassen haben oder doch lieber gehen sollten, wenn ihnen meine Gegenwart so nicht nicht passt wie sie ist.

    Mich kotzen solche schlichtweg Leute an. Wer solche Leute als Bekannte/Freunde/Verwandte hat, braucht keine Feinde mehr.

  2. Alba sagt:

    Danke für diesen tollen Text! Er spricht mir aus der Seele, und das als eine Person, die überdurchschnittlich dünn ist. Ich höre ständig von Wildfremden als Kommentar zu meinem durchaus gesunden Essverhalten Dinge wie „Essen Sie nur, Sie können es gebrauchen!“, und wie du habe ich keine Lust mehr auf lustige Antworten.

    (Ich möchte hiermit nicht von dem von dir besprochenen Problem auf meines ablenken, sondern ich bin überzeugt, dass es dassselbe Phänomen ist und wir im selben Boot sitzen. Alle derartigen Kommentare müssen dringend aus der Welt verschwinden. Einige Leute brauchen wegen ihres Essverhaltens professionelle Hilfe – alle anderen brauchen gar keine „hilfreichen“ Hinweise.)

  3. Lili sagt:

    @Alba: genauso geht es mir auch! und zwar bekomme ich die Kommentare auch von Leuten ab, die genau wissen, dass ich genug esse und keine Essstörung habe. und trotzdem habe ich dann immer das Gefühl mich verteidigen zu müssen oder selbst einen dummen Witz darüber zu machen.

  4. ubarto sagt:

    Fat talk ist leider überall! (und falls es tröstet, auch als dünne Frau ist man davor nicht sicher). Die fabelhafte Ragen Chastain von dances with fat deren Blog sowieso sehr lesenswert ist, hat über food policing einen guten Post geschrieben:
    http://danceswithfat.wordpress.com/2011/11/13/being-fat-at-the-holidays/
    (eigentlich für thanksgiving gedacht, aber meiner Meinung nach univerell abwandelbar).

    Für mich selber versuche ich, diesen ganzen Quatsch zu lassen und über Essen nicht mehr in der Art und Weise zu reden. Sehr befreiend :)

  5. flugsand sagt:

    Danke Magda, dass du dieses Thema mal aufs Butterbrot schmierst.
    Ich bin auch so oft angenervt von ähnlichen Situationen.
    Es wird bewertet, was ich esse und gestaunt, wenn ich als Frau nicht den Salat, sondern die große Steakplatte wähle. Es wird bewertet, wenn ich die, wie auch immer normierten, Mengen nicht einhalte, mal ist es zu viel „Das schaffst du doch gar nicht!“, mal zu wenig „Du isst ja wie ein Spatz, bist doch eh schon so dünn“.
    Seltener, aber es kommt auch vor, werde ich auch Neidobjekt beim Essen. Dann wird mir mitgeteilt, dass ich keine Probleme hätte und überhaupt nicht wisse worum es ginge, schließlich könne ich mir bei meinem Körper ja alles leisten und locker zwei oder drei Stückchen Torte essen. Somit darf ich dann beim Thema Essen nicht mehr mitreden. Finde ich auch nicht schlimm, denn so möchte ich darüber auch nicht reden. Das Gefühl wegen meines Körpers, meines Essverhaltens abschätzig beäugt, ausgegrenzt oder bevormundet zu werden, bleibt trotzdem.
    Dabei ist Essen so was schönes und soll es auch bleiben :-)

  6. randOM sagt:

    Nicht ärgern lassen! Alles besser als diese widerlichen Hungerhaken, die uns als „schön“ verkauft werden.

  7. Steffi sagt:

    Danke für diesen Beitrag. Zum Glück ist es mir schon länger nicht mehr passiert. Trotzdem gehöre ich auch zu den Dicken die sich schwer tun in der Öffentlichkeit zu essen. Ich fühle dann immer die 1000 vorwurfsvollen Blicke auf mir. Die kann ich nur an wirklich guten Tagen problemlos ertragen.
    Ich trau mich nicht mal im Sommer ein Eis zu essen. Das geht nur wenn Freunde mit dabei sind die auch eins essen.

    Ich wünschte die Leute würde einen endlich nicht mehr nach der Kleidergröße beurteilen und einen einfach in Ruhe essen lassen. Manchmal bilde ich mir ein, dass sie vielleicht auch nur neidisch sind. Ich esse, während sie sich selbst kasteien um den gängigen „Normen“ zu entsprechen.

  8. Lautsprecherin sagt:

    Vielen Dank für den guten Artikel! Mir ging es auch immer so- ich halte mein Gewicht auf hohem Niveau, bei durchweg normalem Essverhalten und unabhängig davon, wie viele Schnittchen ich beim Buffet esse.

    Blöde Anmerkungen wie die genannten markieren Menschen sofort als „dick“ oder „magersüchtig“. Interessant dabei ist, dass selbst gertenschlanke Schauspielerinnen auf Style-Magazintiteln mit dem Prädikat „fett“ bedacht werden, bis sie nahtlos in „magersüchtig“ umdefiniert werden. Das zeigt eines: den Schmalen Grad „genau richtig“ gibt es folglich nicht! Medial werden die beiden so konstruierten Gruppen gegeneinander ausgespielt: die vermeindlich „Dicken“ gegen die vermeindlich „Magersüchtigen“. In der realen Welt befindet sich die „normal schlanke“ Frau zwschein den Stühlen (zumindest, wenn sie sich nicht selbst für zu dick hält), dass sie unweigerlich dick wird, wenn sie isst, oder magersüchtig, wenn sie es nicht tut… die Forderung, sie möge auf ihre Figur achten, markiert wieder zwei extreme, die eigentlich keinen schmalen Grad kennen.

    Ableiten kann man daraus: Frauen sind so wie sie sind nie „richtig“ – das „falsch“ sein, egal was man tut, ist ein m.e. ein wesentlichen Bestandteil von Diskriminierung; und Diskriminierung einer Gruppe resultiert aus dem Machtanspruch einer anderen…

    Ich finde, dass dieses normative Denken über Frauenkörper eine subtile, aber umso boshaftere Art der Machtausübung ist. Wer den stichelnden Kommentar macht, tut nämlich eines: er/sie setzt sich in eine Machtposition ein und markiert die (nicht) essende Frau als unvollkommenes Wesen.

  9. dot tilde dot sagt:

    guten apetitt!

    .~.

  10. Danke für diesen Text, Du hast da sehr schön in Worte gefasst, was mich oft wahnsinnig macht!

  11. Aus diesem Grund esse ich (als Mann!) von Buffets nur selten und ungern. Smalltalk jenseits des Wetters zu führen, ist für viele Menschen schon ein Ding großer Schwierigkeit, aber wenn es dann ums Essen geht, wird es peinlich. Als Mann mit Migrationshintergrund fängt es dann gern an mit der Feststellung, dass das möglicherweise ja Schweinefleisch ist, was da als Schinken auf dem Brot liegt (ja, wäre erstrebenswert, denn nur Schinken aus Schweinefleisch schmeckt halbwegs vernünftig) und endet bei Auslassungen darüber, dass Fett ungesund sei, Kohlenhydrate, ungespritzter Salat, Süßungsmittel oder im Zweifelsfall das ganze Buffet. Wenn dann wenigstens die Leute wüssten, wie man im Stehen isst…

  12. Katze sagt:

    Vielen Dank fuer den guten Artikel!
    Bei mir hat das in meiner fruehen Jugend skurrile Auswuechse angenommen: ich war sehr untergewichtig und habe die vielen Kommentare a la „du siehst ja aus wie ein Strich in der Landschaft!“, „du bist ja viel zu duenn, ess mal mehr!“ oder „ess doch mal ein paar Kloes, damit du was auf die Rippen bekommst!“ auch noch als Komplimente oder zumindest Bestaetigung angesehen, weil ich mich zu dick gefuehlt hab.
    Dann mit 15 habe ich angefangen die Pille zu nehmen und auf einen Schlag 9 Kilo zugenommen, hatte also annaehernd ein „normales“ (was ist schon normal?) Gewicht. Dann durfte ich mir auf Familienfeiern von meiner Verwandschaft anhoeren, dass ich ja ganz schoen zugelegt hab und dass meine Backen ja richtig rundlich geworden sind. Das hat das Ganze natuerlich nicht besser gemacht.
    Ich hab dann erst mit 18 so richtig angefangen meinen Koerper zu lieben und so zu akzeptieren wie er ist, natuerlich bis heute mit Hoehen und Tiefen, denn leider ist das in unserer schoenheitskranken Welt nicht so einfach.
    Heute bewege ich mich gluecklicherweise in einem Umfeld (autonome Zentren u.ae.), in dem solche Sprueche so gut wie garnicht mehr fallen.
    Ich faende es jedenfalls schoen, wenn es so Kategorien wie „dick“ und „schlank“ garnicht erst gaebe, denn das wichtigste ist doch, dass mensch gesund ist und sich in seinem_ihrem Koerper wohlfuehlt.

  13. Hannelore M. sagt:

    Das Beste wäre vielleicht, wenn man diese Kommentator_innen* direkt anspricht und sie auf ihre Distanzlosighkeit hinweist, Stichwort direkte Kommunikation. Hier können wir ja alle nur sowas wie „me to“ sagen. Es ist zwar ganz schön, wenn man gleichgesinnte hat, aber die Kommentator_innen* erfahren so gar nicht, wie sehr ihr Verhalten stört.

  14. Dani sagt:

    Ich habe mich zufällig heute Morgen noch mit ähnlichen Gedanken auseinandergesetzt. Als ich vorm Spiegel stand ist mir ganz plötzlich aufgefallen, auf wie viele Arten ich mich selbst eigentlich hasse.
    Zuerst sehe ich mich selbst und hasse meinen Körper, weil er nicht so ist, wie ich es schön finden würde. Manches könnte ich selbst ändern, andere Sachen nicht.
    Dann hasse ich mich dafür, dass ich mich so sehr verunsichern lasse. Wenn ich versuche objektiv zu sein, ist mein Körper vermutlich völlig normal.
    Und dann hasse ich mich dafür, weil ich selbst nicht sagen kann, ob ich die Systemwut wirklich habe, oder weil ich damit prima meine eigene Faulheit entschuldigen kann.

    Es dreht sich einfach immer im Kreis und ich habe das Gefühl, dass ich das alles längst durchschaut habe, aber selbst nicht ausbrechen kann. Und ja, dann kommen die Situationen in denen du gemütlich ein Eis isst und der Chef deinen Bauch tätschelt, mit dem Kommentar „Na, der ist aber auch gewachsen.“ Ich hasse mich dafür, dass ich mir das zu Herzen nehme, mir den Tag davon versauen lasse, obwohl ich eigentlich weiß, dass das nur scheiße von ihm war und mit mir schon alles okay ist.

  15. delilah sagt:

    schöner text! als ergänzung: gerade leute mit thin privilege*, die das verstanden haben, sollten so oft und massiv wie möglich intervenieren, wenn über abwesende bekannte oder auch celebrities oder gemeinsame „feinde“ (!) oder wen auch immer in dieser weise gesprochen wird. und natürlich auch, wenn die person anwesend ist und unterstützung ihrerseits erwünscht.

    *das ja sehr real ist, auch wenn „gertenschlanke schauspielerinnen in magazinen als „fett“ bezeichnet werden“, wie lautsprecherin sagt.

    ein toller blog in diesem zusammenhang, auf den zweisatz bei stoptalking (http://stoptalk.wordpress.com/2011/12/03/1232/) hingewiesen hat:

    http://www.fatnutritionist.com/index.php/how-to-eat-in-a-nutshell-lesson-one/

  16. John Dean sagt:

    Wenn irgendwelche Wildfremden mein Äußeres negativ kommentieren, oder mir ungefragte Ratschläge für mehr Schlankheit geben, denke ich mir im Stillen immer, dass diese Leute i.d.R. echt ein Problem haben müssen. Und zwar nicht mit mir. Insofern sind mir derartige Kommentare erst einmal egal.

    Okay, ganz stimmt das nicht: Als Gesprächseinstieg mit mir funktionieren solche Kommentare nun überhaupt nicht. Wer sowas vom Stapel lässt, wird von mir ignoriert. Und wenn es mir wirklich mal zu viel ist, und sich irgendein merkwürdiger Mensch in mich mit dauerkommentierenden Ratschlägen verbeißt (kommt selten vor, aber alle ein oderzwei Jahre dann doch) dann langt eigentlich immer ein: „Halten Sie den Mund! Ihre Dämlichkeiten können Sie gerne für sich behalten.“

    Ist etwas grob vielleicht. Aber hilfreich.

  17. Betti sagt:

    @ randOM

    Du schreibst

    „Nicht ärgern lassen! Alles besser als diese widerlichen Hungerhaken, die uns als ’schön‘ verkauft werden.“

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du das sehr nett gemeint hast und überhaupt nichts Doofes damit sagen wolltest, aber das hast Du m.E. dennoch getan. Gerade im hiesigen Kontext, unter so einem Text wie da oben, finde ich einen solchen Kommentar ehrlich gesagt total übel, und zwar beide Teile.

    Was soll der sicher gut gemeinte Ratschlag, sich „nicht ärgern zu lassen“?! Wieso soll die- oder derjenige, die oder der normiert, sanktioniert, durch grenzüberschreitende und ungefragte Kommentare belästigt wird, zuständig dafür sein, das entspannt hinzunehmen? Natürlich darf man sich darüber ärgern und diesem Ärger auch Ausdruck verleihen, wenn einer/einem das hilft… Diese sicherlich in der Praxis oft gewählte Variante des Tiefdurchatmens, Nichtärgernlassens und Entspanntweitermachens ist nichts, was man von Menschen verlangen oder ihnen gutgemeint raten sollte, finde ich. Denn das suggeriert immer irgendwie, dass man dann halt auch selbst dafür zuständig ist, wenn man das nicht will oder nicht hinkriegt. Abgesehen davon, dass Leute, die so dämlich rumkommentieren und -sanktionieren in meinen Augen ein wenig Ärger durchaus mal verdient haben und auch eine entsprechende Reaktion mal ruhig einstecken sollen. Ist dann halt irgendwie nicht mehr so kuschlig wie wenn man sich nicht ärgern lässt, aber das ists für die/den Betroffene/n ja auch nicht…

    Der zweite Teil Deines Kommentars ist mindestens genauso unhinnehmbar, oder zumindestens extrem gedankenlos. „Widerliche Hungerhaken“?! Also bitte! Wie war das noch mit Körpernormierung, Sanktionierung bestimmter Körperformen, Fremdbestimmung und Einflussnahme auf Körperbilder und Selbstwahrnehmung?! War es nicht so, dass wir das alles irgendwie doof finden?! Aber bei dünnen Menschen darf man das, ja?! Und wieso ist in diesem Zusammenhang irgendwas „besser“ als was anderes? Dicksein ist also „besser“ als Dünnsein?! Dünne Menschen sind „schön“ nur in Anführungszeichen?! Sorry, aber das ist einfach nur der selbe Scheiß, nur andersrum.

  18. Maja sagt:

    @randOM
    Muss das sein? Jemanden aufgrund seines niedrigen Gewichts als widerlich zu bezeichnen…

  19. Magda sagt:

    @alle

    Vielen lieben Dank für eure schönen Worte und die vielen Geschichten!

    @randOM

    Nicht ärgern lassen! Alles besser als diese widerlichen Hungerhaken, die uns als “schön” verkauft werden.

    Solche Sprüche finde ich unangemessen. Es geht mir in meinem Text nicht darum, andere Körper abzuwerten, auch nicht solche, die nunmal in die Norm reinpassen. Auch vermeintlich untergewichtige Menschen müssen mit Vorurteilen kämpfen und werden bewertet und normiert (siehe die Geschichten oben). Fat acceptance funktioniert für mich nicht über die Abwertung von dünnen Menschen, sondern über das Aufbrechen von jeglichen Körper- und Schönheitsnormen.

    Ich lasse randOM’s Beitrag stehen, weil darauf nun schon reagiert wurde. Weitere Beiträge in die Richtung werden nicht freigeschaltet.

  20. Paul D. sagt:

    Hallo,

    Einen schöner Text, angenehm zu lesen!
    Die Thematik beschäftigt mich auch. Wobei ich sie eher von der anderen Seite betrachte.
    Ich bin nicht magersüchtig, aber ich kann essen nicht genießen, ohne einen rationalen Grund dafür zu haben.
    Hört sich schrecklich an? Ist es wohl auch.
    Wie dem auch sei, gerade wegen meinem eigenen Unvermögen HASSE ich es, wie in der Gesellschaft mit vermeintlichem „Übergewicht“ umgegangen wird.
    Wenn jemand Freude am Essen hat, soll er/sie die haben können, ohne dass es zynische, in der Medienseuche verwurzelte, Kommentare gibt.

    Schon verrückt, da leben wir in einem Land wo keiner hungern muss und es werden, scheinbar als direkte Folge davon, neue Problematiken in der Gesellschaft geboren.

    Mfg
    Paul D.

  21. Thomas_Düsseldorf sagt:

    Manchmal, wenn mir danach ist, diskreditiere ich diese Leute ganz gerne, indem ich sie in Ernährungsfragen auflaufen lasse. Ich habe festegestellt, dass viele der RatSchläge eher Halbwissen oder grober Unfug sind. Einer meiner Lieblingssätze: „Ich habe seit 25 Jahren so genanntes Übergewicht. Was glauben Sie eigentlich wer von uns beiden sich mehr mit dem Thema gesunde Ernährung beschäftigt hat?“
    Es ist sooo ärgerlich, dass ich mich viel zu lange von solchen äußeren Einflüssen habe prägen lassen. Nicht ins Schwimmbad, nicht geflirtet, keine Pommes in der Öffentlichkeit… Eine viel zu lange Kette.
    Beim Essen lasse ich mich mittlerweile nicht mehr durch Sprüche bremsen. Anderhalb Sitze in der U-Bahn brauchend und trotzdem ein Zuckercola? „Ist nicht mein Problem wenn die Sitzbänke zu schmal gebaut werden…“
    Dafür ist Klamottenkaufen manchmal sehr verletzend. H&M oder so hörte schon vor 25 kg eine Kleidergröße unter meiner auf. Und da kann ich mir 1000 mal einreden, dass mir das egal sei.
    Danke für den Artikel!

  22. mo jour sagt:

    jo.
    wenn mal wieder jemand kommt und mich warnt, dass die leckere sahnetorte sich in nullkommanix in form von hüftgold manifestieren wird, sage ich gerne mal:
    „vielen dank, meine hüften sind völlig in ordnung, höchstens die taille könnte noch etwas vertragen ….“
    oder auch:
    „solange ich schön bin, ist mir mein aussehen egal.“
    ;-)
    guten appetit, lass es dir/lasst es euch schmecken!

  23. Skye sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel!

    Ich habe mich Jahre lang nicht getraut in der Öffentlichkeit alleine zu essen, und habe auch heute immernoch ein bisschen Probleme damit. Ich verstecke mich immer in Ecken oder ruhigen Straßen, damit ich mir nichts anhören „muss“. Aber auch das hilft nicht immer, manche Menschen meinen wirklich immer, mich fragen zu müssen, „ob’s denn schmeckt“ („Jo.“) oder „ob ich nicht lieber einen Salat essen sollte“ („Ähm…nein?“) In meiner Jugend war ich eigentlich auch immer „pummelig“, wurde u.A. deswegen gemobbt.
    Mit 16 bin ich dann in eine Esstörung gerutscht, 25 Kilo abgenommen, und Komplimente bekommen, wie „hübsch ich jetzt bin“. Obwohl die Leute wussten, was mit mir los ist. Keine dummen Kommentare mehr.
    Mit viel Kraft bin ich nach 2 Jahren davon losgekommen, und seitdem geht es fröhlich weiter. Auch hier wieder von Personen, die wussten, dass ich krank war: „Willst du nicht lieber wieder abnehmen, hast du ja schonmal geschafft“ „Zügel dich doch mal“. Auch von Wildfremden, dasselbe, was du geschildert hast.
    Ich versuche Frieden zu finden, rede mir ein, dass es mich nicht stört, dass Hosen an mir mies aussehen („Hey, Röcke stehen mir eben besser!“), dass mein Freund mich so liebt, wie ich bin (auch wenn ich ihn gefühlte tausendmal frage), dass ich einige wunderschöne Seiten habe (Sowohl körperlich als auch seelisch), und mich die Meinung von den Leuten nicht juckt (Mmh.)
    Es wäre schön, wenn man in einer Welt leben würde, in der man nicht ständig nach der Zahl auf der Waage definiert wird („Oh, schau mal, die Dünne da / die Fette da“). Und das fängt im Kleinen an. Dein Beitrag spricht mir aus tiefster Seele – Danke dafür.

  24. Keks sagt:

    Oh, was für ein schöner Text, vielen Dank!

    @Lautsprecherin: Das ist so, so richtig. Durchaus auch mal beides bei gleichem Gewicht, was „magersüchtig“ ist und was „dick“ liegt schließlich auch im Auge des Kommentators.

  25. Laura sagt:

    Danke!!! Das kenn ich auch alles zur Genüge. Ich würde es ja noch einsehen, wenn ich um Rat fragen würde bzw. die Person wüsste, dass ich mich unwohl fühle und gerne abnehmen möchte. Dann KANN das unter guten Freunden auch ein versteckter Hinweis sein. Von fremden Personen oder solchen, die nicht wissen, wie ich zu meinem Gewicht stehe, möchte ich keine Bemerkungen zu meinem Essverhalten hören.
    Besonders schlimm finde ich es, wenn „wohlmeinende“ Familienmitglieder oder Freunde der Familie (die einen schon als Kind kannten), mir ungeniert in den bauch kneifen a la „was ist denn hier passiert?“ oder „du wirst doch wohl nicht schwanger sein?“ oder „na du hast ja auch schöne polster“ sagen. können sie sich nicht vorstellen, dass mich das traurig macht???

  26. Elana sagt:

    Zustimmung auf der ganzen Linie. Als (je nach Maßstab) nicht übergewichtige Frau höre ich das auch dauernd. Ja, ich esse gerne. Immer schwingt in diesen Sätzen sowas wie ein wohlgemeinter Tadel mit. „Eigentlich solltest du nicht.“ Ja, und warum?!

  27. Irene sagt:

    Ich such ja noch nach einer passenden Antwort auf das Angebot „magst Du ein paar Kilo von mir haben“. Die sollte möglichst nicht gehässig sein, aber schlagfertig.

    Der distanzlose Witz kommt übrigens nie von Männern, auch nicht von Frauen, die in üblichen Maßstäben als sehr dick gelten. Eher von solchen, die statt Größe 40/42/44 lieber 36/38 hätten.

  28. kiki sagt:

    danke für den text.
    ich hab vor nem jahr aus kummer ziemlich krass abgenommen und es hat wirklich keinen interessiert, warum ich plötzlich nicht mehr gegessen habe. ich wurde ausschließlich gelobt, wie schön ich denn aussähe ohne babyspeck.
    dieses vermeintlich „positive feedback“ hat dazu geführt, dass ich seitdem extrem darauf achte , was ich esse, weil ich nicht zunehmen will und dann quasi wieder die pummeline bin.

  29. Luna sagt:

    Danke danke danke!!!

    Ich weiß garnicht, was ich noch sagen soll, wurde ja schono alles so wunderschön geschriebn.

    Zum Glück habe ich bis jetzt noch nie doofe Blicke/Sprüche von Fremden einstecken müssen – die würden aber auch ne gewaltige Lawine abbekommen. (Was jetzt nicht heißen soll, dass ich Fremden gegenüber nur immer aggro und abweisend bin…!!)
    Leider aber zu oft von meiner Familie. Und das ist für mich persönlich das Schlimmste.
    Ich weiß noch, mit hmm… zwölf ca. hat meine Mama mal mich angeschnauzt, was ich da so rumliege, ich soll mal (Originaltext) meine „dicken Schenkel“ anschauen.
    Tja. Danke. Hat sich extrem eingeprägt und auch wenn ich es heute verschmerzt hab (sie ist auch nur ein Mensch), so hat das damals leider ein ziemlich beschissenes und zum Teil bis heute andauerndes komisches („kreatives“) Essverhalten produziert- ich bin nicht glücklich damit.
    Aber zum Glück gibt es immer wieder so Phasen, lange Phasen (vor allem wenn ich auf feministischen Seiten rumsurfe :D) in denen ich mich einfach wunderbar fühle, ganz egal wie viel und was ich esse.

    @Skye: Ist bei mir auch so. Ganz schlimm find ichs, wenn ich die einzige an nem Gruppentisch bin, die isst. Geht so überhaupt nicht, krieg einfach voll die Panik, dass ich nicht manierlich aussehe, dass ich zu sichtlich kaue, dass mich jemand was fragen könnte wenn ich grad was im Mund hab etc usw.

    @mo jour: Danke für den Spruch, den werd ich mir merken! :D

  30. delilah sagt:

    @irene „ja kein ding, ich nehm dann die t..“ äähja, oder nicht. irgendwas mit kannibalismus vielleicht? ich kann kein nicht-gehässig.

  31. Miriam sagt:

    Beim Lesen des Textes und der Kommentare wurde mir bewusst, wie wenig mich diese Bemerkungen jucken, trotz Übergewichts. Wenn ich darüber nachdenke, kommt es mir so vor, als müsste ich mir solche Sachen nie anhören, was Quatsch ist, auch ich bekomme hin und wieder den Hinweis, dass ich mich falsch ernähre und das ärgert mich in der Situation auch. Aber es ist selten und meine Lust am Essen und den Genuss dabei wird dadurch in keiner Weise geschmälert, und darüber bin ich sehr sehr froh. Aber ich werde trotzdem versuchen, in Zukunft sensibler auf solche Anrufungen zu reagieren und dem/der KommentatorIn klar machen, dass sein/ihr Verhalten übergriffig ist.

    Schwierig finde ich damit umzugehen, wenn mir eine Person erzählt, sie fühle sich zu dick/dünn. Denn wenn diese Person so empfindet, dann finde ich unangemessen zu antworten „Ach quatsch, du bist genau richtig“ obwohl ich das wirklich so denke und eben auch der Meinung bin, dass wir weg müssen von körperlichen Idealvorstellungen. Es ist mir tatsächlich egal, wieviel eine Person wiegt (okay, unter 40 kg bei einer erwachsenen Person ist lebensbedrohlich, dass ist mir dann nicht mehr ganz egal), aber wie vermittelt man eine solche Haltung ohne das Empfinden des Gegenübers als nichtig abzutun?

  32. julinkah sagt:

    Danke für den Text!

    Ich bin das was der Durschnitt als „dünn“ bezeichnet und muss seit ich denken kann mit fast den exakt gleichen dummen Sprüchen leben. Ich kann eigentlich nie in der Öffentlichkeit essen; entweder es heißt „Na, du kannst es Dir aber auch erlauben“ oder etwas in diese Richtung oder es wird hinterher gefragt, ob ich Essstörungen habe oder ein Schilddrüsenproblem, normal sei das ja jedenfalls nicht.
    Ein anderes Phänomen ist, dass ich auch desöfteren von mir eigentlich unbekannten angefasst werde, besonders gerne an den Armen oder der Taille um mal zu „messen“ wie wahnsinnig dünn ich tatsächlich bin.
    In jedem Fall muss ich mich immer irgendwie rechtfertigen und verteidigen. Und einen Satz wie „mir ist kalt“ kann ich auch nicht einfach so sagen, weil mir zum Beispiel kalt ist. Nein, ich muss dann gleich gesagt bekommen „Na, du bist aber auch nur Haut und Knochen. Iss mal was!“ oder ähnliches.
    Das Problem sind sicherlich die Normierungsvorschriften denen weibliche Körper unterliegen. Und es ist fast egal wie ich gebaut bin, irgendeine Person wird immer versuchen mich in ihre Schubladen zu stecken und in irgendeiner Form eine Konkurrenz aufzubauen: „Du bist zu sehr dies oder jenes und deshalb bin ich richtig. Du nicht.“

    Ich reagiere übrigens aus Prinzip nur noch ziemlich aggressiv und noch zynischer auf jede Grenzüberschreitung was mein Gewicht, meinen Körper, oder meine Nase angeht!

  33. Nicolai sagt:

    Ja, das kommt mir alles auch sehr bekannt vor.
    Besonders Mütter sind gut darin.
    Aber auch Freunde weisen immer wieder auf meinen „Spatzenappetit“ hin, ich würde ja wie ein Mädchen essen.
    Nervig und grenzüberschreitend ist sowas.

  34. Ines sagt:

    das ist nicht nur so, wenn man dick ist, sondern auch extrem schlank: „naaaa, geht sie nach dem Essen auf die Toilette?!“

    Don’t judge a book by its cover!
    Ich bin sehr stark tätowiert und gepierct. Sobald man nicht in irgendeine gägnige Schublad gepresst werden kann, wird man mit Vorurteilen und Vorverurteilungen konfrontiert.

    Ich empfinde es im Allgemeinen äußerst respektlos, anderen ungefragt die Meinung aufzudrücken und auch noch „wohlgemeinte“ Ratschläge zu geben.
    Genauso unmöglich: von vollkommen fremden Menschen ohne zu fragen (bzw. mit der Frage ohne die Antwort abzuwarten) angefasst werden.

    Der Respekt vor der Intimsphäre scheint wohl teilweise abhanden gekommen zu sein. schade!

  35. Alba sagt:

    @Irene
    Wenn du eine gefunden hast, wäre ich sehr interessiert daran! Die Beobachtung zu den Absenderinnen dieses tollen Spruches hatte ich noch gar nicht gemacht, stimmt absolut.

  36. John Dean sagt:

    @ Irene

    Wie wäre es z.B. mit: „Ach weißt du, ich mag dich auch so – ob du nun ein paar Kilo mehr oder weniger hast – das ist es nicht, was zählt“

  37. Rebekka sagt:

    Ich habe mir auch noch vor kurzem Gedanken darüber gemacht, und gestern mit meiner Schwester auch anlässlich diesen Posts darüber geredet.
    Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich bis im Alter von 15 Jahren super schlank war. Dann nahm ich zu, sehr viel, aber nicht so, dass man mich als dick hätte bezeichnen können. Eher als ein bisschen moppelig. Natürlich war ich nicht mehr zufrieden mit meinem Körper und mir, ich kannte meinen Körper ja ganz anders.
    Als ich dann wieder abgenommen habe, fühlte ich mich wieder sehr viel wohler.
    Die Frage, die ich mir dann vor kurzen gestellt habe ist, warum ich mich jetzt so viel wohler fühle. Mein Körper war auch mit den Kilos mehr weit entfernt von ungesunden. Doch nun entspricht mein Körper wieder eher dem Idealbild, welches man uns vorsetzt.
    Ich weiß nicht, weshalb ich mich jetzt viel wohler fühle. Weil ich eher dem Ideal entspreche, oder weil ich freiwillig diese Maße haben möchte.
    Das sollten keine Gedanken eines Menschen sein. Solche Idealbilder stören die Selbstwahrnehmung und stiften Verwirrung.

  38. Nandoo sagt:

    Ich versteh meist auch gar nicht was in den Köpfen dieser KalorienzählerInnen vorgeht. Wenns was zu futtern gibt sind meine Gedanken gewöhnlich „Hunger – Lecker – Satt“ und sonst nix. Wie die Teller von anderen beladen sind interessiert mich höchstens beim Buffett weil mir andere ja die feinsten Sachen wegnehmen könnten :D

    Aber Spaß beiseite: Habe vor Jahren mal eine Jugendfreizeit mit betreut wo ein leicht moppeliges Mädchen dabei war, das sich geschämt hat in Gesellschaft der anderen zu essen, mit dem Ergebnis das ich sie nach einer Woche bedrohen musste „Essen oder Krankenhaus“ weil sie dann natürlich völlig entkräftet war. Seit damals überlege ich wie sich den Leuten diese Essensfixierung austreiben lässt, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen.
    Eigentlich ist es doch auch irgendwie Schade das die Meisten, die in der glücklichen Situation leben nicht ums Essen kämpfen zu müssen, es dann auch nichtmehr genießen können sondern so ein verkrampftes Tamtam drum machen.

  39. Oh, ich kenne das, auch wenn ich laut BMI, Waage und Augenmaß nicht Dick bin, sondern Normal, bin ich für die Modebranche schon Supersize Model mit Größe 40/42 auf einer Länge von 180 cm.

    Ich darf mir aber genau die gleichen Sprüche anhören wie:

    Uiuiui, das sind aber viele Kalorien

    oder

    das macht aber dick

    und das vorallem von Männern. Von Männern bekomme ich auch kommentare wie: fetter Arsch, ganz schön Drall oder auf deinem Profilbild siehst du viel schlanker aus.

    Im Teenager Alter litt ich an Magersucht udn habe nun eine Körperschemastörung, d.H. vom Körpergefühl fühle ich mich genauso wie mit 30 kg weniger und habe immer ein schlechtes Gewissen beim Essen, dass ich mir manchmal die Magersucht zurück wünsche.

    Und das erschreckt mich jedesmal selbst.

    PS: Ganz, ganz, ganz toller Text :)

  40. anni sagt:

    nicht unbedingt zum thema was-geht-es-dich-an,-was-ich-esse, aber zum thema weiblicher körper in werbung und medien gibt es zwei filme:

    Sonntag, 11.12., ab 20.00 uhr, tristeza/panierstraße 5, berlin-neukölln

    http://tristeza.org/

    „“Killing Us Softly: Advertising’s Image of Women“ (Videovortrag, USA 2010, 45 Min.) und ab 21.00 Uhr: „Sex Sells – Werbeobjekt Frau“ (Doku, F 2004, 50 Min.) – Jean Kilbourne, renommierte Kritikerin sexistischer Werbung in den USA, zeigt in einem Videovortrag anhand vieler Beispiele, welche Frauen-Bilder in der Werbung produziert werden. Sie legt dabei etwas plakativ nahe, dass diese u.a. für Essstörungen, Depressionen und Schönheitschirurgie verantwortlich sind. Kilbourne illustriert außerdem beeindruckend, dass die proklamierten Schönheitsideale unerreichbar sind. Die arte-Dokumentation im Anschluss lässt kontroverse Positionen zu sexistischer Werbung und den (rechtlichen) Umgang damit zu Wort kommen. Ihre Stärke ist die Einbettung von Werbung in gesellschaftliche Zusammenhänge und der internationale Vergleich der französischen Debatte mit Skandinavien oder auch Brasilien.“

  41. Elke sagt:

    Liebe Magda,

    ein klasse Text, der mir aus der Seele spricht. Vermutlich bin ich um einiges „moppeliger“ als Du (es sowieso nicht bist, aus meiner Sicht) und es ist nur mein vorgerücktes Alter, das Kommentare abhält. Ich habe auch den Eindruck, dass es vor allem Frauen sind, die sich und anderen Frauen Druck machen. Nicht selten als „Gute-Ernährungs“-Ratschläge getarnt. Leider. Andererseits finde ich aber auch, dass Frauen sich einfach zu schnell einmachen lassen. Köpfchen gesenkt und „ja stimmt, ich müßte mal eine Diät machen“ gemurmelt. Grauenhaft. Sollte sich der Charme und die Ausstahlung einer Person wirklich auf eine Kleidergröße reduzieren lassen? Ich kann’s und will’s nicht glauben!

  42. Susan sagt:

    Ich finde es schon sehr kraß, welche Körperbilder aufgestellt werden. Wenn ich lese, dass H&M in einer schwedischen Werbung keine echten Modells, sondern computergenerierte Körper mit echten Köpfen verwendet hat, frage ich mich, wohin das Ganze noch führen soll. Zum Glück habe ich nur selten und wenn dann im engsten Verwandtenkreis Kommentare über mein Eßverhalten und meine Figur gehört – und das, obwohl mein Arzt mich als schwer Adipos kategoriert hat. Ich trage übrigens Kleidergröße 42. *augenroll* Auf Blicke achte ich nicht, die fallen mir nicht auf und ich esse auch ziemlich ungehemmt in der Öffentlichkeit, worauf ich Lust habe.

    Mir ist heute bewußt geworden, dass ich aufgehört habe, über meine Ausmaße nachzudenken. Es ist mir nicht egal, wie ich aussehe, aber mir ist dabei egal, wie viel ich wiege. Ganz plötzlich kam das. Es ist mein Körper, ich bin ich und klar, ich habe hier und da den ein oder anderen „Mangel“ aber ich bin nun die Summe meiner Teile und damit genau richtig so wie ich bin. Punkt. Aus.

  43. […] Ja, es schmeckt — bei der Mädchenmannschaft. Ich schaue beim Überholen von der lah­men Sau vor mir – ist doch bes­timmt ‘ne Frau! Wenn ich aus dem Büro­fen­ster jeman­den beim Ein­parken beobachte, der sich beson­ders kom­pliziert anstellt, erwarte ich, dass eine Frau aus dem dann park­enden Auto aussteigt. Und wenn ich ehrlich bin: es nervt mich. Und das jeden Tag immer wieder. Ich weiß, dass dieses Ver­hal­ten falsch ist. Um genau zu sein, ist es sex­is­tisch. Es entwürdigt andere Men­schen, die nicht meinem Geschlecht ange­hören. Es erk­lärt sie zu Objek­ten, raubt ihnen einen Teil ihres Menschseins. […]

  44. Kalle Blomqvist sagt:

    Ich war glücklicherweise Zeit meines bisherigen Lebens normalgewichtig, auch äußerlich (womit ich meine: nicht nur innerlich), kannte also derlei Anmaßungen nicht.

    Letztens wurde ich krank, musste und muss immer noch Medikamente nehmen, die den Stoffwechsel ändern und habe etwa 10-15kg zugenommen, was man auch deutlich sieht.

    Es ist unfassbar, was ich jetzt erlebe. Jeder Arsch, der mich nur ganz entfernt kennt, nimmt sich raus, diese Tatsache kommentieren zu dürfen. Angefangen von relativ guten Freunden bis hin zu Nachbarn meiner Eltern, die ich nur 1x im Jahr sehe. Jeder fühlt sich bemüßigt, irgendeinen Spruch dazu zu bringen, dass ich ja zugenommen habe. Der Nachbar war gar so dreist, mir auf den Weg zu geben, dsas ich mich „doch mehr um meinen Körper kümmern“ solle.

    Alte Bekannte begrüßen mich mit den Worten, dass ich ja ganz schön zugenommen habe, ob ich nicht zu viel Cola trinken würde. Im Sportverein unterstellt man mir schon Alkoholismus, weil man ja sonst unmöglich in so kurzer Zeit so viel zunehmen könne (wie ich um drei Ecken erfahre, also von der Unterstellung).

    Menschen, die sich die letzten 30 Jahre einen Scheiß für mich interessiert haben, fällt auf einmal auf, dass sie sich um mich kümmern wollen/müssen, in Wirklichkeit wollen sie nichts anderes, als mich dissen.

    Glaubt irgendjemand von diesen Klugschwätzern, die mich darauf hinweisen, dass ich zugenommen habe, dass mir das zufällig nicht aufgefallen wäre? Ich verstehe nicht, was man damit bewirken will, wenn man mir sagt, dass ich dick geworden wäre. Ach? Echt? Hab ich gar nicht gemerkt, dass mir die Hosen auf einmal nicht mehr passen.

    Echt, eine beschissene Scheiße, wie die Leute damit umgehen. Da der Grund für die Erkrankung allerdings recht privat ist, sehe ich nicht ein, irgendjemandem eine Erklärung à la „Medikamente“ zu geben, auch wenn das nun mal der Grund ist.

    Lieber haue ich demnächst jedem einzelnen eine rein, der mich blöd auf mein Übegewicht anschwätzt. Was für eine dreiste Scheiße, wie unglaublich respektlos die Leute – also teils meine eigenen Freunde – mir begegnen. Es ist so, als hätte man mit 10kg extra plötzlich aufgehört, Rechte als normaler Mensch zu haben. Da wird fröhlich jeglicher Respekt fallen gelassen und als „kleiner Dicker“ scheint man jegliche Menschenrechte verwirkt zu haben.

    Ich bin froh, wenn ich die Medikamente endlich nicht mehr nehmen muss. Was allerdings gut am Zunehmen ist: Es hat sich rausgestellt, wer von meinen Freunden ein blöder Arsch ist und wer nicht.

  45. Lisa sagt:

    @Kalle Blomqvist:

    Woah, wie krass! Mein Beileid zu diesem furchtbaren Umfeld.

    Wenn man bedenkt, dass noch vor einer Generation jeder um einen besorgt war, wenn man dünn ist. Da wurden Kinder über die Sommerferien in Mastheime geschickt, um zuzunehmen. Und heutzutage sind die Dicken die gearschten.

    Zur zeit spinnen meine Mutter und meine Oma wieder wegen meiner Figur rum, da musste ich auch wieder an diesen Post denken. Ich hatte so lange meine Ruhe und dann kommen solche Situationen:

    Ich war mit meiner Mutter zusammen einkaufen und hatte gerade eine Hose anprobiert, die mir ein ticken zu groß ist und beschlossen sie zu kaufen. Da sagt meine Mutter: „Die hast du jetzt aber nicht zum reinwachsen gekauft, gell?“ Da war ich erstmal baff, denn es kam komplett unerwartet. Schließlich weiß sie als Übergewichtige doch auch, dass das mit der Figur nicht so einfach ist, wie uns die Diätindustrie weismachen will. Ich hatte vor ein paar Jahren endlich meinen Frieden mit meinen Körper gemacht und nach meinen letzten Diätversuchen seither auch nicht mehr zugenommen.
    Gemeinsam haben meine Mutter und ich uns wegen der Vertretungsärztin aufgeregt, die mich ohne mich groß zu untersuchen wegen meines Übergewichtes zum Psychiater überweisen wollte. Und dann bringt sie selbst solche Sprüche.
    Tja.
    Zum Glück wirft mich sowas heutzutage nicht mehr aus der Bahn, auch nicht, wenn es von Menschen kommt, von denen ich sowas eigentlich nicht (mehr) erwartet hätte.
    Bin mal gespannt, was mich über Weihnachten erwartet.

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  47. […] fat dyke Seit über einem Jahr beschäftige ich mich nun mit diesen Thematiken. Auslöser war wohl dieser Text. Der Gedanke, unkommentiert essen zu dürfen und nicht ständig beim Essen auf Körperformen […]