Happy Birthday! 10 Jahre Lesbengeschichte.org

von Gastautor_in

10 Jahre Lesbengeschichte.org, ein mehrsprachiges Online-Portal zur Geschichte und Filmgeschichte lesbischer Frauen_Trans. Die Mädchenmannschaft gratuliert! Hier veröffentlichen wir die Pressemitteilung der beiden Gründerinnen Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger.

Postkarte: lesbengeschichte.org.

Zum 10-jährigen Jubiläum des mehrsprachigen Online-Portals lesbengeschichte.org im November 2015 zieht Ingeborg Boxhammer, Historikerin und eine der beiden Gründerinnen, eine positive Bilanz über das Webprojekt, das in dieser Form einzigartig ist: „Von Anfang an wurde das Portal, das kostenlos und werbefrei mehrsprachige Inhalte zu Lebensgeschichte und zu Lesbenfilmgeschichte anbietet, mit wohlwollender Aufmerksamkeit und Interesse begleitet. Wir freuen uns, dass unsere Seiten aus allen Teilen der Welt angeklickt werden.“

Die Politikwissenschaftlerin Christiane Leidinger erläutert zum Ziel des Projekts: „Historische Entwicklungen werden nach wie vor dominant aus einer heterosexuellen Perspektive gedacht. Auch Persönlichkeiten in der Geschichte wird stets Heterosexualität unterstellt. Mit dem Portal schreiben wir Lesben kritisch in die Geschichte ein und machen sie sichtbar. Die Texte beschreiben individuelle Lebensgeschichten und kollektive Zusammenhänge frauenliebender Frauen und Trans* und betten diese in gesellschaftliche Entwicklungen ein.“

Dabei betont Leidinger zur kritischen Perspektive auf Geschichte: „Problematische Aspekte in Biografien von Lesben, beispielsweise koloniales Engagement, rassistische, behindertenfeindliche sowie klassistische oder antifeministische Denkweisen und Publikationen, müssen genauso benannt werden wie homosexuellen-emanzipatorische oder feministische Aktivitäten. Nur so lässt sich aus Geschichte lernen und gemeinsam für eine bessere Zukunft streiten.“

Das Portal umfasst rund 100 Texte in teilweise bis zu elf Sprachen (Schwerpunkt: Deutsch, Eng- lisch, Spanisch, außerdem: Französisch, Niederländisch, Russisch, Finnisch, Türkisch, Portugiesisch, Rumänisch und Slowakisch) und bietet weitere lesben(film)historische Informationen.

Das No-Budget-Projekt lebt ausschließlich vom freiwilligen Engagement der anfänglich vier, inzwischen 17 AutorInnen, 35 ÜbersetzerInnen, der Unterstützenden und der beiden Heraus- geberinnen. Unter „biografischen Skizzen“, einem Herzstück des Portals, können rund 50 Porträts von Frauen/Trans* entdeckt werden, die frauen*bezogen lebten. Teilweise waren sie gesellschafts- politisch oder subkulturell, manche – wie Johanna Elberskirchen (1864-1943) – feministisch und homo-sexuellen-emanzipatorisch engagiert. Außerdem bietet der Internetauftritt Hintergrundbeiträge zu „Politik & Subkultur“, zu „Regionalgeschichte“ (inkl. Ausflugstipps) sowie zu „erinnern & gedenken“: Informationen über Gedenktafeln und Dokumentationen von Gedenkfeiern für lesbische Frauen. Geografische und zeitliche Schwerpunkte der Beiträge liegen auf Deutschland und der Schweiz Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Weitere Rubriken ermöglichen das Stöbern in einer einschlägigen Zitatesammlung und in einer Bildergalerie mit Porträts und anderen Fundstücken. Unter „Aktuelles“ sind Termine, Neuerscheinungen und erinnerungspolitische Debatten nachverfolgbar.

Zu den Portalinhalten führt Christiane Leidinger aus: „Kritische Geschichtsbetrachtung heißt auch, mit Mythenbildung aufzuräumen: Seit 2009 bauen wir den Bereich zu ‚Lesben und Nationalsozialismus’ aus. Damit wollen wir einerseits der Vorstellung entgegenarbeiten, Lesben seien systematisch mit einem entsprechenden Haftgrund in Konzentrationslagern interniert worden. Dieser Mythos hält sich ebenso hartnäckig wie andererseits die von schwuler und heterosexueller Seite vertretene Ansicht, Lesben seien in keiner Weise verfolgt worden. Deshalb fassen wir die zahlreich bestehenden Forschungslücken und zentralen Erkenntnisse zusammen, um eine differenzierte Sicht zu ermöglichen.“

Für den Filmbereich ergänzt Ingeborg Boxhammer: „Die Website bietet seit Bestehen eine Lesbenfilmchronik, eine 440 Filme umfassende Liste deutschsprachiger (Ko-)Produktionen sowie Statistiken zur Quantität der Repräsentation im Film. Bislang gibt es keine vergleichbar umfassende Auflistung von Spielfilmen, mit der die explizit oder implizit dargestellte Anziehung zwischen Frauen* berücksichtigt wird.“

Die beiden Portal-Bereiche Film und Geschichte sind durch zahlreiche interne Links miteinander verbunden – mögliche Ansatzpunkte, um sich auf den Seiten treiben zu lassen.

Als wichtigstes Ziel für die Zukunft nennen die beiden Gründerinnen Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger die aufwändige webseiten-technische Anpassung für mobile, aber auch weitgehend barrierefreie Nutzung und laden zur Mitarbeit ein: „Wir freuen uns über weitere Mitstreitende: Autor*innen, Übersetzer*innen, Webdesigner*innen, Kontaktvermittler*innen – und über Spenden in jedweder Höhe genauso wie über Anregungen und Hinweise.

Berlin und Bonn im September 2015, Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 3. November 2015 um 9:00 Uhr unter Aktivismus, Geschichte, Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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