Handlungsräume für Feminismus

von Helga
Dieser Text ist Teil 38 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Weißes Cover mit lila-roter Aufschrift: Anne Lenz · Laura Paetau - Feminismen und »Neue Politische Generation«Mit „Feminismen und »Neue Politische Generation«” bringen die Autorinnen Anne Lenz und Laura Paetau ihre gemeinsame Abschlussarbeit als Buch heraus, statt sie im Bibliothekskatalog verstauben zu lassen. Ihnen geht es um die Erforschung aktueller feministischer, politischer Praxis, herauskommen soll dabei ein Handbuch zur Organisierung.

In acht Kapiteln beschreiben sie Handlungsoptionen und Wirkungsfelder verschiedener Aktivist_innen, sowie die dahinter stehenden Theorien. Für das Buch haben Lenz und Paetau Aktivist_innen aus sechs linken Berliner Gruppierungen interviewt, sowie eine Hacktivistin und mit Sabine Hark eine Expertin für feministische Theorie. Die Interviews werden auf verschiedene Aspekte untersucht, u.a.: was bedeutet „feministisch”, was ist die Abgrenzung zu Sexismus und wo greifen Intersektionalitäten? Drei der Interviews werden im Rahmen einer Typologisierung näher ausgewertet, die politischen Stratgien herausgearbeitet und beispielhaft dargestellt.

Neben der Erklärung des Forschungsaufbaus wird auch der theoretische Hintergrund der Neuen Politschen Generation erläutert und auf den Einfluss der Neuen Deutschen Frauenbewegung, der zweiten Welle, eingegangen. Die Kapitel zur Forschung wechseln sich dabei mit denen zur Theorie ab. Ein Leser_innenguide erleichtert die Orientierung und zeigt Möglichkeiten zum Querlesen auf.

Als einen Ausgangspunkt der Arbeit zitieren die Autorinnen die häufig geäußerte Meinung, heute sei die Gleichberechtigung bereits erreicht und es käme allerorten zur Diskriminierung von Männern. Dass dies nicht stimmt zeigt auch der Blick in die „linke” Szene, aus der die untersuchten Gruppen stammen. Diese ist dabei nicht so frei von Sexismus, wie es ihr eigener Anspruch ist.

Eine Fragestellung der Arbeit ist ferner, ob die heutigen Aktivist_innen sich überhaupt zu einer einzigen Generation zusammenfassen lassen. Befragte gleichen Alters haben dabei teilweise gegensätzliche Ansichten, so dass die Unterschiedlichkeit der Positionen zum Charakteristikum der Neuen Politischen Generation wird – den derzeitigen Feminismus gibt es nicht.

Der Aufbau und Stil des Buches sind, wie es sich für eine universitäre Abschlussarbeit gehört, wissenschaftlich gehalten, auch die Interviewten haben fast alle einen akademischen Hintergrund. So werden in dem Buch viele Theorien und Diskussionsansätze angeführt, die Leser_innen ohne (sozial-)wissenschaftlichen Hintergrund zunächst erschlagen, für sich gesehen aber einen kompakten Einstieg in die Themen bieten, z.B. Queer Theory oder Weiße Frauen und der Feminismus. Am Interessantesten sind wohl die Interviews, die die Entwicklungen der Aktivist_innen beschreiben, die Arbeit innerhalb verschiedener Gruppen und die Einordnung dieser politischen Praxis. Sie beleuchten, wie politischer Aktivismus vom Geschlecht, der sexuellen Identität oder Migrationsstatus geprägt wird und sich entwickelt. Insgesamt bietet „Feminismen und »Neue Politische Generation«” somit einen Einblick in die Arbeit und das Selbstverständnis heutiger Feminist_innen.

Anne Lenz, Laura Paetau: Feminismen und »Neue Politische Generation«. Verlag Westfälisches Dampfboot, 2009. 151 Seiten, 19,90 Euro.

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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 6. Januar 2010 um 17:48 Uhr unter Gendertrouble, Studien. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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