Gedanken über Der_
von BarbaraDas Binnen-I. Der Schrägstrich. Versuche, die Unsichtbarkeit von Frauen in der deutschen Sprache zu beenden. Nun gibt es eine neue Option: den Unterstrich. The Gap. Die Lücke.
Steffen Kitty Hermann eröffnet in seinem Text “Performing the Gap – Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung” eine neue Welt. Die der offenen Möglichkeit, welches Geschlecht gemeint sein könnte.
“Transsexuelle haben in Frage gestellt, dass unser Körper auf ewig einem Geschlecht angehören muss. Körper sind für sie nicht länger jene festen und immergleichen Materialitäten mit denen wir geboren werden, sondern form- und dehnbare Einheiten die durch Crossdressing, Hormone und Operationen angeeignet werden können.”
Ähnliches soll der Unterstrich in der geschriebenen Sprache leisten. Indem zwischen der männlichen und der weiblichen Form eine Leerstelle eingefügt wird, die mit einem Unterstrich markiert wird, also “Feminist_in” oder “Gegner_in”. Eine clevere Idee. “Wir könnten uns das so vorstellen: eine Leerstelle anzuzeigen schlägt sich in ihr dialektisches Gegenteil um, die Leerstelle verweist so auf Vorhandenes. Im Sinne der Unterstrichvariante auf Menschen, die gesellschaftlich und strukturell unsichtbar gemacht werden”, zitiert dieStandard.at die Queer-Theoretikerin und Philosophin Gudrun Perko.
Ob sich diese Lücken-Idee durchsetzen wird – bis in die Schreibstuben des Amtsschimmels wohl nicht. Was wäre das auch für ein Personalausweis: Inhaber_in dieses Passes ist deutsch. Und: Wohin mit den Artikeln?
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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 3. Dezember 2008 um 19:28 Uhr unter Der Feminismus ist schuld, Kultur. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.







Ach je, das ist eine leidige Frage. Ich habe mal einen 15-seitigen Praktikumsbericht nur mit der weiblichen Form geschrieben – da sind mir manche männlichen Varianten erst bei wiederholter Korrektur aufgefallen, so automatisch macht man die.
Aber es ist auch nervig, immer beide Formen zu benutzen: “Schüler und Schülerinnen” (SuS). Die Neutralisierung (Schülerschaft) geht auch nicht immer, zumal wenn man ein wenig sprachlich elegant bleiben will.
Das wirkliche Problem aber, wie angesprochen, ist das Artikel_in. Also der Artikel. Das, wo es im Englischen nicht gibt und alles viel einfacher macht. Daraus folgend natürlich die Deklination von Attributen. Und mache ich bei Pronomen jetzt ihm_ihr oder ihm_r? Wenn ich aber Schrägstriche benutze (der/die, ihm/ihr), dann doch besser auch User/Userin, oder?
Deutsche Sprache, du machst mir leiden… wenn ich dich nicht so möchte (mochte? mögte? mögen würde, klar, aber ist das nicht gepfuscht?)
man könnte es ja einfach so halten wie mit den studierenden. die oder der oder das feminist_in wäre einfach jemand feministierendes und wir die feminstierenden. worte sind halt auch nur form- und dehnbare einheiten.
für mich ist folgendes an dem zitat viel essentieller:
»Transsexuelle haben in Frage gestellt, dass unser Körper auf ewig einem Geschlecht angehören muss«
dazu hat sich meine meinung nicht geändert. das geschlecht, welches sich in der genetischen ausstattung manifestiert, kann man nicht umoperieren oder umschminken. wenn sich ein mann als frau oder umgekehrt fühlt, oder ob sich jemand als reincarnation von elvis fühlt … er oder sie wird niemals elvis werden.
A.
Ich habe mal eine Fantasygeschichte gelesen, in der es um eine Gesellschaft zweigeschlechtlicher Wesen ging.”Tochtersohn” Die Personalpronomen wurden dort als Mischform benutzt. Zum Beispiel sier tat etwas oder seihre Kleidung
@Alpenglühen: Das chromosomale Geschlecht ist nicht immer eindeutig: es gibt beispielsweise die Variante XXY. Wie sollen sich diese Menschen fühlen? Männlich? Weiblich? Dazwischen? Es ist nicht so einfach binär wie du es darstellst.
Und mehr zum Thema: Daher eignet sich die oben dargestellte Variante eben besonders gut für Menschen, die sich nicht eindeutig zuordnen wollen. Anders als der Schrägstrich oder das Binnen-I wird hier auf die übliche Binarität verzichtet.
Übrigens lohnt sich ein Blick auf die Aktionen der ersten verlinkten Seite (zu finden unter Dokumentation)!
@Mädchenmannschaft: Ich freue mich sehr, dass ihr queere Inhalte aufgreift. Wünsche mir mehr davon! :-)
Auch wenn ich persönlich durchaus auch Interesse an queeren Inhalten habe, finde ich es doch wichtig, dass der Feminismus nicht zu sehr durch queeres Denken vereinnahmt wird. Gerade ein Feminismus, der Männer mitdenkt, sollte meiner Meinung nach den Fokus nicht zu sehr auf queere Themen legen. Wenn ich mich mit Feminismus im querren Kontext auseinandersetzen möchte, dann gibts dafür andere Plattformen. Ich finde die Mischung, die hier bei der Mädchenmannschaft vorherrscht, sehr angenehm. Queere Themen werden nicht ausgeklammert, wenn sie thematisch passen, werden sie angesprochen, aber sie sollten schon auch einen Bezug zur größtenteils heterosexuellen Gesellschaft haben.
Die Zeiten, in denen man als Feministin aus ideologischen Gründen lesbisch sein musste, sind ja wohl hoffentlich vorbei…
Also meine ideologisch völlig falsche Ansicht des Themas ist ja, dass Texte zuallererst lesbar sein sollten, und inhaltlich korrekt, falls dann alle Rechtschreib- und Kommafehler beseitigt sind, kann man (uhh, oder “frau”, das ist wohl die sinnloseste pseudo-femi-sprachvariante die mich ständig nervt. oder “mensch”. Habe ich auch bislang nur männliche Soziologiestudenten mit angelesenem schlechten Gewissen benutzen sehen) sich um solche Nebensächlichkeiten kümmern…
Und ein lustiges Argument gegen die queere Gender-Gap ist, imo, “weshalb sollte denn ‘gender’ eindimensional sein udn links von Männlich, rechts von Weiblich begrenzt sein?!”. Wenn nicht die Gefahr bestünde, dies demnächst in allen Pressemitteilungen linker Jugendorganisationen so zu finden würde ich ja jetzt vorschlagen, die geschlechtlichen Endungen komplett zu streichen und durch einen Hypercube zu ersetzen, um die unbegreifliche Vielschichtigkeit von “gender” zu symbolisieren.
Ich sehe das so wie hn, am allertollsten und konsequentesten wäre es doch, Geschlecht gänzlich aus der Sprache zu verbannen, haha. Da lob ich mir das Chinesische, da ergibt sich Geschlecht nur aus dem Kontext. Hu Laoshi kann also sowohl Lehrerin Hu als auch Lehrer Hu sein, solange man nicht weiß welches Geschlecht Hu hat.
»@Alpenglühen: Das chromosomale Geschlecht ist nicht immer eindeutig: es gibt beispielsweise die Variante XXY. Wie sollen sich diese Menschen fühlen? Männlich? Weiblich? Dazwischen? Es ist nicht so einfach binär wie du es darstellst.«
du spricht von anomalien (turner-syndrom, poly-X, kinefelter …). diese sind aber nicht für die mehrheit repräsentativ, sondern ausnahmefälle, deren aussagekraft für den regelfall irrelevant ist. es gibt ja auch menschen mit nur einem bein, dennoch besteht die weit häufigste ausstattung eines menschen aus zwei beinen. und ebenso wie man sich nicht einfach für ein oder zwei beine entscheiden kann, obwohl es mensch gibt, die ein bein oder ein anderes teil ihres körpers amputiert haben möchten, ebenso wenig wie man diese wahl treffen kann, schon allein deshalb, weil ein fehlendes bein nicht nachwächst, ebenso wie weibl. oder männl. keimdrüsen nicht auf wunsch wachsen, sondern allenfalls das äußere genital aus gewebe nachgestaltet werden kann, ebenso wenig kann man »mir nichts dir nichts« das geschlecht wechseln. bestes beispiel ist der schwangere »mann«, der organisch eben doch eine frau ist, die nur wie ein mann aussieht und durch hormone einen bartwuchs entwickelt hat.
A.
@ Steffie & Alpenglühen: Die Diskussion über die Definition von Geschlecht würde ich euch bitten hier weiterzuführen:
http://maedchenmannschaft.net/wann-ist-ein-mann-ein-mann-2/
An dieser Stelle wurde sie schon ausführlich begonnen. In diesem Thread hier würde ich ungern die Sprach-Diskussion erstickt sehen.
@Miriam: »queer« ist weitaus mehr als einfach nur lesbisch/schwul! Auch mit ausgeprägten heterosexuelle Vorlieben, können Menschen ein starkes Interesse an queeren Themen haben. Soweit ich mich erinnere ist das hier eines der ersten queeren Themen.
@Alpenglühen: Und wenn es Anomalien sind (wie du es so schön nennst), dürfen diese Menschen dann nicht mitgedacht werden, nur weil sie sich in der Minderheit befinden, nicht der »Norm« entsprechen? Zum Geschlechtswechsel: Der Vergleich mit dem Bein ist unpassend, da Geschlecht weit mehr als nur ein Körperteil ist. Es ist in aller erster Linie »gender«, das soziale Geschlecht. Kannst du es dir einfach nicht vorstellen, dass Menschen im falschen Körper geboren wurden, oder woran liegt’s?
Andere Menschen wollen sich natürlich auch gar nicht zuordnen, um den damit verbundenen geschlechtlichen Zuschreibungen zu entgehen. Daraus resultiert ja auch die oben aufgeführte Variante mit dem »_«. Nächste Frage: Auf welche Toiletten gehen solche Menschen?
Der schwangere Mann kommt dadurch zu Stande, dass in den USA Menschen, die ihr Geschlecht wechseln wollen, nicht zwangssterilisiert (und zwangsgeschieden) werden, so wie beispielsweise hier in Deutschland.
Okay, sorry, Susanne! Jetzt erst gelesen.
»… dürfen diese Menschen dann nicht mitgedacht werden, nur weil sie sich in der Minderheit befinden, nicht der »Norm« entsprechen?«
die gedanken sind frei!
sprache hat m.e. nicht die aufgabe, jedes einzelne mitglied einer gesellschaft oder gruppe »mitzudenken« (zu bennenen), sondern in vielen fällen eben auch zu verallgemeinern, wo die allgemeinheit gemeint ist. wäre das anders, dann würden wir über das aufzählen aller einzel- und sonderfälle nicht mehr zur eigentlichen information kommen.
und wo du es schon anführst, was ist denn eigentlich für dich »norm«?
nehmen wir mal frauen, die mit ihrer geschlechtszugehörigkeit kein problem haben. gibts da in deinen augen eine norm? meiner ansicht nach nicht. unter dem begriff frau müssen sich alle »mitdenken«, egal wie sie ihr frausein gestalten, hetero, lesbisch, asexuell … how ever.
wenn man normalität anstrebt, geht damit einher, daß einer normaler oder normal gewordener sachverhalt keiner besonderen erwähnung bedarf.
bei allem verständlichen bestreben, mit sprache nicht zu diskriminieren, halte ich es für ein verfehltes unterfangen, für jede befindlichkeit und jedes wehwehchen eine pseudo-korrekte sprachregelung finden zu wollen, die am ende die betreffende gruppe möglicherweise erst recht durch preisgabe der lächerlichkeit dikriminiert. diese sprachregelungen haben ihre berechtigung, wenn es explizit um die betreffenden geht.
A.
Alpenglühen, ich stimme dir zu.
Erst vor kurzem ist mir aufgefallen, dass es durchaus problematisch sein kann, die weibliche Form zu benutzen, weil dadurch auf eine nich vorhandene gruppierung hingewiesen wird.
Konkret war der Satz: Frau von der Leyen ist in meinen Augen die einzige Ministerin, die überhaupt was auf die Reihe bekommt.
Sie ist aber nicht nur die einzige Ministerin, die was auf die Reihe bekommt, sondern auch ihre männlichen Kollegen kriegen nichts gebacken und das wollte ich damit aussagen.
Mit der Verwendung der weiblichen Form, die ja grammatikalisch vollkommen korrekt war, habe ich aber das Kabinett auf seine weiblichen mitglieder reduziert, was gar nciht meine Intention war. Von daher kann es manchmal sinnvoll sein, Verallgemeinerungen zu treffen, damit die Aussage sinnvoll ist.
danke für diesen artikel :D
ich finde die gap schreibweise sehr gut und sinnvoll und versuche sie so viel wie möglich zu nutzen *bekenn
Alpenglühen, es geht ja bei dieser Schreibweise eben nicht nicht darum jeden einzelnen Sonderfall aufzulisten, sondern eine Möglichkeit anzubieten, die das Kontinuum der Geschlechter abdeckt, anstatt die Dichotomie weiter fortzuführen. Und das finde ich ist mit einem »_« sehr gut gelöst.
So wie ich »queer« bisher verstanden habe, geht es eben gerade darum, NICHT der Norm – also dem gesellschaftlichen Wunschzustand von etwas – zu entsprechen und das Ganze aber auch gleichzeitig emanzipiert nach außen zu tragen, sich in seinem anders sein sichtbar zu machen.
(Ich hoffe, »wehwehchen« war nicht auf Trans-, Inter- oder sonstig abweichende Sexualitäten bezogen.)
@Miriam: Dass die Nennung einer »Besonderheit« Unterschiede auch zementieren kann, da stimme ich dir vollkommen zu. Finde ich auch problematisch…
»sich in seinem anders sein sichtbar zu machen«
da liegt m.e. der kern des problems. einerseits die angestrebte normalität, so verstehe ich das jedenfalls. man möchte nicht als außenseiter am rande der gesellschaft stehen, sondern vollwertiges und respektiertes mirglied sein. andererseits wird das anderssein immer wieder recht vehement nach außen getragen. ist das nötig? definiert man sich selbst als ganz normales mitgleid der gesellschaft, oder fordert man für sich eine besondere aufmerksamkeit ein? beides geht irgendwie nicht zusammen.
A.
Mal ernsthaft, das intuitive Verständnis, dass es einen Unterschied zwischen Genus und Geschlecht gibt, sollte sich doch langsam mal durchgesetzt haben. Braucht man solche Krücken wirklich?
was halten eigentlich die mädchenmannschaftler_innen von dieser schreibweise? mal abgesehen von der frage, ob in ferner zukunft der amtsschimmel so schreibt …
ich persönlich finde es im eigenen schreiben spannend sich die frage immer wieder neu zu stellen, wen ich da eigentlich gerade meine, und wen nicht.
ich glaube, da gibt es bei uns keine Einheitsmeinung.
Ich habe mir vor Jahren das Binnen-I angewöhnt und bin zu faul und träge für neues. :(
Ich mach mir eigentlich immer die Mühe, sowohl die weibliche als auch die männliche Form zu schreiben, wenn es sich um gemischte Gruppen handelt. (So viel Zeit muss sein, ist da mein Motto.) Weil ich so die Wirklichkeit klar abgebildet finde. Ich bin keine Freundin des Binnen-I, den Unterstrich mag ich gern, allerdings nur für digitale Kommunikation. Bei Print-Texten würde mir die betreuende Redakteurin oder der betreuende Redakteur den Text wohl um die Ohren hauen.
@Alpenglühen: Ich schrieb doch bereits, es geht darum, nicht der Norm zu entsprechen, also beispielsweise zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht zu sein und sich nicht einem davon zuzuordnen, dies zu zeigen und gleichzeitig in diesem Abweichen von der Norm akzeptiert zu werden. Wo ist da der Widerspruch? Anderes Beispiel: Wenn ich keine Kinder möchte (ich unterstelle jetzt mal einfach, dass das von der gängigen Norm abweicht), dazu stehe und gleichzeitig Akzeptanz einfordere, wo ist da das Unvereinbarkeit? Ich gehöre nicht der Norm an, dass ist auch völlig okay so, möchte aber, dass meine Entscheidung moralisch nicht geringer bewertet wird als die, ein Kind bekommen zu wollen.
Nur wenn etwas gesellschaftlich akzeptiert wird, muss es noch nicht gleich zur Norm werden. Vielleicht unterscheiden sich auch unsere Auffassungen von »Norm«, so dass wir hier aneinander vorbei reden.
Die oben angeführte Schreibweise sprengt eben insofern die Norm, als dass sie zeigt, dass es einen Spielraum zwischen männlich und weiblich gibt.
Sorry, unter dem Nick meines Mitbewohners geschrieben. :-) Der letzte Post war von mir!
»@Alpenglühen: Ich schrieb doch bereits, es geht darum, nicht der Norm zu entsprechen …«
noah, oder wer auch immer, ich schreibe absichtlich nicht von »norm«, denn eine norm für menschen halt ich für unsinnig, sondern wähle den begriff »normal«. auch wenn diese zwei worte bedeutungsverwandt sind, ist etwas normales nicht das gleiche wie etwas normiertes.
»Wo ist da der Widerspruch?«
hier: wenn etwas, eine lebensweise, z.b. kinderlosigkeit, alltäglich ist, dann wird sie normalität. aber sie ist dann noch lange nicht norm, den eine norm wäre etwas für alle verbindliches.
oder ganz einfach: normal kann vieles sein. norm ist vom wesen her nur weniges.
wer mit seiner wie auch immer gestalteten (anders-)artigkeit als normal, also dazugehörig, wahrgenommen werden will, wird irgendwann unter »normalen« begriffen genannt werden. heut werden z.b. unverheiratete frauen nicht mehr explizit »fräulein« genannt, weil unverheiratetsein normal ist. aber eine »norm« ist es nicht.
wenn ich gleichberechtigt sein will, und das in der weise begreife, daß mein geschlecht oder meine sexualität in bestimmen geschlechtsunabhängigen kontexten keine rolle spielt, wäre eine möglichkeit, auf jeglichen geschlechtlichen bezug zu verzichten, statt explizit einen geschlechtlichen bezug herzustellen, der dann alle geschlechter (harrharr) umfasst. das wäre schon dahingehend wenig sinnvoll, weil jeder irgendein geschlecht hat, was auch immer das sei, und man den verschiedenen wunsch- und »ich fühle mich als«-geschlechtern eh nicht genüge tun kann.
was willst du z.b. tun, wenn jemand oder mehrere sich als ES fühlen? schreiben wir dann der_die_das lehr_er_in?
A.
Ich bin grundsätzlich eher für eine neutrale Ausdrucksweise.
Dazu zählt z.B. auch ‘Dieser Pass gehört…’ statt ‘Der/Die InhaberIn des Passes ist…’.
Wieso so kompliziert?
In den 90ern war ich in D zeitweise im öffentlichen Dienst angestellt und das war gerade die Zeit, als Studentinnen nicht mehr ‘mitgemeint’ sein wollten und als geschlechtsspezifische Schreibweise verordnet wurde.
So kam es dann zu ‘Prof.in’. Mittlerweile finde ich das total schwachsinnig, selbst Abkürzungen so zu verwursten.
Aber mittlerweile lebe ich auch in einem Land, in dem es keine weiblichen Bezeichnungen gibt und dieses Land gehört trotzdem zu denen, die gleichstellungstechnisch sehr weit sind :-)
“Ob sich diese Lücken-Idee durchsetzen wird – bis in die Schreibstuben des Amtsschimmels wohl nicht.”
In Österrreich könnte ich mir das vorstellen …
»wenn etwas, eine lebensweise, z.b. kinderlosigkeit, alltäglich ist, dann wird sie normalität. aber sie ist dann noch lange nicht norm, den eine norm wäre etwas für alle verbindliches.«
Genau, Normalität ist nicht gleich Norm. Das habe ich auch nicht behauptet! Abweichende Sexualitäten sollen normal sein, nicht die Norm werden! Anders ausgedrückt: sie sollen akzeptiert werden, d.h. u.a. auch in Sprache Ausdruck finden, ohne verbindlich für alle zu werden, weil das kritisieren ja gerade die Queer Studies (Stichwort: Heteronormativität). Homosexualität gilt weithin auch als normal, jedoch nicht als die Norm. (Ich finde jetzt unseren Dissens nicht mehr so wirklich…)
»was willst du z.b. tun, wenn jemand oder mehrere sich als ES fühlen? schreiben wir dann der_die_das lehr_er_in?«
Was ich da tun will? Keine Ahnung! Ich finde den Unterstrich gut, habe ihn mir aber nicht selbst ausgedacht. Ich weiß nicht, ob es dafür bereits Lösungen gibt. Da du dir scheinbar nicht mehr als zwei Geschlechter (»harrharr«) vorstellen kannst, macht es vielleicht auch nicht so viel Sinn weiter darüber zu diskutieren…
Komisch dass es immer noch Menschen gibt, die das Geschlecht eines Menschen an seinen sichtbaren Körpermerkmalen festmachen:
“Transsexuelle haben in Frage gestellt, dass unser Körper auf ewig einem Geschlecht angehören muss.”
Was ein Käse. Einerseits Heteronormativität beklagen, andererseits selbst nicht über das Hinauskommen, was als Fehlinterpretation des menschlichen Geschlechts schon seit Jahrhunderten durch das Patriarchat geistert: Dass der Penis mehr anzubeten ist, als das Gehirn des Menschen bzw. das eigene Selbst, das jeder Mensch in sich trägt. Solange B gepredigt wird, aber immer noch A gemeint ist, braucht man sich über Verwirrungen und Irrungen die zu allerlei lustiger Gedankenspielen führen können, nicht zu wundern.
Beim Tagsurfing gerade auf Folgendes gestoßen:
Ich halte fest: Das generische Geschlecht steht (zurecht) im Kreuzfeuer der Behauptung seiner Voreingenommenheit. Binnen-I und ähnliche Varianten lassen sich nicht universell anwenden und haben zudem keine sprachliche Entsprechung. Auf Partizipien basierende Formen sind äußerst praktikabel aber ebenfalls nicht universell anwendbar. Insgesamt stabilisieren Differenzformen einerseits die Vorstellungen einer (wohlgemerkt semantischen) männlich-weiblichen Antagonie in der Sprache zulasten beidgeschlechtlicher Personen, andererseits verstellen sie den Blickwinkel für andere potenzielle Differenzfelder, die nicht morphologisch realisiert werden.
http://mojamalarevolucja.wordpress.com/2008/12/14/gender-gerechte-sprache-i-morphologie/
Dafür schlägt mojamalarevolucja in einem anderen Eintrag konkret die Verwendung einer GI-Form (Geschlechtsindifferenz) vor:
Vorgeschlagen wird die Verwendung der Geschlechtsindifferenz (GI) vorgeschlagen, die Beugungsmorpheme -a/-an, und die damit verbundenen beugbaren Formen:
einfache Formen
- der bestimmte Artikel do (Sg.),
- der unbestimmte Artikel ana (Sg.)
http://mojamalarevolucja.wordpress.com/2009/01/22/geschlechtsdekonstruktion-iii-geschlechtsindifferenz-deren-sprachliche-realisierung/
Den theoretischen Ansatz halte ich für interessant. Nur mal so als Randbemerkung.
Kathos