Gute Luft und sonst so?

von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 10 von 45 der Serie Muttiblog

Hallo liebe Muttiblogleser- und leserinnen,heute schreibe ich nicht aus Leipzig, sondern aus der Pfalz, es ist sehr idyllisch hier inmitten von hübschen Weinbergen und frühlingshafter Wintersonne. Und erst die gute Luft! Leipzig ist da nicht so gesegnet mit, weder mit Weinbergen noch mit guter Luft. Nun ja, aber könnte ich hier leben? Könnte ich hier so leben, wie ich in Leipzig lebe?

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wo ich hier bin, das ist eine Stadt, zugegeben eine kleine Stadt mit nur 5.000 EinwohnerInnen, aber städtische oder sonst wie organisierte Kinderbetreuung ab einem Jahr? Fehlanzeige! Väter, die tagsüber ihre Kinder durch die Straßen schieben: Fehlanzeige 2!

Da lobe ich mir mein Leipzig, in dem die Kinderbetreuung für Kinder ab einem Jahr über Tagesmütter, -väter und Kinderkrippen nahezu abgedeckt ist (das heißt jetzt allerdings NICHT, dass es leicht ist, eine gute Kinderbetreuung zu finden, das ist dann schon wieder ein Thema für eine nächste Folge), aber zumindest sind die Voraussetzungen dafür gegeben. Väter im Park oder in Szenevierteln tagsüber und werktags sind auch keine absolute Seltenheit, auch wenn man dann immer wieder die gleichen sieht. Und was natürlich in Leipzig auch anders ist, ist das Klima und die Akzeptanz gegenüber berufstätigen Müttern. Fragt mich mal, wie oft ich mich mit ehemaligen Schulfreundinnen über meinen Job unterhalte? Quasi nie. In Leipzig wiederum würde man für oberschräg gehalten, wenn man zum Zwecke der Kindererziehung drei Jahre zu Hause bleiben würde.

Und was ist das nun? Ost-West-Gefälle, Stadt-Dorf-Unterschied? Fragt mich auch das nicht, ein Argument in diesem Zusammenhang ist ja, dass das alles etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun hätte, also dass Frauen nicht arbeiten wollen und deswegen keine Betreuungsplätze gebraucht werden. Für mich völliger Käse! Frauen, die „trotz“ Kind wieder arbeiten gehen wollen (oder in viel Fällen auch müssen), sollten doch bitte die Gelegenheit dazu haben, und zwar ohne sich zu diesem Zwecke um private Betreuung kümmern zu müssen. Sonst ergeht es den Frauen so, wie einer guten Freundin von mir, die nach dem 1. Lebensjahr ihrer Zwillinge nur wieder 10 Stunden(!) pro Woche arbeiten gehen konnte, weil am Dienstag Oma 1 anreiste und am Donnerstag Oma 2.

Und ich, bleibe ich jetzt für immer in der Stadt, weil da die „Bedingungen“ besser sind? Oder komme ich irgendwann auch in die Gunst von guter Luft, Obst und Gemüse vom Erzeuger um die Ecke und Weinfeste von Frühjahr bis Herbst UND akzeptabler Kinderbetreuung? Ich weiß keine Antwort, ich will eigentlich nicht auf das soziale Umfeld in Leipzig verzichten, also was sagt meine Tochter (4) dazu?
Mutti: „Wo möchtest du denn lieber leben?“
Kind: „In Leipzig, da habe ich mein eigenes Bett!“
Mutti: „Und wenn dein Bett hier wäre?“
Antwort: „Dann hier. Außerdem bekomme ich hier beim Fleischer immer Wurst geschenkt!“

Ein schlagendes Argument! Bis bald, meine Familie lebt ab sofort vegetarisch, Kochrezepte und Einkaufslisten bitte an mich! Oder ihr schreibt mir über das feministische Dorf, in dem ihr lebt!

Bis in 14 Tagen, eure Mrs. Pepstein






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Ein Kommentar

  1. Neeva sagt:

    Um deine Frage zu beantworten: Das Ost-West-Gefälle würde ich als Hauptverdächtigen ausmachen.
    Die DDR hat keine großen technischen Erfindungen hervorgebracht, aber eine absolut bahnbrechende gesellschaftliche Idee: Der Gedanke, dass es SELBSTVERSTÄNDLICH ist, dass Frauen arbeiten.