Gegen ein Abtreibungsverbot mobil machen

von Barbara

Glaubt man dem Verein “Lebenszentrum“, werden in Deutschland etwa 1.000 Schwangerschaftsabbrüche an jedem Werktag vorgenommen. Der Münchner Verein, der sich fundamental gegen Abtreibung ausspricht, erklärt diese Zahl, die mehr als doppelt so groß ist wie die offizielle Zahl des Statistischen Bundesamtes, über Dunkelziffern. Denn, so die Vereinssite kostbare-kinder.de: Laut Expertenmeinung würden nur die Hälfte aller Abtreibungen gemeldet. Ob in die Dunkelziffer die “Pille danach” mit einberechnet wurde, die zum Beispiel auch der Papst als Abtreibungsmethode brandmarkt?

An eben jene 1.000 Abtreibungen sollen die 1.000 weißen Holzkreuze in den Händen der “Lebensschützer” erinnern, die nun in verschiedenen europäischen Städten unter dem Motto “1.000 Kreuze für das Leben” zusammentreffen - unter anderem am kommenden Samstag, den 20. September in Berlin, und zwei Wochen später, am 4. Oktober dann in München. Im Juli waren in Salzburg schon rund 200 weiße Kreuze durch die Stadt getragen worden. In Berlin, München und London werden im Oktober Kreuze verteilt, flankiert von “Pro Choice”-Gegen-Demonstrierenden. Mitte Dezember ist eine Lichterkette vor den Salzburger Landeskliniken geplant, wo „seit 2005 die Abtreibungsmaschinerie angelaufen ist“, wie es auf der Website der EuroProLife-Ärztevereinigung epld.org heißt.

Sowohl in Berlin als auch in München werden jetzt Gegen-Demonstrationen organisiert. Auf no218nofundis.wordpress.com gibt es zum Beispiel alle Infos zu Gegen-Veranstaltungen am 17. September und 8. Oktober in Berlin. Für München gibt es bisher noch keine konkret geplanten Aktionen, aber bikepunk macht sich in seinem Blog schon mal Gedanken über das Wie, zumal er auch eine Wette Berlin vs. München angezettelt hat - wo mehr Gegen-Demonstrierende kommen werden. Auch hier ist in den Kommentaren sehr viel Platz, um sich gemeinsam zu verabreden.

Wir erinnern uns: In Deutschland ist Schwangerschaftsabbruch möglich, aber nach wie vor illegal. Um Frauen künftig eine straffreie Entscheidungsmöglichkeit zu geben, wurde im Frühjahr 2008 in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats die Resolution 1607 verabschiedet: Die Mitgliedsstaaten sollen ein einheitliches Recht auf Schwangerschaftsabbruch schaffen. Diese Resolution ist wohl der Grund, warum die europäischen Lebensschützerinnen und Lebensschützer jetzt so massiv mobil machen.

Nachtrag:
Wie bikepunk in den Kommentaren schreibt, gibt es jetzt eine Aktionswebseite, die alle Münchnerinnen und Münchner auf dem Laufenden hält und zum Verabreden einlädt. Als Termine stehen zum einen Samstag, der 27. September, an dem sich um 20 Uhr alle Interessierten im Kulturladen Westend (Ligsalzstr. 44) treffen können. Am 4. Oktober dann ist um 14 Uhr der Geschwister-Scholl-Platz Treffpunkt, ab 20 Uhr dann Party des Queer-Kafes im Kafe Marat (Thalkirchnerstr. 104).

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10 Kommentare zu “Gegen ein Abtreibungsverbot mobil machen”

  1. Sven B. schreibt:

    das ist aber kein schönes thema für einen n. a. schwarzer def. beautyfeminismus. also ein fem. der sich in der bewegung definiert, und woemanzipation stillstand heißt. mich interessieren mom. die orte wo dieser fem. seinen zenit erreicht und dessen lit. beschreibung, was in meinem fall heißt einen anglizismus für abtreibungsverbot zu finden der da sein könnte… bashedout?..

  2. antonymous coward schreibt:

    Die Pille danach ist kein wirkt nicht abtreibend, sondern verhindert den Eisprung, es kommt also nicht zur Befruchtung. Früher ist man davon ausgegangen, dass die Pille danach auch die Nidation, also die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindert. Dies hat man jedoch bisher nicht belegen können.
    Rechtlich gesehen gelten sowieso nur Eingriffe, welche nach der Einnistung erfolgen als Schwangerschaftsabbruch.
    Die angebliche Dunkelzahl ist übrigens völlig aus der Luft gegriffen.
    Mit anderen Worten, was der Verein Lebenszentrum verbreitet ist gelogen.

  3. Juli_K schreibt:

    Hm, irgendjemand eine Idee für München? Die laufen 16 Uhr an der Münchner Freiheit los und sind dann 18 Uhr auf dem Marienplatz für eine Kundgebung.

    Flyer, Kunst, Informationen am Marienplatz?

  4. bikepunk 089 schreibt:

    @Juli_K
    Es machen sich gerade ganz verschiedene Leute Gedanken dazu, was mensch machen kann. Sobald was konkret ist, werde ich (oder vielleicht jemand anders) es in dieser Kommentarspalte und bei mir im blog bekannt machen.

  5. Diverses gegen 1000 Kreuze « bikepunk 089 schreibt:

    […] dass sich Münchner Nazis am 1000 Kreuze Marsch beteiligen wollen. Auch die Maedchenmannschaft will gegen ein Abtreibungsverbot mobil machen. Hier wird der Zusammenhang zwischen der einheitlichen Richtlinie, die die EU-Staaten anstreben und […]

  6. 20.9. vs §218 - stand der dinge « im*moment*vorbei schreibt:

    […] nun sicher schon die meisten von euch. denn neben mir, chaze und bikepunk089 haben jetzt auch viele viele andere was dazu geschrieben oder sogar aktionen geplant. wer die neue übersicht bei […]

  7. bikepunk 089 schreibt:

    Also, mittlerweile gibt es eine Mobilisierungsseite, die in den nächsten Tagen sicher noch gefüllt wird:
    http://asabm.blogsport.de/
    asabm steht hier für antisexistsches Aktionsbündnis München - schaut vorbei, und beteiligt euch an den Aktionen!

  8. Genderblog » Smash § 218 schreibt:

    […] kommen vor allem aus der Ecke fundamentalistischer christlicher Glaubensrichtungen und nationalistischer Bewegungen - ein eher seltsames, aber bei näherem Hinsehen gar nicht so […]

  9. Maedchenmannschaft » Blog Archive » Wichtig! Für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung schreibt:

    […] erwähnt, treffen sich Interessierte morgen, am 27. 9. im Kulturladen Westend, in der Ligsalzstraße 44 um […]

  10. Christliche Fundamentalisten und Rechtsextremisten in München « Wut im Bauch… schreibt:

    […] erwähnt, treffen sich Interessierte morgen, am 27. 9. im Kulturladen Westend, in der Ligsalzstraße 44 um […]

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