Fußballfieber

von Magda

Na gut, ich gebe es zu: Ich bin eine der ZuschauerInnen, die Fussball nur spannend findet, wenn Europa- oder Weltmeisterschaften stattfinden. Aber dann verpasse ich selten wichtige Spiele und fiebere vor öffentlichen Leinwänden mit. Es würde zwar nicht so weit kommen, dass ich mir eine Deutschlandflagge auf die Wange male oder gar an meinen Balkon hänge, dennoch freue ich mich, wenn die deutsche Nationalmannschaft gewinnt.

Noch bis zum 10. September findet die 10. Fussball Europameisterschaft der Frauen in Finnland statt, was mir erst vor einigen Tagen aufgefallen ist – entweder war ich in einem sommerlichen Tiefschlaf und die Vielzahl an Werbung ist an mir vorbeigekommen, oder die EM der Frauen steht nicht so ganz im medialen Interesse wie das der Maenner – was ich wohl eher vermute. Also kein zweites Sommer-Märchen!

Dabei müssten doch gerade Fussball-Fans der deutschen Mannschaft momentan einen hohen Puls haben: Nachem die deutsche Nationalmannschaft schon am Montag (24.08.) gegen Norwegen mit 4:0 gewann, spielten sie die Französinnen gestern (27.08.) mit 5:1 an die Wand. In der Gruppe B sind sie mit 6 Punkten auf dem ersten Platz mit nur einem Gegentor und stehen somit im Viertelfinale. Im dritten und letzten Gruppenspiel am kommenden Sonntag (30.08., 15 Uhr) wird  die deutsche Nationalmannschaft auf Island treffen (mehr Infos zu den Spielen hier).

Qualifiziert haben sich Finnland (Gastgeber-Land), Deutschland (Titelverteidigerinnen), Dänemark, England, Frankreich, Island, Italiern, Niederlande, Norwegen, Russland, Schweden und die Ukraine.

Nun kann man nur hoffen, dass die Sportlerinnen auch irgendwann einmal die Honorare ihrer männlichen Kollegen erreichen (oder diese etwas knapper bemessen werden, bei den hohen Gagen wird einem ja schwindelig) – gleiche Arbeit, gleicher Lohn, so war das doch, oder?! Dem stehen allerdings einige Barrieren entgegen: Zum einen fehlen SponsorInnen und zum anderen ist das gesellschaftliche Ansehen von Frauenfussball auch noch nicht mit dem des Männerfußballs zu vergleichen. Man beachte auch folgende sprachliche Besonderheiten:

Männer spielen Fußball. Frauen spielen Frauenfußball.

Dennoch hat der Frauenfussball in den letzten Jahren beachtliche Erfolge gefeiert. Auf hr online fasst Nicole Rautenberg die Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland kurz&knackig zusammen: Nachdem 1955 Frauenfußball verboten wurde, fand ein Jahr später bereits das erste Länderspiel gegen Holland statt. Ende der 60er Jahe wurden die Kickerinnen immer populärer und man diskutierte über die Besonderheiten beim Frauenfußball, z.B. ob die Regeln verändert werden sollten, die Tore kleiner gemacht werden oder die Spielerinnen gar Brustpanzer tragen sollen (darauf wurde verzicht). Mit dem deutschen Titelgewinn bei den Europameisterschaften 1989 im eigenen Land gewannen die Fußballerinen jeweils ein Tee Service (ja genau, ein Tee Service). Heute gibt es Prämien von 50.000 Euro bei Europa- oder Weltmeisterschaft-Gewinn (bisher gewannen die deutschen Kickerinnen 6 EM’s und 2 WM’s).

Eine beachtliche Leistung angesichts der Tatsache, dass Frauenfußball erst in den letzten Jahren wirklich mediales Interesse und vor allen Dingen Begeisterung unter den Fußball Fans auslöste. Ich bin gespannt auf das Viertelfinale und freue mich auch auf ein eventuelles Halbfinale. Die Spielerinnen holen einene erneuten Titel? Nicht ausgeschlossen!




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Eintrag geschrieben: Freitag, 28. August 2009 um 17:58 Uhr unter Inspiration, Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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16 Kommentare

  1. Steffen sagt:

    „Nun kann man nur hoffen, dass die Sportlerinnen auch irgendwann einmal die Honorare ihrer männlichen Kollegen erreichen (oder diese etwas knapper bemessen werden, bei den hohen Gagen wird einem ja schwindelig) – gleiche Arbeit, gleicher Lohn, so war das doch, oder?! Dem stehen allerdings einige Barrieren entgegen: Zum einen fehlen SponsorInnen und zum anderen ist das gesellschaftliche Ansehen von Frauenfussball auch noch nicht mit dem des Männerfußballs zu vergleichen.“

    Nicht nur das gesellschaftliche Ansehen ist nicht mit dem des Männerfußballs zu vergleichen, sondern vor allem das sportliche Niveau ist ein anderes.
    „Gleiche Leistung“ wäre es, wenn es der Frauenfußball schaffen würde, jedes Wochenende Stadien mit 50000 Zuschauern zu füllen. Dann wären auch die Sponsoren und höhere Gehälter kein Thema mehr.

    Nicht vergessen: Auch die Spieler im Männerfußball bekamen anfangs nur kleine Geldbeträge, spielten Fußball oft neben ihren eigentlichen Berufen, allerdings in ausverkauften Stadien. Das große Geld kam dann im Lauf der Zeit.

    Sobald also die Zuschauer den Fußball der Frauen so interessant finden, das Woche für Woche große Stadien gefüllt werden, dürfte sich auch das „Tee Service“ erledigt haben.

    Ein „Problem“ der deutschen Frauennationalmanschaft dürfte es zudem sein, das sie ihren Gegnerinnen so drückend überlegen ist, das ein wenig die Spannung fehlt. Ich erinnere an die letzte Weltmeisterschaft, als die deutschen Frauen ohne ein einziges Gegentor Weltmeisterinnen wurden.

  2. Magda sagt:

    „‚Gleiche Leistung‘ wäre es, wenn es der Frauenfußball schaffen würde, jedes Wochenende Stadien mit 50000 Zuschauern zu füllen.“

    Das ist keine Leistung. Das schafft Dieter Bohlen auch mit 3 Akkord Songs.

    Aber ansonsten bin ich optimistisch. Da der deutsche Frauenfußball ja noch etwas jünger ist und trotzalledem ordentliche Erfolge feierte, ist da ein guter Beweis. Eine Leistungsdebatte ist da eher schwierig – Wer weniger gefördert wird, wird weniger leisten. Demnach könnte man so argumentieren, dass die Kickerinnen sehr wohl Höchstleistungen bringen – in dem vorhandenen Rahmen eben. Ihre Arbeit ist dadurch nicht weniger leicht.

  3. Karo sagt:

    Also ich fand das WM Finale gegen Brasilien alles andere als langweilig!
    Das war sehr spannend und auf einem sehr hohen sportlichen Niveau!

    In anderen Ländern, z.B. den USA, ist der Frauenfußball übrigens viel polulärer. Da gibt es viele weibliche Fußballprofis. Der „Erfolg“ des Frauenfußballs hat meiner Meinung nach auch sehr viel mit der medialen Berichterstattung zu tun. Ich finde es schonmal einen guten Anfang, dass die EM Spiele live bei ARD/ZDF übertragen werden. Das war nicht immer so.

    Bevor man sagt, dass der Erfolg des Frauenfußballs vom „sportlichen Niveau“ abhängt, sollte überlegen, wie man dieses definiert. Für mich ist es weitaus mehr als Schnelligkeit und Kraft! Und ich denke, dies ist bei den internationalen Wettbewerben meist der einzige Unterschied zum „Männerfußball“.

  4. Christan sagt:

    @Steffen

    Genau. Frauenfußball ist weder von der sportlichen Leistung noch von der Zuschauerzahl mit Männerfußball vergleichbar.

    Das Problem ist, dass sich zuwenig Frauen für Sport als Zuschauer interessieren, insbesondere für Frauensport. Wenn alle Frauen die Fußballstadien bei Frauenspielen stürmen würden, dann würden auch ähnliche Gagen gezahlt werden.

    Bisher gilt im Sport so wie ich es überblicke der Grundsatz, dass Frauensport dann geschaut wird, wenn die Frauen dort gut aussehen und entsprechend gekleidet sind (dann zieht die Sportart männliche Zuschauer an) siehe Tennis, Beachvolleyball etc. Wenn jemand eine Ausnahme kennt, würde es mich interessieren.

    Das ist bei Fußball bisher nicht der Fall. Wenn man also die Zuschauerzahlen erhöhen will, dann sollte man weg von weite Hosen und Trickots kommen oder die Frauen ansprechen.

    Männerfußball hat auch Funktionen über das sportliche hinaus. Männer sehen sich gerne als Teil einer Gruppe, ich vermute mal, dass das ein Erbe aus der Vorzeit ist, bei der Gruppenzusammenhalt in der Jägerguppe und der Stammesgemeinschaft essentiell für das überleben war. Wenn nun ein Mann Fan eines Vereins ist, dann ist er Teil dieser Gruppe und zieht daraus eine gewisse urzeitliche Bestätigung. Die einen brauchen eine erfolgreiche Gruppe, zB Bayern München für ihre Bestätigung, die anderen können bei Teams, die verlieren, aber zu denen sie eine Verbundenheit haben, gerade das Gefühl, dass sie auch in schlechten Tagen zu der Gruppe halten und damit ein besonderes loyaler Teil (=wichtiger Teil) der Gruppe sind, auskosten.
    Das können Frauensportarten Männer nicht bieten, weil dort der Identifizierungsaspekt nicht greift.

    @Magda
    Natürlich ist das eine Leistung. wenn es so einfach ist, dann sollen es die Frauen mal nachmachen.

  5. Juli_K sagt:

    Männer sehen sich gerne als Teil einer Gruppe, ich vermute mal, dass das ein Erbe aus der Vorzeit ist, bei der Gruppenzusammenhalt in der Jägerguppe und der Stammesgemeinschaft essentiell für das überleben war. Wenn nun ein Mann Fan eines Vereins ist, dann ist er Teil dieser Gruppe und zieht daraus eine gewisse urzeitliche Bestätigung.

    Aha aha, gut zu wissen, wie „ihr Männer“ so seid…

  6. miri sagt:

    @christan

    komisch, umgekehrt funktioniert es doch aber auch.
    Ich als Frau kann mich ebenso martialisch für mein Team begeistern und die komplette Bestätigung urzeitlich anmutender Gefühle von Kampfgeist, loyalität, Gruppe usw erfahren- auch wenn mein Team ein Männerteam ist.

  7. Thomas sagt:

    Denke, der Männerfußball existiert eben lediglich länger und wird für mein Empfinden derzeit vermehrt mit einer Art „Neomaskulismus“ inzeniert mit agressiven Siegertypen, wenn man so die Vorschauen sieht.

    Jemand prägte hier vor einigen Monaten den treffenden Begriff „Fußballterror“. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke war dies wirklich die fast einzig angebotene Alternative für Jungen, der „König Fußball“.

    Wer an dieser Sportart Spaß hat kann es ja ruhig tuen, die Medienpräsenz insbesondere zur Zeit von WM und EM nervt manchmal und es gibt ja auch viele andere Sportalternativen.

    Es ist m.E. sehr schade, daß die weibliche Präsenz in den Kampfsportarten zurückgeht. Meine Empfehlung : Anmelden und mitmachen.

  8. illith sagt:

    @thomas:
    woran machst du das fest mit dem rückgang in kampfsportarten? bzw über welchen zeitraum beobachtest du dies?
    weil wenn man sich die letzten jahre so anschaut, ist „frauenboxen“ durch Halmich und Kentickian doch ziemlich salonfähig geworden.
    und kandidatinnen wie Gina Carano oder deren „gegenstück“ Chris Cyborg Santos sind zumindest szeneintern doch schon sehr ‚prominent‘ – leider zumindest bei Gina auch zu großen teilen wegen ihrem aussehen und ihren „sexy pics“ (warum nur, Gina, warum? ;_; )

  9. doxidox sagt:

    gleiche Arbeit, gleicher Lohn, so war das doch, oder?!

    Nur dass halt leider nicht nur die Arbeit zählt, sonder viel mehr das Ergebnis. Wenn ich als Mann in einem Hobbyverein spiele, gebe ich auch jedes Spiel 100% Einsatz, verdiene aber auch keine 12 Millionen € im Jahr.

    Und Frauenfußball ist global gesehen (mit Ausnahme eben von ein paar wenigen Ländern) Technisch und Taktisch noch sehr weit hinter dem Männerfußball zurück … weshalb das Ergebnis oft eher an ein Regionalliga-Spiel erinnert. Und das wollen sich eben nicht so viele Leute ansehn.

  10. miepmiep sagt:

    ich mag keine menschen, die nur bei welt- und europameisterschaften fußball gucken, weil sie dann vor einer leinwand party machen können und ihre nation feiern – ohne irgendwas von fußball zu verstehen. zu 99 prozent sind das frauen, die dann im bikini das titelblatt des spiegels zieren. sorry für die vorurteile, aber ich als echter weiblicher fußball-fan bin manchmal genervt davon, in diese schublade gesteckt zu werden :)

  11. Helga sagt:

    @miepmiep Ich verstehe, dass Du frustriert bist, als weiblicher Fußballfan in die „Opportunistenfan“-Schublade gesteckt zu werden, aber niemand ist ein falscher Fan, nur weil er sich für internationale Meisterschaften statt Bundesliga oder 2. Liga oder was auch immer interessiert.

  12. maria sagt:

    finale!!!!
    ganz ehrlich, es macht doch viel mehr spass unsren damen beim gewinnen zuzusehn als den herren beim verlieren

  13. miepmiep sagt:

    @helga: „internationale meisterschaften“ …. ja, champions league spiele sind natürlich toll: fußball auf höchstem niveau. aber wer sich nur für nationen-fußball interessiert, interessiert sich nicht für den fußball selbst. der ist nämlich um längen schlechter als vereins-fußball.

  14. Helga sagt:

    @miepmiep: Eltern die sich „nur“ für die Spiele ihrer Sprößlinge interessieren oder Leute, die sich für ihre eigene Mannschaft, die in einer Amateurliga spielt, interessieren, interessieren sich für auch nicht für „Fußball selbst“?

  15. […] Infos und Artikel zum diesem Thema: Fußballfieber, FIFA Women’s World Cup […]

  16. miepmiep sagt:

    jep, die eltern interessieren sich dann für die kinder, nicht den fußball. schon klar, dass kein sport nur der sport selbst ist – sport ist auch eventkultur. den frauen seien ihre nationen-parties vergönnt. sie sollen nur nicht so tun, als ob sie fußball-fans wären ;)