Für Mädchen: schön, schlank, sexy

von Barbara

Vor ein paar Wochen schimpfte die Berliner Zeitung mit den Mädchenzeitschriften: Sugar, Bravo Girl! und Mädchen würden die Heranwachsenden konsequent darauf hintrimmen, alles fürs Aussehen zu tun, um sich so einen coolen Typen zu angeln. Nichts Neues, aber dennoch richtig erkannt:

Während junge Frauen in der Pubertät tausende komplizierte Fragen über sich selbst, die Anderen und die Welt beschäftigen, hält die Lieblingszeitschrift einfache Antworten bereit. Sei schön, sei schlank, sei sexy. Denn darauf stehen Jungs.

Der Artikel zitiert auch Doris Katheder, Germanistin und Feministin. Auch sie resümiert das Los der jungen Mädchen:

Wenn sie nun all das tun, was ihnen die Zeitschriften empfehlen, stehen die Chancen vielleicht besser. Und wenn man mit den Jungs zusammen über die Witze der Jungs lacht, befinden sich Mädchen hier schon mal auf der “richtigen”, der chancenträchtigeren Seite. Auch wenn es gegen das eigene Geschlecht geht.

Über die Witze in Bravo Girl! haben wir an anderer Stelle bereits berichtet. Von Doris Katheder erscheint demnächst das Buch “Mädchenbilder in deutschen Jugendzeitschriften der Gegenwart: Beiträge zur Medienpädagogik”.

Was müsste drinstehen, in der Mädchenzeitschrift, die Teenager statt Sugar, Bravo Girl! oder Mädchen kaufen sollen? Wie umgehen mit den schwierigen Themen eigener Körper, Verliebtsein und Wer bin ich eigentlich? Und welches Heft empfehle ich denn nun einem 12-jährigen Mädchen?

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22 Kommentare zu “Für Mädchen: schön, schlank, sexy”

  1. christina schreibt:

    In grauer Urzeit (frühe Achtziger) war “Mädchen” mal ein richtig okayes Heft mit vielen Reportagen über außergewöhnliche Frauen und Mädchen, gesamtgesellschaftlichen Themen und einfühlsamen Artikeln über Sex, Körper, Pubertät etc. Quasi eine “EMMA” für junge Frauen. Irgendwann Mitte/Ende der achtziger Jahre kippte das Ganze und “Mädchen” wurde ein quietschbuntes, grelles Mode-Diät-Sexterror-Kosmetik-Blatt, das Rip-Offs wie “Bravo Girl” nachzog. Schade, schade… einem heute 12-jährigen Mädchen kann man natürlich nicht verbieten, Mädchen und all die anderen Hefte zu lesen (wie uns ja früher auch nicht) - vor allem, wenn Mama auch nur “Bild der Frau”, “Freundin” und “Für Sie” kauft. An den Missy-Magazine-Macherinnen hängt ne ganze Menge, glaube ich!

  2. Anna schreibt:

    Ich fand die Young Miss immer sehr gut. Also nicht bym oder so, sondern die alte Zeitschrift. Das war erst nur ein Sonderheft zur Brigitte und wurde dann monatlich.

  3. profin schreibt:

    Die alte Allegra…

  4. Anna schreibt:

    Aber doch nicht für 12jährige.

  5. Antje Asmus schreibt:

    @Anna
    Ich grüße Dich (unbekannterweise natürlich)! Denn:
    Ich fand die alte Young Miss auch ziemlich gut, auch rückblickend merke ich öfters, dass es a) so eine Zeitschrift nicht mehr gibt und b) dass dieses Magazin mich mit sozialisiert hat (echt ohne Übertreibung) und mein Selbstbewusstsein gesträkt hat. Ohne Quatsch, ich saß manchmal in der Schule und habe meinetwegen an irgendeinen Artikel gedacht oder so und habe damit irgendwelche Unsicherheiten überwunden.
    Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, dass das Motto lautete: “hey du bist ok so wie du bist und Du kannst Deine Ziele erreichen, wenn Du an dich glaubst.” Probleme in der Pubertät wurden differenziert angesprochen. Mittels der typischen Psychotests konnte Selbstreflexion betrieben werden, ist schließlich ganz wichtig in der Pibertät. Zudem wurden viele interessante Themen, z.B. auch Kulturelles thematisiert. Wenn ich mich recht erinnere hat z.B. auch Karen Duve einer ihrer Geschichten als erstes in Young Miss veröffentlicht und seitdem schätze ich sie. Ausserdem wurden sogenannte Gesellschaftsthemen in Form von kleineren Reportagen diskutiert. Hinzu kamen Länderberichte, ja sogar Reisetips und ich glaube es selber gar nicht, wenn ich es schreibe, ich bin tatsächlich mehrmals darauf hin und zu den genannten Adressen in die entsprechenden Länder gefahren.
    Insgesamt fühlte ich mich von der Young Miss ernst genommen, bestärkt und sehr gut unterhalten (selbst die Rezepte koche ich heute noch) und außerdem war sie auch was dasLayout anging außergewöhnlich. Diese Liebe zum Detail und zu Farben ist meines Erachtens heute nicht mehr zu finden. Und: ich kann mich nicht erinnern, dass es häufig um Jungs oder deren Meinung ging..
    Selbst diese ganze Beauty-Mode-Kosmektik-Matrix war erträglich.
    Das ist soder Mix, den ich mir für jüngere Frauen so bis 22 Jahre wünschen würde. Meine jüngere Schwester konnte die Young Miss schon nicht mehr lesen, weil sie eingestellt wurde.
    Ich hatte sie ganz lange im Abo und irgendwann, ja da fühlte ich mich dann doch zu alt, die Themen wiederholten sich z.T. Da bin ich direkt auf EMMA umgestiegen.(Während die BRIGITTE mit der Young Miss überhaupt nicht stand halten konnte!)
    Was EMMA fehlt gabs bei Young Miss. Dafür muss ich als einziegen KRitikpunkt einwerfen, kamen bei Young Miss die “harten” Themen zu kurz: Politik, Geschlechterdiskriminierung, Diskriminierung im Beruf etc.

    So nun habe ich mir `nen Wolf geschrieben und ne Lobeshymne verfasst, ach ich wollts schon immer mal raus posaunen, wie wichtig diese Zeitschrift für mich war.

    Vielleicht liest das ja ne ehemalige Macherin, wenn ja dann also: DANKE.

    Es grüßt
    Antje

  6. Anna schreibt:

    Antje, danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, das alles aufzuschreiben… Ich war leider zu faul.

    Ergänzung:
    Die YM hat immer von “Leserinnen” gesprochen und auch sonst immer die weibliche Form verwendet, wenn es angebracht war. Ohne dogmatisch zu sein.

  7. SoE schreibt:

    Ach ja, an die Young Miss kann ich mich auch noch erinnern, davon hatte ich auch fast alle Ausgaben. Aber mit der bym (schreibt man das so?) hörte es auf. Ich dachte damals, ich sei einfach aus dem Alter raus, aber 22 war ich noch nicht… soweit ich mich erinner, ging es da auch um Jungs und Schminken, aber es war nicht so aufdringlich wie in den anderen Zeitschriften. Und es wurden viele Musikerinnen, junge Autorinnen etc. vorgestellt und es gab doch auch diese Rubrik über bekannte und unbekannte, aber wichtige Frauen.

    Seit ich mal längere Zeit in einem Zeitschriftenladen gearbeitet hab, kann man mich mit den Dingern aber eh jagen. Anscheinend stehen Frauen nur auf Neuigkeiten über Königshäuser (die Rentnerinnen), Diät- und Gartentipps (die ab 30), bzw. Jungs und Klamotten (die Mädchen). Wobei Klatschmagazine für jüngeres Publikum ja auch wieder im Kommen zu sein scheinen…

    Meine größte Freude dabei ist immer gewesen durchzuzählen, wieviele Blätter zu ein und demselben Thema völlig unterschiedliche Aussagen hatten. Am besten sind dabei die Geschichten über die Prinzessinnen. Das eine Blatt sieht sie halb tot, das nächste schon vor der außerplanmäißgen Krönung ^^

  8. Neeva schreibt:

    Einem zwöfjährigen Mädchen würde ich den Stern empfehlen, um einen Überblick über allgemeine Themen zu bekommen. Ein dickes Minus ist beim Stern das ständige Ausstellen weiblicher Körperteile (nicht mal ganzer Frauen, aber das ist ein anderes Thema) Dafür werden die jeweils aktuellen Themen kurz und bündig abgehandelt.

    Für Kultur, Literatur und sowas finde ich Das Magazin absolut toll. (http://www.dasmagazin.de)

    Wie ihr seht, bin ich absolut kein Fan von Frauen- und Mädchenzeitschriften. Auch die Lektüre der EMMA kann ich nicht so richtig genießen, weil ich mich immerhin genug beeinflussen lasse, um die nächsten zwei Tage mit einer wahnsinnigen Wut auf die Gesellschaft/Männer/dumme Frauen rumzulaufen. Gehts noch jemandem so?

  9. A.M. schreibt:

    Ich denke auch, dass die Frage, was für junge Frauen empfehlenswert ist, eine Klatsche für den Feminismus ist. Die Frage sollte vielmehr lauten: Was ist für junge Menschen empfehlenswert? Da schlage ich die Junge Karriere vor (vom Handelsblatt, auf das bei Bedarf umgestiegen werden kann), und später die Wirtschaftswoche.

  10. flawed schreibt:

    A.M.: Die Frage ist keineswegs eine “Klatsche”, wenn man nicht meint, in einer entgenderten Parallelwelt zu leben. Aber wenigstens bist Du ja was den Kapitalismus betrifft ganz in der Realität.

  11. A.M. schreibt:

    Jepp, ebenso wie Cornelia Schmergal, Reporterin der Wirtschaftswoche, Linda Cook (Shell), Cynthia Carroll (Anglo American), Ho Ching (Temasek Holdings), Anne Lauvergeon (Areva), Indra Nooyi (Pepsi), Irene Rosenfeld (Kraft Foods), Meg Whitman (ebay) und viele andere Damen (die übrigens fast alle Kinder haben). Ich finde, ich bin in guter, feministischer Gesellschaft. Wenn Du natürlich meinst, dass seien keine guten Vorbilder für junge Mädchen, werde ich das akzeptieren. Ich hoffe dennoch, dass viele sich entscheiden, Info- und Wissensmagazine zu lesen.

    Übrigens möchte ich eine Rubrik über Frauen anregen, die als Vorbilder in der Wirtschaft für junge Mädchen dienen können und vielleicht einmal die Woche vorgestellt werden. Dann haben die jungen Damen auch tatsächlich die Wahl zwischen (Zitat Christine) quietschbuntes, grelles Mode-Diät-Sexterror-Kosmetik-Blättern, und wirklich interessanten Magazinen.

    Schönes Denglisch, übrigens!

  12. Schnatterinchen schreibt:

    Sowas in der Art gab’s vor einiger Zeit in der FTD (auch eine für Mädchen empfehlenswerte Zeitung) und anschließend als Buch: http://www.amazon.de/T%C3%B6chter-deutschen-Wirtschaft-Weiblicher-Familiennachwuchs/dp/3898794075

  13. A.M. schreibt:

    Stimmt, die FTD ist hervorragend.

  14. OD schreibt:

    Natürlich ist es auf der einen Seite Sinnvoll, Mädchen von 12-16Jahren durch Magazine wie “Junge Karriere” etc. vernünftige Vorbilder an die Hand zu geben (ich gebe meiner kleinen Schwester auch regelmäßig entsprechende Tipps…) aber man sollte auch mal realistisch sein und überlegen, was in Kindern (Mädchen wie auch Jungen) in dem Alter so vorgeht.
    Da verändert sich der Körper, plötzlich wachsen einem Brüste, die Hüften werden Runder, überall sind Haare… aber die Brüste sind natürlich bei weitem nicht so perfekt wie im Fernsehen.
    Und dann bekommt man die Periode, oder eben auch nicht… und alles ist neu und anders. Dann kommen die Hormone dazu und plötzlich werden die Jungen ganz anders interessant… etc. .
    Eine Vernünftige Zeitung für Mädchen in diesem Alter sollte auch solche Punkte ansprechen, aber auf eine Vernünftige, nicht bestimmte Stereotypen von Körpern und Gesichtern verherrlichende Weise.
    und auch Beziehungen, auch Sexueller Art zwischen gleichen und verschiedenen Gelschtern sollten angesprochen werden und eben ein anderes Bild von Beziehungen als das in den gängigen Zeitschriften verkaufte (hey, Jungen finden dich auch toll, wenn du Stark und Selbstbewusst bist und deine Eigene Meinung hast…).
    Zusammenfassend glaube ich, dass Mädchen in diesem Alter, in dem sie eine Starke Körperliche und Hormonelle Veränderung durch machen, trotz allem Feminismus Medien brauchen werden, die sich mit ihnen beschäftigt.
    Eine Zeitschrift, die dies tut, kenne ich nur leider nicht!

  15. anni schreibt:

    OD, das ist genau meine Meinung. Danke schön.

  16. flawed schreibt:

    O.D.: Genau.

    Und ob die Vorbilder aus “Junge Karriere” o.ä. (und insbesondere die Anforderungsprofile, die da vermittelt werden) so gesund sind für Mädchen und Jungen, darüber könnte man dann auch nochmal diskutieren, aber das ist ein anderes Thema.

  17. Schnatterinchen schreibt:

    Aber an irgendeiner Stelle muss man anfangen, wenn man nach der Hälfte des Himmels greifen will. Und die Hälfte des Himmels wollen Mädchen/Frauen laut Feminismus ja erobern. Oder stimmt am Ende was mit diesem feministischen Anspruch nicht? Nach meiner unrepräsentativen Erfahrung haben jedenfalls sämtliche Mädchen, die während der Pubertät ausgiebig “Mädchenzeitschriften” lasen, später keine Karriere gemacht, die für eine Geschlechterumverteilung auf wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Spitzenposten gesorgt hätte.

  18. OD schreibt:

    @Schnatterinchen
    Das eine schließt das andere ja nicht aus. Ein gutes Heft für junge Mädchen sollte Karrieregeschichten von Frauen mit anderen, für Mädchen in den Alter meist zunächst spannenderen Themen kombinieren - frei nach dem Motto “mit Speck fängt man Mäuse”.
    Eine 12-16 jährige wird sich kaum von alleine ein Karrieremagazin kaufen und sich dort ihre Vorbilder suchen - und die Mädchen, die das tun, brauchen so was in der Regel nicht mehr.
    Na ja… und warum ich, als ehemalige “Bravo-Girl”-Abonnentin demnächst in einem der Typischsten Männer-Karriere- Berufen, mit einem der geringsten Frauenanteilen Deutschlands promovieren werde, verstehe ich bis heute nicht…

  19. Goofos schreibt:

    Nach meiner unrepräsentativen Meinung weil sie glauben sie könnten mit Aussehen alles erreichen, eben so wie sie damit Jungs angeln usw. Achso und Petrus sollte sich davon eigentlich nicht beeindrucken lassen.

  20. Schnatterinchen schreibt:

    “Na ja… und warum ich, als ehemalige “Bravo-Girl”-Abonnentin demnächst in einem der Typischsten Männer-Karriere- Berufen, mit einem der geringsten Frauenanteilen Deutschlands promovieren werde, verstehe ich bis heute nicht…”

    Ok, dann ist es mit Bravo-Girl & Co. wahrscheinlich so wie mit dem Fernsehen: macht die Dummen dümmer und die Schlauen schlauer. ;-)

  21. Laura schreibt:

    Für mich gehören in ein gutes, aber auch realistisches Mädchenmagazin fundierte Interviews mit Stars, die sich eben nicht dem Schönheitswahn beugen, die sich für die Umwelt oder die Gesellschaft einsetzen, sie sollen erklären, weshalb sei das tun, und wie man im Kleinen auch etwas beitragen kann.

    Artikel, und zwar solche, die länger als eine halbe A4-Seite lang sind, darüber, weshalb die Diäten der Stars krank machen.

    Artikel über das Leben von Gleichaltrigen in anderen Kulturen.

    Artikel die Mädchen in ihrer eigenen Meinung bestärken und sie für Themen sensibilisieren, die sie täglich umgeben: Gruppendruck, Mobbing, Gewalt, aber sicher auch Mode und Schminke, weils halt einfach interessiert.

    Ich fand die Young Miss auch immer toll, sie wurde dann aber zur BYM, und die fand ich eher daneben.

  22. Antje schreibt:

    Ok, ich möchte noch mal beteiligen:
    @ A.M.
    Selbstverständlich (!!) ist es auch jungen Mädchen und Frauen anzuraten, sich intensiv mit Wirtschafts- und Infomagazinen zu beschäftigen, sowie Tageszeitungen zu lesen!
    Es ist doch aber wohl klar, dass hier keine davon ausgeht, dass junge Mädchen NUR eine Zeitung verkraften, oder? (Die EMMA z.B. erscheint nur alle zwei Monate, reicht ja wohl nicht aus, oder?)
    Da gibt es doch einfach auch unterschiedliche Interessen, die mal mit dem oder mal mit der Zeitung befriedigt werden.
    Aber, die beschreiben eben jeweils für sich nur die halbe Wahrheit. So und erfolgreiche Frauen in der Wirtschaft sind die Ausnahme und so zu tun, als wäre das nicht so und dafür gebe es keine Gründe verdeckt Ungleichheit und macht sie zu einem individuellen Problem.
    Um das zu verstehen bedarf es aus feministischer Sicht eben auch Magazine, die das problematisieren! Und die EMMA z.B., bei aller Kritik s.o., tut das immer wieder und sie stellt übrigens auch immer erfolgreiche Frauen vor, die als Vorbilder durchaus herhalten können.

    Ich will es nochmal ganz deutlich sagen:
    In ganz Deutschland ist es STANDARD bei Ersteltern, dass der Mann Vollzeit arbeiten geht und die Frau gar nicht oder nur Teilzeit!!
    Habt Ihr gehört Mädels, das ist Standard! Alles andere ist die Ausnahme.
    (vgl. Reichert, Elisabeth: Doppelte Transformation des Ernährermodells. Eine Längssschnittstudie zur Erwerbsbeteiligung bei Ost- und Westdeutschen Paaren nach der Geburt des ersten Kindes. Würzburg, 2007.)
    Das schreit zum Himmel.

    Es grüßt
    Antje

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