Gemeinsam leben, gemeinsam umverteilen

von Nadine
Dieser Text ist Teil 9 von 10 der Serie Ökonomie_Kritik

Dies ist ein Bericht von der Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren”. Insgesamt waren sechs Bloggerinnen auf der Tagung und haben von ihren Eindrücken berichtet – alle Berichte findet ihr auf gender-happening.de.

“Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren” hieß das Motto der Tagung “Schneewittchen rechnet ab”. Beim abendlichen Open Space bekam dieses Motto den vielleicht größten Raum: Die Teilnehmenden konnten Themen und Perspektiven vorschlagen, über die sie sich mit anderen Teilnehmenden gerne austauschen wollten. Auf Expert_innenwissen kam es dabei nicht an. Jede Idee war es wert, dem Publikum vorgeschlagen zu werden. Neben postkolonialen Perspektiven auf Feministische Ökonomiekritik, unterschiedlichen Standpunkten zum Bedingungslosen Grundeinkommen sollten auch Frauendörfer und Umverteilung im eigenen Alltag Thema sein.

In kleinen Gruppen verteilten sich die vorgeschlagenen Themen über die gesamte Etage und jeder_m stand es frei, sich für wenige Minuten dazuzusetzen, sich mit eigenen Wortbeiträge einzubringen oder schlicht nur zuzuhören. Jede Person konnte über Art und Dauer ihrer Partizipation beim Open Space selbst entscheiden.

Utopien leben: Frauendörfer

Eine Teilnehmerin wollte mit anderen über die Möglichkeit und Umsetzbarkeit eines Frauendorfes nachdenken. Durch Landflucht vor allem – aber nicht nur – in den ostdeutschen Bundesländern sind viele Dörfer kaum mehr bewohnt. Die leerstehenden Häuser eignen sich daher wunderbar für die Verwirklichung eigener Utopien eines schöneren Lebens in der Gemeinschaft. Zusammen wurde frei von Zwängen überlegt, was sich jede vorstellen kann. Folgende Fragen waren den Teilnehmerinnen wichtig: Was verspricht sich jede von dieser Art des Zusammenlebens? Welche materiellen und immateriellen Güter kann sie ein- bzw. mitbringen? Welche Tätigkeiten sind Aufgabe der Gemeinschaft, was hat jede selbst zu leisten?

Den Teilnehmerinnen war es ein Anliegen, dass sich eine neue Gemeinschaft, die in ein halb verlassenes Dorf ziehen möchte, die bereits vorhandenen Strukturen würdigt und versucht, sich in diese zu Integrieren. Integrationsarbeit könnte die neu hinzugezogene Gemeinschaft zum Beispiel dadurch leisten, indem sie Sorgearbeit für Ältere übernimmt oder Waren vor Ort kauft, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Auch die Eröffnung eines eigenen Ladens wurde in Betracht gezogen. Weiterhin könnte die neue Gemeinschaft das Dorf- bzw. kommunale Leben bereichern, indem sie sich lokalpolitisch betätigt und neue Impulse für die gesamte Dorfgemeinschaft oder die Kommune setzt. Auch Ökologische Aspekte waren den Teilnehmerinnen ein Anliegen: so gering wie möglich sollte die Natur durch den Zuzug neuer Bewohnerinnen in Anspruch genommen werden. Über alternative Bauweisen wurde nachgedacht, nicht jede ließe sich allerdings mit deutschem Baurecht vereinbaren.

Das Frauendorf soll nach Möglichkeit kein zeitlich begrenztes Projekt bleiben, sondern an nachfolgende Generationen weitergegeben werden oder durch Fluktuation von Bewohnerinnen aufrecht erhalten werden. Dabei ging es auch um die Frage persönlicher Konflikte: Wie kann eine Kultur geschaffen werden, in der sich jede jederzeit willkommen und wertgeschätzt fühlt, wie können Widersprüche ausgehalten werden, die sich nicht lösen lassen, ohne dass das Projekt „Frauendorf“ gefährdet ist? Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: eine solle sich nicht abschrecken lassen von Utopien. Jedes noch so ferne Ziel sei mit Willenskraft in einer bestimmten Form erreichbar. Über Utopien nachzudenken, heiße nicht, lediglich Gedankenspielerei zu betreiben, sondern ein besseres Leben für möglich zu halten und danach zu streben.

Utopien finanzieren: Gemeinschaftskonten

In der Gruppe, die über Umverteilungsmöglichkeiten im eigenen Alltag nachdachte, ging es ähnlich kreativ zu. Einen Einstieg ins Thema bildete das Gemeinschaftskonto der Prolo-Lesben Anfang der 1990er Jahre. Jede konnte dort anonym einzahlen und abheben, ohne rechtfertigen zu müssen, wofür sie das Geld brauchte. Einzige Bedingung war, dass ein bestimmter Grundstock auf dem Konto verbleiben musste, frau konnte ja nie wissen. Jede zahlte eigenverantwortlich und nach ihren finanziellen Möglichkeiten auf das Konto ein. So funktionierte das Gemeinschaftskonto mindestens zwei Jahre bis es aufgelöst wurde, weil sie sich die Gruppe auflöste.

Ähnliche Ideen gibt es heute auch noch: Gemeinschaftskontos in größeren Wohngemeinschaften, von denen Miete, Lebensmittel und materielle Dinge für den Haushalt bezahlt werden und die Höhe der Einzahlungen abhängig ist von der finanziellen Situation jeder Person. Denkbar sind auch Gemeinschaftskonten, die nicht an eine Wohngemeinschaft gebunden sein müssen und die dazu dienen sollen, autonome politische Projekte in regelmäßigen Abständen zu bespenden. Weiter wurde über die Möglichkeit nachgedacht, gemeinsame Erbschaftskonten einzurichten, um an Umverteilungsprozessen im Kleinen mitzuwirken.

Auch die Idee des Frauendorfes ließe sich mit einem Finanzierungsplan realisieren, der die unterschiedlichen ökonomischen Situationen und Positioniertheiten von Frauen mitdenkt: Unabhängig der finanziellen Situation jeder Frau kann diese Teil des Projektes werden. Die gerechte Ausbalancierung von Ressourcen und Bedürfnissen stehen im Vordergrund. Feministische Ökonomie für ein besseres Leben!




Tags: , , , ,

Eintrag geschrieben: Mittwoch, 12. Dezember 2012 um 8:59 Uhr unter Familien_politik, Inspiration. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



19 Kommentare

  1. Christian sagt:

    Hallo,

    ich habe die Serie zur feministischen Ökonomie bisher mit regem Interesse verfolgt, denn jede konstruktive Kritik am aktuellen Wirtschaftswesen ist in meinen Augen dringend notwendig. Allerdings bin ich mittlerweile für mich zu der Erkenntnis gelangt, dass es sogar mit dem Kapitalismus nicht ganz so einfach ist.

    Deswegen meine Fragen zu den beiden hier genannten Utopien: Welche der vorher kritisierten Verhältnisse können denn durch die beiden Vorschläge geändert werden? Also in dem großen (weltweiten) Maßstab, in dem vorher kritisiert wurde? Oder welche Ansätze, irgendetwas zu ändern, können denn durch diese Utopien gewonnen werden?

    Viele Grüße
    Christian

  2. Nadine sagt:

    @Christian

    Freut mich, dass dir die Serie gefällt.

    Zu deinen Fragen: Globalisierte kapitalistische Verhältnisse zu ändern, halte ich für relativ utopistisch ;) Zumal diese ja noch mit anderen (ebenfalls globalisierten) Machtverhältnissen wie Sexismus, Rassismus, Ableismus usw. zusammenfallen und zusammen_gedacht werden müssen. Die hier vorgeschlagenen Ideen stellen an sich keine Veränderung des Systems dar, sondern sind ein Infragestellen oder eine Intervention in dieses. Es sind die Versuche, in dem System, in dem wir über_leben müssen, ein anderes Leben zu denken und zu gestalten. Kleine Inseln des Rückzugs und Widerstand sozusagen.

    Die Ideen, die hier vorgestellt werden, sind also sozusagen bereits Ansätze oder erste Vorschläge, wie ein Leben in einem anderen System aussehen kann, nur eben realisiert im jetzigen. Alltagspraxis. Ich möchte nicht warten, bis der Kapitalismus vorbei ist, ich will jetzt schon leben können bzw. mir Gedanken darüber machen, wie ich leben möchte/leben kann, ohne mich permanent anpassen zu müssen oder mich mit den Gegebenheiten zufrieden zu geben.

  3. mel sagt:

    da fallen mir beginenhöfe (zB http://www.beginenhof-essen.de/) zu ein. mich begeistert die idee!

  4. rote zora sagt:

    Der Rückzug in Frauendörfer ist verständlich und nachvollziehbar – Rückzugs- und Schutzräume zu schaffen, sind notwendig. Eine gesamtgesellschaftliche Perspektive jedoch sehe ich nicht.
    Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse wie das patriarchale Geschlechterverhältnis und der Kapitalismus sind gesamtgesellschaftliche Phänomene und daher nur auf derselben Ebene zu bekämpfen und zu überwinden. Frauendörfer hingegen müssen sich bis zu einem bestimmten Grad von der Gesellschaft abschotten, sofern sie anders als diese sein wollen. Eine Flucht in autonome Frauendörfer bedeutet insofern die Aufgabe gesamt-gesellschaftlicher Widerstandsperspektiven.
    Zudem bedeutet jeder Schritt substanzieller Unabhängigkeit unter den heutigen hoch-arbeitsteiligen, globalisierten Verhältnissen einen Schritt in Richtung Mittelalter. Wenn die private Verfügungsgewalt über die wesentlichen Produktionsmittel nicht in Frage gestellt wird, bleibt der Ausschluss davon bestehen und wirkliche Autonomie ist nur über prekäre Subsistenzwirtschaft möglich. Sobald allerdings für den gesellschaftlichen Markt produziert wird, durchdringt die Geldlogik auch die Gemeinschaft, der Zweck der Produktion ist nicht mehr die Bedürfnisbefriedigung und man steht in Konkurrenz zu Unternehmen, die Kosten externalisieren d.h. auf Mensch & Natur abwälzen und damit günstiger produzieren können.

  5. Nadine sagt:

    Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse wie das patriarchale Geschlechterverhältnis und der Kapitalismus sind gesamtgesellschaftliche Phänomene und daher nur auf derselben Ebene zu bekämpfen und zu überwinden.

    Wie stellst du dir das konkret vor?

    Frauendörfer hingegen müssen sich bis zu einem bestimmten Grad von der Gesellschaft abschotten, sofern sie anders als diese sein wollen. Eine Flucht in autonome Frauendörfer bedeutet insofern die Aufgabe gesamt-gesellschaftlicher Widerstandsperspektiven.

    Wie kommst du zu dieser Aussage?

    Was sind gesamtgesellschaftliche Widerstandsperspektiven und wie sehen diese in der Praxis aus?

  6. rote zora sagt:

    Wie kommst du zu dieser Aussage?

    Wie beschrieben. Wer sich außerhalb der Gesellschaft stellt, kann diese nicht mehr bzw. nur sehr begrenzt verändern. Halte ich eigentlich für recht selbsterklärend.

    Was sind gesamtgesellschaftliche Widerstandsperspektiven und wie sehen diese in der Praxis aus?

    Einige Aspekte des Reproduktionsmodells sind als normative Ausrichtung dazu sicher brauchbar. Als Leitfaden könnte auch die „Vier-In-Einem“-Perspektive von Frigga Haug dienen, die ja hier schon Thema war. Sie behandelt im Gegensatz zum Reproduktionsmodell die Lohnarbeit nur als spezifisch-kapitalistische „Form“ der grundsätzlichen „Arbeit an den notwendigen Lebensmitteln“. Sowohl die Strategie der staatlichen Reformen (Sozialdemokratie) wie auch der Revolution, ob staatszentriert (Leninismus) oder anti-staatlich (Anarchismus) basieren auf falschen Vorstellungen von Staat & Kapital und haben sich meiner Meinung nach logisch wie historisch als nicht zielführend herausgestellt. Bei Bedarf kann ich das gerne noch ausführen. Die Transformation müsste stattdessen ein wechselseitiger Prozess zwischen Kräften innerhalb wie außerhalb des Staates sein, wobei die Entwicklung neuer Organisations- und Vermittlungsformen wesentlich von unten ausgehen muss, da der Staat als spezifisch konfiguriertes Kräfteverhältnis nur begrenzten Raum für emanzipatorische Politik bietet und integraler Bestandteil des Kapitalismus ist. Als Gegenentwurf zum linearen Fortschrittsdenken des Traditionsmarxismus und hierarchischen Baummodellen schlägt Raul Zelik eine Orientierung an der Philosophie von Deleuze/Guattari vor, um mit Begrifflichkeiten wie jener des Rhizoms die Vielfältigkeit sozialer Verhältnisse & Prozesse adäquat zu erfassen. Allgemeine Begriffe für solch eine Strategie wären wahlweise „Utopische Realpolitik“, wie es Helge Buttkereit in Bezug auf die ‚neue Linke’ in Lateinamerika nennt, „radikale Transformation“ (Nicos Poulantzas), „radikaler Reformismus“ (Joachim Hirsch) oder auch „revolutionäre Realpolitik“ (Rosa Luxemburg). Die Veränderung von individuellem Bewusstsein & privater Lebensgestaltung sollte nicht gesellschaftlichen Veränderungen entgegengesetzt, sondern als gegenseitiges Bedingungsverhältnis begriffen werden. Die adäquaten, konkreten Aktionen für den jeweiligen Kontext sind wohl sehr verschieden und können von (politischen) Streiks, Demonstrationen, Blockaden und Besetzungen von Betrieben, Unis & co bis zur Parteiarbeit reichen. Was Parteien angeht gibt es mit der Wahl von Katja Kipping an die Spitze die Linkspartei und der damit einhergehenden Stärkung der Strömung ‚Emanzipatorische Linke‘ eine neue Chance für undogmatische, antikapitalistische, feministische & ökologische Politik, die sich auch der Wichtigkeit von außerparlamentarischen Bewegungen bewusst ist.

  7. Nadine sagt:

    wie kommst du darauf, frauendörfer würden außerhalb der gesellschaft stehen? und wieso muss jede form der politik und des widerstands darauf angelegt sein, potentiell veränderungen _für alle_ zu wollen, zumal, wenn sich diese ansätze feministisch verorten? das geht im grundsatz von gleichen individuen aus, eine sichtweise, die unter machtkritischen aspekten nicht so relevant ist.

    ich glaube, wir beide haben hier in der diskussion in teilen grundsätzlich verschiedene ansichten zu veränderung, utopien, widerstand. mit worten wie falsch und logisch kann ich bspw. nichts anfangen. in deinen vorschlägen benennst du 7 ansätze, davon sind 6 von typen “entworfen” worden. bezeichnend, wenn es darum geht, feministische ökonomie zu diskutieren. was nicht heißt, dass diese ansätze nicht diskutierenswert sind, ich finde sie aus feministischer perspektive halt nicht spannend, weil geschlechterverhältnisse in diesen denkschulen meistens keine rolle spielen, obwohl sie für die gestalt der gesellschaft und für gewalt-, unterdrückungs- und ausbeutungsverhältnisse mindestens so elementar sind wie kapitalismus.

    trotz deiner vielen aufzählungen von buzzwords kann ich mir noch immer nicht vorstellen, wie solche ansätze in der praxis genau aussehen könnten. katja kipping und die linkspartei: “undogmatische, antikapitalistische, feministische & ökologische Politik” wie werden denn diese begriffe gefüllt für dich? was bedeuten sie in der praxis? wie gestaltest du deinen alltag? wie versuchst du, utopien zu leben?

  8. Medusa sagt:

    interessante debatte.
    erste frage: wo ist außerhalb der gesellschaft? wo finde ich das?
    nächste frage: wo fängt veränderung der gesellschaft an. ich würde behaupten, bereits dann wenn ich mich individuell gesellschaftlichen normen entziehe oder widersetze. erstens, weil ich selbst ein teil der gesellschaft bin u. damit diesen teil der gesellschaft ändere. zweitens, weil das anderen die _machbarkeit_ von etwas anderem vor augen führt. und so evtl. weitere wirkungen entfaltet. genauso ist es mit frauendörfern.
    je kleiner die kreise, desto radikaler die änderungsmöglichkeiten, weil ideen einfacher realisierbar, auf wenige mitbestimmer:innen angewiesen sind. je größer der kreis, desto verwässerter meist die grundidee, jedenfalls wenn demokratische entscheidungsstrukturen beibehalten werden sollen. beide veränderungsarten haben ihre berechtigung.
    wobei mir einfällt: einfluß auf die gesamte gesellschaft nehmen zu wollen, bedeutet meist einen größeren apparat/organisation dafür zu haben. bedeutet zugleich, dass dieser in sich meist hierarchisch organisiert ist und zweckmäßig an die mainstreamgesellschaft angebunden ist. was wiederum rückwirkung auf die organisation selbst hat.

  9. rote zora sagt:

    wie kommst du darauf, frauendörfer würden außerhalb der gesellschaft stehen

    Na, weil sie “sich bis zu einem bestimmten Grad von der Gesellschaft abschotten [müssen], sofern sie anders als diese sein wollen.” Sonst könnte man sich den Aufbau von Frauendörfern ja gleich sparen. Im Gegensatz zu diversen Frauengruppen, lesbischen Cafes oder ähnlichem basiert die Idee von Frauendörfern doch gerade darin, nicht nur temprorär und themenspezifisch einen Freiraum zu schaffen, sondern dort zu leben, zu wohnen und zu arbeiten. Wofür braucht man dann noch die Restgesellschaft? Das Ziel emanzipatorischer Politik sollte tatsächlich das gute Leben für alle(!) sein, siehe die Kritik am Fähigkeitenansatz. Dabei ist nichts dagegen einzuwenden, wenn sich Gruppen auf Themen fokussieren, aber das Ganze und die dafür nötige Zusammenarbeit mit anderen sollte man immer im Blick behalten. Der Aufbau von Frauendörfern bedeutet evtl. für einzelne Personen eine Verbessung, aber die Chancen für Veränderungen in Bezug auf alle anderen Menschen, insbesondere Frauen, sinken je stärker man sich von der Gesellschaft entfernt.

    6 von typen “entworfen”

    Gerade hier ist die Autorenschaft für die Beurteilung des Gegenstands absolut irrelevant – genau übrigens wie mein Alltag für die Beurteilung meiner Aussagen hier keine Rolle spielt. Es handelt sich nämlich nur um strategisch Konzepte, die das Verhältnis von kurzfristiger, geringfügiger und langfristiger, grundlegender Veränderung neu zusammendenken. Das bezieht sich auf alle Inhalte emanzipatorischer Politik und bietet quasi nur die Form dafür an.

    “undogmatische, antikapitalistische, feministische & ökologische Politik” wie werden denn diese begriffe gefüllt für dich?

    Ich bin weder in der Lage dazu, noch halt ich es für sinnvoll hier den Masterplan auszubreiten. Wie gesagt stehe ich der Strömung ‘emanzipatorische Linke’ nahe, deren Positionen hier nachgelesen werden können: http://emanzipatorischelinke.files.wordpress.com/2011/10/basispapier.pdf
    Was außerparlamentarische Arbeit, Ausrichtung und Aktionen angeht ist mir die Gruppe FelS sehr sympathisch (http://fels.nadir.org), in der es Arbeitsgruppen von Antifaschismus bis Queerfeminismus gibt mit entsprechender Bandbreite an Aktivitäten (Militante Untersuchung, diverse Kampagnen bis zum Slutwalk). Alles wunderbare Beispiele für emanzipatorische Politik.

  10. rote zora sagt:

    Ich würde zwar Hierarchien nicht prinzipiell ablehnen, aber dass gesamtgesellschaftliche Veränderung auch ohne ZK geht, haben zum Beispiel die Anarchosyndikalisten in Spanien 1936f. gezeigt.
    Diese Idee – wir gründen unser kleines autonomes Dorf, leben dort unsere Utopie, damit das alle toll finden und nachmachen – klappt schon deswegen nicht, weil ein gutes Leben, das den Namen verdient mit Subsistenzwirtschaft nicht möglich ist! Und Nochmal: “Sobald allerdings für den gesellschaftlichen Markt produziert wird, durchdringt die Geldlogik auch die Gemeinschaft, der Zweck der Produktion ist nicht mehr die Bedürfnisbefriedigung und man steht in Konkurrenz zu Unternehmen, die Kosten externalisieren d.h. auf Mensch & Natur abwälzen und damit günstiger produzieren können.”
    Diese ganzen (Land)Kommune-Projekte gabs ja schon einnmal in allen möglichen Varianten. Man sollte sich wenn man eine Neuauflage plant besser vorher mit den Gründen für deren Scheitern beschäftigen. Ein wesentlicher Grund war z.B., dass der Nachwuchs das Land/Dorfleben kein Stück spannend fand und lieber in die Städte gezogen ist.

  11. Nadine sagt:

    die idee der frauendörfer: es geht gar nicht darum, dass “alle das toll finden und nachmachen” oder um “gesamtgesellschaftliche veränderungen”. that’s the point.

    dass du die bedeutung von sprechpositionen und der damit zusammenhängenden art und weise der wissenproduktion negierst, parteiprogramme verlinkst (als alternative zur umsetzung von grundgedanken der feministischen ökonomie) und ernsthaft behaupten kannst, dein alltag hätte nichts mit deinen politischen perspektiven zu tun, sagt eigentlich auch schon alles über dein verständnis vom funktionieren und den realisierungsformen von strukturen und diskursen aus. wenn du alle menschen als gleiche siehst und machtverhältnisse nicht mit in deine analyse einbeziehst, frage ich mich, warum du auf einem feministischen blog kommentierst.

  12. rote zora sagt:

    die idee der frauendörfer: es geht gar nicht darum, dass “alle das toll finden und nachmachen” oder um “gesamtgesellschaftliche veränderungen”. that’s the point.

    Das hatte jedenfalls Medusa vorhin behauptet (“weil das anderen die _machbarkeit_ von etwas anderem vor augen führt. und so evtl. weitere wirkungen entfaltet. genauso ist es mit frauendörfern.”). Wenn es deiner Ansicht nach aber gar keinen gesellschaftlichen Anspruch hat, dann scheinen wir uns ja einig zu sein, dass es höchstens als Rückzugsperspektive taugt, richtig? Solange man es als solche betrachtet und sich keine Illusionen darüber macht, habe ich auch nichts dagegen.
    Wobei mich noch interessieren würde wie das mit dem Nachwuchs in einem reinen Frauendorf funktionieren soll. Für heterosexuelle Frauen stell ich mir das ohnehin recht unattraktiv vor.

    Ich habe nie behauptet der (bzw. mein) Alltag nichts mit Politik zu tun hätte. Es geht darum, dass es für den Wahrheitsgehalt und die Beurteilung der Aussagen, die ich hier treffe keinen Unterschied macht! Ich habe zudem keine Lust mein Privatleben hier auf einem öffentlichen Blog auszubreiten. Das können andere ja ruhig machen, aber es sollte keine Voraussetzung sein, um als politischer Gesprächspartner ernstgenommen zu werden.
    Das Grundsatzpapier war als ein(!) Ansatz für deine Frage nach gesamtgesellschaftlichen Perspektiven gedacht, die feministische Ökonomiekritik einbezieht, sich aber nicht darauf beschränkt. Anstatt durch Unterstellungen meine Sprechposition zu delegitimieren, wäre es nett, wenn du mir erklären würdest, wo genau ich Machtverhältnisse ignorieren würde, dann könnt ich das überdenken.

  13. Christian sagt:

    Hallo,

    ich kann nicht so souverän mit all diesen Fachvokabeln umgehen, deswegen lasse ich es von Anfang an bleiben. Aber wenn gesagt wird

    “Die Ideen, die hier vorgestellt werden, sind also sozusagen bereits Ansätze oder erste Vorschläge, wie ein Leben in einem anderen System aussehen kann, nur eben realisiert im jetzigen. Alltagspraxis. ”

    und gleichzeitig ein “gesamtgesellschaftlicher Veränderungsanspruch” verneint wird, dann ist es doch eben kein Beispiel, “wie ein Leben in einem anderen System aussehen kann”, weil die Infrastruktur des jetzigen (kritisierten) Systems mitgenutzt wird, ohne da auch nur theoretisch etwas ändern zu wollen. So hatte ich den Anspruch feministischer Ökonomiekritik nicht verstanden.

    Ich kann die Idee der Frauendörfer vollends nachvollziehen. Aber unter der oben genannten Einschränkung sind sie (sogar im Wortsinn) keine “Utopie”. Als Ausdruck von Ökonomiekritik überzeugen sie zumindest mich auch nicht ganz.

    Allerdings ist dieser Einwand meinerseits genauso gratis. Die Lücke zwischen Anspruch und Tun kann ich auch selten schließen.

    Viele Grüße
    Christian

  14. Nadine sagt:

    von medusas satz auf “alle sollen das toll finden und nachmachen” zu schließen, ist auch etwas gewollt, hm? was ich meine: die idee der frauendörfer ist ein versuch, utopien lebbar zu machen und dabei ökonomiekritische perspektiven einzubeziehen. und damit hat das selbstverständlich einen gesellschaftskritischen anspruch, nur eben etwas tiefer gestapelt als abstrakte oder romantisierende gedanken zu revolutionen, die sowieso nicht kommen werden, schon gar nicht wenn weiterhin weiße ableisierte typen entscheiden, was vor, während und nach der revolution wichtig für alle ist.

    Wobei mich noch interessieren würde wie das mit dem Nachwuchs in einem reinen Frauendorf funktionieren soll. Für heterosexuelle Frauen stell ich mir das ohnehin recht unattraktiv vor.

    Aha. Bezugsrahmen Nachwuchs und Attraktivität für Typen als Entscheidungsgrundlage für feministische Politik. Den Hetero_sexismus und Androzentrismus in dieser Aussage merkste hoffentlich selbst.

    Es geht darum, dass es für den Wahrheitsgehalt und die Beurteilung der Aussagen, die ich hier treffe keinen Unterschied macht!

    Ob deine Aussagen wahr sind, kannst weder du noch ich beurteilen und auch sonst niemand. Wahrheit, Logik, Vernunft, Falsch, Richtig sind so Begriffe, die auch gern mal dekonstruiert und kritisch hinterfragt werden können, wer sie in welchem Kontext wozu benutzt. Ich fragte danach, wie deine Perspektiven in deinen Alltag einfließen oder eben auch nicht. Du schreibst es doch auch schon selbst: “Die Veränderung von individuellem Bewusstsein & privater Lebensgestaltung sollte nicht gesellschaftlichen Veränderungen entgegengesetzt, sondern als gegenseitiges Bedingungsverhältnis begriffen werden.” Das hat nichts mit Privatleben offen legen zu tun, sondern, was deine Theorie in der Praxis tut, wie du dich als Teil der von dir kritisierten Gesellschaft begreifst. Ob du dich überhaupt als Teil dessen begreifst und wenn nein, warum nicht. Wie finden sich also deine politischen Perspektiven in deiner Lebensrealität wieder? Mich interessiert das, weil es ja in der Theorie immer ganz nett klingt, im Alltag dann aber von diesen vermeintlich emanzipatorischen Thesen sich wenig wiederfindet und eine_r sich dann schon manchmal fragt, wieso eigentlich wird das nicht gelebt (wenigstens versucht), woran eine_r glaubt bzw. wovon eine_r überzeugt ist? Das ganze Geschwurbel bringt wenig, wenn wir uns nur auf abstrakte Gedankenspielerei einlassen, zumal das, wenn es nur auf der Ebene bleibt ein ziemlich privilegienbehaftetes Unterfangen ist. Wer hat schon Zeit und Ressourcen sich deine vorgeschlagenen Typen-Theorien reinzuziehen und bis ins letzte zu durchdringen, wenn bestimmte äußere Zwänge nicht mal eben so verdrängt werden können? Und wieso ist das überhaupt wichtig, das zu verstehen, zumal in diesem Zusammenhang, wo der Bezugsrahmen Geschlechterverhältnisse und feministische Perspektiven sind, die in all diesen schlauen Büchern keinen Platz haben?

    Wenn dir nicht mehr einfällt, als 1 Grundsatzpapier einer parlamentarischen Organisation zu verlinken als Beispiel dafür, wie ein von dir gewollter gesamtgesellschaftlicher Veränderungsprozess laufen könnte, naja dann weiß ich auch nicht, warum wir zwei hier miteinander kommunizieren und wohin das führen soll. Wer kann Einfluss auf parlamentarische Politik nehmen? Wer macht parlamentarische Politik? Für wen wird parlamentarische Politik gemacht? Das hängt alles mit Weißsein, Deutschsein, Staatsbürgerschaft, Geschlecht, Behinderung usw zusammen. Wo denkst du das mit? Wo machst du das sichtbar, dass Parlamentarismus nun mal nur einen Bruchteil der Lebensrealität der Menschen hierzulande trifft und strukturell Machtverhältnisse mehr stützt als kritisiert. Warum sollte das ein Vorschlag sein, den viele Menschen annehmen und unterstützen sollten?

    Warum du eine hauptsächlich liberale und wenig machtsensible Perspektive zeigst?

    Zunächst einmal, weil du außer Kapitalismus keine weiteren Strukturen benennst, keine sozialen Positionen, keine Diskurse, die gesellschaftliche Ungleichheiten hervorbringen und stützen (das Dropping von “patriarchales Geschlechterverhältnis” zu Beginn findet sich dann leider nicht weiter inhaltlich in deinen comments wieder). Dann, weil du davon ausgehst, dass alle Menschen gleich von der einen Struktur betroffen wären (Viele Machtverhältnisse, die Strukturen ausbilden und nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, wenn gesamtgesellschaftliche Veränderungen angestrebt werden). Dann weil du davon ausgehst, dass alle Menschen ähnliche Bedürfnisse, Interessen, Strategien und Politiken haben (müssten), um an ein von dir nicht weiter definiertes Ziel (das unhinterfragbar Gültigkeit und Richtigkeit besitzt) zu erlangen. Dann weil du meinst, dass emanzipatorische Politik unbedingt eine Politik für alle gleichermaßen sein sollte. Was hat das mit Emanzipation zu tun, wenn die gestützt werden, die sowieso kaum bis gar nicht von Machtverhältnissen betroffen sind? Das war jetzt eine rhetorische Frage.

    Auf einem feministischen Blog die “männliche” Norm bzw. Sexismus nicht zu benennen, stattdessen nur “heterosexuelle Frauen”, die Frauendörfer schon allein deshalb nicht interessant finden werden, weil keine Typen da sind, die sie geil finden könnten … ähm ja. Sorry. Das nächste Mal muss ich das dann rausmoderieren. An solchen Aussagen zeigt sich dann: Bei dir sind alle gleich. Und manche sind eben gleicher.

  15. Nadine sagt:

    @Christian

    Da haben wir uns missverstanden. Ein Frauendorf allein kann selbstverständlich keine gesamtgesellschaftlichen Veränderungen bewirken. Wie auch?

    Wir nutzen alle die Infrastruktur dieses Systems in dem wir leben. Wir profitieren täglich davon. Einige mehr, andere weniger, andere gar nicht. Die Idee des Frauendorfs ist eine Umsetzungsform von ökonomischem Handeln außerhalb kapitalistischer Verwertungslogik und bietet – in diesem Fall – Frauen die Möglichkeit ein wenig geschützter vor patriarchalen Zurichtungen zu leben.
    Was ist daran nicht utopisch? Warum wird von einer Möglichkeit verlangt, dass sie den Kapitalismus zerschlägt und allen Menschen ein besseres Gesellschaftsmodell anbietet? Feministische Ökonomiekritik heißt doch nicht nur auf der theoretischen Ebene das Geschlechterverhältnis und Kapitalismus zusammenzudenken und zusammen zu kritisieren, sondern auch nach Möglichkeiten zu suchen, wie Alternativen aussehen könnten und welche Alternativen lebbar wären und wie diese Alternativen im hier & jetzt realisierbar sein könnten. Wer verlangt hier von wem pauschale Antworten auf komplexe Fragen?

  16. @rote zora
    Verstehe nicht, wie man es zustande bringt, die realen Bedürfnisse nach einer Alternative, wie z.B. dem hier diskutierten “Frauendorf” vollständig wegzuerklären. Offensichtlich gibt es Frauen*, die das wollen. Die haben sich, wie im Artikel beschrieben, getroffen, darüber diskutiert und handfeste Vorschläge gemacht. Eine von ihnen hat sich danach hingesetzt und diesen ausführlichen Artikel geschrieben.
    Wie kann man da behaupten, die Frauen* (wer??) wollen das eh nicht? Wie kann man sich erdreisten, auf 1 feministischen Blog für alle Frauen* (oder wenigstens für alle Heteras, aber das ist ja das selbe, nicht wahr) zu sprechen? Es gibt sehr viele Frauen*, die weder Interesse an Nachwuchs zeugen/austragen/aufziehen haben, noch daran, immer und überall die Möglichkeit zu heterosexueller Kontaktaufnahme zu haben. Das ist ja keine Idee von einer Person, die das jetzt allen aufzwingen will. Diese Wünsche sind real und freiwillig. Diese Frauen* gibt es und sie wollen offensichtlich 1 Dorf.
    Das mit banalsten heterosexistischen Worthülsen wegzulöschen wird dir nicht gelingen.

    Merksätze für die Zukunft:
    Nicht alle Frauen* begehren immer und überall heterosexuell.
    Nicht alle Frauen* begehren überhaupt sexuell.
    Nicht alle Frauen* sind gebährfähig, schon gar nicht zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens.
    Nicht alle Frauen* haben 1 Gebährmutter.
    Nicht alle Frauen* haben keine Kinder, wenn sie ins “Frauendorf” einziehen.
    Nicht alle Frauen* interessieren sich für das Fortbestehen der Menschheit und schon gar nicht auf doitschem Boden und geben deshalb einen Furz darauf, ob sie mit ihren Eizellen in irgendeiner Weise dazu beitragen.
    Nicht alle Frauen* haben Bock auf das unpragmatische Geschwurbel der linken Dudes.

  17. Christian sagt:

    Guten Abend,

    @Nadine: Ich wollte auf keinen Fall ausdrücken, dass ich gegen Frauendörfer bin, weil sie nicht utopisch sind. Ich kann den Teil Deiner Aussage, dass es eine Möglichkeit ist, “ein wenig geschützter vor patriarchalen Zurichtungen zu leben” gut verstehen und habe auch keine Schwierigkeiten damit, wenn Frauen sich aus diesen Gründen zusammenfinden. Ich denke aber, es ist nicht utopisch, weil dieses Zusammenfinden und das Zusammenleben unter Ausschluss von Männern, bei entsprechender Beteiligung und entsprechendem Willen, auch jetzt möglich ist.

    Die eigentliche Utopie, die ebenfalls genannte “Umsetzungsform von ökonomischem Handeln außerhalb kapitalistischer Verwertungslogik”, ist das, was ich in Zweifel ziehe.

    Ich will nicht beckmessern, und mir ist vollends klar, dass man mit Frauendörfern nicht den Kapitalismus zerschlägt. Ich vermute, dass Dir unter “Frauendorf” etwas anderes vorschwebt als das erwähnte Beginennetzwerk und das konkrete Projekt in Essen (s. oben). Aber es soll mir kurz als Illustration dienen. Was dort auf “Wir über uns” steht, klingt für mich ziemlich plausibel. Meiner Meinung nach ist sogar der letzte Punkt “Achtsame[r] Umgang mit der (Um-)welt, Schonung von Ressourcen (Energiesparkonzepte, verdichtetes Wohnen, Carsharing und Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel)” oder zumindest das Streben danach heutzutage erste Bürger_innenpflicht. In der Hinsicht ist es für mich dann auch erst einmal nicht so wichtig, dass der Beginenhof Essen einer Aktiengesellschaft gehört. Hauptsache es wird mal angefangen, andere Ideen zu leben, und irgendwie muss es ja laufen. Aber halt vermutlich nicht wie angesagt “außerhalb kapitalistischer Verwertungslogik”.

    Ich finde die Idee “Frauendorf” also ziemlich cool. Ich wollte lediglich nicht in Vergessenheit geraten lassen, dass auch diese Idee (utopisch oder nicht) auf einer irgendwie privilegierten Position beruht bzw. dadurch Privilegien beansprucht werden. Denn ich weiß noch nicht genau, ob es bei feministischer Ökonomiekritik darum geht, wer die Privilegien hat, oder darum, dass es insgesamt weniger gibt.

    Viele Grüße
    Christian

  18. John Dean sagt:

    @ Christian

    Es gibt kein Leben, dass ausnahmslos auf alle Dinge verzichtet, welche Aspekte beinhalten, die sich als privilegiert lesen lassen. Auch leuchtet mir es nicht ein, warum ausgerechnet ein Frauendorf vollständig auf alles verzichten soll, was sich irgendwie als Privileg deuten lässt. Das wäre für mich die falsche Antwort auf Privilegienreflektion.

    Wenn Frauen einen derartigen Lebensentwurf (“Frauendorf”) wagen wollen: Dann spricht doch nichts dagegen, oder? Es gibt nun einmal Frauen, welche den Zumutungen einer von Männern und einer vorwiegend heterosexuell gestalteten Gesellschaft sehr gerne entkommen wollen. Ich finde es gut, wenn die daran interessierten Frauen eigene Lebensweisen und Wirtschaftsformen ausprobieren können.

  19. Jotho sagt:

    @ Nadine
    du schreibst:
    “Wer kann Einfluss auf parlamentarische Politik nehmen? Wer macht parlamentarische Politik? Für wen wird parlamentarische Politik gemacht? Das hängt alles mit Weißsein, Deutschsein, Staatsbürgerschaft, Geschlecht, Behinderung usw zusammen”
    was meinst du genau damit ? Dass Politik nicht für alle gemacht wird ? das Politik nicht von jedem gemacht werden kann ?
    Gruß Jotho