Girl, Girl, Prinzessin – Frauen in Hollywood

von Charlott

Eigentlich müssten wir uns nur die aktuellen Blockbuster aus Hollywood angucken oder die letzte Oscar-Verleihung um zu sehen, dass es mit Diversität in der Besetzung und den möglichen Rollen nicht weit ist. Einen weiteren Beweis dafür zeigt das Magazin Vulture. In der letzten Woche veröffentlichten sie eine Liste mit den „wertvollsten Schauspieler_innen“ Holly­woods.

Es ist leider kaum überraschend, dass von 100 Menschen 64 weiße Männer sind. Die restlichen 36 setzen sich aus sechs men of colour, 28 weißen Frauen und gerade einmal zwei women of colour zusammen.

Ein Blick auf die Liste macht aber auch auf ganz andere Weise offensichtlich, wie eingeschränkt die Blicke auf Schauspielerinnen sind. Neben Bild und Namen der vorgestellten Person befindet sich immer auch noch ein be­schreibender Untertitel. Männer werden da betitelt als „immer unter­schätzer Clown“, „Zeichen für Qualität“, „geliebte Ikone“ oder auch „spät Erblühter“ und „sensibler Streithammel“.

Die Kreativität setzte vollends bei der Beschreibung der wenigen Frauen aus. Fast sämtliche Titel haben einen konkreten Bezug auf das Geschlecht („Mrs. Hollywood“, „Amerikas liebste lustige Lady“) oder zielen auf das Aussehen.

Ein Fünftel dieser erwachsenen Frauen werden mit girl bezeichnet. Es gibt außerdem drei „Prinzessinnen“ und zwei „Königinnen“. Nicht ihre Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt, sondern fast immer ihr Frausein – welches natürlich auch nur mit ganz bestimmten Kriterien wahrgenommen wird. Besonders deutlich wird dies bei der Beschreibung Rachel Adams. Sie wird nur als „Love Interest“ betitelt. Sie ist also einzig ein Element in der Geschichte eines männ­lichen Protagonisten (wir gehen ja vom sehr hetero­normativen Holly­wood aus). Sie ist die hübsche Frau, in die sich der Protagonist verlieben kann.

Die Liste spiegelt nicht nur die *istischen Strukturen der Filmindustrie in Hollywood wieder, sondern verbreitet selbst ebenfalls vor allem sexistische Zuschreibungen.




Tags: ,

Eintrag geschrieben: Donnerstag, 2. August 2012 um 11:15 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



7 Kommentare

  1. Vicky Amesti sagt:

    Interessant, wie sich dieses Ranking zusammen stellen soll: http://www.vulture.com/2012/07/most-valuable-stars-methodology.html

    Alles in allem zeigt sich ja auch, dass männliche Schauspieler, wenn man dem Glauben schenken mag, für einen Film wesentlich „wertvoller“ sind, als die weiblichen. Immerhin kommt die erste „wertvolle“ Schauspielerin erst auf Rang 8 in Form von Angelina Jolie. Die als „Mrs. Hollywood“ betitelt wird. Tatsächlich. Bäh.

  2. Valeria sagt:

    Hat jetzt nur am Rande was mit dem Thema zu tun: Ist es eigentlich „in Ordnung“ im Deutschen von „Farbigen“ zu reden? Ich finde es besonders im direkten Gespräch etwas unglücklich, englische Ausdrücke oder Abkürzungen zu benutzen.
    Und poc übersetzt sich ja in „farbige Personen“ oder eben „Farbige“.

  3. Emma sagt:

    @ Valeria
    nee, „Farbige“ ist nicht okay, guck mal beim „braunen Mob“: http://derbraunemob.de/deutsch/index.htm

  4. Charlotte sagt:

    Passend zum Hollywood-Thema: alte, weiße Männer wählen Filme anderer alter, weißer Männer als die besten Filme aller Zeiten.

    http://www.taz.de/Die-zehn-besten-Filme/!98705/

  5. […] von der Mädchenmannschaft analysiert eine Liste mit den “wertvollsen” Hollywoodschauspielern und zeigt auf, wie eindimensional die (sowieso schon) unterrepräsentierten Frauen von der Branche […]

  6. Pipi sagt:

    Ich bin ganz klar für eine Quotenregelung an dieser Stelle!

  7. Viruletta sagt:

    Ich weiß nicht auf welche Quellen sie sich berufen, fand es aber sehr interessant:
    Die Beteiligung von Frauen in Filmen - in Zahlen

    (via The Brainwash Project)