Frauen im Blaulichtmilieu

von Susanne

Dieses Plakat ist ein echter Hingucker, wenn man auf der Straße daran vorbeiläuft. Nach dem ersten Schock, ‚Frauen an den Herd?!‘, kommt das Ganze sehr sympathisch rüber. Also doch mal schauen, was das soll. Aha, der Deutsche Feuerwehrverband will die Zahl der Feuerwehrfrauen verdoppeln und hat dafür die Aktion „Frauen am Zug“ ins Leben gerufen. Sie wollen damit ihr „Ziel plakativ und charmant irritierend vermitteln“ – was, wie ich finde, gut gelingt.

Die Initiative selbst klingt richtig ambitioniert: Die Feuerwehr hat nicht nur erforschen lassen, warum im Westen nur sechs Prozent und im Osten nur elf Prozent der Feuerwehrleute weiblich sind, sondern daraus dann auch Leitlinien entwickelt, mit denen die Feuerwehr Mädchen und Frauen leichter in den Dienst integrieren können. Mit der Plakataktion soll diese Erneuerung der Feuerwehr nun auch der Öffentlichkeit gezeigt werden.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 22. August 2008 um 11:20 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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16 Kommentare

  1. OD sagt:

    So sehr man solche Aktionen auch begrüßen mag, sollte man sich bewusst sein, was der weitere Sinn dahinter ist.
    Die freiwillige Feuerwehr hat ein massives Nachwuchsproblem, ihnen fallen die Leute weg.
    Irgendjemand sehr klugen muss dann aufgefallen sein, dass 50% der Bevölkerung, sprich die Frauen, bisher bei aller Werbung noch völlig unter den Tisch gefallen sind und man versuch nun, um die Freiwillige Feuerwehr an sich zu retten, sie auch für Frauen interessant zu machen…

  2. Miriam sagt:

    Und was ist daran nun so „schlimm“? Die Feuerwehr hat scheinbar erkannt, dass es in der deutschen Bevölkerung ein ungenutztes Potential für Personal gibt, da sind sie weiter als viele Politiker. Zugegeben, eine recht späte Einsicht angesichts von 50 Jahren Gleichstellung, aber hinter jeder Werbung immer gleich rein egoistische Absichten zu vermuten finde ich zu eindimensional. Werbung hat einen sehr großen Einfluss auf gesellschaftliche Strukturen, ebenso spiegelt sie aber auch Strukturen einer Gesellschaft wieder. Und wenn es also mittlerweile bis zum deutschen Feuerwehrverband, i.d.R. ein ziemlich machoistischer Haufen, durchgedrungen ist, dass Frauen auch „ihren Mann stehen“ können, dann mögen da auch strategische überlegungen für die Nachwuchssicherung dahinter stecken, aber es zeigt eben auch, dass sich in den letzten 50 Jahren einiges getan hat.
    Und ist nicht eines der Lieblingsargumente von den Antifemministen, dass Frauen sich vor den gefährlichen Aufgaben drücken und die Männer die lebensgefährlichen Jobs machen lassen? Umso mehr sollte man als Feministin eine solche Kampange unterstützen und nun nicht sagen, ach, die lassen uns nur mitspielen, weil sie sonst keinen Dummen mehr finden.

  3. OD sagt:

    Ich habe nicht gesagt, dass es schlimm ist, finde ich auch überhaupt nicht… eher im Gegenteil!
    Ich glaube, meine Aussage ist eher als Antwort auf Angriffe alá: „Warum müssen immer nur Frauen gefördert werden, was ist mit den Männern? “ , die meistens auf solche Aktionen folgt, da Männer sich benachteiligt fühlen..
    Sich solche Mechanismen klar zu machen, ist die beste Möglichkeit, genügend Argumentationen zu haben, wenn man einmal wieder Mittel für Aktionen wir den „Girl-Day“ beantragen will.
    Ich sehe ein, dass mein Beitrag da wirklich falsch zu verstehen war – es geht mir darum, dass die Gründe, die es für eine solche Kampagne gibt, sich auch sehr einfach auch andere Bereiche ausdehnen lassen – und das solche Aktionen der Frauenförderung, die keines Wegs nur den Frauen nutzen, sondern am Ende die ganze Gesellschaft, inkl.. der Männer, deren Haus in Zukunft von fleißigen Frauen gelöscht wird.. und genau so sollte es sein!

  4. Thomas sagt:

    Respekt!

    Ich hatte bisher das eigene Vorurteil gepflegt, Quoten werden nur da gefordert wo es sicher, warm und gemütlich ist. Da muß ich ja jetzt die Schn… halten.

    Gestern sah ich zum ersten Mal in meiner Stadt eine Straßenreinigungsfrau. M.E. tut sich etwas und ich kenne mittlerweile viele Frauen die sich für bestimmte Sachen nicht zu fein sind.

    Dann macht mir als Mann auch das Kloputzen Spaß, sofern ich nicht mit gezogener Klobürste dazu gezwungen werde :-).

    Gleichbehandlung in alle Richtungen, warum nicht. Für alle Menschen gleiche Chancen, gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleiche Möglichkeiten, gleiche Freiheiten.

    Etwas amüsierend (tschuldigung) finde ich wieder die Art der Kontaktlisten wo von „Netzwerken“ die Rede ist : http://www.frauen-am-zug.de/3.html

    Na ja, ich nehms mit einem Augenzwinkern *lach*. Trotzdem, wirkliche Gleichberechtigung : Respekt!

  5. Miriam sagt:

    @ OD: Jetzt hab ich dich wohl richtig verstanden, danke für die weitere Ausführung.

    @ Thomas: Ja, dieses Vorurteil gibt es leider allzu oft. Und stell dir vor, die lebenserwartung von Frauen ist gesunken, seit sie mehr und mehr am Arbeitsmarkt partizipieren. Also nichts mit „Nur die Vorteile abgreifen wollen“.

  6. Nils sagt:

    Als „Antifeminist“ finde ich die Aktion super!

    (*prust* Wenn es darum geht Gegner zu definieren ist „Feminismus“ plötzlich wieder eine ganz eindeutig definierbare Sache)

  7. Matze sagt:

    @OD: Ein Mann, der meint, dass diese Aktion ihn benachteilige, ist ein Vollpfosten.

    Eine Frau, die sich denkt: „Ach, Männer sind jetzt wohl zu feige/bequem für den Job? Die Frauen sollen das jetzt *auch noch* machen, und das wird als Gleichberechtigung verkauft?“ ist eine Vollpfostin, die, wie Miriam bereits erwähnt hat, dem Klischee der AntifeminstInnen entspricht. (Um Missveratändnisse zu vermeiden: Dich meine ich damit sicherlich nicht.)

  8. Judith sagt:

    seit wann dürfen frauen eigenltich überhaupt zur feuerwehr?
    als ich ende der achzigerjahre beim obligatorischen klassenausflug zur feuerwehr war, war ich ziemlich begeistert – bis zu dem punkt als uns der typ in einem nebensatz erwähnt hat, dass das natürlich nur was für männer ist, weil für frauen viel zu gefährlich.

  9. Thomas sagt:

    @Judith: Es gibt und gab wohl Männer (ich kenne jedoch kaum einen) – eine Frau hat um 1971 herum dazu ein sehr unpopuläres Buch geschrieben – die die ihnen definierte Rolle mit Begeisterung introjiziert haben frei nach der Devise „schön-stark-mutig“ :
    Schön vorn Schrank gelaufen, stark abgeprallt, mutig wieder davor gerannt.

    Solche Wertesysteme werden am Leben gehalten mit Belohnungs-Sanktionierungs-Versagungsszenarien und bringen dem Betreffenden zumindest eine subjektiv erlebte vorübergehende Selbstwertsteigerung.
    Wer daran Spaß hat….

    Ich möchte für mich solche däml… Rollen nicht mehr einnehmen.

    Meinen Wohnungsbrand kann gerne eine Frau löschen oder auch zwei.

  10. Nils sagt:

    @Thomas: Die tradierten Geschlechterrollen hatten schon immer mehr weibliche als männliche Befürworter.

  11. Anna sagt:

    Judith, hat der Mensch da wirklich ein „dürfen“ bzw „nicht dürfen“ erklärt, oder einfach nur seine pesönliche Macho-Haltung wieder gegeben?

  12. SoE sagt:

    Ehrlich gesagt fürchte ich, dass die freiwilligen Feuerwehren schon ein bißchen zu spät sind. Vor einiger Zeit habe ich mal einen Bericht gelesen, dass deren Problem nämlich nicht der Nachwuchs ist (es gibt mehr Jugendfeuerwehren mit mehr Mitgliedern als jemals zuvor), sondern dass viele Leute heute Pendler sind. Und Feuerwehrmänner, die zum Notfall erstmal ne Stunde von der Arbeit fahren, helfen ihnen gar nicht. Da ist den freiwilligen Feuerwehren dann aufgefallen, wer tatsächlich noch „vor Ort“ ist: Hausfrauen. Nur dass die im Moment auch nicht mehr werden in Deutschland.

  13. Judith sagt:

    @Anna
    ne, ne. schon nicht dürfen im sinne von „verboten“ oder „gegen die vereinssatzung“. irgendwann stand dann mal im lokalblatt meines heimatortes, dass die das geändert haben, weiß aber nciht mehr wann.

    so ganz einfach ist die sache wohl auch heute noch nicht:

    artikel, der heute in „diestandard.at“ steht (also nicht in längstvergangenen achtzigerjahren)

    http://diestandard.at/?url=/?id=1219060379925

    also, ich kenn ja die genauen umstände der geschichte nicht und in österreich ist halt sowieso eh immer alles ein bisserl äh .. anders.

    klasse auch die ergebnisse folgener umfrage in einem österreichischen feuerwehr „fachmagazin“:

    http://www.feuerwehrobjektiv.at/index.php?option=com_poll&task=results&id=22&Itemid=38

  14. Anna sagt:

    Ich muss gerade daran denken, dass mein Politiklehrer damals gegen Frauen bei der Bundeswehr (bzw im Kampfeinsatz) mit der unglaublichen Begründung argumentierte, dass man doch keine getrennten Duschen an der Front organisieren könne.

  15. Goofos sagt:

    „Und ist nicht eines der Lieblingsargumente von den Antifemministen, dass Frauen sich vor den gefährlichen Aufgaben drücken und die Männer die lebensgefährlichen Jobs machen lassen?“

    Sieht so aus wie wenn die Frauen in der Feuerwehr Antifeminsistinnen sind, heisst das Feministinnen drücken sich immernoch?

    http://www.feuerwehr-weblog.de/2007/05/09/kritik-an-dfv-plakataktion/

    Ich finde leider nicht mehr einen ausführlicheren Artikel darüber. Das Thema ist auf jeden Fall schon ein alter Hut und wurde auch von den Antifeministen diskutiert. Unter anderem auch darüber wieso man erst mal Geld für Studien rausschmeissen muss, die blöden Sprüche von vdL und wieso man den roten Teppich für Frauen ausrollen sollte.

    Ich würde behaupten die Frauen bei der Feuerwehr ziehen das gut durch mit der Gleichberechtigung, vorallem weil sie anscheinend nicht unter einem kompletten Realitätsverlust leiden und sich selbst beweihräuchern bis zum geht nicht mehr. Wenn ich mich recht erinnere machen sie auch klar, dass „Quotenfrauchen“ nicht erwünscht sind. Fraglich ist nur was die Feministinnen und vdL daraus machen.

  16. profin sagt:

    Danke für den Link zum Feuerwehr-Weblog. Die Kommentare da diskutieren wirklich fein die Aspekte der Kampagne ohne dass irgend jemand groß im Thema daneben greift.